Einfach Hund sein dürfen - Thomas Riepe - E-Book

Einfach Hund sein dürfen E-Book

Thomas Riepe

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11,99 €

Beschreibung

Statt komplizierter Anleitungen und Beschäftigungskonzepten plädiert Thomas Riepe für eine Hundehaltung, die sich mehr am Leben selbstbestimmter Hunde orientiert. Der Autor liefert einfache, naturnahe Ratschläge, wie Sie das Leben Ihres Hundes bereichern können und beschreibt, wie Straßen- oder Ranchhunde ihren Alltag gestalten. Auch Wolfsverhalten wird als Vergleich herangezogen. Erfahren Sie, welche Ur-Bedürfnisse Hunde haben und welche davon Sie wie befriedigen können. Sympathische Zeichnungen illustrieren den handlichen Ratgeber. Ein etwas anderes Hundebuch, in dem man gerne immer wieder schmökert.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 92

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Thomas Riepe

Einfach Hund sein dürfen

Das Hundeleben natürlich gestalten

Haupttitel

Haupttitel

Das Hundeleben natürlich gestalten: warum?

Selbstbestimmtes Hundeleben

Das Revier – warum ist es so wichtig?

Von Neurotransmittern, Verhalten und Beschäftigung

Hundeleben in der modernen Gesellschaft

Simulation eines selbstbestimmten Lebens

Wolf, Dingo & Co. : Vorbilder für das natürliche Gestalten

Vorgestellt: selbstbestimmte Hundeartige

Der Wolf

Der Schensihund

Der Straßenhund

Der Bauernhund

Der Dingo

Angeboren und angepasst

Die biologische Herkunft des Haushundes

Vom Wolf zum Haushund

Wolf und Haushund heute – ein Vergleich

Das Hundeleben natürlich gestalten: So klappt’s im Alltag

Der Streifgang

Revier bewachen

Nahrung beschaffen, verstecken und bearbeiten

Interaktion mit Sozialpartnern

Regeneration – Schlafen und Ruhen

Anmerkungen zum Schluss

Service

Buchtipps, Quellen

Klicks im WWW

Bildnachweis

Haftungsausschluss

Impressum

Das Hundeleben natürlich gestalten: warum?

Selbstbestimmt lebende Hunde gestalten ihr Leben so, dass sie sich wohlfühlen – wenn es die Umwelt zulässt. Damit auch unsere Haushunde auf natürlichem Weg zufrieden sein können, können wir versuchen, ein „freies Leben“ so gut es geht zu simulieren.

Selbstbestimmtes Hundeleben

Die große Mehrheit der Hunde weltweit leben nicht als Familienhunde, sondern selbstbestimmt. Es ist spannend zu erfahren, wie diese Hunde ihren Alltag meistern.

Lebensraum Mensch

Der Lebensraum nah bei oder auch zwischen den Menschen ist für Hunde sehr wichtig, weil sie sich über viele Jahrtausende an eben genau diesen Lebensraum angepasst haben, der eine Nische in der Natur darstellt. Hunde werden so gut wie nie in einer Umwelt beobachtet, die vollkommen menschenleer ist. Zwar gibt es in Asien einige Hunde, die sich anscheinend wieder vom Menschen entfernen bzw. sich schon entfernt haben und die an den Stadträndern leben, sozusagen zwischen dem Lebensraum Mensch und der „echten“ Natur. Diese Pariahunde genannten Tiere zeigen ein leicht abweichendes Verhalten zu anderen Hunden. Pariahunde stellen aber nicht die Mehrheit der Hunde weltweit. Die wird durch die sogenannten Schensihunde und auch durch verwilderte Haushunde und deren Nachkommen repräsentiert.

Die große Mehrheit der Hunde weltweit lebt also mehr oder weniger selbstbestimmt – sei es als Schensihund oder verwilderter Streuner. Zu diesen vollkommen „frei“ lebenden Hunden kommen noch die Hunde, die zwar Menschen gehören oder ihnen direkt zugeordnet werden können, die allerdings ebenfalls die meiste Zeit ihres Tages selbst bestimmen und gestalten können. Hierzu zählen Hunde, die auf Bauernhöfen oder Ranches leben – von Argentinien bis in die großen, dünnbesiedelten Weidegebiete der USA, von europäischen Almen bis zu Reisbauern in Indien: Hof- und Bauernhunde findet man überall auf der Welt. Neben einigen Wach- und Schutzaufgaben, die sie praktisch „nebenher“ erledigen, oder „Hygienetätigkeiten“, wie Mäuse oder Rattenbestände zu kontrollieren, haben sie keine großartigen Aufgaben. Sie gestalten die Tage sehr ähnlich wie Schensi- oder Pariahunde (Treib- und Hütehunde einmal ausgeklammert, da diese zeitweise bestimmte Aufgaben absolvieren müssen).

Der Pariahund

Pariahunde sind Hunde, die den Lebensraum zwischen Mensch und Wildnis bevorzugen, also nicht in unmittelbarer Nähe oder direkt unter den Menschen leben. Diese Hunde besetzen eine ökologische Nische, die zwischen dem menschlichen Lebensraum und der freien Natur angesiedelt werden kann.

Leben ohne menschliche Vorgaben

Weit mehr Hunde als man glaubt leben demnach ein Leben, das nicht direkt vom Menschen vorgegeben wird. Vielmehr wird ihr Tag davon bestimmt, zu leben und zu überleben. Im Grunde nicht anders als bei Wildtieren – nur nicht in einem menschenleeren Umfeld, sondern eben in der vom Menschen beeinflussten Umwelt. Das Verhalten dieser Hunde wird dabei durch ihre Genetik und ihre Umwelt bestimmt. Die Verhaltensgenetik beschreibt, dass die Gene eines Hundes das Grundmuster seines Verhaltens vorgeben – und somit in weiten Teilen auch den Tagesablauf. Umwelteinflüsse, zu denen man auch den Menschen zählen kann, formen das weitere Verhalten. Zu welchen Anteilen Umwelt und Genetik das Verhalten bestimmen, ist noch ungeklärt und umstritten – sicher ist aber, dass beide Faktoren zusammen ein Individuum ausmachen.

Wenn man aber die vorher genannten selbstbestimmten Hunde näher betrachtet und über längere Zeiträume beobachtet, kann man klare Gemeinsamkeiten in ihrem Verhalten erkennen, die genetisch fixiert sind. Gemeinsamkeiten, die man sehr deutlich in der Gestaltung des Tages erkennen kann. Die Tagesgestaltung und die Beschäftigung über den Tag lassen mit hoher Wahrscheinlichkeit vermuten, dass eben dieser Tagesablauf optimal für Hunde aller Rassen und Arten ist und für ein ausgeglichenes Hormonsystem sorgt, welches wiederum dazu führt, dass ein Hund sich wohlfühlt und dadurch ein ausgeglichenes Normalverhalten zeigt.

Und wenn man weiß, wie Hunde selbst ihren Tag gestalten oder gestalten würden, dann sollte man dieses Wissen doch als Grundlage dafür nehmen, den Hunden, die eben nicht für sich selbst bestimmten können, einen möglichst natürlichen Tagesablauf zu simulieren.

Das Revier – warum ist es so wichtig?

Damit Hunde sich wohlfühlen, brauchen sie neben genügend zu Fressen auch noch anderes. Einer der wichtigsten Punkte dabei ist das Revier. Aber warum ist das so?

Alle Hunde, alle Wölfe und die meisten weiteren Vertreter der Tierfamilie der „Hundeartigen“ (z. B. auch Füchse, Kojoten und Schakale) zeigen ein angeborenes Revierverhalten. Das heißt, dass ein bestimmtes Territorium den Lebensraum und Lebensmittelpunkt darstellt. Zwar sind beim Haushund durch gezielte Selektion Rassen entstanden, die eine unterschiedlich stark ausgeprägte Territorialität zeigen, dennoch ist jeder Hund territorial. Nur eben unterschiedlich intensiv.

Vereinfachte Nahrungssuche

Bei der Nahrungssuche durchlaufen Wölfe ihr Revier. Das wissen natürlich auch die potenziellen Beutetiere, die ihrerseits nicht ständig an den gleichen Weidegründen anzutreffen sind. Hirsche z. B. haben mehrere Plätze, wo sie ausreichend Nahrung zum Äsen vorfinden und die sie ständig wechseln. Diese werden gewechselt, damit es die Beutegreifer wie beispielsweise Wölfe es möglichst schwer haben, sie zu finden. Trotzdem kennen die Wölfe natürlich sämtliche Weidegründe und Plätze, an denen die Wahrscheinlichkeit hoch ist, Beutetiere anzutreffen. Sie laufen also bei ihren Streifgängen alle bekannten Weideplätze ab, aber nicht immer in der gleichen Reihenfolge oder im gleichen Rhythmus. Zwar wissen die Wölfe nicht, ob sie immer Nahrung antreffen, aber sie kennen zumindest Orte, die sie gezielt ansteuern können. Sie kennen sich in ihrem Revier aus, die Nahrungssuche ist nicht so aufwendig wie in fremden Gebieten und ist aufgrund des Wissens um die möglichen Aufenthaltsorte der Beutetiere kalkulierbar. Man könnte fast sagen, die Nahrungssuche ist „geordnet“, oder zumindest einfacher, als wenn man sich in einem fremden Gebiet nicht auskennt. Da Nahrung natürlich existenziell wichtig ist, ist es verständlich, dass sich ein Beutegreifer dort wohlfühlt, wo er sich auskennt. In seinem Revier.

Erhöhtes Sicherheitsgefühl

So wie der Wolf zum Überleben andere Tiere bedroht und als Nahrung nutzt, ist er selbst natürlich ebenfalls vielen Gefahren ausgesetzt. So sind Wolfswelpen durchaus auch gefährdet, von anderen Beutegreifern wie Bären und Luchsen (in Asien z. B. auch Großkatzen wie Leoparden und sogar anderen Kaniden wie in Nordamerika den Kojoten) als Beute angesehen zu werden. Und auch erwachsene Wölfe müssen in diversen Konkurrenzsituationen einmal ihr Heil in der Flucht suchen, wenn sie vielleicht versucht haben, einem Bären oder Puma die Nahrung streitig zu machen. Da kann es von Vorteil sein, wenn man sich in seinem Revier auskennt, wenn man weiß, wo man sich verstecken kann. Und wo man Höhlen findet, in denen man die Welpen in Sicherheit wiegt oder Ausweichhöhlen kennt, in die die Welpen im Notfall umgesiedelt werden können. Das Revier bietet also Sicherheit. Und da, wo man sich sicher fühlt, fühlt man sich auch wohl …

Nahrung und Sicherheit. Zwei grundlegende Bedürfnisse, die im heimischen Revier befriedigt werden. Daher ist es klar, dass dieses Revier für ein Individuum, aber auch für seine Familie wichtig ist. Das Territorium wird bewacht und notfalls aggressiv verteidigt. Territorialität ist eine angeborene Eigenschaft – bei Wolf wie Hund. Wachen ist eine Beschäftigung, eine Arbeit, die Hunden „im Blut“ liegt und die zu den natürlichen Tätigkeiten gehört. Weil Wachen eine Fähigkeit ist, die der Mensch für sich nutzen konnte, hat er bei einigen Hunderassen diese spezielle Fähigkeit durch gezielte Selektion gesteigert. Aus diesem Grund ist die Wachsamkeit und die Territorialität bei unterschiedlichen Rassen auch verschieden stark ausgeprägt. Grundsätzlich ist aber jeder Hund territorial und beschäftigt sich gern mit dem Bewachen seines Reviers.

Die Größe eines Wolfsreviers hängt in erster Linie von der zur Verfügung stehenden Nahrung ab. Beutereiche Reviere können 200 km2 groß sein, in beutearmen Gebieten können über 1000 km2 ein Rudel ernähren.

Von Neurotransmittern, Verhalten und Beschäftigung

Lebensfreude, Ausgeglichenheit oder Stress – Empfindungen werden durch körpereigene chemische Prozesse gesteuert. Lassen sich diese Vorgänge beeinflussen?

Neurotransmitter

Neurotransmitter sind chemische Stoffe, die der Körper produziert, um Informationen von einem Teil des Nervensystems zum anderen zu transportieren. Die Informationen werden durch den Körper geschickt, wodurch das Verhalten des Hundes beeinflusst wird. Beispielsweise regeln sie das Stresssystem des Körpers – das System, das die körperlich notwendige Anpassung an eine geänderte Situation durchführt. Wenn das Stresshormonsystem in Gang gesetzt wird, sorgen Stoffe wie Adrenalin oder Noradrenalin für einen schnelleren Herzschlag, eine schnellere Atmung und schnelleren Sauerstofftransport, der wiederum Muskelanspannungen nach sich zieht. Der Körper wird also in einen Zustand versetzt, in dem man flüchten, aber auch Kämpfen kann – die Leistungsfähigkeit ist gesteigert. Wenn die akute Gefahr vorüber ist, werden Noradrenalin und Adrenalin von einem anderen Stoff ersetzt, dem Cortisol. Die Anspannung ist dann nicht mehr so stark wie im akuten Anpassungsprozess, trotzdem wird eine gewisse Anspannung aufrechterhalten, um im Notfall schnell wieder das Leistungsniveau erhöhen zu können. Stresssituationen sind wichtig und normal, sie dürfen allerdings nicht zu lange anhalten, weil die körperlichen und psychischen Belastungen dauerhaft schädlich sein können und z. B. Ängste und Aggressionen in übersteigertem Maß hervorrufen können.

Ausgeglichenes System und Verhalten

Um die Stresshormone abzubauen, hat der Körper verschiedene Möglichkeiten: Beispielsweise durch körperliche Aktivitäten, die die Anspannung lösen. Wichtig sind aber auch Neurotransmitter, die im Körper gebildet werden, um Anspannungen zu entgegenzuwirken. Genannt sei hier beispielsweise der Stimmungsaufheller Serotonin, der als direkter Gegenspieler des Cortisol für ein ausgeglichenes Verhältnis der verhaltens- und stimmungsregelnden Stoffe dient. Ist der Serotoninspiegel dauerhaft zu niedrig, kann das die Lernfähigkeit beeinträchtigen, zu impulsiven und aggressivem Verhalten und Zwangshandlungen und Ängsten führen. Insgesamt kann man sagen, dass ein ungünstiges Verhältnis von anspannenden und den Anspannungen entgegenwirkenden Stoffen zu diversen Problemen wie verstärktem aggressivem und impulsivem Verhalten führen kann.

Das System, das Anspannung, Entspannung und Normalverhalten regelt, funktioniert nur dann, wenn ein Lebewesen das Leben führt, das zu dem System passt. Ein Leben, das sich über eine lange Evolution entwickelt hat, ein Leben mit angeborenen Grundmustern. Wenn wir Hunden dieses Leben bieten wollen, sollten wir uns an Hunden orientieren, die dieses Leben ohne menschlichen Einfluss vorleben.

Hundeleben in der modernen Gesellschaft

Das Vorhandensein von selbstbestimmten Hunden und der Wohlstand einer Gesellschaft – gibt es hier einen Zusammenhang?

Hoher Wohlstand, wenig selbstbestimmte Hunde