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Ein spannender Deutschland-Krimi. Zora und Vincent Jedermann führen eine glückliche Ehe. Beide arbeiten für den BND, ohne das vom anderen zu wissen. Erst, als ein Maulwurf im System auftaucht, der Verdacht auf Zora fällt und sie verhaftet wird, kommt dies ans Licht. Jedoch gelingt ihr auf wundersame Weise eine waghalsige Flucht. Als auch noch Auftragskiller auftauchen, die zusätzlich zu den Beamten des BND hinter Zora her sind, wird die Sache noch komplizierter. Wem kann Zora noch trauen? Und vor allem - wer ist der echte Maulwurf? Ist es einer ihrer Kollegen? Ein Vorgesetzter? Vincent? Oder doch Zora?
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Seitenzahl: 207
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Hannah Opitz
Ein Maulwurf im System
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
1. Ein Maulwurf im System
2. Das Verhör
3. Flüchten will gelernt sein
4. Wie man untertaucht
5. Das Killerkommando
6. Wohin?
7. Verschwunden!
8. Der Fremde neben ihr
9. Flucht
10. Was jetzt?
11. Paris, Paris
12. Wen die Schuld plagt
13. Ein Unglück kommt selten allein
14. Glück im Unglück
15. Eine schreckliche Enthüllung
16. Rettung
Epilog
Impressum neobooks
„Letztendlich wollen wir doch alle nur das Gute. Die Frage ist nur, was wir als das Gute definieren.“
Hinweis: Die Figuren und Handlungen in diesem Buch sind frei erfunden. Abweichungen von der Realität sind folglich durchaus möglich.
3. Dezember, 18:04, bei Frankfurt
Es gab einen Stau auf der A3 Frankfurt Richtung Köln. Sobald man aus Frankfurt herauskam, stockte der Verkehr. Feierabend. Nicht weiter ungewöhnlich. Die Autos standen fast schon Stoßstange an Stoßstange.
Zwischen zwei großen, grauen SUVs und neben einem blauen Fiat und einem schwarzen Audi stand in der ganz rechten Spur ein kleiner, quietschgelber Corsa. Die Fahrerin des Corsas war Anfang 30 mit braunen Haaren, die sie in einem Zopf zusammengebunden hatte. Ihre braunen Augen blickten durch das geöffnete Fenster der Fahrertür genervt nach oben, wo ein Helikopter gerade lautstark über den Stau hinweg flog.
Von hier oben konnte man zweifelsfrei bereits den Grund für den Stau sehen, den die Autofahrer nur durch das Radio hören konnten. Es hatte einen nicht allzu dramatischen Unfall gegeben und die Aufräumarbeiten waren fast abgeschlossen.
„Schon wieder so ein dummer Unfall!“, bemerkte der einzige Fluggast des Hubschraubers. „Tja, Chef, es kann halt nicht jeder so ein guter Autofahrer sein wie Sie“, meinte der Pilot in sich hinein grinsend.
„Olpe, wie meinen Sie das?“, wollte sein Chef wissen. „Nun – nicht jeder kann, wenn er keine Lust auf Stau hat, mit dem Helikopter anstatt mit dem Auto nach Hause kommen“, erklärte Olpe. „Aber Robert, ich fahre doch auch mit dem Auto nach Hause – apropos – wir können ruhig etwas langsamer machen, ich habe gerade das Auto meiner Frau entdeckt!“, erklärte sein Chef.
Robert lachte. „Woher wissen Sie denn, welches Auto das Ihrer Frau ist?“, wollte er wissen. Ein Grinsen überflog das von Arbeit gezeichnete Gesicht seines Chefs. „Ein gelber Fleck im dunklen Automeer ist schwer zu übersehen“, erklärte er. Olpe lachte.
„Chef, wann feiern Sie eigentlich ihren 40.?“, hakte er, das Tempo bereits gedrosselt, nach. Sein Chef seufzte. „Olpe!“, meinte er ermahnend, „Das entscheide ich, wenn ich 40 bin. Bis dahin ist aber noch viel Zeit.“ „Wenn drei Monate viel für Sie sind“, erwiderte Olpe achselzuckend und konzentrierte sich wieder aufs Fliegen.
Bald hatten sie die große Wiese, die sich als Landeplatz bestens eignete, erreicht. Nach der Landung verabschiedete sich Olpes Chef noch von ihm. „Auf Wiedersehen, Herr Jedermann!“, sagte Olpe noch winkend. „Tschüss, Herr Olpe, bis morgen!“, erwiderte Jedermann und winkte Olpe hinterher, wie dieser sich wieder in die Luft erhob.
Seufzend schloss Vincent Jedermann seinen grauen Mercedes auf und setzte sich ans Steuer. Seinen Aktenkoffer, der gut gesichert war, legte er auf den Beifahrersitz. Dann fuhr er los.
Etwa eine Viertelstunde später, nachdem Vincent sein Haus erreicht hatte, konnte seine Frau, die Fahrerin des quietschgelben Corsas, Zora Jedermann, ihre Autobahnausfahrt erkennen. „Endlich!“, dachte sie seufzend. Sie bereute es schon jetzt, nicht Egons Angebot angenommen zu haben, sie direkt von Berlin aus nach Hause zu fliegen. Das wäre mit den Parkgebühren am Flughafen aber auch zu teuer geworden, rief sie sich wieder in den Sinn.
Seufzend drehte sie den Kopf und setzte den Blinker. Wenigstens hatte sie auf dem Bremsstreifen scheinbar freie Fahrt. Sie hatte sich aber zu früh gefreut, da sich hinter der Ausfahrtskurve bereits ein anderer Stau – aufgrund einer neuen Ampel – gebildet hatte. So dauerte es noch gut 20 Minuten, bis sie wieder zu Hause war.
Der Wagen ihres Mannes stand bereits in der Auffahrt. Verwundert hielt sie dahinter an. „Vincent ist heute aber früh da!“, stellte sie irritiert fest, „Stand er etwa nicht im Stau?“ Grübelnd richtete sie den Innenspiegel so, dass sie sich sehen konnte und löste ihren Pferdeschwanz. Sie schüttelte ihre Haare. Dann griff sie zu ihrer Handtasche, die auf dem Beifahrersitz lag, und tauschte ihr Haargummi gegen einen Lippenstift aus. Sie malte sich ihre Lippen rot an, presste sie zusammen und deutete sich selbst gegenüber im Spiegel einen Kuss an.
Zora und Vincent hatten sich vor fünf Jahren in einer Bar in Spanien kennengelernt. Sie hatte dort einen Auftrag gehabt und er war wohl zum Urlaub dort gewesen. Vielleicht aber auch nicht. Genau genommen wusste sie nicht einmal, als was genau ihr Mann arbeitete, es hatte wohl nur etwas mit Medien zu tun, wenn sie das richtig verstanden hatte. Überhaupt sprachen sie eigentlich nie über ihre Arbeit.
Seufzend stieß Zora die Autotür auf, griff nach ihrer Handtasche und stieg aus. Sie schloss ihr Auto ab und ging zur Haustür. Erst wollte sie nach ihrem Schlüssel in ihrer Handtasche graben, doch dann fiel ihr ein, dass Vincent ja da war und vermutlich nicht abgeschlossen hatte. Sie sollte recht behalten, die Tür war offen.
„Schatz?“, fragte sie, besorgt, ihr Liebster wäre verhungert, „Liebling, ich bin da!“ „Hi!“, sagte Vincent, als er aus der Küche heraustrat, „Du kommst gerade rechtzeitig! Das Essen ist fertig!“ „Was denn? Du hast gekocht?“, fragte Zora irritiert. Das hatte er in vier Jahren Ehe noch nie getan.
Sie betraten die Küche. Es roch köstlich. „Mh, was ist das?“, wollte Zora, den Geruch einsaugend, wissen. „Och, nichts Besonderes. Nur Spaghetti Bolognese, es musste ja schnell gehen“, meinte er abwehrend. „Na, dann tisch mal auf!“, forderte sie ihn lächelnd auf und ging ins Esszimmer.
„Wie war dein Tag so?“, fragte Vincent, als sie beim Essen waren. „Och, ganz gut. Egon und Willi haben sich etwas über mich lustig gemacht, weil ich eine Anweisung unseres Vorgesetzten falsch verstanden hatte, aber Luana hat mich verteidigt“, erzählte Zora, „und bei dir?“ „Alles so wie immer. Nichts Besonderes. Das ist halt der Nachteil an einem Bürojob“, erwiderte Vincent. Zora nickte nachdenklich. „Das schon. Du, sag mal – arbeitest du eigentlich nicht mehr in Frankfurt? Ich meine – wie konntest du bei dem Stau so früh hier sein?“, wollte sie wissen. „Nun, ich hatte früher aus und bin über die Dörfer gefahren – sozusagen“, erklärte er.
„Sag mal – wollen wir deine Kollegen eigentlich mal einladen? Ich würde sie schon gerne mal kennenlernen!“, schlug Vincent nach einer kurzen Pause vor. Zora stockte. „Öhm“, machte sie, fieberhaft überlegend, wie sie ihre Kollegen aus Berlin – Vincent dachte, sie arbeitete in Frankfurt – hierher verfrachten sollte. „Tja, weißt du“, sagte sie schließlich, „Egon hat irgendwie nie Zeit und Wilibald mit seinen fünf Kindern hat auch immer viel zu tun und Luana ist zu beschäftigt damit, sich einen Freund zu suchen.“
„Wilibald hat fünf Kinder?“, fragte Vincent fast schon entsetzt. „Ja“, sagte Zora nickend.
Nach einer Weile Schweigen fragte sie dann: „Was hältst du eigentlich von Kindern?“ „Ich? Meinst du jetzt allgemein oder“, er unterbrach sich und musterte sie forsch. „Das Oder“, antwortete sie. „Oh. Nun, ich denke, wir sind doch etwas zu alt dafür, oder?“, meinte er unsicher. „Du vielleicht, ich nicht“, murmelte Zora betrübt. „Hm? Was hast du gesagt?“, wollte er wissen. Scheinbar hatte er es nicht gehört.
„Ich bin satt“, sagte Zora und nahm ihren Teller, um ihn in die Spülmaschine zu stellen.
Sie ging heute sehr früh ins Bett.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte Vincent besorgt, als er sich neben sie legte. „Du willst wirklich keine Kinder?“, erwiderte sie als Antwort. Er musste kurz lachen. Dann meinte er: „Nun – jedenfalls nicht jetzt. Wir arbeiten Beide sehr lange und ich zumindest will nicht wegen einem Kind aufhören, zu arbeiten. Wer soll sich denn dann um die Kinder kümmern? Nein, ich denke einfach, es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt.“
„Es ist nie der richtige Zeitpunkt!“, erwiderte sie. Dann, nach einer kurzen Pause, fragte sie: „Aber – wenn ich nun doch plötzlich schwanger wäre – wie würdest du reagieren?“ Er überlegte etwas. Dann meinte er grinsend „Das lass mich entscheiden, wenn es so weit ist!“ und begann, sie mit Küssen zu überhäufen.
4. Dezember, 12:32, Berlin
„Und du hast es ihm echt nicht gesagt?“, fragte Luana fassungslos. „Ich bin mir ja noch gar nicht richtig sicher!“, protestierte Zora. Sie waren am Kaffeeautomaten.
„Aber – ich meine – es kam ihm gar nicht seltsam vor, dass du dich heute Morgen gleich nach dem Aufstehen übergeben musstest?“, erwiderte Luana vorwurfsvoll. „Das hat doch gar nichts zu heißen! Ich könnte mir ja auch einen Virus eingefangen haben! Das Essen, was die uns in diesem einen Lokal in Thailand vor zwei Wochen vorgesetzt haben, war jedenfalls nicht besonders gut für meinen Magen. Ich habe auch gehört, die sollen den Laden dicht gemacht haben!“, behauptete Zora. Luana schüttelte den Kopf, während sie darauf wartete, dass ihr Kaffee fertig wurde.
„Ich meine ja nur – du solltest ihm sagen, dass du den Verdacht hast, dass du schwanger bist“, meinte sie. „Ja, ich weiß“, erklärte Zora verzweifelt, als sie sich zu Egon und Wilibald an ihren Tisch in der Cafeteria setzten, „aber er wird sich bestimmt nicht darüber freuen.“ „Das kann man doch nie wissen! Vielleicht freut er sich ja!“, erwiderte Luana.
„Worüber redet ihr?“, wollten Egon und Willi fast gleichzeitig wissen. „Über meine Beziehung“, antwortete Zora knapp. „Oho. Apropos, Luana, warst du schon erfolgreich?“, fragte Egon, nur dezent spöttisch.
Luana warf ihm einen genervten Blick zu. „Nein, das war ein echter Idiot gestern Abend. Ich hatte so ein Gefühl, er hätte vielleicht ein paar kriminelle Kontakte, also habe ich ihn durch den Computer laufen lassen“, erzählte Luana und trank einen Schluck. „Und?“, fragte Zora neugierig. Luana nickte. „Internationaler Waffenhandel. Warum muss ich immer an solche Typen geraten?“, fragte sie verzweifelt.
13:05, Berlin, drei Etagen höher
„So, dann wären wir wohl vollständig. Rode, schließen Sie bitte die Tür. Das, was ich Ihnen zu sagen habe, darf diesen Raum nicht verlassen. Nicht vor morgen“, erklärte Vincents direkter Vorgesetzter, Yannick Tischler.
„Was gibt es denn so dringendes?“, fragte Vincent. „Uns wurde – vor ein paar Tagen – ein anonymer Hinweis gegeben, dass wir einen Maulwurf im System haben. Leider war der Verfasser des Schreibens – Schneider, zeigen Sie uns bitte kurz das Foto davon?“, bat Tischler ihren Technikexperten. Sofort wurde ein Foto des Zettels mit dem Hinweis an die Wand projiziert.
„Dieses Schreiben wurde unserem Direktor vor etwa zwei Tagen auf den Schreibtisch gelegt. Niemand weiß, wer es dort hingelegt hat. Es war plötzlich einfach da. Es wird vermutet, dass sich der Maulwurf hier bei uns befindet. Wie auf dem Zettel vermerkt ist: „Sie haben einen Maulwurf unter Ihnen. Berlin. Jeder könnte es sein.“
Wir vermuten, dass der Zettel von jemandem aus den Reihen derer stammt, für die der Maulwurf arbeitet. Vielleicht ist er jemandem auf den Schwanz getreten – um es mal bildlich auszudrücken.
Nun ja. Ich kann mir natürlich nicht einmal sicher sein, dass nicht einer von Ihnen für diese Terrororganisation arbeitet. Und Sie könnten freilich auch mich verdächtigen. Wir müssen jetzt einfach mal darauf vertrauen, dass dem nicht so ist. Wie auf dem Zettel steht – es könnte jeder sein.“
19:27, Haus der Jedermanns
Als Vincent heute nach Hause kam, war er bereits sichtlich angespannt.
„Alles in Ordnung bei dir?“, fragte Zora schließlich besorgt, als sie beim Abwasch waren, und schlang ihre Arme um ihn. Sie hatten schweigend gegessen „Ja, schon. Nein, eigentlich nicht“, antwortete er und stellte das Weinglas, das er gerade poliert hatte, beiseite. „Was ist denn passiert? Irgendetwas auf der Arbeit? Wurdest du gefeuert? Hat jemand dich geärgert? Erzähl mir doch endlich mal, was los ist!“, bat sie ihn verzweifelt und ließ ihn los.
„Es – ist – wegen der Arbeit, das stimmt. Aber ich darf dir nicht erzählen, was los ist!“, erklärte er seufzend und schaute aus dem Küchenfenster.
„Ich weiß doch nicht einmal, wo du arbeitest, wie könnte ich da etwas weitererzählen!“, erwiderte Zora leicht genervt. Vincent überlegte. „Du weißt es wirklich nicht, oder?“, fragte er misstrauisch. „Nein, ich weiß es nicht! Ich weiß nur, dass du mal gesagt hast, es habe etwas mit Medien zu tun. Keine Ahnung, was du so den ganzen Tag lang machst!“, erklärte sie, langsam wütend werdend.
„Nun gut“, sagte er schließlich, „es ist so – unser Chef hat uns heute Mittag erzählt, dass wir einen Maulwurf in der Firma haben. Und das beschäftigt einen halt.“ „Einen Maulwurf? Ich höre wohl nicht recht! So etwas sagt man doch sonst nur bei – Geheimdiensten und dergleichen!“, meinte Zora nachdenklich.
Vincent seufzte. „Ich – arbeite – gewissermaßen – bei – einer Sicherheitsfirma“, erklärte er nachdenklich. „Kenn ich die?“, wollte Zora sofort wissen. Das Ganze wurde ihr langsam fast schon unheimlich.
„Nein – ja, sie ist eigentlich sehr bekannt, aber wir dürfen nicht sagen, dass wir bei ihr arbeiten“, erklärte er sehr umständlich. „Aha“, machte Zora nur und musterte ihn misstrauisch. Vincent seufzte.
Dann überlegte er kurz und fragte dann: „Wo arbeitest du eigentlich? Das hast du mir schließlich auch nie erzählt!“ „Öhm – ich?“, sagte Zora überrascht.
Sie dachte scharf und fieberhaft nach. Was sollte sie sagen? Sie durfte ja nicht! Also meinte auch sie: „Nun – auch bei einer Sicherheitsfirma. Genau dieselben Bestimmungen wie deine. Schon seltsam, es ist fast, als arbeiteten wir im selben Verein! Nur, dass es bei uns meines Wissens nach keinen Maulwurf gibt.“ Vincent nickte nachdenklich.
„Ja, schon möglich. Es wird langsam spät, wir müssen morgen ja wieder früh aufstehen. Ich bin müde. Du nicht? Lass uns schlafen gehen“, meinte er schließlich gähnend und ging Richtung Bad.
Zora nickte und schaute noch mal kurz raus. Dann ließ sie die Rollläden runter. Das wurde ihr langsam echt unheimlich.
5.Dezember, 10:13, Berlin
„Und dein Mann glaubt echt, sie haben einen Maulwurf in der Firma?“, fragte Luana fasziniert, als sie am Kaffeeautomaten standen, um sich Nachschub zu holen. Sie waren noch immer nicht mit den Berichten von ihrem Einsatz von vor zwei Tagen fertig. Und Zora wusste noch immer nicht, wie sie die Tröte erklären sollte, die sie mitgenommen hatte.
„Ja, Mann! Stell dir mal vor, das würde bei uns passieren! Das wäre ja eine Katastrophe!“, meinte Zora kopfschüttelnd. „Ja, das wäre es“, stimmte Luana ihr zu.
„Vor allem – das Schlimme ist ja, dass sie nicht wissen, wer es ist! Es könnte ja praktisch jeder sein! Sogar er selbst! Aber mein Mann ein Maulwurf? Nein, das halte ich nicht für wahrscheinlich“, behauptete Zora. Luana nickte.
„Nach allem, was du so von ihm erzählst, halte ich das auch für unwahrscheinlich. Du könntest ihm ja deine Hilfe anbieten – ich meine ja nur – die Mittel dazu hätten wir ja schließlich“, schlug sie vor. „Ja, das schon, Aber er weiß ja nicht, dass ich hier arbeite“, erwiderte Zora betrübt. „Stimmt ja. Wir sollten das ja lieber niemandem erzählen“, sagte Luana mit einer leichten Ironie.
Zora seufzte. „Weshalb hat Tischler uns noch einmal um 11 in den großen Saal berufen?“, wollte sie dann auf dem Rückweg ins Büro wissen. „Wegen irgend so einer überwichtigen Sache. Kann wohl nicht bis morgen warten, das Problem. Hoffentlich haben wir keinen Maulwurf im System! Stimmt, die Vorstellung wäre schrecklich!“, meinte Luana.
11:02
„Wir haben Sie also heute Morgen alle hier zusammengerufen, um Ihnen eine schreckliche Neuigkeit mitzuteilen – wir haben Grund zur Annahme, dass wir einen Maulwurf im System haben.
Es könnte absolut jeder sein. Allerdings haben wir bereits einen konkreten Verdacht, den wir Ihnen aber leider – aufgrund von mangelndem Vertrauen – nicht mitteilen können.
Es könnte ja schließlich sein, dass wir dadurch den Schuldigen vorwarnen oder ihn aufatmen lassen. Wir verlangen von Ihnen, sehr geehrte Kollegen, vollstes Verständnis und Vertrauen darauf, dass wir den Maulwurf, der sich doch so sicher in unser System eingenistet hat, finden werden.
Hierbei sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass die Kollegen aus Mainz uns bei den Ermittlungen unterstützen werden. Vielen Dank!“, begann Yannick Tischler, einer von Zoras Vorgesetzten, die Lage zu erklären.
11:45
„Und? Was meinst du, wer ist es?“, fragte Luana neugierig, als sie wieder auf ihren Schreibtischstühlen im Büro saßen. Zora schaute sie erschrocken an. „Keine Ahnung! Ich hoffe aber doch sehr, dass es niemand von uns ist!“, erklärte sie beängstigt. Luana stand auf und lief ein paar Kreise.
„Also ich glaube ja, dass es Olliver aus der Versandabteilung ist. Der verhält sich momentan nämlich echt seltsam. So übertrieben vorsichtig“, meinte sie nachdenklich und setzte sich auf Zoras Schreibtisch.
„Das liegt daran, dass seine Frau ein Kind erwartet – zum ersten Mal – und er sich Sorgen um alles macht, was dem Kind später mal schaden könnte – auch, wenn es mit manchen Gegenständen wohl niemals in Berührung kommen wird... Erst recht nicht in dem Alter“, erwiderte Zora und wandte sich ihren Berichten zu.
„Hey Leute“, sagte Egon gerade und streckte seinen Kopf ins Büro rein, als Luana Zora ermahnte: „Aber bedenke doch! Es könnte jeder sein!“ „Ja, sogar Egon!“, meinte Zora grinsend mit einem Nicken in seine Richtung. „Ja, oder Willi“, erwiderte Egon lachend und zeigte auf Willi, der mit ihm zusammen das Büro betrat.
„Es könnte aber auch Luana sein – oder Zora...“, meinte Willi überlegend und musterte Zora, während er sich an seinen Schreibtisch setzte.
„Was? Was ist?“, fragte sie, als sie bemerkte, dass sein Blick nach zehn Sekunden noch immer auf ihr ruhte. „Ja, gell, es könnte auch Zora sein“, meinte nun auch Egon und stellte sich mit verschränkten Armen vor sie hin.
„Ey, kommt schon, Leute! Ihr wisst doch, dass ich es nicht bin!“, behauptete Zora. „Nun, wir hoffen es zumindest. Aber – hat Tischler nicht kurz in deine Richtung geblickt, als er meinte, sie hätten einen konkreten Verdacht?“, warf Egon ein und schaute sie scharf an. Auch Luana stand nun leicht nervös von Zoras Schreibtisch auf.
„Ach, kommt schon! Ich habe gehustet, das hat doch nichts zu bedeuten!“, sagte Zora, als sei das Unsinn. „Und wenn doch? Überleg doch mal – was, wenn du den Befehl von vor drei Tagen doch absichtlich falsch ausführen wolltest? Was, wenn du nur richtig gehandelt hattest, damit es uns nicht auffällt?“, kombinierte Egon.
„Ach, Egon! Lass doch den Unsinn! Leute, was ist denn mit eurem Vertrauen los? Ihr wisst doch, dass ich so etwas niemals tun könnte!“, protestierte Zora.
„Ja, schon. Aber wie kommt es dann, dass du vor uns allen wusstest, dass wir einen Maulwurf im System haben?“, erwiderte Luana misstrauisch.
„Was?! Aber – aber – das wusste ich doch gar nicht!“, protestierte Zora erneut.
„Hm. Das schon. Aber du hast darüber so gesprochen, als wäre es bei uns wohl auch schon zu spät. Und, als du sagtest, du könntest es dir bei deinem Mann nicht vorstellen, dass er so etwas tut, klang es doch sehr danach, als würdest du dich damit auskennen!“, erklärte Luana.
„Das ist doch Blödsinn! Leute, was ist denn los mit euch? Ich bin es nicht! Oh, warum glaubt ihr mir denn nicht?“, fragte Zora verzweifelt.
„Weil du einfach der perfekte Maulwurf wärst. Nicht hoch genug eingesetzt, damit es auffällt, nicht zu niedrigen Ranges, damit du unnütz bist. Du wärst echt der perfekte Maulwurf! Und – du kennst dich bestens mit Computern aus!“, behauptete Willi und stellte sich zu den anderen.
„Aha. Aber doch nur, weil ich Informatik studiert habe! Außerdem habe ich das Meiste doch eh wieder vergessen! Mal davon abgesehen – würden wir uns alle überhaupt nicht mit Computern auskennen – dann wären wir gar nicht erst eingestellt worden! Habt ihr das mit in eure Überlegungen einbezogen?“, warf Zora ein.
Ihr Team beobachtete sie nur misstrauisch. Sie seufzte. Dann kam ihr eine Art Erleuchtung.
„Moment mal! Ihr hofft doch, dass ich es bin! Ich meine, ihr hofft darauf, dass Tischler denkt, dass ich es bin, oder? So ist es doch, nicht wahr? Ja, natürlich doch!“, sagte sie triumphierend, „Weil ihr in Wirklichkeit die Maulwürfe seid! Natürlich seid ihr es alle zusammen! Ein Maulwurf kommt doch selten allein! Ja, klar, wieso ist mir das nicht schon früher aufgefallen?
Denkt ihr denn nicht, es würde mich verwundern, wenn ihr hinter meinem Rücken über mich tuschelt und sofort aufhört zu lachen, wenn ich dazu trete? Denkt ihr ernsthaft, mir wäre euer wandelndes Verhalten in den letzten Tagen mir gegenüber nicht aufgefallen?
Ha! Ihr habt doch nicht wirklich geglaubt, es würde mich nicht stutzig machen, dass ihr nicht mehr wolltet, dass ich so viele Einsätze übernehme?“
„Das war, weil wir geahnt haben, dass du schwanger bist!“, verteidigte Willi ihr Verhalten.
„Was? Woher wollt ihr denn bitteschön wissen, dass ich schwanger bin?“, zickte Zora ihre Kollegen an. „Nun – genau daran. Du bist in letzter Zeit ziemlich zickig und außerdem ist dir ständig übel und du quatschst die gesamte Zeit nur von Kindern und streichelst dir unbewusst über den Bauch – nun, und Willi meinte, bei seiner Frau war das haargenau so, als sie mit dem ersten Kind schwanger war. Und mit dem zweiten. Und dem dritten.
Aber das tut jetzt nichts zur Sache. Wir wollten halt, dass du dich schonst. Aber jetzt, wo wir wissen, dass dieses Verhalten vermutlich daher kommt, dass du mit dieser Terrororganisation zusammenarbeitest...“, erklärte Luana.
„Ich arbeite nicht mit denen zusammen! Schönen Tag noch!“, schrie Zora wütend und rannte aus dem Büro hinaus.
Sie konnte es einfach nicht fassen. Wieso waren ihre Kollegen so besessen davon, dass ausgerechnet sie der Maulwurf war?
Verzweifelt sperrte sie sich auf der Toilette ein – wobei sie sich gleich schon wieder übergeben musste – und heulte sich erst einmal aus.
Dann kehrte sie zu ihrem Schreibtisch zurück. Die Stimmung hatte sich derweil etwas beruhigt, aber niemand sprach mehr ein Wort mit den anderen, aus Angst, selbst als Maulwurf dargestellt zu werden, oder, dass einer der anderen sich doch als Maulwurf entpuppte.
18:37, Haus der Jedermanns
„Hallo Liebling, wie war dein Tag?“, fragte Vincent, als er nach Hause kam und küsste Zora, die gerade dabei war, den Eintopf noch einmal umzurühren, in den Nacken. Sie drehte sich um und umarmte ihn weinend.
„Alles in Ordnung? Was ist denn passiert? Schatz, warum bist du denn so aufgelöst?“, fragte Vincent besorgt und wischte ihr die Tränen aus dem Gesicht.
„Ach, Vincent! Es ist ja so schrecklich! Wie sich herausgestellt hat, gibt es nicht nur in deiner Firma einen Maulwurf, sondern auch in meiner! Und – Luana, Egon und Wilibald glauben, dass ich das bin!“, schluchzte sie und fiel ihm erneut in die Arme. Er hielt sie fest und lehnte seinen Kopf an ihren.
„Wie kommen die denn auf die Idee? Du ein Maulwurf? Ich dachte, ihr wärt so gute Freunde?“, fragte er verwirrt und küsste sie auf die Stirn.
Sie weinte und zitterte. „Ja, das dachte ich auch. Aber scheinbar ist unsere Freundschaft nicht stark genug, dass sie diesem Verdacht standhält. Ich glaube, ich bitte unseren Chef um eine Versetzung“, meinte sie verbittert und kuschelte sich an ihren Mann ran.
„Versetzung? Wohin denn?“, fragte ihr Mann irritiert. „Ähm... Mainz?“, meinte Zora leicht irritiert. „Naja, ist eigentlich auch ein wenig näher als Frankfurt... Aber – wieso habt ihr eine Zweigstelle in Mainz und in Frankfurt?“, hakte er irritiert und misstrauisch geworden nach.
„Ähm... Tja, weißt du, das ist so eine Sache... Weißt du, eigentlich – eigentlich arbeite ich gar nicht in Frankfurt, sondern...“, Zora überlegte und starrte die Gürtelschnalle ihres Mannes an. „Sondern wo?“, hakte er misstrauisch nach. „In – in Berlin“, erklärte sie letztlich seufzend.
„Berlin? Wie kommst du denn da jeden Tag so einfach hin?“, wollte er irritiert wissen. „Nun – ich fahre mit dem Auto nach Frankfurt zum Flughafen und fliege dann nach Berlin. So lange dauert das nicht, mit dem Flieger etwas mehr als eine Stunde“, meinte sie achselzuckend.
Er überlegte. „Tja, weißt du... die Sache ist so... ich arbeite nämlich auch in Wirklichkeit in Berlin. Allerdings habe ich bereits vor Wochen eine Versetzung nach Mainz gefordert... Echt ein seltsamer Zufall, meinst du nicht?“, stellte er nachdenklich fest und musterte seine Frau.
„Mh, ja, kann sein“, meinte sie und kuschelte sich wieder mit geschlossenen Augen an ihn ran.
So standen sie erst einmal eine Weile da, während ihm nur eine einzige Frage durch den Kopf ging: Arbeitete seine Frau etwa auch für denselben Nachrichtendienst wie er? Möglich war es schon – aber – Zora beim BND? Nein, das konnte er sich nicht vorstellen.
Und doch – es war immerhin möglich, dass sie damals, als sie sich kennengelernt hatten, Teil des Einsatzes war, den er geleitet hatte. Er hatte sowieso viel zu wenig Kontakt mit den „normalen“ Agenten. Außer Olpe kannte er niemanden persönlich, und den würde er mit nach Mainz nehmen.
18:43, vor dem Haus
„Einsatzzentrale hier. Sind alle Einsatzkräfte bereit?“ „Team 1 bereit.“ „Team 2 hier, haben keine freie Sicht auf Verdächtige, Team 3, was geht vor?“ „Weiß nicht, Verdächtige spricht mit Mann, umarmen sich.“ „OK, danke Team 3. Team 2 bereit.“ „Team 3 bereit.“ „Zugriff!“
