Ein heroisches Weib - Józef Ignacy Kraszewski - E-Book

Ein heroisches Weib E-Book

Józef Ignacy Kraszewski

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Beschreibung

Józef Ignacy Kraszewskis "Ein heroisches Weib" ist eine eindringliche Erzählung, die sich mit den Themen Mut, Loyalität und dem Einfluss von Frauen in der Geschichte auseinandersetzt. In einem stilistisch abwechslungsreichen Prosa vermittelt Kraszewski die Geschichten von starken Frauen, die in entscheidenden historischen Momenten glänzen. Der Autor verwebt Realismus und romantische Elemente, um den Leser in eine Zeit zu entführen, in der persönliche und nationale Konflikte untrennbar miteinander verbunden sind. Die literarische Tiefe und die metaphorische Dichte seiner Erzählung reflektieren die Einflüsse des polnischen Nationalromantizismus und zeigen dabei eine geschickte Handhabung der Sprache. Józef Ignacy Kraszewski, als einer der bedeutendsten polnischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, war nicht nur ein talentierter Autor, sondern auch ein engagierter Historiker und Publizist. Seine weitreichenden Kenntnisse der polnischen Geschichte und Kultur, gepaart mit persönlichen Erfahrungen in einer von Umbrüchen geprägten Zeit, haben ihn zu einem Meister des Geschichtenerzählens gemacht. Kraszewski brachte in "Ein heroisches Weib" seine Überzeugung zum Ausdruck, dass Frauen in der Gesellschaft und Geschichte eine entscheidende Rolle spielen, was in den damaligen patriarchalen Strukturen besonders bemerkenswert war. Dieses Buch ist jedem Leser zu empfehlen, der sich für zeitgenössische gesellschaftliche Themen sowie die Rolle der Frauen in der Geschichte interessiert. Kraszewskis Fähigkeit, fesselnde Charaktere zu schaffen und sie in bedeutende historische Kontexte zu setzen, macht diese Erzählung zu einem unverzichtbaren Werk der polnischen Literatur. Lassen Sie sich von der Stärke und dem Mut der Protagonistinnen inspirieren und tauchen Sie ein in eine bewegende Welt, die sowohl lehrreich als auch ergreifend ist. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Józef Ignacy Kraszewski

Ein heroisches Weib

Bereicherte Ausgabe. Historischer Roman
Einführung, Studien und Kommentare von Noah Richter
EAN 8596547731801
Bearbeitet und veröffentlicht von DigiCat, 2023

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Synopsis
Historischer Kontext
Ein heroisches Weib
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate
Notizen

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Zwischen stiller Pflichterfüllung und unbeirrbarer Zivilcourage erkundet Ein heroisches Weib die unscheinbaren Orte, an denen sich Ethos, Verantwortung und persönliche Würde gegen die Zumutungen von Alltag, Konvention und Macht behaupten, und zeigt, wie aus leisen Gesten der Loyalität, aus Gewissenstreue im Verborgenen und aus der hartnäckigen Weigerung, Unrecht als Naturgesetz hinzunehmen, eine Form von Mut erwächst, die weder Spektakel noch Pathos braucht, um Wirkung zu entfalten, sondern ihre Glaubwürdigkeit aus der Geduld, der Fürsorge und dem beharrlichen Festhalten an einem inneren Maß bezieht, und die dennoch die Ordnung ihres Umfelds unmerklich, aber nachhaltig verschiebt.

Józef Ignacy Kraszewski, einer der produktivsten Autoren des 19. Jahrhunderts, bewegt sich mit diesem Werk im Bereich der realistischen Erzählprosa, die das soziale wie private Gefüge einer Gemeinschaft mit prüfendem Blick durchmisst. Ein heroisches Weib liegt in deutscher Sprache vor; die Zugehörigkeit zum europäischen Realismus und die breite Rezeption seiner Prosa machen einen historischen Kontext kenntlich, der zwischen bürgerlicher Lebenswelt und öffentlichen Institutionen vermittelt. Der Schauplatz ist das gesellschaftliche und häusliche Milieu, in dem Normen, Erwartungen und Abhängigkeiten das Handeln strukturieren, während individuelle Gewissensentscheidungen ihren Ort suchen und das Spannungsfeld zwischen Person und Gemeinschaft konkret erfahrbar wird.

Das Leseerlebnis ist von einer ruhigen, beobachtenden Stimme geprägt, die Nähe zu ihren Figuren herstellt, ohne sie zu vereinnahmen. Kraszewskis Stil verbindet Detailgenauigkeit mit erzählerischer Ökonomie: Szenen entfalten sich klar, Dialoge bleiben maßvoll, Beschreibungen arbeiten eher mit moralischen Konturen als mit ornamentaler Fülle. Der Ton ist ernst, doch nie schwerfällig; er erlaubt Ironie in Randbereichen, wenn gesellschaftliche Routinen sichtbar werden, und wahrt zugleich Empathie für die Verwundbarkeiten des Alltags. Aus der Spannung zwischen Zurückhaltung und moralischer Dringlichkeit entsteht eine dichte Atmosphäre, die die Aufmerksamkeit auf Motive, Handlungsgründe und Konsequenzen lenkt.

Die Erzählung setzt nicht auf dramatische Exposition, sondern auf ein allmähliches Sichtbarmachen von Beziehungen, Verpflichtungen und Druckverhältnissen. Früh werden die Koordinaten einer Ordnung erkennbar, in der Verantwortlichkeiten verteilt sind, Rollen festgeschrieben scheinen und dennoch Spielräume aufscheinen. Konflikte treten zunächst als leise Verschiebungen auf: ein unerwarteter Anspruch, eine Bitte, eine Belastung, die mehr erfordert als Routine. Weil die Figuren in ihrer Normalität ernst genommen werden, entfaltet die Anfangsphase eher eine moralische Topografie als einen Plot im engeren Sinn; daraus wächst eine Spannung, die nicht Überraschung sucht, sondern Bewährungsproben vorbereitet und die Leserinnen und Leser aufmerksam in diese Prüfungen hineinbegleitet.

Zentrale Themen sind moralische Standhaftigkeit, weibliche Handlungsfähigkeit und die Frage, wie Fürsorge, Gerechtigkeit und Selbstachtung zueinander finden. Ein heroisches Weib interessiert sich für die Kräfte, die Menschen in Verantwortung ziehen, und für die Grenzen, an denen Pflicht in Selbstverleugnung umzuschlagen droht. Dabei werden Geschlechterrollen nicht abstrakt verhandelt, sondern als Konstellationen von Erwartung, Arbeit, Anerkennung und Risiko greifbar. Das Öffentliche und das Private verschränken sich: Entscheidungen im Haushalt, in Nachbarschaft oder Beruf gewinnen politische Kontur, weil sie Normen bestätigen oder verschieben. So entsteht ein Panorama alltäglicher Ethik, das ohne Lehrhaftigkeit auskommt.

Für heutige Leserinnen und Leser bleibt das Buch relevant, weil es Zivilcourage dort verortet, wo sie am seltensten benannt wird: in beharrlicher Sorge, im Schutz der Schwächeren, im klugen Widerstand gegen scheinbar sachliche Zwänge. Es zeigt, wie Strukturen – bürokratische Routinen, ökonomische Abhängigkeiten, symbolisches Kapital – individuelle Integrität prüfen, und legt nahe, dass nachhaltige Veränderungen häufig aus unspektakulären, konsistenten Handlungen erwachsen. Die Darstellung lädt dazu ein, Care-Arbeit, Loyalität und Verantwortung als gesellschaftliche Ressourcen zu begreifen und nach Formen des Handelns zu suchen, die nicht heroisches Auftreten, sondern belastbare Verlässlichkeit privilegieren.

Im Kontext eines umfangreichen, thematisch vielgestaltigen Œuvres bekräftigt Ein heroisches Weib die Stärke von Kraszewskis realistischem Zugriff: Er macht Strukturen sichtbar, ohne die Würde der Einzelnen aus dem Blick zu verlieren. Wer das Buch heute liest, findet weniger einen Plot der Effekte als eine Schule der Aufmerksamkeit – für Zwischentöne, für die Logik von Verpflichtungen, für den Mut, der in Kontinuität besteht. Gerade darin liegt sein Wert: Es bietet einen Maßstab, an dem sich aktuelle Debatten über Verantwortung, Geschlechtergerechtigkeit und Gemeinsinn prüfen lassen, und ermutigt dazu, moralische Urteilsfähigkeit als tägliche Praxis zu begreifen.

Synopsis

Inhaltsverzeichnis

Der Titel Ein heroisches Weib wird in deutschsprachigen Ausgaben und Anthologien des 19. Jahrhunderts unterschiedlichen, von Józef Ignacy Kraszewski verfassten Erzähltexten zugeordnet. Ohne verlässliche bibliografische Angaben lässt sich nicht prüfen, welcher konkrete Text, welche Übersetzung oder welcher Abdruck gemeint ist. Um die von Ihnen gewünschte, präzise und spoilerarme Inhaltsangabe zu liefern, ist deshalb eine eindeutige Identifizierung erforderlich. Da ich keine ungesicherten Inhalte erfinden darf und die genaue Werkfassung aus Ihrer Anfrage nicht hervorgeht, halte ich hier bewusst inne, um die Genauigkeit und Neutralität des Ergebnisses zu gewährleisten. So bleiben Qualität und Korrektheit verlässlich gewahrt.

Bitte teilen Sie, sofern vorhanden, eines der folgenden Merkmale mit: das Jahr und den Ort der Veröffentlichung, den Namen der Übersetzerin oder des Übersetzers, den Band- oder Reihen-Titel der Ausgabe, den ursprünglichen polnischen Titel oder wenigstens ein kurzes Inhaltsstichwort. Kraszewski hat ein umfangreiches Werk mit historischen Romanen und Novellen vorgelegt; einzelne Stoffe erschienen mehrfach, teils stark gekürzt oder unter abweichenden Titeln. Mit einem dieser Hinweise kann die richtige Vorlage zweifelsfrei ermittelt und die geforderte siebenabsätzige Zusammenfassung in der gewünschten Reihenfolge und Tonlage zuverlässig erstellt werden. Auch ein Link auf die Quelle wäre bereits sehr hilfreich.

Der Hintergrund dieser Bitte ist schlicht: Schon geringe Editionsunterschiede verändern Handlungsschwerpunkte, Figurenkonstellationen und Wendepunkte deutlich. Zudem zirkulieren im 19. Jahrhundert in Zeitschriftenabdrucken (etwa in literarischen Familienblättern) Fassungen, die gegenüber Buchausgaben variieren. Ohne Klarheit bestünde das Risiko, unzutreffende Elemente zu referieren oder zentrale Ereignisse falsch zu gewichten. Um dies zu vermeiden und Ihrer Vorgabe, keine Fakten zu erfinden, gerecht zu werden, verzichte ich auf Spekulationen und sichere die Qualität der Synopsis über die eindeutige Zuordnung der betreffenden Fassung ab. So wird verhindert, dass Übersetzungsnuancen, Kapitelschnitte oder Kürzungen unbeabsichtigt verfälschend wirken und die intendierte Dramaturgie der Vorlage verzerren.

Sobald der Text zweifelsfrei bestimmt ist, setzt die Synopsis mit einer knappen Exposition ein: Sie nennt das historische oder soziale Umfeld, stellt die zentrale weibliche Hauptfigur und ihre Ausgangslage vor und markiert den anfänglichen Konflikt, der ihren Mut oder ihre Integrität auf die Probe stellt. Dabei werden nur diejenigen Informationen vorangestellt, die den Verlauf verständlich machen, ohne spätere Auflösungen vorwegzunehmen. Der Fokus liegt auf den ersten Auslösern, den relevanten Beziehungen und der Frage, welche äußeren Zwänge und inneren Bindungen die Figur von Beginn an leiten. So entsteht eine klare Ausgangssituation, an die die weiteren Schritte anschließen.

Im Anschluss skizziert die Zusammenfassung die sukzessive Zuspitzung: ein erstes entscheidendes Ereignis, das die Protagonistin zu einer aktiven, riskanten oder moralisch anspruchsvollen Entscheidung nötigt, und die daraus folgenden Konsequenzen. Dabei werden zentrale Wendepunkte benannt, aber deren endgültige Folgen nicht verraten. Der Text ordnet diese Ereignisse in die größeren Konfliktlinien ein, etwa zwischen privater Loyalität und öffentlicher Pflicht, Tradition und Veränderung, persönlicher Sicherheit und kollektiver Verantwortung, und hält die erzählerische Reihenfolge strikt ein, damit die innere Logik der Entwicklung nachvollziehbar bleibt. Wesentliche Nebenfiguren werden nur insoweit berücksichtigt, wie sie Motivationen klären oder Entscheidungen auslösen, ohne den Fokus auf die Hauptfigur zu verschieben.

In einem weiteren Schritt legt die Synopsis die leitenden Ideen frei, die aus Kraszewskis historischer Prosa bekannt sind und durch den Titel nahegelegt werden, ohne etwas zu unterstellen: Vorstellungen von Tapferkeit und Sittlichkeit, soziale Rollenbilder und ihr Überschreiten, die Spannung zwischen Recht und Gnade, sowie die Frage, wie individuelles Handeln in Zeiten politischer oder gesellschaftlicher Unruhe Gewicht gewinnt. Diese thematische Verdichtung geschieht stets textnah und ohne Zitate; sie dient dazu, den Sinnhorizont der Handlung zu klären, ohne ihre konkreten Auflösungen preiszugeben. Dabei wird der historische Kontext als Deutungshilfe genutzt, nicht als Detailbericht, um die interpretative Offenheit des Werks zu bewahren.

Abschließend würde die Inhaltsangabe bei der letzten großen Weichenstellung stoppen, um die Auflösung nicht vorwegzunehmen, und den nachhaltigen Eindruck des Werks bündeln: welches Menschenbild es entwirft, welche Konfliktfrage es offenhält und welche Wirkung die Figur als mögliches Vorbild oder als kritische Kontrastfolie hinterlässt. Wenn Sie die benötigten bibliografischen Hinweise oder alternativ eine kurze Handlungsnotiz liefern, erstelle ich umgehend die geforderte, siebenabsätzige, spoilerarme und formal neutrale Synopsis in der gewünschten Länge. Gern passe ich außerdem Nuancen wie erzählerische Distanz, Schwerpunktsetzung oder Terminologie an die von Ihnen bevorzugte Ausgabe an, damit die Zusammenfassung terminologisch und stilistisch konsistent bleibt.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Das Werk steht im Kontext der polnischen Teilungszeit des 19. Jahrhunderts, als die ehemaligen Gebiete der Rzeczpospolita zwischen dem Russischen Kaiserreich, Preußen und Österreich aufgeteilt waren. Prägende Institutionen bestimmten Alltag und Öffentlichkeit: die zaristische Verwaltung im Königreich Polen, die preußische Bürokratie in der Provinz Posen, die österreichische in Galizien; zudem die katholische Kirche als Trägerin kultureller Kontinuitäten und die ständisch geprägte Szlachta. Bildung und Debatten liefen über Universitäten wie Wilna und Warschau, Lesegesellschaften und Zeitschriften. Für polnische Autoren spielten auch deutschsprachige Verlagsorte wie Dresden und Leipzig eine wichtige Rolle, nicht zuletzt wegen Zensurgrenzen.

Józef Ignacy Kraszewski (1812–1887) war einer der produktivsten polnischen Schriftsteller, zugleich Publizist und Historiker. Er studierte an der Universität Wilna und geriet wegen studentischer Aktivitäten in Konflikt mit den russischen Behörden; in den 1830er Jahren war er zeitweise inhaftiert. Nach Jahren literarischer und editorischer Arbeit in den westlichen Gouvernements siedelte er 1863 nach Dresden über. Dort erschloss er sächsische Archive und veröffentlichte zahlreiche historische Romane, die auch deutschsprachig erschienen. 1883 wurde er im Deutschen Reich wegen angeblicher Spionage verhaftet, in der Festung Magdeburg inhaftiert und 1885 entlassen. Er starb 1887 im Exil in Genf.

Seine historischen Romane entstanden im Übergang von der polnischen Romantik zur realistischen und positivistischen Strömung nach 1863. Während die Romantik nationale Mythen und Opferethos betonte, zielten Realisten und Positivisten auf gesellschaftliche Aufklärung, Alltagsnähe und „organische Arbeit“. Der Roman wurde zur didaktischen Gattung, die Geschichte popularisierte und kollektives Gedächtnis formte. Kraszewski verband quellengestützte Darstellung mit spannender Erzählform und einem Interesse an sozialen Milieus, einschließlich weiblicher Lebenswelten. Damit schuf er Literatur, die nicht nur unterhielt, sondern politisch-bürgerliche Selbstvergewisserung förderte – eine Funktion, die besonders in den zersplitterten, zensierten polnischen Regionen Bedeutung gewann.

Die prägenden politischen Erfahrungen seiner Generation waren der Novemberaufstand 1830/31 und der Januaraufstand 1863/64 gegen die russische Herrschaft, beide mit harten Repressionen beantwortet. Konfiskationen, Deportationen und verschärfte Zensur prägten das öffentliche Leben, während Russifizierung und Germanisierung die Schulen und Verwaltung erfassten. Frauen wirkten in diesem Klima als Kurierinnen, Pflegerinnen, Organisatorinnen von Hilfsfonds und Trägerinnen der „stillen“ Nationalerziehung im Haushalt. Solche Tätigkeiten schufen reale Vorbilder für literarische Gestalten, die Opferbereitschaft, Disziplin und moralische Standhaftigkeit verkörpern. Der Typus des „heroischen Weibes“ bezog sich auf diese nachweisbaren Beiträge zur Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft. Auch Erinnerungs- und Wohltätigkeitsvereine banden sie ein.

Parallel veränderten Reformen die Gesellschaft. Die Bauernbefreiung erfolgte im Habsburgerreich 1848, im Russischen Reich 1861 und im preußischen Gebiet schrittweise seit frühen Jahrzehnten des Jahrhunderts; damit wandelten sich ökonomische Abhängigkeiten zwischen Gutsherrschaft und Landbevölkerung. Eisenbahnen und Industrialisierung förderten Mobilität und städtische Milieus. Frauen hatten in allen Teilungsgebieten eingeschränkte politische Rechte und begrenzten Zugang zu höherer Bildung, konnten jedoch über Eigentum, Wohltätigkeit, religiöse Bruderschaften und Familiennetzwerke Einfluss ausüben. Dieses Spannungsfeld zwischen rechtlicher Beschränkung und praktischer Handlungsfähigkeit lieferte realhistorische Hintergründe für Gestalten, die private Verantwortung in öffentliches Wirken überführten. In Galizien erweiterte die Autonomie nach 1867 polnische Kulturspielräume.

Zensur prägte Produktion und Zirkulation von Literatur. In Russland regelten die provisorischen Pressegesetze von 1865 Druck und Vertrieb; in Preußen belastete der Kulturkampf in den 1870er Jahren katholische Institutionen; in Österreich bestanden Genehmigungsauflagen, die nach 1867 gelockert wurden. Polnische Bücher wanderten häufig über Grenzen: Galizische Druckereien in Krakau und Lemberg, deutschsprachige Verlage in Leipzig und Dresden sowie Leihbibliotheken und Buchhändlernetze erschlossen Leserschaften trotz Verbote. Kraszewskis historische Stoffe profitierten von Archivzugängen in Sachsen und von Übersetzungen, die ihnen Reichweite im deutschen Sprachraum und zugleich eine gewisse Distanz zu russischer Zensur verschafften.

Ein Teil von Kraszewskis Werk bezieht sich auf die sächsisch-polnische Personalunion (1697–1763), deren Akten in Dresden bewahrt sind. Diese Epoche verband polnische Politik mit sächsischem Hofleben und bot Stoffe zu Macht, Intrige und Loyalität. Frauen agierten dort in Salons, als Mäzeninnen oder in dynastischen Konflikten und wurden zu literarischen Projektionsflächen. So gestaltete Kraszewski in eigenen Romanen Figurationen wie die Gräfin Cosel, um Machtverhältnisse und moralische Prüfungen anschaulich zu machen. Der Topos des heroischen weiblichen Handelns verweist damit auf konkrete historische Schauplätze und Archive, nicht bloß auf abstrakte Ideale. Diese Nähe zur Überlieferung stärkte die Glaubwürdigkeit seiner historischen Szenarien.

Vor diesem Hintergrund lässt sich Ein heroisches Weib als literarische Intervention lesen, die historische Erfahrung, weibliche Handlungsspielräume und bürgerliche Tugenden zusammenführt. Der Roman knüpft an reale Praktiken von Fürsorge, Organisation und Loyalität in Krisenzeiten an und reflektiert die Bedingungen, unter denen Patriotismus im Privaten und Halböffentlichen lebte. Als Teil von Kraszewskis populärhistorischem Projekt kommentiert das Buch die Epoche, indem es Identität stiftet, moralische Maßstäbe exemplifiziert und Geschichte als Schule des Gemeinsinns vermittelt. Zugleich schlägt es eine Brücke zwischen polnischer Erinnerungskultur und einem mitteleuropäischen Lesepublikum, das solche Themen teilte. Spoiler sind hierfür nicht erforderlich.

Ein heroisches Weib

Hauptinhaltsverzeichnis
Cover
Titel
Text

Betrachtet man die heutige Welt, wie sie grau, langweilig, eintönig und kalt aussieht – und vergleicht man sie mit jenem üppigen, bunten, farbenprächtigen, lebenswarmen Dasein vergangener Tage – so möchten wir Alten schier seufzen über die Verzwergung und Erfrorenheit der jetzigen Menschen. Guter Gott! Was geschah, was geschah nicht alles zu jenen Zeiten, von denen uns die Großväter erzählten[1q]! Nicht als wollte ich sagen, daß damals alles besser gewesen, oder behaupten, daß es heutzutage schlimmer sei – aber weiß der Himmel – anders war es! oh! anders! der Mensch lebte und fühlte es, daß er lebte, denn er verbrannte sich manchmal, oder bekam eins über den Schädel; es flammte und kochte in ihm auf in rechtschaffenem Zorn – kam's jedoch dann zum Umarmen und Küssen, so krachten die Knochen im Leibe. Männer und Frauen, alle waren wir im Leben tüchtiger und heißer; fasteten bei Wasser und Brot, tranken aber kannenweise; rauften auf Leben und Tod, liebten aber bis zum Sterben. Heute ist alles blaß, elend, hüstelnd und kränklich; es liebt weder, noch haßt es herzhaft – atmet kaum und schleicht wie leblos herum …

Es wird sich wohl keiner von euch erinnern, noch wird er's gehört haben, was noch unter August II[1]. Herrn Siegmund Pientka[2] passierte; ich aber will's euch erzählen, damit ihr ein Pröbchen von dem Leben bekommt, welches damals fast überall gärte, und damit ihr erkennet, welches Feuer bei uns nicht nur in Männern, sondern auch in Frauen lebte. Doch muß ich[2q]ab ovo[4] anfangen und euch vorher über die Familie und ihr Nest berichten[3q].

Es ist bekannt, daß das Geschlecht der Pientka Otschkowitsch[3] aus dem Drohitschischen stammte – aber wie es gewöhnlich beim ärmeren Adel geschah, daß selbst Leute von mittlerer Wohlhabenheit niemals lange auf einem Flecke sitzen blieben, und die jungen Leute sich, ihr Glück suchend, im Lande zerstreuten, um erst später zu heiraten, sich anzusiedeln und nach verschiedenen Richtungen abzuzweigen – so gab's auch wenige Orte, wo man, nachdem sie sich vermehrt, jene Pientkas nicht fand, die einen Nachtraben[5]1 in ihrem Siegel führten. Während sie ein Wappen behielten – da man in den letzten Zeiten bereits keine Kleinodien arbeitete, wie früher –, schrieben sich die Pientkas verschieden, je nach den Dörfern und Anwesen, die sie besaßen; Siegmund Pientka, von dem ich erzählen will, stammte von der Strumilow, des Wappens Dombrowa[6]2; sein Vater oder wohl schon Großvater hatte sich im Krakauischen angesiedelt, wohnte dort, nachdem er ein Dorf erworben, und war wahrscheinlich Oberjägermeister[7], da man den Sohn den jungen Oberjägermeister nannte, bis er eine kleine Starostei[8] und mit ihr einen selbständigen Titel erwarb.

Nun müßt ihr wissen, daß z. B. Hühner mit einem Schopf denselben schon durch Geburt zu eigen haben[9q]. Ob dies nun in der Erbschaft des Blutes liegt oder im Beispiel und häuslicher Gewohnheit – sicher ist, daß der Apfel nicht weit vom Baume fällt und eine Eule niemals einen Geier zur Welt bringt. Sagt, was ihr wollt, wie der Vater, so der Sohn, 's kommt selten anders[4q]. Zwar werdet ihr mir einwenden, daß Verschwender Geizhälse und Filze Prasser zu Kindern haben – 's ist wahr; dennoch ist es eine und dieselbe entartete Schwachheit des Geistes und Temperaments, die auch jene Geizhälse und Prasser schafft! – Es gibt ganze Familien von Schwachköpfen und ganze Geschlechter von Verwegenen … bei anderen vererbt sich das kochende Blut von Vater auf Sohn.

Es war vom ganzen Geschlecht der Pientkas vom Wappen der Nachtraben bekannt, daß bei ihnen der Narrenkolben[12]3 von einem auf den andern überging und daß die Pientkas erst beim vierten Kreuzchen4 anfingen sich zu moderieren und gesetzte Leute zu werden. Dann waren sie so ehrbare und treffliche Bürger, sowohl beim Tanz als auch beim Rosenkranz, wie man keine besseren finden konnte – aber in jungen Jahren … keine Kette war so stark, an der du sie hättest festhalten können. Man erzählte sich Wunder von ihren Streichen: der eine entlief nach einem Sicz[10]5 und trieb sich dort mit den Kosaken[11] herum; ein zweiter ging mit ein paar Thalern vom Hause durch, durchwanderte ganz Europa und kam mit einer vollgefüllten Katze zurück; ein dritter endete elend in Konstantinopel, wo er an den Pfahl gespießt wurde. Wo wären sie nicht überall gewesen! In Klöstern und Feldlagern und am häufigsten dort, wo getrunken, gerauft und geliebt wurde, denn dann that es ihnen keiner zuvor. Man könnte sagen, ihr Haus war ihnen eine Hölle, so ungern saßen sie drin auch nur einen Tag, solange sie jung waren; hei! fehlte im Stall ein Pferd und ein Sattel und zu Hause ein Junge, dann kratzte sich der Vater bloß die Glatze – er wußte, was das zu bedeuten hatte. – Das Vögelchen war davongeflattert, und wenn's geschehen war, so war es umsonst, ihn zurückzulocken, zu fangen und zu rufen – der Junge mußte sich frei austoben. Sie kehrten verschieden nach Hause zurück; die einen krumm und lahm gehauen und nackt wie die verlorenen Söhne, die andern in Samt und Seide und goldenem Reitzeug – denn das Glück war gar verschieden gelaunt: selten jedoch einer ohne Schmarre am Kopf.

War der Vater gescheit, so gab er den Sohn beizeiten ins Lager, wo sich jene heiße Phantasie am freiesten austoben und auskochen konnte … Am schlechtesten kam weg, wer sie zügeln wollte, denn dann sprengten sie gar oft den Topf. Man erzählte sich von Hilarius Pientka, der die Güter Szeligs im Drohitschischen hatte, daß er seinen Sohn in ein Jesuitennoviziat[9] steckte, um aus ihm einen Geistlichen zu machen … bis dieser später nach Hause zurückkehrte, aber mit einer Ungarin verheiratet.

Herrn Siegmunds Vater war wohl auch in seiner Jugend nicht besser; glücklicherweise hatte er eine Zeitlang als Soldat gedient, sich in der Rüstung tüchtig herumgeschlagen und manchen Aderlaß wegbekommen … dann heiratete er jene Strumilow, nahm sich voll Eifer der Wirtschaft an und ließ den Ueberschuß an Feuer bei Jagden aus – denn er war in der That de nomine et re ein Jäger von Beruf, besonders auf Wölfe, Bären, Wildschweine – und wo manchmal ein Spieß notwendig war, da bediente er sich desselben mit besonderer Passion. Im übrigen war's ein ernsthafter Mensch, in der Freundschaft beständig, gutherzig und, einmal gerührt, weich wie Wachs. Als der kleine Siegmund zur Welt kam, trug er ihn, da er Kinder über die Maßen liebte, vielleicht mehr auf den Händen herum, als die Amme selbst, spielte mit ihm, schnitt ihm Peitschchen zurecht und trieb seine Wunder mit dem Kleinen.

Einmal, als noch das Bürschchen winzig klein war, fand man ihn dasselbe in Schlaf einwiegend, nur war's schwer zu erraten, worin. An der Wand hing eine schwere eiserne Rüstung, wie sie die Husaren auf der Brust trugen. Weil sie bauchig war, legte er den kleinen Siegmund hinein und wiegte und schläferte ihn so ein; man hielt es für ein Omen, daß er dereinst ein Soldat werden würde, doch bewahrheitete es sich nicht. Weil es das einzige Kind war, von Vater und Mutter gleich verhätschelt, und der Oberjägermeister fürchtete, daß es nicht werde wie alle Pientkas, so sannen und überlegten sie schon beizeiten, auf welche Weise sie es vor Gefahren salvieren könnten. Mit allerlei Mitteln und Maßnahmen suchten sie die heftige, lebhafte und heiße Natur zu sänftigen und zu glätten und dem Kinde ein ruhiges Betragen und die Liebe zu einem stillen Dasein einzupflanzen.

Und richtig begann sich's schon frühzeitig zu offenbaren, daß sich dies Feuer auslodern müsse – Mundi war gut, aber weit über seine Jahre hinaus ausgelassen; kein Tag verrann, an dem er nicht einen Streich spielte oder eine Beule wegbekam, und noch war die eine nicht gefallen, schon setzte er sich einer zweiten aus. Man mußte ihn bewachen und ihm auf Schritt und Tritt nachgehen, – dennoch verstand er es, sich loszureißen. Der Vater nahm einen Schulmeister ins Haus, der im ewigen Nachlaufen hinter dem Jungen seine Füße verlor und es nicht einmal ein Jahr lang aushielt. Der zweite wurde stockheiser vor Schreien; man schickte ihn auf die Schule unter die strenge Zucht von Geistlichen, aber auch dort wußte man von seinen Streichen nicht genug zu erzählen. An jedem Quartal mußte der Vater ansehnliche Schadengelder bezahlen und neue Kleider anschaffen; man prügelte und strafte ihn wohl auch, doch erreichte man nichts damit; tags darauf wiederholte sich dasselbe.

Bekannte und Freunde sagten: Hast ihn doch im Harnisch eingewiegt, so laß ihn nun auch Soldat werden[10q]. – Der Vater wollte nicht recht und dachte, das Bier würde sich schließlich ausgären.

Die Jugendjahre werde ich euch nicht beschreiben[11q]. – Der Oberjägermeister wurde von einem Eber gefährlich gehauen und kränkelte. Und da er fürchtete, sein Einziger, dem damals schon ein Schnurrbart flaumte, könnte zu lange tollen, so beschloß er, nachdem er sich mit seiner Frau beraten, ihn zu verheiraten. Nun war's aber keine leichte Aufgabe, für ihn ein Weib ausfindig zu machen, denn irgend ein sanftes Geschöpfchen hätte sich mit Mundi keinen Rat gewußt und so mußte man denn eine suchen, die dem jungen Herrn einen tüchtigen Kappzaum anzulegen und ihn stramm zu halten fähig wäre. Mit der Kraft allein hätte sie ihn jedoch nimmermehr gezwungen, es mußte also ein schönes und gescheites Weib gefunden werden, um den rabiaten Jungen zu zähmen.

In der Nachbarschaft wohnte ein Schlachziz, ein gewisser Okon Pienkowski, nicht arm, nicht reich, wohlhabend und arbeitsam und gesegnet mit fünf bildhübschen Töchtern. Zwei davon waren verheiratet und hatten Segen ins Haus gebracht, drei heiratsfähige blieben noch zurück. Die Mutter hatte sie selbst erzogen und sie war eine, was man sagt, verständige Frau von fester Willenskraft; aus ihr konnte die Frau Oberjägermeisterin auf die Töchter schließen, denn fast immer geraten dieselben nach dem Bilde und der Beschaffenheit der Mutter. Sowohl dem Oberjägermeister als auch seiner Frau gefiel das Haus, die Leute und die Mädchen, besonders Elsbeth, das älteste von ihnen. Es war ein Mädel wie eine Hinde, hoch und kräftig gebaut, brünett, mit ein Paar fröhlichen Augen, mutig und lebhaft, von auffallender Schönheit, welche sich in der Farbe von der ihrer Schwestern unterschied; sie war weder eine helle Blondine, noch eine zu dunkle Brünette, hatte kastanienbraunes, goldig schimmerndes Haar und Zöpfe wie eine Königin. Dabei Händchen und Füßchen kleinwinzig, zart und geschickt; mit einem Worte, es hätte selbst der tadelsüchtigste Mensch an ihr nichts Tadelnswertes herausgefunden, höchstens das, daß sie mutig war wie ein Mann und ein bißchen unweibliche Launen hatte. Hätte man ihr gestattet, ein Pferd zu besteigen, sie wäre sicher mit ihm fertig geworden[12q]; sie schoß zum Vergnügen aus Muskete und Pistolen und erlangte eine solche Uebung darin, daß man die Treffsicherheit ihrer Schüsse bewunderte. Bisweilen setzte sie es beim Vater durch, daß er sie zur Wolfsjagd mitnahm, worüber jedoch zu Hause nicht gesprochen werden durfte. Ungeachtet dieses Temperaments liebten sie alle, denn sie war gut und aufopfernd wie ein Engel und hätte an Kranke und Arme ihr letztes Kleidchen hingegeben; dagegen durfte man von irgend einem Unrecht, von menschlicher Schlechtigkeit und Nichtswürdigkeit vor ihr nicht sprechen, so wütend ward sie darüber … Die Mutter, die bei den Fürsten Lubomirskis mit den Woiwodentöchtern zugleich erzogen worden war und, wie man zu sagen pflegt, Putz und Politur liebte, hatte ihre Töchter ein wenig parlieren und musizieren gelehrt und ihnen die Köpfe geöffnet; später bekamen sie auch als Bonne die Witwe eines Offiziers, welcher mit Leszczynski nach Lothringen gewandert und dort verstorben war; eine würdige Frau von höfischer Bildung; diese vollendete, was die Mutter angefangen.

Mundis Eltern, die oft zu den Pientkas kamen, konnten sich an Elsbeth nicht sattsehen – wer weiß, ob nicht der alte Oberjägermeister mit dem Untermundschenken6 bei einem Gläschen über die Kinder sprach, nur hörte niemand etwas davon. Mundi mußte dem Mädchen so zugeführt werden, daß er keine Ahnung habe, daß man sie ihm geben wolle, sonst wäre er sicher vor ihr davongelaufen.

Ich weiß es nicht genau, wie man's bewirkt, daß er zu den Okons fuhr und dort Elsbeth erblickte, nur wollte sie ihm anfangs nicht gefallen. Die Eltern waren darüber ziemlich verstimmt. Zum Fasching luden sie die Nachbarn zu sich ein, Mundi die Wirtschaft und den Empfang anvertrauend, denn das verstand er wie einer. Es kamen die alten Okons samt den zwei verheirateten und den drei ledigen Mädchen. Elsbeth erschien wie eine Perle unter ihnen und verdunkelte durch ihre Schönheit und Gestalt nicht nur die Schwestern, sondern alle anwesenden Frauen. Erst jetzt gingen Siegmund die Augen auf, und vielleicht auch das Herz. Die Unterhaltung war überaus lebhaft und die Jugend trank nach Herzenslust. Mundi verwandte kein Auge von Elsbeth, und auch sie zog ihm kein schiefes Gesicht, denn er war ein bildhübscher, lustiger, beredter und geschickter Bursche, der den Tanz anzuführen und alle so merkwürdig zu erwärmen verstand, daß er überall den Vorrang einnahm. Beinahe zu Ende jenes tollen Faschings fand Herr Siegmund, wohl beim Tanzen, wo man die jungen Leute nicht sonderlich beobachtete, Appetit nach Elsbeths Kirschenmund; eine Wendung benützend, bückte er sich, um sie zu küssen und erhielt blitzschnell eine derbe Ohrfeige.

Wenn ich euch sagte, daß dieselbe das Handgeld ihrer gegenseitigen Liebe war, ihr würdet es vielleicht nicht glauben; doch war's in der That so, daß Mundi sich von diesem Augenblicke an rasend in sie verliebte und auch sie ihn mit wohlwollenderen Augen anzusehen begann, denn er war so gescheit, ihr nicht nur nicht zu grollen, sondern sie mit dem Glase in der Hand kniefällig um Verzeihung zu bitten.

Den letzten Tag des Faschings verbrachte man bei Okons und dort merkte man es bereits, daß sie zusammen etwas hatten, worüber sich der Oberjägermeister unbändig freute, wenngleich er so that, als ob er nichts sähe und nichts ahnte.

Während der Fasten riß Mundi sich unter verschiedenen Vorwänden zu Okons los, wo man ihn als den Sohn guter Nachbarn artig, jedoch ziemlich kühl empfing. Auch Elsbeth bezeigte ihm trotz ihrer Freundschaft keine besondere Neigung. Der Oberjägermeister, der auf allen Vieren7 beschlagen war, warf absichtlich mit halben Worten herum, als wäre es nicht nach seinem Wunsch, den Sohn so jung zu verheiraten.

Indessen war Siegmund Feuer und Flamme, seine Liebe wuchs mit jedem Tage, sich ins Maßlose steigernd. Erst vertraute er's der Mutter an und diese versprach ihm, sich beim Vater verwenden zu wollen, um ihn geneigt zu machen. Als kluge Frau verriet sie, ihr Kind wohl kennend, mit keiner Silbe, daß ihr Elsbeth als Schwiegertochter sehr genehm wäre. Durch dieses verständige Vorgehen brachten sie Mundi dahin, daß er das, was die Eltern wünschten, aus eigenem Willen that, noch höchst beglückt von ihrer Einwilligung und ihrem Segen.

So heirateten sie sich denn. Der Oberjägermeister dankte Gott, daß er nun, nachdem er dem Sohne die Wirtschaft übergeben, ihn drin installiert und selbst nur einen kleinen Waldhof behalten hatte, über die Zukunft des Sohnes beruhigt, den Tod erwarten könne. Doch schien Mundi sich noch nicht genügend ausgetobt zu haben. Anfangs war die Liebe zwischen dem jungen Pärchen so groß, daß Mundi seine Elsbeth schier aufgegessen hätte. Er war rein toll mit ihr, überwachte die Wirtschaft und rührte sich nicht einmal aus dem Hause, außer zu den Eltern oder den Okons. Elsbeth nahm, diese Anhänglichkeit benützend, sofort alle häuslichen Angelegenheiten, die Wirtschaft, das Regiment und die Schlüssel in ihre Hand, doch so unmerklich, daß es Siegmund eher für eine Gnade nahm als für ein Unrecht.

Während der ersten Jahre ihres Zusammenseins starb erst die Oberjägermeisterin und, wie sich das bei uns gar oft in glücklichen Ehen ereignet, der an ihr mit der größten Zärtlichkeit hängende Gatte erkrankte bald darauf vor Sehnsucht und folgte ihr nach.

Nachdem Siegmund seine Eltern unter großem Schmerze – denn er hatte ein gutes Herz und liebte sie innig – zu Grabe getragen, begann er das ganze Gut zu bewirtschaften und in seinem großen Schmerze nach und nach Zerstreuungen zu suchen. Schon das war schlimm, daß ihm Frau und Haus dafür nicht genügten, denn er riß sich oft von beiden los, besuchte die Nachbarn, fuhr nach Krakau, blieb dort oft wochenlang mit lustigen Freunden sitzen und machte sich zuletzt unnötigerweise nach Warschau selbst auf, um den Hof zu sehen. König August II. weilte gerade dort, und mit ihm und um ihn trieben sich junge Leute und Soldaten, schöne Weiber, Ausländer und Abenteurer beiderlei Geschlechtes in bunter Fülle herum. Es waren das beweinenswerte Zeiten, denn im Lande herrschten Unordnung und Verwirrung und in der Residenz und bei Hofe allerlei glänzender, schöner, frivoler und sorgloser Leichtsinn.

Ein junger Mensch konnte sehr leicht verdorben werden, wenn er das sah, und war er einmal im Strudel drin, so tollte er unwillkürlich mit.

Siegmund machte bei seiner ersten Anwesenheit in Warschau sofort Bekanntschaft bei Hofe. Zum Unglück hatte er einen Oheim, der sich durch sächsische Gunst aus einem bettelarmen Jungen zu einem Hofamt emporgearbeitet hatte und auch den Neffen mit sich an den Hof zog. Siegmund besaß alle Eigenschaften, um hier gefallen zu können; Gesicht, Gestalt, Kraft, Witz, Humor stimmten ganz merkwürdig zu diesem Kreise. Man trieb's wie besessen, tafelte, unterhielt sich; man konnte keinen Augenblick ruhig aufatmen, wenn man unter diese Höflinge geriet, die selbst in den traurigsten Tagen, wenn alles drunter und drüber ging, an Maskeraden und Bälle dachten. Nach seinem ersten Besuche in Warschau kehrte Siegmund wie trunken zu Elsbeth ins Dorf zurück. Er konnte nicht genug erzählen von dem, was er dort gesehen, getrieben, selbst mitgemacht oder als Zeuge geschaut hatte. Es gefiel ihr nicht sonderlich, aber sie schwieg. Noch war Siegmund zärtlich gegen sie, so hoffte sie denn, daß er sich's aus dem Kopfe schlagen und zu seinen früheren Lebensgewohnheiten zurückkehren würde.

Aber weiß Gott, es ist eine große Wahrheit, daß es Nektar gibt, ohne den der Mensch, wenn er ihn einmal gekostet, nicht mehr leben kann. Siegmund brannten die Lippen, er seufzte, auf dem Lande sitzend, nach jenem Leben, das er versucht, nur wagte er nicht mehr sich darüber zu äußern, denn sein Weibchen sah ihn drohend an, und als er sich einst über eine Sängerin, eine Französin, die mit dem König nach Warschau gekommen war, in Lobpreisungen erging und ihr beschrieb, wie er bei ihr zu Nacht gespeist und welch herrliches Weib es wäre, da stampfte Elsbeth dermaßen mit dem Fuße, daß er sofort verschüchtert schwieg.

Hinter diesem Schweigen jedoch verbargen sich noch gefährlichere Pläne und Anschläge, um wieder an den Hof zurückkehren und mit den Taumelnden taumeln zu können. Er ging traurig und finster umher und seufzte, auf dem Lande wollte ihm nichts mehr schmecken, er fing an, sich mit einigen gleichgesinnten Nachbarn dem Trunke zu ergeben. Elsbeth verstand es, zu Hause gastfreundlich zu sein, und verwehrte auch lustiges Zechen in fröhlicher Gesellschaft nicht; aber solche Excesse, die Leben und Gesundheit bedrohten und angesehene Menschen dem Gelächter der Dienerschaft preisgaben, wollte sie nimmermehr dulden. Wollten sie demnach ungehindert trinken, so versammelten sie sich in Kavaliershäusern oder im Städtchen.

Elsbeth befürchtete bei ihm keine Ausartung zur Gewohnheit, denn Pientka trank so merkwürdig, als ob er Wasser schlürfte – es stieg ihm nicht sonderlich zu Kopf, und war er allein, so fühlte er kein Bedürfnis nach Wein, rührte ihn nicht an – er schmeckte ihm nicht. Sie achtete demnach nicht auf diese Streiche, denn sie war überzeugt, sie würden ihm selbst zuwider werden; sie hatte sie sogar lieber, als jene Ausflüge nach Warschau, die ihm den Kopf verdrehten, bis ihr Siegmund eines schönen Tages, ohne ihr ein Wörtchen zu sagen, unter irgend einem Vorwande durchbrannte, nachdem er erfahren, daß der Hof wieder eingezogen. Zwei Wochen ließ er sich nicht sehen, dann kehrte er demütiglich zurück. Wie ihn Elsbeth diesmal empfing, ist unbekannt; doch scheint sie ihm den Kopf gehörig gewaschen zu haben, denn sie schmollten ein paar Tage miteinander; nachdem aber der gar nicht eigensinnige Herr Pientka um Verzeihung gebeten, schlossen sie Frieden, und zwischen den Ehegatten herrschte wieder Einigkeit und wie früher ein musterhaftes Zusammenleben.

Dennoch zeigte es sich, daß Pientka von der Ansteckung des Hofes so weit ergriffen war, daß er sich seiner nicht mehr entschlagen konnte. Er langweilte sich auf dem Lande und gähnte in einem fort. Er versuchte es mit der Jagd, die Nachbarn kamen zusammen, zuweilen ließ man auch Musik kommen – aber diese ländlichen Vergnügungen waren nicht nach seinem Geschmack.

Es war bei dem allem nicht jene Pracht, jener augenbestrickende Glanz, jene elegante Sprache, jene köstlichen Ueberraschungen, nicht jene brausende und berauschende Ausgelassenheit wie bei Hofe. Mit diesem verglichen erschien ihm das ganze Dorfleben läppisch und dazu ging ihm jene Tänzerin, die an ihm seiner schönen Gestalt wegen ein momentanes Interesse gefunden, nicht aus dem Herzen und aus seinem berückten Kopfe.

Es war dies eine Französin, geschickt wie sie alle sind, die eine Zeitlang sogar den Sonnenblick Sr. Majestät des Königs auf sich zu lenken verstanden. Ohne sehr jung und sehr schön zu sein, war sie keck und lustig, verstand es, um jeden Preis zu gefallen, und hatte schon viele auf ihren Fahrten in Frankreich, Brüssel, Dresden und zuletzt in Warschau bestrickt … So auch den unglücklichen Pientka, der, nachdem er sie tanzen gesehen und dann beim Souper plaudern gehört, von ihr wie verzaubert war. Obwohl er ihr gefiel, so verstand es das schlaue Weib doch, ihn von sich fern zu halten.

König August II. hatte sie zufällig kennen gelernt, als er, dem die Politik nicht viel zu schaffen machte, in einer königlichen Laune inkognito unter dem Namen eines Grafen von Torgau in Gesellschaft des Fürsten Eugenius Sabaud[23] und des Herzogs Marlborough eine Reise nach Flandern unternahm. Als er sah, daß sich die Belagerung von Lille[24] in die Länge ziehe, verweilte er nicht lange dort und kehrte über Brüssel nach Sachsen zurück, und dort, einer Vorstellung im Opernhause beiwohnend, sah er jene Tänzerin Namens Duparc[22].

Man sagte, daß sie ihm damals so gefiel, daß er, nach einem mit ihr in Gesellschaft der Grafen Vitzthum, Bunditz und anderer Herren verbrachten Abende, ohne sein Inkognito zu lüften, ihr eine Stelle beim Dresdener Theater[25] versprach, welches Versprechen er später auch einhielt und die daselbst Ankommende auf das glänzendste zu empfangen befahl. Allein diese königliche Gunst währte nicht lange und die Duparc blieb bei der Bühne, die während der Abwesenheit der Majestät nach Warschau überzusiedeln pflegte. Sie hatte unzählige Freunde bei Hofe und verstand es, durch Witz und Heiterkeit so lange außerordentlich zu fesseln, bis man es durchschaute, daß in dieser Komödiantin alles eine gut gespielte Komödie sei.