Zweimal Du & Ich - Katharina Jäckle - E-Book
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Zweimal Du & Ich E-Book

Katharina Jäckle

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Beschreibung

Manchmal braucht die erste Liebe eine zweite Chance Das darf nicht wahr sein! Mit sechzehn sollte es doch die grösste Sorge sein, wie man mit Jungs flirtet. Stattdessen muss Anna ihre beste Freundin Julia und alles, was ihr vertraut ist, zurücklassen, wenn sie in nur zwei Monaten mit ihren Eltern nach England zieht. Während Julia die verbleibende Zeit dazu nutzen will, Anna für die Jungs in England fit zu machen, zieht Anna plötzlich die Aufmerksamkeit von Oliver, dem Hottie in der Klasse, auf sich. Es wäre aber wirklich dumm, sich gerade jetzt zu verlieben ... Vier Jahre später trifft Anna in ihrer ersten Woche an der Uni ausgerechnet wieder auf Oliver - den einzigen Menschen, dem sie nach ihrer Rückkehr aus England nicht begegnen wollte. Es sollte jedoch nicht allzu schwer sein, ihm aus dem Weg zu gehen, schliesslich ist die Uni ziemlich gross. Nur blöd, dass er etwas anderes im Sinn zu haben scheint ... Verstohlene Blicke, schüchternes Lächeln, Herzklopfen und feuchte Hände. Verlieb dich zusammen mit Anna und Oliver in dieser authentischen und gefühlvollen Geschichte über die erste Liebe und zweite Chancen. Für Fans von Young und New Adult Liebesromanen, Second Chance und Slow Burn Liebesgeschichten.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Über das Buch
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Epilog
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Über die Autorin
Glossar

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressum

2. Auflage 2022

Copyright © 2022, 2021 Katharina Jäckle, alle Rechte vorbehalten

 

Katharina Jäckle

c/o sulytics

Lägernstrasse 27

CH-8037 Zürich

www.katharinajaeckle.ch

E-Mail: [email protected]

© Umschlaggestaltung: Emily Bähr – www.emilybaehr.de

Lektorat und Korrektorat: Susanne Jauss –www.jauss-lektorat.de

 

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Autorin unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Personen und Handlungen sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Real existierende Orte, an denen die Geschichte spielt, entsprechen nicht den reellen Gegebenheiten und wurden für die Geschichte frei angepasst.

Über das Buch

Das darf nicht wahr sein! Mit sechzehn sollte es doch die größte Sorge sein, wie man mit Jungs flirtet. Stattdessen muss Anna ihre beste Freundin Julia und alles, was ihr vertraut ist, zurücklassen, wenn sie in nur zwei Monaten mit ihren Eltern nach England zieht. Während Julia die verbleibende Zeit dazu nutzen will, Anna für die Jungs in England fit zu machen, zieht Anna plötzlich die Aufmerksamkeit von Oliver, dem Hottie in der Klasse, auf sich. Es wäre aber wirklich dumm, sich gerade jetzt zu verlieben …

 

Vier Jahre später trifft Anna in ihrer ersten Woche an der Uni ausgerechnet wieder auf Oliver – den einzigen Menschen, dem sie nach ihrer Rückkehr aus England nicht begegnen wollte. Es sollte jedoch nicht allzu schwer sein, ihm aus dem Weg zu gehen, schließlich ist die Uni ziemlich groß. Nur blöd, dass er etwas anderes im Sinn zu haben scheint …

 

 

 

Da die Geschichte von Anna und Oliver in der Stadt Zürich in der Schweiz spielt, enthält sie eine Handvoll Helvetismen. Für Leser*innen, die nicht aus der Deutschschweiz stammen, findet sich im Anhang ein kleines Glossar schweizerischer Ausdrucksweisen.

Playlist

Freundeskreis

A-N-N-A

Coldplay

Green Eyes

Imagine Dragons

Underdog

Echt

Wir haben’s getan

Save Tonight

Eagle-Eye-Cherry

Roxette

Spending My Time

Green Day

Good Riddance

(Time of Your Life)

American Authors

Home

Adele

Hello

Kings of Leon

Sex on Fire

The Killers

Somebody Told Me

BOY

Little Numbers

Elvis Presley

Can’t Help Falling in Love

Pharell Williams

Happy

1

 

»Was soll das heißen, wir ziehen weg?« Meine Stimme zittert, als ich die Worte herauspresse. Ich kann das alles noch gar nicht fassen.

»Genau das. So schwer ist das doch nicht zu verstehen!« Mum wirft die Hände in die Luft. Meine Eltern reden schon eine ganze Weile auf mich ein, aber das ist mir gerade so was von egal. Das können sie nicht ernst meinen!

Dad setzt sich zu mir aufs Sofa. »Anna, wir können nicht anders. Du liebst Maggie genauso wie wir, das weiß ich. Wir können sie in so einer Situation nicht alleine lassen, schon gar nicht mit dem Bed & Breakfast.« Von der Seite zieht er mich an sich. »Ich möchte für meine Schwester da sein, sie braucht uns jetzt. Und ich hoffe, ich kann auf deine Unterstützung zählen.«

Mit Dads Armen um die Schultern kann ich etwas leichter atmen.

Doch dann schießen mir die Tränen in die Augen: Brustkrebs, meine Tante Maggie. Natürlich will ich für sie da sein, ich liebe Maggie. Ich kann mich mit meinen Sorgen immer an sie wenden, und ihre humorvolle Art hat mir schon oft dabei geholfen, nicht alles ganz so ernst zu nehmen. Ironischerweise würde ich sie in diesem Moment am liebsten um Rat fragen, den hätte sie bestimmt für mich. Aber in diesem Fall geht das natürlich nicht.

Ich muss hier raus.

Mit schlottrigen Beinen erhebe ich mich vom Sofa. »Ich weiß gar nicht, was ich denken soll«, flüstere ich. Dann beiße ich die Zähne aufeinander. »Ich gehe zu Julia.« Ich schnappe mir mein Handy und das Portemonnaie und eile, ohne mich noch einmal nach dem elterlichen Powerduo umzudrehen, zur Tür raus.

Draußen bläst mir ein eisiger Wind ins Gesicht. Mist, ist das kalt! Hastig reiße ich die Haustür von draußen noch mal auf. Da steht auch schon Dad mit meinem Mantel, Schal und meiner Mütze in den Händen vor mir im Flur. Liebevoll und verständnisvoll zugleich schaut er mich an.

Ich schlucke. Wortlos nehme ich ihm die Sachen ab, packe mich ein und stapfe zum zweiten Mal zur Tür hinaus.

Es ist kalt und trostlos hier draußen, zum Glück wohnt Julia nur ein paar Häuser weiter. Wenn im Januar die Hochnebeldecke auf einen runterdrückt und nicht einmal Schnee liegt, ist es hier in Zürich an sich schon deprimierend genug. Gepaart mit niederschmetternden Neuigkeiten wird es dann echt zu viel.

Ich lasse das Gartentor vor Julias Zuhause ins Schloss knallen. Wie wir wohnt sie mit ihren Eltern in einem kleinen, charmanten Reihenhaus in einem ehemaligen Arbeiterviertel in Zürich-Oerlikon.

Wir sind beide hier aufgewachsen und kennen uns schon seit dem Kindergarten. Julia hat mir zur Seite gestanden, als sich am allerersten Kindergartentag ein Junge auf dem Pausenplatz vor mir auf den Boden legte und unter meinen mit Blumen verzierten Lieblingsrock lugte. Den hatte ich mir extra für den großen Tag angezogen.

»Anna hat auch auf der Unterhose Blumen drauf, Anna ist ein Blumenmädchen!«, posaunte der Junge heraus und sorgte damit für Gelächter bei den anderen Kindern, während ich mit den Tränen kämpfte. Am liebsten hätte ich kehrtgemacht und wäre nach Hause gegangen. Plötzlich stand ein blondes, fast weißhaariges, feist dreinblickendes Mädchen vor dem Jungen und zog ihm ruckzuck die Hose runter. Da stand er dann in seiner ganzen Pracht – in einer mit Bären bedruckten Unterhose.

Seit diesem Tag sind Julia und ich beste Freundinnen.

Frustriert drücke ich die Türklingel ihres Zuhauses – wohl etwas zu kraftvoll, denn sie bleibt hängen. Im Haus läutet es pausenlos. Panisch versuche ich, den Klingelknopf zu lösen, jedoch ohne Erfolg. Drinnen poltert jemand die Treppe herunter, die Tür schwingt auf, und da steht Julia. Mit hochgezogenen Augenbrauen mustert sie mich, ehe sie mit einem Faustschlag die Klingel zum Schweigen bringt und mich umarmt. Jetzt laufen mir die Tränen die Wangen runter.

Julia löst sich ein Stück von mir und ruft ins Haus: »Ich geh mit Anna kurz raus.« Sie wickelt sich in ihren Wintermantel und hakt sich bei mir unter.

Wortlos trampeln wir unsere Straße entlang in Richtung Wäldchen, das gleich bei uns um die Ecke liegt. Als Kinder haben wir ganze Tage dort verbracht: Hütten bauen, Verstecken spielen, uns mit Mutproben herausfordern. Noch heute ist der Wald einer unserer Lieblingsplätze.

Still streifen wir zwischen den Bäumen hindurch, es ist bitterkalt. Da sprudelt auf einmal mein ganzer Kummer aus mir heraus.

»Du kennst Dad. Natürlich hat er darauf bestanden, Maggie in den nächsten Monaten zu unterstützen«, schließe ich meinen Redeschwall.

Nachdenklich legt Julia den Kopf schief. »Könntet du und deine Mum nicht hierbleiben?«

Ich seufze. »Es ist schwer zu sagen, wie lange die Behandlung dauert und wie es Maggie danach geht. Dad möchte uns deshalb lieber bei sich haben. Mum war sofort einverstanden.« Ich rolle mit den Augen. »Ich glaube, insgeheim ist sie Feuer und Flamme. Sie hat doch schon seit Jahren eine Einladung als Gastprofessorin an diese renommierte Universität in London.« Meine Schultern sacken nach unten. »Ich will ja auch für Maggie da sein, immer. Und ich liebe das B&B … Aber ich möchte nicht wegziehen! Was soll ich denn da, Julia?« Tränen steigen in mir hoch. »Alle sind dort so britisch, outgoing und locker. Und ich – bin ich. Ich werde da so was von fehl am Platz sein!«

Sie legt die Arme um mich. Für eine Weile sagen wir nichts, jede hängt ihren eigenen Gedanken nach.

»Wenn ich im Sommer nicht ins Austauschjahr gehen würde, könntest du bei mir wohnen«, überlegt Julia.

Ich schüttle den Kopf. »Meine Eltern wären nie damit einverstanden. Und mit sechzehn kann ich nicht gegen ihren Willen hierbleiben. Das will ich ja auch gar nicht.«

Arm in Arm stiefeln wir gedankenversunken durch den Wald, der gefrorene Boden knirscht unter unseren Füßen.

»Weißt du, ich hatte ein bisschen ein schlechtes Gewissen, weil ich im Sommer für ein Jahr nach Schweden ziehe und dich hier zurücklasse«, unterbricht Julia ungewohnt leise unser Schweigen. Doch dann beginnen ihre Augen zu funkeln. »Aber jetzt gehst du auch weg! Wenn ich ehrlich bin, gefällt mir die Vorstellung, dass wir beide alles hier hinter uns lassen und in ein Abenteuer starten.«

Ich atme die frische Winterluft ein und blicke nach oben in die Wipfel der Tannen. Es stimmt, im Sommer hätte ich mich sowieso auf ein ganzes Jahr ohne meine beste Freundin an meiner Seite einstellen müssen. Davor hatte ich schon ziemlichen Bammel. Vielleicht wäre es wirklich einfacher, auch wegzugehen, statt alleine zurückzubleiben?

»Ich finde, das ist eine einmalige Chance!«, plappert Julia nun hörbar aufgeregt. »Du sagst doch immer, du wärst gerne offener und hast es satt, nur als die Klassenbeste gesehen zu werden. Das ist die Gelegenheit, dich neu zu erfinden. Du kannst den Briten beweisen, wie humorvoll und unternehmungslustig du eigentlich bist.«

Mit gerunzelter Stirn blicke ich zu ihr, und als Antwort hebt sie herausfordernd eine Augenbraue.

Meine Gedanken rasen. Julia hat recht, ich fühle mich manchmal wie gefangen in meiner Rolle als Musterschülerin. Dabei bin ich so viel mehr! Könnte der Umzug die Chance sein, mich von einer anderen Seite zu zeigen?

Maggie würde jetzt sagen: »When life gives you lemons, make lemonade.«

Ich hole tief Luft und recke mein Kinn nach oben.

Julia grinst zufrieden. »Komm, wir gehen einen Cappuccino trinken und googeln britische Jungs. Mal schauen, was sie in England zu bieten haben.«

Typisch Julia.

2

 

Es ist offiziell, wir ziehen um. Nach den Frühlingsferien nach England. Das ist alles, woran ich denken kann, während unser Physiklehrer die Geheimnisse des Gleichstroms erklärt. Wie soll ich mich nach dieser Nachricht je wieder auf den Unterricht konzentrieren können?

Erst vor wenigen Tagen haben meine Eltern die Bombe platzen lassen, und heute Morgen habe ich im Sekretariat bereits das Abmeldungsschreiben von der Schule eingeworfen. So schnell geht das, in drei Monaten wird mein Leben ein anderes sein. Ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder weinen soll.

Ich schiele zu Julia, die wie immer neben mir sitzt. Ihr habe ich es zu verdanken, dass ich beim Gedanken an den Umzug nicht in Panik verfalle. Ihn wie ein Abenteuer angehen, das ist ihr Rat. Sie kennt mich zu gut. Schließlich habe ich mich schon mehrfach bei ihr beklagt, dass mein Leben zu langweilig sei. Habe ich damit etwa den Umzug noch heraufbeschworen?

Julia stupst mich mit dem Ellbogen in die Seite. »Alles okay bei dir?«, fragt sie mich leise. Unter ihrem Physikbuch lugt ihr Sprachführer hervor. Schwedisch zu lernen, ist für sie gerade viel wichtiger, als einen Stromkreis berechnen zu können.

Ich hole tief Luft und nicke ihr zu. Ja, ich werde es wie ein Abenteuer angehen. Aber einen Schritt nach dem anderen, noch bin ich da. Ich überlasse Julia wieder ihren Schwedischvokabeln und schaue aus dem Fenster den Schneeflocken zu, die vereinzelt vom Himmel tanzen. Dass Julia auch weggeht, versöhnt mich doch ein wenig mit dem Thema Umzug. Mein Leben hätte sich ohne sie an meiner Seite sowieso verändert. Warum dann nicht ganz neu anfangen? Ich beschließe, meinen Umzug wie ein Austauschjahr anzugehen. Dad hat gesagt, dass es nur für eine bestimmte Zeit sei, bis es Maggie besser geht. Sechs Monate, ein Jahr vielleicht, und dann komme ich zurück.

Ich zucke zusammen, als die Pausenglocke meinen Pep-Talk mit mir selbst unterbricht.

Im selben Moment tönt es aus dem Lautsprecher: »Anna Williams soll sich bitte im Büro des Rektors melden. Anna Williams, bitte melden Sie sich im Büro des Rektors im Erdgeschoss.«

»Was ist denn jetzt los?«, wundert sich Julia, während ich mich mit feuchten Händen dasselbe frage.

»Wer hätte gedacht, dass Anna als Erste von uns eine Einladung vom Rektor erhält?«, bemerkt Matteo grinsend im Vorbeigehen.

Und sein bester Kumpel Oliver zwinkert mir zu. »Wie hast du das denn wieder geschafft?«

Bitte was? Röte schießt mir ins Gesicht. Bevor ich auch nur überlegen kann, was ich darauf antworten soll, sind die beiden aus der Tür verschwunden. Na prima, jetzt habe ich auch noch die Aufmerksamkeit der beliebtesten Jungs aus unserer Klasse auf mich gezogen.

Julia hakt sich bei mir ein und zieht mich in Richtung Tür. »Ich komme mit«, verkündet sie, während uns die neugierigen Blicke der Klassenkameraden auf dem Weg nach draußen begleiten.

 

Unser Rektor lässt mich zum Glück nicht lange im Ungewissen und kommt bereits zur Sache, während ich noch auf den Stuhl ihm gegenüber zusteuere. »Ich habe Ihr Abmeldungsschreiben erhalten, Frau Williams. Schade, wir verlieren nur ungern so interessierte und begabte Schülerinnen wie Sie.«

Soll ich darauf etwas antworten? Besser nicht. Ich mag es nicht, wenn mich jemand auf meine guten Noten anspricht. Wenigstens kriegt es gerade niemand mit.

»Sie schreiben, dass Sie voraussichtlich im Laufe des kommenden Schuljahres wieder bei uns eintreten werden. Natürlich würden wir Sie zu gegebenem Zeitpunkt gerne wieder bei uns begrüßen.« Rektor Huber lehnt sich in seinem Stuhl zurück und bedenkt mich mit einem ernsten Blick. »Aber ganz so einfach ist es leider nicht. Sie werden während Ihrer Abwesenheit ein gewisses Niveau an Leistungen vorweisen müssen, um wieder zurück zu uns ans Gymnasium zu können.« Er macht eine dramatische Pause. »Am besten Sie sprechen mit Ihren Lehrern und klären ab, was im kommenden Schuljahr auf dem Lehrplan steht. Dann können Sie die Inhalte mit Ihrem Unterricht in England vergleichen.«

Na toll. Ich schlucke einmal schwer. »Leider ist es nicht ganz klar, wann ich wieder zurück sein werde. Ich hoffe, dass ich meine letzten beiden Kantijahre hier absolvieren kann. Aber alles hängt von der Gesundheit meiner Tante ab.«

Er nickt. »Natürlich. Ich wünsche Ihrer Tante eine rasche Genesung. Bitte lassen Sie es uns wissen, sobald Sie etwas Genaueres sagen können. Unser Sekretariat hilft Ihnen bei den Formalitäten. Sie können sich auch an unsere Studienberaterin wenden.«

Unser Rektor hält mich noch die ganze Pause über mit formellen Angelegenheiten auf. Nervös beobachte ich, wie der Sekundenzeiger auf der Wanduhr eine Runde nach der anderen dreht. Als der erste Gong das Ende der Pause ankündigt, verabschiede ich mich hastig.

Als Nächstes steht Englisch auf dem Programm, da möchte ich nicht zu spät kommen. Unser Englischlehrer kann Unterbrechungen gar nicht leiden und grillt Spätankömmlinge zur Strafe vor der ganzen Klasse. Natürlich liebe ich Englisch – mein Vater ist Engländer. Und da ich zweisprachig aufgewachsen bin, fällt mir der Englischunterricht besonders leicht. Aber wenn ich etwas auf der Welt nicht ausstehen kann, dann ist es, vor Publikum im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Und das werden wir garantiert, wenn wir nicht einen Zacken zulegen.

»Los«, sage ich zu Julia, die vor der Tür des Rektors auf mich gewartet hat. Während sie noch gelassen an der Wand lehnt, hetze ich bereits die Treppen zu unserem Klassenzimmer hoch.

»Hey, jetzt erzähl doch erst mal …«, ruft sie mir hinterher.

»Das kann warten, wir haben Englisch.«

»Ach komm, ist doch egal. Mr Martin liebt dich.«

Das stimmt schon. Mr Martin ist einer unserer strengsten Lehrer. Seit der ersten Stunde spricht er nur Englisch mit uns, niemals ein Wort Deutsch. Er verlangt absolute Aufmerksamkeit im Unterricht und kann ziemlich harsch werden, wenn man ihm nicht zuhört. Die meisten Schüler fürchten sich ein bisschen vor ihm. Ich mag ihn ganz gerne – und er mich. Muss wohl am englischen Blut liegen. Aber das heißt nicht, dass ich vor der ganzen Klasse bloßgestellt werden will.

Außer Atem erreichen wir unser Klassenzimmer. Fantastisch, die Tür ist bereits geschlossen. Ich hole einmal tief Luft, nicke Julia zu und drücke die Türklinke nach unten.

Alle Köpfe drehen sich wie auf Kommando zu uns um.

Mr Martin schnalzt mit der Zunge. »Anna, Julia, why are you late? I hope you have a good explanation for this interruption.« Sein linker Fuß tappt ungeduldig auf den Linoleumboden.

Mein Puls pocht in meinem Hals. Hoffentlich merkt das keiner.

Da ich besser Englisch spreche als Julia, ist es Ehrensache, dass ich übernehme. »We are terribly sorry for the interruption, Mr Martin. There is no excuse«, versuche ich, unser Zuspätkommen zu entschuldigen. Bestimmt verrate ich der versammelten Mannschaft nicht, dass ich gerade ein Gespräch beim Rektor hatte.

Doch ich habe nicht mit Matteo gerechnet, der das wie selbstverständlich für mich übernimmt. »She had an important meeting with Rektor Huber.«

Während ich ihn entgeistert anfunkle, boxt Oliver ihm in die Rippen. Hitze schießt mir in den Kopf. Just great. Ein pochender Puls ist mein kleinstes Problem. Jetzt stehe ich mit glühender Birne vor der ganzen Klasse. Julias entschuldigender Blick ist auch keine Hilfe, sie hat sich bereits an ihren Platz verdrückt.

Mr Martin verschränkt die Arme und lehnt sich gegen sein Pult. »Well then, make it interesting.«

So kommt es, dass ich mit hochrotem Kopf vor unserer Klasse stehe und die große Neuigkeit verkünde: Ich werde nach den Frühlingsferien nach England ziehen, und der Rektor wollte mich deswegen sprechen.

Mr Martin scheint es zu freuen. »That makes for a fun discussion topic«, meint er mit strahlender Miene und ruft einen Schüler nach dem anderen dazu auf, etwas Wissenswertes über England zu berichten.

Unsere Verspätung scheint entschuldigt. Während ich erleichtert an meinen Platz husche, spüre ich die Blicke meiner Klassenkameraden auf mir brennen. Auf halber Strecke hebe ich leicht den Kopf, um abzuchecken, wie schlimm das Gestarre ist. Zum Glück schenken die meisten ihre Aufmerksamkeit bereits wieder Mr Martin.

Nur einer nicht. Oliver starrt mich noch immer an. Ein Prickeln läuft mir den Nacken hinab, und ich stolpere beinahe über ein Tischbein. Leonie und Elin, die vor Julia und mir sitzen, beginnen zu kichern. Hastig setze ich mich etwas ungelenk an meinen Platz. Mir ist heiß, mein Gesicht muss knallrot sein. Olivers Augen spüre ich noch immer auf mir. Trotzdem versuche ich, mich auf Mr Martins Schwärmereien über England zu konzentrieren. Mein Herz klopft wild, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das meiner ungewollten Showeinlage oder Olivers intensivem Blick zu verdanken habe.

Ich bin so damit beschäftigt, mich nicht nach Oliver, der schräg hinter mir sitzt, umzudrehen, dass ich erst den Kopf hebe, als Mr Martin direkt neben unserem Pult steht.

Mit hochgezogenen Augenbrauen sieht er auf Oliver hinab. »Earth to Oliver. Are you still with us?« Die Klasse kichert.

Jetzt erlaube ich mir doch, den Kopf ein wenig nach hinten zu wenden. Tatsächlich, Olivers Blick haftet noch immer auf mir und bohrt sich jetzt in meinen, als würde er nach etwas suchen. Ich ignoriere mein flatterndes Herz und deute unauffällig zu Mr Martin. Das scheint Oliver aus seiner Erstarrung zu wecken. Seine Augen weiten sich, als er ihn entdeckt.

»Yes, Mr Martin?«, meint er lässig einen Tick später.

Weiteres Gekicher.

Matteo versucht, Oliver eine Antwort zuzuflüstern, das kann Mr Martin aber gar nicht leiden. »Thank you, Matteo. I asked Oliver. Please let him find his own answer.«

Beschwichtigend hebt Matteo beide Hände und überlässt Oliver sichtlich widerwillig seinem Schicksal.

»How can I help you, Mr Martin?«, fragt Oliver vollkommen entspannt.

Mr Martin seufzt tief. »I asked you what you know about England, twice.«

Olivers Blick schweift zurück zu mir. Ohne dass ich etwas dagegen tun kann, heizt mein Kopf ein weiteres Mal ein. »I know that Anna is going to move there soon«, sagt er mit hochgezogenem Mundwinkel.

Mir entwischt ein überraschtes Kichern, und Mr Martin scheint ein Schmunzeln zu unterdrücken, während er sich abwendet. »Very clever, Oliver.«

3

 

Nach der Doppelstunde Englisch springt Julia hoch und zieht mich mit sich aus dem Klassenzimmer. »Wir gehen heute in die Stadt essen. Kein pseudogesunder Mensafraß, wir brauchen Comfort Food.«

Wo sie recht hat, hat sie recht. Außerdem habe ich absolut keine Lust, mich den neugierigen Fragen unserer Klassenkameraden auszusetzen.

Als wir durch die Kälte zur nächstgelegenen Fastfoodkette marschieren, plappert Julia aufgeregt los: »Mr Martin hat mich auf eine geniale Idee gebracht.«

»Muss ich etwa Angst haben?«, frage ich sie halb ernst, halb im Scherz. Bei Julia weiß man nie. Manchmal hat sie schon verrückte Ideen. Das liebe ich auch so an ihr.

Vielsagend lässt sie ihre Augenbrauen tanzen.

»Jetzt schieß schon los!«, sage ich lachend.

»Mr Martin hat uns heute gefragt, was wir über England wissen.«

»Stell dir vor, ich war dabei. Die Klasse hat einen Stereotyp nach dem anderen ausgepackt, was typisch englisch sei.« Ich schmunzle. »Es war schon witzig, wie sehr sich Mr Martin über Matteos Bemerkung aufgeregt hat, dass die Engländer alle abstehende Ohren, schlechte Haut und braune Zähne hätten!« PoorMr Martin. Mit den Ohren und Zähnen hat Matteo bei ihm nämlich ins Schwarze getroffen.

»Eine gute mündliche Note wird ihm das kaum einbringen«, gluckst Julia, »aber Mr Martin muss auch einstecken können. So wie er manchmal austeilt …«

»Apropos austeilen. Hast du Leonies Blick in meine Richtung bemerkt, als sie meinte, dass über fünfzig Prozent der Briten übergewichtig seien?«

Sie nickt. Ich habe mir das also nicht eingebildet. »Diese Kuh. Die war doch schon immer eifersüchtig auf deine Kurven. Sie selbst ist ja flach wie ein Brett.«

Ich verdrehe die Augen. »Du meinst, sie ist superdünn wie ein Model.«

»Jetzt spinnst du wieder rum«, entgegnet Julia leicht genervt. Das ist eines der Themen, bei dem wir uns nicht einig werden. Sie versteht nicht, warum ich mit meinen weiblichen Kurven nicht zufrieden bin. Und ich wiederum sage, dass jemand, der aussieht wie ein Model, das einfach nicht verstehen kann. Ist doch so. Weibliche Rundungen entsprechen nicht gerade dem gängigen Schönheitsideal.

»Okay. Die Stereotypen waren zum Teil schon unter der Gürtellinie. Aber das ist die Idee!« Julia kommt zum eigentlichen Punkt unserer Diskussion zurück, den ich allerdings immer noch nicht kenne.

»Was meinst du?«

»Wir machen eine echte Engländerin aus dir!«

Das soll eine Erklärung sein?

Sie seufzt, als wäre es offensichtlich. »Ich lerne Schwedisch, um mich auf mein Austauschjahr vorzubereiten. Und du lernst, was es heißt, eine echte Engländerin zu sein!«

»Du willst also, dass ich mir einen Bierbauch antrinke und auf Mallorca einen Sonnenbrand hole?«

»Wer ist denn jetzt diejenige mit den Vorurteilen? Wobei das mit dem Biertrinken schon nicht verkehrt wäre. In England trifft man sich doch in Pubs, und da wird Bier getrunken«, überlegt Julia. »Bier trinken zu lernen, sollte also schon auf deiner Liste stehen.«

»Auf welcher Liste denn?«, frage ich mit einer gewissen Vorahnung.

»How to be English!«, grölt sie, worauf ich mir die Hände vors Gesicht schlage.

Julia schiebt sie zur Seite, grinst mich an und wirft dann ihre Arme um mich. »Das wird ein Spaß!«, verkündet sie aufgeregt. »Wir machen eine echte Engländerin aus dir!« Als sie sich wieder von mir löst, schenkt sie mir einen bedeutungsvollen Blick. »Dann ist der Start nicht ganz so schwer, wenn du erst einmal da bist.«

 

Bis zur Fastfoodkette werfen wir uns die blödesten Vorurteile, was in unseren Augen typisch englisch sein soll, an den Kopf und lachen uns halb kaputt.

Mit Burger und Pommes ausgerüstet setzen wir uns an einen Fensterplatz und stopfen sie scherzend und kichernd in uns hinein. »Ich finde das echt eine geniale Idee«, meint Julia mit vollem Mund, »wir machen so eine Liste. Und bis zu deinem Umzug nehmen wir uns einen Punkt nach dem anderen vor.«

Mittlerweile finde ich die Idee mit der Liste ganz witzig. Ich proste Julia mit meiner Limo zu. »Kann ja nicht schaden, oder?«

Bevor wir zurück zur Schule aufbrechen, geht Julia noch zur Toilette. Während ich an die Wand gelehnt auf sie warte, dringen Gesprächsfetzen von einem Tisch um die Ecke an meine Ohren. Die Stimmen kommen mir bekannt vor, allerdings kann ich nicht erkennen, zu wem sie gehören.

»Die Zeit läuft langsam ab, Mann. Du musst bald deinen Move machen, sonst ist es zu spät.«

Was die andere männliche Stimme darauf erwidert, kann ich nicht verstehen, da Julia in diesem Moment zurückkommt und sich bei mir einhakt. Arm in Arm schlendern wir los.

Im Vorbeigehen gucke ich um die Ecke. Oliver und Matteo sitzen am Tisch und scheinen in ein intensives Gespräch vertieft. Unwillkürlich verlangsame ich meine Schritte, womit ich Julias Aufmerksamkeit auf die beiden lenke.

»Hey Jungs, hattet ihr auch keinen Bock auf Couscous?« Unsere Mensa veranstaltet gerade eine gesunde Woche.

Überrascht schauen die beiden hoch. Kurz trifft mein Blick den von Oliver, doch dann senkt er rasch den Kopf.

»Niemals.« Angewidert verzieht Matteo das Gesicht.

Die Jungs packen ihre Sachen und kommen zu uns rüber. Erwartungsvoll sieht Matteo zu Oliver, und dieser starrt beharrlich zurück, ehe Matteo ihn mit einem Seufzer in meine Richtung schubst. Was soll das denn?

Gespielt vorwurfsvoll wendet sich Matteo mir zu. »Anna, was hört man da für Sachen? Du verlässt uns auch, einfach so?«

»Na ja, einfach so ist es nicht«, murmle ich.

»Tut mir leid, das mit deiner Tante«, sagt Oliver leise.

Überrascht schaue ich zu ihm auf. »Danke.«

»Die zwei hübschesten Mädchen aus unserer Klasse lassen uns im Stich. Das ist nicht fair!«, ruft Matteo, während er sich die Hand aufs Herz legt. Er war schon immer unser Klassenclown. »Was gedenkt ihr zu tun, um das wiedergutzumachen?«

Julia zieht die Augenbrauen hoch. »Wir sind euch also etwas schuldig, ja?«

Während Julia und Matteo sich in der Folge einen kurzen Schlagabtausch liefern, stehen Oliver und ich stumm nebeneinander. Ich bilde mir ein, seinen Blick auf mir zu spüren. Meine Handflächen werden feucht, und ich verlagere mein Gewicht von einem Bein aufs andere. Was soll ich zu ihm sagen? Wir hängen nie zusammen ab, haben kaum eine Handvoll Worte miteinander gewechselt. Aber er ist doch sonst nicht so still. Und wo ist eigentlich sein Fanclub?

Ich schaue mich um. »Wo sind denn die anderen?«

»Wen meinst du?«

»Na ja, dein Fan…«, beginne ich und breche abrupt ab. Das kannst du nicht sagen, Anna! Ich räuspere mich. »Ich meine eure übliche Clique. Leonie, Elin und so.«

»Matteo und ich hatten was zu bereden«, antwortet Oliver und wirft mir von der Seite einen etwas verlegenen Blick zu, der mein Herz höher schlagen lässt. Warum auch immer.

Er öffnet den Mund, um noch etwas hinzuzufügen, als Matteo mir den Arm um die Schultern legt. »Julia und ich haben soeben beschlossen, dass ihr dieses Jahr zur Wiedergutmachung mit ins Skilager kommt!«

Bitte was?

Julia springt vor mir auf und ab. »Das ist so eine coole Idee! So können wir eine ganze Woche zusammen verbringen, bevor du wegziehst. In den Bergen! Die gibt es nicht in England.« Flehend schaut sie mich an.

Schon seit Jahren versucht Julia, mich davon zu überzeugen, mit ins Skilager zu fahren. Ohne mich hat sie keine Lust, und Skiferien mit ihren Eltern findet sie langsam, aber sicher zu öde. Es gibt nur ein klitzekleines Problem: Ich kann nicht Ski fahren!

Nun klinkt sich auch Oliver in die Unterhaltung ein. »Es ist echt superschön da. Das Lagerhaus liegt direkt an der Piste. Matteo und ich sind in den letzten Jahren immer mitgefahren. Die Stimmung war super. Kommt doch mit!«, sagt er eifrig.

Äh, was passiert hier gerade?

Ich will etwas entgegnen, bin jedoch zu verdattert, um auch nur ein Wort herauszubringen. Matteo scheint mein Schweigen als Zustimmung zu deuten, denn er nickt zufrieden und hakt sich bei mir unter. Zu viert machen wir uns auf den Weg zurück in die Schule. Währenddessen gibt Matteo Anekdoten vom letzten Skilager zum Besten. Immer wieder muss ich laut lachen, und auch Julia amüsiert sich prächtig. Von der Seite spüre ich immer wieder Olivers fröhlichen Blick.

Vielleicht wäre es ja doch ganz lustig, mitzufahren? Wenn nur diese winzige Kleinigkeit nicht wäre …

 

»Gab es irgendwo eine Party, von der wir nichts wussten?« Als wir vier vor unserem Klassenzimmer aufkreuzen, empfängt uns Leonie, die Hand in die Hüfte gestemmt. Elin steht neben ihr und flüstert ihr etwas ins Ohr.

Julia und ich verdrehen die Augen.

»Doch nicht ohne dich Partymaus«, ruft Matteo und tanzt um die beiden herum.

Ich nutze die Gelegenheit, dass Leonie für einen Moment abgelenkt ist, und ziehe Julia mit mir zu meinem Spind. Mit Leonie will ich mich nicht herumschlagen, und ich muss sowieso noch mein Geschichtsbuch holen.

»Bitte, bitte, biiiiitte, Anna, komm mit ins Skilager!«, bettelt Julia, während ich in meinem Spind wühle. »Wir könnten zusammen in die Berge fahren. Du weißt, das wollte ich schon immer … Als Abschiedsgeschenk?« Jetzt klimpert sie tatsächlich mit ihren langen Wimpern.

Ich seufze. Man kann Julia wirklich nur schwer widerstehen. »Es hört sich toll an, das gebe ich zu …« Sie klatscht freudig in die Hände, und ich zische ihr schnell zu: »Aber du weißt doch, ich kann nicht Ski fahren!«

Julia winkt ab, als wäre das nicht der Rede wert. »Ein klitzekleines Detail, dann lernst du es eben. Es ist an der Zeit. Stell dir vor, du musst den Engländern sagen, dass du als Schweizerin nicht Ski fahren kannst. Das geht ja wohl gar nicht! Damit blamierst du unsere ganze Nation.«

Natürlich ist das maßlos übertrieben, aber gerade deshalb bringt sie mich damit zum Lachen. »Vorhin wolltest du noch eine Engländerin aus mir machen«, protestiere ich.

Sie grinst verschmitzt. »Du bist eben beides. Und eine echte Schweizerin kann nun mal Ski fahren.«

Ich rolle mit den Augen. Längst nicht alle Schweizer fahren Ski.

Julia ändert nun ihre Taktik. »Überleg doch mal. Das ist der perfekte Zeitpunkt. Weil du danach sowieso wegziehst, kann es dir egal sein, was die anderen hier von dir denken. Du wolltest es schon immer lernen, ich weiß das, Anna. Das ist deine Chance!«

Gegen dieses Argument habe ich einfach nichts Stichhaltiges vorzubringen. Julia kennt mich zu gut. Es stimmt, ich wollte es schon immer lernen. Ach, was soll’s. There is no time like the present. Schließlich nicke ich ergeben, worauf Julia in lautes Gekreische ausbricht und mich stürmisch umarmt.

Worauf habe ich mich da nur eingelassen?

 

Während des Geschichtsunterrichts landet plötzlich ein kleiner Papierflieger vor mir auf dem Pult. Ich sehe mich in der Klasse um und bleibe an Olivers lächelnden Augen hängen. Mit den Händen macht er eine Geste, dass ich den Flieger öffnen soll. Im Inneren steht in fast unleserlicher Schrift eine Nachricht:

 

 

Ohne lange nachzudenken, schreibe ich darunter:

 

 

Schließlich falte ich das Papier wieder zu einem Flieger und werfe ihn hinter mich in Olivers Richtung. Der Flieger trifft jedoch Matteo mitten auf die Stirn. Ich kichere, als er erschrocken zusammenzuckt. Er hat wohl halb geschlafen. Matteo hebt den Flieger von seinem Schoß hoch und macht Anstalten, ihn zu öffnen. Doch ich schüttle den Kopf und deute auf Oliver. Mit einem vielsagenden Blick übergibt Matteo Oliver den Flieger. Als dieser meine Antwort liest, breitet sich auf seinem Gesicht ein Grinsen aus, und er hält den Daumen hoch. Wie von selbst macht sich in meinem Gesicht ein ebenso strahlendes Grinsen breit.

4

 

»Du schaffst es nicht?«, zische ich drei Wochen später verzweifelt in mein Handy. »Julia, du kannst mich doch jetzt nicht im Stich lassen! Das war deine verdammte Idee!«

»Sorry, Anna. Mir geht es hundeelend. Du weißt, wie gerne ich mitgefahren wäre … Nach all den Jahren konnte ich dich endlich überzeugen, mit mir ins Skilager zu kommen, und jetzt kann ich nicht mal mit«, krächzt Julia in den Hörer. Sie hört sich wirklich nicht gut an, aber ich kann da nicht ohne sie hin!

»Kommst du wenigstens in ein paar Tagen nach?«, frage ich hoffnungsvoll.

»Vielleicht. Aber der Arzt meint, mich hätte die Grippe erwischt. Das dauert mindestens eine Woche, wenn nicht zwei. Und in sechs Tagen seid ihr ja schon zurück. Oh Mann, ich hätte dir so gerne das Skifahren beigebracht. Eines unserer letzten Abenteuer, bevor du nach Devon verschwindest …« Julia klingt traurig. Das ertrage ich kaum.

»Hey. Uns bleibt noch etwas Zeit«, versuche ich, sie aufzumuntern. »Wir ziehen erst in den Frühlingsferien um. Das sind noch zwei Monate. Und Devon ist gar nicht so weit. Wir können uns in London treffen und die Stadt unsicher machen. Darauf freue ich mich schon!«

»Ich mich auch, Anna, ich mich auch. Aber es wurmt mich ungemein, dass wir nicht zusammen in die Berge fahren können.«

»Ohne dich will ich da auch nicht hin. Ich rufe gleich an und sage ab. Dann verbringen wir die Woche auf deinem Sofa und ziehen uns Serien rein.«

»Anna!«, kreischt Julia entsetzt in den Hörer. »Mach keinen Quatsch. Du musst mitfahren!« Für einen kurzen Moment ist es still, dann spricht sie eindringlich weiter: »Du sagst immer, dass du mutiger sein willst. Das ist deine Gelegenheit: Ein Abenteuer, und du lernst Ski laufen. Und fährst mit den heißesten Jungs aus unserem Jahrgang in den Schnee!« Sie seufzt entzückt, als wäre das der Traum schlechthin. Dabei interessiert sie sich keinen Deut für die Jungs auf unserer Schule, das weiß ich genau.

Ich verdrehe die Augen. »Ich werde das Gespött aller sein! Erst mit sechzehn Ski fahren zu lernen, ist so was von uncool … Wenn du dabei wärst, wäre mir das egal. Aber alleine?«

»Sei nicht so melodramatisch, du bist nicht alleine. Leonie und Elin aus unserer Klasse fahren auch mit …«

Abfällig schnaube ich in den Hörer. Leonie und Elin bringen mir rein gar nichts.

Julia ignoriert meinen Protest und redet unbeirrt weiter: »… und noch eine Menge anderer Mädchen aus unserem Jahrgang. Das Skifahren würdest du sowieso ohne mich lernen. Du wirst eine Skilehrerin haben, die es dir beibringt. Oder, wenn du Glück hast, einen heißen Skilehrer.« Sie kichert.

Ich stöhne auf. »Bitte nicht! Das hilft überhaupt nicht. Was soll ich ohne dich da machen?«

»Spaß haben, Anna. Hab Spaß! Und halt mich auf dem Laufenden. Mir ist ja jetzt schon so was von langweilig zu Hause im Bett.«

Ich würde gerade alles dafür geben, mit ihr zu tauschen. Grippe hin oder her.

»Anna, wir fahren in fünf Minuten. Hast du alles?«, höre ich meinen Vater von unten rufen.

»Julia, ich muss los. Drück mir die Daumen, dass ich mich nicht zu sehr blamiere, ja?«

»You go, girl! Du packst das! Tschüüüs!«

»Tschau«, verabschiede ich mich mit klopfendem Herzen.

Mache ich das wirklich? Ohne Julia ins Skilager?

»Anna, wo bist du? Hast du die Skier?«, fragt Dad aufgeregt, als er nun den Kopf in mein Zimmer streckt. Er freut sich so, dass ich mitfahre.

Ich weiß, ihn plagt das schlechte Gewissen, weil ich nie gelernt habe, Ski zu laufen. Jeden Winter, wenn die Kinder in der Nachbarschaft mit ihren Eltern in die Berge fuhren, nutzten wir die Ferien, um unsere Verwandten in England zu besuchen. Mein Vater wuchs in Devon auf und stand noch nie auf Skiern. Und Mum ist zwar Schweizerin, wurde aber mit dem Wintersport nie warm. Wortwörtlich. »Viel zu kalt«, sagt sie. So habe ich als Kind nie gelernt, auf Brettern die Berge runterzusausen. Später in der Schule war es mir dann zu peinlich, als Einzige im Skilager neu mit dem Wintersport anzufangen. Und das ist bis heute so geblieben.

 

Während der Autofahrt zum Hauptbahnhof habe ich mir selbst noch für meinen Entschluss, auch ohne Julia zu fahren, gratuliert. Etwas wagen – das ist es, was ich will. Und Dads stolzer Gesichtsausdruck, als er sich von mir verabschiedet hat, war auch nicht zu verachten.

Jetzt gerade verfluche ich mich allerdings wieder. Wie soll jemand all das Zeugs tragen können? Ich kämpfe mich mit Skiern, Stöcken und einem Ungetüm von Rucksack durch den Strom der Reisenden am Hauptbahnhof zu dem Bahnsteig, von dem unser Zug abfährt. Von Weitem schon sehe ich meine Klassenkollegen munter miteinander schwatzen. Fast vierzig Schülerinnen und Schüler aus meinem Jahrgang fahren mit. Die meisten kommen aus den Parallelklassen. Aus unserer Klasse sind nur die Coolen dabei: Oliver, Matteo, Elin und Leonie. Und ich natürlich – so was von nicht cool.

Mein Mut von vorhin steigt in den nächsten Zug ein und verabschiedet sich. Ich kann das Zeugs ja nicht einmal tragen. Wie soll ich damit den Berg runterfahren?

Mit Ach und Krach schaffe ich es zum Treffpunkt. Wohin jetzt mit dem ganzen Krempel? Ich lehne die Skier und Stöcke gegen eine Plakatwand und schaue mich unsicher um. Zu wem soll ich mich dazustellen? Julia und ich sind immer als Zweiergespann unterwegs. Wir stehen uns so nahe, dass es gar keinen Raum für weitere Freunde gibt. Für mich jedenfalls. Julia versteht sich mit allen, ist allseits beliebt. Aber ich … bei mir ist das anders. Mir fällt es nicht so leicht, auf andere zuzugehen und neue Freundschaften zu schließen. Das war bis jetzt auch gar nicht nötig, ich hatte ja Julia.

Ein junger, gut aussehender Typ lenkt mich von meinen nicht vorhandenen Freunden ab. »Guten Morgen, Leute, ich bin Luca. Zusammen mit Jasmin, Laura und Sven begleite ich euch nach Flims ins Skilager.«

Allgemeiner Jubel bricht aus. Die Mädchen kichern, während die Jungs vielsagende Blicke tauschen. Das ist sie also, unsere Crew. Das kann interessant werden: Alle vier schauen aus, als wären sie einem Wintersportkatalog entsprungen. Das muss ich Julia berichten, sie wird sich noch mehr ärgern, dass sie nicht mit dabei sein kann. Oh god. Ich hoffe einfach, dass eine der Frauen mir das Skifahren beibringt. Bitte, bitte. Ich muss mich wirklich nicht auch noch vor einem heißen Typen blamieren.

Der Gedanke bringt mich so aus dem Gleichgewicht, dass ich gegen meine Skier trete und das ganze Bündel krachend zu Boden fällt. Sofort schießt mir Hitze ins Gesicht. Das fängt ja gut an. Hastig bücke ich mich und versuche, meine Skier und Stöcke einzusammeln. Dabei schiele ich möglichst unauffällig um mich. Luca spricht noch immer. Das scheint die Meute genügend abzulenken, sodass mein Spektakel nicht allzu viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Wenigstens das. Suchend sehe ich mich nach meinem zweiten Skistock um. Wo ist der nur geblieben? Ohne Stöcke kann ich nicht fahren! Zumindest glaube ich das.

»Hab ihn!« Mit einem breiten Lächeln kriecht Oliver hinter der Sitzbank hervor, unter der sich mein Stock versteckt haben muss.

»Oliver! Danke!«, rufe ich eine Spur zu laut.

Wo kam denn er auf einmal her? Ich hatte ihn gar nicht gesehen.

»Klar, gerne.«

Ist ja typisch, dass ich ausgerechnet Olivers Aufmerksamkeit erregt habe. Genau das wollte ich vermeiden. Schließlich ist er einer der beliebtesten Jungs aus unserem Jahrgang. Und das ist nicht schwer zu verstehen, angesichts seiner blonden Wuschelmähne, den strahlend blauen Augen und dem entwaffnendsten Lächeln, das man sich vorstellen kann. Zudem ist er sportlich, groß … Okay, let’s cut to the chase, er ist hot. Und wenn man so darüber nachdenkt, ist er auch ziemlich süß. Nicht dass ich darüber nachdenken würde …

Während ich Oliver immer noch entgeistert anstarre, streicht er sich mit der Hand über den Nacken. »Du fährst das erste Mal mit, oder?«, fragt er und verzieht sogleich das Gesicht. Er wirkt nervös. Aber warum?

Verwirrt nicke ich. Er weiß doch bereits, dass es mein erstes Skilager ist.

Wieder kratzt er sich im Nacken.

Mein Blick schweift an Oliver vorbei, und ich entdecke hinter ihm Leonie, die mit zusammengekniffenen Augen zu uns rüberstiert. Und darum kann ich auf Olivers Aufmerksamkeit verzichten. Denn sie zieht das Interesse der anderen mit sich. Oliver gehört zur coolen Truppe unseres Jahrgangs, und mit der kann ich nicht besonders viel anfangen. Oder sie nicht mit mir, wie auch immer. Coole Leute verunsichern mich. Als Klassenbeste, die zudem noch hoffnungslos schüchtern ist, passe ich da einfach nicht dazu. Ich gehe ihnen lieber aus dem Weg. Daher habe ich bis jetzt auch wenig Gedanken an jemanden wie Oliver verschwendet … Wobei ich gestehen muss, dass ich mich in den letzten Wochen schon ein paarmal dabei ertappt habe, wie ich mich nach ihm umsah. Mir geht einfach nicht aus dem Kopf, wie er mich angeschaut hat, als ich im Englischunterricht vor versammelter Mannschaft meinen Umzug nach England verkünden musste …

Leonie tuschelt mit Elin, und giftige Blicke durchbohren mich. Schnell trete ich einen Schritt von Oliver zurück. Ich will keinen falschen Eindruck erwecken und kann auf Leonies Aufmerksamkeit echt verzichten. Mein Plan ist es, das Skilager möglichst unter dem Radar zu überstehen, was bedeutet, mich von Oliver und Co. fernzuhalten.

Leonies toxische Blicke können nur eines bedeuten: Sie steht auf Oliver. Eigentlich erstaunlich, dass sie nicht zusammen sind, denn sie würden ein attraktives Paar abgeben. Leonie ist neben Julia das hübscheste Mädchen der Klasse. Mit ihren glänzend blonden Haaren, den blauen Augen und langen Beinen könnte sie als Julias Schwester durchgehen. Doch ich werde mich hüten, das Julia jemals zu verraten. Nach außen kommt sie zwar gut mit Leonie aus, aber eigentlich kann sie sie nicht ausstehen. Sie sagt, Leonie sei eine falsche Schlange. Das kann ich nicht beurteilen, aber ihre ganze Ausstrahlung hat etwas Kaltes. Sie ist nicht gemein oder so, sondern scheint mir einfach ziemlich egozentrisch und oberflächlich zu sein.

»Hast du keine Skitasche dabei?«, fragt mich Oliver und deutet auf seine Snowboardtasche.

Ich seufze. Ja, das wäre einfacher. »Leider nicht. Ich habe die alten Skier meiner Nachbarin ausgeliehen. Sie hatte keine zweite Skitasche.«

»Willst du deine Stöcke in meine Hülle stecken? Dann musst du dich nur noch um die Skier kümmern.«

»Das ist echt nett«, antworte ich lächelnd. Es ist auch echt nett, aber es nicht wert, dass Leonie mir den Tod an den Hals wünscht. »Das schaff ich schon. Ich bin tougher, als es den Anschein macht.« Ich spanne meine nicht vorhandenen Armmuskeln an.

Was machst du denn da, Anna?

Oliver lacht. »Das weiß ich schon.« Er zwinkert mir zu und nimmt mir einfach meine Stöcke ab. Hä, wie bitte?

»Williams, da bist du ja.« Matteo legt mir den Arm um die Schultern, als wären wir die besten Freunde. »Du kommst mit Skiern, cool! Wir Skifahrer müssen zusammenhalten. Die meisten sind mit dem Snowboard hier, aber das ist ja so was von lahm. Jeder weiß, dass Skifahren wieder voll in ist. Wir zwei sind der Zeit einfach voraus!«

»Wohl eher der Zeit hinterher«, sage ich vor mich hin, worauf Olivers Mundwinkel zucken.

Nun gesellen sich auch noch Leonie und Elin zu uns. »Wo ist denn deine bessere Hälfte?«, will Leonie mit spitzer Stimme wissen. »Sie verpasst noch den Zug. Der wartet nicht, auch nicht auf Julia.«

»Sie kommt leider nicht mit, die Grippe hat sie erwischt«, antworte ich und ignoriere tunlichst ihr Gezicke.

Olivers Kopf schnellt zu mir herum. Irgendwie habe ich den Eindruck, er scheint sich über diese Nachricht zu freuen.

»Keine Sorge, Williams«, meint Matteo, dessen Arm noch immer auf meinen Schultern liegt, »du kannst mit uns abhängen.«

Nervös lache ich auf. Ja klar. Das ist so was von nicht das, was ich im Sinn hatte. Leonie und Elin machen sich keine Mühe, zu verbergen, was sie davon halten. Leicht verzweifelt schaue ich mich um. Etwas weiter vorne auf dem Bahnsteig quatschen Aida und Rahel aus der Parallelklasse miteinander. Ich kenne die beiden zwar nicht besonders gut, aber wir haben zusammen Sportunterricht, und ich fand sie immer sympathisch.

»Oh, da sind Aida und Rahel. Ich wollte sie noch was fragen.« Nichts dergleichen wollte ich. Erleichtert schäle ich mich aus Matteos Armen. »Äh, also dann bis später«, murmle ich in die Runde, ohne jemanden direkt anzusehen, und fliehe zu Aida und Rahel rüber. Unser Zug fährt gerade ein, als ich die beiden begrüße.

»Im vordersten Wagen ist für uns reserviert. Los geht’s, Leute!«, ruft Luca allen zu. Allgemeine Geschäftigkeit macht sich breit. Jeder schnappt sich sein Gepäck und marschiert los, um sich einen guten Sitzplatz zu schnappen, das Ganze begleitet von Gelächter und Geschwätz.

Ich fühle mich ein bisschen verloren.

»Setzt du dich zu uns?«, fragt mich Rahel freundlich.

Ein erleichtertes »Gerne!« rutscht mir über die Lippen. Zu dritt machen wir uns auf den Weg. Auf halber Strecke fällt mir ein: »Meine Skier!« Panisch schaue ich zurück. Schaffe ich das noch?

Doch da stupst mich schon jemand in die Seite. »Anna, hast du eventuell was vergessen?« Lachend hält Oliver meine Skier hoch.

»Oh mein Gott, danke!« In meiner Erleichterung umarme ich ihn kurz und nehme ihm die Skier ab. »Du bist meine Rettung!«

Verdattert starrt Oliver mich an, während mir die Röte auf die Wangen kriecht. Habe ich ihn tatsächlich gerade umarmt? Verlegen senke ich den Kopf. Als ich zu ihm hochschiele, grinst er über das ganze Gesicht. Mein Herz antwortet mit einem freudigen Hüpfer.

»Oliver! Der Zug fährt gleich ab!« Leonie holt mich ins Hier und Jetzt zurück. Hinter ihr streckt Matteo seinen braunen Lockenkopf aus der Tür und wackelt mit den Augenbrauen.

Auch Luca ruft uns zu: »Kommt schon, Leute!«

Oliver nimmt mir meine Skier wieder ab, und gemeinsam rennen wir los. Ich spurte, so schnell ich kann. Keuchend komme ich kurz hinter Oliver bei den anderen an. Er streckt mir seine Hand entgegen, und ich schlage lachend ein. Geschafft!

Matteo winkt uns zu, als wir den Waggon betreten, und Oliver steuert zielgerichtet auf ihn zu. Ich folge mit etwas Abstand. In Matteos Abteil sitzen bereits Elin und Leonie. Ich beschließe, zu warten, bis Oliver sich hingesetzt hat, damit ich nach Aida und Rahel Ausschau halten kann. Er macht jedoch keine Anstalten, Platz zu nehmen, sondern schaut sich weiter um. Setzt er sich denn nicht zu Matteo?

Oliver deutet mit dem Kopf zu ihm, dann ins Abteil nebenan. Dort hocken drei weitere Jungs der coolen Truppe, deren Namen ich nicht kenne. »Willst du neben Matteo oder Marc sitzen?«, fragt er mich.

Überrascht sehe ich ihn an, während er lächelnd auf meine Antwort wartet. Neben ihm klimpert Matteo mit seinen vollen, dunklen Wimpern, und mir entwischt unabsichtlich ein Lachen. »Leider muss ich das verlockende Angebot ausschlagen. Aber ich habe Aida und Rahel versprochen, mich zu ihnen zu setzen.« Versprochen ist natürlich übertrieben. Aber ich habe nicht vor, die ganze Zugfahrt mit der In-Gruppe zu verbringen. Keine Sekunde könnte ich mich entspannen. Und ich scheine nicht die Einzige zu sein, die das so sieht.

»Dann also bye-bye«, kommentiert Leonie, worauf ich innerlich die Augen verdrehe, mir aber nach außen nichts anmerken lasse. Sie wird mir wirklich immer unsympathischer.

»Danke nochmals«, sage ich stattdessen zu Oliver, doch er winkt ab, als wäre es nicht der Rede wert.

Ein paar Abteile weiter vorne finde ich schließlich Aida und Rahel, die mir einen Sitzplatz reserviert haben. Erleichtert lasse ich mich auf den freien Platz am Fenster fallen. Claire, die Austauschschülerin aus Kanada, die seit zwei Wochen auf unsere Schule geht, setzt sich kurz darauf ebenfalls zu uns ins Abteil.

Ruckelnd setzt sich der Zug in Bewegung. Jetzt ist es zu spät für einen Rückzieher. Ich fahre in die Berge!

 

 

Todmüde, aber hellwach liege ich auf meinem Bett und starre an die Holzdecke unseres Zimmers. Ich hatte Glück und konnte mit Rahel, Aida und Claire ein Zimmer ergattern. Die drei schlafen schon tief und fest. Nach einem ganzen Nachmittag im Schnee ist das die einzig logische Konsequenz. Ich jedoch finde keinen Schlaf, obwohl mir jeder Knochen schmerzt und ich Muskeln spüre, von deren Existenz ich bislang nichts wusste. Zu sehr wühlen mich die Ereignisse des Tages noch immer auf.

Leise stehe ich auf und tapse auf Zehenspitzen die Holztreppe nach unten. Etwas frische Luft wird vielleicht helfen. Draußen vor der Tür schlinge ich die Arme um mich. Es ist eisig kalt, aber wunderschön hier. Unser Lagerhaus steht am Fuße der Skipiste in einem kleinen Tannenwald. Es hat frisch geschneit, und es sieht aus wie in einem Winterwunderland – inklusive Mond und glitzernden Sternen. Wie kann man bei so einer Kulisse Schneesport nicht mögen? Ich hole meine Skijacke und mein Handy, schlüpfe in die warmen Winterstiefel und gehe ein paar Schritte im knirschenden Schnee. Endlich nehme ich mir Zeit, um Julia zu antworten. Sie hat dreimal versucht, mich anzurufen, und mir unzählige Textnachrichten geschickt, alle mit derselben Frage.

 

 

Trotz der späten Stunde schreibt sie sofort zurück.

 

 

Lachend wähle ich ihre Nummer, und es dauert keine zwei Sekunden, bis sie rangeht.

»Na endlich! Was hab ich verpasst?«

»Mich als Schneemann – oder Schneefrau besser gesagt.«

»So schlimm?«

Ich schüttle den Kopf, obwohl Julia es nicht sehen kann. »Es war erstaunlich okay. Ich mache mich als Pflug ganz gut.«

»Du hast Stemmbögli gelernt, süß.« Sie kichert. »Hast du jemand Interessantes umgefahren? Das wär doch eine tolle Lovestory!«

»Du bist unmöglich! Zum Glück habe ich Laura als Skilehrerin. Sie ist nett und behandelt mich nicht wie einen Depp, obwohl sie selbst wahrscheinlich schon mit zwei Jahren auf Skiern gestanden hat. Allerdings ist sie etwas realitätsfremd. Übermorgen soll ich schon mit der langsameren Gruppe mitfahren. Julia, wie soll ich das schaffen?«

»Na ja, wenn sie nicht glauben würde, dass du das kannst, würde sie es nicht vorschlagen.«

Okay, das macht Sinn. »Es ist nur so … Bis jetzt hat praktisch niemand mitbekommen, dass ich Anfängerin bin. Natürlich wissen Rahel, Aida und Claire Bescheid. Aber alle anderen haben keine Ahnung, dass ich Einzelunterricht bekomme. Wenn ich mit der langsameren Gruppe mitfahre, blamiere ich mich vor allen!«

»Oder du zeigst ihnen, dass du nach zwei Tagen schon mit ihnen mithalten kannst.«

Julias Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten raubt mir manchmal echt den letzten Nerv.

5

 

Zwei Tage und unzählige Stemmbögli später fahre ich tatsächlich mit der langsameren Gruppe mit. Morgens mache ich mir vor Aufregung fast in die Hose. Ich überlege mir, Übelkeit vorzutäuschen oder nach den ersten Metern einen Sturz zu inszenieren. Wobei ich ihn ja vielleicht noch nicht einmal vortäuschen muss. Aber ich bleibe tapfer und unfallfrei. Ich würde sagen, ich halte mich sogar erstaunlich gut. Wir fahren nur die blauen, das heißt die einfacheren, flacheren Pisten. Und Laura ist immer in meiner Nähe.

Nachmittags nimmt sie mich nochmals zur Seite, und wir feilen im Einzelunterricht an meiner Technik. Laura ist unkompliziert, total nett und baut mich mit ihren Komplimenten immer wieder auf. Ja, ich wage zu behaupten, es fängt an, Spaß zu machen. Wenn einem die Sonne ins Gesicht lacht und die Berge strahlen, ist es schwierig, etwas anderes zu sein als glücklich.

Das sieht Laura genauso. Mit einem zufriedenen Seufzer reckt sie ihr Gesicht in die Sonne. Eigentlich hätten die Skilehrer sich mit dem Einzelunterricht abwechseln sollen, aber Laura hat darauf bestanden, mir treu zu bleiben. »Ich genieße es, mal Einzelunterricht geben zu können. Den ganzen Tag eine Gruppe Jugendlicher bändigen zu müssen, kann echt anstrengend sein.«

Das glaube ich ihr aufs Wort. Ich finde es auch anstrengend, den ganzen Tag mit einer Gruppe Gleichaltriger zu verbringen. Hauptsächlich, weil ich mich die ganze Zeit darauf konzentrieren muss, mich nicht zu blamieren. Ich tue es Laura gleich und strecke mein Gesicht der Sonne entgegen. Ehrlich gesagt bin ich mehr als froh, keinen der Hotties als Skilehrer abbekommen zu haben. Wahrscheinlich läge ich jetzt mit einem gebrochenen Bein im Spital, weil ich mich überhaupt nicht hätte entspannen können. Mit Laura habe ich dieses Problem nicht.

Julia allerdings ist äußerst enttäuscht darüber und hat ein bisschen geschmollt. »Das kann sie nicht machen! So egoistisch. Eine kleine Lovestory mit einem heißen Skilehrer wäre genau das Richtige für dich gewesen.«

Ich habe darauf nur gelacht. Manchmal hat meine beste Freundin nicht alle Skier beisammen.

 

Am vierten Tag schaffe ich es, die blauen Pisten mit parallelen Skiern runterzufahren. Stemmbögli ade! Mit der Sonne im Gesicht, den Bergen vor den Augen und der frischen Luft in der Nase gleite ich über den Schnee und verstehe urplötzlich, warum alle so verrückt nach Wintersport sind. Es ist ein unvergleichliches Gefühl, die Berge runterzusausen, so unbeschwert und frei.

Ich knipse ein Selfie und sende es Maggie.

 

 

Tante Maggie ist die Beste. Und ich bin auch ein bisschen stolz auf mich.

 

 

Am zweitletzten Abend haben Aida, Rahel, Claire und ich zusammen mit Oliver, Matteo und ihren zwei Zimmerkollegen Küchendienst. Während wir die Tische abräumen, kommt Matteo zu mir rüber. »Wo hast du dich die ganze Woche versteckt?«, will er wissen. »Ich habe immer wieder nach meinem liebsten Schneehäschen Ausschau gehalten.«

Wie geplant bin ich Matteo und Oliver aus dem Weg gegangen – und das ziemlich erfolgreich. Da sie in der fortgeschrittenen Gruppe fahren und auch abends zusammen abhängen, war das gar nicht schwer. Manchmal bildete ich mir ein, Olivers Blick auf mir zu spüren. Aber ich hielt der Versuchung stand, mich nach ihm umzusehen. Ansonsten suchte er keinen Kontakt zu mir. Warum auch?

Aus den Augenwinkeln bemerke ich, wie Elin, die mit Leonie und zwei weiteren Mädels in der Sofaecke rumhängt, finster zu uns rüberstiert. »Ich glaube, dein liebstes Snow Bunny sucht dich gerade«, bemerke ich spöttisch.

Matteo folgt meinem Blick. »Da könntest du recht haben.« Er grinst verschmitzt und zwinkert Elin zu, worauf diese mit den Wimpern klimpert. Zwischen Matteo und Elin scheint sich was anzubahnen. Ich kann das nicht ganz nachvollziehen. Na gut, beide sind beliebt, hängen in derselben Gruppe rum und würden ein wirklich gut aussehendes Paar abgeben. Mit ihren dunklen, glänzenden Haaren passen sie optisch perfekt zueinander. Aber Matteo ist locker und zu allen nett, während Elin so tut, als sei sie etwas Besseres. Irgendwie fände ich es schade, wenn er mit ihr zusammenkäme.

Nicht dass ich an Matteo interessiert bin. Mein Blick schweift an ihm vorbei zu Oliver, der gerade einen Tisch in der Nähe putzt und mit seinem Zimmerkollegen scherzt. Mein Herz sticht für einen kurzen Moment. Warum macht es das?

In diesem Augenblick erhebt sich Leonie vom Sofa, streicht ihre perfekten Haare glatt und stolziert zu Oliver. Er lacht gerade über etwas, als Leonie seinen Arm berührt. Darauf beugt er sich zu ihr rüber, und sie flüstert ihm etwas ins Ohr. Mein Magen zieht sich merkwürdig zusammen, und ich wende mich rasch ab. Die ganze Woche über hat Leonie Oliver in Beschlag genommen. Nicht dass mir das etwas ausmachen würde, aber sogar mir ist das aufgefallen.

Matteo scheint meinem Blick gefolgt zu sein und mustert mich nachdenklich. »Wir wollten nachher noch kurz ins Dorf und in der Après-Ski-Hütte vorbeischauen. Kommst du mit?«

Ich schüttle den Kopf. »Wir haben ein Skype-Date mit Claires kanadischen Freunden. Sie möchte uns ihrer Clique vorstellen.«

»Das könnt ihr doch auch in der Hütte machen. Dann sehen die Kanadier gleich, dass wir Schweizer nicht langweilig sind.«

Ich lache. »Mal schauen.«

 

Der Skype-Call mit Claires Freunden ist total witzig. Sie möchten sehen, was Claire so treibt. Daher traben wir mit dem Tablet in der Hand durch das ganze Lagerhaus und setzen jeden vor die Kamera, den wir zu Gesicht bekommen. Dann geht es ab nach draußen, um die Berge und die Skipiste zu zeigen – soweit es das WLAN zulässt. Claires Freunde zeigen sich beeindruckt, obwohl ich sicher bin, dass die Berge in Kanada mit den unsrigen mindestens mithalten können. »Die Berge vielleicht schon«, meint Claire, »aber nicht die Temperatur. In Kanada musst du froh sein, wenn es beim Skifahren wärmer ist als minus zwanzig Grad.« Mich schüttelt es. Skifahren in Kanada steht also nicht auf meiner To-do-Liste.

Das Telefonat mit Claires Freunden erinnert mich daran, mich bei Julia zu melden. Die letzten Tage sind so schnell vergangen, nie hatte ich eine Minute allein für mich. Ein ausführlicher Schwatz mit meiner besten Freundin ist angesagt.

»Bist du sicher, dass du nicht mitkommen willst?«, fragt mich Claire ein letztes Mal, bevor sie mit Aida und Rahel aus der Tür verschwindet. Sie wollen nun doch noch die Après-Ski-Hütte abchecken.

Ich schüttle den Kopf und winke den dreien nach. Dann mache ich es mir auf meinem Bett gemütlich und wähle Julias Nummer.

»Wie kann ich Ihnen helfen?«, trötet Julia in den Hörer.

»Ich vermisse meine beste Freundin«, antworte ich lachend. Ja, ich vermisse sie wirklich.

»Bist du sicher?«

Das schlechte Gewissen trifft mich wie ein Schneeball in die Magengegend. Ich habe mich zu selten bei Julia gemeldet. Ich bin ja selbst überrascht, wie schnell die Zeit verflogen ist. »Definitiv! Wie geht es dir?«

»Noch immer im Bett. Aber es wäre weniger schlimm, wenn sich meine beste Freundin bei mir melden würde …«

»Tut mir total leid. Ich habe keine Minute allein hier, immer sind wir unterwegs.«

»Hört sich nicht so an, als würdest du mich vermissen …«

Ich schlucke. Ist Julia etwa eifersüchtig? Sie ist es nicht gewohnt, mich mit anderen teilen zu müssen. »Ich wünschte, du wärst hier. Mit dir wäre es viel lustiger.«

Julia schweigt einen Moment. Ich höre sie tief ein- und ausatmen. »Ich bin froh, dass du dich amüsierst«, sagt sie schließlich. »Aber warte erst mal ab, was ich für dich geplant habe, wenn du zurück bist.«

Erleichtert lache ich auf. Sie ist mir nicht böse. Trotzdem nehme ich mir vor, mich ab sofort häufiger bei ihr zu melden. Das würde ich umgekehrt auch wollen. »Was führst du denn im Schilde?«

»Sieh’s dir an!«

Mein Handy vibriert: Julia hat mir einen Screenshot von einer Pinnwand geschickt. »Und was soll das sein?«

Sie schnalzt mit der Zunge. »Na, die How-to-be-English-Checkliste natürlich!« Vor meinem geistigen Auge sehe ich Julia von einem Ohr zum anderen grinsen.

Ich studiere die Bilder genauer. Einige sind selbsterklärend. »Okay. Im Pub Bier trinken.«

»Genau.«

»Scones und Clotted Cream. Mmh, darauf freue ich mich schon.«

»Eben«, kommentiert Julia zufrieden.

»Auf den Tee kann ich verzichten.«

»Pfft. Den musst du als Engländerin trinken.«

»Ich mag aber lieber Kaffee.«

»Geht nicht.«

Ich lache laut auf. »Mein Dad trinkt auch Kaffee statt Tee. Was macht dich eigentlich zu einer England-Kennerin?«

»Ich habe auf Insta eine Gruppe gefunden: Proudly British oder so.«

»Seriously?«

»Mir war langweilig«, erklärt Julia. »Und ich habe deinen Dad interviewt und mit Maggie telefoniert.«

»Hast du nicht!«

»Doch, ehrlich.«

Plötzlich habe ich einen Kloß im Hals. Offensichtlich hat Julia viel Zeit in diese ominöse Checkliste gesteckt, während ich mich kaum bei ihr gemeldet habe. Es scheint ihr wirklich wichtig zu sein, dass wir das zusammen durchziehen. Dann werden wir das auch tun! Ich analysiere nun die Pinnwand Bild um Bild.

»Was ist mit der Frau im Kleid gemeint? Soll das heißen, ich soll mich modischer anziehen?«

»Die Diskussion hatten wir schon. Ein paar figurbetontere Outfits könnten jedenfalls nicht schaden. Ich weiß nicht, warum du deine weiblichen Kurven so versteckst.« Julia seufzt. Über dieses Thema haben wir tatsächlich schon ein paarmal diskutiert. »Aber das ist mit dem Foto nicht gemeint. Anscheinend kennen Engländerinnen keine Kälte. Sie gehen auch im Winter im Rock und ohne Strümpfe vor die Tür. Wie cool ist das denn!«

»Ja, das stimmt. Das ist mir bei meinen Besuchen bei Maggie auch aufgefallen. Tagsüber schlurfen die Engländerinnen ungeschminkt und in der Jogginghose rum, total entspannt. Aber abends, da putzen sie sich richtig raus. Nägel, Haare und ein Kleid, das ganze Programm.«

»Und das wirst du auch machen!«

Das hört sich gar nicht so übel an. »Okay. Und was ist mit dem lachenden Gesicht?«

»Dein Dad meinte, Engländer hätten einen ausgeprägten Sinn für Humor.«

»Und ich bin zu wenig witzig, oder wie?«

»Du weißt genau, dass ich das nicht denke. Aber du nimmst das Leben zu ernst. Engländer nehmen nicht alles so ernst und können auch über sich selbst lachen.«

»Fair enough. Und wie wollen wir das angehen?«, frage ich.

»Das werden wir sehen.«

»Und die Regenwolke? Ich soll mich an das schlechte Wetter in England gewöhnen?«

Julia kichert. »Ach nein, das kennen wir hier ja auch zur Genüge. Aber du solltest übers Wetter reden, anscheinend das Gesprächsthema Nummer eins für Small Talk.«

»Kein Wunder bei dem Regenwetter. Und die wartende Menschenschlange?«

»Engländer lieben es doch, Schlange zu stehen!«

»Dann können wir das abhaken, das habe ich ja auch schon gemacht. Erst letzte Woche für diesen Bubble Tea, den du unbedingt probieren wolltest.«

»Das wäre total unwitzig. Wir werden uns was ausdenken.«

Den Rest des Gesprächs verbringen wir damit, uns gegenseitig daran zu erinnern, wofür wir schon alles zusammen angestanden haben. Als ich eine ganze Weile später auflege, schmerzen meine Bauchmuskeln vom Lachen. Julia ist und bleibt die Beste.

6

 

»Heute sind wir das letzte Mal auf der Piste«, verkündet Luca am nächsten Morgen beim Frühstück. »Natürlich haben wir uns zu diesem Anlass etwas Spezielles ausgedacht.«

Während die meisten zu johlen beginnen, zieht sich mein Magen nervös zusammen.