Tante Daffis Haus - Hannah Opitz - E-Book

Tante Daffis Haus E-Book

Hannah Opitz

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Beschreibung

Wer Lust auf einen Fantasy-Roman mal ganz anders hat, liegt mit diesem Buch goldrichtig! Clema Malis ist auf den ersten Blick betrachtet ein ganz normaler Mensch. Sie erbt eine Menge Geld von ihrer verstorbenen Tante Daphne - einer Hexe. Die einzige Bedingung: Clema muss ein Jahr lang in Daphnes Haus im Veilchenviertel wohnen, dann darf sie ihr Erbe - darunter das Haus - antreten. Doch im Veilchenviertel leben viele magische Geschöpfe - und Clema glaubt nicht an Magie. Aber damit nicht genug: Es treten mehr und mehr Probleme auf, aber Clema bekommt Hilfe bei ihren neuen Freunde und ihrem attraktiven Nachbarn, mit dem sie mehr verbindet, als sie zunächst ahnt...

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Seitenzahl: 371

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Hannah Opitz

Tante Daffis Haus

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Die Beerdigung

Tante Daffis Haus

Ein furchtbares Erwachen und ein unerwarteter Besuch

Unglaubwürdige, aber wahre Geschichten

Das Rattenproblem wird gelöst und ein Neues kommt auf

Der Bauunternehmer

Ein verletzter Wolf

Vollmond

Ein Rätsel folgt dem Nächsten

Clema darf nichts mitbekommen

Geburtstagsvorbereitungen 1: Kaljena

Geburtstagsvorbereitungen: Franklin

Geburtstagsvorbereitungen: Manissara

Geburtstagsüberraschung

Das Ritual

Besuch

Hexerei!

Der 27. Oktober

Halloween

Rätselhafter Besuch?

Weihnachten

Ein geheimer Plan

Silvesterfreuden

Neujahrserwachen

Drei Könige

Neumond: Traum oder real?

Die Prophezeiung

Ein Goldfisch namens Glory

Ein schwerer Verdacht und klare Gewissheit

Die Bitte

Der Vorgeschmack

Die blaue Blume

Ostern im Veilchenviertel

Die Bauschlacht

Uns bekommt ihr hier nicht weg!

Denkmalschutz

Wie man Tote erweckt

Abschied

Impressum neobooks

Die Beerdigung

Es ist alles eine Sache der Auslegung.

Der Wecker klingelte. Das tat er immer um diese Uhrzeit. Wann sollte er auch sonst klingeln? Murrend richtete Clema sich auf, schaute auf den Wecker und schaltete ihn aus. Anschließend legte sie sich wieder hin.

„Was war heute noch einmal für ein Tag?“, fragte sie sich. Doch dann fiel es ihr wieder ein: „Oh, nein! Es ist Montag! Schnell raus aus dem Bett! Die Arbeit wartet nicht!“

Schnell huschte sie unter die Dusche und rannte anschließend zum Frühstückstisch, um sich auf dem Weg zur Tür noch ein Brot zu schmieren. Eilend zog sie sich an. Schon war sie aus dem Haus, wo sich ihr Apartment befand. Suchend schaute sie sich nach ihrem Bus um.

„Na, toll!“, schimpfte sie, als sie ihn davonfahren sah, „Jetzt hab ich ihn schon wieder verpasst!“

Also rannte sie den ganzen Weg zur Arbeit, während sie ihr Brot auf aß. Endlich war sie in der Talstraße, wo sich der Firmensitz der Baufirma, für die sie arbeitete, befand, angekommen.

Schon flitzte sie durch die Drehtür in die Empfangshalle.

„Guten Morgen, Frau Malis, geht es Ihnen gut?“, wurde sie von der Empfangsdame begrüßt.

Clema lächelte und meinte: „Ja, Frau Scherer, mir geht es gut. Ist Post für mich angekommen?“

„Nein, aber die Post hat heute auch Verspätung, genau wie Sie. Aber, falls Etwas für Sie dabei sein sollte, werde ich Ihnen natürlich sofort Bescheid geben“, erklärte Frau Scherer.

Lächelnd wandte sich Clema von ihr ab und ging zum Aufzug, der gerade seine Türen auf machte. Sie erwischte ihn gerade noch so.

„Erster Stock: Bauamt“, sagte die Stimme aus dem Lautsprecher im Fahrstuhl. Die Türen öffneten sich, und einige Leute stiegen aus. Das ging dann so eine Weile weiter, bis zum sechsten Stock. „Sechster Stock: Firmensitz“, sagte die Stimme aus dem Lautsprecher erneut. Die Aufzugtüren öffneten sich und Clema stieg aus. Nun stand sie in einem langen Gang, der von lauter Büros mit Glaswänden geschmückt war.

„Frau Malis, Sie zu so später Stunde noch hier anzutreffen ist wirklich erstaunlich!“, scherzte ihr Chef, allerdings ironisch gemeint.

Clema entschuldigte sich: „Es tut mir Leid, Herr Folg, aber ich habe meinen Bus verpasst, und“

„Warum Sie so spät sind, interessiert mich nicht! Es interessiert mich nur, dass Sie zu spät sind, und zwar nicht zum ersten, nein, auch nicht zum zweiten, geschweige denn zum dritten Mal! Darf ich Sie daran erinnern, dass Sie bereits acht Mal zu spät gekommen sind, einschließlich diesen Males sogar neunmal! Was denken Sie sich eigentlich, wie gut es unserer Firma tun würde, wenn das hier jeder tun würde!“, unterbrach ihr Chef sie.

Clema wurde etwas wütend und entgegnete trotzig: „Wenn Sie mich noch weiter davon abhalten, meine Arbeit zu tun, wird Ihnen die Firma sicher dankbar sein, oder nicht?!“

Nun war er ruhig.

Mit einem Lächeln auf dem Mund ging sie den Gang weiter entlang in die Richtung, wo ihr Büro lag.

„Das wird noch so seine Konsequenzen haben, Frau Malis!“, rief ihr direkter Vorgesetzter, Herr Folg, ihr nach.

Sie verdrehte nur die Augen, ohne auf ihn zu achten.

Kaum war sie in ihrem Büro angekommen, setzte sie sich, wie jeden Arbeitstag, an ihren Computer und begann zu arbeiten.

Nur wenige Minuten später klopfte es an ihre Tür.

„Herein!“, rief sie.

Frau Scherer trat in ihr Büro und sagte: „Da ist gerade ein Brief für Sie angekommen, Frau Malis.“

Während sie ihren Kaffee, den sie sich gerade frisch gemacht hatte, austrank, machte sie Frau Scherer ein Zeichen, dass jene ihr den Brief geben sollte. Nachdem sie ihr den Brief gegeben hatte, ging Frau Scherer auch wieder.

„Na, dann wollen wir mal sehen. Komisch: Absender: Beerdigungsinstitut Kaller. Wieso um alles in der Welt denn das?“, murmelte sie in sich hinein.

Dann öffnete sie den Brief mit ihrem Brieföffner, der neben ihrem Computer lag. Nun zog sie einen Zettel heraus. Es war ein Zeitungsausschnitt. Darauf stand: „Am 19. Juli verstarb Daphne Malis, Gott habe sie selig für immer. Die Beerdigung findet am Donnerstag, 23. Juli um 14:00 Uhr im Fardes-Friedhof statt. Wir bitten alle Angehörigen dort zu erscheinen, da es nach der Beerdigung zur Testamentseröffnung kommen wird. Beerdigungsinstitut Kaller.“

Nachdem Clema die Todesanzeige gelesen hatte, musste sie erst einmal nach Luft schnappen. „Oh Gott, Tante Daffi hat's jetzt auch erwischt!“, stieß sie hervor.

Jemand streckte seinen Kopf zur Tür herein. „Alles in Ordnung?“, fragte Herr Damm, der absolute Oberboss der Firma.

Clema nickte.

„Wenn Sie wollen, können Sie sich für den Rest der Woche frei nehmen“, bot er ihr an.

Sie meinte leise: „Ja, ich glaube, das wäre jetzt das Beste.“

Nun war es so weit. Am Morgen des Donnerstags dieser Woche machte sich Clema auf den Weg zum Fardes-Friedhof. Sie hatte ihr wunderschönes, schwarzes Kleid angezogen, welches sie erst am Tag zuvor gekauft hatte. Sie nahm sich ein Taxi, da sie nicht so recht wusste, wo sich dieser Friedhof befand.

„Zum Fardes-Friedhof, bitte“, befahl sie dem Taxifahrer.

Der Taxifahrer machte auf sie nicht wirklich einen guten Eindruck, aber sie hoffte, dass er wüsste, wo sie hin musste.

Das schien er wohl zu wissen, da er meinte: „Oh, Mann! Wissen Sie überhaupt, wo das liegt?“

Clema schüttelte den Kopf.

Der Taxifahrer nickte und sagte: „Dachte ich mir schon. Der Fardes-Friedhof liegt im Veilchenviertel. Man hat nicht oft Gäste, die da hin wollen.“

„Warum denn nicht?“, wollte Clema verunsichert wissen.

Der Taxifahrer lachte und meinte: „Mann! Sie wissen ja gar nichts! Die Leute dort sind etwas merkwürdig, geradezu hochnäsig. Außerdem sollen dort auch des Öfteren seltsame Dinge geschehen. Zumindest habe ich das gehört. Letztens, zum Beispiel, ist ein Pärchen bei mir eingestiegen, das war gerade durch die Veilchenallee im Veilchenviertel gerannt, so, als ob sie jemand durch die Gegend gehetzt hätte. Sie wollten dann nur noch so schnell und weit weg, wie nur möglich. Ich sage Ihnen, richtig unheimlich war das! Ach, und noch etwas: Ich werde Sie ganz sicher nicht weiter, als bis hier hin fahren.“

„Ja, toll! Und wie komme ich jetzt zum Friedhof?“, fragte Clema unbeholfen.

Der Taxifahrer deutete in eine Richtung und behauptete: „Wenn Sie das kurze Stück hier entlang runter gehen, dann rechts in die erste Straße einbiegen, weiter geradeaus gehen, bis sich die nächste Gelegenheit bietet, links abzubiegen, und sie dann links abbiegen, dann sind Sie schon so gut wie da. Sie müssen dann nur noch die Straße weiter entlanggehen, bis Sie zum Friedhofstor kommen. Den Rest müssten Sie eigentlich alleine finden. Ach, und ehe ich es vergesse: Warum wollten Sie noch einmal dahin?“

„Weil meine Tante heute beerdigt wird“, so die direkte Antwort von Clema, welche auch schon ausstieg. Sie winkte, als sie draußen war, dem Taxifahrer noch einmal zu und begann, die Straße entlang zu gehen. „OK, also wie war das noch einmal? Jetzt rechts und dann...?“, murmelte sie vor sich hin. Sie blickte sich hilfesuchend um. Da entdeckte sie einen Mann, der gerade sein Grundstück verließ.

„Hey, Sie!“, rief sie ihm zu.

Der Mann blickte sich verwirrt um, doch dann sah er sie und deutete auf sich.

„Ja, Sie meine ich!“, rief sie erneut und begann, eilig auf ihn zu zulaufen.

Er kam ihr zögernd entgegen.

„Wissen Sie, wo der Fardes-Friedhof ist?“, kam sie gleich zur Sache.

Der Mann nickte und meinte mit einer sehr attraktiven Stimme: „Wenn Sie dort hingehen wollen, dann kann ich sie auch begleiten, wenn sie möchten.“

„Ja, das wäre nett, ich kann mir Wegbeschreibungen nämlich nicht merken“, sagte Clema erleichtert.

Also begannen sie, die Rechtseinbiegung entlangzugehen. Sie musterte ihn. Er war gut gebaut und zudem sehr attraktiv. Seine Haare waren brünett und seine Augen besaßen das leuchtendste Türkisgrün, das man sich nur vorstellen konnte. Aber irgendetwas Geheimnisvolles ging von ihm aus, vielleicht lag es daran, dass er nichts sagte. Er trug einen durchschnittlichen Anzug, wie ihn ein ganz normaler Bürger eben besaß. „Ich weiß gar nicht, was der Taxifahrer damit meinte, dass die Leute hier seltsam seien und so“, dachte sie sich.

Plötzlich fragte er: „Glauben Sie an magische Wesen?“

„Was? Nein, nicht im Geringsten. Wieso?“, konterte sie sofort.

„Nur so“, antwortete er und schwieg weiter.

Auf einmal, als sie schon mehrere hundert Meter zurückgelegt hatten, bog er links ab. Zuerst war sie etwas verwirrt, aber dann tat sie es ihm gleich und konnte auch schon den Friedhof erkennen. Sie wunderte sich etwas, dass er nicht einen anderen Weg nahm, aber dennoch sagte sie nichts.

Interessiert blickte sie nach vorne, aber ihr Interesse verflog sogleich, da sie jemanden entdeckt hatte.

„Clema! Was machst du denn hier?“, rief ihr ihre Schwester entgegen.

Clema lief nun etwas schneller und rief im Laufen: „Daphne war eben auch meine Tante, nicht nur deine!“

„Stimmt. Mama, Bedro, Marlis und Schoa sind schon in der Kapelle. Wie geht es dir so, kleine Schwester?“, fragte die Frau.

„Ganz gut. Und dir, Frigi?“, kam die Gegenfrage.

Frigi antwortete: „Den Umständen entsprechend. Gehen wir rein?“

Clema nickte.

„Kommen Sie mit, Herr Deroll?“, fragte Frigi so attraktiv, wie möglich.

„Äh, ja, gleich“, sagte er zögerlich mit einem Blick auf eine Person, die in dem Schatten des nahe gelegenen Waldes stand.

Frigi verdrehte zu Clema hin die Augen und die zwei Frauen gingen in die Kapelle.

Herr Dellis Deroll, welcher sich gerade mit der Person im Schatten, welche übrigens Frau Clanin Deroll, seine Mutter, war, unterhielt, folgte samt Mutter nach nur wenigen Minuten.

Um 15:00 Uhr war die Gedenkfeier zu Ende. Nun ging die gesamte Gesellschaft, wobei dies wohl mindestens das halbe Veilchenviertel war, zur Beisetzung des Sarges von Daphne Malis.

Kurz, nachdem so ziemlich jeder ihr die letzte Ehre erwiesen hatte, wurde Clema von einem Mann angesprochen: „Frau Malis, erst einmal mein herzliches Beileid. Ich bin Rubert Cuuter, der Anwalt Ihrer Tante. Ich bitte Sie, sich nach den Feierlichkeiten bei mir dort drüben in der Kanzlei einzufinden. Das Selbe gilt natürlich ebenfalls für Ihre Schwestern und Ihren Bruder, sowie Ihre Mutter. Allerdings wurden Sie als Haupterbin eingesetzt, was auch der Grund ist, weshalb ich auf alle Fälle Sie dort bei mir haben möchte.“

Clema nickte.

Nach etwa einer halben Stunde war es dann so weit. Schweigend gingen Clema, ihre Mutter Salida, ihre Schwestern Marlis, Schoa und Frigi und nicht zu guter Letzt auch ihr Bruder Bedro zur Anwaltskanzlei.

Dort angekommen, wurden sie auch schon von Herrn Cuuter begrüßt: „Guten Tag, die Damen und der Herr! Bitte nehmen Sie doch Platz.“ Er deutete auf einen runden Tisch, um den sieben Stühle standen.

Clema nahm gegenüber des Anwalts Platz, links neben ihr setzte sich ihre Mutter hin und ihre Schwester Schoa rechts. Neben Schoa saß Bedro und neben ihm Frigi. Neben der Mutter saß Marlis. Der Anwalt begann, das Testament zu verlesen:

„Mein letzter Wille.

Meiner Schwester Salida vermache ich meine Halskette mit dem großen, roten Rubin, da sie mich immer um diese beneidete und sie gerne für sich haben wollte.“ Herr Cuuter gab Salida die Halskette. „Meiner Nichte Frigi vermache ich hunderttausend Euro, damit sie endlich aus ihrem Schuldenberg herausfindet.“ Nun überreichte er Frigi einen Kontoauszug, auf dem der Betrag zu lesen war, der sich nun auf ihrem Konto befand. Die Spannung stieg. „Meiner Nichte Schoa vermache ich meinen Spiegel, in dem sie sich schon so viele Male betrachtete und bewunderte.“ Er gab Schoa einen Handspiegel, der vollkommen mit Gold umrandet und mit kleinen Edelsteinen bestückt war und somit mehrere tausend Euro wert sein musste. „Meiner Nichte Marlis vermache ich meine Sammlung toter, ausgestopfter Tiere, damit sie neue Prunkstücke ihrer Sammlung zufügen kann. ... Ihre Sammlung befindet sich bereits in einem Umzugswagen, Frau Malis. Also, weiter: Meinem Neffen Bedro vermache ich meine gesamten Aktien, in der Hoffnung, dass er sie weise leiten wird.“ Herr Cuuter gab Bedro die Aktien.

„Was ist mit mir? Sagten Sie nicht, ich sei die Haupterbin?“, hakte Clema nach.

Der Anwalt nickte und fuhr fort: „Meiner Nichte Clema, die auch mein Patenkind ist, vermache ich mein ganzes, restliches Hab und Gut. ... Das war's.“

„Wie viel ist „mein ganzes Hab und Gut“?“, wollte Clema wissen.

Herr Cuuter lehnte sich kurz zurück und kratzte sich am Kopf. Es dauerte eine Weile, in der sich die Spannung auf den Höhepunkt zuspitzte, bis er meinte: „So grob über den Daumen: Das Haus, ihr Grundstück, ihre gesamten Konten, wobei das nicht gerade wenige sind, natürlich, was sich alles in dem Haus befindet, samt Personal, mehr fällt mir gerade nicht ein, aber das müsste alles so über eine Millionen sein.“

„Eine Millionen Euro?!“, war das Einzige, was aus Clema herauskam.

Doch da schlug sich der Anwalt vor den Kopf und rief: „Entschuldigung! Was rede ich denn da für einen Unsinn?! Nein, das waren gar keine Millionen, sondern über eine Milliarde!“

Jetzt wurde es still.

„Sie vermacht mir über eine Milliarde Euro, ohne irgendeinen Grund?“, fragte Clema noch einmal nach.

Der Anwalt überlegte kurz, dann meinte er zögerlich: „Naja, eins wäre da noch. In dem Testament steht auch, dass Sie Ihr Erbe erst antreten können, wenn Sie ein Jahr lang in ihrem Haus gewohnt haben. Ansonsten wird der gesamte Besitz an die Nachbarschaft gespendet, der Hauptteil an Dellis Deroll, wobei dessen Familie sowieso schon reich genug ist. Also, nehmen Sie das Erbe an? Sie müssen sich nicht sofort entscheiden, schlafen Sie eine Nacht drüber und dann kommen Sie wieder. Hier ist meine Telefonnummer, rufen Sie mich an, wenn Sie sich sicher sind, ich“

„Ich habe mich schon entschieden“, unterbrach Clema ihn.

Verwundert ruhten alle Blicke auf ihr.

„Und?“, wollte er wissen.

„Ich werde das Erbe antreten“, sagte sie entschlossen.

Nur wenige Minuten, nachdem ihr Beschluss feststand, war die gesamte Familie wieder außerhalb der Kanzlei.

„Na, toll. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wo Tante Daffis Haus ist“, beschwerte Clema sich laut.

Ihre Mutter kam auf sie zu und meinte: „Ich weiß, wo es ist. Dort drüben ist auch eine gute Abkürzung.“ Salida deutete auf einen Weg, der am Rand des Friedhofs quasi den halben Block durchtrennte.

„OK, Mama, ich gehe da lang. Aber nur, wenn du mitgehst. Falls du nämlich Augen im Kopf hast, würdest du erkennen, dass es dort erstens ziemlich dunkel ist, und zweitens sich da auch noch ein Wald befindet und man weiß nie, welche dunklen Kreaturen sich dort herumtreiben.“

„Wenn das so ist, dann werde ich dich selbstverständlich begleiten!“, erwiderte ihre Mutter. Schon gingen die Beiden dem Weg rechts neben dem Friedhof entgegen.

Als sie links in den Weg einbogen, spürte Clema gleich, dass etwas seltsam war. Sie waren schon etwa zwanzig bis dreißig Meter weit gelaufen, als sie hinter sich ein merkwürdiges Geräusch hörten. Schnell drehten die Zwei sich um. Sie sahen niemanden. Da plötzlich kam es wieder, diesmal von der anderen Seite.

„Ihr könnt mir nicht entkommen!“, rief eine gruselig schallende Stimme.

Kurz darauf sahen sie, wer ihnen da so viel Angst einjagte: Es war ein großer, schlanker Mann, der sehr kurze Haare hatte. Die Haarfarbe konnte man nicht erkennen. Dafür aber seine spitzen, langen Fangzähne, die in den letzten Sonnenstrahlen das Licht hell reflektierten, nicht zu schweigen von seinen roten Augen, die ihnen einen lodernden Blick zuwarfen. Die Pupille war schwarz, aber die Iris dunkelrot und das, was für gewöhnlich weiß war, war blutrot.

Er fauchte ihnen entgegen und schrie: „Seit Tagen habe ich nichts mehr gegessen! Schön, endlich mal wieder Frischfleisch zu sehen!“ Darauf folgte eine irrsinnige Lache.

Salidas Augen glühten plötzlich ebenfalls rot auf und ihre Eckzähne schossen rasend schnell in die Länge. Auch sie fauchte, allerdings nicht ihre Tochter, sondern den anderen Vampir an.

„Oh, welch Überraschung! Ein Vampir beschützt einen Menschen, das wird der Frau trotzdem nichts nützen, da ich sie früher oder später eh zu fassen bekomme!“, rief er grinsend. Dann fing er an, mit einem enormen Tempo auf sie zu zurasen.

„Tut mir Leid, Schatz, aber ich kann dich bei so einem wahnsinnigen Tempo überhaupt nicht vor ihm beschützen“, entschuldigte sich die Mutter leise bei ihrer Tochter und ging aus der Schussbahn.

Gerade, als er nur noch einen Meter von ihr entfernt war, stürzte ein Wolf aus dem Wald und brachte den rasenden Vampir zu Fall.

„Geht schnell zum Grundstück! Dort seid ihr sicher! Ich halte ihn so lange in Schach!“, rief der Wolf ihnen zu.

So schnell sie konnten, rannten Clema und ihre Mutter den Weg entlang.

„Schnell“, machte jemand auf sich aufmerksam, „hier her!“

Clema und ihre Mutter rannten links herum zum nächsten Haus, wo eine ältere Frau sie schon erwartete.

Währenddessen hatte sich der Blutsauger befreit und der Wolf war verschwunden. An seiner Stelle stand jetzt dort ein Mensch.

„Ach“, triumphierte der Vampir, „dann bist du also gar kein Wolf! Das trifft sich ja umso besser, wenn dieser Trank nur wenige Minuten anhält!“

„Was für ein Trank?“, wollte der Mann, welcher sich als Dellis Deroll herausstellte, wissen.

„Du bist nur ein einfacher, wehrloser Mensch! Da habe ich es auch nicht so schwer, dich zu töten!“, lachte er.

„Freu dich lieber nicht zu früh!“, meinte Dellis und kratzte den Vampir mit einem Nagel seines Fingers, den er zwar dreckig, aber dennoch scharf und schnell ausfahren konnte, so, als sei er eine überdimensionale Kralle.

„Aua!“, schrie der Vampir, „Dieses Gesicht werde ich mir merken!“

„Das solltest du auch!“, entgegnete Dellis.

Schon war der Vampir verschwunden.

Erschöpft setzte er sich an den Zaun, der den Wald umgab.

„Sind Sie OK?“, fragte Clema, die gerade auf der anderen Seite des Zauns entlang rannte.

„Ja, mir geht es gut. Nur, könnten Sie mir vielleicht verraten, was das eben war?“, erwiderte er freundlich.

Clema zuckte mit den Achseln und meinte: „Wahrscheinlich irgendein Irrer.“ Allerdings wusste sie genau, dass es ein Vampir gewesen war.

Herr Deroll schwang sich über den Zaun auf die Waldseite und meinte: „Wenn Sie nichts dagegen haben, werde ich die Abkürzung von Ihrem Garten zu meinem Garten benutzen.“

„Wieso sollte ich etwas dagegen haben? Sie waren ja eben in äußerst großer Gefahr!“, sagte Clema lächelnd und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht.

Er lächelte ihr zu und ging schnurstracks zu seinem Garten.

Clema seufzte.

„Alles in Ordnung, bei dir?“, sorgte sich ihre Mutter.

Clema antwortete: „Ja, so weit schon. Ich möchte nur zu gerne wissen, wer dieser Vampir vorhin war und woher der Wolf kam, warum er reden konnte und vor allen Dingen, wohin er so plötzlich verschwunden ist.“

„Bei einer Sache kann ich dir helfen: Du weißt ja, und darauf bin ich nicht gerade stolz, dass ich dich als Kind oft benachteiligt habe. Das lag daran, dass ich ja vor Jahren von einem Vampir gebissen wurde und er ebenfalls der Vater von euch ist. Deine vier älteren Geschwister sind dabei ja ebenfalls Vampire geworden. Nur du, du bist keiner. Ich nehme an, du hast mich einfach nur an mich erinnert, so, wie ich war, bevor ich zum Vampir wurde. Meine Eltern hatten mich ebenfalls vernachlässigt und im Grunde genommen hat sich das gesamte Theater nun erneut wiederholt, aber das heißt nicht, dass ich deine Geschwister lieber habe! Na ja, was ich eigentlich sagen will, ist, dass dieser Vampir da vorhin, ich weiß nicht, wie ich dir das erklären soll, aber er ist, er ist, ach, verdammt nochmal, ich kann's einfach nicht!“, ratterte ihre Mutter runter.

Clema meinte nur: „Mama, du weißt, dass ich nicht an übersinnliche Kräfte und so glaube?“

„Ja, schon, es steht dir ja auch frei, ich wollte dir nur die Wahrheit sagen!“, erklärte die Mutter.

Clema behauptete: „OK, dann tschüss, ich denke, ich brauche dich jetzt nicht mehr.“

„Man sieht sich!“, rief ihre Mutter, während sie sich in Rauch auflöste, zur Fledermaus wurde und davon flog.

Clema winkte ihr noch eine geringe Zeit nach, dann meinte die Köchin, die die Frau war, die sie hereingelassen hatte: „Kommen Sie, Fräulein Malis, ich zeige Ihnen Ihr Schlafgemach!“

Kurze Zeit später waren sie auch schon in einem Schlafzimmer. Es lag nach hinten zum Wald hin, der sich ebenfalls auf dem Grundstück befand.

„Es ist ein schönes Zimmer. Fräulein Daphne hat immer dafür gesorgt, dass es hier sauber ist. Sie hat es extra für Sie einräumen lassen, kurz, bevor sie leider verstarb. Ich hoffe, es gefällt Ihnen. Wenn Sie irgendwelche Kleidungsstücke benötigen, Fräulein Daphne hat sich nach Ihrer Kleidungsgröße erkundigt und ist selbst losgefahren, Ihnen etwas zu kaufen. Ich hoffe, es ist alles zu Ihrem Wohlbefinden, Fräulein Malis.“, erklärte die Köchin.

„Ach, bitte, nennen Sie mich Clema“, bat sie.

Die Köchin sagte: „Wie Sie meinen, Fräulein Clema. Wenn Sie erlauben, werde ich mich jetzt zurückziehen.“

Clema nickte und die Köchin verschwand durch die Tür.

Sie warf einen Blick auf den großen Kleiderschrank, der gegenüber dem Bett an der Wand stand. Das Bett stand mit der Seite zum Fenster hin, welches offen war. Clema ging zum Fenster und schloss es. Aber kurz darauf ging es wieder auf! Sie seufzte und ging zum Kleiderschrank, um ihn zu öffnen. Die Türen gingen etwas schwerfällig auf, aber der Inhalt war ja auch bombastisch! Gefühlt an die fünfzig Kleider hingen in ihm drin. Zumindest in der ersten Reihe. Also dauerte es eine Weile, bis Clema ein geeignetes Nachthemd gefunden hatte. Es war vollkommen aus Seide und zudem etwas durchsichtig, aber wunderschön. Sie zog es an und fühlte sich wie eine Prinzessin. Da der Tag ein ziemlich langer gewesen war, dauerte es nicht lange, bis Sie einschlief.

Tante Daffis Haus

Clema wachte erst am Vormittag auf. Zuerst wusste sie nicht, wo sie war, aber dann fiel es ihr wieder ein: Sie war in Tante Daffis Haus. Getrieben vom Hunger stand sie auf. Schnell zog sie sich einen Morgenmantel über. Aber, wo gab es Frühstück? Zur Tür hin stolpernd, wäre sie beinahe über ihr Kleid, das sie gestern getragen hatte, gefallen, wobei sie sich gerade noch an einem Stück Stoff, welches an der Wand hing, festhalten konnte.

Nur wenige Sekunden später klopfte es.

„Herein!“, rief Clema.

Eine Frau, die höchstens zwanzig war, öffnete vorsichtig die Tür. „Sie haben geläutet, Fräulein Clema?“, fragte sie schüchtern.

Clema war etwas verwirrt, aber dann fing sie sich wieder und antwortete dann: „Ähm, ja. Wann und wo wird das Frühstück serviert?“

„Draußen, Fräulein Clema“, so das Zimmermädchen.

„Äh, gut. Ähm, könnten Sie mich dorthin begleiten?“, wollte Clema wissen.

„Gewiss doch, Fräulein Clema, wenn Sie das wünschen“, meinte das Zimmermädchen.

Clema nickte.

Das Zimmermädchen führte sie nun aus ihrem Zimmer links den Gang entlang, an vielen weiteren Türen entlang zu einer Treppe. Sie stiegen die Treppenstufen hinunter. Dann ging es erneut links herum. Nun konnte man schon die große Terrasse sehen, welche ziemlich nah am Nachbargrundstück lag. Das Zimmermädchen öffnete die Terrassentüren, um Clema durchzulassen. Wie sie nun durch die Türen trat, in ihrem seidenen Nachthemd und Morgenmantel, da fühlte sie sich wie eine Königin.

„Keine schlechte Aussicht!“, dachte sie sich, ihrem Nachbarn bei der Gartenarbeit zuschauend. Sie setzte sich.

Nur wenige Sekunden später kam die Köchin und brachte das Frühstück.

Clema begann zu frühstücken und ließ dabei ihren äußerst attraktiven Nachbarn nicht aus den Augen. Inzwischen hatte er das Hemd, welches er trug, schon durch geschwitzt und zog es aus. Clema musste einen Pfiff ausstoßen, da sich unter seinem Hemd nichts als Muskeln befanden. Erst jetzt bemerkte er, dass sie ihn die ganze Zeit beobachtet hatte.

„Na, gefällt Ihnen, was Sie sehen?“, fragte er sarkastisch.

Clema nickte zustimmend.

Er kam nun zum Zaun, welcher ihr Grundstück von seinem trennte. „Wissen Sie“, begann er, „wenn das hier mit uns funktionieren soll, dann sollten Sie mich nicht bei dem, was ich tue, beobachten! Habe ich mich klar und deutlich ausgedrückt?“

„Klar und deutlich!“, wiederholte Clema, wobei sie nicht im Traum daran denken würde, zu tun, was er von ihr verlangte.

Er seufzte, so, als hätte er verstanden, dass sie es trotzdem tun würde und meinte: „Falls ich Sie wiederholt dabei erwischen sollte, werde ich Ihnen die Nachbarschaftswache, unsere Bürgerwehr, auf den Hals hetzen! Haben Sie das verstanden?“

„Klar und deutlich!“, wiederholte sie sich.

Er verdrehte seine Augen und wandte sich von ihr ab.

„Ähm, hätten Sie vielleicht Lust, mir, quasi als Wiedergutmachung, Gesellschaft beim Frühstücken zu leisten?“, fragte sie ihn schnell.

Er blieb stehen und meinte wütend: „Damit Sie mich noch mehr anstarren können, oder was?! Außerdem bin ich keinesfalls Ihr Gesellschafter! Sehen Sie das endlich ein!“ Nun ging er wieder in sein Haus, ehe sie noch etwas sagen konnte.

„Köchin!“, rief Clema stattdessen.

Sofort kam die emsige Köchin herbei geeilt und wollte wissen: „Ist alles nach Ihrem Belieben, Fräulein Clema? Ich war mir nicht sicher, was Sie frühstücken wollten, also habe ich von allem etwas genommen.“

„Mit dem Frühstück ist alles in Ordnung. Nur, wie heißt du eigentlich?“, erwiderte Clema freundlich.

Die Köchin meinte verwirrt:„I-i-ich? Ach so, ja, natürlich, wie dumm von mir! Mein Name ist Kaljena Maleka und ich“

„Schon OK, das reicht. Mehr wollte ich gar nicht wissen. Gibt es hier ein Telefon?“, hakte Clema nach.

Die Köchin blickte erst noch verwirrter drein, zuckte dann aber mit den Achseln und entgegnete: „Tut mir Leid, Fräulein Clema, aber ich weiß ja nicht einmal, was das ist. Aber meine Tochter müsste das wissen, ich werde sie gleich rufen. Manissara! Kommst du mal kurz? Das gnädige Fräulein möchte wissen, ob wir ein Tolefen oder so Etwas haben.“

„Ein was? Mutter, ich hoffe doch sehr, dass du ein Telefon meinst, weil wir, soweit ich weiß, kein Tolefen haben“, erklärte das Zimmermädchen bestürzt, als es zu ihnen stieß.

„Ja, ich fragte ja auch nach einem Telefon“, meinte Clema laut.

Als die Köchin wieder in die Küche zurück ging, fragte sie: „Jetzt mal ehrlich, in welchem Jahrhundert leben wir hier eigentlich?“

„Im Einundzwanzigsten, schätze ich. Aber hier stand die Zeit während der letzten Jahrhunderte mehr oder weniger still. Warten Sie, ich werde das Telefon gleich holen. Aber ich warne Sie vor: Es ist in einem äußerst schlechten Zustand, Fräulein Clema“, antwortete das Zimmermädchen brav.

Sie ging dann auch sofort und kam kurz darauf mit dem Telefon wieder. Es war wirklich in einem äußerst schlechten Zustand. An seinem Hörer hingen lauter Spinnennetze, die man nur aufgrund ihrer Vielzahl und dem vielen Staub erkennen konnte und die Wählscheibe, es war ein Wählscheibentelefon, konnte man auch gar nicht mehr erkennen.

„Wann wurde das denn zum letzten Mal benutzt?“, hustete Clema vor lauter Staub hervor.

„Um genau zu sein, erstanden wir es, nachdem diese Art des Telefons erfunden wurde. Allerdings wurde es seither nicht mehr benutzt, Fräulein Clema“, erläuterte Manissara.

Clema meinte: „Gut, Manissara, wärst du so lieb und würdest es für mich abstauben?“

„Aber natürlich, Fräulein Clema“, gab sie lächelnd zurück und verschwand auch schon. Kurz darauf kam sie mit einem sauberen Telefon zurück.

„Warum“, begann Clema, „wurde mit diesem Telefon noch nie telefoniert? Habt ihr etwa keinen zum Anrufen?“

Das Zimmermädchen schmunzelte und meinte: „Doch, schon. Nur kommunizieren wir auf andere Art und Weise. Aber lassen Sie sich dadurch nicht einschüchtern, wir sind ja auch nur ganz normale – Menschen.“

Nun rief ihre Mutter nach ihr. Sie lächelte Clema entschuldigend an und ging.

Die Augen verdrehend begann Clema zu wählen. Nur wenige Sekunden später klingelte irgendwo im Bergviertel ein Telefon.

„Hier Malina Kalituso, wie kann ich Ihnen helfen?“, meldete sich eine Frau.

„Hallo, Mali, tut mir Leid, dich auf der Arbeit anzurufen, aber du wirst niemals erraten, was mir gestern passiert ist! Ich bin in der Veilchenallee. Bitte sag, dass du mal vorbei schaust!“, flehte Clema ihre Freundin an.

„OK, gibt’s dort wenigstens ein paar heiße Typen?“, hakte Malina nach.

Clema antwortete mit Nachdruck: „Oh, ja, wenn du meinen Nachbarn dazu zählst, auf alle Fälle! Nur leider sieht er das ein bisschen anders, also wird da wohl nichts draus.“

„Tja, schade. Du, ich muss Schluss machen, da kommt gerade ein Kunde. Man sieht sich!“

„Ja, tschüss, Malina“, Clema seufzte.

Es war nun schon einige Jahre her, als sie und Malina sich kennengelernt hatten. Sie war gerade mit Einkaufen beschäftigt gewesen, als sie in Malinas Geschäft hinein trat. Als sie dann an der Kasse stand und bezahlen wollte, fiel Malina auf, dass Clema ein Logo eines angesagten Sportvereins im Portemonnaie trug. Also hatte sie sie danach gefragt und dabei stellten sie fest, dass sie denselben Sportverein mochten und so ging das dann weiter, bis sie schließlich Freunde wurden.

Wie Clema so darüber nachdachte, wie das alles damals verlaufen war, bemerkte sie gar nicht, wie der Butler mehrmals versuchte, auf sich aufmerksam zu machen. Anfangs hüstelte er nur leicht. Dann begann er, sich laut zu räuspern und schließlich bekam er einen Hustenanfall, als sie ihn bemerkte.

„Ach du meine Güte! Geht es Ihnen gut?“, wollte Clema entsetzt wissen.

„Ja, ja, alles bestens! Ich wollte Ihnen nur das Haus zeigen, Fräulein Clema“, antwortete er, nachdem er sich beruhigt hatte.

„Das ist sehr freundlich von Ihnen. Wie hießen Sie doch gleich noch einmal?“, bedankte sich Clema.

„Franklin“, so die kurze Antwort.

Höflich hielt der scheinbar etwas ältere Butler ihr die Terrassentür auf. Hinter der Terrassentür befand sich ein kleiner Empfangsraum, in dem es nicht gerade sehr hell war.

„Warum ist es hier eigentlich so dunkel?“, fragte Clema.

Franklin antwortete: „Das liegt daran, dass nicht alle Hausbewohner die Helligkeit so gut verkraften, wie Sie, Fräulein Clema. Deshalb sind auch vor jedem Fenster Vorhänge, damit die Sonne nicht so stark hier herein scheint.“ Franklin öffnete die erste Tür links. „Hier befindet sich die Speisekammer. Allerdings müsste jene mal wieder aufgefüllt werden“, leierte er herunter.

„Wieso mal wieder? Die wurde bestimmt seit Jahren nicht mehr benutzt! Wovon bitteschön lebt denn hier das Hauspersonal?!“, stellte Clema fest, als sie einen Blick hinein wagte. Überall hingen Spinnweben und die Regale waren ganz verstaubt. „Oder wurde die etwa, genau, wie das Telefon überhaupt noch nie benutzt?“, vermutete sie weiter.

Franklin räusperte sich. Dann meinte er gelassen: „Ihre Tante stand mehr auf Frischkost, falls Sie verstehen, was ich meine.“

„Ja, schon, aber das Personal?“, ließ sie nicht locker.

„Das Personal...?“, begann Franklin zögernd, „Nun, wir ernähren uns von dem, was das Haus uns gibt.“

„Aha.“

Nun ging es weiter zur zweiten Tür links.

„Hier befindet sich eine der vier Toiletten, die Gästetoilette, um genau zu sein, Fräulein Clema“, sagte er.

Clema musste nicht lange warten, bis sie feststellte, dass auch jener Raum kaum benutzt war. Immerhin hatte der Raum eine Badewanne.

Nun ging es zur Küche, deren Tür befand sich nur einen Katzensprung von der Terrassentür entfernt. Das hatte zur Folge, dass die Küche sich entlang der Terrasse erstreckte, was aber nicht weiter schlimm war. Sie war bisher der einzige Raum, der halbwegs benutzt aussah. Von der Küche aus nach rechts hin, neben der Treppe, verlief ein Flur, an dem vier weitere Türen waren.

Zwei waren rechts, der Butler öffnete die Erste und meinte: „Hier schlafen Kaljena und Manissara, Fräulein Clema. Ich schlafe gleich eine Tür weiter.“ Er öffnete die nächste Tür.

Sie wehrte ab: „Schon OK, ich möchte nicht in Ihre Privatsphäre eindringen. Es reicht mir, wenn Sie mir sagen, wer wo schläft. Das ist alles. Wohin führen diese zwei Türen?“ Clema deutete auf die zwei übrigen Türen, wobei sich eine davon an der Wand gegenüber befand und die Andere an der dritten Wand, wo der Flur endete.

„Ähm, ja. Diese Tür hier“, begann der Butler und zeigte auf die erste Tür, „führt direkt in den großen Tanzsaal, welcher vorübergehend auch mal als Wohnzimmer her hält. Er wird Ihnen gefallen, Fräulein Clema.“

„Und die Zweite Tür?“, erinnerte Clema ihn.

„Ach, ja, die zweite Tür führt hinter die Bar im Tanzsaal. Es ist im Grunde genommen egal, welche Sie nehmen, um in den Saal zu gelangen. Es ist übrigens der einzige Raum, in den viel Licht hinein fällt. Wie ich schon sagte, er wird Ihnen gefallen. Fräulein Daphne hat er auch immer gut gefallen. Ach ja!“, seufzte Franklin betrübt.

„Standen Sie meiner Tante sehr nahe?“, wollte Clema wissen.

„Wollen Sie nicht hinein gehen?“, tat er ihre Frage schnell ab.

Clema wandte ihren Blick nun wieder der Tür zu.

Seufzend öffnete sie sie. Was zum Vorschein kam, war ein riesiger Raum, an dessen Wänden jeweils ein Tisch stand, außer an der Wand, wo die Bar integriert war, da war natürlich ein großer Schrank, der zur ebenfalls vom Saal aus begehbaren Bar gehörte. Das Zimmer hatte mindestens zwei Meter hohe und eineinhalb Meter breite Fenster, die mit leicht durchsichtigen, hellen Vorhängen verhangen waren. An der Decke hingen mehrere Kronleuchter, die wie ein Stern angeordnet waren und in ihrer Mitte prangte ein doppelt so großer Kronleuchter, wie die Anderen es waren. Links, in einer Ecke, befand sich zudem noch ein kleines Podium, was eher einer kleinen Bühne glich. Allerdings gab es noch, sehr zu Clemas Erfreuen, eine riesige Musikanlage auf der Bühne.

In dem Raum befand sich auch noch eine dritte, doppelflüglige Tür, auf welche Franklin zusteuerte.

„Kommen Sie, Fräulein Clema, es gibt noch viel zu sehen“, forderte er sie auf, während er die Tür öffnete.

Als Clema wieder zur Tür aus dem Zimmer trat, bemerkte sie, dass sie nun auf der anderen Seite der Treppe in den Empfangssaal heraus gekommen war, wo ein gemütlich wirkender Sessel stand. Rechts von ihr befand sich auch schon die Tür zu der Ausgangstür, vor welcher sich allerdings noch ein so genannter Windfang befand. In jenem konnte man die Garderobe erkennen.

Was Clema sofort auffiel, war, dass dort nur ihre Mäntel und Jacken, die eigentlich noch in ihrer Wohnung sein sollten, hingen.

„Franklin“, begann sie zu fragen, „warum hängen dort nur meine Kleidungsstücke und nicht die der Anderen? Und überhaupt: Wie sind sie dort hingekommen?“

Der Butler räusperte sich, dann meinte er: „Nun ja, wir brauchen keine Garderobe, die war ursprünglich nur für Fräulein Daphne gedacht. Da sie nun leider verstorben ist, dachten wir, dass wir ja nun Ihre Kleidung dort aufhängen könnten. Kaljena war so frei, sie aus Ihrer Wohnung zu holen, genau, wie Ihre anderen Kleidungsstücke, Fräulein Clema. Ich hoffe, Sie sind nicht allzu sehr erbost darüber.“

„Aber nein, warum sollte ich? Ich frage mich nur, wie sie in meine Wohnung gekommen ist, so ohne Schlüssel?“, entgegnete sie freundlich.

„Nun, sie brauchen keine Schlüssel. Sie nehmen sich einfach, was sie denken, was ihnen gehört, diese eingebildeten Blutsauger!“, antwortete Franklin mit einem angewiderten Ausdruck im Gesicht.

Clema warf ihm vor: „Wollen Sie etwa behaupten, dass Kaljena und ihre Tochter Vampire sind, oder was?!“

„Was? Naja, nicht direkt. Ich werfe es ihnen nicht vor, aber“

„Franklin, was erzählst du denn da wieder für einen Unsinn!“, beschwerte sich die Köchin, die gerade aus der Küche kam. „Verzeihen Sie bitte, Fräulein Clema“, wandte sie sich an besagte Person, „aber Franklin redet öfter solch einen Unsinn.“

„Wieso Unsinn? Was kann ich denn dafür, dass es nun einmal so ist, wie es ist? Außerdem bin ich der Meinung, Fräulein Clema sollte über alles, was in diesem Haus so vorgeht, unterrichtet werden. Früher oder später würde sie es sowieso herausfinden, Kaljena!“

„Dann belassen wir es eben bei später!“, entschied sie mit einem entschuldigenden Lächeln zu Clema.

Kurze Zeit später ging die Führung durch Tante Daffis Haus weiter. Dieses Mal ging es die Treppe hinauf.

„Es tut mir wirklich unausgesprochen Leid, dass sie Sie nicht einweihen wollen, Fräulein Clema, aber, um ehrlich zu sein, macht mir unsere Köchin meistens einfach zu viel Angst, als dass ich ihr etwas entgegnen würde. Ich hoffe, Sie verzeihen mir meinen dummen Ausrutscher von vorhin“, begann der Butler, sich zu entschuldigen.

Clema belächelte den Butler und meinte: „Schon OK, ich bleibe ja sowieso nur ein Jahr hier wohnen, Franklin, das ist schon in Ordnung.“ Tief in ihrem Innersten wusste sie aber, dass das gar nicht in Ordnung war.

Im ersten Stock angekommen, waren sie sofort im Flur gelandet. Sofort fiel auf, dass der Flur zwar recht lang war, aber nur ab der Seite, wo man vom Erdgeschoss aus über die Treppe nach oben kam. Über der Treppe war gerade noch so viel Platz gelassen worden, dass man sich nicht den Kopf anstieß, aber bei der maximalen Grenze war eine große, lange Wand gezogen, an der viele Portraits hingen. Es waren große und kleine Gemälde darunter, aber immer zeigten sie nur eine Person der Familie Malis. Sogar Clemas ältere Geschwister und ihre Mutter waren dabei. Nur sie fehlte.

„Was...? Warum...?“, fragte sie verwirrt.

„Oh, keine Sorge, Fräulein Malis, diese Portraits zeigen nur Personen die schon tot sind. Also können Sie froh sein, nicht dabei zu sein, bei der lustigen Runde!“, versuchte der Butler, sie zu beruhigen.

„Und weshalb sind dann meine Mutter, mein Bruder und meine Schwestern dort abgebildet?“, konfrontierte sie ihn.

„Ähm, weil, naja, weil eben auch Untote da abgebildet werden oder Geister oder Ähnliches“, so die unbeholfene Erklärung des Butlers.

Clema seufzte und schaute ihn herausfordernd an.

Er fuhr fort: „Äh, ich werde jetzt mit meiner Führung weiter machen, wenn Sie nichts dagegen haben, Fräulein Clema.“

„Schon in Ordnung“, log Clema, denn in Wahrheit fand sie das alles äußerst beunruhigend.

Der Butler machte die nächste Tür rechts auf und sagte: „Das hier ist das große Bad, allerdings müssen wir es noch reinigen, da es ja schon eine kleine Weile her ist, als Fräulein Daffi, äh, pardon, Daphne, darin gebadet hatte.“

Clema schaute neugierig zur Tür herein und sah ein wundervolles, riesiges Bad. Darin befanden sich eine drei mal zwei Meter Badewanne, eine echte Luxusdusche und ein WC. Dort gab es ebenfalls einen ziemlich großen Whirlpool.

„Wow, das gefällt mir!“, meinte sie.

Der Butler lächelte. Nun kamen sie zur zweiten Tür rechts in dem Flur.

„Ein Gästezimmer“, sagte Franklin, als er die Tür öffnete.

Das Gästezimmer war nicht besonders groß, aber auch nicht winzig. Es hatte einen Kleiderschrank, nicht so groß, wie der in Clemas, aber immerhin! Zudem natürlich ein Bett und ein Fenster. Jenes konnte man nicht schließen, genau wie das in Clemas Zimmer. Hinter der dritten Tür verbarg sich ihr Zimmer und hinter der vierten Tür von rechts eine kleine Rumpelkammer, die berstend voll war. Gegenüber dieser Wand befanden sich nur drei Türen.

Franklin öffnete nun die Tür gegenüber der von Clemas Zimmer und der Rumpelkammer. „Das Fernsehzimmer!“, meinte er kurz.

Clema betrat den Raum nur zögernd, da sie erneut einen verwahrlosten Raum erwartete. Aber das Fernsehzimmer war bis jetzt eines der saubersten Zimmer. Sie war sofort von dem Fernseher begeistert, da jener etwa ein Viertel der großen Wand bedeckte, wobei er mittig zur Wand stand. In entsprechender Entfernung war ebenfalls ein Sofa für drei Personen. Der Raum war von einigen Portraits geschmückt und mit wenigen, aber seltsam aussehenden Pflanzen bestückt. Im Guten und Ganzen hingegen, sah es ganz annehmbar aus, im Vergleich zu den vielen Zimmern davor sogar richtig komfortabel, angenehm und steril.

„Warum ist dieser Raum denn so sauber, im Vergleich mit den Anderen?“, wurde Clema zunehmend neugieriger.

Der Butler antwortete: „Ähm, nun ja. Fräulein Daffi hat diesen Raum sehr gemocht, zwar noch längst nicht so viel, wie den Ballsaal, dafür aber mehr, als so manch andere Räume. Ich nehme an, Ihnen gefällt dieser Raum bisher am meisten, Fräulein Clema?“

„Ja, irgendwie schon. Was ist in den anderen Räumen?“, entgegnete sie.

„Im Raum nebenan ist das Zimmer, Verzeihung, war das Zimmer unserer lieben Herrin Fräulein Daphne“, klärte er auf.

Clema nickte verständnisvoll und meinte: „Und im nächsten Raum?“

„Fräulein Daphnes Bibliothek, Fräulein Clema“, sagte Franklin trocken.

„Aha."

Clema verbrachte den Rest des Tages damit, in dem Haus ihrer verstorbenen Tante herumzukramen. Außerdem gab sie den Befehl, dass bis zum nächsten Tag alles, aber wirklich alles, sauber zu sein hatte. Sie begann schon am Nachmittag damit, das Haus aufzuräumen, zu säubern und die Tapeten neu anzustreichen. Clema hatte somit keine Zeit, sich umzuziehen und musste nur noch Zähne putzen, bevor sie zu Bett ging.

Ein furchtbares Erwachen und ein unerwarteter Besuch

Clema träumte. In ihrem Traum flog sie durch die Luft, wie ein Vogel. Oder war es ein Insekt? Wie dem auch sei, sie flog und flog und flog, bis auf einmal ein schreckliches Wesen hinter ihr her war. Es versuchte, sie einzuholen, sie zu zerfleischen, sie zu fressen, aber Clema flog munter weiter. Aber plötzlich hatte das Etwas sie in eine Ecke gedrängt, knurrte sie an, fletschte mit den Zähnen und wollte sie gerade anspringen, was sie in der realen Welt zum schwitzen brachte. Aber dann verwandelte sich das Etwas. Nun wurde es zu ihrem Nachbarn, der sie anlächelte und sie wusste, es war alles gut. Alles war gut.

Auf einmal löste sich das Bild vor ihren Augen auf, es zerbrach förmlich, und sie schrie, schrie vor Schmerzen, die nicht weggehen wollten und plötzlich war es still. Nun hörte sie nur noch das Schlagen ihres eigenen Herzens. Es beruhigte sich langsam, dann begann sie, einen klaren Umriss in der Finsternis zu erkennen. Es war etwas Menschenähnliches. Sie begann, darauf zu zu rennen, bis sie erkannte, dass es dieser Vampir war, der ihr zwei Tage zuvor aufgelauert hatte.

Nun begann sie, in die andere Richtung zu rennen. Und wieder war ihr Nachbar da, welcher den Vampir vertrieb.

Aber dann war der Vampir wieder da und meinte mit seiner kratzigen Stimme: „Alles ist gut, alles ist gut, mein Kind. Alles ist gut.“

Anschließend schloss er sie in seine kalten Arme, aber sie fühlte sich sicher. Sehr sicher. Zu sicher, da er sich nun in einen Mann mit einem fremden Gesicht verwandelte.

Jener lachte höhnisch und rief: „Du bist ja so naiv, mein Kind! Das solltest du ändern! Die Milliarden gehören mir, mir ganz allein! Hast du das verstanden?!“

Clema war vor Angst wie gelähmt. Sie konnte sich keinen Millimeter mehr bewegen.

„Hast du das verstanden?!“, schrie er nun noch lauter und fing an, sie zu schütteln, was das Zeug hielt.

Aber dann nahm der Traum wieder einen anderen Verlauf. Plötzlich war eine Frau mit von der Partie, welche den Mann von ihr weg riss. Er löste sich Sekunden später in Luft auf. Nun waren Clema und die Frau allein in dem dunklen Nichts.

„Wer bist du?“, wollte Clema wissen.

„Das weißt du nicht mehr?“, entgegnete die Frau.

Da erkannte Clema sie. Mit einem Mal waren die ganzen Erinnerungen da, wie Clema als kleines Kind immer in dem Garten hinter dem Haus mit der Frau oder mit einem anderen kleinen Jungen gespielt hatte, wie die Frau ihr lesen beigebracht hatte, und vieles mehr.

„Tante Daffi!“, rief Clema und fuhr mit einem Mal aus dem Schlaf, wobei sie noch ein Lächeln auf den Lippen der Frau gesehen hatte. Stöhnend ließ sie sich wieder in ihr Bett fallen. „Was habe ich denn da bloß wieder für wirres Zeug geträumt?“, murmelte sie und suchte nach ihrem Wecker. Er zeigte an, dass es gerade erst drei Uhr morgens war, also versuchte sie, wieder zu schlafen.

Fünf Stunden später wurde sie von so etwas wie einem Klopfen wach. Es hatte doch tatsächlich gegen die Tür geklopft! Gegen die Schlafzimmertür. Dann war es ruhig. Beunruhigt stieg Clema aus dem Bett und öffnete die Tür. Aber sie sah niemanden. Sie schaute nach links, sie schaute nach rechts. Aber niemand war zu sehen.

„Hallo? Ist hier jemand?“, rief sie nervös.

Plötzlich: Ein Räuspern.

Sie schaute sich wild um. Aber da war niemand zu sehen.

Jemand räusperte sich erneut.

Erst jetzt merkte sie, dass das Räuspern von unten kam. Langsam senkte sie den Blick. Und da lag etwas. Etwas Haariges. Vorsichtig bückte sie sich. Das Etwas drehte sich um. Beinahe wäre aus Clema ein Schreckensschrei heraus gekommen, aber vor Schock bekam sie kein Wort heraus.

Denn was da lag, war nichts Anderes, als der Kopf ihres Butlers Franklin.

„Was schauen Sie denn so blöd? Helfen Sie mir lieber, mich wieder auf meinen Körper zu setzen! Aber passen Sie auf, er läuft gerne davon, Fräulein Clema!“, meinte der Kopf.

Das war zu viel. Erschöpft viel sie in Ohnmacht.

„Na, toll! Und wer hilft mir jetzt, sie aufzuheben?“, beschwerte sich Franklins Kopf.

Glücklicherweise wurde Clema kurz darauf wieder von alleine wach und sprang auf. „OK, OK, das ist nie passiert! Das ist alles nur ein Traum. Ja, genau, ich träume noch und mein Traum hat sich zu einem Albtraum entwickelt. Ja, Ja, das muss es sein!“, versuchte sie, sich das einzureden.