Ein Mensch - Eine Masse - Eine Marionette - Colin Masely - E-Book

Ein Mensch - Eine Masse - Eine Marionette E-Book

Colin Masely

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Beschreibung

Propaganda - die Kunst der Manipulation und der Beeinflussung. Ein Relikt der Vergangenheit? Weit gefehlt. Propaganda ist nicht mit Hitler oder Stalin verschwunden. Sie ist eher untergetaucht und hat ihren Namen geändert. Heute nennt sie sich Werbung, Politik-Kampagne und Marketing. Die Wahrheit ist also: Propaganda ist aktueller denn je und mit ihr die Gefahr, die bis heute von ihr ausgeht. Es gilt zu verhindern, zu willenlosen Marionetten zu werden. Es gilt, sich vor der Manipulation zu schützen. Es gilt, aus der Vergangenheit zu lernen. Was war das Erfolgsrezept der Nationalsozialisten? Was sind aktuelle Propagandabeispiele? Welche Psychologie steckt hinter der geistigen Versklavung ganzer Völker? Wie funktioniert Propaganda? Nur wer die Antworten auf diese Fragen kennt und die Propaganda in all ihren Facetten versteht, wird ihr entkommen können.

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Seitenzahl: 147

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Colin Masely

Ein Mensch-Eine Masse-Eine Marionette

Die grundlegende Psychologie & Methodik hinter Propaganda

Impressum

© 2020 Colin Masely

Autor: Colin Masely

Umschlaggestaltung, Illustration: Miomedia, Spot-Werbung, tredition GmbH

Lektorat, Korrektorat: Gretta Bott

weitere Mitwirkende: Damian Zingg, Clara Cortés, Michel Grunder, Linus Peter

Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN:  978-3-347-08672-2 (Paperback)

978-3-347-08673-9 (Hardcover)

978-3-347-08674-6 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

TEIL I: DIE KUNST DER PROPAGANDA

1 EINFÜHRUNG

1.1 WAS IST PROPAGANDA?

1.2 WERBUNG VS. PROPAGANDA

1.3 WARUM PROPAGANDA JEDEN ETWAS ANGEHT

2 WENN DAS INDIVIDUUM VERSCHWINDET:

GRUPPENDYNAMIK UND DIE PSYCHOLOGIE, DIE HINTER DER PROPAGANDA STECKT

2.1 PSYCHOLOGIE DES INDIVIDUUMS BEZÜGLICH DER MASSE

2.2 DIE PSYCHOLOGIE DER MASSE

3 DER NÄHRBODEN DER MANIPULATION:

WELCHE VORAUSSETZUNGEN MÜSSEN GEGEBEN SEIN, DAMIT PROPAGANDA ÜBERHAUPT FUNKTIONIERT?

3.1 INNERE UMSTÄNDE

3.2 ÄUSSERE UMSTÄNDE

4 DAS HANDBUCH DER BEEINFLUSSUNG:

DIE MITTEL UND METHODIK ZUR PROPAGANDA

4.1 ANGEWANDTE METHODIK UND WIRKUNGSWEISE

4.1.1 Methodik der Meinungsänderung

4.1.2 Propagandawirkungsmodelle

4.1.3 Angewandte methodische und psychologische Grundsätze

4.2 ANGEWANDTE MITTEL

4.2.1 Massenmedien (Radio/Zeitung/Fernsehen)

4.2.2 Visuelle Mittel (Plakat/Film)

4.2.3 Das gesprochene Wort und Events

TEIL II: DIE MEISTER DER PROPAGANDA

1 VON HITLERS "MEIN KAMPF" BIS ZUM "TOTALEN KRIEG" DURCH GOEBBELS:

DIE GRUNDSÄTZE DER PROPAGANDA NACH ZWEI DER WICHTIGSTEN NS-AGITATOREN

1.1 ADOLF HITLERS GRUNDSÄTZE DER PROPAGANDA

1.2 JOSEPH GOEBBELS GRUNDSÄTZE DER PROPAGANDA

1.3 GEMEINSAME PROPAGANDAGRUNDSÄTZE

2 VON REDEN, RUNDFUNK, PRESSE UND DER WOCHENSCHAU:

WELCHE MITTEL SETZTEN DIE NATIONALSOZIALISTEN ZUR ERREICHUNG IHRER PROPAGANDAZIELE EIN?

2.1 PROPAGANDAORGANISATION, ZENSUR UND DIE GEZIELTE EINSETZUNG DER MEDIEN

2.1.1 Propagandaorganisation und Zensurkonzept

2.1.2 Die gezielte Einsetzung der Medien

2.2 PROPAGANDAMETHODIK UND IHRE UMSETZUNG IN Bildern und REDEN

2.2.1 Propagandamethodik und ihre Umsetzung in Bildern

2.2.2 Die Macht der Rhetorik

DIE GRENZEN DER MANIPULATION:

WIE EFFEKTIV WAR DIE NS-PROPAGANDA WIRKLICH?

3.1 WIE AUSSCHLAGGEBEND WAR DIE PROPAGANDA DER NSDAP FÜR DEREN WAHLERFOLG?

3.2 WIE EFFEKTIV WAR DIE PROPAGANDA DER NSDAP NACH DER MACHTÜBERNAHME?

4 VON DER WAHLKAMPAGNE BIS ZUM IRAKKRIEG:

PROPAGANDA HEUTE

4.1 WIE PROPAGANDA HEUTE ZU VERSTEHEN IST

4.2 DIE GEFAHR, DIE BIS HEUTE VON PROPAGANDA AUSGEHT

ABSCHLUSS

DANKSAGUNG

QUELLENVERZEICHNIS

LITERATURVERZEICHNIS

INTERVIEWS

WEBSITES

Filmausschnitte aus nationalsozialistischen Reden

Tonausschnitte aus nationalsozialistischen Reden

Nationalsozialistische Propagandafilme

Einleitung

Das 21. Jahrhundert. Eine neue Ära, ein Jahrhundert voller Freiheit. Gesellschaftliche Normen werden immer wieder aufs Neue hinterfragt und jede und jeder kann sein wie und was er oder sie möchte. Persönlichkeitsrechte und die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, werden grossgeschrieben. Die Unterdrückung und Kontrolle während des Kommunismus und Nationalsozialismus liegen viele Jahre zurück und die Manipulation der eigenen Bürger sowie die Steuerung der Bevölkerung sind für die meisten nur noch ein Schatten der Vergangenheit. Sind wir wirklich so frei?

Ist die Manipulation, die Propaganda mit den totalitären Staaten untergegangen? Nein, sie hat sich nur angepasst. Wie ein Parasit, der den Wirt wechselt, ist sie nie wirklich verschwunden, sondern hat sich nur adaptiert. Propaganda zeigt ihr Gesicht heutzutage in Form von massgeschneidertem Werbecontent, aber auch in der Manipulation durch sogenanntes Influencer Marketing oder in personalisierten Werbewebseiten. Webseiten können tatsächlich individuell auf den Konsumenten zugeschnitten werden, um ansprechender zu wirken.

Die Wahrheit ist also: Die Themen Manipulation und Propaganda sind aktueller denn je. Sie sind keineswegs verschwunden, sondern werden von uns einfach nicht mehr als solche wahrgenommen. Natürlich erkennt man ein Werbeinserat als solches, doch ist man sich wirklich über dessen Tragweite bewusst? Und was geschieht erst mit den unerkannten Manipulationsversuchen? Die Antwort erscheint beängstigend: Sie bohren sich ins Unterbewusstsein und animieren uns zu Handlungen, die wir ohne die Beeinflussung nie getan hätten. Das Erstaunlichste daran aber ist, dass wir alle denken, eine solche provozierte Handlung sei unsere eigene, freiwillige Entscheidung. Es ist einem oft nicht bewusst, dass man zur Marionette geworden ist. Je länger die Beeinflussung anhält, desto schwieriger ist es ihr zu entkommen.

Gerade deswegen ist es wichtig, diesen Prozess zu stoppen, bevor er überhaupt begonnen hat. Will man also nicht länger blind und ungeschützt durchs Leben gehen, sollte man sich mit der Propaganda, der Kunst der Manipulation, auseinandersetzen. Genau darum soll es in diesem Buch gehen: Es soll ein Abwehrnetz schaffen, das die Manipulationsversuche erkennt und unschädlich macht. Es soll helfen, Propaganda nicht nur zu erkennen, sondern sie auch in ihrer Ganzheit zu verstehen. Die Gegenwart kann aber nur verstanden werden, wenn man seine Vergangenheit kennt. Aus diesem Grund ist es wichtig, den Blick zurück in das nationalsozialistische Deutschland zu richten. Dieser Rückblick zeigt, dass sich Werbung zum Teil noch heute Mechanismen bedient, die schon Goebbels und Hitler verwendeten.

Es ist mir vor allem wichtig, das Ganze so einfach und verständlich, aber gleichzeitig so exakt und vollständig wie möglich zu halten. Dieses Buch soll einen umfassenden Einblick in das Thema der Propaganda schaffen und wirklich alle Facetten beleuchten. Dabei soll es aber stets spannend und realitätsnah bleiben. Das wird grösstenteils dadurch erreicht, dass das Wissen aus jedem grösseren Fachbereich zusätzlich zu dem Lehrbuchwissen auch aus Fachwissen verschiedener Experten auf diesen Gebieten stammt. Das sorgt für eine praktische und realitätsbezogene Sicht der jeweiligen Themenbereiche. Somit ist ein Buch entstanden, dass das gesamte Wesen der Propaganda zusammenfassen soll: Von ihrer Psychologie über ihre Methodik bis hin zu ihrer praktischen Anwendung durch die Nationalsozialisten.

Nach der Lektüre wird die Welt mit anderen Augen gesehen werden. Eine Welt voller Beeinflussung, Manipulation und Propaganda, die plötzlich nicht mehr unsichtbar ist. Die nicht länger fähig ist, zu manipulieren und zu beeinflussen. Wer hat sich noch nie gewünscht, hinter die Absichten der Manipulatoren, der Beeinflusser zu sehen (sowohl historisch als auch alltäglich)? Wer will nicht unbehelligt durchs Leben gehen, ohne unterschwellig beeinflusste Käufe oder Entscheidungen? Wie erkennt man aber die Manipulation? Wie schützt man sich davor?

Teil I:

Die Kunst der Propaganda

1 Einführung

Dieses erste Kapitel dient der Einführung. Es wird einerseits die Geschichte der Propaganda beleuchten, andererseits wird es einen genaueren Einblick in die Aktualität des Themas geben und den Begriff der Propaganda erklären. Was ist unter Propaganda zu verstehen? Woher stammt der Begriff? Warum sollte mich dieser Begriff interessieren? Dies sind alles Fragen, die es zu klären gilt, wenn man sich eingehend mit der Propaganda auseinandersetzen will. Diese Fragen zu beantworten, hilft, das Bild des Begriffes zu schärfen: Wo war er überall präsent und wo ist er es noch immer?

1.1 Was ist Propaganda?

Bevor man sich ausgiebig mit dem Thema der Propaganda beschäftigen kann, muss zuerst geklärt werden, wie der Begriff zu definieren ist. Woher stammt er und wie hat er sich im Laufe der Geschichte gewandelt? Wie wurde der Propagandabegriff zu dem, wie er heute gebraucht und verstanden wird?

Um bei den Ursprüngen dieses Begriffs zu beginnen, muss man sich viele Jahrhunderte zurückbegeben und den Blick nach Rom richten. Warum nach Rom? Im 17. Jahrhundert gründete dort Papst Georg XV. die Institution der sogenannten Sacra Congregatio de propaganda fide. Genau hier tritt die Propaganda das erste Mal auf den Plan der

Weltgeschichte und wird dort auch nicht mehr so schnell verschwinden. Das Wort stammt vom lateinischen Verb propagere ab, was so viel wie «ausbreiten» bedeutet. Aber was wollte der Papst ausbreiten? Ganz einfach: den katholischen Glauben. Also ist der Propagandabegriff in seinen Ursprüngen als Verbreitung des katholischen Glaubens zu verstehen. Diese Bedeutung änderte sich jedoch schon bald.

Bereits zu Zeiten der Französischen Revolution näherte sich der Begriff um einiges der heutigen Bedeutung. Aus der Verbreitung des katholischen Glaubens wurde die Verbreitung einer politischen Idee. Zu Zeiten der Französischen Revolution entsprach dies der Verbreitung des Revolutionsgedanken. Doch immer noch war der Begriff in keiner Weise schlecht geprägt. Dennoch schwingt bei heutigem Gebrauch immer auch eine gewisse Negativität mit. Woher stammt diese ganze Negativität?

Die negative Prägung stammt zu kleinen Teilen aus dem Ersten und zu grossen Teilen aus dem Zweiten Weltkrieg. Hier durchlief der Begriff nämlich seine letzte Metamorphose. Zu dieser Zeit wandelte sich der Begriff der Propaganda zum Mittel zur Durchsetzung militärischer und politischer Ziele. Es wird ersichtlich, dass es nicht mehr um die Verbreitung, sondern ganz klar um die Durchsetzung einer Idee geht. Dadurch wird ganz klar ein Zwang impliziert. Diese eher negativ behaftete Bedeutung des Propagandabegriffes hält sich bis heute. Daran sind hauptsächlich Agitatoren wie Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels (der im Kapitel 1 des zweiten Buchteiles noch etwas genauer beleuchtet werden wird) Schuld, die mit ihrer Gräuelpropaganda den Begriff für immer nachhaltig geprägt haben.

Da jetzt die historischen Hintergründe dieses Begriffes geklärt sind, soll nun das Augenmerk auf einige Definitionen gerichtet werden. Diese werden den Propagandabegriff so definieren, wie er für dieses Buch verstanden werden soll. Bevor man sich aber mit den verschiedenen Definitionen auseinandersetzt, muss klargestellt werden, dass es zwei grundlegende Definitionsansätze gibt. Der eine Ansatz ist allgemein unter dem Begriff der `engeren Definition` bekannt. Enger deshalb, weil dieser Ansatz Propaganda als totalitäre Informationskontrolle ansieht. Dem Konsumenten wird eine neue Meinung nicht nur nahegelegt, sondern durch fehlende Alternativen nahezu aufgezwungen. Dieser Definitionsansatz entspricht der Propaganda in totalitären Staaten und Diktaturen. Dem gegenüber steht eine Definition die den Begriff lediglich als Meinungslenkung definiert. Gemäss dieser Definition kann jeder selbst entscheiden, ob er die Meinungsänderung zulässt oder nicht. In diesen Definitionsbereich fallen beispielsweise die Wahlkampagnen, mit denen früher wie heute grosse Erfolge erzielt werden. Diese beiden Ansätze gehen oft Hand in Hand und richten sich oft nach den äusseren Einflüssen (Totalitärer Staat oder nicht). Dieses Buch wird sowohl auf die engere als auch auf die weitere Definition eingehen.

Ein sehr wichtiger Aspekt bei der Definition des Propagandabegriffs ist die Frage nach ihrer Zielsetzung. Wie erkennt man eine mögliche Beeinflussung? Ganz genau: Man muss Ihr Ziel kennen. Hierfür werde ich mich auf Thymian Bussemer beziehen, aus dessen Buch Propaganda: Konzepte und Theorien sich eine sehr gute Definition ableiten lässt. So verfolge die Propaganda das Ziel, die Ideologie und Meinungen einer Masse durch gezielte selektive Informationserstattung und Manipulation im Interesse von politischen Zielen zu verändern1. In dieser Definition sind schon sehr viele wichtigen Aspekte enthalten. Erstens, Propaganda will die Masse, also alle Leute und nicht nur eine Person, lenkbar machen. Zweitens, um diese Lenkbarkeit möglichst lange aufrecht zu erhalten, muss die Meinung und die Ideologie einer Masse verändert werden. Dies geschieht zu unser aller Unbehagen oft durch eine sehr manipulative und undurchsichtige Weise. Die Zielsetzung ist also somit auch klar. Oder vielleicht doch nicht?

Diese Ausführung enthält meiner Meinung nach noch eine sehr grosse Lücke, welche ich gerne mit Gerhard Meletzkes Definition der Propaganda füllen möchte. Dieser definiert sie nämlich wie folgt: «Propaganda sollen geplante Versuche heissen, durch Kommunikation die Meinung, Attitüden, Verhaltensweisen von Zielgruppen unter politischer Zielsetzung zu beeinflussen.2». In dieser Definition fehlen wichtige Teilpunkte wie die Masse und die Manipulation, doch enthält sie die Komponente der Verhaltensweise, welche die Lücke in der Definition nach Bussemer schliessen kann und für die Zielsetzung essenziell ist. In fast allen Fällen will nämlich der Propagandaproduzent eine gewisse Verhaltensweise bezwecken. Somit darf dieser Aspekt auf keinen Fall vernachlässigt werden.

Die Rede vom Propagandaproduzenten führt uns auf direktem Wege zu einem der Prominentesten unter ihnen: Adolf Hitler. Diktator, Demagoge und nach Joseph Goebbels der wichtigste Mann, was Propaganda im Dritten Reich anbelangte. Auch seine persönliche Definition des Ziels der Propaganda deckt sich in grossen Massen mit den bisher dargelegten Definitionen. Bei Hitler spielt die Masse ebenfalls eine wichtige Rolle, so schreibt er in Mein Kampf: «Die Aufgabe der Propaganda liegt nicht in einer wissenschaftlichen Ausbildung des einzelnen, als vielmehr in einem Hinweise der Masse auf bestimmte Tatsachen, Vorgänge, Notwendigkeiten usw., deren Bedeutung dadurch erst in den Gesichtskreis der Masse gedrückt werden soll.3». Aus diesen Ausführungen geht noch einmal ganz klar hervor, wie wichtig die Masse für die Propaganda ist. Denn es geht hier vielmehr um die Manipulation eines ganzen Volkes, als nur um die Unterwerfung eines Einzelnen. Nun ist das Fundament geschaffen, um tiefer in die Materie der Manipulation einzutauchen. Nach diesem sehr theoretischen Kapitel ist es an der Zeit, endlich etwas praktischer zu werden und den Alltag zu beleuchten. Ausserdem will ich zeigen, warum die Propaganda längst nicht mit dem Dritten Reich untergangen ist. Zu diesem Zweck wird im nächsten Kapitel der jüngere Bruder der Propaganda – die Werbung – etwas genauer beleuchtet.

1.2 Werbung vs. Propaganda

Werbung ist überall. Auf dem Arbeitsweg, in Zeitung und Fernsehen, sie umgibt uns und nimmt Einfluss auf unser Leben. In diesem Kapitel soll ihre nahe Verwandtschaft mit der Propaganda behandelt werden. Wo sind sich die beiden Begriffe ähnlich? Wo unterscheiden sie sich? Dies sind alles Fragen, die es geklärt werden müssten und von denen jeder betroffen ist.

Da es im vorherigen Kapitel hauptsächlich um das Propagandaziel ging, werde ich mit diesem Aspekt beginnen. Auch die Werbung verfolgt ein ganz bestimmtes Ziel, auch sie will die Einstellung einer Zielgruppe verändern. Dieses Ziel besteht oft darin, das Konsumverhalten der Werbekonsumenten zu kontrollieren. So verfolgen die alltäglichen Produktwerbungen in erster Linie die Absicht, die Einstellung eines Konsumenten gegenüber einem Produkt zu verbessern. Auch hier wird eine Verhaltensänderung angestrebt. Man will, dass die Kunden das Produkt kaufen oder, dass diese ihre Krankenversicherung oder den Reiseplaner wechseln. Bei den Zielgruppen der Werbung, bzw. der Propaganda, können aber durchaus einige Unterschiede festgestellt werden.

Propaganda « […] hat sich ewig und nur an die Masse zu richten4», wie es Adolf Hitler schon betont hatte. Dies lässt sich gut nachvollziehen, da man mit der Propaganda immer einen ganzen Wahlkreis oder ein ganzes Volk zu überzeugen hat. Lässt sich diese Zielgruppe so ohne weiteres auf die Werbung übertragen? Diese Frage lässt sich ganz klar mit «Nein» beantworten. Natürlich gibt es auch Werbungen, die an die Masse appellieren, diese kommen aber oft sehr plump und schwerfällig daher. Es sind die Art von Werbungen, die jeden Tag als störend wahrgenommen werden. Dies sind aber längst nicht alle Werbungen, denn sie können sich auch nur gezielt an einzelne Gruppen wenden, ohne eine Mehrheit erreichen zu müssen. So kann eine Luxus-Uhrenwerbung nur auf Leute der oberen Gesellschaftsschicht zugeschnitten werden, oder eine Anti-Aging-Creme auf Frauen über 40.

Ein weiterer Bereich, in welchem sich Propaganda und Werbung ähneln, wie ein Ei dem anderen, sind die Mittel, die beide für ihre Verbreitung einsetzen. Dazu gehören vor allem die Zeitung, das Plakat, das Radio, der Fernseher und seit einigen Jahren auch das Medium Internet. Es lassen sich also alle von mir beschrieben Propagandamittel ohne Weiteres auch auf die Werbung übertragen. Als weitere Gemeinsamkeit lässt sich hier auch die oft undurchsichtige und manipulative Vorgehensweise der beiden Bereiche nennen. Beide haben grosses Interesse daran, dass ihre Beeinflussungsversuche unerkannt bleiben und somit nicht ihre Wirksamkeit einbüssen. Denn ist eine Beeinflussung als solche entlarvt, funktioniert sie grösstenteils nicht mehr.

Aber wie geht nun die Werbung bzw. die Propaganda eigentlich vor? Über die Methodik der Propaganda wird im Kapitel 4, Handbuch der Beeinflussung, eingegangen. Ich werde hier ausschliesslich die Grundsätze nennen, die für den direkten Vergleich mit der Methodik der Werbung ausschlaggebend sind. Es ist vielleicht schon klar, dass bei einer relativ ähnlichen Zielsetzung und gleichen Medien auch die Methoden sehr ähnlich sein müssen. Genau das ist auch der Fall. Da die Gemeinsamkeiten zu einem grossen Teil überwiegen, sollen hier auch nur diese genannt werden. Hierbei ist einer der wichtigsten Grundsätze, dass sich die Propaganda bzw. die Werbung von der Masse abheben muss. Das ist vor allem heutzutage wichtig, um in der mittlerweile riesigen Informationsflut überhaupt wahrgenommen zu werden. Hierfür muss die Botschaft so oft wie möglich wiederholt werden, damit sie wahrgenommen und aufgenommen wird. Des Weiteren wird in beiden Bereichen mit einer sehr starken Plakativität gearbeitet. Denn nur, wenn die Botschaft einfach ist, wird sie auch wirklich verinnerlicht. Die Einfachheit der Botschaft reicht aber nicht aus, wenn die Werbung oder die Propaganda nicht glaubwürdig erscheint. Das heisst: Die hohe Glaubwürdigkeit ist ein weiterer wichtiger Grundsatz. Diese Überzeugungskraft wir oft durch die Fürsprache von Experten erreicht. Das prominenteste Beispiel hierfür ist die TV-Zahnartikelwerbung, in welcher angebliche Zahnmediziner beteuern, wie einwandfrei das Produkt sei. Hierbei ist es völlig egal, ob der Experte tatsächlich einer ist. Er muss nur glaubwürdig wirken, was in diesem Fall durch das Tragen eines Kittels erreicht wird. Der letzte und nicht zu vernachlässigende Grundsatz stellt schliesslich das Auslössen einer gewissen Handlungsdringlichkeit dar. Die Werbe- oder Propagandabotschaft muss also, wie Meletzke sagt, auch die Verhaltensweise ändern, um wirklich erfolgreich zu sein. Bei der Propaganda ist es ein politisches Ziel, bei der Werbung meist der Kauf eines Produkts oder einer Dienstleistung. Ich will ausserdem kurz antönen, dass die Psychologie, die hinter der Propaganda steckt, sich in ihren Grundlagen weitgehend mit der der Werbepsychologie deckt.

So sind Propaganda und Werbung, abgesehen von ihrer unterschiedlichen Zielsetzung, schon fast Zwillinge. Es sollte jetzt klar sein, dass meine Ausführungen zum Thema Propaganda, oder vielmehr die Propaganda selbst, längst nicht nur in die Zeiten der Nationalsozialisten und der Sowjetunion gehört, sondern vielmehr eine fast erschreckende Aktualität besitzt. Denn sie ist nie untergegangen, sondern hat lediglich ihren Namen verändert. Im nächsten Kapitel will ich diese Aktualität genauer erläutern und einen Blick hinter die Kulissen der modernen Propaganda- und Werbeindustrie ermöglichen. Denn vor allem mit dem Internet ist Propaganda aktueller denn je.

1.3 Warum Propaganda jeden etwas angeht