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Schlaflos in Frankfurt, dem Big Apple am Main, der amerikanischsten aller deutschen Städte, wo die Lichter niemals ausgehen. The city that never sleeps... Genau wie die "Gräfin", eine zu wache Ärztin, die ihre eigenen Tabletten nicht nehmen will und mit ihrem Latein am Ende scheint. Wäre da nicht dieser komische Wurzelsepp im tiefsten Spessart - und die unstillbare Sehnsucht nach einem wunderbaren Traum.... "Ein Traum von Schlaf" ist die zweite Kurzgeschichte aus der Feder von Carola van Daxx, die bereits mehrere Romane geschrieben hat, in denen Frankfurt am Main und Oberhessen Schauplatz der Story sind. Diesmal stehen jedoch weniger Humor, Zeitgeist und Lokalkolorit im Vordergrund, dafür wird es ein wenig mystischer und geheimnisvoller - aber die Liebe spielt auch hier eine tragende Rolle. Carola van Daxx schreibt neben BEST-AGER-ROMANEN auch mal ein Märchen für Erwachsene oder einen nicht ganz ernst gemeinten Ratgeber für verwirrte Männer... Ansonsten wartet sie sehnsüchtig darauf, dass ihre Bücher fürs ganz große Kino verfilmt werden - am allerliebsten von Woody Allen! Wenn schon, denn schon... Carola van Daxx ist Jahrgang 1966 und lebt mit ihrer Familie in Oberhessen. Zuerst absolvierte sie eine sozialpädagogische Ausbildung, später folgte der kaufmännische Zweig mit Schwerpunkt Fremdsprachen. Bisher erschienen sind: "Heisse Fleischwurst mit Kakao - Eine fast wahre Story aus Oberhessen" (2013) "Glueckspfoten, Ahmed und die ganz grosse Kohle" (2014) "Lahme Flügel: Engel Karlchen hat Burn-Out" (2014) "Weihnachten frei nach Plan" - Eine Kurzgeschichte für Weihnachtsgestresste (2014) "Spaziergang durchs Atelier – Eine kreative Autobiographie" (2015) "Ein Traum von Schlaf" - Eine Kurzgeschichte nicht nur für Schlaflose (2015) "ALPHA-SOFTIE: Wie MANN einer wird (Ein absolut seriöser Männer-Ratgeber)" (2015) "Jenseits von Oberhessen - Wo Handkäs' jedes Herz erweicht" (2016) "Grüne Soße, Tote Hose" (2018)
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Seitenzahl: 50
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Carola van Daxx
Ein Traum von Schlaf
Eine Kurzgeschichte nicht nur für Schlaflose
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Ein Traum von Schlaf
Impressum neobooks
Mir war klar, ich würde zum absoluten Gespött meiner Kollegen werden. Eine Oberärztin der Psychiatrischen Klinik, die wegen ominöser Schlafstörungen zu einem Scharlatan ging. Zu einem Teemischer, einem Kaffeesatzleser – oder sollte ich besser gleich Betrüger sagen, um die Tatsache beim Namen zu nennen? Wer, bitteschön, sollte angesichts dessen noch Achtung vor mir haben? Wenn das rauskäme… Sie tuschelten doch jetzt schon über mich und meine Unfähigkeit, länger als ein paar gefühlte Sekunden zu schlafen – was mittlerweile mehr als bekannt war auf den Fluren des Klinikums. Die „Gräfin“, so nannten sie mich wegen meiner ostpreußischen Wurzeln und weil ich eine „Von-und-zu“ war, hat ein Problem mit Heia machen...“ oder „So was gibt’s doch gar nicht, die spinnt doch komplett – wie alle Psychiater. Die brauchen doch selbst eine Therapie am allermeisten…“
Ich hatte solche abfälligen Bemerkungen mehr als einmal mitgehört, aufgeschnappt im Vorbeigehen – oder wenn meine Kolleginnen, ja, es waren überwiegend Frauen, die hinten herum so richtig über mich vom Leder zogen, gerade glaubten, dass ich außer Reichweite war. Falsche Hyänen nannte ich sie – denn diese Tiere waren in der allgemeinen Wahrnehmung so schön böse. Geradezu ideal, um meiner Verachtung den angemessenen Ausdruck zu verleihen. Keine Ahnung, ob die Damen der Schöpfung nun wirklich die größeren Tratschtanten als ihre männlichen Pendants sind, aber im Durchhecheln auf die fiese Art sind sie wohl – nennen wir es mal begabter.
Tja, Talent muss nicht zwangsläufig positiv besetzt sein.
Es raubte mir den letzten Nerv, die ganze Situation war mehr als belastend, auf jeder einzelnen Ebene. Müde war ich. Immerzu war ich müde, erschöpft. Kein Wunder… Alles habe ich ausprobiert, was der Medizinschrank so hergab, alles. Ich habe mich im Netz schlau gemacht, mir heimlich homöopathische Mittelchen bestellt, Einschlafmantras gesungen, Wasserplätscher-CDs gehört und Chakrenmeditation gelernt, außerdem furztrockene Nervenkekse nach Hildegard von Bingen gebacken, Schäfchen gezählt, bis ich im vierstelligen (!!!) Bereich war, heiß gebadet, kalte Waschungen nach Pfarrer Kneipp durchgeführt, in billigen Eckkneipen, wo mich garantiert niemand vermutet hätte, eine Hopfenkur gemacht – oder Johnny Walker persönlich das Zepter überlassen, wenn ein anstrengender Tag endlich gegangen war, die Nachtruhe aber wieder nicht einkehren wollte. Eine ebenso sinnlose wie ungesunde Methode… Aus Verzweiflung hatte ich mir sogar sündhaft teure Ayurveda-Behandlungen gegönnt, gerne vierhändig, meist kurz vor Mitternacht in irgendeinem exklusiven SPA mitten im Frankfurter Bahnhofsviertel… Nichts hatte geholfen. Nicht mal mein altes Kindergebet: „Müde bin ich, geh‘ zur Ruh‘, schließe meine Äuglein zu. Vater, lass‘ die Augen Dein, über meinem Bettchen sein.“ Früher hat das immer geholfen. Aber wahrscheinlich war ich jetzt zu erwachsen, zu rational, zu schlau, um es auf den Punkt zu bringen. Zu ungläubig, der Raum zwischen mir und dem sogenannten Vater im Himmel, dem Mann mit dem weißen Bart, der uns alle beschützen sollte, war zu groß geworden – ich hatte den Draht zu ihm anscheinend verloren.
Doch die Pharmaindustrie sollte nicht mein Retter sein. Jedenfalls nicht auf Dauer… Obwohl ich beim Verordnen von Pillen und Tropfen aller Art ansonsten nicht gerade zimperlich war. Nun, ich musste zugeben: selten sind Ärzte selbst auch „gute“ Patienten. Warum sollte es bei mir anders sein? Ein jeder hat so seine Macken, so auch ich.
Da biss die Maus keinen Faden ab.
Für mein rätselhaftes Leiden, diese zermürbende Schlaflosigkeit, das völlige Fehlen von Tiefschlaf bei gleichzeitiger chronischer Traumlosigkeit, gab es keine offizielle Erklärung, keine brauchbare Diagnose. Eine richtige Diagnose halte ich sowieso für einen großen Glücksfall, meine Meinung – ich bin ja schon ein paar Tage im Geschäft. Nicht umsonst sagen selbst die Mediziner scherzhaft: „Fünf Ärzte, fünf Diagnosen.“ Ich persönlich hatte jedoch für meine Symptomatik keine einzige abgekriegt. Zumindest keine, die ich irgendwie für hilfreich hielt. Eine körperliche Ursache konnte nicht gefunden werden, so landete ich dann dummerweise in meinem eigenen Fachgebiet – als Patientin.
„Sie haben keine Krankheit im klassischen Sinne“, hatte der Prof gesagt. Ihm hatte ich mein Problem gebeichtet, mir tatsächlich doch Hilfe „vom Fachmann“ erhofft. Gedacht, er würde schon einen Weg aus der Misere finden, der Herr Professor. Wie man halt so denkt über Vorgesetzte, Respektspersonen, Höhergestellte, Titel- und Würdenträger. Eine Klein-Mädchen-Haltung, die ich wohlgemerkt kein bisschen nötig hatte, aber frei nach dem Motto: Der Doktor macht Heile-heile-Gänschen, dann wird alles wieder gut. Oder in dem Fall: Der Prof muss es ja wissen – und wird die lästige Sache dann sicherlich auch gleich beheben. Aber Fehlanzeige. Und das auf der ganzen Linie.
„Es ist wahrscheinlich mehr eine Art Einbildung, ein subjektives Empfinden, nichts weiter als ein Stresssymptom. Wenn Sie wirklich nur so kurz schlafen würden, wie Sie es vermuten, dann wären Sie längst durchgedreht, dann könnten Sie Ihren Alltag überhaupt nicht mehr bewältigen. Wahrscheinlich sind Sie nur in den Wechseljahren oder kurz davor, da haben viele Frauen ähnliche Probleme. Aber Tatsache ist: Jeder Mensch kann schlafen. Früher oder später holt sich der Körper sowieso, was er braucht…“, hatte er lapidar seine völlig allgemein gehaltene Vermutung in den Bart gemurmelt.
