Ein umfassendes Pop- Rock- & Jazz- Lexikon - Peter Wulff - E-Book

Ein umfassendes Pop- Rock- & Jazz- Lexikon E-Book

Peter Wulff

0,0

Beschreibung

Dieses Lexikon hilft aus einer Hand: 4.200 Musiker, Bands und Fachbegriffe in einem Buch. Für Musikfans, Schüler, Lehrer, Journalistinnen - Anfänger & Experten. Schnelles Fachwissen und Spaß zum Mitnehmen. Drei kompetente Autoren informieren, wo die KI noch nicht angekommen ist und Wikipedia den Leser zutextet. Kurz & knapp mit über 2.000 Links innerhalb des Lexikons. Sofort 100 Jahre Musikgeschichte für Fans und alle, die mehr wissen wollen. ABBA bis Zappa, aber auch Helene Fischer bis Thrash Metal. Rap natürlich, aber Dixieland auch. Dub oder Flamenco? Synkope und Schlager, Miles Davis bis Rosalìa? Natürlich! Ein "umfassendes" Musiklexikon - das kann man wörtlich nehmen. Seid dabei!

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 963

Veröffentlichungsjahr: 2024

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Ein umfassendesPop- Rock- & Jazz-Lexikon Basis-Informationen in über 4.200 Schubladen von Jan M. Schultze, Marcus A. Woelfle & Peter Wulff

   Auf endlosen Internetseiten mal schnell etwas recherchieren? Fakten checken ohne Fake und Hype? Verkürzte Botschaften ohne echten Hintergrund? Das systematisch ausufernde Musikgeschäft macht es wirklich nicht leicht, den Überblick zu behalten.    Hier hilft dieses Lexikon. Kompakt und zuverlässig werden in sorgfältig verlinkten Beiträgen Musiker, Bands und Fachbegriffe eingeordnet. Mit unerreicht über 4.200 Einträgen wird der Bestand des „Pop“, der „Rockmusik“ und des „Jazz“ fachlich erklärt und es wird dargestellt, was wichtig ist oder einmal war.    Kurz und trotzdem eine komplette Übersicht in einem Band. Einfach für Einsteiger, die weiterkommen wollen. Und auch in entlegenen Bereichen mit Überraschungen für Fachleute, die neugierig geblieben sind. Dieses Lexikon bringt zusammen, was zusammen gehört. Allen Lesern viel Vergüngen!
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSSTTUVWXYZ1 2 3...BibliografieCopyright & Impressum

Abkürzungen as   Altsaxophon arr   Arrangeur bs   Baritonsaxophon b   Baß c   Cello cl   clarinet (Klarinette) comp   Komponist d   Drums, Schlagzeug f   Flöte g   Gitarre h   Harmonica (Mundharmonika) k   Keyboards (alle elektronischen oder akustischen Tasteninstrumente) l   Lyrics (Texte) ld   (Band-)Leader org   Orgel p   Piano (Klavier oder Flügel) perc   Perkussion (Schlaginstrumente) s   Saxophon ss   Sopransaxophon t   Trompete tb   Trombone (Posaune) ts   Tenorsaxophon v   Vocals (Gesang) vib   Vibraphon vln   Violin (Geige)

A

AACM (Association for the Advancement of Creative Musicians) ist eine, am 9. Mai 1965 in Chicago gegründete Musikervereinigung im Bereich des Free Jazz, die auch sozial tätig ist. Mitglieder sind oder waren u.a. der Initiator Muhal Richard Abrams, Lester Bowie, Anthony Braxton, Amina Claudine Myers, Henry Threadgill, um nur wenige zu nennen.

A cappella Musik, die vorwiegend aus Gesangsstimmen besteht (manchmal mit sparsamer Instrumentalbegleitung), welche auch Instrumente nachahmen können; z.B. bei den Mills Brothers 1928-82 in den USA und den Comedian Harmonists aus Deutschland in den 30ern.

A Fine Frenzy Bürgerlicher Name: Alison Sudol. Die selbst komponierte Klavierballade „Almost Lover“ mit leichter Zerbrechlichkeit à la Eva Cassidy ließ 2008 die Musikwelt aufhorchen, weitere Hits gelangen der gelernten Pianistin danach nicht mehr.

A Flock of Seagulls Melodiöser New Wave/Pop in instrumental und gesanglich typisch hoher Tonlage von 1979 bis heute („I Ran“ 1982); gegründet von Michael Mike Score (v, k, g) (*1957, London) und Ali Score (d) (*1956, Liverpool).

A*Teens Schwedisches Teeniequartett, das von 1998 an mit äußerst unoriginellen, gnadenlos auf Disco gebügelten ABBA-Coversongs dankbare Abnehmer fand. Spätere Eigenkompositionen im gleichen Soundgewand wurden mit Ausnahmen („Upside Down“ 2000) von der Öffentlichkeit ignoriert.

A Tribe called Quest 1985-98 und 2006-17 durch lyrische, nachdenkliche Texte einflußreicher Hip-Hop, knackig & funky und auch schon mal vom Jazz inspiriert („Beats, Rhymes and Life“ 1996).

A-ha Norwegisches Trio Mitte der 80er mit anfangs anspruchsvollem, leicht melancholischem und einfallsreichem Pop zu klarer, teils sehr hoher Gesangsstimme (Morten Harket, *1959, Kongsberg) in seiner Heimat extrem prominent; („Take On Me“ 1985 mit aufsehenerregendem Video). Ende der 90er bis 2010 und wieder ab 2015 mit großem Erfolg reformiert.

Aaliyah Das US-amerikanische Multitalent mit dem zarten Soulstimmchen wurde ab Mitte der 90er Jahre für ihre relaxten und dezent instrumentierten R&B-Hymnen wie „Try again“, „We need a Resolution“ und „More Than a Woman“ gefeiert. Ihre Musik- und Schauspielkarriere („Romeo Must Die“) endete plötzlich 2001 infolge eines tödlichen Flugzeugabsturzes.

Aaron, Lee (*1962, Ontario) (v) Die Hardrocklady, die in den 80ern in Heavy-Metal-Nähe begann, erfolgreich war und in den 90ern bedeutungslos im Mainstream dümpelte, tingelt immerhin heute noch.

AB/CD Cover-Band von AC/DC aus Deutschland ab 1990 für Tribute-Events.

ABBA (Nach Agnetha, Björn, Benny, Anni-Frid) Schwedisches Quartett 1972 bis 1982. Megaerfolgreich mit treffsicher arrangiertem Pop ohne jeden Anteil von Rock oder Blues, sehr einfach-eingängigen Melodien (zwei Komponisten: Björn Kristian Ulvaeus, *1945, Göteborg und Göran Bror Benny Andersson, *1946, Stockholm) und Mitsing-Gesangsharmonien (zwei Sängerinnen: Anni-Frid Synni Frida Lyngstad. *1945, Bjørkåsen, Norwegen und Agnetha Fältskog, *1950, Jönköping). Der Sieg im Eurovision Song Contest 1974 mit „Waterloo“ startete eine, nur anfänglich etwas zähe, Weltkarriere u.a. mit „Dancing Queen“ 1976, „Money, Money, Money“ 1977, „The Winner Takes it All“ 1980 und etlichen weiteren, sodaß z.B. in Großbritannien fünf Alben hintereinander Platz 1 erreichten und sogar von Abbamania gesprochen wurde. Nach Auflösung versuchten sich Einzelmusiker in Solokarrieren (Frida) oder als Musicalkomponisten („Chess“). 2021 neues Album und Tour mit Avataren!

ABC Englisches Pop-Trio in den 80ern, wurde zum Soul- und Synthesizer-orientierten Duo in den 90ern („When Smokey Sings“), 1991 aufgelöst. Seit 1997 ist ABC das Soloprojekt von Sänger und Gründer Martin Fry, so süßlich, als ob die Zeit stehen geblieben wäre.

Abdul, Paula Mit schmissigem und perfekt produziertem Synthetik-Pop inklusive unüberhörbarem R&B-Einschlag startete die US-Amerikanerin Ende der 80er durch. „Straight up“ 1988 und „Opposites Attract“ 1989 gehörten zu den verdientermaßen ausgezeichneten Pophighlights jener Zeit. Später konzentrierte sie sich auf ihre Arbeit als Choreografin.

Abercrombie, John (*16.12.1944, NY, † 22.8.2017, NY) (g) verdiente sich seine ersten Sporen im Trio des Organisten Johnny Hammond Smith. Da war fetzige, erdige, bodenständige Musik angesagt. Doch dann gehörte er zu jenen, auch vom Rock geprägten und dennoch zartbesaiteten Jazz-Sensibilisten der 70er Jahre. Er klingt luftig und fein, selbst wenn er laut spielt und die Gitarre verzerrt. Herausgegriffen seien die Trios. Unter ihnen bildete die Gruppe mit dem Organisten Dan Wall und dem Schlagzeuger Adam Nussbaum ein erdigeres Gegenstück zu Abercrombies anderem, eher abstrakten Trio mit Marc Johnson (b) und Peter Erskine (d). Ein ECM-Klassiker von 1975 ist das Album „Timeless“ mit Jan Hammer und Jack De Johnette.

Abou-Khalil, Rabih (*17.8.1957, Libanon), ein Könner auf der Oud, verbindet überzeugend arabische Musik und Jazz („Sultan's Picnic“ 1994). Jazzsolisten wie Kenny Wheeler oder Charlie Mariano und orientalische Rhythmiker wie Ramesh Shotham, exotische Modi und Bluesfeeling erscheinen in seiner unverwechselbar persönlichen und dem Kommerz abholden Musik wie füreinander geschaffen. Bemerkenswert auch seine außerordentlich humorvollen Ansagen auf Deutsch (lebte ab 1978 in München, derzeit in Frankreich).

Abrahams, Mick (*1943, England) Nach seinem Ausstieg bei Jethro Tull blieb der Gitarrist und Sänger dem jazzig/bluesig verzwirbelten Hardrock treu; 1969/70 mit der Bläser-verstärkten Band Blodwyn Pig.

Abrams, Muhal Richard (*19.9.1930 Chicago, † 29.10.2017), Pianist der Jazzavantgarde, war Mitbegründer der Association for the Advancement of Creative Musicians (AACM).

Abstürzende Brieftauben Deutsches Fun-Punk-Duo in den 80ern, in den 90ern als Trio etwas ernsthafter. 1997 Pause - ab 2013 schrammelt's wieder.

Abwärts Deutsche aggressiv-depressive, teilweise sozialkritische Punk-Band der 80er („Beim ersten Mal tuts immer weh“ etwas Neue Deutsche Welle-orientiert), die erst Heavy-Metal-angehaucht mit längeren Unterbrechungen heute eher konventionell rockt.

AC/DC Australische Band, gegründet 1973. Geprägt durch den charismatischen Gesang Bon Scotts und die exzessive Bühnenshow des Gitarristen Angus Young (und Bruder Malcolm Young, g, † 2014), brachten AC/DC den Hardrock schnörkellos und mit bis dato ungekannter Härte genau auf den Punkt. Die trotz der aufgekommenen Punk-Bewegung als ehrlich und ungekünstelt bewunderte Band war ab Ende der 70er/Anfang der 80er immens erfolgreich und Vorbild für unzählige Bands des Genres („Highway to Hell“ 1979). Nach dem Tod Scotts 1980 mit Sänger Brian Johnson erfolgreiche Weiterführung der Karriere leicht Heavy-Metal-angelehnt („Back in Black“). Nicht immer mit hohem Neuigkeitswert weiterhin beliebt (2014 „Rock or Bust“) mit bisher über 150 Millionen verkauften Tonträgern!

AcceptHeavy-Metal-Band Ende der 70er, vergleichbar mit Judas Priest (Musik) und AC/DC (Gesang); in den 80ern die wichtigste deutsche Band des Genres - trotz längerer Pausen international immer noch beliebt.

Accuser Deutsche Thrash-Metal Formation der 80er Jahre. In den 90ern langsamer und mit Grunzgesang ähnlich Pantera. 1996 aufgelöst, erneuert 2002 und seit 2008 bis heute auf Comeback-Tour.

Ace of Base aus Schweden hatten mit leichtem Pop zu tanzbaren Reggae-Rhythmen 1992 zuerst in Europa und später auch in Amerika großen Erfolg und versuchten, nach einer längeren Krise um die Jahrtausendwende 2010 einen Neuanfang auf dem Dancefloor.

Acid HouseHouse mit verzerrten Baßläufen, eigenartigen Synthesizerklängen und mit elektronischen 4/4-Discobeats als Vorläufer des Techno.

Acid Jazz Sehr schwammiger Begriff, der ab Ende der 80er in der House-Bewegung aufkam und rein elektronische Tanzmusik ebenso meinen kann wie die Verwendung von altem Schmalz-Bigband-Sound und manchmal auch von Jazz-Riffs, jedoch meist unkenntlich. Zusammenfassend: tanzbar, viele Samples, wenig Originalinstrumente.

Acid King Zähflüssiger Heavy-Metal aus San Francisco ab 1993; auch im Gesang Black Sabbath nahe.

Acid Rock siehe Psychedelic Rock.

Adam & Eve Ein heute weitestgehend vergessenes deutsches Schlagerduo, welches mit der weinerlichen Schmalz-Ballade „Du gehst fort“ 1975 ein einziges Mal die deutschen Top 10 kaperte.

Adam and the AntsNew Wave-beeinflußter, hölzerner Pop um den Sänger Adam Ant mit schrillem Image 1977-82, 1980 LP „Kings of the Wild Frontier“, 1981 Hit „Stand and Deliver“.

Adam Ant (Stuart Leslie Goddard, *3.11.1954, London) 1977-82 Sänger bei Adam & the Ants, danach solo zwischen Punk und gitarrenlastigem New Wave, bis Mitte der 90er mit immer weniger Beachtung.

Adamo Belgischer Sänger mit italienischen Wurzeln, der vor allem ab 1969 mit dem Schlagerhit „Es geht eine Träne auf Reisen“ einem breiten deutschen Publikum bekannt wurde. Als sympathisch bescheiden auftretender Chansonnier im französischen Raum etabliert, hatte seine weitere Schlagerlaufbahn hierzulande nur noch einen geringen Stellenwert.

Adams, Bryan (*1959, Ontario) (v, g) Seit den 80ern sehr gefragter Kanadier mit einfachem, griffigem Rock und Balladen („Summer of '69“ 1983, „Everything I do (I do it for You)“ 1993). Archetypischer Vertreter des Genres und wohl deshalb bis heute mit steil und stetig aufsteigender Erfolgskurve, wobei sich inzwischen eher die Alben und nicht die Singles verkaufen.

Adams, Oleta (*1953, Seattle) Langsamer Pop/Soul, spielt Piano (Keyboards), Debüt 1990, Hitalbum: „Circle of One“.

Adams, Pepper (*8.10.1930, Highland Park, Michigan, † 10.9.1986, New York) „The Knife“ war die „sägende“ Bariton-Stimme unter den Hardbop-Saxophonisten. Adams wies mit formidabler Technik nach, daß sich mächtiges Klangvolumen und rasantes Spiel auf dem Bariton nicht ausschlossen. Doch die Verbindung aus der Geschwindigkeit eines Sprinters und der Ausdauer eines Marathonläufers wäre nichts, hätte seine Musik nicht von so viel Phantasie gezeugt. O-Ton: „Kein Baritonsaxophonist sollte Angst haben vor dem Lärm, den das Instrument macht.“ (Album „10 to 4 at the Five Spot“).

Adamski (*1967, England) Der 1990er Hit „Killer“, ein baßlastiger Acid House-Track mit unverwechselbarem Beat, bedeutete für Sänger Seal den Startschuss für seine Solokarriere. Produzent Adamski verschwand hingegen weitestgehend in der Versenkung.

Adderley, Cannonball (*15.9.1928, Tampa, Florida, † 8.8.1975 Gary, Indiana) (as) perfektionierte erst einmal als Armeemusiklehrer seine Technik, bevor er 1955 nach einem spektakulären Auftritt kometenhaft zum „New Bird“ aufstieg. Sein Personalstil war einer der vergnüglichsten der Jazzgeschichte, ein unwiderstehlich mitreißendes Gebräu aus komplexen und einfachen Ingredienzien. Die quirlige, geistvolle Bebop-Linearität Charlie Parkers prägte ihn am meisten. Benny Carters Eleganz, menschliche und klangliche Wärme fanden bei Cannonball einen Nachhall, vor allem in den Balladen. Einen Schuß der Errungenschaften seines Freundes John Coltrane eignete er sich in ihrer gemeinsamen Zeit in der Talentschmiede Miles Davis' an. Zu alledem kommt, und dies ist Cannonballs eigentlicher Beitrag zur Entwicklung des Altsaxophons im Jazz, eine mächtige Dosis Soul. Die unglaubliche Virtuosität und der zupackende Drive seines humorvollen Spiels machten den beliebten und beleibten Künstler zum führenden Altisten, wenn nicht gar zur herausragenden Persönlichkeit des Soul Jazz, jenes besonders von Gospel und Blues geleiteten Quintetten bzw. Sextetten, denen sein Bruder Nat angehörte, musizierten Persönlichkeiten wie Yusef Lateef (ts) Bobby Timmons (p), Joe Zawinul (p), Thad Jones (b), Louis Hayes (dr). (Alben: „Somethin' Else“, „The Cannonball Adderley Quintet in San Francisco;“, „Mercy, Mercy, Mercy!“, Compilation: „75th Birthday Celebration“).

Adderley, Nat (*25.11.1931, Tampa, † 2.1.2000, Florida) stand immer im Schatten seines älteren Bruders. Dabei hatte er als führender moderner Kornettist und Komponist populärer Soul Jazz-Titel wie „Work Song“, „Sermonette“ und „Jive Samba“ Bedeutung erlangt.

Adesso Schweizer Trio (seit 1999) mit italienisch gesungenen Songs, klaren, simplen Grooves, tanzbar und zum Mitsingen.

Ade, King Sunny (& his African Beats) (*1946, Osogbo) Anfang der 80er (nach dem Ende des Reggae-Booms) versuchte sich eine Plattenfirma mit dem seit den 60er-Jahren musizierenden Nigerianer. Seine vertrackten Gitarrenlinien auf dichtem und abwechslungsreichem Perkussionsteppich eigneten sich jedoch ebenso wenig wie sein nicht englischer Gesang (Yoruba) für glatten Pop-Erfolg und so hört man seit Mitte der 80er weniger von ihm.

Adele (*1988, London) Die Pop- und R&B-Sängerin kassierte 2011 für ihr Album „21“ und Hits wie „Rolling in the Deep“ alles, was es an Auszeichnungen (inklusive Grammy) weltweit zu holen gab. Dank kraftvoller und ausdrucksstarker Soulstimme sowie der auffallend orchestralen Arrangements gilt sie als eines der größten britischen Talente überhaupt und verkauft seither entsprechend (2015 mit „25“ und auch 2021 mit „30“ wieder Rekordverkäufe).

Adiemus Ein Reklamespot von Delta Air Line sorgte 1994 für den bis heute einzigen Chartserfolg des Ethno-Titels „Adiemus“ vom gleichnamigen Projekt. Später folgten vom verantwortlichen Waliser Karl Jenkins ähnlich keltisch anmutende Soundteppiche mit Kunstsprache und Choreinsätzen.

Admiral Bailey Jamaikanischer Interpret des Ragga-Muffin vor allem in den späten 80ern.

Aerosmith Amerikanische Gruppe (ab 1970) um den ausdrucksstarken Sänger Steven Tyler (mit der großen Klappe und kreischenden, kräftigen Stimme, spielt auch Mundharmonika) und den Gitarristen Joe Perry; kompakt und einprägsam. Eine der erfolgreichsten Hardrock Bands ihrer Zeit („Walk this Way“ 1975), die auch Balladen kann („Dream on“ 1973). Abstieg durch Drogenprobleme (The Toxic Twins). Erfolgreiches, langsames Comeback („Love in an Elevator“ 1989) ab den 80er Jahren mit dem Höhepunkt 1993 „Get a Grip“, immer noch erdig, eingängig, rhythmisch vielseitig und nicht zu hart.

Ärzte, Die Lustige, aber oft auch scharfe deutsche Punk-Schlager, die in den 80ern mit drastischen Texten („Schlaflied“, „Claudia“) auffielen und 1987 mit „Geschwisterliebe“ sogar indiziert wurden. Da es für Bela B. (Gruppe „Depp Jones“) und Farin Urlaub („King Köng“) nicht so gut lief, reformierten sich die Ärzte 1993 erfolgreich. Sie wurden immer kultiger (1998 „Männer sind Schweine“, erster Nr. 1-Erfolg in Deutschland). Nach der Jahrtausendwende wechselte die Band zwischen Geheimtour und Großkonzerten. Obwohl sie immer wieder pausieren, sind sie auch heute noch in der Lage, mühelos Hallen zu füllen. Ihre erfrischend schräge Weltsicht (auch politisch und links unterfüttert), ihr rockiger Gitarrensound und ihre stetigen Experimente gegen den Mainstream ließen sie paradoxerweise genau dort ankommen.

African Bambaataa (*1957) Illustre Figur aus der New Yorker Funk- und Hip-Hop-Szene (durch Rap und Verwendung von Plattenspielern einer ihrer Mitbegründer). Mit seiner Hausband Soulsonics veröffentlichte er seit Mitte der 80er bis 2013 mehrere LPs.

Afroman Mit der eingängigen Kiffer-Nummer „Because I Got High“ wurde der US-Amerikaner Afroman 2001 schlagartig berühmt. Dem äußerst entspannten, wenn auch anspruchslosen Rapstil blieb er in den folgenden Jahren treu.

Afro-Reggae Verbindung von Reggae mit seinen Wurzeln in der schwarzafrikanischen Musikkultur; Alpha Blondy, Susi Bilibi.

Agnes Schwedische Castingshow-Gewinnerin von 2005, die seitdem melodische Dancepop-Nümmerchen à la Cascada produziert. Hierzulande kennt man vor allem „Release me“ 2009.

Aggrovators, The Die Dubband von King Tubby bis Mitte der 70er.

Aguilera, Christina Die hochtalentierte US-Amerikanerin mit gewaltigem Stimmvolumen und -umfang bewies seit ihrem poppigen Lolita-Debüt „Genie in a Bottle“ 1999 eine atemberaubende Wandlungsfähigkeit: Sexvamp („Dirrty“ 2002), Retro-Chansonette („Ain´t no Other Man“ 2006), Burlesque-Tänzerin (Film „Burlesque“ 2010). Im Zuge der permanenten Imagewechsel ließ sie zuletzt allerdings die musikalische Originalität vermissen.

Air Französisches Elektronik-Pop-Duo, das seit 1998 sparsam und steril vor sich hin bastelte und 2001 („10 000 Hz Legend“) mit elegischer Instrumentierung und sogar Gesang im krassen Wechsel große sphärische Gefühle zeigt.

Air Liquide Zweiköpfiges deutsches Techno-Team, das seit 1991 vermehrt live versuchte, das Genre durch neue Klänge zu erweitern.

Air Supply In den späten 70ern in Australien gegründet, hatten bis in die frühen 80er mit bombastisch produziertem Balladen-Rock (schmalzige Melodien und Texte über Liebe und ihre Krisen) weltweit Erfolg z.B. mit „Making Love (Out of Nothin' at All)“, bei dem deutlich Jim Steinman seine Finger im Spiel hatte. Bis heute immer noch raumklangtechnisch unterwegs.

Airbourne Die Australier eifern ab 2001 (Debut 2007 „Runnin' Wild“) AC/DC nach, sind aber gesanglich etwas rauher und musikalisch näher am Metal.

AirforceGinger Bakers (d) Band 1970.

Akinmusire, Ambrose (*1.5.1982 in Oakland), der nigerianische Eltern hat und bei Steve Coleman bekannt wurde, zählt derzeit zu den angesagten Jazztrompetern. (Album „On the Tender Spot of Every Calloused Moment“).

Akiyoshi, Toshiko(*12.12.1929, Mandschurei) (p, comp, arr), die den überwiegenden Teil ihrer Laufbahn in den USA verbrachte, machte anfänglich als Pianistin der Bud Powell-Nachfolge auf sich aufmerksam und leitete zunächst ein Quartett mit ihrem Ehemann Charlie Mariano. Das mit ihrem späteren Ehemann Lew Tabackin (ts, f) geleitete, von 1973 bis 2003 bestehende, preisgekrönte Orchester war ganz auf ihr kompositorisches Schaffen ausgerichtet.

Akkerman, Jan (*1946) Fetziger holländischer Gitarrist bei Focus; solo auch Einspielungen in gepflegtem bis langweiligem Pop und Jazz.

Akkord Das gleichzeitige Erklingen mehrerer Töne als harmonisches Gefüge.

Akon Der US-Amerikaner war zunächst solo („Lonely“ 2005), später vor allem als Gastmusiker (Eminem, 50 Cent, David Guetta, Pitbull) im Radio omnipräsent. Besonderes Kennzeichen: Quäkiger Gesang, der auf Dauer anstrengt.

Akustische Musik wird auf unverstärkten Instrumenten erzeugt und erst auf dem Weg der elektronischen Aufzeichnung eventuell mehr oder weniger bearbeitet (z.B. mit Hall). Akustische Passagen werden zu Kontrastzwecken gerne in ansonsten elektronisch erzeugter oder verfremdeter Musik eingesetzt; siehe auch unplugged.

Alberto Y Los Trios Paranoias aus England fielen 1973 bis 1982 parodistisch, manchmal Latin-angehaucht oder mit Fun-Punk, nur wenig auf.

Album Ein, im Gegensatz zur Single mit mehreren oder längeren Werken bestückter Tonträger.

Alcatrazz siehe Graham Bonnet.

Alex Oriental Experience Bis 2009 wenig orientalisches Rocktrio (d, b und Saz/Langhalslaute), seit den 70ern vor allem in Deutschland bekannt.

Alexander (Alexander Klaws) Sieger der ersten „Deutschland-sucht-den-Superstar“-Staffel 2003. Er hielt sich mit fünf Top 10-Hits (u.a. „Take Me Tonight“, „Behind the Sun“) und typisch Bohlenschem Schmalzpop aus der Keyboard-Fabrik bemerkenswert lange in der Erfolgsspur. Wechselte jüngst ins Musicalfach.

Alexander, Monty (*1944, Jamaika), ein von Oscar Peterson geprägter Pianist, der auch Einflüsse seiner karibischen Heimat verarbeitet, zeichnet sich durch virtuosen Spielwitz und ansteckende Lebensfreude aus (Album „Uplift“ 2011).

Alexander, Peter (*30.6.1926 als Peter Alexander Ferdinand Maximilian Neumayer in Wien) Österreichischer Sänger, Schauspieler und Entertainer, der wie kein zweiter die Unterhaltungsbranche im deutschsprachigen Raum geprägt hat. Rund 50 Filme, 40 TV-Shows, über 200 Auftritte in TV-Sendungen, mehr als 50 Millionen verkaufte Tonträger, 27 Top 10-Singles und 10 Bambi-Auszeichnungen sind nur die nüchternen Zahlen einer einzigartigen Karriere, die den galanten Wiener in die höchsten Sphären der öffentlichen Anerkennung katapultiert hat. Weniger seine Schlager wie „Ich zähle täglich meine Sorgen“ 1959, „Der letzte Walzer“ 1967, „Liebesleid“ 1969 oder „Die kleine Kneipe“ 1976, weniger seine Nonsensfilme wie „Die süßesten Früchte“ 1953, „Charleys Tante“ 1963 oder Die „Lümmel“-Reihe 1968/69 als vielmehr sein unwiderstehlicher Charme, der Großmütter wie Enkelsöhne zu schmeicheln vermochte, machte den Berufskavalier zum Fixpunkt der Familienunterhaltung bis in die 90er Jahre hinein. Er starb 2011 in seiner Geburtsstadt.

Alice in Chains Erfolgreiche Band aus Seattle zwischen Grunge und Heavy-Metal in den 90ern; z.T. sehr langsam und depressiv, 1993 auch akustisch. Melodisch-zweistimmige Gesangspassagen (teils nasal, teils rauh) und einige Hits: „Them Bones“, „Would“. 2002 Auflösung nach Tod von Sänger Layne Staley, ab 2006 wieder mit neuem Sänger.

Alien Sex Fiend Dem Underground der 80er zuzurechnende Band zwischen schräg/düster und tanzbar/elektronisch um den Sänger Nick Fiend.

All-4-One Vocal-orientierte Pop-Gruppe der 90er Jahre, die mit der Ballade „I Swear“ 1994 weltweit die Charts stürmte. Trotz Grammyauszeichnung und ansprechender Arrangements eine Sternschnuppe im amerikanischen R&B-Business.

Allen, Geri (*12.6.1957, Pontiac, Michigan, † 27.6.2017, Philadelphia) (p), eine wichtige, vielseitige Künstlerin stammt aus der Jazzpianistenhochburg Detroit; in ihrer Spielweise flossen unterschiedlichste Einflüsse zu einem packenden Stil zusammen.

Allen, Harry (*12.10.1966, Washington D.C.), beeindruckender Jazz-Tenorist des modernen Traditionalismus, der von Webster, Gonsalves, vor allem aber Getz geprägt wurde.

Allen, Henry Red (*07.1.1908, New Orleans, † 17.4.1967, NY) Trompeter, der auch sang, bildete die vielleicht wichtigste Etappe in der Entwicklung von Louis Armstrong zu Roy Eldridge.

Allison, Luther Der Vertreter des modernen Chicago-Blues hatte sich bis zu seinem Tod 1997 mit dynamischem Gesang und Gitarrenspiel vom Mitläufer zum Star der 90er entwickelt.

Allen, Marshall (* 25.5. 1924, Louisville), Free-Altist, der von 1958-93 im Sun Ra Arkestra spielte und es dann nach Ras Tod die Leitung übernahm, dürfte derzeit der älteste lebende unter den bekannteren Jazzmusikern sein.

Alizée Französische Sängerin, deren bis heute respektable Laufbahn einst im Jahr 2001 als 17jährige korsische Männerphantasie und Pop-Entdeckung mit dem kokett-schlüpfrigen „Hit Moi... Lolita“ startete. Wenngleich die anfangs von Mylène Farmer produzierten, später mit eher weniger Originalität versehenen Pop-Electro-Nummern durch Alizées fragil-polierte Stimme getragen werden, behauptete sich die Künstlerin vor allem abseits ihrer vorwiegend in Frankreich verorteten Gesangskarriere mit einer (auch von der Öffentlichkeit aufmerksam verfolgten) passablen Tanzlaufbahn.

Allman Brothers Band 1969 bis 2014 Southern-Rock- und Blues-Band mit sattem, vielschichtigem Sound (Orgel, Slide) um den 1971 verunglückten Duane Allman (g, v); erfolgreich vor allem in den 70ern („At Fillmore East“ 1971 - ein legendäres Live-Album auf der Höhe ihrer Schaffenskraft), danach eine lange Durststrecke und erst mit den Gitarristen Derek Trucks (inzwischen vermehrt mit seiner Frau, Susan Tedeschi, unterwegs) und Warren Haynes (auch Gesang, Gov't Mule) besonders auf der Bühne bis 2014 sehr gefragt. Gregg Allman (v, k) † 2017.

Almeida, Laurindo (*2.9.1917, Sao Paolo, † 26.7.1995, LA) wirkte lange vor der Bossa-Welle mit Bud Shank als brasilianischer Konzertgitarrist im Jazz.

Almond, Marc Englischer Pop-Sänger der 80er/90er mit melancholisch-weicher Stimme; erster Hit: „Tainted Love“ mit Soft Cell, größter Solohit: „Something's Gotten Hold of My Heart“. In Großbritannien immerhin heute noch geschätzt.

Alpert, Herb (*1935, L.A.) Ab den 60ern Unterhaltungsmusik-Trompeter mit mexikanisch angehauchten Hits („Spanish Fleas“). Bis 1969 mit der Tijuana Brass Band unterwegs und immens erfolgreich, in den 80ern mit Tanznummern zu Jazz-Trompete.

Alpha Blondy (*1953, Elfenbeinküste) Sänger mit französischen Texten, dessen Werke, trotz starker Reggae-Einflüsse, die afrikanische Herkunft nicht verleugnen. Verteidigt seit Anfang der 80er Jahre kontinuierlich seinen Platz in der Afro-Reggae-Szene.

Alphaville In den 80er Jahren gegründetes, deutsches Elektronik-Pop-Trio mit griffigen, fast hymnenhaften Songs („Big in Japan“, „Forever Young“); in den 90ern plötzlich dunkel und überraschend hart; tingeln noch nostalgisch elektronisch.

Altamont Das Festival mit mehr als 300.000 Besuchern dämpfte 1969 vorerst die Euphorie für derartige Großveranstaltungen nach Woodstock durch organisatorisches Chaos, unzählige Verletzte und drei Tote, von denen ein Schwarzer während des Auftrittes vor den Augen der Rolling Stones erstochen wurde.

Altan Die irische Folkband der 90er schlechthin, die trotz traditioneller Musizierweise sehr frisch klingt („Island Angel“ 1993). Die Sängerin singt vorwiegend gälisch.

Alter Bridge (drei Musiker kamen von Creed) schranzen sich (g, g, b, d) seit 2004 durch Alternative-Rock, werden seither immer metallischer und sind vor allem in Europa beliebt.

Alternative Kleinere, alternative Plattenfirmen oder auch kleine Unterabteilungen großer Labels unterstützen experimentelle Bands, die im Gegensatz zum Mainstream fast immer etwas schräg klingen und oft verschiedenste Musikstile uminterpretieren. Von Punk und New Wave bis Grunge und EBM umspannt der Begriff jede eher ungewöhnliche Musik, solange ihre Verbreitung alternativ klein bleibt. Das soll natürlich nicht heißen, daß auch alternative Bands unter diesem Etikett nicht gerne mehr verkaufen würden. Obiger Begriff wird vor allem auf amerikanische Künstler angewandt und kann zu reinem Hype aufgeblasen werden - was nicht immer (Nirvana) falsch sein muß. Siehe auch Underground oder Independent.

Amazing Blondel Ab Anfang der 70er Musik auf der Basis altenglischer Lieder und ihrer Instrumente. Heute nicht mehr so raffiniert, dafür immer noch unterwegs!

Ambient (House/Techno) Begriff der 90er für synthetische Tanzmusik der DJs, die meist langsam, mit sphärischen Keyboardklängen und tiefen Frequenzen eine tranceartige Umgebung schaffen will.

Ambros, Wolfgang (*19.3.1952, Wien) (v, g), stets von versierten Musikern begleiteter Österreicher (Mitbegründer des Austropop) mit melancholisch-satirischen Texten (z.B in „Es lebe der Zentralfriedhof“ oder der parodistische Rock-Oper „Der Watzmann“, Tauchen/Prokopetz). Während er in den 70ern noch Dylan-Songs auf Deutsch interpretierte, tendiert er inzwischen eher zum Schlager.

Ambrosetti, Franco (*10.12.1941, Lugano), stilsicherer Schweizer Flügelhornist und Trompeter des modernen Jazz, der zugleich Industrieller ist (daher der Titel der Autobiographie „Zwei Karrieren - ein Klang“).

Ambrosia aus Kalifornien machten, produziert von Alan Parsons, von 1975 bis Anfang der 80er aufgeblasenen Synthesizer-Pop-Rock.

Amen Corner Oberflächliche englische Beat-Gruppe 1967-70. Sänger Andy Fairweather Low ist ab 1971 solistisch unterwegs.

America Amerikanische sanfte Folk/Pop Formation in den 70ern (Hit „A Horse with no Name“); in den 80ern Filmmusik zu „The Last Unicorn“.

Amesbury, Bill (später Barbra Amesbury) (*1948) Singer-Songwriter mit etwas Erfolg („Virginia (Touch Me Like You Do)“) vor allem in seiner Heimat Kanada.

Ammons, Albert(*23.9.1907, Chicago, † 2.12.1949, ebendort) war ein bedeutender Boogie-Pianist mit wuchtigem Rhythmus und einfacher Melodik.

Ammons, Gene (*4.4.1925, Chicago, † 6.8.1974, ebendort) Sohn von Albert, genannt „Jug“, erbte das Bluesfeeling und war ein wichtiger Tenorist des Bebop mit gelegentlicher Tendenz zu R&B, der Einflüsse Youngs mit einem erstaunlich massivem Sound verband.

Amon Düül Chaotische, psychedelische Hippies aus München, die sich ab 1967 mit englischen und amerikanischen Vorbildern technisch in jeder Hinsicht schwer taten (Krautrock). Erst Amon Düül II konnten als tapfere Vorreiter im Rock-Entwicklungsland BRD langsam (ab 1969) ihre Underground-Musik mit exotischen Klängen, mystischen Texten, Hardrock und Elementen à la Pink Floyd, Jefferson Airplane überzeugend aufwerten, bis sie Mitte der 70er einem immer belangloserem Ende entgegentrieben. U.a. mit Chris Karrer (*20.1.1947, Kempten, † 2.1.2024) (g, vln, v), Renate Krötenschwanz Knaup (v). Nach ansteigendem Interesse am Krautrock 1995 Reunion.

Amorphis Finnische Band der 90er, vom Black-Metal kommend, mit Keyboards und nordischer Folklore zunehmend langsamer und gemäßigter. Heute sanft in den Mainstream geraunzt, gesäuselt und gehymnet.

Amos, Tori (*1963, North Carolina) Amerikanische Pop-Künstlerin, die in den 90er Jahren bekannt wurde. Oft Songs zu karger Begleitung (sie spielt Piano), stimmlich weich und modulationsfähig; covert 2001 sogar Slayers „Raining Blood“!

Amott, Michael (*1970, London) Schwedischer Death-Metal-Gitarrist: Arch Enemy (ab 1996), Spiritual Beggars (ab 1994), ex-Carcass (Anfang der 90er).

Anajo 1999-2014 aus Augsburg im Stile der Hamburger Schule mit einem Sänger.

Anastacia Amerikanische Sängerin, die in ihrer Heimat konsequent ignoriert, mit Brillengestell, einprägsamem Soulpop und dröhnender Stimmgewalt zwischen 2000 und 2006 bemerkenswert viele Hits aneinanderreihte vor allem in Deutschland, ein bißchen in England und in den USA eben gar nicht. „I'm Outta Love“ 2000, „Paid My Dues“ 2001, „Left Outside Alone“ und „Sick and Tired“ 2004 waren respektable Chartserfolge. Jenseits des Atlantiks versprühten Künstlerinnen wie Rihanna, Shakira und Shania Twain zu jener Zeit aber offenbar mehr körperlichen, sowie dem Massengeschmack zugewandteren Esprit als die Powerfrau aus Chicago, die mit ihren gesundheitlichen Problemen (u. a. Brustkrebs) dafür äußerst transparent umzugehen wusste.

And One Elektronik, Deutschland ab den 90ern, düster, EBM-nah.

Anders, Thomas Deutscher, englisch wie deutsch singender Schlagersänger u.a. bei Modern Talking seit den 80ern.

Anderson, Angry (*1947) Aggressiver Hardrocksänger der Rose Tattoo mit Soloplatten seit den späten 80ern.

Anderson, Cat (*12.9.1916, Greenville, † 29.4.1981, L.A.) Berühmt wurde der Mann mit dem stärksten Ansatz der Welt (so Charles Mingus) bei Duke Ellington, der ihn zwischen 1944 und 1971 hauptsächlich in zweifacher Rolle einsetzte: als effektvollen Bläser in höchsten Stratosphärenlagen und als Solisten in lateinamerikanisch oder sonstig südländisch angehauchten, melodramatischen Stücken, wie etwa „Coloratura“ aus der „Perfume Suite“ und „El Gato“. Eher selten hört man ihn mit Dämpfer und auf eigenen Platten im Stile Louis Armstrongs.

Anderson, Ernestine (*11.11.1928, Houston, † 10.3.2016, Shoreline) Quincy Jones meinte einmal, Ernestine Andersons Stimme klinge wie Honig in der Dämmerung; auf jeden Fall klang sie warm und verführerisch weich. Ihre Karriere kannte alle Höhen und Tiefen. Bisweilen war sie ganz vergessen, zeitweise war sie ein Star und wurde mit den Größten ihres Faches Ella, Sarah, Billie in einem Atemzug genannt.

Anderson, Ian (*1947, Dunfermline) siehe Jethro Tull.

Anderson, Jon (*1944, Accrington, Lancashire) Sänger mit extrem hoher Stimme u.a. bei Yes oder Vangelis.

Andersen, Lale Deutsche Sängerin und Schauspielerin, die mit dem Titel „Lili Marleen“ 1939 weltberühmt wurde. Den dunklen Kriegsjahren nur mit viel Glück entkommen, erarbeitete sie sich mit kernigem Timbre und bourgeoisem Look eine gute Reputation als Schauspielerin, Sängerin und Kabarettistin. Mit „Ein Schiff wird kommen“ gelangte sie 1960 an die Spitze der deutschen Charts.

Anderson, Laurie (*47, Illinois) (v, vln) Avantgardistische Lyrikerin, die sich nach Pop-Happenings und komplexen Klein-Kunstwerken (1980 „Big Science“) inzwischen auch in der kürzeren Form einzelner sanft-skurriler Songs wiederfindet.

Anderson, Lynn Amerikanische Sängerin, die vor allem in den 70er Jahren neben Dolly Parton und Tammy Wynette zu den bekanntesten Country-Cowgirls (so mehrere ihrer Albumtitel) gehörte. Mit dem elegisch-relaxten Countrypoptitel „Rose Garden“ 1971 schuf die zart-stimmliche Grammy-Preisträgerin einen Welthit, der ihre weitere, überaus ansprechende Diskographie bis zu ihrem Tod 2015 überstrahlte.

Anderson, Ray (*16.10.1952, Chicago) gilt als einer der wichtigsten Jazzposaunisten seiner Generation.

Andre, Peter Mehr als mit dem sommerhittauglichen Reggae-Verschnitt „Mysterious Girl“ 1995 wurde der Brite vor allem durch seinen perfekt trainierten Waschbrettbauch sowie seine vierjährige Ehe mit Katie Price (wer auch immer das ist) berühmt.

Andrew Sisters, The 1932-66 Schlager-Sing-Sang aus Amerika („Bei Mir Bist Du Schoen“ 1937). Die Töchter eines Griechen und einer Norwegerin waren die erste wirklich erfolgreiche Frauenband mit Hunderten von Songs und über 80 Millionen Plattenverkäufen - immer nahe am Swing, in Filmen und in Radioshows.

Andrews, Chris Britisch-deutscher Popsänger, dem in den 60er Jahren schunkelfreudige wie schlagereske Fetenhits den dankbaren Weg über den Ärmelkanal Richtung Deutschland ebneten. „Yesterday Man“ 1965, „To Whom it Concerns“ 1966 und „Pretty Belinda“ 1969 boten mitklatschwuchtige Schlichtheit, die in England eher verschämt ignoriert, hierzulande jedoch überaus gefeiert wurde. In den frühen Jahren seiner Laufbahn noch auf rockigem Swingkurs unterwegs, verkaufte der gebürtige Londoner spätestens ab 2009 mit Après-Ski-Martyrien seines einstigen Hits „Pretty Belinda“ jeglichen Anstand eines in Würde alternden Pop-Oldies.

Andy, Horace (*1951, Kingston) International bisher kaum bekannter Reggae-Sänger in den Sparten Roots und Dancehall, obwohl er regelmäßig seit Anfang der 70er Jahre erstklassige Alben lieferte und Mitte der 90er mit Produktionen der Band Massive Attack aufhorchen ließ.

Aneka Schottische Sängerin, die anfangs unter ihrem bürgerlichen Namen Mary Sandeman mit traditionellen Gesängen (in gälischer wie englischer Sprache) ihre Bühnenkarriere startete, bevor sie 1981 als Aneka und mit Kimono bekleidet schwurbeligen Synthi-Pop mit simpler Geisha-Folklore aufs Tanzparkett warf. Nach „Japanese Boy“ und „Little Lady“ (beide 1981) endete Sandemans Popkarriere und sie kehrte berechtigterweise zu ihrer musikalischen Bestimmung zurück.

Animals In der harten britischen Blues-Rock-Band fand 1962-68 der kraftvolle Sänger Eric Burdon ein adäquates Zuhause („House of the Rising Sun“, „When I Was Young“).

Anka, Paul (*1941, Ontario) wandelte sich ab 1958 vom Teenie-Star zum Crooner.

Anna Katt Sehr entspannte Band um die sanfte Sängerin Kristina Lindberg zwischen Österreich und Schweden ab 2014, die leise und schön klingt, obwohl - oder weil - leicht verstörende und kraftvolle Nuancen den Ton im Abendhimmel („Skymning“ 2019) wirklich spannend machen. Neues, etwas jazzigeres Album 2021.

Annihilator Kanadischer Thrash-Metal ab Mitte der 80er („Alice in Hell“). Bis heute gültig.

Anthrax Amerikanische melodische Thrash-Metal Band, gegründet Anfang der 80er. Experimentierten bis in unsere Tage auch mit Rap-Elementen.

Antolini, Charly (*24.5.1937, Zürich) ist nicht nur ein vitales Kraftpaket mit extremer Ausdauer und viel Swing, sondern obendrein ein unglaublich präziser Denker am Schlagzeug, der über eine erstaunliche Koordinationsfähigkeit unabhängiger Gliedmaßen verfügt, die ihn zu komplexesten Rhythmen befähigt und dies in jedem Tempo. Legendär die sogenannte Boxenkillerscheibe „Knock Out“.

Anvil Nordamerikanische Band ab den frühen 80ern mit heftigem und schnellem Heavy-Metal; damit teilweise Vorreiter des Speed-Metal (Thrash-Metal). Heute deutlich angepasster, also eher von gestern.

Anyone's Daughter konstruierten in Deutschland seit Ende der 70er bis in die 80er langatmige Rockstücke.

AOR, Adult Orientated Rock (Erwachsenen-orientierte-Rockmusik) ist im Gegensatz zum eher herben, kantigen, lauten oder anarchischen Rock der Jugendlichen eine durch Keyboards verwässerte und mit süßlichen, oft mehrstimmigen Chorussen mitsingtaugliche Variante des Schlagers im reißbrettgezimmerten Rocker-Gewand - eigentlich ein weichgespülter Rock-Widerspruch in sich selbst („Final Countdown“ 1986 von Europe, die Gruppen REO Speedwagon, Rick Springfield uvm.).

Apache 207 Deutscher Rapper aus Ludwigshafen, der sich inmitten eines seit Mitte der 2010er Jahre, von Straßenbande, KMN Gang und Ersguterjunge dominierten Deutschrap-Regiments, als langmähnige Skurrilität jeglicher eindeutigen Gattungszuordnung verweigert. Irgendwo zwischen der Buntscheckigkeit von Alexander Marcus und dem Gestus eines steroidensüchtigen Sektenführers verortet, mischt der Musiker selbstreferentiellen Pathosrap mit 80er-Synthie-Melodien, zuweilen genretypisch derb und keineswegs unumstritten, aber (vor allem hinsichtlich seiner Musikvideos) nicht ohne selbstironische Färbung. Mit „Roller“ 2019 gelang Apache 207 der Durchbruch, weitere Nr. 1-Hits wie „Fame“, „Boot“, „Bläulich“ und „Unterwegs“ (alle 2020) folgten. Trotz der unvermeidlichen Kritik an homophoben wie sexistischen Schwingungen in seinen Lyrics sind die Produktionen des sich jedem privaten Einblick verweigernden Rappers durchaus von bemerkenswerter Originalität und Konsequenz.

Apache-Indian (*1967, Birmingham) Shooting-Star in der englischen Bhangra-Ragga-Muffin-Szene: harte Ragga-Sounds und indische Folklore, erfolgreich vor allem in den 90ern.

Aphex Twin Der britische Elektronik-Bastler Richard D. James gehört mit Sphärenklängen („Ambient Works“), Klangcollagen mit Dancebeats (“I Care Because“) und äußerst bizarren Videoclips zu den führenden Technopersönlichkeiten der 90er. Frickelt aber heutzutage immer noch nicht unerfolgreich.

Aphrodites Child (1968-72) Griechische Gruppe in Paris um Vangelis Papathanassiou (k), und Demis Roussos (v in wirklich extrem hoher Stimmlage mit ebenso unglaublichem Vibrato, b, g) gegründet, die sich herzzerreißenden Balladen und einem ausgefallenen Konzeptalbum („666“, über die Apokalypse des Johannes) hingaben.

Apple, Fiona (*13.9.1977, NY) Ab 1996 („Tidal“) als klare, ambitionierte Singer/Songwriterin (und Pianistin) trotz seltener Alben besonders in Amerika sehr geschätzt.

Appleby, Kim Eine Hälfte des Geschwisterduos Mel & Kim, welche nach dem frühen Tod Melanies als Solistin weitermachte. Mäßiges wie tanzbares Popallerlei wie „Don´t Worry“ 1990 blieb ihr Markenzeichen, später rettungslos in der Versenkung verschwunden.

April Wine Kanadischer Hardrock ab 1969, rockt an der Grenze zum Mainstream.

Arcadia siehe Duran Duran.

Arcade Fire 2002 in Montreal um das Ehepaar Win Butler und Régine Chassagne gegründete Indie-Pop-Band, die aufgrund ihrer Konzeptalben („The Suburbs“ 2010) entfernt auch dem Art Rock zugeordnet werden kann und sehr erfolgreich wurde („Reflektor“ 2013, Everything Now 2017).

Arch Enemy Melodischer schwedischer Death Metal, seit 1996 bis heute erfolgreich um den ex-Carcass und jetzigen Spiritual Beggars-Gitarristen Michael Amott, zu weiblichem Gegrunze.

Archies, The 1968-72 Trickfilm-Musikgruppe aus den USA, die auf der Zeichentrick-Show „The Archie Show“ basierte. Die eigentlichen Sessionmusiker wurden von der Öffentlichkeit ferngehalten. Hits wie „Sugar, Sugar“ und „Jingle Jangle“ galten als typischer Bubblegum-Pop aus der Retorte.

Arctic Monkeys Englische Band ab 2002. Vor allem in U.K. megaerfolgreich („Bet You Look Good on the Dancefloor“ 2005) mit sehr schnellem Garage Rock bis Trip Hop.

Argent Amerikanische Hardrock/Mainstream Gruppe der 70er Jahre um die Songwriter Rod Argent (k, v, von den Zombies) und Russ Ballard.

Armatrading, Joan (*1950 in Basseterre, Saint Kitts, aufgewachsen in Birmingham, England) konnte ab Mitte der 70er Jahre mit kehligem, intelligentem Gesang und musikalisch potent eine Zeit lang ein erstaunliches Gleichgewicht halten (1980 „Me Myself I“) - das machten ihr Tracy Chapman und Suzanne Vega später nach. Musikalisch noch immer intelligent, jetzt mit u.a. Blues („Into the Blues“ erreichte bei insgesamt abnehmendem Erfolg Platz 1 der US-amerikanischen Billboard Blues Charts) stets eine ernstzunehmende Ikone ihrer selbst.

Armstrong, Louis (*4.8.1901, New Orleans, † 6.7.1971, New York. Das symbolische Jahrhundert-Geburtsdatum am amerikanischen Unabhängigkeitstag 4. Juli 1900 ist falsch.) Der Trompeter mit der heiseren Stimme und dem weißen Taschentuch war die vielleicht einflußreichste Persönlichkeit der afroamerikanischen Musik und bleibt wohl für alle Zeiten die beliebteste Symbolfigur des Jazz. Allein schon die vielen mit Ehrfurcht oder Zärtlichkeit ausgesprochenen Beinamen - Pops, Satchmo, Satchelmouth - belegen den Rang von Mr. Jazz. Der Sohn eines Tagelöhners lernte in einem Erziehungsheim für Jugendliche Kornett und spielte mit führenden Musikern des New Orleans Jazz wie Kid Ory und auf den Flußdampfern bei Fate Marable. Joe King Oliver holte ihn 1922 in seine Band nach Chicago. In den kraftvollen Duetten der Kornettisten zeichnete sich schon die zunehmende Emanzipation des einzelnen Solisten von der im frühen New Orleans Jazz üblichen Kollektivimprovisation ab. Diese Entwicklung findet, nach einem Zwischenspiel bei Fletcher Henderson (1924/25), in den Aufnahmen seiner Hot Five und Hot Seven einen Höhepunkt (1925-28): Die beeindruckende Architektonik seiner melodischen Einfälle, der strahlende Klang sowie die makellose Technik seines Kornett- und Trompetenspiels in Meisterwerken wie „Heebie Jeebies“ (das die Satchmo zugeschriebene(!) Erfindung des Scat-Gesanges dokumentiert) und „West End Blues“ wiesen ihn als erstes solistisches Genie des Jazz aus. Satchmo setzte nun die Maßstäbe für Improvisation, Scatgesang, Swing Feeling und Instrumentalbeherrschung, aber auch für Bühnenpräsenz und Entertainment - ein Vorbild, das sich auf nahezu alle Bereiche und Instrumente erstreckte. Schließlich löste sich Satchmo vom New Orleans-Stil, um sich 1931-47 als gefeierter Solist von Swing-Orchestern begleiten zu lassen. Mit seinen, nach dem 2. Weltkrieg formierten All Stars, denen Größen wie Earl Hines, Jack Teagarden, Trummy Young, Barney Bigard und Edmond Hall angehörten, wurde er vorbildlich für eine modernisierte Variante des New Orleans Jazz und fungierte in aller Welt als Botschafter des Jazz. Andererseits beschränkte er sich nicht auf Jazz („What a Wonderful World“) und errang durch seine rege Zusammenarbeit mit weißen Größen von Showbiz und Hollywood wie kein zweiter Respekt für Afroamerikaner. Zur Zeit der Bürgerrechtsbewegung wurde kritisiert, er produziere sich vor dem weißen Publikum als clowneskes Klischee und Zerrbild eines Schwarzen und warf ihm (zu Unrecht) politisches Desinteresse vor. Auch als Persönlichkeit strömte er die Warmherzigkeit und Lebensfreude seiner Musik aus.

Army of Lovers Schwedische Popgruppe, bekannt für höchsten Travestiefaktor und leidenschaftlichen Garderobenfetisch, die inmitten der gesamten LGBT-feiernden Extravaganz ihrer Auftritte und glattgebügelten Dance-Pop-Veröffentlichungen („Crucified“, „Obsession“, beide 1992) mit dem eher ordinären Narzissmus ihrer Bandmitglieder zu kämpfen hatte. Folge: Rausschmiß hier (La Camilla), Ausstieg dort (de la Cour), Auflösung 2001, Reunion 2005. Der einst in den 90ern so reizvoll konfettibunten Schrillheit dieses ganzen Bandkonstrukts taten jene Streitigkeiten weder musikalisch noch kommerziell besonders gut.

Arrangements etablierten sich schon früh im Jazz von der simplen Unterstützung des improvisierenden Solisten zu einer der Improvisation gleichberechtigten Kunst, die insbesondere für Bigband-Musik unentbehrlich ist. Kollektivimprovisation New Orleanser Prägung war schon in den 20ern bei Besetzungen von über zehn Mann ein Unding. Man brauchte Absprachen, die zu einer zumindest mündlichen Fixierung des Verlaufs führten (was man durchaus als Arrangement bezeichnen kann) oder übernahm aus der Tanzmusik die Gewohnheit, für die einzelnen Musiker eigene Stimmen aufzuschreiben. Diese dienten als Stütze und Ergänzung zur Improvisation oder ersetzten sie als auskomponierte Gegenstimmen und Begleitung vollständig. Allerdings nahmen die Arrangements im Swing überhand, beschnitten oft den improvisatorischen Freiraum und Musiker mussten auf Platten erfolgreiche, einst improvisierte Soli vor dem Publikum genau reproduzieren, wodurch sie Teil des Arrangements wurden. Im Idealfall sitzt das Arrangement, wenn es von einem guten Komponisten stammt, der die besonderen Fähigkeiten des Solisten kennt - Paradebeispiel Duke Ellington - wie ein Maßanzug. Gegen Tendenzen das Arrangement zu einer Zwangsjacke verkommen zu lassen reagierte der Bebop mit ausgedehnter Improvisation. Der Erfolg des New Orleans Revival hat die gleichen Ursache. Im West Coast Jazz wurden ausgefeilte Arrangements und ihre Urheber groß herausgestellt, während radikale Formen des Free Jazz mündliche oder gar keine Absprachen bevorzugen. Der Übergang zwischen Improvisation, Arrangement und Kompositon ist oft fließend. Wird für die geschriebenen Arrangements meist ein Arrangeur beauftragt, so werden daneben auch ungeschriebene aus der Improvisation der Bandmitglieder heraus geboren, etwa die head arrangements (da im Kopf behaltenen) bei Basie. Ein zu so komplexen Partituren fähiger Komponist wie Charles Mingus schrieb seine Stücke oft auf gedachtes Papier und schlug seinen Musikern singend verschiedene Töne vor, ließ ihnen aber die Wahl, diejenigen auszuwählen, die ihnen am besten gefielen. Wenige Musiker werden in erster Linie als Arrangeure bekannt (Gil Evans, Manny Albam, Johnny Richards, Pete Rugolo, Billy May). Die meisten Arrangeure werden berühmt, wenn sie auch herausragende Fähigkeiten als Instrumentalist (Benny Carter), Themenkomponist (Billy Strayhorn), Produzent (Quincy Jones) oder Bandleader (Shorty Rogers) besitzen.

Arriale, Lynne (*29.5.1957, Wisconsin) zeichnet sich als Pianistin des modernen Jazz, die meist im Trio auftritt, mit feinsinniger Lyrik und melodischem Reichtum aus.

Ars Nova Amerikanisches, klassisch gebildetes, kunstvoll vielschichtiges Rock-Sextett 1967 bis 1969, das trotz Kritiker-Lobes nie erfolgreich war.

Art Ensemble of Chicago, in seiner bekanntesten Besetzung bestehend aus Roscoe Mitchell (s), Joseph Jarman (s), Lester Bowie (t) und Malachi Favors (b), war ein Ableger der 1965 gegründeten Association for the Advancement of Creative Music (AACM). Unter diesem Namen musizierte die Gruppe seit 1969, von den Gründungsmitgliedern ist heute nur noch Mitchell dabei, der 1966 schon die Vorgänger-Band ins Leben rief. Mit ihren eklektizistischen Klangphantasien, die von den abenteuerlich kostümierten Musikern mit Wort, Tanz und Pantomime in Gesamtkunstwerke eingebettet wurden, erreichte die Band eine für Free Jazz erstaunliche Langlebigkeit und Popularität. Bowie war überzeugt, die Musik des Ensembles könne das Leben des Hörers zum Guten wenden.

Art of Noise, The Englischer Avantgarde-Pop der 80er Jahre mit schrägen Synthesizern und Geräusch-Samples. Cover-Version des Prince-Titels „Kiss“ (mit Tom Jones als Gastsänger).

Art Rock (Kunst Rock) Von den Beatles ausgehend („Sgt.Pepper“ 1967) wurde die simple Aneinanderreihung von Hits Ende der 60er verdrängt von kompletten, zusammenhängenden Alben (Konzept-Alben) oder von endlos langen Improvisationen (Cream). Galten anfangs einigermaßen gleichklingender Sound oder die Verwendung nur eines Rock-untypischen Instrumentes (z.B. Geige) als höchst kunstvoll, so stellten Mitte der 70er viele Bands eine oder gar mehrere LPs unter ein Thema. 30-minütige komplexe Kompositionen, um die sich weitere Songs nur als Zugabe gruppierten, wurden, auch kommerziell die Single verdrängend, zur Regel. Mit immer anspruchsvolleren Verschachtelungen versuchten die Bands ihre Hörer auf immer längere musikalische Reisen zu schicken - Stücke mit musikalischem Jazz-Tiefgang (Yes, Gentle Giant), historischen Anleihen (Emerson, Lake & Palmer), gründlicher Einheitlichkeit (Pink Floyd) oder Opern-aufwendigem Umfang (Genesis, Jethro Tull) in Großbritannien - und in Amerika eher aufwendige Soundkonzepte wie bei Grateful Dead oder Kansas. Als sich diese anfangs hochproduktive Bewegung Ende der 70er belanglos wiederholte, war der Punk vor allem in Europa die drastische Antwort auf derart aufgeblasene Selbstgefälligkeit. Gesamtkunstwerke wie in den 70ern wurden jedenfalls äußerst selten. Eine heutige, weit abgeschwächerte Entwicklung ist der Progressive Metal.

Ash Nordirische beschwingte Indie-Gitarren-Popband, ab Mitte der 90er erfolgreich („The Girl From Mars“).

Ash Ra (Tempel) Deutsches Synthesizer- und Gitarren-Gewaber in den 70ern.

Ashby, Dorothy (*6.8.1932, Detroit, † 13.4.1986, Santa Monica) ist wohl mehr als jede oder jeder andere für die Etablierung der Harfe im Jazz verantwortlich. Zwar haben vor ihr Künstler wie Casper Reardon Harfe gespielt, doch sie gerieten bald in Vergessenheit. Vor allem ihre, in den späten 50er- und 60er-Jahren eingespielten Alben - darunter „The Jazz Harpist“, „In a Minor Groove“, „Hip Harp“ - waren etwas völlig Neues: Da war sie oft in einem Gespann mit dem Flötisten Frank Wess zu hören - auch er ein Jazz-Pionier auf seinem Instrument - von Baß und Schlagzeug begleitet. Wer denkt bei Flöte und Harfe nicht an klassische Kammermusik? So stellt man es sich vor, wenn Engel jazzen.

Asher D. & Daddy Freddy Der Titel der '87er LP RaggamuffinHip-Hop ist Programm: auch solo sind die beiden Top-Acts der Hardcore-Raggamuffin-Szene.

Ashford & Simpson Das farbige amerikanische Songwriter-Ehepaar startete in den 60ern als Lieferant für Ray Charles, Diana Ross oder Stevie Wonder, bevor 1984 mit dem souligen Disco-Song „Solid“ ein selbstinterpretierter Erfolg gelang und in den 90ern die Karriere sanft ausklang.

Ashton, Gardner & Dyke Von Ex-Remo Four-Mitgliedern 1968 in London gegründet, verbanden bis 1972 harten Blues-Rock mit jazzigen Einflüssen und der charakteristisch rostigen Stimme Ashtons.

Asia Musiker um Geoff Downes (k), Carl Palmer (d) , anfangs auch Steve Howe (g) fanden hier eine bombastische Plattform, ihr Können studiotechnisch so aufzublasen, daß sie bis in die späten 80er noch sehr gut verdienen konnten („The Heat of the Moment“); 1986 wurde die völlig umbesetzte Band finanziell nicht mehr so einträglich und aufgelöst. Warum uns die Herren Downes, Palmer, Sherwood (arr) und Thal (g) ab 1989 wieder belanglosen Schmalz auftischen, bleibt ihr Geheimnis.

Asleep at the Wheel sind ab 1969 eine wechselnd erfolgreiche Band um den Sänger und Gitarristen Ray Benson (*16.5.1951). Über 80 Mitglieder spielten in etlichen Besetzungen und in ihrer, besonders live erfolgreichsten Zeit Mitte der 70er standen schon mal elf Musiker auf der Bühne (1975 „Texas Gold“). Grundsätzlich mit sonorer Country-Stimme, konventionellem Material und klischeehaften Texten auf dem Markt, fällt andererseits die üppige Besetzung auf, die in „One O'Clock Jump“ 1987 ohne Gesang swingen konnte, 1987 in „House of the Blue Light“ Boogie-Woogie-Anleihen enthält und 1988 mit „Sugar Foot Rag“ wieder flotten Country ablieferte, was jeweils mit einem Grammy belohnt wurde.

Asmussen, Svend (*28.2.1916, Kopenhagen, † 07.02.2017), der in Dänemark auch als einer der beliebtesten Entertainer, Schauspieler, Komödianten ein Star war, besaß als Violinist, der auch hervorragend Viola spielte, einen an Grappelli heranreichenden Ruf und wurde von Größen wie Ellington oder John Lewis als Partner gern akzeptiert. Sein dunklerer, bisweilen trüber Sound kontrastiert merkwürdig mit seinem spielfreudig-ausgelassenen Musikantentum.

Asphyx Niederländische Formation zwischen Death- und Doom-Metal (90er); extremer Grunzgesang. Prügeln immer noch heftig.

Astley, Rick Englischer Tanz-Mainstream der 80er; produziert von Stock/Aitken/Waterman - fulminantes Comeback in Großbritannien 2016!

Astra Kid Ab 1996 heftige Band aus Datteln im Stile der Hamburger Schule.

Aswad Hochpotente englische Reggae-Band um den Sänger und Rhythmus-Gitarristen Brinsley Forde, die Mitte der 70er in kleinen Clubs mit erdigem Roots-Reggae, gewürzt mit britischem Rock und sozialkritischen Texten begann und sich allmählich zu einem Top-Act mauserte, der zwar glatter, aber nicht künstlerisch unattraktiver wurde (siehe „Shine“ von 1995).

Atkins, Chet (*1924, Tennessee; † 2001, Nashville) Anerkannter Country-Gitarrist mit gelegentlichen Ausflügen in die Unterhaltungs-Musik (z.B. mit Mark Knopfler).

Atlanta Rhythm Section Ab 1970 bis heute Blues- und Country-Rock aus Atlanta, am erfolgreichsten bis in die 80er.

Atlantean Kodex Analog geschrubbter Doom-Metal aus Niederbayern: Konnte mit kryptischen Texten und etwas Mainstream-weichgespültem Gesang auf dem mehrfach ausgezeichneten „The Golden Bough“ 2010 international durchstarten.

Atlantis 1973/74 Rock mit Inga Rumpf.

Atlas, Natasha leiht ihre Stimme dem Dancefloor in London und war mit einer eigenen LP 1995 wenig erfolgreich.

Atomic Rooster Ab 1969 (bis 1984) unkomplizierte Hardrock-Band um Vincent Crane (mit heftiger Orgel, 1989 gestorben), die ihren Schlagzeuger an Emerson, Lake & Palmer verlor und u.a. den Ex-Colosseum-Sänger Chris Farlowe auf Solo-Pfade entließen, bäumten sich 1980 (mit Gitarrist und Sänger John Du Cann) ein letztes Mal, dafür überragend, auf.

Atrocity Deutscher Death-Metal; 1995 zusammen mit Das Ich in Richtung Dark Wave.

Attila siehe Billy Joel.

Atzmon, Gilad (*1963, Jerusalem), erregte als von Folklore, namentlich palästinensischer und jüdischer Musik berührter, wie von Charlie Parker und Cannonball Adderley beeinflußter Saxophonist ebenso Aufsehen wie mit seinen radikalen antizionistischen Thesen (Album „Exile“).

Aubry, René (*1956) Französischer feinsinniger Instrumental-Komponist weitestgehend der Pop- und Rock-inspirierten Moderne; vor allem für Ballett- und Film-Musik.

AudioslaveRage aganist the Machine-Musiker mit Soundgarden-Sänger Chris Cornell († 2017) ab Ende 2002. Und genauso klingt's auch. Auflösung im Todesjahr des Sängers.

Auer, Vera (*20.4.1919, Wien; † 2.8.1996, Newsane) war eine Akkordeonistin und Vibraphonistin des modernen Jazz (Zusammenarbeit mit Attila Zoller, Joe Zawinul).

Auger, Brian (*1939, London) (k, v) schwankte zwischen Jazz und Pop, ohne seinen immensen Vorschuß-Lorbeeren aus den späten 60ern gerecht zu werden. Größere Erfolge hatte er zusammen mit Julie Driscoll in der Band Trinity (1966-70). In den 90ern ist er mit Eric Burdon unterwegs. Er spielt vorwiegend Hammond-Orgel und Fender Rhodes e-Piano.

Auld, Georgie (*19.5.1919, Toronto, † 8.1.1990, Palm Springs) (sax) war als fähiger Hawkins-Schüler bei Swing-Größen (Berigan, Goodman, Shaw) und 1945 Leader einer fortschrittlichen, kurzlebigen Bigband.

Austin, Lovie (18.9.1887, Chattanooga, † 10.7.1972) war als frühe Pianistin des Jazz und Blues, die zugleich Arrangeurin und Bandleaderin war, ein wichtiges Rollenmodell für spätere Jazzfrauen, z.B. für Mary Lou Williams.

Australian Crawl 1978-86 aus Australien Surf-Pop/Rock u.a. mit der schönen Ballade „Reckless“ 1983.

Austropop Während in den 70ern deutschlandweit in der Medienöffentlichkeit noch der Schlager dominierte, entwickelte sich in Österreich neben diesem (Peter Alexander, Udo Jürgens) eine erstaunliche, im Dialekt verwurzelte, textlich ambitionierte und musikalisch bemerkenswerte Klasse: Der Austropop. Vorbereitet von der Wiener Worried Men Skiffle Group (1960-2014), die 1970 mit „Glaubst i bin bleed“ Ihren größten, stark dialektgefärbten Hit hatten, kreierten Anfang der 70er zuerst Künstler wie Wolfgang Ambros, Georg Danzer, Arik Brauer im meist flotten Akustik-Gewand oft sozialkritische Werke, deutlich unverkrampfter als bei ihren Schweizer oder deutschen Kollegen, die sich als Liedermacher oder Krautrocker musikalisch noch schwer taten. Diese Frische trugen Reinhard Fendrich oder Stefanie Werger in die 80er, in denen FalcoRap weltweit erfolgreich in seinen Elektropop einbaute. Hubert von Goisern erweiterte das Genre in den 90ern mit seinem Alpenrock. Überhaupt zeigt die Entwicklung von André Heller, EAV, Ludwig Hirsch, der doch wieder schlagerlastigen Waterloo & Robinson, DÖF, Ostbahn Kurti über Minisex (NDW), die englischsprachigen Papermoon, die bierzelttauglichen S.T.S., die Funk-Truppe Supermax zu den Alpenrockern Attwenger sowie Edelweiss und heute der hochdeutschen Band Bilderbuch die enorme Bandbreite dieser lebendigen Szene.

Autograph Kalifornische Mainstream-Hardrocker der 80er („Turn up the Radio“), mit Unterbrechungen immerhin bis heute aktiv.

Auvray, Lydie (*1956, Langrune-sur-Mer) Die in Berlin lebende französische Akkordeonistin (und selten auch Sängerin, 1. Album „Premiere“ 1981) hat mit ihrer schwungvollen Tango-affinen und virtuosen Spielweise sehr geholfen, das Akkordeon in Deutschland wieder populär zu machen; u.a. auch für Peter Maffay oder Hannes Wader.

Avalon, Frankie Süße amerikanische Liedchen in den späten 50ern - danach verstärkt als Schauspieler aktiv.

Avantgarde bezeichnet Vorreiter, die ungewohnte Neuerungen einführen. Angesichts der gesamten Musikgeschichte und ihrer Vielfalt (z.B. allein in der World Music) ist der Begriff in Rock und Pop nicht zu hoch zu bewerten. Eine Flöte im Heavy-Metal ist also durchaus keine besondere Leistung, da stilübergreifendes Aufnehmen von Einflüssen ohnehin zum Geschäft gehört. Im Jazz sieht's schon anders aus; als Beispiel bekommt man bei Eric Dolphy ganz schön was um die Ohren.

Avenged Sevenfold Amerikanische Band ab 1999. Zwischen Alternative, Heavy Metal und Metalcore.

Aventura Amerikanische Band mit Wurzeln in der Dominikanischen Republik, die zu den Pionieren modernerer und poppigerer Bachata (im 4/4-Takt mit betörend erotischen) Tanz-Interpretationen gehört. Zumeist in den Latin-Hitparaden platziert, landete das Quartett mit dem hinreißend betörenden „Obsesión“ 2004 einen Nr. 1-Hit in Deutschland. 2011 löste sich die Gruppe auf.

Average White Band 1973 von schottischen Musikern gegründetes Soul-Sextett mit, vor allem anfangs, eigenständigem Profil. Ende 1982 aufgelöst, aber 1989 bis heute doch wieder funky unterwegs!

Avicii Schwedischer DJ und Musikproduzent, dessen Electro-/Progressive-House in den 2010ern melodischen Pop mit clubtauglichem Dance versöhnte. Ibiza-Party-konforme Tracks wie „Levels“ 2011 waren genauso Bestandteil von Tim Berglings Portfolio, wie zahlreiche, von prominenten Gastsängern (Aloe Blacc, Robbie Williams, Adam Lambert) aufgepimpten Tanzhymnen wie „Wake Me Up!“, „Hey Brother“ (beide 2013), „Addicted to You“ 2014 und „Waiting for Love“ 2015. Als Musiker einer der größten (und durchaus von Kritikern wohlgesonnen betrachteten) Repräsentanten seines Genres, offenbarten sich beim Schweden alsbald unauflösbare Widersprüche zwischen dem Tournee-getriebenen Star-DJ im medialen Schlaglicht und dem gesundheitlich angeschlagenen Sinnsuchenden abseits nächtlicher Mischpultarbeiten. Bergling beging im April 2018 Suizid.

Avidan, Asav Israelischer Sänger mit gemütsvollem, vom falsettartigem bis heiser-kreischend reichendem Gesang und großem Künstlerpathos, dessen einziger Hit ausgerechnet die geremixte Danceversion einer Gitarrenballade, zusammen mit seiner Band The Mojos, werden sollte: „One Day/Reckoning Song,“ produziert vom Berliner DJ Wankelmut, ein Hit 2013, von Avidan selbst nur widerwillig geduldet. Bis heute ist er mit seiner eigenartigen Mischung aus melancholischem Folkpop und akustischem Indierock unterwegs.

Axe Amerikanischer Mainstream-Hardrock der 80er - aber erst 2012 aufgelöst.

Axton, Hoyt 1964 Country, zunehmend Rock und ganz wenig Blues bis Ende der 70er („The Pusher“ wurde ein Hit für Steppenwolf); † 1999.

Axxis Deutsche Mainstream-Hardrocker ab den 80ern (nur eine längere Pause Ende der 90er) mit hohem Knödel- & Chorusgesang.

Ayers, Kevin (v, g, b) Nach seinem Ausstieg bei Soft Machine 1969 experimentierte der Gitarrist in verschiedenen, vorwiegend psychedelischen Stilen und arbeitete mit unzähligen, vor allem britischen Musikern; † 2013.

Ayers, Roy (* 10.9.1940 L.A.), Vibraphonist des Soul Jazz der 60er Jahre, der Jahrzehnte später im Nu Jazz wiederentdeckt wurde.

Ayler, Albert (*13.9.1936, Cleveland, † 1970, NY), der oft simple marsch-, volkslied-, und zirkusartige Melodien in eine ekstatische Free Jazz-Atmosphäre versetzte, war einer der ausdrucksstärksten Tenoristen der 60er, der mit seelenvollem, mächtig vibrierendem Ton und zum Himmel erhobenem Saxophon spielte. Seine Kompositionen wie „Angels“ oder „Light in Darkness“ spiegeln die spirituellen Wurzeln seiner Musik. Sein Motto lautete: „We Play Peace“.

Azet Deutscher Rapper kosovo-albanischer Herkunft, der zur Dresdner Rap-Crew KMN gehört. Alles Weitere liest sich wie aus der Bibel der Deutschrap-Stereotype: 2015 Inhaftierung wegen Drogenbesitz und Körperverletzung, 2018 Freilassung, bereits zuvor und danach (zumeist mit Rap-Kollege Zuna orchestriertes) Autotune-Posing zwischen „Schlag Dealern Schädel ein, bis Lila in die Kasse kommt“ („Gjynah“ 2017), „Digga, macht es bop-bop und die Fotze liegt“ („Lelele“ 2018) und „Bunker Packs unterm Bett, sitz im Mercedes Benz“ („Lass los“ 2020). Trotz unzähliger Streaming-Erfolge nicht ansatzweise als Pionier seiner Zunft zu bewerten.

B

B3 Amerikanische Boygroup, die nach ihrer Gründung im Jahr 2001 zahlreiche Bee Gees-Songs in ein abgestandenes Boygroup-Pop-Korsett zwängte. Die Konsequenz: Bee Gees-Cover „You Win Again“ 2001, Bee Gees-Cover „Nightfever“, Bee Gees-Cover „I.O.I.O“ (beide 2002). Mit eigenen Produktionen wie „Tonight and Forever“ 2002 oder „All The Girls“ 2003 ihrem Bee Gees-Cover-Markenkern beraubt, endete bereits im Jahr 2004 die Karriere. Wären Sutherland, Cruz und Late ihren Idolen, den Bee Gees, doch treu geblieben.

B-52s Amerikanische Gruppe, Ende 70 gegründet; durchaus stilbildend zwischen New Wave, Funk und Pop; männlicher (Sprech-)Gesang und singendes Mädel („Love Shack“ 1989).

Babasin, Harry (*19.3.1921, Dallas, † 21.5.1988, L.A.), Bassist, führte 1947 bei Aufnahmen mit Marmarosa das gezupfte Cello in den Jazz ein.

Babe Ruth 1972 bis 1977 schrie zeitweilig eine Sängerin gegen britischen Hardrock an.

BabyshamblesPunkige Zweitband von Libertines-Sänger Pete Doherty ab 2003.

Baccara Spanisches Duo, das Ende der 70er zu den weiblichen Heroinnen der europäischen Tanzflächen gehörte. Vom koketten Akzent bis zum charakteristischen Dress (beide jeweils in Weiß und Schwarz gekleidet) präsentierten sie sich als am Reißbrett entworfenes Vermarktungsprodukt (produziert und betextet von Rolf Soja und Frank Dostal). Nach den Welthits und Disco-Klassikern „Yes Sir, I Can Boogie “und „Sorry, I'm a Lady“ 1977 schleuderten sie diverse weitere identische Tanzmunitionen in die Plattenläden. Interne Streitigkeiten führten dazu, daß heute zwei Baccara-Duos durch Fernsehgärten und Antenne Brandenburg-Oldieparties hüpfen.

Bach, Johann Sebastian (1685-1750) Der Musiker des Barock schuf u.a. Orgelwerke, Kammermusik und Orchesterwerke und „Das Wohltemperierte Klavier“ (ein grundlegendes Werk abendländischen Harmonieverständnisses), wurde jedoch erst seit der Deutschen Hochromantik (Mendelssohn-Bartholdy) wirklich populär. In der Zeit der Wiener Klassik war sein Sohn Carl Philipp Emanuel wegen seiner prestigeträchtigen Anstellung am preußischen Hof weit berühmter. Soweit zum Thema Pop. Er ist der im Jazz wohl am meisten verehrte Komponist der sogenannten ernsten Musik und dient dort als geistesverwandt empfundene Inspirationsquelle (Modern Jazz Quartet, Dave Brubeck). Vor allem in den 60er Jahren war es populär, die Nähe Bachs zum Jazz mit swingenden Interpretationen zu unterstreichen (Jacques Loussiers „Play Bach“ Alben, Swingle Singers), wobei die Grenze zur Unterhaltungs- und Filmmusik oft überschritten wurde. Bach war der Eisbrecher: Verjazzungen praktisch aller klassischen Komponisten wurden gängig. Die Liebe des Jazz zu Bach ist eine der Wurzeln des Jazz-Klassik-Crossover (Claude Bolling).

Bachata 1960 in der Dominikanischen Republik als romantisch leiernde Gitarrenmusik entstanden und inzwischen mit 115 bis 160 bpm im 4/4-Takt eine sehr beliebte Tanzmusik (Juan Luis Guerra, Album „Bachata Rosa“).

Bachman-Turner Overdrive Kanadische Hardrock-Band Anfang der 70er bis Anfang der 90er um den Ex-Guess Who-Gitarristen/Sänger Randy Bachman, der inzwischen ausgestiegen ist („You Ain't Seen Nothing Yet“).

Backyard Babies siehe TNWOSAR.

Backstreet Boys Amerikanische Jungs, die 1995 musikalisch, tanztechnisch und mit Teenie-Image die Linie der New Kids on the Block, Take That etc. fortführen und in Europa höchst erfolgreich durchstarteten („We've Got it Going on“, „Get Down“).

Backus, Gus Amerikanischer Musiker, dessen Versetzung nach Wiesbaden anno 1957 über sein weiteres Schicksal als deutschsprachiger Schlagersänger mit Ami-Akzent und anspruchslosen Frohsinnsnümmerchen wie „Der Mann im Mond“, „Ich steh an der Bar und habe kein Geld“ sowie „Da sprach der alte Häuptling der Indianer“ (Anfang/Mitte 60er) entschied. Ein paar Filmauftritte später, und Backus' Karriere verschwand in den Untiefen der plötzlich eintretenden Beatmusik-Welle Mitte der 60er Jahre.

Bad Boys Blue Eingängig brav in Deutschland produzierte Gruppe für Diskotheken-Tanzmusik der 80er.

Bad Brains 1977 (als „Mind Power“) in Washington gegründet und 1979 nach N.Y. umgezogen, entdeckte 1978 als erste schwarze Band den Hardcore-Punk für sich und kombinierte ihn mit Reggae. Das Debutalbum „Bad Brains“ setzte 1982 Maßstäbe.

Bad Company 1974 gegründetes Quartett mit dem kraftvollen, modulationsreichen Sänger Paul Rodgers (*1949, London, auch g und k) und Simon Kirke (d, oft nuancenreich verschliffen) von Free, Mick Ralphs (*1944, Hereford, g, ordentlich Riffarbeit, sehr wenige Soli) von Mott the Hoople und Boz Burrell (*1946, Holbeach, † 2006, Marbella) (b) von King Crimson. Bis in die späten 70er ein Musterbeispiel für ausdrucksstarken und einfallsreichen Hardrock. Von Beginn an megaerfolgreich (1974 „Bad Co“) und auch später erfrischend solide (1975 „Feels Like Making Love“ mit nur zwei! Akkorden), auch mal experimentell („Master of Ceremony“ 1977) oder sehr ausgefeilt und abwechslungsreich auf „Run with the Pack“ 1976. 1986-95 nach Verlust des Frontmannes US-Mainstream (vom Hochdruckreiniger zum Weichspüler), danach mit Rodgers-Imitat wieder erdiger und ab 2002 vereinzelt in Originalbesetzung.

Bad English US-Mainstream der 90er um den Sänger John Waite und den Ex-Journey-Gitarristen Neil Schon.

Bad Religion Die Amerikaner verbinden seit Anfang der 80er oft schnellen Punk-Rock mit sehr melodiösem und eingängigem Gesang und wurden so zu einer der Einflußgrößen des neueren amerikanischen Punk (Green Day, Offspring, NOFX etc.).

Badfinger Englische 70er-Band, die ein wenig wie die frühen Beatles klingen.

Badger 1971 vom Ex-Yes-Keyboarder Tony Kaye und dem Ex-Asthon, Gardner & Dyke-Schlagzeuger Roy Dyke in London gegründet; virtuos gespielter, keyboardlastiger Bombast-Rock der 70er mit schwachem Songmaterial.

Baez, Joan (*9.1.1941, Staten Island) Wurde 1959 als Folk-Sängerin, Anfang der 60er auch durch ihren politischen Protest berühmt. Sie singt mit glasklarem Sopran oft nur zu Gitarrenbegleitung und ist (neben Bob Dylan, dessen Songs sie bekannt machte und mit dem sie eine problematische Freundschaft verband) eine der wichtigsten Folk-Persönlichkeiten Amerikas. Schon ihre ersten LPs „Joan Baez“, „Joan Baez Vol.2“ (beide 1961) und „Joan Baez in Concert“ 1962 waren außerordentlich erfolgreich, Mitte der 60er elektrifizierte sie, ähnlich Dylan, ihre Band, in den 70ern „The Night they Drove Old Dixie Down“ (von The Band) verlegte sie sich in Richtung Mainstream. Erwähnenswert neben ihrem stetigen politischen Engagement für Gewaltlosigkeit und Frieden, ihren ausgiebigen Tourneen auch in Südamerika und Europa, ist ihre musikalische Entwicklung von simplen Protestsongs zu seit den 80ern immer raffinierterem Ausdruck. Durchaus eine Folk-Ikone!

Bahamadia Eine Rapperin, die Mitte der 90er mit druckvoll modernisierter Old School überrascht.

Bailey, Benny (*13.8.1925, Cleveland, † 14.04.2005, Amsterdam) Eine phantastische Atemkontrolle, einen bemerkenswerten Tonumfang und „die perfekteste Technik, die ich auf der Trompete kenne“. Das bescheinigte Quincy Jones neben überragenden stilistischen Fähigkeiten dem Trompeter Benny Bailey, dem er mit dem Song „Meet Benny Bailey“ ein Denkmal setzte. Er verbrachte den Großteil seiner Karriere in Europa.

Bailey, Mildred (*27.2.1907, im Reservat Tekoa, Washington, † 12.12.1951, Poughkeepsie, N.Y.) Sie Sängerin mit der feinen, wehmütigen Balladen-Stimme hatte familiäre Wurzeln im Volk der Coeur d’Alene, wuchs in einem Reservat auf und war in den 30ern die bedeutendste nicht-schwarze Sängerin. Die mit Norvo verheiratete „Mrs. Swing“ (nach einem ihrer Hits auch „Rockin' Chair Lady“ genannt) wurde in ihrem Genre nur von B. Holiday überboten.

Bailey, Philip Amerikanischer Sänger, der mit seiner bemerkenswert variablen Stimme zur prägenden Figur von Earth Wind & Fire wurde. In den 2000ern die Arbeit mit seiner Band wieder aufnehmend, gestaltete er zwischendurch aktiv seine Soloaktivitäten in Zusammenarbeit mit Gesangskollegen Phil Collins („Easy Lover“ 1984), mit Grammy-prämierter Gospelmusik sowie eher spannungsarmem R&B-Pop.

Baird, Don siehe Georgia Sattelites.

Baker, Anita (*1958, Toledo) Amerikanerin mit beachtlichem Stimmumfang in Gospel und Soul sowie großer Beliebtheit nicht nur bei Kritikern, die sich auch dem Jazz zuwandte („Giving You the Best that I Got“ 1988). Ihr letztes Album erschien 2004 nach zehnjähriger Pause.

Baker, Arthur Einflußreicher Dance-DJ und Musikproduzent, der in den 80ern u.a. für New Order und Diana Ross arbeitete. Das eher soulig-poppige „The Message Is Love“ (gesungen von Al Green) wurde 1989 zu seinem größten Hit.

Baker, Chet (*23.12.1929, Yale, Oklahoma, † 13.5.1988, Amsterdam), dessen lyrische Trompeten-Spielweise deutlich zu seinem dramenreichen Junkieleben kontrastiert, wurde zu einer Kultfigur des Jazz, der seit seinem tragischen Tod - legendenumwobener Sturz aus dem Hotelfenster - noch mehr gehuldigt wird (Platten, Filme, Bildbände...). Nach einem kurzen Engagement bei Charlie Parker wurde er durch seinen verhaltenen und poetischen Stil im Mulligan