Eine gute Freundin - Marietta Brem - E-Book

Eine gute Freundin E-Book

Marietta Brem

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Beschreibung

Wir lernen die Geschichte kennen, die einmal dazu führen wird, dass es, viele Jahre später, zur Gründung von 'Sophienlust' kommen wird. Der Weg dahin schildert eine ergreifende, spannende Familiengeschichte, die sich immer wieder, wenn keiner damit rechnet, dramatisch zuspitzt und dann wieder die schönste Harmonie der Welt ausstrahlt. Das Elternhaus Montand ist markant – hier liegen die Wurzeln für das spätere Kinderheim, aber das kann zu diesem frühen Zeitpunkt noch keiner ahnen. Eine wundervolle Vorgeschichte, die die Herzen aller Sophienlust-Fans höherschlagen lässt. "Kann ich Manuel so begegnen? Was meinst du, Mamsi? Wie sehe ich aus? Wird er mich gut finden? " Denise Montand drehte sich vor dem Garderobenspiegel in der Diele ihres Elternhauses und war offensichtlich nicht besonders zufrieden mit dem, was sie sah. Sie trug eine leichte Jeans, die gerade bis zu den Knien reichte, und eine hübsche gemusterte Bluse, die ihre überschlanke Gestalt besonders betonte. Eva schaute ihre Tochter lange an. Es schien, als müsse sie überlegen, was sie sagen sollte. Dass Denise ein wunderschönes Mädchen war, daran gab es nichts zu zweifeln. Doch ob es gut war, wenn sie das immer wieder hörte, konnte man nicht sagen. "Du kannst dich sehen lassen", antwortete Eva und lächelte. "Auf jeden Fall hast du keinen Grund, um Komplexe zu haben. " Sie legte den Arm um Denises Schultern. "Du bist meine kleine Prinzessin", sagte sie sanft und blinzelte die Tränen weg, die ihr plötzlich in die Augen gestiegen waren. Denise schaute auf ihre Armbanduhr. "Gleich wird er hier sein", stellte sie aufgeregt fest. "Bittest du ihn ins Haus? Heftig schüttelte Denise den Kopf. "Natürlich nicht", antwortete sie sofort. "So weit sind wir noch lange nicht.

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Seitenzahl: 104

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Sophienlust, wie alles begann – 25 –Eine gute Freundin

Unveröffentlichter Roman

Marietta Brem

„Kann ich Manuel so begegnen? Was meinst du, Mamsi? Wie sehe ich aus? Wird er mich gut finden?“ Denise Montand drehte sich vor dem Garderobenspiegel in der Diele ihres Elternhauses und war offensichtlich nicht besonders zufrieden mit dem, was sie sah. Sie trug eine leichte Jeans, die gerade bis zu den Knien reichte, und eine hübsche gemusterte Bluse, die ihre überschlanke Gestalt besonders betonte.

Eva schaute ihre Tochter lange an. Es schien, als müsse sie überlegen, was sie sagen sollte. Dass Denise ein wunderschönes Mädchen war, daran gab es nichts zu zweifeln. Doch ob es gut war, wenn sie das immer wieder hörte, konnte man nicht sagen. „Du kannst dich sehen lassen“, antwortete Eva und lächelte. „Auf jeden Fall hast du keinen Grund, um Komplexe zu haben.“ Sie legte den Arm um Denises Schultern. „Du bist meine kleine Prinzessin“, sagte sie sanft und blinzelte die Tränen weg, die ihr plötzlich in die Augen gestiegen waren.

Denise schaute auf ihre Armbanduhr. „Gleich wird er hier sein“, stellte sie aufgeregt fest.

„Bittest du ihn ins Haus?“

Heftig schüttelte Denise den Kopf. „Natürlich nicht“, antwortete sie sofort. „So weit sind wir noch lange nicht. Ich kenne ihn ja erst seit ein paar Wochen. Oder traust du mir nicht?“

„Das ist ja wohl Unsinn, was du sagst“, bemerkte Eva ärgerlich. „Ich bin zwar deine Mutter und schon ein paar Tage älter als du. Aber ich bin nicht irgendwo hinter dem Mond und schaute verträumt zur Erde, weil alles irgendwie an mir vorbeigeht.“

„Jetzt hab ich dich beleidigt“, stellte Denise erschrocken fest. „Das wollte ich nicht. Bitte, Mamsi, verstehe mich doch. Ich werde mit ihm in ein Cafe gehen und eine Weile reden. Dann komme ich wieder nach Hause. Dass Manuel echt ist, das hat Pap doch schon recherchiert“, fügte sie grinsend hinzu. „Er ist… so erwachsen. Ganz anders, als die Freunde, die ich bisher hatte. Ich möchte nicht als unwissendes kleines Mädchen erscheinen. Kannst du das nicht verstehen?“

„Was hab ich?“, fragte Pierre, der gerade von seinem Labor in der unteren Etage gekommen war.

„Du hast Manuel in Augenschein genommen und gesagt, dass er echt ist“, antwortete Denise lächelnd. „Mein Handy hab ich dabei, falls ich einen Chauffeur brauche. Also kann mir gar nichts passieren.“ Hastig lief sie zum Fenster, als sie ein Auto vorfahren gehört hatte. „Er ist da. Wünscht mir Glück“, rief sie ihren Eltern noch zu, dann war sie auch schon draußen.

Pierre blieb am Fenster stehen und beobachtete das wartende Auto. „Der steigt nicht mal aus“, knurrte er. „Was ist das denn für ein Stoffel?“

Seufzend trat Eva an seine Seite. „Vielleicht hat man das heute nicht mehr so. Das war vor achtzehn Jahren anders, als wir uns kennenlernten.“ Wieder seufzte sie.

Pierre grinste in sich hinein. „Ich erinnere mich noch gut dran. Du hattest mich in die Schule zitiert. Raoul hatte irgendeinen Unfug angestellt, und du wolltest mir ins Gewissen reden, dass ich mich mehr um ihn kümmere.“

„Ach, lassen wir das“, wehrte Eva verlegen ab. Eine zarte Röte war ihr ins Gesicht gestiegen, als sie an die erste Begegnung mit Pierre dachte. Es war die erste Elternsprechstunde in ihrer Laufbahn gewesen. Sie hatte sich sehr bemüht, erwachsen und kompetent zu wirken. Pierre jedoch hatte sie und ihre geheime Verlegenheit sofort durchschaut. Dennoch hatte er sie ernst genommen und versprochen, mehr auf Raoul einzugehen. Dann hatte er Eva das Versprechen abgenommen, dass er sich immer an sie wenden dürfte, wenn er nicht mehr weiter kam mit seinem Sohn.

„Aus dieser ersten Sprechstunde wurde eine Sprechstunde fürs Leben“, murmelte Pierre und legte einen Arm um die Schultern seiner Frau. „Schau, jetzt steigt er doch noch aus. Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil“, sagte er und lachte leise.

„Na also. Unsere Denise weiß schon, was sie tut“, versuchte Eva, sich zu beruhigen. „Mal sehen, wie lange es dauert, bis sie ihn uns vorstellt.“

Pierre holte tief Luft und starrte wie paralysiert auf den jungen Mann, der Denise lächelnd entgegenschaute. „Das ist der nicht“, stellte der Arzt fest.

„Wie meinst du das?“

„Dieser Mann ist nicht der Mann von dem Bild. Du weißt doch, ich hab dir das Foto im Internet gezeigt von der Kanzlei von Doktor Terbrink. Der Sohn von dem Bild ist nicht dieser Mann da draußen.“ Er ließ Eva abrupt los und wollte zur Tür.

„Sie fahren gerade weg“, stellte Eva erschrocken fest. „Was ist denn auf einmal los?“

„Manuel Terbrink ist ein dunkler Typ, genau wie sein Vater, der Steuerberater“, murmelte Pierre und trat wieder ans Fenster. Das Auto war bereits verschwunden und der Arzt spürte ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend. „Dieser Mensch, der gerade unsere Tochter entführt hat, ist eher hellhäutig und hat mittelbraune Haare.“

„Vielleicht sind sie ja gefärbt“, gab Eva zu bedenken. „Wenn Denise zurück ist, werden wir sie genauestens befragen. Ich glaube nicht, dass wir uns Sorgen machen müssen. Oder was denkst du? Sollen wir die Polizei einschalten?“

Pierre holte sein Handy aus der Tasche und wählte Denises Nummer. Als er ihre Stimme hörte, atmete er insgeheim erleichtert auf. „Liebes, ich… wir wollten dir nur einen schönen Nachmittag wünschen“, stammelte er, weil ihm in der Schnelle nichts anderes einfiel.

„Danke, Papsi. Das ist lieb von euch.“ In ihrer Stimme konnte er erkennen, dass sie ihm diese Ausrede nicht glaubte. „Wir fahren nur ins Adamello und trinken einen Kaffee. Ihr könnt ganz beruhigt sein.“ Sie drückte den Ausschaltknopf und steckte ihr Handy wieder in die Tasche.

„Alles in Ordnung?“ Eva war es etwas unangenehm, dass Pierre die Tochter angerufen hatte. So etwas hatte er noch nie getan.

„Anscheinend“, gab Pierre knapp Auskunft. „Ich denke nicht, dass sie in Gefahr ist. Sicher wird sie eine ganz einfache Erklärung für den Typenwechsel haben. Doch diese Geschichte sagt mir, dass wir auf der Hut sein müssen. Denise ist so ein liebes, gutgläubiges Mädchen, das wir bis jetzt vor dem Schlimmsten schützen konnten. Langsam jedoch wachsen ihr Flügel, und bald können wir unsere Fittiche nicht mehr über sie ausbreiten. Hoffentlich haben wir sie genügend auf das Leben vorbereitet.“

„Das haben wir, Schatz“, antwortete Eva zuversichtlich. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihren Mann zärtlich. „Mach dir nicht zu viele Sorgen.“

„Mache ich nicht, versprochen“, antwortete Pierre und küsste sie zurück.

* * *

„Du lebst sehr behütet, hab ich Recht?“, fragte Manuel und warf ihr einen forschenden Seitenblick zu. „Warst du noch nie mit einem Mann unterwegs?“ Er wartete einen Moment lang auf eine Antwort. „Sag bloß, ich bin dein erster Freund?“, fragte er erschrocken.

Denise zuckte innerlich zusammen, ließ sich jedoch nichts anmerken. „Bist du nicht“, antwortete sie leise. „Es ist nur so, dass ich mit meinem letzten Freund nicht gerade ein glückliches Händchen bewiesen habe. Der hatte mehrere Baustellen, und ich war so naiv zu glauben, dass er sich endlich für mich entscheiden würde. Als er es schließlich getan hat, wollte ich ihn nicht mehr.“

„Ah, das war der Typ, den du im Krankenhaus besuchen musstest, damit wir beide uns über den Weg laufen. Hab ich Recht?“

Denise kicherte. „So war das wohl“, stimmte sie ihm lachend zu. „Ich hoffe nur, wir bereuen das nicht irgendwann.“

„Warum sollten wir?“, fragte er leichthin. „Ich bin ein ganz lieber Mensch, und du kannst dich bei mir sicher fühlen wie in Abrahams Schoß.“

„Das möchte ich lieber nicht“, wehrte Denise schmunzelnd ab. „Meines Wissens nach hatte Abraham mindestens zwei, wenn nicht gar drei Frauen und seinem Schoß entsprangen acht Söhne. Soviel zur Sicherheit.“

„Ich werde dir ganz bestimmt nichts tun, das du nicht auch möchtest“, wehrte Manuel verblüfft ab. „Magst du wirklich ins Adamello oder hast du eine andere Idee? Wie viel Zeit haben wir, ehe deine Eltern anfangen, nach dir zu suchen?“

Denise verzog das Gesicht. „Du musst nicht über meine Eltern spotten“, meinte sie kühl. „Ich liebe beide sehr, und wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Wenn dir das nicht gefällt, kannst du mich gleich wieder nach Hause bringen.“

Manuel erschrak. Er merkte, dass seine neue Begleiterin ganz genau wusste, was sie wollte und was nicht. Er holte hörbar Luft. „Entschuldige bitte“, murmelte er verlegen. „So hab ich das nicht gemeint.“ Er wirkte zerknirscht. „Ich finde es schön, dass es so etwas noch gibt. Damit kann ich nicht dienen. Meine Eltern sind sehr sachliche Menschen. Gefühle haben in ihrem Leben nicht viel Raum, deshalb erschien mir euer Verhalten ein wenig… mhm… seltsam.“

Denise spürte auf einmal die Trauer hinter seinen Worten, seine Stimme hatte sich etwas verändert. Jetzt tat es ihr Leid, dass sie so heftig reagiert hatte. „Wir sind eng verbunden“, sagte sie leise. „Vielleicht liegt es am Beruf deines Vaters, dass er sachlich ist. Er ist Steuerberater, nicht wahr? Wenn ein Mensch immer nur mit Zahlen zu tun hat, wird er irgendwann eine distanzierte Einstellung zum Leben haben“, vermutete sie.

„Steuerberater… ah ja“, versicherte Manuel erschrocken. Fast hätte er sich verraten. Das jedoch hätte vermutlich das Ende ihrer gerade erst aufkeimenden Freundschaft bedeutet. Das wollte er auf keinen Fall riskieren. Ganz deutlich spürte er, dass seine Zuneigung zu Denise immer stärker wurde. Ausgerechnet bei ihr hätte er vermutlich keiner Spielchen bedurft. Doch jetzt war es zu spät zur Beichte. Er musste einen günstigen Augenblick abwarten, wenn er ihr seine wahre Identität verraten wollte.

„Magst du mir ein bisschen von deinem Leben erzählen?“, versuchte Denise ein Gespräch in Gang zu setzen.

„Da gibt es nicht viel“, antwortete er sofort. „Ich hab Abitur gemacht und dann eine Ausbildung angefangen.“

„Zum Steuerberater?“, fragte Denise lachend.

„Nein, natürlich nicht. Ich habe Betriebswirtschaft studiert, werde demnächst ein halbes Jahr nach England gehen und dort ein Praktikum machen. Ehe ich sesshaft werde, möchte ich noch ein bisschen was von der Welt sehen.“

„England ist nicht die Welt, es ist nur England“, sagte Denise und empfand ein wenig Trauer über die Aussicht, dass sie ihn in dieser Zeit sicher keinen Kontakt mit ihm haben würde. „Was willst du denn beruflich tun?“

Angestrengt starrte er auf die Straße. Schließlich fuhr er der Länge nach am Straßenrand in eine Parklücke. Er zog die Handbremse an, dann drehte er sich zu ihr um. „Ich weiß es noch nicht“, gestand er ehrlich. „Bis jetzt habe ich in den Tag hinein gelebt, muss ich gestehen“, fuhr er leise fort. „Doch seit ich dir das erste Mal begegnet bin, scheint sich in meinem Leben etwas zu ändern.“

„Wie meinst du das?“, fragte Denise vorsichtig und wich seinem forschenden Blick aus. Sie spürte, wie ihr Herz einige aufgeregte Schläge zusätzlich machte. Was hatte das zu bedeuten? So hatte sie noch nie zuvor empfunden.

„Ich kann es nicht sagen“, antwortete Manuel. „Der Prozess der Veränderung ist nicht abgeschlossen, so kann ich nicht noch nicht sagen, wohin es gehen wird. Aber es hat mit dir zu tun. Ist das schlimm?“

„Das weiß ich nicht.“ Sie versuchte zu lächeln, was jedoch kläglich misslang. Deutlich spürte sie den Ernst dieser Situation, die völlig neu für sie war. „Magst du mir noch ein bisschen von deinen Eltern erzählen?“

„Da gibt es nicht viel“, wiegelte er ab. „Meine Mutter stammt aus einer vermögenden Familie, mein Vater aus einer reichen. Dennoch scheinen sie noch immer nicht genug zu haben, denn ihr ganzes Sinnen und Trachten zielt darauf ab, den Besitz zu halten und natürlich zu vermehren.“

„Du bist der einzige Sohn?“

Manuel nickte. Er konnte es auf einmal nicht mehr ertragen, ihr nicht sagen zu können, wer er in Wirklichkeit war. Er wusste jetzt, dass sie ihn nie wegen seiner Abstammung oder des Besitzes, den er einmal zu erwarten hatte, lieben würde. „Du bist auch die einzige Tochter deiner Eltern?“, versuchte er, von sich abzulenken.

Denise schüttelte den Kopf. „Ich hab noch einen Bruder. Er ist älter als ich. Wir haben einen gemeinsamen Vater, aber meine Mutter ist nicht seine biologische Mutter.“

„Warum betonst du das so sehr?“

„Raoul hat eine Mutter, die ihn geboren hat. Mehr konnte sie für ihn nicht tun. Deshalb ist meine Mutter auch seine.“

„Oh, ist sie gestorben?“

„Für Raoul ja. Sie lebt aber noch. Wo immer sie auftaucht, hinterlässt sie Schutt und Asche. Wir sind alle froh, dass wir in letzter Zeit nichts mehr von ihr gehört haben. Sie hat es sogar beinahe geschafft, die Ehe meines Bruders zu zerstören. Ich hoffe nur, das renkt sich wieder ein.“