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Würdest du dich für die große Liebe oder für deinen Traum entscheiden? Die siebzehnjährige Emma ist es leid, immer die vernünftige große Schwester zu sein. Das Austauschjahr in Kanada ist ihre Chance herauszufinden, wer sie wirklich ist. Verlieben? Das steht definitiv nicht auf ihrem Plan. Doch Nathan, Emmas attraktiver aber abweisender Gastbruder, bringt ihre Gefühle ganz schön durcheinander. Er setzt alles daran, sie auf Distanz zu halten, doch je mehr sie hinter seine kühle Fassade blickt, desto näher kommen sie sich. Etwas mit Nathan anzufangen, kommt aber gar nicht infrage, denn die Regel lautet: Keine Liebesbeziehung in der Gastfamilie oder du wirst nach Hause geschickt. Wird Emma für ihre erste große Liebe alles aufs Spiel setzen? Was ist ihr wichtiger: der Traum von Kanada oder die Chance auf die Liebe? Gefühlvoller Coming-of-Age Liebesroman mit den Tropes Forced Proximity und Forbidden Love. Cozy Romance in einer kleinen Küstenstadt im Norden Kanadas – mit Indian Summer, Nordlichtern und Schneestürmen.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Impressum
1. Auflage 2024
Copyright © 2024 Katharina Jäckle, alle Rechte vorbehalten
Katharina Jäckle
c/o sulytics
Lägernstrasse 27
CH-8037 Zürich
www.katharinajaeckle.ch
E-Mail: [email protected]
Coverdesign und Umschlaggestaltung: Florin Sayer-Gabor, www.100covers4you.com, unter Verwendung von Grafiken von Adobe Stock: wulano, Custom Scene, vadim_fl
Lektorat: Carina Mehlis, www.lektorat-mit-stil.de
Das Werk einschließlich seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Autorin unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Personen und Handlungen sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Real existierende Orte, an denen die Geschichte spielt, entsprechen nicht den reellen Gegebenheiten und wurden für die Geschichte frei angepasst.
Über das Buch
Die siebzehnjährige Emma ist es leid, immer die vernünftige große Schwester zu sein. Das Austauschjahr in Kanada ist ihre Chance herauszufinden, wer sie wirklich ist. Verlieben? Das steht definitiv nicht auf ihrem Plan. Doch Nathan, Emmas attraktiver aber abweisender Gastbruder, bringt ihre Gefühle ganz schön durcheinander. Er setzt alles daran, sie auf Distanz zu halten, doch je mehr sie hinter seine kühle Fassade blickt, desto näher kommen sie sich. Etwas mit Nathan anzufangen, kommt aber gar nicht infrage, denn die Regel lautet: Keine Liebesbeziehung in der Gastfamilie oder du wirst nach Hause geschickt. Wird Emma für ihre erste große Liebe alles aufs Spiel setzen? Was ist ihr wichtiger: der Traum von Kanada oder die Chance auf die Liebe?
Für Lucie, Caro und Marie-Pier.
»Machen wir das wirklich?«
Timo lacht auf und sieht mich zum ersten Mal heute Morgen, zum ersten Mal seit den Ereignissen der letzten Nacht, mit seinem warmen Hundeblick an. Seinem speziellen Blick, der nur mir gilt. Mein Herz weitet und entspannt sich, sodass ich endlich wieder Luft zum Atmen bekomme. Wir schaffen das: Wir sind Emma und Timo, die besten Freunde. Die letzte Nacht hat daran nichts geändert.
Er stupst mich mit der Schulter an und deutet auf die große Anzeigetafel, auf der die Abflugzeiten stehen. »Wir sind am Flughafen, du hast das Ticket in der Hand. Jetzt gibt es kein Zurück.«
Mein Herz flattert, als würde ich bereits im Flieger gen Himmel abheben. »Was haben wir uns nur dabei gedacht?«
Er zuckt mit den Schultern. »Du weißt schon: Abenteuer.«
Ich schlage mir die Hände vors Gesicht. »O Gott.«
Timo gibt ein zustimmendes Halblachen-Halbgrunzen von sich. Das hier könnte unsere beste Idee bisher sein – genauso gut aber auch die blödeste.
Er legt einen Arm um meine Schultern. »Ich weiß.« Kurz drückt er mich an seine Seite. »Aber das wird schon. Wir wollen was erleben. Und das werden wir, garantiert.«
»Ich werd’ dich so vermissen …« Meine Stimme bricht, und ich muss mich mehrmals räuspern, bevor ich weitersprechen kann. Erst schlage ich ihm aber mit der flachen Hand auf die Brust. »Warum musstest du dich auch für die USA entscheiden? Ernsthaft, da will doch keiner mehr hin! Du hättest mit mir nach Kanada kommen können.«
»Und Französisch lernen? Jamais!«
Ich wippe mit den Augenbrauen auf und ab. »Französisch ist total sexy, die Sprache der Liebe.« Noch während die Worte meinen Mund verlassen, würde ich sie am liebsten wieder einfangen.
Timo versteift sich und verzieht leicht gequält das Gesicht.
Mist, Mist, Mist. Warum konnte ich die Klappe nicht halten? Ist ja nicht so, als könnte er jetzt statt in die USA einfach mit mir nach Kanada fliegen. Und die Worte sexy und Liebe sind seit gestern Nacht tabu. Schließlich sind erst ein paar Stunden vergangen, seit … Ich kann nicht erwarten, dass alles genauso ist wie zuvor, obwohl wir uns geschworen haben, dass sich nichts zwischen uns verändert. Doch tief in uns drin haben wir wohl vermutet, dass das nicht so einfach ist, sonst hätten wir nicht bis zum allerletzten Moment, bis zur allerletzten Nacht, gewartet.
Und jetzt ist da plötzlich diese Unsicherheit zwischen uns, als wüssten wir nicht, wie wir miteinander umgehen sollen. Dabei ist Timo mein bester Freund – mein einziger richtiger Freund.
Er steckt die Hände in die Hosentaschen seiner Jeans und weicht meinem Blick aus. Stattdessen lässt er seine treuen Hundeaugen durch die Halle gleiten, bis sie auf meiner Familie landen, die beim Kiosk diskutiert.
Seite an Seite stehen meine beiden Schwestern meinen Eltern gegenüber und schwenken je eine Mädchenzeitschrift in der Hand. Sie gestikulieren wild, während meine Mutter mit gespitzten Lippen und nach vorn gebeugtem Oberkörper zuhört, als warte sie nur darauf, endlich ihre Gegenargumente vorbringen zu können. Das kann sie sich allerdings sparen, denn meine Schwestern und ich wissen genau, was sie von solchen Zeitschriften hält: absolut gar nichts. Sie will nicht, dass Chiara und Sophia sich ihre Hirnzellen mit solchem »antifeministischen Schwachsinn« verderben.
Mein Vater folgt der Argumentation meiner Schwestern mit sachlicher Miene. Als Gemeindepräsident ist er es gewohnt, sich jeden noch so abstrusen Vorschlag mit offenem Ohr anzuhören, wohlwollend zu prüfen und dazu Stellung zu beziehen. Er wird gegen die Argumente meiner Mutter ins Feld führen, dass Chiara und Sophia über ihr Taschengeld frei verfügen dürfen, solange sie nichts Illegales damit anstellen. Woraufhin meine Mutter einknicken wird, denn Selbstständigkeit wird in unserer Familie groß und fett geschrieben.
Seufzend drehe ich mich von diesem Spektakel ab. So eine Diskussion à la Familie Frei dauert gut und gern zehn Minuten. Ein fahler Geschmack haftet auf meiner Zunge, und es gelingt mir nicht, den einen bitteren Gedanken hinunterzuschlucken: Warum kann es heute nicht einmal um mich gehen? In wenigen Minuten werde ich mich von ihnen verabschieden, und sie müssen ein ganzes Jahr auf mein hübsches – okay, durchschnittliches – Gesicht verzichten. Doch sind wir ehrlich: Ich könnte im Sterben liegen, Chiara und Sophia würden mir trotzdem die Show stehlen. So ist das nun einmal, wenn du die vernünftige ältere Schwester von zwei selbstbewussten dreizehnjährigen Zwillingen bist. Und ein weiterer Grund – wenn nicht der Hauptgrund –, warum ich das hier überhaupt mache.
Wenigstens lenkt das Frei-Familiendrama von der komischen Stimmung ab, die zwischen Timo und mir herrscht.
Er nimmt meine Hand in seine und drückt sie. »Das Jahr wird uns guttun. Dir«, er nickt zu meiner diskussionsfreudigen Familie, »mir«, er lässt meine Hand los und blickt zu Boden, »und uns.«
Ein heißer Blitz fegt durch meine Brust. »Timo, wegen gestern …«
Er schüttelt den Kopf. »Nicht, alles gut.« Doch dann holt er tief Luft. »Aber ich glaube, ein bisschen Abstand wird uns guttun.« Wieder verzieht er das Gesicht, als würde es ihm wehtun, mich anzusehen.
Der Blitz zuckt ein weiteres Mal durch mein Inneres. Dabei war gestern doch alles bestens. Es war gut, schön … jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, als es vorbei war. »Timo …«
Abwehrend hält er die Hände vor die Brust. »Emma, ehrlich.«
Ich suche seinen Blick, um abschätzen zu können, ob er es wirklich so meint, doch seinen Ausdruck kann ich nicht deuten. In meiner Brust brennt es, denn das ist mir neu. Normalerweise weiß ich genau, wie Timo etwas meint, es steht ihm ins Gesicht geschrieben. Und weil wir seit gut vier Jahren beste Freunde sind – genau gesagt seit dem ersten Tag im Gymnasium, als wir zufällig nebeneinandersaßen –, kenne ich seine Mimik in- und auswendig.
Aber dieser Blick, der ist neu.
»Es ist … einfach komisch, oder?« Jetzt schaut er mir doch in die Augen, unsicher und …
Eine Hitzewelle rollt über mich hinweg, und Schweiß sammelt sich unter meinen Armen. In seinem Blick spiegelt sich ein Funken Hoffnung. Nein, nein, nein. So darf das nicht sein. Da ist mir ein Blick, den ich nicht verstehe, tausendmal lieber. Adrenalin schießt durch meine Venen und aktiviert meinen Fluchtinstinkt. Aber das hier ist Timo, mein bester Freund. Timo, der mich besser versteht als jeder andere, den ich besser kenne als mich selbst.
Also lache ich, um die Anspannung zwischen uns zu zerstäuben. »Na ja, ich weiß jetzt, wie du nackt aussiehst.« Ich wackle übertrieben mit den Augenbrauen, könnte mich aber gleichzeitig selbst ins Schienbein kicken. Musste ich einen Witz über letzte Nacht reißen?
Zum Glück scheint es zu funktionieren, denn Timo zieht mich in eine feste Umarmung. »Ich werde dich so vermissen.«
»Ich dich auch«, nuschle ich an seiner Brust und versuche, mir dieses Gefühl einzuprägen: aufgehoben, sicher, geborgen. Ich habe ganz schön Schiss, ohne ihn zu sein.
»Ist es so weit?«, dringt die Stimme meiner Mutter zu mir durch. Ich löse mich von Timo und stehe meiner Familie gegenüber. Sophias und Chiaras Nasen sind hinter einer einzigen Zeitschrift vergraben. Offensichtlich endete die Diskussion in einem Kompromiss: Sie müssen sich ein Blättchen teilen. Das ist keine Überraschung, meine Familie ist ein Fan von Kompromissen. Als große Schwester weiß ich das nur allzu gut, schließlich bin ich meistens diejenige, die sich mit einem »Kompromiss« begnügen muss.
»Es ist Zeit.« Mein Vater deutet mit dem Kopf zu den zwei anderen Austauschschülerinnen, die mit mir in den Flieger nach Montréal steigen werden. Sie stehen vor der Ticketschleuse und blicken ungeduldig zu mir herüber. Ein paar Schritte weiter hinten winken ihre Familien wie verrückt.
Okay, los geht’s.
Mit dem rechten Zeigefinger ziehe ich die Zeitschrift meiner Schwestern nach unten, um mich in ihr Blickfeld zu schieben. »Jetzt seid ihr die Großen.«
Damit habe ich ihre Aufmerksamkeit, denn darauf freuen sie sich, seit ich das erste Mal verkündet habe, dass ich ein Austauschjahr machen will. Sie wechseln einen triumphierenden Blick.
Ich schlinge meine Arme um die beiden und drücke sie kurz an mich. Wider Erwarten stoßen sie mich nicht weg, sondern halten ausnahmsweise ganz still. Das treibt mir Tränen in die Augen. Meine beiden Schwestern können richtige Biester sein, aber ich hab’ sie trotzdem lieb.
»Passt auf euch auf, ja?«
Zur Antwort verdrehen sie die Augen, stoßen mich nun doch von sich und sind eine Millisekunde später bereits wieder in die Zeitschrift vertieft.
Jetzt ist mein Vater an der Reihe. Nach kurzem Zögern umarme ich ihn, und er tätschelt mir leicht unbeholfen den Rücken. Mein Vater und ich, wir sind uns nicht besonders nah. Aber er ist mein Vater, und ich werde ihn ein Jahr lang nicht sehen, da ist eine Umarmung angebracht, finde ich. Trotzdem ist das Ganze ungewohnt, und ich weiß nicht, was ich sagen soll, als ich mich wieder von ihm löse.
Zum Glück ergreift er als Erster das Wort: »Pass auf dich auf. Und meld dich, falls du etwas brauchst. Sobald du ein Konto eröffnet hast, überweisen wir dir monatlich Taschengeld. Damit musst du dann selbst wirtschaften.«
Da wir das alles bereits besprochen haben, nicke ich nur und wende mich meiner Mutter zu.
»Mach uns keine Schande da drüben, ja?«, krächzt sie, ehe sie mich fest an sich drückt.
Jetzt kämpfe ich wirklich gegen die Tränen. Für einen kurzen Moment schließe ich die Augen, um mich in ihrer Wärme und ihrem süßlichen Duft zu wiegen. Sie verteilt nicht oft Umarmungen, dafür ist sie meist zu beschäftigt, aber wenn, dann sind es die besten der Welt.
»Ich bin stolz auf dich«, flüstert sie mir ins Ohr.
Eine einzelne Träne stiehlt sich aus meinem linken Augenwinkel. Rasch löse ich mich aus dem wohligen Kokon, um sie mit dem Ärmel wegzuwischen.
Ich drehe mich um, während mein Herz in meinen Ohren poltert. Jetzt kommt der schwierigste Teil. Aus großen Augen starrt Timo auf mich herunter. Dann öffnet er die Arme, und ich lege mich hinein.
Für ein paar Sekunden halten wir uns einfach nur fest, als hätte jeder von uns Angst, ohne den anderen zu fallen. Dann raunt Timo in mein rechtes Ohr: »Das ist unsere Chance, Emma. Ein Abenteuer ganz für uns allein. Genau das, was wir wollten.«
Ich löse mich von ihm, um ihm in die Augen zu sehen. Sie sind voller Zuneigung und Glauben an mich.
»Wir packen das!«, sage ich zu ihm und zu mir selbst.
Er grinst, drückt meine Schultern ein letztes Mal und hält mir dann mein Flugticket hin.
Ich fülle meine Lungen, bis sie fast zerplatzen, schnappe mir den Schein und marschiere mit festen Schritten auf die Ticketschleuse zu.
»Guten Tag, sehr geehrte Damen und Herren, aus dem Cockpit spricht Ihr Kapitän Stefan Herzog. Zusammen mit der gesamten Besatzung heiße ich Sie herzlich willkommen an Bord unseres Fluges nach Montréal. Letzte Gepäckstücke werden noch eingeladen, dann machen wir uns für den Start bereit. Die Flugzeit beträgt acht Stunden und zwanzig Minuten, es erwartet Sie eine pünktliche Landung in Montréal um 16:15 Uhr Ortszeit. Wir hoffen, Sie fühlen sich wohl an Bord, und wünschen Ihnen einen angenehmen Flug.«
Tief ein- und ausatmen. Mit feuchten Händen klammere ich mich an den Armlehnen meines Sitzes fest und konzentriere mich gleichzeitig darauf, mir meine Nervosität nicht anmerken zu lassen. Denn Mia und Elena links neben mir quatschen entspannt, als wäre Fliegen für sie so alltäglich wie Zugfahren. Ich dagegen bin erst ein einziges Mal geflogen, diesen Frühling, mit meiner Mutter nach London. Drei wundervolle Tage, an denen ich sie ganz für mich allein hatte. Und jetzt überquere ich den Atlantik und werde ein ganzes Jahr nicht zurückkommen. Da kann man schon nervös werden, finde ich.
Mia und Elena sind offensichtlich nicht der gleichen Meinung; gerade lassen sie sich lautstark darüber aus, wie toll es ist, der öden Schweiz den Rücken zu kehren. Da die beiden ohnehin schon viel cooler sind als ich – Mia mit goldenen Locken, die an der Spitze ins Pinkfarbene laufen, und Elena mit einem Lippenpiercing – will ich mir vor ihnen keine Blöße geben. Neben ihrem Hipster-Vibe fühle ich mich unscheinbar, wie der Normalo, der ich nun einmal bin. In ihren Augen vielleicht auch der Nerd: die Musterschülerin, die Tochter der Rektorin und des Gemeindepräsidenten.
Doch so will ich nicht mehr gesehen werden. Ich will ich sein, wer auch immer das ist. Deswegen reise ich Tausende Kilometer in eine Stadt, in der mich niemand kennt, in der niemand meine Familie kennt. Damit ich endlich ich selbst sein kann, frei von den Erwartungen anderer, von der Familie, der Gemeinde, der Schule, der Klasse.
Ich gebe mir Mühe, so zu tun, als wäre Fliegen auch für mich nichts Besonderes, als hätte ich das schon tausendmal gemacht. Aber meine Fingerknöchel, die weiß hervortreten, weil ich mich an der Armlehne festkralle, verraten wie nervös ich bin.
»Emma? Alles klar bei dir?«
Ich drehe den Kopf zu Elena, die neben mir sitzt. Sie und Mia sehen mich mit hochgezogenen Augenbrauen an, als hätten sie schon länger versucht, meine Aufmerksamkeit zu erregen.
Ich nehme meine verkrampften Hände von der Lehne und lege sie lässig, wie ich hoffe, in meinen Schoß. »Sorry, war ganz in Gedanken.«
»Wir haben dich gefragt, wohin es dich verschlagen hat.« Elena lehnt sich im Sitz zurück und zieht den Lippenring durch die Zähne. »Montréal ist genau das Richtige für mich.«
Mia nickt. »Du sagst es. Ich bin echt froh, dass ich eine Familie in Québec abbekommen habe. Stell dir vor, ich hätte irgendwo in die Pampa gemusst.« Wie angewidert schüttelt sie sich. »Wie sieht’s bei dir aus?«
»Ich gehe nach Sept-Îles.«
»Nie gehört«, antwortet Mia. »Wo ist das?«
»Das liegt im Norden, im Osten von Québec.«
»Der Stadt?«
»Nein, der Provinz.«
»Du hattest nicht so viel Glück, was?«, kommentiert Elena, ihre Stimme trieft vor Schadenfreude.
Ich zucke mit den Schultern. »So ein Kaff ist das nicht, Sept-Îles hat mehr als fünfundzwanzigtausend Einwohner.« Und somit um ein Vielfaches mehr als das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin.
Beide sehen mich an, als könnten sie nicht fassen, was ich da von mir gebe. Dann wechseln sie einen raschen Blick.
»Ah, okay, cool«, sagt Mia schließlich. Ihr Tonfall passt jedoch so gar nicht zu ihren Worten.
Elena verzieht ihr Gesicht fast schon mitleidig, bevor die beiden wieder ihre Köpfe zusammenstecken und miteinander tuscheln.
Offensichtlich ist es viel cooler, in einer Großstadt unterzukommen als im Norden. Dass Sept-Îles dafür am Meer liegt, werde ich ihnen jetzt bestimmt nicht mehr verraten. Aber ich weiß es. Wie auf Knopfdruck ziehen sich meine Mundwinkel nach oben, wie immer, wenn ich daran denke: Ich werde in einer Stadt am Meer wohnen. Gibt es etwas Cooleres? Für jemanden aus der Schweiz ist das schon besonders.
Selbst Sophia und Chiara waren beeindruckt. Anfangs rümpften sie jedes Mal, wenn ich von Kanada sprach, die Nase – wie jeder, dem ich verraten habe, dass ich ein Jahr in Kanada verbringen werde. Sofort wurde nachgefragt, warum ich ausgerechnet in den Norden will. Kanada sei ja praktisch wie die Schweiz, nur ein bisschen größer und mit etwas mehr Platz. Nein, nach Südamerika, Asien oder Australien sollte ich gehen oder wie Timo in die USA. Aber Kanada? Nein, das sei wirklich zu langweilig. Dabei passt der leise, bedächtige Norden einfach besser zu mir als der laute, offene Süden.
Aber als Chiara und Sophia erfuhren, dass ich in einer Kleinstadt am Meer leben werde, hörte das Naserümpfen auf und kehrte nicht mehr zurück.
»Cabin Crew, prepare for take-off«, knistert eine weitere Ansage durch die Lautsprecher.
Mia und Elena jubeln, und auch auf meinem Gesicht breitet sich ein überdimensionales Grinsen aus. Ich stelle meine Füße fest vor mir auf den Boden, drücke den Rücken in den Sitz und klammere mich mit verschwitzten Händen an den Armlehnen fest.
Grenzenlose Weite, Meer und Freiheit – ich komme!
Mit einem Seufzen springe ich von der schmalen, harten Matratze, auf der ich die letzte Nacht verbracht habe, und stecke das Handy in die Gesäßtasche meiner Jeans.
Es ist erst der zweite Tag in Kanada, trotzdem bin ich von all den neuen Eindrücken und Erlebnissen total geschafft. Dazu kommt der Jetlag, den ich noch nicht ganz abgeschüttelt habe. Daher habe ich mich zwischen zwei Kursen für ein paar Minuten in mein Zimmer verzogen, das ich mit Lyra aus Island teile.
Ich hatte Glück, sie als Zimmerpartnerin zu bekommen, denn sie ist noch ruhiger als ich. Wobei es auch seine Vorzüge gehabt hätte, mit einem extrovertierteren Mädchen das Zimmer zu teilen. Sie hätte mir dabei helfen können, hier Anschluss zu finden. Doch damit will ich mich nicht stressen, schließlich verbringen wir hier nur noch eine Nacht, bevor wir zu unseren Gastfamilien weiterreisen.
Ich schnappe mir den Zettel mit meinem Tagesprogramm. Heute habe ich bereits einen Kurs zu kanadischen Traditionen und Gepflogenheiten besucht und eine ziemlich lustige Lektion in Québécois bekommen, der kanadischen Version von Französisch.
Québec ist die einzige Provinz Kanadas, in der hauptsächlich Französisch gesprochen wird. Im Vorfeld habe ich mich nur wenig über diesen Dialekt informiert, schließlich lerne ich seit fünf Jahren Französisch in der Schule und dachte, dass ich damit ganz gut vorbereitet bin. Doch seit dem Kurs heute Morgen weiß ich, dass mich hier etwas ganz anderes erwartet: Die Frankokanadier sprechen nicht nur einen Dialekt, nein, sie benutzen zum Teil auch andere Wörter als die Franzosen!
Als Nächstes steht ein Kurs zu den Rechten und Pflichten als Austauschschülerin an und heute Abend findet dann die große Abschlussveranstaltung statt, bei der alle Jugendliche, die aus demselben Land kommen, etwas Typisches aus ihrer Kultur vortragen sollen. Dafür muss ich mit Mia und Elena zusammenarbeiten, allerdings habe ich heute noch gar nicht mit ihnen gesprochen. Ohnehin wäre ich viel lieber bereits bei meiner Gastfamilie in Sept-Îles. Doch dieses zweitägige Ankunftscamp im Studentenwohnheim einer Uni in Montréal soll uns die Gelegenheit geben, etwas Abstand von zu Hause zu gewinnen und uns auf das kommende Jahr einzustimmen, bevor wir in unser neues Zuhause weiterreisen. Uns – das sind Schüler und Schülerinnen aus der ganzen Welt, die mit derselben Organisation ein Jahr in Kanada verbringen. Aufgeregte, ausgelassene und meist aufgeschlossene – weil hallo, wir machen ein Austauschjahr – Sechzehn- bis Achtzehnjährige und alle unter einem Dach, da spielen die Hormone ziemlich verrückt. Und das bedeutet, es wird geflirtet und geknutscht, als gäbe es kein Morgen.
Ich stecke mir die rote Mappe mit den Informationen zu unserem Aufenthalt unter den Arm, streife mein aschblondes, schulterlanges Haar aus dem Gesicht, straffe die Schultern und trete aus dem kleinen Zimmer.
Mehrere Grüppchen stehen den schmalen Gang entlang beieinander, es wird gelacht, gequatscht und dermaßen geflirtet, dass Amor kurz vor einem Burnout stehen muss. Ich schlängle mich den Flur entlang Richtung Treppenhaus und quetsche mich an einem Paar vorbei, das unter einer Flagge an die Wand gelehnt zur Sache geht – ist das die Flagge von Ecuador? Fasziniert und eingeschüchtert zugleich erreiche ich die Treppe, die mich nach unten zum Kursraum führt.
Als ich durch die Tür trete, begrüßt mich eine eher kleine, quirlige Helferin. »Hey, schön, dass du da bist! Ich bin Juliette, und du bist …?« Sie spricht Deutsch mit einem leichten Akzent und hält ein Klemmbrett mit einer Liste Namen in der linken Hand.
»Emma Frei, aus der Schweiz.«
»Super, such dir einen Platz aus. Es fehlen noch ein paar.«
Einige Jugendliche sitzen bereits an den grauen Tischen, vor ihnen leere Blätter und ein Stift. Ich entscheide mich für einen der hinteren Tische an der Wand. Kaum sitze ich, spazieren Mia und Elena durch die Tür und suchen sich nach Juliettes Begrüßung Plätze in der mittleren Reihe – neben mir ist noch immer frei.
Während ich dem freudigen Geplapper um mich herum zuhöre, fühle ich mich plötzlich allein. Hätte ich mir mit Mia und Elena mehr Mühe gegeben, dann hätten sie sich vielleicht neben mich gesetzt. Wobei, wenn ich schon beim Wünschen bin, dann wünsche ich mir lieber, das Camp wäre schon vorbei. Klar, wir bekommen ein paar spannende Informationen zu Land, Sprache und unserer Rolle als Austauschschüler. Aber gleichzeitig befinden wir uns hier in einem komischen Schwebezustand, der sich anfühlt, als wären wir in einer Zwischenwelt gefangen: nicht mehr in der Realität unserer Heimat, aber auch noch nicht in der Traumwelt namens Austauschjahr, in der alles möglich ist und man sein kann, wer man will. Stattdessen sind wir in dieser Blase voller ausgelassener, feierfreudiger Jugendlicher gefangen, deren Leichtigkeit mich überfordert.
Ja, ich mache das alles hier, um offener zu werden. Meine Zurückhaltung steht mir manchmal im Weg, und das möchte ich ändern. Aber ich habe keinen Schalter, den ich von einem Tag auf den anderen umlegen kann, um die Ich-fühle-mich-saugut-selbstbewusst-Emma zu sein. Oder bin ich nur die Einzige, die diesen Schalter noch nicht gefunden hat?
Timo würde mir jetzt auf die Schulter drücken, auf den Arm, die Hand, die Wange, in den Bauchnabel – überallhin, bis er den Schalter entdeckt hat. Ich vermisse ihn so sehr. Ohne ihn hätte ich das hier niemals durchgezogen, sondern schon vor dem Auswahlgespräch kehrtgemacht. Jeden einzelnen Schritt – von der ersten Idee und dem Informationsabend, über die Entscheidung und die Bewerbung bis hin zum Aufnahmegespräch – sind wir gemeinsam gegangen.
Doch jetzt sitze ich hier. Und er in den USA – ich hoffe, nicht ganz so allein wie ich.
Juliette klatscht in die Hände und zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. »Hey Leute, ich bin Juliette. Ich bin vor einem Monat von meinem Austauschjahr in Deutschland zurückgekehrt.«
Pfeifen und Klatschen.
Sie strahlt. »Ja, war genial! Heute darf ich euch in die Dos and Don’ts als Austauschschüler einweihen.«
Ein paar stöhnen, und auch ein Buhruf wird laut.
Sie hält die Hände abwehrend vor die Brust und lacht. »Ich weiß, ich weiß, nicht gerade ein sexy Thema. Aber an eurer Stelle würde ich trotzdem die Ohren spitzen. Oder wollt ihr vorzeitig nach Hause fahren?«
Noch etwas Gemurmel und Gebrumme, dann wird es still im Zimmer. Keiner von uns hat Lust, früher als geplant wieder nach Hause geschickt zu werden.
Juliette nickt zufrieden. »Okay. Haken wir als Erstes die Don’ts ab, damit ihr auf der sicheren Seite seid. Mir ist bewusst, ihr hört das nicht zum ersten Mal, aber ist halt wichtig.«
In den nächsten Minuten tragen wir zusammen, was wir bereits wissen: Wir dürfen nicht Auto fahren, obwohl man hier bereits mit sechzehn den Führerschein machen dürfte, keine Drogen konsumieren und keinen oder nur wenig Alkohol trinken.
Bei diesem Punkt grinst Juliette. »Mir ist klar, dass das ziemlich unrealistisch ist. Übertreibt es einfach nicht und lasst euch nicht erwischen! Ihr habt Glück: In der Provinz Québec ist der Konsum von Alkohol bereits mit achtzehn Jahren erlaubt. Mit achtzehn kommt ihr auch in Bars und Clubs.« Einige Jubelrufe werden laut. »Aber aufgepasst: Falls ihr einen Ausflug in die Provinz Ontario macht, da ist man erst mit neunzehn volljährig.«
»Arme Schweine«, kommentiert jemand aus meiner Reihe, woraufhin alle lachen.
Nachdem wieder Ruhe eingekehrt ist, fährt Juliette fort: »Es gibt noch eine Sache, die ihr vielleicht noch nicht wisst.« Sie legt eine Kunstpause ein, sodass alle nach vorn schauen. »Es wird euch empfohlen, keine Liebesbeziehung einzugehen.«
Gelächter, Gekicher und weitere Buhrufe.
Auch mir entwischt ein Prusten. Ernsthaft?
Juliette verzieht das Gesicht zu einem schiefen Grinsen. »Ich weiß, das hört sich lächerlich an. Doch der Gedanke dahinter ist, dass ihr während eures Jahres hier offen bleibt. Wenn ihr euch gleich zu Beginn einen Freund oder eine Freundin angelt, habt ihr weniger Interesse daran, weitere Leute kennenzulernen.« Sie lässt ihren Blick durch die Reihen schweifen. »Das kennen wir doch alle: Freunde, die plötzlich keine Zeit mehr für uns haben, weil sie jede Minute mit ihrem neuen Lover verbringen.«
Ein paar nicken. Dann meldet sich Mia zu Wort: »Aber deswegen werden wir nicht nach Hause geschickt, oder? Ich finde, das wäre ein krasser Eingriff in unsere Privatsphäre.«
Zustimmendes Gemurmel im Raum, und auch ich nicke.
»Nein, nach Hause schicken können sie euch deswegen nicht. Es ist auch mehr eine Empfehlung und kein eigentliches Verbot. Wenn ihr jedoch etwas mit einem Mitglied eurer Gastfamilie anfangt, ist das ein Grund, nach Hause befördert zu werden!«
»Dabei ist meine Gastmutter total heiß, eine richtige MILF«, kommentiert der Spaßvogel in meiner Reihe und erntet dafür einige »Igitt«-Rufe.
Juliette zieht die Augenbrauen hoch. »Dazu sage ich nur: Es gibt nichts, was es noch nicht gegeben hat.« Plötzlich ernst blickt sie in die Runde. »Eure Gastfamilie öffnet euch ihr Zuhause, heißt euch in den eigenen vier Wänden willkommen. Verspielt dieses Vertrauen nicht.«
Das sitzt und es wird ruhiger im Zimmer.
Danach gibt uns Juliette noch ein paar Dos mit auf den Weg: offen zu sein, Interesse für die Kultur zu zeigen, Traditionen und Sichtweisen der Menschen kennen- und natürlich die lokale Sprache zu erlernen.
»Klar, ihr könntet euch auch mit Englisch durchschlagen, vor allem in den Großstädten. Aber wenn ihr hier wirklich ankommen möchtet, lernt unsere Sprache. Wir Québécois hängen dran.«
Ich denke daran, dass es uns Deutschschweizern mit unserem etwas merkwürdig anmutenden Schweizerdeutsch genauso geht.
»Mein Gratis-Tipp für euch: Macht überall mit, wo ihr könnt. Schülerclubs, Sportvereine, was auch immer. Ihr seid die Neuen – zeigt, dass ihr euch für die Menschen und ihr Leben hier interessiert.« Sie lächelt. »Aber genug geschwafelt, jetzt seid ihr dran. Den Rest der Stunde habt ihr Zeit, um euch selbst einen Brief zu schreiben.« Ein Stöhnen wandert durch den Raum, doch Juliette lässt sich nicht beirren. »Diesen Brief werden wir euch in einem halben Jahr zuschicken. Schreibt an euer zukünftiges Ich: Was ihr hofft, bis dahin erlebt, gesehen, getan, erreicht zu haben. Wer ihr hofft, bis dahin zu sein. Das wird euch daran erinnern, warum ihr euch überhaupt für dieses Jahr entschieden habt. Denn sind wir ehrlich: Es ist die beste, wertvollste Erfahrung, die ihr machen könnt. Aber nicht immer die einfachste, vor allem am Anfang nicht.«
Ein paar murren trotzdem weiter.
»Ich verrate euch eins: Es tut verdammt gut, diesen Brief nach der Hälfte des Jahres in den Händen zu halten. Dann bleibt euch nämlich noch immer Zeit, etwas zu verändern, falls es nicht so laufen sollte, wie erhofft.« Mit ernster Miene schaut sie in die Runde. »Ich wäre anfangs ohne zu zögern in den Flieger nach Hause gestiegen, wenn mir jemand das Ticket dazu in die Hand gedrückt hätte. Aber nach Weihnachten, als ich Freunde und Anschluss gefunden hatte, fing es an, richtig geil zu werden. Am Ende musste man mich mit einem Bulldozer ins Flugzeug verfrachten.«
Ein paar Sekunden lang starre ich auf das leere Papier. Dann greife ich zum Stift und beginne zu schreiben.
Wieder sitze ich in einem Flugzeug und kralle mich an den Armlehnen fest, während die Cabin Crew die Passagiere begrüßt. Trotzdem ist alles anders als bei meinem langen Flug nach Kanada: Das Flugzeug ist mit drei Sitzen pro Reihe – zwei links, einer rechts vom Gang – um einiges kleiner, die Cabin Crew weist uns auf Französisch in die Sicherheitsvorkehrungen ein, und meine Flugbegleitung rümpft nicht die Nase, wenn ich etwas sage, im Gegenteil.
Hanna aus Österreich rutscht neben mir auf dem Sitz am Fenster hin und her und klammert sich mit ihrer feuchten Hand an meinem Unterarm fest. Aber das stört mich kein bisschen, ich freue mich über ihre Gesellschaft.
Rechts von mir, auf der anderen Seite des schmalen Gangs, sitzt Alejandro aus Argentinien. Scheinbar gelassen blickt er durch die Scheibe auf den Flughafen Montréal, den wir in Kürze hinter uns lassen werden.
Erst heute Morgen, als ich auf den Shuttle zum Flughafen gewartet habe, habe ich erfahren, dass ich nicht die Einzige bin, die ihr Austauschjahr in Sept-Îles verbringt. Hanna habe ich dank ihrer quirligen, offenen Art sofort gemocht, mit Alejandro hingegen bis jetzt kaum zwei Worte gewechselt. Ich weiß nicht, ob es an der Sprache liegt, ob er einfach ein ruhiger Typ ist oder wenig Interesse daran hat, sich mit uns auszutauschen.
»Ich bin sooo aufgeregt!« Hanna zieht mit ihrem Ausruf meine Aufmerksamkeit wieder auf sich.
Ich lege meine Hand auf ihre, die noch immer meinen Arm umklammert. »Ich auch!«
Sie lacht gelöst. »Ich bin so froh, dass wir zusammen in den Norden fliegen. Da ist man gleich ein bisschen weniger allein.«
Ich nicke, denn es tut gut, bei diesem Abenteuer jemanden an meiner Seite zu haben – nicht nur per Handy. Trotzdem schicke ich Timo noch eine letzte Nachricht.
Ich schalte mein Telefon in den Flugmodus und schiele zu Alejandro hinüber, der inzwischen die Karte mit den Sicherheitsanweisungen studiert.
»Er ist schon eine Augenweide, oder?«, flüstert mir Hanna ins Ohr und kichert. »Ich wette, die werden da oben ganz verrückt nach ihm sein! Ich muss ihn auch andauernd ansehen, so hübsch dürften Männer eigentlich gar nicht sein.«
Da hat sie nicht unrecht. Seine dichten schwarzen Wimpern sind unglaublich lang, die hohen Wangenknochen und die dunklen, runden Augen haben fast schon etwas Feminines. Wenn er noch etwas größer wäre, könnte er glatt als Model durchstarten. Während ich ihn aus den Augenwinkeln mustere, fällt mir auf, wie angespannt er wirkt: die Zähne aufeinandergepresst, die Schultern bis zu den Ohren hochgezogen. Mich überkommt ein schlechtes Gefühl dabei, in seiner Gegenwart über ihn zu tratschen. »Vielleicht wäre es netter, uns auf Englisch zu unterhalten, damit er auch etwas versteht? Ich glaube, ich würde mich an seiner Stelle etwas ausgeschlossen fühlen.«
Hanna nickt sofort. »Du hast absolut recht. Wir sind ja sowieso hier, um Französisch oder eben dieses Québécois zu lernen. Wäre schade, wenn wir das ganze Jahr damit vergeuden, auf Deutsch zu reden, oder?«
Ich zwinkere ihr zu. »Also, vergeuden würde ich es jetzt nicht nennen, aber ich weiß, was du meinst.«
»Was hältst du davon, wenn wir heute auf diesem Flug eine letzte Ausnahme machen, aber sobald wir in Sept-Îles sind, wechseln wir zu Französisch?«
»Wow, du meinst es ernst.«
Hanna grinst fast etwas verlegen. »Sorry, ich bin manchmal etwas extrem.«
»Kein Ding, der Plan ist gut. Lass es uns versuchen.«
»Abgemacht.« Eine Sekunde später ruft sie über meinen Kopf hinweg auf Englisch: »Bist du auch so nervös wie wir?«
Wärme breitet sich in meiner Brust aus, und meine Schultern sinken nach unten. Ich habe einen, wenn nicht zwei Menschen an meiner Seite, die mit mir für ein Jahr im gleichen Boot sitzen. Plötzlich bin ich nicht mehr angespannt nervös, sondern freudig nervös. Abenteuer Austauschjahr, ich bin bereit!
Mein Herzschlag hallt in meinen Ohren, als ich, den Griff meines riesigen Koffers fest in der Hand, hinter Hanna durch den Zollbereich des Flughafens in Sept-Îles taumle. Ich bin so aufgeregt, dass ich zum wiederholten Male über meine eigenen Füße stolpere. Gleich werde ich sie kennenlernen, meine Gastfamilie.
Kurz hoffe ich, vom Zoll zurückgehalten zu werden, damit ich noch ein letztes Mal durchatmen kann. Doch ich passiere ohne Widerstand eine freundlich lächelnde Zollbeamtin, und mit dem nächsten Wimpernschlag trete ich hinter Hanna durch die metallenen Türen, die sich automatisch öffnen, als wir auf sie zusteuern.
Mein Puls pocht an meinem Hals, während mein Blick fahrig in der Ankunftshalle hin und her springt und sich auf nichts zu fokussieren wagt. So habe ich mich noch nie in meinem Leben gefühlt. Allerdings hatte ich auch noch nie zuvor die wahnwitzige Idee, ein Jahr zu einer mir völlig fremden Familie zu ziehen, weit weg von zu Hause. Wer macht so etwas?
Und dann stehe ich ihr gegenüber: Geneviève Lavoie, meiner Gastmutter. Mit einem überdimensional großen Lächeln sieht sich mich an. Ihre rotbraunen Wellen wippen leicht, als sie mit rot geschminkten Lippen Sätze formt, die mein Sprachzentrum nicht übersetzen kann. Immerhin sind meine grauen Zellen noch zu so viel logischem Denken fähig, dass ich davon ausgehe, dass sie mich gerade begrüßt. Ich glaube, das Wort Bienvenue aus dem Kauderwelsch herauszuhören.
Bevor ich die Worte hervorkramen kann, die ich vorhin mit Hanna einstudiert habe, zieht sie mich schon in eine feste Umarmung. Ich bin derart überrumpelt, dass ich einen Schritt zurücktaumle … und im nächsten Moment mit dem Hintern auf meinem Koffer sitze.
Geschockt bleibe ich, wo ich bin, in der Hoffnung, damit meinen Auftritt ungeschehen machen zu können. Das ist nicht passiert, oder?
Schon hilft mir Geneviève mit einer Hand wieder hoch und plappert aufgeregt weiter, als wäre mein Sturz nicht der Rede wert, während ich mit purer Willenskraft die Röte auf meinen Wangen zu vertreiben versuche.
»Maman, lass ihr einen Moment, um Luft zu holen«, unterbricht ein hübscher junger Mann Genevièves Redeschwall auf Englisch. Grinsend steckt er das Handy weg, das wohl eben noch auf mich gerichtet war.
Ich bin so dankbar, Englisch zu hören, dass ich mir nur kurz Sorgen mache, ob er meinen peinlichen Auftritt von eben festgehalten hat. Stattdessen lächle ich ihn erleichtert an. Hellbraune Haare im Surfer-Look, zwei tiefe Grübchen in der Wange und blaue Augen wie Meerwasser – das muss Mathieu sein, der mittlere der drei Lavoie-Brüder. Ich erkenne ihn von den Fotos, die mir Geneviève vor wenigen Wochen geschickt hat.
Schmunzelnd streckt er mir seine Hand entgegen. »Ich bin Mathieu, der Mittlere.«
Ich mag ihn augenblicklich und ergreife seine Hand mit einem ehrlichen Lächeln.
Er tritt zur Seite und macht den Blick auf zwei weitere junge Männer frei, die ein paar Schritte hinter ihm stehen. Das sind dann wohl seine Brüder.
Ein wie Mathieu breit gebauter Mann, im Gegensatz zu ihm aber mit kurzen hellbraunen Haaren und nachdenklichen blaugrauen Augen, macht einen Schritt auf mich zu und hält mir die Hand hin. »Ich bin Samuel.«
»Der Älteste«, erklärt Mathieu unnötigerweise, denn auch ihn habe ich sofort erkannt.
»Und der Vernünftigste«, ergänzt Samuel. Seiner Ernsthaftigkeit zum Trotz blitzt Schalk hinter seinen Brillengläsern auf.
»So wie ich«, stammle ich auf Französisch. Tatsächlich stellen mich meine Eltern immer genau mit diesem Adjektiv vor – wie sehr ich das hasse. Zu meinem Glück scheint diese Rolle in der Familie Lavoie bereits besetzt zu sein.
»Du hast zwei jüngere Schwestern, richtig?«, fragt er mich auf Englisch.
Ich nicke. »Zwei wilde Zwillingsschwestern.«
»Dann weißt du ja, wie das ist«, meint er und nickt dabei mit dem Kopf zu seinen Brüdern.
Damit lenkt er meine Aufmerksamkeit links hinter sich, wo der dritte im Bunde steht. Die Hände in den Taschen seiner lockeren Shorts vergraben, beobachtet er mich aus zusammengekniffenen Augen.
»Nathan, unser Küken«, stellt Samuel ihn vor.
Nathan rollt die Augen und nickt mir kurz und lässig zu. »Hey.« Er macht keine Anstalten, auf mich zuzukommen.
»Hey«, erwidere ich hoffentlich ebenso cool, während mein Herz heftig gegen die Rippen hämmert. Im Gegensatz zu seinen zwei älteren Brüdern wohnt Nathan noch zu Hause. Ihn werde ich am meisten zu Gesicht bekommen und mit ihm meinen neuen Alltag teilen. Davon, dass er mir nicht wie seine Brüder die Hand gereicht hat, will ich mich nicht verunsichern lassen.
Verstohlen mustere ich ihn, während er mich weitaus weniger unverhohlen inspiziert. Zwar ist er der jüngste der drei Brüder, aber dafür der größte. Auch sonst scheint er aus der Reihe zu tanzen. Statt eines breiten Körperbaus ist seiner etwas schmaler, eher in die Höhe als in die Breite geschossen. Der auffälligste Unterschied ist jedoch sein Haar: an den Seiten kurz geschnitten, wellen sich auf seinem Schopf dunkelblonde Locken mit einem eindeutigen Rotstich. Auch die Stoppeln seines Dreitagebartes schimmern mehr rot als blond, sodass die hellen grauen Augen intensiv herausstechen. Er sieht gut aus, richtig gut. Das tun sie alle drei.
Wärme kitzelt meine Wangen und ich wende hastig mein Gesicht ab. Dabei fange ich einen Blick von Hanna auf, die ein paar Meter hinter Nathan mit ihrer eigenen Gastfamilie steht – Vater, Mutter und eine Gastschwester in unserem Alter.
»Wow«, formt sie mit den Lippen und glotzt mit runden Augen zwischen meinen Gastbrüdern hin und her.
Scheiße, sie hat so was von recht. Sie sind alle ganz schön heiß, jeder auf seine eigene Art.
Bevor mich diese Erkenntnis zu sehr aus dem Konzept bringen kann, tritt Geneviève wieder auf mich zu und versucht, mich in ein Gespräch zu verwickeln. Doch beim besten Willen, ich verstehe kaum ein Wort. Der Macht der Gewohnheit nach kaue ich auf meiner linken Unterlippe, während ich angestrengt versuche zu verstehen, was sie mir sagen will. Fünf Jahre Schulfranzösisch fließen den Bach hinunter; der Singsang des Québécois ist ein ganz anderer. Weniger melodiös, dafür stoßen immer wieder zischende Laute aus ihrem Mund, die ich nicht einordnen kann.
»Excusez-moi«, stottere ich, »mein Französisch ist leider nicht besonders gut.«
Mit einer Handbewegung wischt Geneviève meine Bedenken fort, ehe sie nach meiner Hand greift und diese liebevoll tätschelt. Offensichtlich ist sie eine dieser Frauen, die jeden tätscheln, küssen und umarmen. Obwohl mich das ein wenig überfordert, fühle ich mich durch ihre mütterliche Art willkommen, und der riesige Stein in meiner Brust beginnt zu bröckeln.
Hinter mir fischt Mathieu nach meinem Koffer. »Keine Sorge, du wirst dich in null Komma nichts auf Québécois unterhalten. Du hast gar keine andere Wahl. Die meisten hier sprechen nicht so gerne Englisch, und wie du schon gemerkt hast, kann Maman nur ein paar Brocken. Wenn du ihr Paroli bieten willst, wirst du Québécois zum Überleben brauchen.« Locker legt er den Arm um meine Schultern und geleitet mich in Richtung Ausgang. »Nathan kann dir ein bisschen Unterricht in Québécois geben, wenn du willst.«
Über meine Schulter schiele ich zu Nathan zurück, dessen Miene bei dieser Aussicht nicht gerade von Begeisterung zeugt. Unkommentiert lässt er den Vorschlag seines Bruders vorbeiziehen, und ich erwische mich dabei, wie ich mir wünschte, Mathieu wäre der Jüngste der drei.
Erledigt, aber erleichtert hüpfe ich ein paar Stunden später auf meine neue Matratze. Ich meine wirklich hüpfen, denn das Bett besteht aus einem regelrechten Matratzenturm und thront etwa einen Meter über dem Boden. Daheim liegt mein Lattenrost direkt auf dem Parkettboden.
Daheim.
Wie weit weg mir mein Leben in der Schweiz vorkommt. Dabei ist es gerade einmal drei Tage her, seit ich mich von meiner Familie und von Timo verabschiedet habe.
Ich fische nach meinem Handy und checke erneut unseren Chatverlauf. Meine letzte Nachricht wird als gelesen angezeigt, aber er hat noch nicht darauf geantwortet. Dabei ist sie mehr als acht Stunden alt. Normalerweise schreiben wir uns innerhalb von Minuten, manchmal sogar von Sekunden zurück.
In die Erleichterung darüber, die erste Begegnung mit der Gastfamilie mehr oder weniger unbeschadet gemeistert zu haben, mischt sich ein ungutes Gefühl. Uns war bewusst, dass das Austauschjahr auch unsere Freundschaft verändern würde. Aber dass er sich bereits nach zweiundsiebzig Stunden so weit weg anfühlt, und ich an unserer Freundschaft zweifle, damit habe ich nicht gerechnet.
Ich versuche, das beklemmende Gefühl abzuschütteln und nicht zu viel hineinzuinterpretieren. Heute ist sein letzter Tag im Ankunftscamp, er meldet sich bestimmt, sobald er eine freie Minute findet. Dass er bis zum heutigen Tag immer eine freie Minute gefunden hat, egal was war, blende ich aus. Das bedeutet nicht, dass unsere letzte gemeinsame Nacht etwas damit zu tun hat.
Um mich abzulenken, schaue ich mich in meinem neuen Zimmer um. Neben dem hohen, großen Bett bietet es gerade noch Platz für einen kleinen Schreibtisch in der Ecke, daneben zeugen Türen von der Existenz eines Wandschranks. Durch hoch gelegene, nur einen halben Meter hohe Fenster an der rechten Wand fällt Licht ins Zimmer, das von einem riesigen Spiegel an der gegenüberliegenden Wand reflektiert wird und das Zimmer größer wirken lässt, als es ist.
Die Wand hinter dem Bett ist in einem matten Waldgrün gestrichen, das mich an die Fahrt vom Flughafen nach Sept-Îles erinnert. Mit einem Ungetüm von Auto sind wir auf einer schnurgeraden Straße an unzähligen Nadelbäumen vorbeigeflitzt. Eine Tanne nach der anderen, kein Häuschen dazwischen, einfach nur Wald. Genau so habe ich mir Kanada vorgestellt.
Ein Klopfen reißt mich aus meinen Gedanken, und ich springe auf, um meinem Gast die nur angelehnte Tür zu öffnen.
Geneviève steht auf der Schwelle und plappert mit einem Lächeln auf den Lippen drauflos. Ich gebe mir Mühe, ihr zu folgen, bringe aber außer einem überforderten Lächeln nicht viel zustande. Gerade will ich sie bitten, langsamer zu sprechen, als sich von rechts eine Stimme in die Unterhaltung einmischt.
»Sie meint, du sollst dich ein bisschen ausruhen. Gegen fünf gibt es Abendessen.« Nathan lehnt am Türrahmen seines Zimmers und streicht sich eine verirrte Locke von der Stirn.
Ich nicke ihm dankbar zu und antworte Geneviève auf Englisch: »Vielen Dank. Ich werde auspacken und komme dann wieder hoch.«
Als Nathan für mich übersetzt, versuche ich, mir seine Worte einzuprägen. Doch ich bin zu müde, um mich richtig zu konzentrieren.
Geneviève nickt zufrieden und steigt die Treppe nach oben, die zwischen meinem und Nathans Zimmer vom Untergeschoss ins Parterre führt.
Ich ziehe das Handy aus der Gesäßtasche und tippe, ohne lange zu überlegen, eine weitere Nachricht an Timo.
Grinsend blicke ich auf und sehe gerade noch, wie sich Nathan in sein Zimmer zurückzieht und die Tür hinter sich zudrückt.
Ich nutze die Gelegenheit, mich endlich einmal in Ruhe umzuschauen. Das mit dem Keller ist übertrieben. Zwar befindet sich das Stockwerk unter der Erde, aber es ist richtig gemütlich – mit einem Keller hat es wenig gemein. Neben meinem und Nathans Zimmer gibt es ein Badezimmer und die Waschküche, der Rest der großzügigen Fläche bietet einem zweiten Wohnzimmer Platz. In eine Wand sind großflächig Einbauschränke eingelassen, an der gegenüberliegenden steht ein langer Schreibtisch mit zwei Arbeitsplätzen und zwei Bildschirmen. In der Mitte des Raumes lädt eine gut eingelebte Sitzecke mit einem kuschelig wirkenden Sofa und einem ledernen Lounge-Sessel dazu ein, es sich bequem zu machen. An der Wand davor hängt ein riesiger Bildschirm und im Regal darunter erkenne ich dieselbe Spielekonsole, die auch bei Timo im Zimmer steht. Daneben steht noch eine zweite, die ich nicht kenne.
Fenster sucht man auf dieser Seite des Untergeschosses vergebens, doch durch die gemütliche Einrichtung, Spots in der Decke und zwei schmucken Stehlampen in den Ecken wirkt es überhaupt nicht finster.
Beschwingt drehe ich mich einmal um die eigene Achse. Mir gefällt es. Es ist auf jeden Fall einmal etwas anderes, unter der Erde zu wohnen, und ehrlich gesagt bin ich auch ganz happy damit, ein bisschen Abstand zu den Familienzimmern im oberen Stock zu haben. Dass ich den Platz mit Nathan teile, blende ich bewusst aus. Wer weiß, vielleicht zieht er ja in eines der oberen Zimmer, wenn seine beiden Brüder an die Universität zurückkehren.
Der flauschige cremefarbige Teppich verschluckt meine Schritte, als ich an Nathans geschlossener Zimmertür vorbei zu meinem Zimmer tapse. Meinen Worten zum Trotz ignoriere ich den übervollen Koffer, der den Großteil des Zimmers versperrt, und zerre die Tagesdecke zur Seite, bevor ich erneut auf das hohe Bett hüpfe. Ich will meine Beine unter das Laken stecken, doch das Bett ist so eng gemacht, dass ich fast eine Minute brauche, bis ich es tatsächlich darunter schaffe. Dabei sind es nur ein dünnes weißes Bettlaken und eine etwas dickere Wolldecke. Für den Sommer mag das ausreichen, ich hoffe aber, dass sie für den Winter Daunendecken lagern. Schließlich soll die Temperatur dann in den zweistelligen Minusbereich fallen.
Ich kuschle mich in die ungewohnt weiche Matratze und atme den fremd wirkenden Geruch frischer Bettwäsche ein, ehe meine Lider wie von selbst zufallen. Nur kurz die Augen schließen, dann werde ich nach oben gehen und versuchen, mich mit Geneviève zu unterhalten.
Murmelnde, mir unbekannte Stimmen dringen in mein Bewusstsein. Ich brumme vor mich hin, weil ich weiterschlafen will. Doch als ich die Augen einen Spalt weit öffne, setze ich mich abrupt im Bett auf.
Mist, ich bin eingepennt.
Es sollte doch bereits um fünf Uhr Abendessen geben! Hastig strample ich das Laken zurück und rutsche vom Bett, um die Tür aufzureißen. Dort, wo sich normalerweise eine Klinke befindet, steckt allerdings nur ein runter Türknauf, der sich zwar in alle Richtungen drehen lässt, aber die Tür nicht öffnet. Wild hantiere ich hin und her, und erst als ich den Knauf gegen die Tür drücke und dann drehe, geht sie auf.
Vor meinem Zimmer hält die Familie Lavoie Rat. Gerade redet Nathan eindringlich auf seine Mutter ein, doch als er mich entdeckt, stoppt er mitten im Satz. Seine Augen weiten sich, während sein Blick über meine Beine, die noch immer in Jeansshorts stecken, nach oben über das eng anliegende Tanktop bis zu meiner Bettfrisur gleitet.
Hitze schießt mir in die Wangen. Hastig drehe ich mich um und verschwinde noch einmal in meinem Zimmer, um mir die zerzausten Haare zu einem unordentlichen Knoten zu binden und mir das weiße Oversized-T-Shirt überzustülpen, das ich mir abgestreift hatte, bevor ich unter die Laken geschlüpft bin.
So kehre ich schließlich vor meine Zimmertür zurück. »Tut mir wirklich leid, ich habe verschlafen. Habt ihr schon zu Abend gegessen?«
Ohne dass ich es will, wandert mein Blick direkt zu Nathan, der nun den Aufdruck auf meinem T-Shirt studiert. Meine Wangen heizen nach, denn auf meiner Brust prangt in großer Druckschrift das Wort swissmade. Ich liebe dieses Shirt. Timo und ich haben es uns extra für das Austauschjahr drucken lassen, er hat dasselbe in Schwarz. Unter Nathans Blick kommt es mir plötzlich albern vor. Und genau deswegen drücke ich die Schultern nach hinten. Soll er denken, was er will.
Seine Mundwinkel zucken leicht, ehe er sich Geneviève zuwendet und etwas zu ihr sagt, woraufhin sie zufrieden nickt.
Etwas hilflos wende ich mich an Mathieu, der sich auf einem der Schreibtischstühle von links nach rechts und wieder zurückdreht. »Was ist los?«, frage ich ihn.
Er steht auf, steuert auf mich zu und legt mir den linken Arm um die Schultern. »Maman hat sich Sorgen gemacht, dass du deinen Kummer im Kissen erstickst, und wollte nachsehen, ob es dir gut geht. Doch Nathan meinte, wir sollten dich einfach in Ruhe lassen.«
Mehrere Gedanken rasen durch meinen Kopf. Es rührt mich, dass Geneviève sich Sorgen macht, und gleichzeitig ist es mir unangenehm. Als Älteste von drei Schwestern ist es in der Regel an mir, die Eltern nicht zu beunruhigen. Und dann ist da noch Nathan. Ich weiß nicht, wie ich sein Einmischen einordnen soll. Einerseits bin ich für die paar Stunden Schlaf dankbar. Ich habe in den letzten Tagen vor Aufregung kaum ein Auge zugemacht und hatte sie bitternötig. Andererseits frage ich mich, ob Nathan mich einfach nicht dabeihaben wollte. Denn während sich Geneviève ganz offensichtlich über meine Ankunft freut, Mathieu mich seit der ersten Minute wie eine kleine Schwester behandelt und auch Samuel nichts als freundlich und zuvorkommend ist, werde ich bei Nathan das Gefühl nicht los, dass er von meiner Anwesenheit alles andere als begeistert ist. Hat er gehofft, endlich mal Ruhe zu haben? Befürchtet er, statt zweier großer Brüder jetzt eine nervige kleine Schwester am Hals zu haben?
Darüber muss er sich keine Gedanken machen, ich habe nicht vor, ihm auf die Pelle zu rücken. Und wenn er es möchte, kann ich mich in seiner Gegenwart problemlos im Hintergrund halten, sodass er meine Anwesenheit kaum bemerkt.
»Möchtest du etwas essen? Du wirst sehen, Maman ist eine tolle Köchin.« Mathieu streicht sich über den Bauch, als wollte er seine Worte damit untermalen. Die Geste verfehlt allerdings ihren Zweck, denn sein Bauch ist flach und trainiert.
»Gerne«, antworte ich auf Französisch in Richtung Geneviève, worauf sie strahlend die Treppe nach oben deutet.
Ich steige die Stufen hoch, Geneviève und ihre drei erschreckend attraktiven Söhne – die jetzt meine Brüder sind – folgen mir. Ein nervöses Kichern steigt meine Kehle hinauf und ich lenke meine Aufmerksamkeit rasch auf die Umgebung, bevor es mir entwischt.
Oberhalb der Treppe erstreckt sich ein großer offener Raum, der einer Küche, einem Essbereich und dem Wohnzimmer Platz bietet. Ein Gang führt zu drei Schlafzimmern und einem großen Bad, so viel habe ich bei der kleinen Hausführung heute Mittag schon mitbekommen. Ein weiteres Stockwerk gibt es nicht.
Ein Blick auf die Uhr an der brombeerfarbenen Wand im Essbereich verrät mir, dass es mittlerweile nach neun Uhr abends ist. Die Lavoie-Brüder setzen sich um den großen ovalen Tisch und Geneviève weist mich an den Platz am Kopfende bei der Verandatür, auf dem ein einzelnes Gedeck angerichtet ist.
Als ich den schweren Holzstuhl zurückziehe, spüre ich vier Augenpaare auf mir ruhen. Hitze schießt mir in den Kopf. Während ich mich ungelenk hinsetze, streift mein unsicherer Blick Nathans nachdenklichen. Er blinzelt ein paarmal, erhebt sich dann wieder von seinem Platz und tritt zu Geneviève in die Küche, die durch eine schmale Frühstückstheke vom Essbereich abgetrennt ist. Kurz darauf stellt er Gläser und mehrere Getränkeflaschen auf den Tisch: Pepsi, Wasser und … Milch?
Bevor ich mich über die Auswahl wundern kann, verteilt Geneviève Teller mit Sandwiches und Schälchen mit Chips in der Mitte des Tisches. Auf meine Unterlage platziert sie einen übervollen, dampfenden Teller.
Ich schlucke leer. Zwei Drittel des Tellers sind mit Fleischstücken belegt, daneben orangefarbenes Püree.
Ich bedanke mich, während ich mit aufkeimender Panik die große Portion beäuge. Fieberhaft versuche ich, mich daran zu erinnern, ob es in Kanada unhöflich ist, nicht alles aufzuessen. Aber wenn ich jetzt diese Riesenportion hinunterwürge, tischt sie mir doch bestimmt jedes Mal so viel auf. Aber was ist, wenn es als unhöflich gilt, alles leer zu putzen? Stellt sie mir dann beim nächsten Mal einen noch volleren Teller vor die Nase?
Da die Jungs bereits gegessen haben, kann ich mir die lokalen Gepflogenheiten leider nicht bei ihnen abschauen. Gut gemacht, Emma. Wirklich eine grandiose Idee, das erste Essen zu verschlafen.
Doch statt in Panik zu verfallen, erinnere ich mich an mein neues Mantra: Nicht zu viel denken, einfach machen.
Ich spüre Genevièves erwartungsvollen Blick und nehme die Gabel zur Hand. Sie scheint eine Maman zu sein, die ihre Familie gerne mit gutem Essen verwöhnt, da kann ich sie nicht schon am ersten Abend enttäuschen.
Ich lächle ihr zu und lade eine Gabel Gemüsepüree auf, das wirklich lecker schmeckt. Danach schneide ich mir ein kleines Stück des butterweichen Fleisches ab. »Sehr fein«, wage ich mich auf Französisch vor und ernte ein glückliches Lächeln von ihr.
Sie erwidert etwas und bedeutet mir mit einer Geste, weiter zu essen. Die zwei riesigen Fleischstücke verhöhnen mich, denn ich bin ein absoluter Fleischbanause. Ich esse praktisch kein Fleisch, wenn, dann nur eine Bratwurst vom Grill oder ab und zu einen Burger. Vielleicht hätte ich doch besser angeben sollen, Vegetarierin zu sein? Doch ich wollte mir keine Chancen verbauen, denn als Vegetarier ist man schwieriger an eine Gastfamilie zu vermitteln.
Die Jungs unterhalten sich gut gelaunt miteinander, während Geneviève lächelnd dasitzt, als würde sie die große Runde am Tisch genießen. Vor ihr und Mathieu steht ein Glas Pepsi, Samuel nimmt einen Schluck von einem Glas Milch, und Nathan schenkt sich vom Wasser nach. Fragend sieht er in meine Richtung, und ich nicke dankbar.
»Keine Pepsi für dich?«, möchte Geneviève wissen. Dieses Mal spricht sie langsam und überdeutlich, sodass ich sie tatsächlich verstehe.
Ich schüttle den Kopf. »Non, merci. Sonst kann ich nicht schlafen.«
Sie lächelt. »Da bist du wie Nathan.«
Mein Blick huscht zu ihm, doch statt zu reagieren, trinkt er seelenruhig sein Wasser. Wahrscheinlich hat er wenig Freude daran, mit mir in eine Schublade gesteckt zu werden.
»Emma.« Mathieu zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. »Wir wollten mit dir die nächsten Tage planen, wenn das für dich okay ist?«
»Auf jeden Fall.« Ich schneide mir ein weiteres Stückchen des zarten Fleisches ab. Wenigstens eines der Medaillons sollte ich aufessen.
»Die Schule startet erst in zwei Wochen«, beginnt Mathieu.
»Wow, echt? In der Schweiz hat sie bereits wieder begonnen«, platzt es aus mir heraus.
»Dann bereust du deine Entscheidung für das Austauschjahr nicht, was?«, fragt er mit einem Augenzwinkern.
»Auf keinen Fall!« Ich lächle ehrlich in die Runde. Das Gefühl, mit meiner Gastfamilie Glück gehabt zu haben, wärmt mich. Sie geben sich wirklich Mühe, damit ich mich hier wohlfühle – abgesehen von Nathan vielleicht.
»Samuel und ich müssen in einer Woche zurück an die Uni. Bis dahin möchten wir dir die schönsten Plätze in Sept-Îles zeigen.«
Automatisch schiele ich zu Nathan, doch Mathieu winkt ab und rollt die Augen. »Da bist du bei ihm an der falschen Adresse, er will so rasch wie möglich weg von hier. Dabei hat Sept-Îles einiges zu bieten.«
Ich nicke energisch, als wüsste ich das bereits. »Allein schon das Meer!«
Geneviève schmunzelt und ergänzt: »Wir werden Samuel und Mathieu nach Québec fahren. Ich hoffe, das ist in Ordnung?«
»Klar, da war ich ja auch noch nie.« Wie toll ist das denn bitte! Bereits nach wenigen Tagen sehe ich etwas vom Land.
»Wenn wir zurück sind, bleiben dir noch ein paar Tage, bevor die Schule startet. Wir müssen noch einige Dinge organisieren, zum Beispiel deinen Stundenplan. Und von der Austauschorganisation ist eine Tour zu den Inseln geplant. Nathan kann dich außerdem mit Schülern aus deinem Jahrgang bekannt machen.« Geneviève spricht langsam, trotzdem übersetzt Samuel alles auf Englisch.
Plötzlich bin ich dankbar, so einen strengen Englischlehrer gehabt zu haben.
»Maman, die sind zwei Jahre jünger als ich. Die kenn ich kaum«, beklagt sich Nathan.
Das Stückchen Fleisch fühlt sich plötzlich zäh zwischen meinen Zähnen an, und ich spüle es mit einem Schluck Wasser hinunter. Ich mustere Nathan, der mit verschränkten Armen auf seinem Platz sitzt und alles andere als begeistert wirkt. Er benimmt sich wie das Nesthäkchen, das er ist.
Innerlich seufze ich, denn das kenne ich von zu Hause mehr als genug. Warum muss gerade er hierbleiben? Mit Mathieu hätte ich bestimmt eine Menge Spaß gehabt, und Samuel wirkt wie der Inbegriff des netten großen Bruders. Doch ich sollte nicht vergessen, dass Nathan nicht mein kleiner Bruder ist. Wenn er keinen Bock auf mich hat, sei’s drum. Davon werde ich mir mein Jahr hier bestimmt nicht vermiesen lassen.
»Gehst du auf dieselbe Schule wie ich?«, frage ich Nathan unschuldig, obwohl ich weiß, dass er eine andere Schule besucht. Ich finde, es kann nicht schaden, ihn ein bisschen anzustacheln.
Fassungslos funkelt er mich an. »Ich bin neunzehn«, zischt er eingeschnappt.
»Oh«, erwidere ich gespielt überrascht, als hätte ich ihn jünger eingeschätzt. Rasch stopfe ich mir die letzte Gabel des Gemüsepürees in den Mund, um das aufkommende Kichern im Keim zu ersticken.
»Ha, sie hat dich erwischt!« Samuel grinst plötzlich genauso spitzbübisch wie Mathieu. Seine Augen funkeln hinter den Brillengläsern, während er mir seine rechte Hand für ein High Five hinhält.
Grinsend schlage ich ein und schiele dann zu Nathan, um seine Reaktion einzuschätzen. Seine Augen sind zu Schlitzen verengt, doch ich habe die zuckenden Mundwinkel gesehen. Wer weiß, vielleicht erwärmt er sich doch noch für mich.
»Du bist in der Abschlussklasse des Secondaire, das ist so ähnlich wie die Highschool in den USA. Nathan startet sein zweites Jahr am Cégep«, erklärt Samuel.
»Cégep?«, frage ich nach.
»Nach der Highschool geht’s bei uns zwei bis drei Jahre aufs Cégep, um eine Berufsausbildung zu machen, oder Kurse als Vorbereitung für die Universität zu besuchen. Danach kann man arbeiten oder an der Uni weiterstudieren – so wie ich und Mathieu es tun«, erklärt er weiter.
»Was studiert ihr denn?«, möchte ich wissen und lasse Nathan mit Absicht außen vor. Könnte sein, dass ich Gefallen daran finde, ihn zu necken.
»Tiermedizin in Montréal«, erwidert Samuel.
»Er mochte Tiere schon immer lieber als Menschen«, wirft Geneviève ein und lächelt liebevoll.
»Kein Wunder, bei diesen Brüdern«, scherzt Samuel.
»Und ich starte mit International Studies in Québec«, übernimmt Mathieu das Wort.
»O wow!«, sage ich beeindruckt.
»Das Interesse für andere Länder hat er von seinem Vater. Genau wie Nathan auch«, bemerkt Geneviève.
Nach ihrem Einwurf macht sich betretenes Schweigen breit, ohne dass ich verstehe, warum. Unsicher blicke ich in die Runde und überlege, ob ich die Frage stellen soll, die mir schon eine ganze Weile durchs Hirn spukt. Trau dich, Emma, raus damit. »Was macht denn Herr Lavoie?«
Zum ersten Mal seit wir am Esstisch sitzen, übernimmt Nathan das Wort: »Er ist Ingenieur.« Er schnaubt die Worte beinahe.
Samuel erklärt: »Sein Job ist es, beim Kunden vor Ort die Inbetriebnahme neuer Maschinen zu schulen und zu überwachen. Er ist oft mehrere Wochen am Stück irgendwo auf der Welt, um Maschinen in Gang zu bringen.«
Geneviève steht vom Tisch auf und tritt in die Küche, um die bereits sauberen Oberflächen abzuwischen.
Mit einem Seitenblick zu seiner Mutter fügt Samuel nun in leiserem Ton hinzu: »Dieses Mal ist er zwei Wochen weg. Er kommt aber rechtzeitig nach Hause, um uns nach Québec zu begleiten.«
»Zumindest ist das der Plan«, murmelt Nathan und verschränkt die Arme vor der Brust.
Ich werde das Gefühl nicht los, in einem wunden Thema herumgestochert zu haben. Wie bringe ich das wieder in Ordnung?
Mathieu kommt mir zu Hilfe. »Also, wie gefällt dir unser Plan für deine ersten Tage bei uns?«, sagt er betont fröhlich.
Dankbar lächle ich ihm zu. »Perfekt.«
Lachend winke ich durch die heruntergelassenen Fensterscheiben des Monsters – so habe ich das riesengroße Auto der Familie Lavoie getauft – Mathieu zu, der auf der Bordsteinkante vor seinem Wohnheim in Québec steht und uns mit breitem Grinsen und in den Hosentaschen vergrabenen Händen nachsieht. An der nächsten Kreuzung biegen wir links ab, David hupt, Geneviève winkt, und auch ich blicke ein letztes Mal zurück, bevor er aus unserem Sichtfeld verschwindet. Eine leichte Wehmut breitet sich in meiner Brust beim Gedanken aus, dass ich ihn wahrscheinlich erst zu Weihnachten wiedersehen werde. Mathieu ist mir in den letzten Tagen fast schon ans Herz gewachsen.
»Und dann waren’s nur noch drei«, kommentiert David Lavoie, der für den ersten Teil der über achtstündigen Fahrt hinter dem Lenkrad Platz genommen hat. Geneviève schlägt ihm spielerisch den Handrücken auf die Brust, woraufhin David ihre Hand schnappt und drückt, bevor er seine Hände wieder am Lenkrad platziert.
»Du meinst vier«, korrigiert ihn Geneviève lächelnd, wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel und zwinkert mir über die Schulter zu. Seit sie sich angewöhnt hat, langsamer und überdeutlich mit mir zu sprechen, verstehe ich sie viel besser. Außerdem hat mir Samuel während der letzten Woche ein paar Lektionen in Québécois verpasst, sodass ich die zischenden Geräusche nun als Dialekt einordnen kann und die Worte dadurch besser verstehe.
»Drei passt schon«, glaube ich, Nathan murmeln zu hören. Doch als ich fragend zu ihm blicke, stülpt er sich Kopfhörer über, sodass ich nicht nachbohren kann. Meint er mich – oder vielleicht seinen Vater?
Nachdenklich lasse ich den Blick nach vorn zu David gleiten, der den alten Song, der gerade aus den Lautsprechern dröhnt, mitsummt. Ziemlich altes Zeugs – Louis Armstrong vielleicht?
Seine rechte Hand ruht auf Genevièves Bein. Seit David kurz vor unserem Trip nach Québec von seinem Einsatz in Asien zurückgekehrt ist, wirkt Geneviève wie verwandelt. Sie strahlt ununterbrochen, wirkt um Jahre jünger, lacht und kichert mit David, als wären die beiden frisch verliebt.
Auch meine Eltern lieben sich, aber dieses ständige Kuscheln, Küssen und Händchenhalten kenne ich von ihnen nicht. Irgendwie ist das ganz süß.
