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Nach unzähligen Flugmeilen im gehobenen Dienst ist Engel Karlchen am Ende seiner Kräfte. Seine Schützlinge haben ihn geschafft - besonders die Prominenten aus Funk und Fernsehen! Das hat ihn den letzten Nerv, oder besser die allerletzten Federn gekostet. Dabei hat er noch einige Jährchen bis zur wohlerflogenen Rente vor sich - und deshalb will die Flügelgesundheitskasse ihn ganz, ganz schnell wieder fit machen. Also ab ins himmlische Sanatorium! So landet er in der Anstalt St. Angelius, wo sein angekratztes Nervenkostüm von unfähigem Personal und noch unsinnigeren Therapien schon wieder aufs Äußerste strapaziert wird. Zu alledem passieren ständig komische Sachen und irgendwie scheint alles schiefzulaufen... Ach, ob Engel Karlchen je wieder fliegen kann?
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Seitenzahl: 49
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Carola van Daxx
Lahme Flügel
Engel Karlchen hat Burn-Out (XXL Leseprobe)
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Karlchen sanus in corpore sana
Simmel-Salabim!
Vor Psychofritzen wird gewarnt
NOCH GANZ KURZ
Die Fortsetzung von „Heiße Fleischwurst mit Kakao“ erzählt, wie es mit den beiden BEST-AGERN Lina Siebenborn, der bodenständigen Kaffeehausbesitzerin aus Oberhessen, und dem übersensiblen Künstlertyp Jan Johannsen weitergeht… Ob das zweite Glück des unterschiedlichen Paares tatsächlich von Dauer sein kann? Es sieht fast so aus, bis eines Tages die schöne Sophie in Schotten auftaucht – und Lina in die Ferien fährt. Allerdings alleine…
ÜBER MICH
Impressum neobooks
Ich hatte es mir ja gleich gedacht: Einladung zum himmlischen Amtsarzt – das konnte nichts Gutes bedeuten. Naja, was soll ich sagen? Dreifacher Flügelvorfall, da bleibt einem kaum etwas anderes übrig als sich krankzumelden – und was konnte ich schon dafür, dass die Genesung bei mir eben ein bisschen länger dauerte?
Ein ausgesprochen hartnäckiger Fall, würde ich sagen.
„Wen haben wir denn da?“, fragte Amtsarztengel Dr. Fried-Bert Flügelleicht und zog seine prima funktionierenden Flügel hoch – was ungefähr dem Augenbrauenhochziehen auf der Erde entspricht. Also echt abwertend. So fing das Ganze schon einmal an. Eine unangenehme Sache… Die ganze Situation.
„Karl-Heinrich Moser, mein eigentlicher Name, Eintrittsjahrgang Anno Domini 1757, seit 1947 im gehobenen Dienst tätig, seitdem Fried-Karl Heinrich Moser“, piepste ich kleinlaut.
Ich weiß auch nicht, warum ich in gewissen Situationen immer so unterwürfig bin. Dabei hätte ich das eigentlich überhaupt nicht nötig. Nicht mal ein bisschen. Schließlich war ich kein „Niemand“ im Himmel.
„Aha! Das berühmte Engelchen Karlchen also…“, raunte der Chefarztengel. „Hm. Seit 1757 schon für die Firma im Einsatz, Respekt, Respekt – und in den letzten Jahrzehnten vorwiegend für die Prominenz aus Showbiz und Politik tätig! Da kommt so einiges zusammen an Lichtmeilen auf dem Flügeltacho, nicht wahr?“
„Könnte man so sehen“, erwiderte ich noch immer kleinlaut, was mich noch mehr ärgerte. Und dann hatte er mich gleich auch noch mit meinem Spitznamen angesprochen, Karlchen. Ts, ts, ts.
Dabei hatte ich doch gar nichts zu befürchten – außer einer läppischen Krankmeldungsverlängerung, im schlimmsten Fall. So nahm ich zu diesem Zeitpunkt noch gutgläubig an.
Und nach einer Flügelleistung von mehreren Trilliarden Lichtflugmeilen war so etwas wie eine längere Krankmeldung schon mal im Bereich des Möglichen. Glaubte ich. Zu diesem Zeitpunkt, wie gesagt.
„SO WHAT, KARLCHEN?“, fragte ich mich insgeheim. Diesen Ausspruch hatte ich mir mal von einem schottischen Schützling abgeguckt – der fragte das in seinem merkwürdigen Slang (der noch schlimmer klang als schlecht gespielter Dudelsack) bei jeder peinlichen Gelegenheit… Und glauben Sie mir, es gab viele peinliche Gelegenheiten in seinem Leben. Da kam die Sache mit dem „So what?“ mehr als ausreichend zur Anwendung.
Aber seit meiner letzten großen Beförderung kam ich aus Deutschland ja nicht mehr raus.
„Und nun haben Sie sich zusätzlich zu dem dreifachen Flügelvorfall auch noch eine dicke Flügellähmung eingehandelt? Wie haben Sie denn das bloß angestellt?“, wollte Dr. Flügelleicht wissen.
„Wenn ich das nur wüsste…“, hatte ich wieder unterwürfig gestammelt. Irgendwas in meiner psychosozialen Entwicklung muss wohl schiefgelaufen sein, dass ich bei Obrigkeiten immer das große Flattern bekam.
Obwohl, das war ja momentan auch nicht möglich – lahme Flügel…
„Wie jetzt, Herr Fried-Karl Moser? Sie können’s sich also nicht mal erklären, warum Sie flügellahm und derart geschädigt sind?“
Jetzt wurde der Tonfall schon schärfer, was mich noch mehr verunsicherte. Meine Güte, der Typ hieß zwar „Flügelleicht“, war aber eher „beinhart“…
Ich kam mir jedenfalls schon vor wie beim vorgezogenen Jüngsten Gericht. Obwohl ich mir ziemlich sicher war, dass der Boss selbst nie so einen unangemessenen Tonfall mir gegenüber haben würde. Im Gegenteil, er war eigentlich (fast) immer milde und sanft – und wenn er mal wirklich verstimmt war, was relativ selten vorkam, dann musste aber richtig was danebengegangen sein. War bei mir aber nie der Fall gewesen, ich wusste das nur vom Hörensagen, was die Leut‘ halt so erzählen im weiten, weiten Himmelsreich… Gesehen hatte ich ihn ja auch noch nie.
Das kann man nur im Siebten Himmel – und bis dahin war ich noch nicht vorgedrungen.
„Nun ja“, versuchte ich weiter zu erklären, „es war so: Erst habe ich mich ziemlich verausgabt, weil ich diesen Guttenberg von seiner Doktorarbeit abhalten wollte, dann kam noch die Sache mit dem Wulff dazu, der hat aber auch nicht auf mich gehört – und die beiden habe ich dann an einen Kollegen abgetreten, wegen unüberwindbarer Differenzen, das ging einfach nicht mehr so weiter. Aber den Rest hat mir der Tebartz gegeben! Tebartz-van Elst, das dürfte Ihnen doch ein Begriff sein…“
„Ja, den Fall Tebartz kennt man hier oben sehr wohl. Ich bin mir gewiss, früher oder später werden wir ihn noch besser kennenlernen – irgendwann kommen sie ja alle mal her… Aber jetzt erzählen Sie erst einmal weiter.“
„Also, wo war ich stehen geblieben? Genau, Guttenberg, Wulff und zum Schluss der Tebartz – DAS WAR ZU VIEL! Tauber ging’s ja wohl nicht mehr. Nächtelang habe ich auf ihn eingeredet, eine kleinere Badewanne würde es doch auch tun. Aber da ging ja gar nichts mehr, eine totale Diskussionsblockade. Beratungsresistenz dritten Grades, mindestens! Und dann ging auch bei mir plötzlich nichts mehr. Auf einmal haben meine treuen Helfer, sprich meine Flügel, nicht mehr mitgemacht. Morgens nach dem Aufstehen, ich wollte gerade losfliegen, da war der Antrieb weg. Komplett!“
„So so.“ Er guckte, als hätte ich ihm gerade die aus Himmlisch-Irland importierte Butter vom Brot geklaut – wahrscheinlich war er persönlich beleidigt, weil ich krankgeschrieben war.
„Ja, genau so war’s.“
Ich wollte mich von diesem Typen nicht ins Bockshorn jagen lassen. Und da mir meine Flügel sowieso gerade nicht zittern konnten, fühlte ich mich schon ein bisschen mutiger.
„Ist denn vom Kollegen Hausarztengel schon alles untersucht worden?“, hatte er dann investigativ nachgefragt.
