EIN KÖNIG AM RANDE DER WELT - Merlins Sohn, Band 1 - H. Warner Munn - E-Book

EIN KÖNIG AM RANDE DER WELT - Merlins Sohn, Band 1 E-Book

H. Warner Munn

0,0
6,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

Weder Christoph Kolumbus noch Eric der Rote haben Amerika entdeckt – sondern Ventidius Varro, ein römischer Legionär, und der Zauberer Myrdhinn (Merlin): Nach dem Tod ihres Königs Arthur segeln im 6. Jahrhundert n. Chr. die von Rom im Stich gelassenen Soldaten zu den Gestaden der Mias, eines grausamen und blutrünstigen Indianerstammes. Gefangenschaft, Menschenopfer, Flucht, Kampf und schließlich die Einigung aller verfeindeten Wilden sind Stationen auf dem Leidensweg der Helden – bis sie sich selbst zu Herrschern über die Neue Welt erheben, zu jenen weißen Göttern, welche den Eingeborenen seit langer Zeit prophezeit wurden und von denen ein Jahrtausend später die staunenden Spanier Kunde erhielten...

Ein König am Rande der Welt, erstmals 1939 erschienen, ist der erste Band der Trilogie um Merlins Sohn. Der Apex-Verlag veröffentlicht die Trilogie in der Reihe APEX FANTASY-KLASSIKER als durchgesehene Neuausgabe.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2018

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



H. Warner Munn

Ein König am Rande

der Welt

Merlins Sohn, Band 1

Roman

Apex Fantasy-Klassiker, Band 4

Apex-Verlag

Inhaltsverzeichnis

Das Buch 

 

EIN KÖNIG AM RANDE DER WELT 

 

Prolog 

1. Die verlorene Legion 

2. Arthur, Myrdhinn und Vivienne 

3. Der Schläfer und der Seher 

4. Ein kleines Schiff auf dem großen Meer 

5. Brandons Insel 

6. Schiffbruch 

7. Gefangene in Tlapallan 

8. Die Zähmung unartiger Kinder 

9. Kukulcan 

10. Die Stadt der Schlange 

11. Die Schlange und das Ei 

12. Opfer und Hexerei 

13. Steinerne Giganten und fliegende Köpfe 

14. Der Mantel Arthurs 

15. Auf der Suche nach dem Land der Toten 

16. Myrdhinns Bote 

17. Der Adler und die Schlange 

18. Der neue Kukulcan 

19. Der Marsch nach Miapan 

20. Der Fall der Festung 

21. Der Tod Myrdhinns 

22. Zwanzig Jahre später 

Epilog 

 

Nachwort 

 

Das Buch

Weder Christoph Kolumbus noch Eric der Rote haben Amerika entdeckt – sondern Ventidius Varro, ein römischer Legionär, und der Zauberer Myrdhinn (Merlin): Nach dem Tod ihres Königs Arthur segeln im 6. Jahrhundert n. Chr. die von Rom im Stich gelassenen Soldaten zu den Gestaden der Mias, eines grausamen und blutrünstigen Indianerstammes. Gefangenschaft, Menschenopfer, Flucht, Kampf und schließlich die Einigung aller verfeindeten Wilden sind Stationen auf dem Leidensweg der Helden – bis sie sich selbst zu Herrschern über die Neue Welt erheben, zu jenen weißen Göttern, welche den Eingeborenen seit langer Zeit prophezeit wurden und von denen ein Jahrtausend später die staunenden Spanier Kunde erhielten...

Ein König am Rande der Welt, erstmals 1939 erschienen, ist der erste Band der Trilogie um Merlins Sohn. Der Apex-Verlag veröffentlicht die Trilogie in der Reihe APEX FANTASY-KLASSIKER als durchgesehene Neuausgabe.

EIN KÖNIG AM RANDE DER WELT

Prolog

  Nach dem Hurrikan, der Key West nahezu leergefegt hatte, förderte ein Veteran, der bei den Aufräumungsarbeiten und beim Wiederaufbau mithalf, aus Korallen und Trümmern einen mit Grünspan bedeckten Bronzezylinder zutage. Er erkannte sofort, dass es sich um ein uraltes Relikt handeln musste. Da er vermutete (fälschlicherweise, wie sich bald herausstellen sollte), dass der Zylinder aus der Zeit der spanischen Eroberer stammte, hielt er es für das Beste, ihn nicht zu öffnen, da er befürchtete, ihn damit seines Wertes zu berauben. Und so kam es, dass er ihn zum Museum seiner Heimatstadt brachte, dessen Direktor ich bin.

  Nachdem ich ihm zugesichert hatte, dass er zehn Prozent aller etwaigen in dem Zylinder befindlichen Werte erhalten würde, öffnete ich ihn in seiner Gegenwart.

  Zu unser beider Überraschung fanden wir im Innern des Zylinders eine dicke Pergamentrolle, auf der in holprigem Soldatenlatein ein Brief geschrieben war.

  Als ich ihn übersetzte, begannen die Augen meines Besuchers zu funkeln, spürte er doch sogleich, dass daraus ein verwegener Geist sprach, der seinem eigenen blutsverwandt war.

  Auch ich war derart gefesselt von dem Brief, dass mir Schauer über den Rücken liefen - jedoch aus anderen Gründen. In mir war der Altertumsforscher erwacht, denn ich wusste, dass zu der Zeit, da das Pergament beschrieben wurde, Rom bereits untergegangen war, die Barbaren den westlichen Teil des Reiches unter sich aufgeteilt hatten und lediglich in Konstantinopel etwas von dem Glanz und der Macht Roms weiterlebte. Und hier, vierzig Jahre nach dem Fall Roms, schrieb ein Mann einen Brief an den römischen Kaiser!

  Wäre der Brief rechtzeitig angekommen, hätte die Weltgeschichte vielleicht einen anderen Verlauf genommen. Er ging jedoch verloren, und mit ihm alle Hoffnung seines tapferen Verfassers. Doch möge er nun für sich selbst sprechen.

1. Die verlorene Legion

  Welcher Kaiser auch immer in Rom regiert - ich entbiete Dir meinen Gruß:

  Ich, Ventidius Varro, Zenturio unter Arthur, dem Imperator von Britannien, jetzt König am westlichen Rande der Welt, hier genannt Nuitziton, Huitzilopochtli und Atoharo, sende Dir diesen Bericht durch die Hand meines einzigen Sohnes, der Dich um die Bestätigung meiner Regentschaft ersucht, damit er an meiner Statt als König herrschen kann, wenn ich tot bin.

  Es ist nun, so schätze ich, fünf volle Generationen her, seit sich die Legionen endgültig aus Britannien zurückzogen, und wenn ich auch vielleicht am Anfang dieses Berichts Dinge erzähle, die in Rom längst bekannt sind, so kann ich dessen doch nicht sicher sein und erzähle sie daher lieber in aller Ausführlichkeit. Ich bitte Dich deshalb, den redseligen Erinnerungen eines alten Soldaten, der in Ehren ergraut ist im Dienst für ein Land, das er niemals mit eigenen Augen gesehen hat, Deine Aufmerksamkeit zu schenken.

  Der Gedanke, dass sich Britannien, seit ich es vor nunmehr vierzig Jahren verließ, noch immer nicht von den Schlägen erholt hat, die ihm die sächsischen Piraten zufügten, trifft mich hart; doch leider muss ich annehmen, dass es so ist, denn ich habe nicht vergessen, dass wir schon hundert Jahre zuvor nur wenig oder keine Hilfe bekamen.

  Und als wir, die britischen Römer, damals, zur Zeit meines Urgroßvaters, Aetius um Hilfe anflehten, als wir ihm eindringlich klarzumachen versuchten, dass wir nach dem Abzug der Legion, die er gesandt hatte, praktisch hilflos den Feinden gegenüberstanden, bekamen wir da auch nur eine einzige Kohorte als Entsatz?

  Und das, obwohl wir warnend voraussagten, dass Britannien unterginge! Und vermutlich ist es das auch längst. Vielleicht geschah es tatsächlich so, wie Myrdhinn der Seher mir sagte, dass nämlich Britannien in voller Absicht aufgegeben wurde, da es von Rom nur als von geringem Wert erachtet wurde.

  Doch wie kann ich das glauben, ich, der ich die fruchtbare Erde, die unerschöpflichen Gruben und die fischreichen Gewässer Britanniens aus eigener Anschauung kenne! Es muss andere Gründe dafür geben, und Myrdhinn sagte sie mir.

  Ein Zeitalter geht dem Ende entgegen, die ganze Welt treibt auf ihren Zusammenbruch zu, wird von Barbaren überrannt - so wie wir damals in Britannien; doch hundert Jahre lang erreichte uns keine Botschaft über das Meer außer den verdrehten und verstümmelten Gerüchten, die die Sachsen uns brachten; und diese waren keine Freunde Roms.

  Sie überfielen mit erdrückender, zwanzigfacher Übermacht unsere Galeeren und Kriegsschiffe und versenkten sie. Mordend, plündernd und brandschatzend fielen sie über unsere Küsten her, bis schließlich kein Schiff mehr wagte, den Kanal zu überqueren, und jeglicher Handel starb. Die Verbindung zum Kontinent war abgeschnitten. Selbst die Fischerboote trauten sich nicht, außer Sichtweite der Küste zu geraten, und die sächsischen Drachenschiffe waren unumschränkte Herrscher auf dem Meer.

  Zürne mir daher nicht, dass ich - auch auf die Gefahr, Dich mit einer alten Geschichte zu langweilen - ausführlich von allen Ereignissen berichte, die sich nach dem Rückzug der Legionen begaben, als die einzigen römischen Soldaten in ganz Britannien die der traurig dezimierten Sechsten Legion (Victrix) waren, die in Eboracum und am Wall stationiert waren.

  Sollte dies Dir bekannt sein, lies dennoch weiter; denn es werden Ereignisse folgen, von denen Du nichts weißt, da ich der einzige lebende Römer auf der ganzen Welt bin, der Kenntnis hat von den Wundern, über die ich berichten werde.

  Als erste nach dem Eintreffen von Kaiser Honorius’ Brief mit dem Rückzugsbefehl schiffte sich die Zwanzigste Legion ein - und ließ Deva und den westlichen Teil des Landes ungeschützt vor den wilden Bergstämmen der Siluren zurück. Alsbald marschierte auch die Neunte von Ratae ab, und das ganze Tiefland war ohne Wehr.

  Zwei Jahre später verließ die Zweite Legion Isca Silurum, und nun hinderte nichts die Piraten daran, die Sabrina hinauf zu segeln. Zuletzt ging auch der größere Teil der Sechsten, und da sie nun zu schwach war, um weiterhin den Wall halten zu können, verlegte der Konsul seine Truppen weiter nach Süden und überließ so kampflos den Pikten und Sachsen Eboracum, die es auch sofort besetzten und sich dort ansiedelten.

  Wären sich die einzelnen Städte untereinander einig gewesen und hätten sie gemeinsam eine Armee aufgestellt, wäre Britannien wohl frei geblieben. Es gab genügend Männer mit tapferem Herzen und römischer Ausbildung, und einige davon rekrutierte die Sechste, um wieder auf volle Legionsstärke zu kommen; doch das war so, als verdünne man Wein mit Wasser.

  Die Städte, denen die ausgehobenen Truppen entstammten, lagen ständig miteinander im Hader; sie versuchten, ihre Soldaten für sich zu behalten, und da sie allein zu schwach waren, den Eroberern die Stirn zu bieten, fielen sie bald eine nach der anderen so, wie sie gekämpft hatten - einsam. Unterdessen scharten die unzähligen kleinen Fürsten und Prinzen ein Gefolge um sich und gründeten winzige Königreiche, die unabhängig von den Stadtstaaten waren. Der größte Teil dieser Zwergkönigreiche wurde später zerstört oder von den Eroberern überrannt.

  Was schließlich nach drei Generationen des Kämpfens, Rekrutierens und Auflösens von der Sechsten übrigblieb, zog sich, noch immer den römischen Adler hochhaltend, sich römisch und Victrix nennend, in die Berge von Damnonia, das letzte Bollwerk Britanniens, zurück.

  An dieser Stelle muss ich nun ausführlich die Geschichte meiner eigenen Familie beginnen und erzählen, welche Auswirkungen diese Ereignisse auf sich hatten.

  Fremder! Wisse zuerst, wer ich bin. Ich bin Ventidius Varro - Römer bis ins Innerste meines Herzens, obwohl ich jene wunderbare Stadt am Tiber nie gesehen habe, genauso wenig mein Vater. Auch er wurde in Britannien geboren, hatte eine britische Mutter, und schon in den Adern seines Vaters floss nur noch ein Viertel reinen römischen Blutes. Und doch bin ich Römer, Rom betrachte ich als meine Herrin, ihr gelten meine ganze Liebe und die Sehnsucht meines Herzens - jener herrlichen Stadt, in die ich nie einen Fuß setzen werde!

  Die Geschichte meiner Familie ist die Geschichte der Tragödie Britanniens. Als mein Urgroßvater eingezogen wurde, war mein Großvater noch ein Säugling. Die Insel war ausgeblutet, die Garnisonen nur noch Skelette; doch bis zu dem Zeitpunkt, da mein Großvater in die Legion eintrat, hatte sich um diese nackten Knochen wieder festes, kräftiges Fleisch gebildet. Man könnte sagen, dass der Geist noch immer römisch war, aber die Substanz war britisch.

  Die Sechste kämpfte gegen die Pikten, die Skoten und die Sachsen, und obwohl die Barbaren schon Fuß gefasst hatten, gelang es der Sechsten, sie wieder zu vertreiben und sie auf die See zurückzudrängen. Doch da - als vielleicht noch ein weiteres Jahr das Ringen zu unseren Gunsten entschieden hätte - kam der Ruf aus Rom.

  Man brauchte Männer: Rom selbst war in Gefahr geraten. Mein Großvater folgte seinem Vater ins Ungewisse, um nie mehr zurückzukehren. Nicht einer der Männer kam wieder, und die Frau meines Großvaters blieb allein mit ihren kleinen Kindern, darunter mein Vater. Sie ging nach Westen in die Berge von Cambria und zog ihre Kinder in Viriconium auf.

  Rom sandte uns keine Statthalter mehr, weder höhere noch niedere Beamte. Unsere Festungen im Westen wurden nach wie vor von der dezimierten Sechsten gehalten, aber die besten Männer waren fort, und ich weiß nicht einmal, wo sie begraben sind.

  Später wandten sich die Jüten, Sachsen und Angeln gegen uns, die doch gelegentlich an unserer Seite als Bundesgenossen gegen die Pikten gekämpft hatten, und meine Mutter floh über die Grenze nach Cambria. Als sie sich umblickte, sah sie hinter sich das brennende Viriconium, wo mein Vater zusammen mit anderen tapferen Männern kämpfte und starb, auf dass die Herrschaft Roms in Britannien erhalten bleibe.

  Meine frühe Kindheit verbrachte ich damit, im Gebiet der wilden Kymrer umherzuziehen, deren Tapferkeit alle Macht, die Rom ihnen entgegenwerfen konnte, herausgefordert und gebrochen hatte, deren Herrschaftsbereich der letzte Winkel Britanniens geblieben war, wo sie frei waren von der sächsischen Gefahr und nun - so seltsam es auch klingen mag - die römische Kultur verteidigten. Und nun komme ich schließlich und endlich auf meine eigene Zeit zu sprechen und auf die Geschichte, die du wissen musst.

  Bei den Kymrern lebte jener seltsame Mann, den sie Myrdhinn nannten, der jedoch bei uns auf der anderen Seite der Grenze als Ambrosius bekannt war. Er war ein Mensch von edlem Äußeren und furchterregendem Blick. Er trug einen langen, wehenden weißen Bart und fuhr in einer majestätischen Kutsche; ein Mann, dessen Herkunft von Geheimnissen umrankt ist.

  Wenn die Sage wahr ist, dann wurde Myrdhinn von einem Dämon gezeugt, und zwar zur Zeit der Herrschaft von König Vortigern, von Blayse, dem Beichtvater seiner Mutter, getauft, sodass er Christ war. Doch blieben in ihm die dämonischen

Kräfte der Magie, des Scharfblickes und die Gabe der Weissagung erhalten. Andere schätzen ihn als so weise ein, dass er eigentlich schon kein normaler Sterblicher mehr sein kann, und behaupten, er sei im Alter von achtzig Jahren zur gleichen Zeit geboren, da die Erde erschaffen wurde, und seither immer weiser geworden!

  Wahrscheinlicher jedoch ist die Version, er sei ein Findelkind, von Druiden aufgezogen, die in Cambria noch immer ihre alten Bräuche ausüben und wohl auch Myrdhinn in ihren geheimnisvollen Kenntnissen unterwiesen. Obwohl er später den christlichen Glauben annahm, rang in seinem Herzen stets das Druidentum mit der neuen Lehre.

  Es ist bekannt, dass die Weisen der Urzeit über Kenntnisse verfügten, die uns in diesen Zeiten des Verfalls abhandengekommen sind, und fest verschlossen in Myrdhinns Geist ruhten viele Geheimnisse, darunter auch jenes, wie das Leben zu verlängern sei.

  Ich bin von den Jahren gezeichnet, ergraut, hager und fast zahnlos. Myrdhinn hingegen ist in all der Zeit, die ich mit ihm zusammen war, derselbe geblieben. Er sah immer so aus, wie ihn meine Mutter mir beschrieb, die ihn einst als junge Frau

zum ersten Mal sah, als er in den Bergen von Cambria durch eine enge, einsame Schlucht wanderte, zerfurcht, doch rüstig und stark, an der Hand den Knaben Arthur, der immer wieder in Trab verfiel, um mit dem kraftvoll einherschreitenden Mann Schritt zu halten.

  Sie müssen damals auf dem Wege zu Antor gewesen sein, dem Myrdhinn den Knaben Arthur zur Erziehung und Ausbildung überbrachte und unter dessen fürsorglicher Hand der junge Bursche zu dem Arthur heranwuchs, zu Arthur, dem Ersehnten, dem Unvergessenen - Arthur, dem Imperator, dem großen Pendragon, dem Diktator, jenem Arthur, der heute der Retter Britanniens hieße, hätte ihn nicht feiger Verrat scheitern lassen.

  Zu jener Zeit war Arthur etwa fünfzehn Jahre älter als ich, der ich, noch im Säuglingsalter, noch nichts von den aufregenden Ereignissen mitbekam, die sich um mich herum abspielten. Zu der Zeit, als ich vom Üben mit Schwert und Speer die ersten Schwielen an den Händen bekam, führte Arthur schon die ersten Stoßtrupps auf sächsisches Gebiet.

  Alte, verkrüppelte Soldaten aus den Überresten der aufgeriebenen Legion bildeten die rohe, ungeschliffene Jugend Cambrias zu einem grotesken Abbild der ehernen Marschsäulen Roms aus. Wie in alten Tagen hämmerten Schmiede rotglühende Eisen zu silbern glitzernden Klingen, fertigten Zimmerleute Ballistas und Katapulte an... und schließlich marschierte ein Zerrbild der alten Legion über die Grenze, mit zerfetzten Standarten, zerschlagenen Panzern und zerbeulten Schilden.

  Doch wir stürmten in voller Zahl und Stärke! Unsere Klingen und Panzer blitzten und glänzten, unsere Bögen waren wohlgespannt und unsere Pfeile gespitzt (jeder einzelne Mann war Bogenschütze, ob Kavallerist, Pionier oder einfacher Legionär), und die funkelnden Adler an der Spitze gaben uns frischen Mut.

  Sechste Legion, Victrix! Glück zu und Leb wohl! Deine Gebeine machen nun die Felder Britanniens grüner.

  Etwas von dem alten, kaiserlichen Geist hatte uns erfasst. Wir nahmen Viriconium ein, verloren es wieder und eroberten es erneut, und die Kymrer strömten über die Grenze und errichteten von seinem alten Glanz so viel wie möglich wieder. In der Ebene außerhalb der Stadtmauern tummelten sich die zottigen Ponys Cambrias in lächerlichem Kontrast zu dem majestätisch donnernden Angriff der römischen Reiterei. Aber die sächsischen Lakeien zerstreuten sich vor der Wucht des Angriffs in alle vier Winde, und mit der Zeit rangen wir ihnen Meter um Meter britischen Bodens ab, um ihn wieder zu freiem Land für die Verbannten und Freunde Roms zu machen.

  Hier und da stießen wir auf edle Rosse und Stuten in den fruchtbaren Niederungen, und als Arthurs Truppen stark genug waren, sich mit einer sächsischen Übermacht in einer regelrechten Schlacht zu messen, zerschmetterten dreihundert Reiter die Schildwälle.

  In der ersten großen Schlacht, die wir antraten, um die Macht der Eroberer zu brechen, flohen die Sachsen Hals über Kopf und ließen uns als Sieger auf dem Feld zurück. Unsere Reiter setzten nach, fielen über die Flüchtenden her und richteten ein solch gewaltiges Gemetzel an, dass Arthur aus den Überlebenden der Truppe seine edle Ritterrunde formte.

  Ihr lederner, mit Bronze beschichteter Panzer wurde durch Blech ersetzt; man züchtete kräftigere Pferde, die das größere Gewicht zu tragen vermochten, und als Arthur siegreich von Schlacht auf Schlacht zurückkehrte, als Heere, Stammesführer, ja Könige sich um den Helden scharten und ihn Amheradawr (Imperator) nannten - da entstand die Tafelrunde und hielt in Isca Silurum Gericht ab.

  So eilten wir von Schlacht zu Schlacht, und unser Ruhm mehrte sich, unser Vertrauen wuchs, neue Kämpen gesellten sich hinzu. Zum Teil unter abenteuerlichen Umständen stahlen sie sich des Nachts in kleinen Booten aus Weidengeflecht an den sächsischen Kriegsschiffen vorbei, welche die Küste kontrollierten - bis wieder strahlende Leuchtfeuer auf den Kuppen der Hügel und Berge, soweit das Auge blicken konnte, die Grenzen des zurückeroberten freien Britanniens markierten.

  Bald war die Legion zu doppelter Stärke gewachsen. Ungeduldig warteten wir auf den Befehl, die Überreste der Sachsen zu überrennen. Da kam unerwartet Hilfe aus Armorika - unsere Landsleute vom Festland stießen mit Kriegsschiffen und Galeeren zu uns, um uns im Kampf gegen die Eindringlinge zur Seite zu stehen. Myrdhinn hatte sie um Hilfe gebeten, und umgehend kam Antwort.

   Zu jener Zeit hatten wir nur ein Kriegsschiff, die Prydwen, einen großen Dromon, welchen wir als Versuchsschiff nach dem Plan gebaut hatten, den wir in einem alten Buch gefunden hatten. Er war als Kreuzer hergerichtet, der die feindlichen Galeeren zu rammen und unterzupflügen vermochte. Desgleichen hatte man seit Hunderten von Jahren in britischen Gewässern nicht mehr zu Gesicht bekommen. Er war mit Wurfmaschinen und Pfeilkatapulten ausgerüstet, wurde mit Hilfe von Rudern und Segeln angetrieben, und mit seinen weit ausladenden, überhängenden Galerien, von wo aus man vortrefflich Enterer abwehren konnte, mutete er inmitten des Pulks plumper, schwerfälliger feindlicher Schiffe an wie ein stolzer Hahn, der mit geschwollenem Kamm über seine Familie wacht.

  Schon marschierten die Barbaren, von Wessex kommend, auf uns zu, während sich von See her eine Flotte näherte, die Truppenlanden wollten, welche uns in den Rücken fallen sollten.

  Am Mons Badonicus warfen wir uns ihnen entgegen; einen Tag und den größten Teil einer langen Mondnacht dauerte das Blutbad, während sich auf See die Flotte der Verbündeten mit Ruhm bedeckte.

  Armorikanische, hibernische und sächsische Galeeren zerbarsten und gingen in Flammen auf, während mitten unter ihnen die Prydwen rammend und Feuer speiend durch den Pfeilhagel brauste und den Feind unter ihrem Kiel zermalmte.

  Da endlich kam der Friede zu uns: Zeit zu lieben, zu leben und zu ruhen - für einige jedoch Zeit, Ränke zu schmieden.

  Myrdhinn hatte für Arthur die Heirat mit Gwenhyvar geplant, der Tochter eines edlen Stammesführers, Laodegan von Carmelide; und als Arthur verkleidet dorthin reiste, um die Jungfer vor der Trauung zu sehen, kam er zur rechten Zeit an. Die Mauern von Carmelide wurden nämlich gerade von einer räuberischen Horde wilder Reiter aus den Bergen belagert, doch Arthurs Panzerreiter rieben sie auf und vertrieben sie in alle Winde.

  Als sie in die Stadt kamen, ergriff Myrdhinn für Arthur das Wort und forderte Gwenhyvars Hand als Belohnung für den Retter der Stadt.

  Später pfiffen es die Spatzen von den Dächern, dass kein anderer als Myrdhinn die Belagerung und die Rettung ins Werk gesetzt hatte, um seine eigenen Pläne zu verwirklichen. Ich selbst kann dazu nichts sagen, da ich zu jener Zeit weit weg war; jedoch halte ich Myrdhinn dazu für fähig, denn seine Gedanken nahmen oft seltsame Umwege, und er war nicht der Mann, der einen Plan auf einfache Weise verwirklichte, wenn sich eine auffällige, komplizierte Lösung bot.

  Diesmal jedoch - will man der Sache genau auf den Grund gehen war es eben die Vorliebe für das große Spektakel, die ihn, Arthur, Gwenhyvar und Britannien ins Verderben stürzte. Wie es das Schicksal so wollte, hatte Gwenhyvar schon ihr Herz einem jungen Mann namens Lanceloc geschenkt.

  Arthur näherte sich schon der Lebensmitte; Gwenhyvar und Lanceloc waren um vieles jünger. So wäre es nur natürlich gewesen, wären diese beiden den Bund der Ehe eingegangen; doch wie hätte ein ehrgeiziger Vater den großen Pendragon, den Retter der Stadt, vor den Kopf stoßen können, indem er ihm die Hand seiner Tochter verweigerte? Laodegan befahl, Gwenhyvar gehorchte, wie es sich für eine pflichtbewusste Tochter gehört, und damit begann das Unheil.

Verbotene Früchte schmecken am süßesten, heißt ein altes Sprichwort. Alle wussten, was vor sich ging, nur Arthur, die arglose Seele, das Vorbild an Tapferkeit und Ehrbarkeit, merkte jahrelang nichts davon, was sich hinter seinem Rücken abspielte.

  Doch da kamen Agrivain und Medrawd, Verwandte, die selbst danach trachteten, mächtig zu werden, und glaubten, dieses Ziel am besten zu erreichen, indem sie jene demütigten, die schon mächtig waren. Sie setzten Gerüchte in Umlauf und spritzten ihr Gift auf alles, was Arthur lieb und teuer war - und alle unsere Hoffnungen für Britannien stürzten in sich zusammen.

  Lanceloc, Agrivain und Medrawd flohen nach Wessex, um so dem Zorn ihres so schmählich gedemütigten Herrschers zu entgehen. Ihre Verwandten, Vasallen und Freunde nahmen sie mit.

  Dort angekommen, verbündeten sie sich mit dem, was von der Macht der Sachsen übriggeblieben war und ließen die Kunde über das Meer tragen, dass die Piraten wieder ungestört kommen und morden, rauben und plündern könnten, denn Arthur war von tiefem Kummer ergriffen, und Rom hatte seine verlorene Kolonie längst vergessen.

  So marschierte die Sechste, und die Sachsen marschierten ebenfalls, und die beiden großen Armeen kamen auf die schicksalsschwere Walstatt von Camlan - und aller Ruhm hatte ein Ende!

2. Arthur, Myrdhinn und Vivienne

  Es ist nicht an mir, meinem Kaiser jenes tragische Ereignis zu schildern, bin ich doch sicher, dass Dir in all den vielen Jahren, die seither vergangen sind, die traurigen Ereignisse jenes unheilvollen Tages aus anderer Munde hinterbracht wurden und Du inzwischen ein um vieles klareres Bild von der Schlacht haben musst, als ich es dir jemals vermitteln könnte. Schließlich war ich nur ein einfacher Zenturio und hatte keinen Einblick in den Gesamtschlachtplan. Doch wie auch immer dieser ausgesehen haben mag: Jeglicher Plan wurde von vornherein von dickem, kaltem Nebel zunichtegemacht, der uns gleich zu Beginn der Schlacht in sein graues Leichentuch einhüllte, sodass wir bald in kleine Gruppen aufgesplittert wurden, die nach ähnlich kleinen feindlichen Trupps spürten. In vielen blutigen Scharmützeln rieben sich diese Gruppen gegenseitig auf.

  Als das Tageslicht schwächer wurde, klang das Klirren der Waffen immer ferner. Ich war allein, abgesprengt von meiner Zenturie. Ich stieg von einem Schlachtross, das ich kurz zuvor eingefangen hatte, als es herrenlos über die Walstatt irrte, fasste es beim Zügel und führte es einen Strand entlang, auf den sanft die Wogen der Brandung rollten und mit flüsternder Stimme den Grabgesang auf all meine Hoffnungen raunten. Es war so, als legte sich der klamme, düstere Nebel geradewegs auf meine Seele.

  Die schmale Stelle trennte das Meer von einem brackigen Tümpel. Dort wollte ich mein Ross tränken. Ich wandte mich nach links. Leise plätscherten die kleinen Wellen durch das Riedgras der salzigen Marsch, die den Teich umgab. Kein Laut war zu hören. Bisweilen vernahm ich das heisere Krächzen eines Seevogels, der hilflos durch den Nebel flatterte.

  Als mein Pferd getrunken hatte und mit einem langen Seufzer den Kopf aus dem Wasser hob, löste sich mit einem Mal die Nebelwand auf und gab mir den Blick auf etwa hundert Schritt Entfernung frei. Wir standen am Rand einer schmalen Bucht. Am anderen Ufer dieser Bucht sah ich die Zeugen eines beendeten Gefechtes. Das Wasser und der gegenüberliegende Strand waren, soweit das Auge reichte, mit einem Teppich von Leichen bedeckt. Doch nicht alle, die dort lagen, waren tot.

  Einer hockte blutüberströmt am Boden, halb auf den Ellbogen gestützt. Über ihn gebeugt stand ein grausig anzusehen der Ritter. Beiden Männern war der Panzer förmlich vom Körper gehackt, alles mit Blut besudelt. Da erkannte ich das Paar.

  Der Sterbende war Arthur, der andere, mit dem er sich, soweit ich das erkennen konnte, zu streiten schien, Sir Bedwyr, einer seiner zuverlässigsten und treuesten Ritter. Ich rief die beiden an, aber Arthur war schon zu schwach oder zu sehr in das Gespräch vertieft, um mich zu hören, während Sir Bedwyr indessen den Blick wandte und Ruhe gebietend den Arm hob.

  Wieder schien Arthur etwas zu befehlen, diesmal gehorchte Sir Bedwyr. Er hob Arthurs berühmtes Schwert, Caliburn, auf und verschwand im Nebel. In diesem Moment senkte sich der kalte graue Vorhang wieder, und ich ritt durch ihn hindurch um die Bucht herum, bis der Klang von Stimmen mich mein Pferd zügeln ließ.

  »Hast du mich diesmal nicht enttäuscht?«, hörte ich Arthurs Stimme sagen.

  »Zu meinem großen Bedauern gehorchte ich, mein König.«

  »Und was sahst und hörtest du?»

  »Ich warf das Schwert in den Weiher, so wie du mir es befahlst, und als es blitzend hinabsauste, ertönte ein klagender Schrei, und aus der Tiefe des Weihers tauchte ein langer Arm auf, mit einem weiten, wehenden Ärmel aus weißem Samt. Er ergriff Caliburn, schwenkte das Schwert dreimal und zog es dann in die Tiefe hinab. Gleichzeitig erklang aus dem Weiher vieltausendfaches Wehklagen.«

  »So ist denn nun Caliburn in die Hand dessen, der es mir schenkte, zurückgekehrt, auf dass es dortbleibe, bis ein anderer kommt, der dazu ausersehen ist, Britannien zu retten. Doch seltsam, dass ich keinen Laut vernahm!«

  »Es erfüllt mich mit tiefer Trauer, mein König, dir sagen zu müssen, dass sich dein Ohr nun beginnt, an andere Rhythmen denn irdische zu gewöhnen.«

  »Jetzt schon, da mein Werk doch eben begonnen hat?«

  Mit diesem schmerzvollen Ausruf schlossen sich seine Augen. Als ich näherkam, vermochte ich nicht zu erkennen, ob ihn der Tod schon ereilt hatte, oder ob er bloß ohnmächtig geworden war.

  Sir Bedwyr trat mir entgegen, bevor ich Arthur erreicht hatte, und erklärte mit flüsternder Stimme das Ereignis, dessen Zeuge ich soeben geworden war.

  »Er scheint vor Verzweiflung und Gram ohnmächtig geworden zu sein. Er hat schreckliche Verwundungen, doch ich glaube nicht, dass sie tödlich sind. Wenn ich die Blutungen nur stillen konnte! Ich glaube, es ist seine Seele, die stirbt. Er ist fest davon überzeugt, dass das Ende gekommen ist, für ihn, für uns und für Britannien. Darum befahl er mir, sein Schwert in den Weiher zu werfen. Gott verzeih mir! Ich bin ein Ritter, der einen Schwur gebrochen hat! Ich habe einen Sterbenden belogen! Kannst du das verstehen, Zenturio? Wie könnte ich diese Waffe auch fortwerfen? Sein Schwert ist den Menschen ein Symbol. Wenn Arthur stirbt, werden sich die Überreste unserer Armee wenigstens um etwas scharen, das sie verehren. du selbst weißt, wie sehr die Herde etwas braucht, dem sie folgen kann - einen Helden, einen Adler, ein heiliges Andenken. Dann wächst sie über sich hinaus, dann wird jeder wahrhaft zu einem Giganten. Ohne ein solches Symbol hingegen sind die Menschen gewöhnliche Sterbliche voller Angst vor dem Tod und Angst vor Schmerzen. Um Arthurs Schwert vor den Händen der Sachsen zu bewahren, würden sie wie Dämonen kämpfen.«

  Ich hatte mich inzwischen niedergekniet und untersuchte die tiefen Wunden, die Arthur in der Seite und am Oberschenkel hatte. Doch waren meine Bemühungen, die Blutungen zu stillen, eben so wenig von Erfolg gekrönt wie die Bedwyrs, und während wir uns gemeinsam bemühten, fuhr er fort:

  »Ich warf die juwelenbesetzte Scheide in den Weiher. Doch alles Weitere ist gelogen. Da war kein Arm in weißem Samt, kein Wehgeschrei, gab es keine klagenden Stimmen - nur die Wellen, die sich auf der Oberfläche des Weihers kräuselten, und das heisere Krächzen eines Wasservogels!«

  »Und mehr wäre auch nicht geschehen, wenn du das Schwert der Scheide hinterhergeworfen hättest«, grunzte ich.

  »Gib mir noch etwas von dem Leinenstoff!«

  Er lächelte traurig.

  »Wenn er wirklich stirbt, dann wird er wenigstens glücklich hinübergehen, da er glaubt, ich führte seinen Befehl aus. Wenn er am Leben bleibt, versteht er sicherlich, dass ich das Beste wollte, und vergibt mir. Glaubst du, dass ich richtig handelte?«

  »Ohne Zweifel!«, erwiderte ich. »Mit Arthurs Schwert in unserer Hand können wir in die Berge fliehen, uns sammeln und erneut zuschlagen. Wenn ich doch bloß diese schrecklichen Blutungen stillen könnte!«

  Seine Lippen hatten die Farbe von Ton angenommen, und ich wunderte mich, dass er immer noch atmete, denn es schien, als könnte jeder seiner matten Atemzüge der letzte sein.

  Plötzlich hörte ich, dass sich eine Gruppe von Männern näherte. Ich fuhr herum und griff nach meinem Schwert. Doch sogleich ließ ich erleichtert die Hand wieder sinken. Männer mit Roben und langen Bärten umringten mich. Es war Myrdhinn mit seinen neun Barden. Noch nie zuvor war ich so froh gewesen wie in diesem Augenblick, jene geheimnisumwobene Gestalt in meiner Nähe zu haben.

  Ohne Worte zu vergeuden, schob er uns beiseite, tastete schnell und geschickt die Wunden ab, drückte auf eine Stelle an Arthurs Hinterkopf und auf zwei Stellen am Rücken, dann gab er uns ein Zeichen, Wache zu stehen.

  »Der große Pendragon scheidet dahin.«

  Die Barden stimmten sogleich einen wehklagenden Trauergesang an, doch der Weise gebot ihnen mit herrischer Geste zu schweigen.

  »Ruh! Das hilft uns auch nicht! Ich kann ihn nicht heilen. Dies vermag nur die Zeit. Aber ich kann verhindern, dass es weiter mit ihm dahingeht, sofern wir einen sicheren Zufluchtsort finden.«

  Die tastenden Ranken des Nebels wirbelten immer dichter um uns herum, während wir verblüfft dem Spiel seiner behenden Finger zusahen. Geschickt verband er die furchtbaren Wunden, aus denen das Blut nun aufhörte zu strömen. Dabei bewegten sich seine Lippen in schnellem, unablässigem Gemurmel. Hier und da glaubte ich, ein paar lateinische oder kymrische Satzfetzen herauszuhören, doch dann verfiel er sogleich wieder in ein eigentümlich zischendes Gemurmel, das keiner uns bekannten Sprache zu gleichen schien.

  Bald war uns, als würde der Nebel jedes Mal, wenn Myrdhinn zwischen seinen Beschwörungsformeln eine Atempause machte, noch dicker, und aus dem Nebel erklangen leise gemurmelte Antworten, als bete Myrdhinn um das Leben Arthurs und als lieferten die kalten Lippen jenes großen Heeres der Toten Britanniens auf dem Feld von Camlan die Antworten.

  Wieder und wieder hörten wir durch den Schleier des Nebels hindurch, wie die Wellen am gegenüberliegenden Ufer gegen den Strand plätscherten. Doch war es wirklich das gegenüberliegende Ufer, von dem der Laut zu uns drang? Das Geräusch schien jetzt von ganz nah zu kommen.

  Einmal hob Myrdhinn den Kopf und lauschte, doch dann fuhr er mit seiner Beschwörungsformel fort.

  Etwas Kaltes schwappte gegen meine Fußknöchel und umspülte sie. Ich schaute zu Boden und stellte zu meinem Erstaunen fest, dass ich mitten in einer Pfütze Seewassers stand. Ich hatte überhaupt nicht wahrgenommen, dass das Wasser gestiegen war. Ich ging ein paar Schritte weiter zu dem kleinen Erdhügel, auf dem die anderen standen.

  »Ist er tot?«, fragte Sir Bedwyr mit keuchendem Atem. Myrdhinn schüttelte den Kopf.

  »Inzwischen wäre er es gewesen, doch sein Atem ist stehengeblieben, und er wird überleben.«

  »Sein Atem ist stehengeblieben? Aber dann muss er doch sterben!«

  »Er ist vielleicht nicht gänzlich ausgeblieben«, erwiderte Myrdhinn mit einem geheimnisvollen Lächeln. »Er wird möglicherweise nur einmal am Tag atmen, so lange, bis er durch einen langen Heilschlaf seine Energie und das Blut, das er verlor, wiedergewinnt. Er hat bis auf wenige Tropfen fast all sein Blut verloren. Wir bringen ihn jetzt an einen sicheren und geheimen Ort, wo ich ihn verstecken kann, bis er sich wieder erholt hat und von neuem bereit ist, für Britannien zu kämpfen.«

  Wieder stieg ich ein paar Schritte aus dem Wasser. Versank ich in einem Sumpf? Der Boden schien fest zu sein.

  »Wie lange muss er schlafen?« Wieder war es Sir Bedwyr, der die Frage stellte.

  »Länger, als du ahnst. Deine Knochen werden längst vermodert und dein Grab vergessen sein, bevor Arthur überhaupt zu schlafen beginnt! Ich kann es jetzt nicht erklären hört ihr nicht das Waffengeklirr? Die Feinde streifen im Nebel umher! Rasch, Varro, hilf meinen Leuten, ihn über deinen Sattel zu legen! Wir müssen fliehen!«

  Als ich vorwärts trat, um seinen Befehl zu befolgen, stellte ich fest, dass ich meine Füße schon wieder aus dem Wasser erheben musste, um auf festen Boden zu kommen. Ich blickte mich um. Von uns allen unbemerkt stieg das Wasser des Weihers langsam an, um uns zu umspülen und vom Land abzuschneiden.

  Wortlos wies ich Myrdhinn daraufhin. Seine Augen weiteten sich. Dann lachte er plötzlich.

  »Ah, Bedwyr. Es wäre besser gewesen, du hättest das Schwert Caliburn der Dame zurückgegeben, die es verlieh. Meine Frau Vivienne - eine etwas habgierige Person! Vielleicht hegt sie ein wenig Groll gegen uns, weil wir sie beschwindelten. Ich kann mich noch lebhaft daran erinnern, wie sie mich einmal tagelang im Wald von Broceliande verhext hielt. Kommt schnell, bevor das Wasser noch höher steigt!«

  Eine riesige Welle erhob sich plötzlich aus dem Weiher und brauste über die Bucht. Sie umspülte unsere Knie und wogte wieder zurück, als wolle sie uns nur widerwillig loslassen.

  »Schneller, schneller!«, drängte Myrdhinn.

  Wieder vernahmen wir das Klirren von Rüstungen, diesmal schon viel näher. Bald darauf hörten wir deutlich Sächsisch gerufene Befehle.

  Sie waren uns ganz dicht auf den Fersen. Sir Bedwyr blickte mich an, ich blickte ihn an: Wir waren die einzigen Bewaffneten in unserer Gruppe. Kurz berieten wir uns und beschlossen, wieder umzukehren. Doch kaum hatten wir ein paar Schritte

getan, als wir erneut das Brausen einer gewaltigen Woge vernahmen, die über die Niederung brach, welche wir gerade verließen.

  Diesmal folgten noch andere Laute - Schreie des Entsetzens, Schmerzensrufe; das schreckliche Gebrüll zu Tode gepeinigter Menschen, dann Stöhnen und Ächzen, markerschütterndes Seufzen, gemischt mit Schmatzgeräuschen, so als fräße sich hinter der Nebelwand, die alles barmherzig mit ihrem Schleier zudeckte, irgendein scheußliches Untier satt.

  Gelähmt vor Entsetzen blieben wir stehen.

  »Kommt schnell!«, rief Myrdhinn. »Bleibt nicht stehen! Der Irrtum wird bald entdeckt sein. Lasst uns von dieser Stätte des Grauens verschwinden!«

  »Was ist dort hinten los?«, brachte ich keuchend hervor.

  »Viviennes Lieblingstier, der Avanc. Der Wurm des Weihers. Wir haben ihn hereingelegt - und sie ebenso. Wahrscheinlich ist sie wütend darüber, dass ich Arthur geholfen habe, und mit Sicherheit tobt sie wie eine Rasende, weil sie Caliburn verloren hat, das ihr vertragsgemäß zusteht.

  Hör zu, mein Weib, und pass gut auf, was ich dir zu sagen habe!«, rief er in den Nebel. »Ich habe Arthurs Schwert, und ich werde es diesmal behalten. Ich betrachte es als Wiedergutmachung für all die Jahre, die ich als Gefangener im Ring des Rauches zubringen musste!

  Lauft, Männer, lauft um euer Leben!«

  Wir rannten los, neben uns das trabende Pferd. In den ersten Minuten war alles ruhig; doch dann begann plötzlich der Boden unter unseren Füßen wie eine wütende See zu wogen. Zweimal, dreimal wogte er auf und warf uns von den Beinen. Wir rappelten uns wieder auf und rannten blindlings weiter in den dichten Nebel hinein.

  Dann ertönte in der Ferne ein fürchterliches Krachen, als werfe sich der Ozean selbst mit aller Kraft auf den blutigen Strand; Stille folgte, dann ein erneutes Krachen, diesmal schon weiter entfernt. Danach herrschte Stille.

  Aus dem Nebel, nur wenig außerhalb unseres Gesichtskreises, ertönte das Lachen einer Frau. Ein langanhaltendes, leises, unvorstellbar böses Lachen! Es klang wie süße, verführerische Musik, doch gleichzeitig ließ es mir das Blut in den Adern gefrieren!

  Lachen - sonst nichts. Und doch klang nur allzu deutlich das Wissen um etwas heraus... etwas, das wir zu jenem Zeitpunkt nicht wissen noch ahnen konnten; etwas, das wir unbedingt kennen sollten, doch das uns vorenthalten blieb. Wir schauten Myrdhinn an. Er schüttelte wortlos den Kopf.

  Irgendetwas war geschehen, ins Werk gesetzt von der Herrin des Sees, etwas, womit sie Myrdhinn die Beleidigungen heimzahlen wollte, womit sie Lanceloc (der, wie es hieß, mit ihr verwandt war) rächen, womit sie uns alle ins Verderben stürzen wollte. Doch was es war, das wusste keiner von uns.

  Wir gingen weiter, tiefer und tiefer ins Landesinnere, in den dichten Nebel hinein. Und noch lange hörten wir hinter uns jenes süße, melodiöse Lachen, das uns erschauern ließ.

  3. Der Schläfer und der Seher

 

 

  Ich will Dich, mein Kaiser, nicht langweilen mit dem, was wir in den darauffolgenden Tagen sagten und taten. Denn das ist nicht der Grund, warum ich dir schreibe. Ich will mich kurzfassen: Wir marschierten mehrere Nächte hintereinander durch Feindesland. Hier und da sammelten wir versprengte Nachzügler unserer Armee auf. Tagsüber hielten wir uns versteckt. Als unsere Gruppe wieder vierzig Mann stark war, konnten wir bei Tag weitermarschieren. Zweimal stießen wir unterwegs auf umherstreifende sächsische Banden. Unser Ziel war das im Westen gelegene Heimatland Arthurs, Lyonesse (gar oftmals hatte er den Wunsch geäußert, einmal in seinem Geburtsort Avalon, einem kleinen Dorf, beerdigt zu werden). Als wir uns dem Weiler näherten, strömten uns Flüchtlinge entgegen, in deren Gesichtern blankes Entsetzen stand. Sie flohen vor einer Gefahr, die viel schlimmer war als die Seeräuber - die See selbst! Wir erfuhren, dass am Vorabend jener blutigen Schlacht auf dem Felde von Camlan die furchtbare und stark bevölkerte Provinz Lyonesse im Meer versunken war!

  Sechzig Dörfer und Städte, darunter Arthurs Avalon, waren mit Mann und Maus bis zum Kirchturm im Meer ertrunken, und nichts erinnerte mehr an die Stelle, wo einst eine blühende Provinz gelegen hatte, als ein paar verstreute Hügelkuppen, die als kleine Inseln aus den gelben, trüben Fluten des Ozeans ragten.

  »Glaubst du, dass Vivienne dahintersteckt?«, fragte ich Myrdhinn.

  Er nickte, ohne ein Wort zu sagen, doch seine neun Barden antworteten mit Grabesstimme wie aus einem Mund: »Ja.«

  Wir eilten weiter durch einen dichten Wald und kamen bald zu einer Mulde, wo zurückflutendes Wasser das Unterholz mit Schlamm, Leichen, toten Pferden und Rindern gefüllt hatte. Überall trieben tote Fische mit aufgeplatzten Leibern: Unter Wasser mussten gewaltige Explosionen stattgefunden haben, während das Land versank.

  Myrdhinn, der ein bestimmtes Ziel im Auge zu haben schien, schritt voran; dahinter folgten die neun Barden; dann kam ich mit dem Pferd, das Arthurs Leichnam trug; seine Haut war ganz gelb, und er atmete nicht, aber sein Körper war warm und biegsam. Als letztes marschierten die Legionäre; sie hatten mich als Zenturio anerkannt, wenngleich nur zwei von ihnen aus meiner Zenturie stammten; die übrigen waren mir gänzlich unbekannt.

  Wir durchquerten den Wald und kamen schließlich an einen riesigen grauen Felsen, eigentlich schon mehr einen Berg. Diesen Felsen erklommen wir und machten Rast.

  Lange saßen wir da und ließen den Blick über das versunkene, durch Hexerei und Bosheit hingemordete Land schweifen; wir sahen zu, wie die Flut wieder hereinkam und uns vom Festland abschnitt. Unterdessen hockte Myrdhinn ein wenig abseits und blickte in die Zukunft.

  Als die Ebbe kam, kehrten wir zu dem Wald zurück und ließen den Seher allein mit dem Schläfer. Wir schlugen unser Lager jenseits des Todeswaldes auf und warteten... drei Tage lang.

  Während der ganzen Zeit hing eine dicke schwarze Wolke, die weder aus Nebel noch aus Rauch bestand, über dem Gipfel des Felsens. Selbst der heftigste Wind vermochte sie nicht zu vertreiben. Und diejenigen unter uns, die über ein scharfes Gehör verfügten, behaupteten, Gemurmel in einer unbekannten Sprache zu vernehmen, das von jener schwarzen Wolke ausgehe. Desgleichen gaben sie vor zu hören, wie verschiedene und unsichtbare Wesen durch die Luft auf den Felsen zueilten und miteinander sprächen, während sie sich näherten.

  Was mich betrifft, so hörte ich nichts von alledem; ich war vielmehr der Ansicht, dass es nichts weiter war als das Rumoren vulkanischer Aktivität, die sich noch immer in der Nähe der versunkenen Provinz bemerkbar machte.

  Schließlich kam Myrdhinn zu uns zurück, und die Wolke verschwand wieder wie Arthurs Ruhm und die Würde seiner Herrschaft. Wo er zur Ruhe gebettet war Caliburn, sein berühmtes Schwert, fest im Griff -, wollte Myrdhinn nicht verraten. Das einzige, was wir ihm zu entlocken vermochten, war, dass er an einem sicheren Ort ruhe, wo kein Mensch ihn finden und wo er bleiben könne, bis es Zeit sei, ihn wieder zu erwecken.

  Sei nicht besorgt um Britanniens Held, oh, mein Kaiser! Ich habe die feste Zusage von Myrdhinn dem Weisen, dass Arthur eines Tages auferstehen wird! Es wird einen gewaltigen Krieg geben, und alle Stämme, denen auch nur ein Tropfen britisches Blut durch die Adern rollt, werden daran teilnehmen. Dann wird Arthur erwachen und sich zu erkennen geben. Mit Caliburn in der Faust wird er ein blutiges Gemetzel in den Ländern der Feinde Britanniens anrichten. Dann wird es nie mehr Krieg geben, und Friede wird für alle Zeiten auf der Erde herrschen!

  Dies sagte uns Myrdhinn. Und weiter berichtete er uns, dass er dies in immerwährenden Lettern auf Kymrisch, Oghamisch und Lateinisch an die Wände von Arthurs Grabkammer geschrieben und den Eingang zu jener Kammer mit einem Felsblock versiegelt habe, auf welchem geschrieben stehe:

 

Hier ruht Arthur. König einst und König der Zukunft.

 

  Sei jedoch, oh, Kaiser (sollte Britannien inzwischen wieder von römischen Legionen beansprucht werden), gewarnt, auf dass die Soldateska nicht in Versuchung gerät, nach jenem geheimen Ort zu forschen und ihn zu betreten. Myrdhinn hat Wächter aufgestellt. Arthur kann und darf nicht vor der Zeit geweckt werden! Die Hüter seiner Ruhe werden dafür Sorge tragen. Es sind keine menschlichen Wesen, sie ruhen nicht und bedürfen nicht des Schlafs, sie essen und trinken nicht, sie ermüden, vergessen oder sterben nicht! Sie sind da, um aufzupassen, dass niemand dem Eingang der Grabstätte zu nahekommt. Sei daher auf der Hut! Sie sind gefährlich, und sie werden - wie Myrdhinn es ihnen befahl -warten, bis Arthur erwacht, und wenn es tausend oder zweitausend Jahre dauern sollte. Ich weiß es nicht, und es geht uns auch nichts an. Sie sind da, die Wächter...  die Hüter!

  Am darauffolgenden Morgen brachen wir wieder auf. Wir marschierten entlang der Küste in westlicher Richtung, und nach einiger Zeit kamen wir zum Ende des Landes, hinter dem sich nur noch der endlose Ozean erstreckte. Hier lag am Rande

einer hohen, rauen Klippe ein riesiger Felsblock. Er war so geschickt ausbalanciert, dass man ihn mit der bloßen Hand hin und her bewegen konnte. Doch hätten ihn nicht einmal mehrere Ochsen von der Stelle bewegen können -obwohl man ihn mit einer Hebelstange hätte entfernen können.

  Myrdhinn zog aus seinem Gewand eine schon präparierte bronzene Platte hervor und beschrieb sie mit einem kurzen Bericht über alles, was er getan hatte, mit den Instruktionen, wie man in Arthurs Grabkammer gelangen konnte, sowie einer Warnung für Unvorsichtige.

  Wieder ließen wir ihn allein. Und erneut sahen wir, wie sich die große schwarze Wolke zusammenballte, und aus der Ferne wurden wir Zeugen eines großen, schwer zu erklärenden Wunders: Der massive, schwere Felsen erhob sich in die Lüfte und blieb dort schwebend in Mannshöhe stehen!

  Diese Arbeit, für die es die Kräfte eines Titanen bedurfte, geschah völlig lautlos und scheinbar mit größter Leichtigkeit. Myrdhinn hatte den Felsen kaum berührt, und schon hob er sich in die Lüfte!

  Er kniete nieder und legte die bronzene Platte auf die Erde. Dann senkte sich der schwebende Felsblock darüber und begrub sie unter sich - und dort wird sie sicher ruhen, bis die Zeit gekommen ist.

  Als Myrdhinn zu uns zurückkam, sprach er: »Wenn der Augenblick für Arthurs Erwachen gekommen ist, dann wird die Erde erbeben, der Felsblock die Klippe hinunterstürzen und Lyonesse sich aus den Fluten des Meeres erheben. Dann werden Männer kommen, die bronzene Platte mit meinen Worten finden, sie lesen, verstehen und gehorchen. Und wenn das versunkene Land wieder fruchtbar genug ist, dass im Frühling die Apfelbäume in Avalon blühen, werden die Männer seine Schlafstätte betreten und ihn ohne Furcht vor den Wächtern wecken... und die Ära des Weltfriedens nimmt ihren Anfang.«

  Mein Kaiser, Du magst dies für phantastisch halten, doch nicht den geringsten Zweifel an ihrer Richtigkeit haben. Es mag Dir vielleicht vorkommen, als sei Myrdhinn ein Zauberer und Hexer, und ich kann nicht bestreiten, dass er sich manchmal der Magie bediente, wie Du noch sehen wirst Aber er hatte auch große Furcht davor. Sein christlicher Glaube kämpfte in ihm mit seinen Kenntnissen, die er als Druide besaß, und immer hatte er das Gefühl, er riskiere es, dereinst im Höllenfeuer zu schmoren, wenn er sich der Schwarzen Kunst bediene.

  Er war Erbe aller längst verlorenen alten Lehren, und ein großer Teil seiner Zauberei bestand aus wundersam anmutenden Tricks, für die es ganz natürliche Erklärungen gab. Aber die grundlegenden Umstände, die sie erst möglich machten, blieben dem Pöbel verborgen. Die Welt ist grau und ehrwürdig an Jahren, und es gibt vieles, dass sie vergessen hat.

 

  Nun, da unsere Mission erfüllt war, mussten wir an unser eigenes Wohlergehen denken. Und so hielten wir eine Versammlung ab, um über unsere Zukunft zu beraten, und stellten fest, dass wir unterschiedlicher Meinung waren.