Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Verliebtheit hat alle Merkmale einer psychischen Erkrankung, heißt es und Elena ist ein Paradebeispiel. Der 14-jährige Teenager ist schwer verknallt in T.W. - Frontmann von Black Rain, eine erfolgreiche deutsche Rockband. Sie fühlt sich Tom verbunden, auf einer anderen, höheren Ebene, wie sie sich einbildet. Ein Fanatismus mit Nebenwirkungen, eine Schwärmerei, die zur Besessenheit wird und zunehmend außer Kontrolle gerät. Das tiefsinnige Mädchen ist zudem beherrscht von Todessehnsucht, vom Wunsch auf ungewöhnliche Weise zu sterben, viele Male gedanklich inszeniert. Als ihre Heimatstadt auf dem Tourplan der Band steht, sieht Elena ihre Chance, mit T.W. auf Tuchfühlung zu gehen. Und der verliebt sich ausgerechnet in ihre zwölf Jahre ältere Schwester, die er im Hotel trifft. Olivia arbeitet dort, übernimmt an jenem Abend den Barservice. Sie will Feierabend machen, als ein letzter Gast hereinschneit und sie zum Bleiben überredet. Sie lässt sich auf einen One-Night-Stand ein, ohne zu ahnen, wer Tom ist und was daraus entsteht. Das Konzert wird wegen Erkrankung zweier Bandmitglieder verschoben und bis zu einem neuen Termin kommt Elena den beiden auf die Schliche. Zerfressen von Eifersucht verfolgt sie einen teuflischen Plan, um Olivia eins auszuwischen. Das Unheil nimmt seinen Lauf. Der Verlierer aber wird Elena sein und ratlose Eltern, die um ihr entrücktes Kind trauern.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 425
Veröffentlichungsjahr: 2024
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Olia Linnet
Elfen und Spuckgeister
Die Geschichte eines verwirrten Teenagers
Buchbeschreibung:
Verliebtheit hat alle Merkmale einer psychischen Erkrankung, heißt es und Elena ist ein Paradebeispiel. Der 14-jährige Teenager ist schwer verknallt in T.W. - Frontmann von Black Rain, eine erfolgreiche deutsche Rockband. Sie fühlt sich Tom verbunden, auf einer anderen, höheren Ebene, wie sie sich einbildet. Ein Fanatismus mit Nebenwirkungen, eine Schwärmerei, die zur Besessenheit wird und zunehmend außer Kontrolle gerät. Das tiefsinnige Mädchen ist zudem beherrscht von Todessehnsucht, vom Wunsch auf ungewöhnliche Weise zu sterben, viele Male gedanklich inszeniert. Als ihre Heimatstadt auf dem Tourplan der Band steht, sieht Elena ihre Chance, mit T.W. auf Tuchfühlung zu gehen. Und der verliebt sich ausgerechnet in ihre zwölf Jahre ältere Schwester, die er im Hotel trifft. Olivia arbeitet dort, übernimmt an jenem Abend den Barservice. Sie will Feierabend machen, als ein letzter Gast hereinschneit und sie zum Bleiben überredet. Sie lässt sich auf einen
One-Night-Stand ein, ohne zu ahnen, wer Tom ist und was daraus entsteht.
Das Konzert wird wegen Erkrankung zweier Bandmitglieder verschoben und bis zu einem neuen Termin kommt Elena den beiden auf die Schliche. Zerfressen von Eifersucht verfolgt sie einen teuflischen Plan, um Olivia eins auszuwischen. Das Unheil nimmt seinen Lauf.
Der Verlierer aber wird Elena sein und ratlose Eltern, die um ihr entrücktes Kind trauern.
Impressum:
Texte: © Copyright by Olia Linnet
Umschlaggestaltung: © Copyright by Olia Linnet
ISBN-10 3-7584-8022-1
ISBN-13 978-3-7584-8022-5
Olia Linnet
c/o M. Schäfer
Hahnenrückstr. 51
55743 Idar-Oberstein
Vertrieb: epubli – ein Service der Neopubli GmbH, Berlin
Kapitel 1 – Die Geister, die ich rief
Kapitel 2 – Die Neugier auf das Unerforschte
Kapitel 3 – Danny, der großer Bruder
Kapitel 4 – Eine schicksalshafte Begegnung
Kapitel 5 – Wenn die Welt zusammenbricht
Kapitel 6 – Wunschtraum und Wirklichkeit
Kapitel 7 – Besessenheit
Kapitel 8 – Die Guillotine im Blick
Kapitel 9 – Rachegedanken einer Flitschbirne
Kapitel 10 – Ein heilloses Durcheinander
Kapitel 11 – Lügen machen froh
Kapitel 12 – Die Entführung
Kapitel 13 – Der Familienzuwachs
Kapitel 14 – Zweierlei Schuld
Kapitel 15 – Folgenschwerer Kontrollverlust
Kapitel 16 – Die Geburtstags-Mega-Party
Kapitel 17 – Komplizierte Umwege
Kapitel 18 – Getrieben von unergründlichem Verlangen
Kapitel 19 – Die Wende
Kapitel 20 – Wohin mit der Seele
Auf dem abgeernteten Kornfeld tummelten sich Krähen, Stare und Ringeltauben. Kleinere Vögel flatterten wie wehende Blätter umher. Elena und Susi, beide vierzehn, waren auf einen Heuballen geklettert und schauten Araber-Hengsten auf der angrenzenden Pferdeweide beim Grasen zu. Die Mädchen waren seit dem Wechsel von der Haupt- auf die Realschule beste Freundinnen und teilten sich auch die Schulbank.
„Ich glaube, ich werde erwachsen“, sagte Elena einfach so dahin.
„So geht Leben“, erwiderte Susi, ihre Stimme klang beschwingt.
„Was soll ich machen?“
„Mach einfach weiter!“
„Geht nicht.“
„Wieso nicht?“
„Weil ich Bammel habe.“
„Wovor jetzt genau?“, wunderte sich Susi.
Die beiden schauten sich an.
„Weiß nicht“, sagte Elena, ihr Blick wanderte wieder zu den Pferden. „Da ist so ein Druck in meiner Brust. Als ob jemand ganz doll auf mir rumhopst.“
„Ach du und deine Gedanken.“
„Düster manchmal, gell?“
„Schräg halt.“
„Ich bin nicht wie du“, sagte Elena.
„Niemand ist wie der andere. Wäre auch langweilig.“
„So meine ich das nicht.“
„Wie denn?“
Elena überging die Frage, ein Lächeln erhellte ihre Miene. „Hab ich schon mal erwähnt, dass ich Pferde gerne von hinten sehe?“
„Hör ich zum ersten Mal!“
„Auch Nilpferde und Nashörner. Die fetten Ärsche wirken irgendwie beruhigend auf mich.“
Susi nickte wiederholt, als wüsste sie Bescheid. „Du hast die Elefanten vergessen. Die haben die größten Ärsche.“
„Und eine goldige Runzelhaut. Übrigens und stell dir mal vor: in Thailand machen sie aus Elefantenkacke Kaffee.“
„Wo hast'n das wieder her?“
„Hab ich gelesen.“
„Wo halt.“
„Doch! Die Dickhäuter kriegen Reis und Kaffeebohnen zu fressen. Bei der Verdauung entsteht ein einzigartiges Aroma. Nach dem Abkacken klauben Erntehelfer die Bohnen aus der Scheiße.“
„Igittigitt!“
„Menschen sehe ich übrigens auch lieber von hinten“, sagte Elena weiter. „Denn sobald sie sich umdrehen wird's kompliziert.“ Sie ließ die Lippen vibrieren. „Es kommt eine schwere Zeit auf uns zu, das kannst du aber glauben.“
Susi zuckte mit der Schulter. „Du siehst schwarz, ich sehe Licht. Ist doch geil, erwachsen zu werden. Dann kann einem niemand mehr reinreden.“
„Glaubst du!“
„Meine Oma sagt immer: 'Das Leben ist ein Kampf und ein Krampf.' Mal sehen, ob sie Recht hat.“
„Warum soll ich kämpfen, wenn ich nicht weiß wofür!?“
„Du wirst es wissen“, sagte Susi. „Und merk dir für alle Zeiten: Wer nicht kämpft, kann auch nicht gewinnen. In diesem Sinne, lass uns gehen. Hab Kohldampf.“
Die Mädchen sprangen herunter und zupften Strohreste aus der Kleidung. Elena stimmte Can't get you out of my head! von Kylie Minogue an, abgehackt und zum Takt mit dem Kopf nickend.
„Du singst wie ein Schaf“, sagte Susi und machte ihre eigene Interpretation daraus.
*
Nach Schulschluss schwang sich Fips in den Sattel seines Mountainbikes und trat kräftig in die Pedale. Als er Elena und Susi eingeholt hatte, stieg er ab und schob das Fahrrad einhändig neben sich her. „Was geht ab heute?“, fragte er, fest mit einer Abfuhr rechnend. Fips war sechzehn und ging aufs Gymnasium der Gesamtschule. Erst vor Kurzem war er mit seinen Eltern von Würzburg nach Regensburg gezogen. Sein Vater war Filialleiter einer Supermarktkette, die Mutter arbeitete aushilfsweise als Altenpflegerin.
Fips hieß mit richtigem Name Friedrich – nach seinem Großvater benannt. Den Spitznamen hatte er sich selbst verpasst, weil weder Friedrich noch die Kurzform Fritz angesagt war.
„Zieh Leine“, giftete Elena ihn an. „Langt schon, wenn du uns in den Pausen belaberst? Hast du keine Freunde, denen du auf die Nerven gehen kannst?“
„Bin gern in weiblicher Gesellschaft“, gestand Fips. „Bin mit drei Schwestern groß geworden. Hat Spuren hinterlassen. Mädchen sind zudem gewiefter als Jungs und haben breitgefächerte Interessen.“
„Fein! Dann verabrede dich mit deinem Clan und lass uns zufrieden.“
Susi schnalzte mit der Zunge. „Was machst du ihn so an? Der Typ ist voll umgänglich.“
Fips nickte eifrig. „Elena, die Maus hat den Durchblick.“
„Umgänglich“, echote Elena in einem abfälligen Ton. „Der stellt doch nichts dar!“
„Finde ich schon“, widersprach Susi.
„Seit wann?“ Elena drängte sich mit einem Hüpfschritt zwischen die beiden. „Fips, Susi hat dich in ihr Herz geschlossen.“
Fips schenkte ihr ein Haifischlächeln.
Elenas Kopf schwenkte herum. „Du leidest echt an Geschmacksverirrung.“
Fips widersprach. „Susi hat einen Sinn für das Schöne. Geht ihr noch shoppen? Wenn ja, komm ich mit und stelle euch meinen Sinn für guten Stil unter Beweis.“
Elena grunzte.
„Gehen wir shoppen?“, überlegte Susi laut.
„Wie jeden Tag“, sagte Elena. „Aber garantiert ohne den.“
„Der hat einen Namen“, sagte Fips.
„Und ein Rad. Steig auf und düs ab.“
Susi fuhr den Ellbogen aus. „Jetzt lass doch mal! Haben wir schon wieder Vollmond oder warum...?“
„Kurz vor Neumond“, redet Fips ihr drein. „Der auch Schaden anrichtet, wenn man vom Mond beeinflusst wird. Du bist ein Mondkind, stimmt's Elena?“ Er musste entgegenkommenden Passanten ausweichen, fiel zurück und holte ausladenden Schrittes auf.
„...hat er eine Chance verdient“, hörte er Susi sagen. „Wenn du irgendwofremd wärst, wärst du auch um Anschluss froh.“
Fips gab ihr recht. „Genau! Richtig Spaß hat man eh nur mit Jungs.“
„Mit welchen halt!?“, murrte Elena.
„Wir ziehen heute nicht durch die Geschäfte“, sagte Susi mit einer Bestimmtheit, die keinen Widerspruch zuließ. „Muss Bio büffeln. Wenn ich die Klausur morgen wieder verhaue, sieht's düster für mich aus.“
„Kannst du hinterher immer noch machen“, widersprach Elena dennoch.
„Krieg so spät nichts mehr in die Birne. Und meine Serien darf ich auch nicht verpassen.“
Elena entließ einen Klagelaut. „Mach doch was du willst! Und du, Fips...“
„Ja?“
„Mach 'nen Abgang!“
„Ich begleite dich noch heim.“
„Wenn du mich weiter bedrängst, schrei ich um Hilfe.“
„Stalken ist in“, provozierte Fips.
„Ich würd's lassen“, warnte Susi ihn. „Was das betrifft, kennt Elena keine Gnade.“
„Stimmt! Stalken ist nämlich das allerletzte.“ Elena hob die Stimme, ihre Unterlider waren angespannt. „Eine Frau in unserem Viertel ist von ihrem Ex monatelang auf Schritt und Tritt verfolgt und schließlich abgemurkst worden. Soll ich dir sagen, wie ich Stalker bestrafen würde? Beide Beine würde ich denen brechen, mehrmals mit einer Eisenstange. Oder mit einem Traktor drüberfahren. Euch noch viel Spaß. Ciao!“ Sie ging rasch davon.
Fips kratzte sich verwundert am Hinterkopf. „Womit duscht die? Sag nicht, die ist immer so drauf.“
„Elena ist ganz gern mal unausstehlich und irgendwie dunkel angehaucht.“
„Heißt was genau?“
„Finde es selbst heraus. Nur so viel sei gesagt: Wenn du bei der Eindruck schinden willst, musst du was vorweisen, das dich einzigartig macht.“
„Eine Mutprobe, meinst du?“
„Eher ein außergewöhnliches, abgefahrenes Talent. Chinesisch rückwärts sprechen oder auf einer Hochspannungsleitung balancieren, so was in der Art.“
„Ich bin von Haus aus außergewöhnlich“, sagte Fips selbstbewusst. „Und ich kann durch die Nase rülpsen, sogar freihändig.“
„Besser geht's nicht.“ Susi blieb stehen und lehnte sich an das historische Ufergeländer, hinter dem die Donau in ihrem begradigten Bett ein beachtliches Tempo hinlegte. Sie holte Feuerzeug und eine Packung Zigaretten aus der Schultasche, klopfte eine heraus und zündete sie an. Sie zog daran und entließ mit spitzen Lippen eine Rauchsäule in die Luft.
Fips stellte das Rad ab und schwang sich federnd auf den Handlauf.
„Pass bloß auf!“, warnte Susi ihn. „Sind schon welche runter geplumpst.“
„Ich kann schwimmen.“
„Bloß ist direkt unter dir kein Wasser.“
Fips schaute nach unten auf den Hochwasserschutz. „Hoppla!
„Die Strudel ziehen dich auch im Nu in die Tiefe, bei gefährlichen Strömungen sogar bis zum Grund. Da kannst du paddeln wie du willst.“
„Rührend, wie besorgt du um mich bist“, erwiderte Fips. „Sei's grad mal um dich. Vom Rauchen kriegt man Lungenkrebs und zuvor schlechte Haut.“
„Meine Lunge, meine Haut, kapiert? Macht dich das etwaspeziell, Ratschläge zu erteilen, die keiner hören will? Dann stiehlst du uns besser nicht die Zeit mit deiner Anwesenheit.“
„Nikotin lässt die Eierstöcke verkümmern“, sagte Fips weiter. „Da kommt nichts mehr zustande, falls du mal Kinder willst.“
„Hab ich noch nie gehört. Und ist auch nicht dein Problem. Bis eben fand ich dich noch cool, aber wenn du weiter so schwafelst...!“ Susi zog hastig am Glimmstängel und blies ihm den Rauch ins Gesicht.
Fips nahm den Kopf zurück und vertrieb mit der Hand die Schwade. Fast hätte er die Balance verloren. Er hielt sich mit beiden Händen fest und klemmte die Füße zwischen die Streben. „Ein Mädchen zu küssen, das nach Nikotin stinkt, ist wie einen Aschenbecher auslecken.“
„Schon mal gemacht?“, fragte Susi provokant.
„Küssen ist meine Leidenschaft.“
„Vom Aschenbecher war die Rede.“
„Brr!“ Fips schüttelte sich.
Susi lachte. „Hattest du vor mich zu küssen?“
Mit unverhohlenem Blick schaute Fips Susi von unten nach oben an. Sie trug braune Stiefel, einen rot/blau karierten Minirock und einen knappen roten Pulli unter einer geöffneten Webpelzjacke. Herausstachen ihre drallen Brüste. Der blonde Kurzhaarschnitt umrahmte ein schmales hübsches Gesicht. Sie machte was her, nur leider war sie nicht sein Typ; mehr zum Üben geeignet, als was Festes entstehen zu lassen. Er stand auf gertenschlanke Mädchen wie Elena, mit einer Körbchengröße-A-Brust und glatten langen Haaren. „Wenn du dir vorher die Hauerchen putzt!“, sagte Fips lässig. „Ich mag Zahnpaste mit Blaubeergeschmack.“
„Auch noch Ansprüche stellen“, spottete Susi. „Du kannst froh sein, wenn ich mich deiner erbarme. Fliege nämlich auf reife Waschbrettbauch-Typen, weniger auf Domspatzen mit Babyspeck.“
„Vorhin sagtest du noch...“
„Vorhin ist nicht jetzt.“
Fips sprang auf die Füße, schlüpfte aus der Feldjacke und warf sie über den Sattel. Er zog den Pullover hoch, präsentierte seinen nackten Oberkörper und bekam umgehend Gänsehaut, die Nippel wurden hart. „Weder Bauch- noch Hüftspeck. Und mein Lümmel...“, er nahm die Hände herunter, nestelte an Gürtel und Reißverschluss und ließ die Hose weit unter den Nabel rutschen, „...ist fertig ausgebildet. Willst du ihn sehen?“
Susi schnippte die Kippe in hohem Bogen übers Geländer und schaute sich nach beiden Seiten um. „Lass bloß stecken, Idiot. Die Leute gaffen schon.“
„Sollen sie“, sagte Fips lässig und zog sich wieder an. „Und jetzt zeig du?“
„Du bist echt der Oberknaller.“ Susi steckte Zigaretten und Feuerzeug in die Schultasche und hängte sie über die linke Schulter. „Das war's für heute mit uns. Ich muss los.“
Fips nahm sein Rad. „Du kannst gern auf meiner Stange sitzen.“
Susi lief ein paar Schritte rückwärts. „Noch was! Elena fährt auf Berühmtheiten ab. Promis statt Prollis, wenn du verstehst, was ich meine.“ Sie machte kehrt und ging raschen Schrittes davon.
*
Elena ignorierte die Ansage der Mutter den Karton mit Altpapier rauszustellen und ging schnurstracks auf ihr Zimmer. Sie schlüpfte halb aus den Schuhen, kickte sie durch die Luft und warf sich rücklings auf die Matratze. Das Messingbett ragte in den Raum hinein, das Kopfteil war untypisch zur Wand gerichtet.
Mit Händen hinter dem Kopf verschränkt und die Füße überkreuzt starrte Elena auf die Poster, vorwiegend von ihrer Lieblingsband Black Rain.
Ihr Herz schlug für Gitarrist und Bandleader T.W, ein verwegen anmutender Typ mit braunen Haaren und stinknormaler Halblangfrisur, blauen Augen und oft unrasiert. Niemand wusste, wofür die Initialen standen. Alle dahingehenden Spekulationen wurden bislang nicht bestätigt.
Die vier Jungs, alle Anfang Dreißig, musizierten seit der achten Klasse Realschule zusammen. Die Teenie-Band war bei Sportevents aufgetreten, auf Privatfeiern jeglicher Art, auf Volksfesten und Jugendveranstaltungen. Mit zunehmenden Alter spielte die Gruppe auch in Kneipen, auf Werbeveranstaltungen, Sommer- und Straßenfesten, wo Musikproduzent Rüdiger auf sie aufmerksam wurde. Das Konzept der Band, klassische Musik weniger bekannter Komponisten wie Kreisler jun., Friedrich Kalkbrenner, Johann Nepumuk Hummel in Rock umzuschreiben, hatte ihn überzeugt. Für Probeaufnahmen in einem gemieteten Tonstudio hatte er Orchestermusiker engagiert und mit einem Tontechniker an einem Sound mit Wiedererkennungswert gearbeitet. Ein pfiffiger Rüdiger mit dem richtigen Riecher hatte die Jungs unter Vertrag genommen. Schon der Titelsong der ersten CD hatte die Charts gestürmt und auch das zweite Album hatte Goldstatus erreicht. Die Vollblutmusiker waren innerhalb kürzester Zeit zu einer der erfolgreichsten deutschen Rockgruppen aufgestiegen. Gerade wurde an einer internationalen Karriere gefeilt.
Elena war bislang nur auf einem Konzert gewesen; vor über zwei Jahren in Augsburg, zusammen mit Susi und deren Tante. Wäre sie frei in ihren Entscheidungen, sie würde kein einziges Konzert auslassen, wie sich das für eingefleischte Fans gehörte. Mit intoleranten Eltern nicht machbar! Seit heraus war, dass bei der diesjährigen Tournee ein Zusatzkonzert auch in Regensburg auf dem Plan stand, war ihre Welt etwas bunter. Die Aussicht, im Merkur Hotel auf T.W. zu treffen, wo Schwester Olivia einen verantwortungsvollen Posten hatte und sicher was arrangieren konnte, hatte einen emotionalen Höhenflug ausgelöst, auch wenn eine Unterbringung dort nicht offiziell bestätigt war. Das Gros an Prominenz stieg im Merkur ab, warum also nicht Black Rain!?
T.W. gehörte zu Elenas Leben wie die Luft, die sie atmete. Nur ein Blick auf sein Bild in einem Magazin für Jugendlich hatte genügt, um ein ganz neuartiges Gefühl entstehen zu lassen, eine innige Vertrautheit, eine geistige Verbundenheit auf einer höheren Ebene, wie Elena sich einbildete. Alles, was je über den Musiker gedruckt, gesendet oder im Netz verbreitet wurde, war in ihrem Kopf gespeichert. Unzählige Zeitungsartikel, Pressefotos, Interviews und heruntergeladene Songtexte füllten Ordner. Aus einer anfänglich kindlichen Schwärmerei war eine bedenkliche Leidenschaft geworden. Ihn womöglich zu treffen ließ Elena fantasieren was abgehen würde, wenn er sie mit aufs Zimmer nahm oder an einen heimlichen Ort sonstwo. Momentaufnahmen blitzten vor ihrem inneren Auge auf: heiße Küsse, zärtliche Berührungen, wilde Begierde. Süchtig nach ihr wollte sie ihn machen, verzehren sollte er sich nach ihr. Dafür wollte sie sich ins Zeug legen und vorher noch leidenschaftlich üben.
Über Sexpraktiken hatte Elena einiges gelesen, nur hatte es sich dabei um tierische Begattungsrituale gehandelt. Die bebilderten Aufklärungsserien der Pop-Magazine waren Kinderkacke, aber keine brauchbaren Anleitungen, um Männer wie T.W. zu imponieren. Die erhoffte sich Elena von Kristof, der Bruder ihre zweitbesten Freundin Janina, der Pornos guckte und darum Ahnung hatte. Sollte der sich dafür hergeben, würde sie sich bevorzugt mit Likör in die Gleichgültigkeit trinken.
Ihre Augen brannten vom Stieren auf das Konterfei von T.W. Als sie blinzelte meinte sie, auch ein Zucken seiner Lider wahrzunehmen, ein vages Lächeln, sein Mund zu einem Kuss geformt, der ihr galt. Elena warf ein Lächeln zurück und einen Luftkuss. Beseelt sprang sie auf und setzte sich an den Schminktisch. Im Licht einer viel zu grellen Lampe betrachtete sie ihr Spiegelbild. Die Brauen, um die viele sie beneideten, hatten den perfekten Schwung. Die mandelförmigen Augen waren auch okay wie der Lidstrich, über den sich die Mutter tierisch aufregte. Elena entfernte mit einem Pad den Balken über dem rechten Auge und wägte ab. Die Pupillen wanderten hin und her, ein Naserümpfen als Ausdruck des Missfallens. Ohne ging gar nicht. Elena schnitt Grimassen, suchte nach Makel und fand welche. Ein Pickel am Kinn, zwei unterschiedlich große auf der Stirn und Mitesser auf beiden Nasenflügeln. Scheiße!
Freundin Janina, ein Energiebündel und alternativ angehaucht, die zu einem Spitzenrock Haferlschuhe und Wollsocken trug, schwor auf die Pflegeserie für reife Haut, um Unreinheiten vorzubeugen; kein Null-acht-Fünfzehn-Zeugs. Vielmehr Produkte namhafter Pariser Firmen und für Heranwachsende der Arbeiterschicht unerschwinglich. Janina machte kein Hehl daraus, wie sie dennoch an die begehrten Cremes kam.
Elena schaltete das CD-Radio ein und drehte die Lautstärke herunter. Mit musikalischer Untermalung inspizierte sie den vollen Kleiderschrank mit nichts drin, das irgendwen beeindruckte. Sie trug das eine und andere dennoch zur Probe, nur um frustriert festzustellen, dass sie zugelegt hatte. Auch wenn alle das Gegenteil behaupteten und man ihr Magersucht und eine Wahrnehmungsstörung andichtete.
Der Spiegel log nicht. Eher die Mutter, mit einer Kleidergröße weiß der Teufel und Schwester Olivia, die mit einer Durchschnittsgröße fast siebzig Kilo auf die Waage brachte. Hübsch verteilt und schön anzusehen, wie Papa schleimte, aber was wusste der schon.
Es klopfte, die Mutter steckte den Kopf durch die Tür. „Mäuschen“, sagte sie zärtlich und wurde abgewürgt.
„Kannst du nicht warten, bis ich Herein! rufe? Ich trampel auch nicht einfach in euer Schlafzimmer.“ Elena schnalzte mit der Zunge.
„Willst du nicht runter in den Garten kommen? Es ist so schönes Wetter. Wir könnten uns unterhalten, während ich Wäsche aufhänge.“
„Es ist Winter!“
„Herbst! Man kann gut draußen sitzen. Zieh dir nur was über.“
„Ich lese lieber.“
Die Tür schwang auf, die Mutter trat ins Zimmer. „Mach das doch auf der Terrasse. Bisschen Sonne schnappen macht gute Laune und frische Luft schadet auch nicht.“
„Zu viel Sauerstoff ist ungesund.“
„Ich bekomme dich nur noch zu den Mahlzeiten zu Gesicht.“
„Überall im Flur hängen Fotos von mir. Du siehst mich also ständig. Ich bleib hier. Mir ist es unten zu laut.“
„Was ist denn laut? Niemand sonst ist da.“
„Mich nervt das Getue mit den Wäscheklammern. Tschüss!“ Elena schob die Mutter auf den Flur, machte die Tür zu und lehnte sich mit Rücken dagegen. Sie schaute sich um, ihr Blick blieb am Bett kleben. Sie ging hin, legte sich lang und zog aus der Ritze zwischen Matratze und Bettgestell ein Tuch hervor, das nach T.Ws. Rasierwasser roch, falls man der Regenbogenpresse Glauben schenken durfte. Sie legte es sich über den Kopf, mit jedem Atemzug hob und senkte sich die schwarze Seide, die ihr Gesicht darunter wie eine Plastik erscheinen ließ. Elena begann sich zu streicheln; den Bauch, die zarten Brüste und die Innenschenkel. Hinter geschlossenen Lidern lief ein Film dazu ab, in dem der Rocker unter ihrer Regie seine Rolle spielte.
Kurz vor Mitternacht kam Olivia heim. Trotz Schichtdienst und unzähliger Überstunden, die das Management voraussetzte, ging die gelernte Hotelfachfrau in ihrem Job auf. Olivia liebte den Umgang mit Menschen, die abwechslungsreiche Arbeit und die Herausforderung, einen reibungslosen Ablauf im größten Hotel der Stadt zu gewährleisten.
Nach dem Abitur hatte sie zwei Semester Volkswirtschaft studiert, sich umentschieden und das Hotelfach von der Pike auf gelernt. Über vierzig junge Menschen hatten sich damals um den begehrten Ausbildungsplatz im Merkur Hotel beworben, den sie und Kollege Martin nach internen Tests und Praktika ergattert hatten; an die Bedingung geknüpft, Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch in Wochenendseminaren zu vertiefen. Da sich Olivia mächtig ins Zeug legte und keine Arbeit scheute, hatte ihr die Hotelleitung bereits im dritten Ausbildungsjahrs Planung und Durchführung von Events übertragen und sie ins Marketing mit eingebunden. Nach bestandener Prüfung mit Bestnote war sie ihrem Ziel zur Hotelmanagerin aufzusteigen ein ganzes Stück näher gekommen.
Auch Martin erklomm Stufe für Stufe die Erfolgsleiter. Während eines Kurzurlaubs im Spreewald – er war noch in der Ausbildung – hatte er Ramona, die Tochter eines Hotelier-Ehepaars kennen und lieben gelernt. Ramona hatte da gerade einen mobilen Buchhaltungsservice für Hotels betrieben. Monate später hatte Martin gekündigt und seine Lehre in einem Berliner Hotel abgeschlossen. Danach hatte er eine Weile in einem Potsdamer Hotel gearbeitet, seine Ramona geheiratet und war Teilhaber im schwiegerelterlichen Unternehmen geworden. Martin hatte all seine Energie in ein erfolgreiches Konzept gesteckt, das den Gästen in Erinnerung bleiben sollte.
Das Hotel war aufwendig renoviert, den Zimmern mit variabler Möblierung ein völlig neues, mannigfaltiges Erscheinungsbild verliehen worden. Nach der Wiedereröffnung sorgten ein Sternekoch und ein Junior Sous Chef für kulinarische Genüsse mit Produkten aus der Region, auch zu adäquaten Preisen.
Das Hotel, an einem Nebenarm der Spree gelegen, wo in idyllischer Umgebung eine andere Stimmung herrschte, hatte gute Chancen auf den World Travel Awards – der Oscar der Reisebranche, der bislang an nur zwei Hotels in Deutschland vergeben worden war.
Nun schwebte auch Olivia ein Ortswechsel vor. Erst vor ein paar Tagen hatte sie sich für einen einjährigen Austausch ins Mutterhaus nach Oslo beworben und lernte schon fleißig norwegisch. Falls die Zusage kam und daran zweifelte niemand, würde sie in gut einem halben Jahr die Koffer packen und nach Skandinavien aufbrechen.
Die Eltern waren stolz auf ihre Tochter, die wie ihr fünf Jahre älterer Bruder mühelos ihren Weg ging. Vater Stefano, halber Italiener, liebte seine drei Kinder über alles, nur Olivia ein kleines bisschen mehr. Sie war ein Papakind, immer gewesen, während Daniel, den alle Danny nannten, einen besseren Draht zur Mutter hatte. Nachzüglerin Elena wiederum liebte Danny abgöttisch, der schon früh in die Beschützerrolle geschlüpft war und sich ihr auf liebevolle Weise aufgedrängt hatte. Der große Bruder nahm Anteil an ihrem Leben und diskutierte Themen, die für ein gestandenes Mannsbild eher nicht existierten. Seit der Geophysiker zu Forschungszwecken am Südpol arbeitete, telefonierten die Geschwister regelmäßig oder schickten sich Mails.
Olivia sah Licht im Wohnzimmer. Sie hängte ihren Mantel auf, ging rein und fand den Papa beim Fernsehschlafen vor. Schmunzelnd über das vertraute Bild drückte sie die rote Taste der Fernbedienung.
Das in die Jahre gekommene Sofa seufzte, als sich Stefano mit einer Schnappatmung aufrichtete. „N'Abend, Olli“, sagte er schlaftrunken. „War der Film aus?“
Olivia setzte sich in einen Sessel und streifte die Schuhe ab. „Hast doch eh den Anschluss verpasst. Warum gehst du nicht ins Bett, wenn's dich reißt?“
„Ich war auf einmal weg. Dabei wollte ich unbedingtdenKrimi sehen.“ Stefano gähnte mit weit aufgerissenem Mund, sein Kiefer knackte.
„Läuft ja auch so selten einer.“
„Gell! Wie spät ist es?“
„Hab meine Uhr nicht um, aber Donnerstag war gestern.“
Stefano schaute mit krauser Stirn auf seine Armbanduhr. „Komisch, abends will man nicht ins Bett, morgens nicht raus. Wie war's bei dir? Alles gut?“
„Wie immer. Ich muss um sieben schon wieder ran. Der Restaurantleiter ist krank und ein anderer Kollege wurde zur Geburt seines zweiten Kindes ins Krankenhaus gerufen.“
„Du Arme! Dann geh bloß gleich schlafen.“
„Gleich geht nicht. Trinkst du noch ein Glas Wein mit mir?“
„Sonst gern, aber auch ich habe morgen einen anstrengenden Tag. Mehr mental als physisch.“
„Wieso?“
„Die Schlaumeier vom Wasserwirtschaftsamt kommen zur Inspektion.“ Stefano war Flussmeister von Beruf, wie es ihn nur noch in Bayern gab. Zum Umwelttechniker hatte er sich ausbilden lassen und dann die zweijährige Sonderlaufbahn für den mittleren Dienst eingeschlagen, um sich Flussmeister nennen zu dürfen, der neben Ausbau und Unterhalt von Gewässern auch für die Sicherung des Wasserstraßenverkehrs zuständig war.
Stefano erhob sich umständlich und drückte den Rücken durch. Ein Stöhnen rollte über seine Lippen. Er sah erschöpft aus und es hatte den Anschein, als ob ihn jede Bewegung anstrengte, mehr als sonst. Olivia war besorgt. „Hast du was?“
„Was soll ich haben?“
„Tut dir was weh?“
„Sind nur die alten Knochen.“
„Und erschlaffte Muskeln. Warum gehst du nicht wieder schwimmen? Hat dir immer gut getan.“
Stefano schnitt eine Grimasse. „Wenn deine Mutter mitkäme!“
„Wenn, wenn!“
„Kann mich allein nicht aufraffen. Außerdem habe ich Chlor meine Halbglatze zu verdanken.“ Stefano strich sich mit der flachen Hand über den Schädel.
„Jaja von wegen! Zu faul bist halt und nix anderes.“
„Faul wie ein Schlammkrokodil“, gab Stefano zu. „Ich geh dann mal. Schlaf schön! Bis morgen!“
Olivia sprang auf, schlang die Arme um Stefanos Hals und drückte ihm einen Schmatzer auf den Mund. „Bis übermorgen, falls du nicht wieder vor der Flimmerkiste einnickst.“
„Übermorgen? Solange ohne meine bezaubernde Tochter halte ich nicht aus. Ach Gott, wie wird das erst, wenn du in Oslo bist? Dass du deinem alten Vater das antust.“
„Mein Horizont will erweitert werden. Soll ich in Regensburg versauern?“
„Ja, weil ich grenzenlos egoistisch bin, wenn es um meine Kinder geht. Ich will sie ein Leben lang um mich haben.“ Stefano stibitzte sich einen zweiten Kuss.
Olivia löste sich von ihm. „Gut! Dann ziehe ich morgen meine Bewerbung zurück.“ Es war nur so dahingesagt.
„Das ist vernünftig“, erwiderte Stefano mit rauer Stimme und schlürfte zur Tür.
„Ach, noch was“, beeilte sich Olivia. „Elena wird im Kreis springen, wenn ich ihr erzähle, dass T.W. tatsächlich bei uns im Hotel absteigt.“
Stefano fuhr herum. „Um Himmels willen, sag ihr das bitte erst am Tag seiner Ankunft, ja? Sie reißt uns aus Übermut sämtliche Wände ein. Reicht so schon, was sie uns zumutet. Kann jedes seiner Lieder mitsingen und die flammenden Reden über seine Person verfolgen mich im Schlaf.“
„Sei froh, dass sie in einen vernarrt ist, der nur als Poster an der Wand hängt.“
„Geh schon mal vor, ich muss aufs Klo“, sagte Susi beim Verlassen des Klassenzimmers.
„Ich komme mit.“
„Kann ich mal bitte fünf Minuten allein sein?“, herrschte Susi Elena an. „Ich brauch das jetzt.“
Mitschülerinnen drehten sich nach den beiden um und gackerten.
„Ja, klar doch! Meine Güte!“ Elena schaute ihr kopfschüttelnd hinterher und ging dann in die andere Richtung davon. „Du hast geraucht“, empfing sie die Freundin unten an der Treppe zurück.
„Hab's vermasselt,“ brummte Susi und meinte die Bio-Arbeit. Sie drückte mit der Schulter die Eingangstür auf und trat heraus. „Und dann auch noch dieses Mistwetter!“
„Passt original zu meiner angeschlagenen Psyche“, sagte Elena lahm.
Es war so ein Tag, an dem man ganz gerne den Sinn des Lebens hinterfragte. Das nasskalte Wetter machte die Menschen unleidlich. Dazu der Nebel, der sich hartnäckig hielt und eben mal die Konturen der Umgebung erahnen ließ. „Könnte grad ins Blech treten.“ Im Visier hatte Elena einen knallgelben Opel GT, ein Zweisitzer-Coupé mit Oldtimer-Status. Er gehörte einem Gymnasiallehrer so um die vierzig, der auf jugendlich machte und hin und wieder Schülerinnen heimfuhr, nicht selten auf Umwegen. Wüsste der Schulleiter davon, würde sich der Pauker einen förmlichen Verweis einhandeln. Und wüssten es die Eltern der Mädchen...!
„Mach das bloß nicht!“, warnte Susi sie. „Das wird teuer.“
„Am helllichten Tag und dann vor der Schule? Bin ich blöd?“
„Bei dir weiß man nie.“
„Muss man auch nicht. Willst du leicht zu durchschauen sein? Lass uns ins Sentimo gehen.“ Elena legte einen Zahn zu, Susi kam kaum hinterher. Zwei Häuserblocks weiter stieß Elena die Tür zum Bistro auf und sah sich nach einem freien Tisch um. „Dort drüben!“
Die Schultaschen landeten unter den Stühlen, die Anoraks über den Lehnen.
Elena zog die Nase hoch, fuhr sich mit den Fingern durchs Haar und strich Strähnen hinter die Ohren. „Wenn ich mich nur über Bio aufregen müsste!“, knüpfte sie an das ursprüngliche Thema an. „Wieso hast du's nicht hingekriegt? Ich dachte, du hast gebüffelt.“
Susi fischte ein Tempo aus der Hosentasche, schnäuzte hinein und steckte es zurück. „Hab ich! Bloß nicht das, was verlangt wurde.“
„Verlangt wurde, was wir Tage zuvor durchgenommen haben: Viren und Bakterien.“
„Aber die Fragen dazu!“
„Waren doch leicht.“
„Wenn man die Antworten kennt!“, sagte Susi. „Papa rastet aus, wenn ich ihm wieder eine Fünf präsentiere.“
„Teste ihn. Wenn er's nicht besser kann, soll er gefälligst den Mund halten.“
„So was weiß der nicht. Der konnte mir schon in der vierten Klasse nicht mehr helfen. In keinem Fach. Wir lernen auch nur für die Prüfung, weil's hinterher keiner braucht.“
„Eben. Sag ihm, du willst keine Biologin werden.“
„Wenn ich dem so komme, schmeißt er mich von der Brücke.“
„Sei froh drum“, erwiderte Elena. „Die Strömung heute ist geradezu perfekt, um es schnell hinter sich zu bringen.“
„Wer will das denn? Du ja! Nur ticke ich anders. Ich will leben, Spaß haben, schauen was geht. Ich hab noch alles vor mir – heiraten, Kinder kriegen und so.“
Elena verzog das Gesicht. „Du bist so ekelhaft spießig, dass mir schlecht wird. Was hat deine Vorstellung vom Leben bitte schön mit Spaß zu tun.“
„Sagt ausgerechnet Spaßbremse Elena.“
„Hast du auch ein Tempo für mich?“
„Nur noch gebrauchte.“ Susi blieb der Mund offen stehen, als sie sah, wie Elena in die Hand rotzte und sie am Tischbein abwischte. Sie linste zu den Nachbartischen, doch niemand schien es bemerkt zu haben. „Also echt? So was machen nur Schweine. Hast du dir das daheim abgeguckt?“
„Daheim haben wir Tischdecken“, sagte Elena. „Und Taschentücher. Steck das nächste Mal genügend ein. Du weißt, dass ich selten eins dabeihabe. Und was die Spaßbremse betrifft: Ich bin nicht auf dieser komischen Welt, um Menschen zum Lachen zu bringen.“
„Wer will lachen?“ Fips stand da wie aus dem Boden gestampft und schaute von einer zur anderen.
„Du schon wieder!“, wimmerte Elena. „Dreh uns bloß nicht deine Lebensfreude an.“
„Darf ich?“ Fips zog einen Stuhl unterm Tisch hervor.
„Nein!“
Fips setzte sich. Susi strahlte ihn an.
Die Bedienung kam und nahm die Bestellung auf.
„Fips“, sagte Elena mit spitzem Mund, „wir haben sehr persönliche Dinge zu besprechen. Würdest du also bitte!“ Sie trommelte mit den Fingern auf die Tischplatte.
„Von mir aus kann er bleiben“, sagte Susi.
„Ich kann euch Tipps geben, wie man froh wird“, offerierte Fips.
„Ich bin froh!“, sagte Susi.
„Und für mich kannst du absolut nichts tun“, sagte Elena. „Aber Susi will schwanger werden. Weil ein fetter Bauch, Wassereinlagerungen und Presswehen unheimlich witzig sind. Das fertige Ergebnis erst recht. Lust, ihr das Erlebnis zu verschaffen?“
Susi wechselte das Thema. „Fips hat behauptet, er ist außergewöhnlich.“ Sie stützte das Kinn in die Hand und schaute ihn an. „Lass hören!“
Die Bedienung kam und stellte die Gläser hin.
Susi lehnte sich zurück. „Immer diese Störungen.“
„Die sind doch nie und nimmer frisch eingeschenkt“, monierte Elena. „So schnell wie das jetzt ging.“
Die Bedienung bedachte sie mit einem gelangweilten Blick und entfernte sich wortlos.
Elena nahm einen Schluck und kaute darauf herum. „Kann man lassen!“
Susi stieß mit Fips an. An der Apfelschorle nippend überlegte Fips, sein Talent zu erwähnen in Sekundenschnelle Karikaturen zu zeichnen und ließ es bleiben. „Was mich außergewöhnlich macht, hängt in meiner Körpermitte und ist für jeden Schabernack zu haben.“
Elena entließ einen abfälligen Ton. „Ich glaub's ja nicht! Ihr Kerle seid echt so widerlich. Denkt immer nur an das eine.“
„Neben T.W. auch dein Lieblingsthema“, brachte es Susi auf den Punkt.
Elena wollte was sagen, Fips kam ihr zuvor. „Ich wette, ihr seid noch Jungfrauen. Könnte mich als gemeinnütziger Liebhaber zur Verfügung stellen, um euch auf das wahre Leben vorzubereiten. Mit eurem Hab-mich-lieb-Blick erregt ihr allenfalls die Aufmerksamkeit von Pädophilen.“
Die Mädchen sahen sich entgeistert an.
„Styling-Tipps hab ich auch parat“, fuhr Fips fort. „Ihr seht zwar süß aus, aber eher gewöhnlich als interessant. Du Elena noch mehr als Susi. Ihr musst visuell was bieten, weil das Auge des Mannes besser entwickelt ist als sein Verstand.“
„Hilfe, einer mit Durchblick“, sagte Susi dazu.
„Ja, Großmaul Dr. Oberschlau“, hängte Elena an.
„Was bist'n du immer so biestig?“, wollte Fips wissen. „Macht hässlich und einsam.“
„Wäre ich jetzt gern und bin ich auch gleich.“ Elena trank ihr Glas aus.Sie zog die Tasche unterm Stuhl hervor, stand auf und schlüpfte in ihren Anorak. „Amüsiert euch noch gut!“
Susi hielt sie am Arm zurück. „Ach komm! Jetzt bleib halt! Der Typ ist doch amüsant.“
Elena riss sich los. „Mir ist nicht nach lachen.“
„Weiß mittlerweile jeder“, sagte Fips.
„Versuch's doch wenigstens“, redete Susi ihr gut zu. „Vielleicht klappt's gerade heute.“
„Nein, ich bin unglücklich und das will ich jetzt auch sein. Ungestört! Servus!“ Raschen Schrittes ging Elena davon.
„Wieso ist die unglücklich?“ Fips sah Elena durch das große Fenster hinterher, bis der Nebel sie verschluckte.
„Die braucht düstere Stimmung. Das macht die an.“
„Hä?“
„Kannst du schweigen?“
„Klaro!“
Susi sah sich nach möglichen Lauschern um und sagte dann im Flüsterton: „Die ist echt meine beste Freundin und ich will sie auch nicht schlecht machen, aber irgendwas stimmt nicht mit der. Nicht, dass es mich groß stört. Jeder hat Macken, nur...! Du behältst es auch ganz sicher für dich?“
Fips streckte drei Finger in die Luft. „Ehrenwort!“
„Wenn nicht, schicke ich dir meinen Onkel Dingsbums. Der ist Kickboxer und bricht dir mit nur einem Tritt den Kiefer, das Nasenbein und den Schädel dazu.“
„Das hab ich verstanden“, sagte Fips lässig.
Susi erzählte und Fips lauschte gespannt, zunehmend irritierter.
Elena war nicht allein von einer irrealen Liebe beherrscht, auch von Todessehnsucht. Die Neugier auf das, was nach dem Tod mit einem passierte war übermächtig und die Art und Weise sich aus dem Leben zu stehlen beherrschendes Gedankengut.
Elf war sie, als sie in einem Boulevardblatt auf einen Artikel stieß, den die Mutter mit einem Leuchtstift markiert hatte. Berichtet wurde da über die Erlebnisse von klinisch toten Menschen beim Übergang in eine andere Dimension. Die Geschichten fesselten Elena nicht nur für den Moment. Sie wollte mehr über Nahtoterlebnisse erfahren und suchte in der Stadtbibliothek nach Autoren, die sich mit der Thematik befassten, wenn der Geist den Körper verlässt. Was sie zu lesen bekam, veränderte alles. Vom inneren Frieden war da die Rede, von tiefen Glücksgefühlen und von einem weißen Licht, das den Weg auf die andere Seite beleuchtete, wo verstorbene Angehörige sie empfingen. Alle Befragten waren enttäuscht oder wütend sogar, als man sie ins Leben zurückholte.
Der Tod hatte für Elena seinen Schrecken verloren. Die Neugier auf das Unerforschte ließ sie mutig werden. Sie glaubte sich von unsichtbaren Wesen umgeben, wenn sie in der Abenddämmerung über den Friedhof schlenderte, die Namen auf den Gedenksteinen aufsagte und die Erde auf den Gräbern berührte, als ließe sich so eine Verbindung herstellen.
Nichts dergleichen geschah.
Gerne verweilte sie auch vor Kindergräbern, reimte sich deren kurze Lebensgeschichte zusammen und das Ende. Und sie gestaltete gedanklich ihre eigene Beisetzung zwischen ausschlagenden Birken am Ufer des Baikalsees mit Michael Jacksons Earth Song als musikalische Untermalung. Mit einer Menschentraube an ihrem Grab – Trauernde, die vergeblich nach Antworten für ihren Tod suchten. Ihr Fortgang sollte ein unlösbares Rätsel bleiben wie unerforschte Hieroglyphen. Die letzte Ruhestätte weit weg von allem, in völliger Abgeschiedenheit. Kein Kreuz, kein Grabschmuck, keine Beigaben, nur Worte in die Erde geschrieben: War nicht zu gebrauchen!
„Krass!“, sagte Fips, als Susi eine Atempause einlegte. „Und abgedreht. Wissen das die Leute? Wenn nicht, mach es publik. Elena braucht dringend Hilfe. Also echt!“
Susi winkte ab. „Die, die ständig vom Tod reden, werden hundert Jahre alt. Und die mit Selbstmordgedanken ziehen es in den seltensten Fällen durch. Sagt nicht nur Freud sondern auch Dieter Nuhr und Michael Mittermeier.“
„Wär ich mir nicht so sicher. Der Wunsch tot zu sein ist schon krank“, erwiderte Fips.
„Die ganze Welt ist krank“, sagte Susi gleichgültig.
„Bist du auch auf dem Trip?“
„Ich? Nö! Mein Spleen ist realer.“
„Nämlich?“
„Mich machen Achselhöhlen an.“
Fips sah Susi entgeistert an.
„Schau net so deppert.“
„Ey, du bist zahlenmäßig fast noch ein Kind!“
„Und?“
Da steht man auf was weiß ich, aber garantiert nicht auf Achselhöhlen.“
„Ich steh auch auf Calvin Klein-Boxershorts.“ Susi kicherte in ihr Glas.
„Ihr Oberpfälzer seid vielleicht drauf! Was reizt dich an den Dingern?“
„Gefällt mir halt. Auch das, was sie ausfüllt. Tja, Jugendliche sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Rauchen mit neun, saufen sich mit zehn ins Koma, haben mit elf erstmals Sex und sind mit dreizehn traumatisiert.“
Fips verfiel ins Grübeln.
„Hallo?“, sagte Susi nach einer Weile über den Tisch.
„Ja, äh...! Ich wunderte mich nur, was bei Elena schiefgelaufen sein könnte. Für ihre Marotte muss es einen Auslöser geben. Wird sie daheim irgendwie misshandelt?“
„Quatsch.“
„Bist du sicher?“
„Ja! Alles völlig normal.“
„Vielleicht nach außen hin. Irgendwas muss sein! Man kommt doch nicht so auf die Welt.“
„Hätte sie mir erzählt. Nein, ihre Eltern sind okay. Ich mag die Conettis. Elena ist halt überzeugt, es im Jenseits besser zu haben. Soll sie doch. Es gibt schlimmeres.“ Susi spielte am Ohrring.
„Was glaubt sie denn im Jenseits vorzufinden?“
„Frag sie! Wenn sie davon erzählt, hör ich meistens weg. Ach und...! Du willst dich doch bei ihr einschleimen.“
„Will ich das?“ Fips war sich da nicht mehr so sicher.
„Liefere ihr Anregungen, wie man sich auf außergewöhnliche Weise aus dem Staub macht. Damit kannst du punkten und vielleicht darfst du ihr dann die Zehen massieren. Auch das mag sie. Ich muss los. Du zahlst.“ Der Stuhl kratzte für den Fliesenboden.
„Hey, so war das nicht abgemacht“, protestierte Fips.
„Aber ganz bestimmt. Nur deshalb durftest du dich zu uns setzen.“
„Das ist nicht fair“, regte sich Fips weiter auf. „Gute Freunde teilen sich alles.“
„Ob du gut bist, muss sich noch rausstellen.“
„Wird es!“
*
Mit zu Fäusten geballten Händen machte sich Elena Luft. „Du hast es ihm erzählt? Bist du bescheuert? Häng es doch gleich ans schwarze Brett oder lass es in der Schülerzeitung abdrucken.“
Den Heizkörper im Rücken saß Susi auf dem Boden und übte sich im Fingerhäkeln. „So was haben wir doch gar nicht.“
„Natürlich haben wir eine Schülerzeitung. Und damit es auch alle außerhalb der Schule erfahren, stell es bloß gleich ins Netz.“
„Leider bist du zu unbedeutend, als dass es wen interessiert. Fips tratscht auch nicht. Der ist ein Kumpel.“
Elena warf sich bäuchlings aufs Bett, ihre grelle Stimme erfüllte den Raum. „Als hätte je ein Kerl das Maul gehalten. Du hast mich verraten. Dir sag ich nichts mehr. Verdufte! Ich kann dich jetzt keine Minute länger ertragen.“
Die Mutter erschien. „Elena, es wird nicht gebrüllt. Wo sind wir denn? Was ist überhaupt los?“ Und als sie keine Antwort bekam und Susi nur gleichmütig mit der Schulter zuckte: „Ich rede mit dir.“
Elena warf sich herum. „Geh und nimm die da mit.“ Sie streckte das Kinn vor. „Und mach diesem Judas bloß nicht mehr die Tür auf.“
Susi legte die Wolle weg und schaffte es freihändig aus dem Schneidersitz in den Stand. „Ihrer einzigartigen Tochter stinkt's, dass ich einen Jungen nett finde, den sie nicht leiden kann. Auch so was gibt's. Vielleicht tut sie aber auch nur so.“
„Lass Susi doch den Jungen nett finden“, sagte die Mutter mit der Absicht zu schlichten und bewirkte das Gegenteil.
„Von was hast du denn Ahnung? Du weißt überhaupt nicht, worum es geht und um wen. Aber mitgackern.“
„Frau Conetti!“ Susi setzte eine bedeutungsvolle Miene auf. „Wenn der was nicht passt, kann die sich fürchterlich aufplustern.“ Und zu Elena: „Du bist auf alles neidisch und auf jeden eifersüchtig. Spiele ich mich auf, weil T.W. die erste Geige in deinem Leben spielt? Nein! Weil ich ihn dir gönne und ich mein letztes Hemd für ein Backstage-Ticket geben würde.“ Sie holte einen Umschlag aus ihrem Rucksack und ließ ihn durch die Luft segeln. Er landete vor dem Bett.
Dem Ding keine Beachtung zu schenken war nur ein flüchtiger Gedanke. Elena hob den Umschlag auf, schaute rein und kreischte in einer Tonlage, die bei Susi und der Mutter sekundenlanges Pfeifen im Ohr verursachte.
*
Nicht ein Wölkchen zeigte sich am Himmel, das späte Licht des Herbstes verzauberte die Landschaft. Lärchen säumten den Weg, goldene Tannennadeln regneten herab und bedeckten den Waldboden, als hätte jemand einen Teppich ausgerollt.
Elena hatte dem Sonntagsspaziergang mit den Eltern aus reiner Berechnung zugestimmt. Wenn Papa selig war, zückte er bereitwillig den Geldbeutel. Und mit Susi oder Janina als Begleitung war ein Fußmarsch auch okay. Nie beide zusammen, da bei Dreien immer einer zu viel war. Wenn drei beieinander sind und zwei sich nicht streiten, ist immer ein Blöder darunter, hatte Janina einmal ihren Vater zitiert, der jeden Freitagabend bezecht aus dem Wirtshaus kam und Sprüche abließ. Janina behielt die Kalauer im Kopf und trug sie vor, wenn es gerade passte.
Trotz milder Temperaturen hatte sich Susi so eine neumodische Strickmütze übergezogen; eine die hinten herabhing und sie wie ein Wichtel aussehen ließ. Und auch noch in dunkelgrau, die schlimmste Farbe überhaupt. „Die könnt ich dir grad runterreißen und als Nesthilfe an einen Baum nageln.“, frotzelte Elena.
„Als ob jetzt noch Vögel brüten würden.“
„Vögel nicht, aber Käfer.“
„Käfer brüten in Vogelnestern! Soso!“
„Auch.“
„Aber nicht in meiner Mütze.“ Susi zog sie tiefer in die Stirn.
„Steht dir kein bisschen.“
„Deine Meinung!“, erwiderte Susi lässig. „Du leistet dir auch ständig Modesünden.“
„Susi, nörgelt meine Tochter wieder an dir herum?“, rief Stefano mit einer viertel Kopfdrehung.
„Wer nörgelt?“, rief Elena zurück.
„Na du!“
„Nörgeln und kritisieren ist ein gewaltiger Unterschied. Mama, kannst du Papa bitte sagen, er soll aufhören zu nörgeln?“
„Am Sonntag wird nicht gestritten“, sagte die Mutter. Und zu Stefano: „Sei stad und hör mir zu.“
„Ich habe für jeden ein offenes Ohr“, posaunte Stefano aus und formte mit den Händen ein Herz über den Kopf.
Susi schmunzelte über die Geste. „Ist der goldig.“
„Das hab ich gehört, Susi. So bin ich und so war ich immer. Darum hat mich meine Carola geheiratet und darum lieben mich meine Kinder zu Tode.“ Stefano lachte über sich selbst. Seine Frau und Susi lachten mit. Stefano, der geborene Familienmensch, würde gern am Rad der Zeit drehen. So weit zurück, als Ausflüge durch die Natur mit Sack und Pack selbstverständlich und erwünscht waren. In Erinnerungen schwelgend schaute er erneut über die Schulter und schenkte Elena ein Lächeln.
Elena lächelte steif zurück. „Normale Menschen gehen nach dem Mittagessen spazieren und nicht vorher“, brummte sie.
„Nach dem Mittagessen kann jeder“, erwiderte Susi. „Bewegung an der frischen Luft regt den Appetit an.“
Elena wirbelte mit den Füßen die Blätter auf. „Am Liebsten würde ich sie aufheben und wieder anhängen.“
Susi zog den Hals ein. „Die Blätter?“
„Was sonst? Logisch die Blätter.“
„Ideen hast du! Wie sähe das denn aus? Und Platz für neue wäre auch keiner. Klebst du dir ausgefallene Haare wieder an?“
„Warum wohl hab ich so eine Mähne!?“
„Mähne? Spaghettihaare hast du! Schön lang aber dünn.“ Susi schwenkte um und lästerte über eine Schulkameradin ab. Elena klinkte sich ein.
Jetzt mischte sich die Mutter ein. „Ihr sollt nicht schlecht über Menschen reden. Was ihr aussendet, kommt zu euch zurück.“
„Die hat Ohren wie ein Luchs“, raunte Elena. Und laut: „Wir sagen nur die Wahrheit.“
„Mit Gelaber erzeugt ihr negative Energie.“
Elena entließ Töne des Missfallens.
Stefano nahm seine Tochter in Schutz. „Lass sie doch!“
Carola ließ nicht und zettelte eine Diskussion mit ihm an.
„Jetzt streiten sich deine Eltern wegen uns“, sagte Susi.
„Wegen mir!“, stellte Elena richtig. „Die streiten immer nur wegen mir. Vielleicht sollte ich den Kopf in Wasser tauchen wo Welse schwimmen, dann wär Ruhe.“
Susi nickte. „Mach das.“
„Tu nicht so, als ob es dir egal wäre. Was wärst du denn ohne mich?“
„Ungebremst gut gelaunt.“
Elena hielt Susi am Arm zurück, um den Abstand zu den Eltern zu vergrößern.
„Was'n jetzt?“
„Uns muss unbedingt was einfallen.“
„Wozu?“
„Hab eine Stinkwut auf Olivia.“
„Ganz was neues!“, sagte Susi mit freundlicher Ironie.
„So geladen war ich wegen der noch nie.“
„Was hat sie verbrochen?“
Elena zog die Luft durch die Nase. „Sie verrät mir T.W.'s Zimmernummer nicht.“
„Würde ich auch nicht. Warum auch? Willst du vor der Tür auf ihn warten und ihn erschrecken?“
„Wieso erschrecken?“
„Weil er auf dich nur so regieren kann.“
„Du raffst auch gar nichts. Olivias Zimmerkarte öffnet mir jede Tür.“
Susi würgte einen Brüller ab. „Die krallst du dir und empfängst ihn nackt auf dem Bett liegend, was? Hi, T.W.,“imitierte sie die Freundin und kreierte einen lasziven Augenaufschlag. „Ich bin Elena und mache Träume wahr.“ Ein Lacher rollte über ihre Lippen. „Der schmeißt dich hochkant raus. Was hast du außer Unannehmlichkeiten zu bieten. Du weißt doch noch nicht mal wie man richtig bläst.“
„Kann soschwer nicht sein.“ Elena formte eine Schnute.
„Die Technik ist entscheidend.“
„Hab's an Eislutschern und Bananen geübt“, gestand Elena. „Wieso sagt man eigentlich blasen?“
„Egal, wie du's nennst, lass es bleiben“, riet Susi ihr. „Erspar dir die Blamage. Freu dich, T.W. nach dem Konzert zu treffen. Das ist doch was, Mensch!“
„Und was soll ich sagen, wo jeder mithört?“
„Smalltalk“, sagte Susi. „Auf was anderes lässt der sich nicht ein. Wenn es deinem Seelenfrieden dient, schmachte ihn an und drück dich für eine Momentaufnahme an ihn. Davon kannst du ein Leben lang zehren und mit dem Foto angeben.“
„Ich gebe mich nicht mit wenig zufrieden“, sagte Elena entschlossen.
„Mit viel auch nicht. Du willst immer noch mehr.“
„Wer zufrieden ist, verpasst das Leben.“
„Ich denke, du willst sterben.“
„Gerade mal nicht“, entgegnete Elena. „Papa sagt immer: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“
„Sich von einem Wildfremden poppen lassen hat er damit sicher nicht gemeint. Soll ich ihn fragen?“
„T.W. ist kein Wildfremder.“ Elena lächelte. „Er wohnt in meinem Herzen. Ich möchte ihm auch ein Geschenk mitbringen. Weiß nur noch nicht was.“
„Schenk ihm einen Silikonabguss von deiner Muschi“ riet ihr Susi. „Ist der neuste Trend.“
„Echt jetzt? Wo kann man so was machen lassen? Ist das teuer?“
Susi entließ einen elenden Ton.
„Mach ich selbst“, sagte Elena. „Schwangere gipsen auch Wampe und Brüste ein.“
„Susi, möchtest du zum Essen bleiben?“, kam es von Carola. „Es gibt gefüllte Putenbrust.“
„Danke, Frau Conetti, aber ich kriege Besuch. Außerdem esse ich nichts, das einmal ein Gesicht hatte.“
„Ich ess alles, das nicht Achterbahn fährt“, sagte Stefano und lachte, dass es hallte.
„Stimmt ja!“, erinnerte sich Carola. „Du isst fleischlos. Dann ein andermal, wenn es Gemüseauflauf gibt.“
„Sehr gern.“
Elena blieb stehen. „Geht ihr jetzt bitte zügig weiter und lasst uns in Ruhe!?“ Und zu Susi sagte sie: „Wer besucht dich heute noch?“
„Lutz!“
„Lutz?“
„Hm!“
„Der Lutz?“ Elena mochte es nicht glauben.
„Ich kenne nur den.“
Lutz, der Uhu unter den schrägen Vögeln, ging in die elfte Klasse des Gymnasiums. Sommer wie Winter trug er einen knöchellangen schwarzen Mantel und schwarze Stiefel und vermutlich schlief er auch darin. Oft sah man ihn auf der Domtreppe sitzen und Tauben füttern oder Mundorgel spielen. Zum Erhalt des Stadtbilds verteilte er auch gerne Dosenbier an Obdachlose, damit sie dablieben und für Aufregung sorgten.
Lutz war für skurrile Auftritte in der Öffentlichkeit berühmt berüchtigt. Zweimal schon mussten die Eltern für Feuerwehreinsätze aufkommen. Passanten hatten sie gerufen, als er scheinbar tot in einem Nebenfluss der Donau trieb und ein anderes Mal Botschaften vom Dach eines Kaufhauses predigte; brachte ihm ein paar Tage Jugendpsychiatrie ein.
„Was will der bei dir?“, sagte Elena mit dünner Stimme.
„Er erklärt mir den erweiterten Dreisatz. Vielleicht hat er ja mehr Glück als alle, die es bislang versuchten.“
„Dieser Freak?“
„Mathe hat er drauf“, sagte Susi.
„Wieso nicht ich? Dreisatz ist eine meiner leichtesten Übungen.“
„Haben wir durch. Du hast keine Geduld und schweifst ständig ab.“
„Stimmt doch gar nicht.“
„Und ob!“
„Aber ausgerechnet Lutz! Der ist doch unheimlich.“ Elena hatte ein Bild im Kopf. „Garantiert vergewaltigt er dich.“
Susi verzog das Gesicht. „Meine Eltern sind doch da.“
„Ja und? Der setzt dich mit Chloroform außer Gefecht und vergeht sich in aller Ruhe an dir.“
„Genau so wird's sein.“
„Wie kommst du zu dem?“ Elena war angesäuert. Weil Susi selbstständig Verabredungen traf und sie nicht mit einbezog.
„Bianca hat erzählt, dass sich Lutz mit Nachhilfestunden das Taschengeld aufbessert und gut zu tun hat.“
„Du bezahlst ihn auch noch?“, entgegnete Elena gepresst.
„Freilich. Ordentliche Nachhilfe gibt's nicht umsonst.“
„Sauber! Das merk ich mir für die Zukunft.“
„Hab ihn von zehn auf sieben Euro runtergehandelt.“
„Ich will dabei sein“, sagte Elena forsch.
„Du störst nur.“
„Elena, Susi, kommt ihr?“, rief Stefano.
„Ja doch!“ Elena hakte sich bei Susi unter. „Ich verhalte mich ganz still. Keinen Piep werde ich von mir geben.“
„Trotzdem nein.“
„Wieso denn nicht?“
„Von dir gehen schlechte Vibrationen aus“, unterstellte Susi der Freundin. „Kann mich dann nicht konzentrieren.“
„Du bist so gemein, ich hasse dich.“ Elena stieß sie weg.
„Weil ich Nachhilfe nehme?“
„Der nimmt Drogen!“
„Ist nicht ansteckend, so viel ich weiß.“
„Susi“, sagte Elena mit Nachdruck, „wenn ich nicht kommen darf, erzähl ich dir nicht, wie's mit der Band war und was mit T.W. gelaufen ist.“
Susi sah sie unternehmungslustig an. „Musst du nicht. Bin ja dabei.“
„Was? Wieso?“
„Was glaubst du wohl!? Selbstverständlich habe auch ich ein Ticket für hinterher. Überraschung!“, sang Susi. „Dich kann man doch nirgendwo allein hinlassen.“
Elena setzte einen lauernden Blick auf. „Mistluder! Jetzt verderbe ich dir erst recht den Nachmittag.“
„Schaffst du nicht.“
„Wetten doch?“
„Ich stell die Klingel ab.“
„Dann trete ich die Tür ein.“
„Mit deinen Suppenkasper-Beinen?“ Susi lachte auf.
Die Freundinnen trennten sich auf halber Strecke heim.
„Halt dich bloß dran!“, warnte Susi Elena, nachdem sie ihr das Versprechen abgenommen hatte, nur zusammen mit Fips zu erscheinen. „Und keine Minute vor vier.“
„Warum nur mit dem?“
„Weil ich es so will.“
„Und wenn er nicht kann?“
„Der kann.“
„Und wenn doch nicht?“
„Elena, hör auf anstrengend zu sein. Frau Conetti, Herr Conetti, tschüss“
„Ade, Susi“, grüßte das Paar unisono zurück. „Hab noch einen schönen Tag“, hängte Carola an.
„Dito und gleichfalls.“
Elena rief Fips an, um Bescheid zu sagen. „Aber bilde dir bloß nichts ein“, sagte sie abschließend. „War nicht meine Idee. Wenn es nach mir ginge...“
Fips ließ sie nicht ausreden. „Eines nicht so fernen Tages wirst du froh sein, mit mir die Matratze zu ramponieren“, sagte er und hängte einen Lacher an.
„Quatsch nicht blöd rum!“, beendete Elena den Dialog. „Und bring was zu schlucken mit.“
Wegen des anstehenden Feiertags durfte Elena länger raus. „Ich hol dich ab.“ Stefano half ihr in die Jacke.
Elena hasste die Gentleman-Geste, weil sich der Papa immer in der Höhe verschätzte und sie sich die Arme halb verrenkte. „Brauchst du nicht!“
„Doch! Punkt acht vorm Haus. Ich will nicht aussteigen und klingeln müssen.“
„Du musst auch gar nicht erst ins Auto steigen. Die paar Meter kann ich laufen.“
„Natürlich kannst du laufen. Aber es ist stockdunkel und einsam.“
„Ich hab keine Angst.“
„Du nicht, aber deine Mutter. Ich hol dich ab. Basta!“
„O lecko mio!“, rutschte es Elena heraus.
„Was war das?“
Elena ging singend davon. „Amore mio, amore mi-io.“
„Du gell!?“
Susi hatte Kissen und Polster am Boden verteilt und Teelichter aufgestellt. Für Aasfresser stand ein Teller mit Kräutercremeröllchen im Speckmantel bereit. Sie selbst aß Pfannkuchentaschen mit Rucula und Cracker. Das Radio lief. Die Rollos waren heruntergelassen, weil im Haus gegenüber ein zehnjähriger Spanner wohnte, der mit seinem Teleskop die Nachbarschaft ausspionierte, wenn es zum Sternegucken zu hell oder der Himmel mit Wolken zugekleistert war.
„Ihr habt als Vegetarier Speck im Haus?“, provozierte Fips. „Du, Speck ist auch Schwein.“
„Mein Vater tanzt aus der Reihe und isst Fleisch“, klärte Susi ihn auf. „Auch Gäste bekommen welches, sonst käme nämlich keiner mehr.“
„Heißt, wir gehören nicht zu dem elitären Kreis. Für uns taugt Fettgewebe.“
Fips und Lutz kannten sich. Sie probten gemeinsam für die Weihnachtsaufführung – eine satirische Abhandlung der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens. Lutz spielte passenderweise Ekel Ebenezer Scrooge, Fips hatte am Drehbuch mitgewirkt und bekleidete eine Nebenrolle.
„Ich muss ganz dringend“, sagte Lutz. „Habt ihr ein Klo?“
Susi verneinte. „Wir machen ins Spülbecken.“
„Okay! Hauptsache wo rein. Wo geht's lang?“
„Steht dran!“
„Und da wo nix dran steht, guckst du auch nicht rein, verstanden?“, sagte Elena in einem rabiaten Ton. Und zu Susi. „Ich würde hinterhergehen. Der klaut euch Geld und Schmuck.“
„Wenn du Schmuck oder Geld findest, Lutz – will ich sehen“, sagte Susi. „Du musst doch hoffentlich nicht groß!?“
„Keine Bange, ich kack nicht bei fremden Leuten.“
„Klapp die Brille hoch. Wenn du nicht triffst, lyncht dich meine Mutter.“
„Besuch bei euch hat nichts zu lachen.“ Lutz machte die Tür von außen zu.
Fips öffnete seinen Rucksack und stellte Alkopops im Kreis auf. „Je eine für euch, zwei für uns Burschen.“
„Spinnst du?“, raunte Susi. „Wenn meine Eltern reinkommen, ist der Teufel los.“
Fips legte die Flaschen hin und warf zwei Kissen darüber. „Problem erkannt, Problem gebannt.“
Lutz war im Nu zurück.
„Das ging ja fix“, sagte Fips.
„Nichts ging“, erwiderte Lutz. „Ein Bad, von oben bis unten weiß gekachelt. Man meint, man betritt die Pathologie und verlässt sie wieder mit aufgeschlitztem Brustkorb. Da streikt mein Entwässerungssystem.“
Allein Fips lachte. „Gibs zu, du bist schon verpeilt auf die Welt gekommen.“
„Sehr wahrscheinlich. Aber hey, geht mir prima damit.“
„Dir vielleicht, deinen Mitmenschen weniger“, warf Elena ein.
„Müsste dir doch behagen, Elena, wo du doch ähnlich drauf bist.“ Fips schenkte ihr ein überlegenes Lächeln.
„Susi, mal ehrlich jetzt“, schwatzte Lutz weiter. „Euer Bad hat den Charme eines Schlachthauses.“
„Was soll ich sagen? Ist nun mal so.“
„Es gibt Fliesenaufkleber. Oder Fliesenlack.“
„Uns stören die weißen Fliesen nicht.“
„Kann ich mir nicht vorstellen. Voll ungemütlich. Weiß wirkt sich auch auf das vegetative Nervensystem aus. Beeinträchtigt Verdauung und Stoffwechsel.“ Lutz pflanzte sich, kreuzte die Füße und schaute mit einem Schlafzimmerblick in die Runde. Er hatte sich bis auf ein Büschel Haare, das am Hinterkopf schlampig verknotet abstand, einen Messerschnitt mit Zickzackmuster auf beiden Seiten verpassen lassen.
„Es sprach Dr. Dr. Pschücho“, spottete Elena.
„Ich gebe deine Beschwerde an die Hausverwaltung weiter“, sagte Susi zu Lutz. Zufrieden?“
Lutz winkte ab und wechselte das Thema. „In Bälde bin ich achtzehn. Dann können mich alle.“ Er schnappte sich eine Flasche, öffnete sie mit dem Schlüsselring und reichte sie an Susi weiter. „Nach dem Abi erst recht.“ Er bediente auch Elena und Fips und beschenkte sich selbst mit einem Flachmann.
„Wartet!“, befahl Fips. „Wer kennt einen Trinkspruch?“
„Vom Quasseln werd ich nicht besoffen“, sagte Lutz und genehmigte sich einen Schluck. „Will jemand riechen?“ Er ließ den Flachmann kreisen und als alle verneinten, setzte er erneut an und trank aus. „Von eurer süßen Pampe bekomme ich Schädelknistern.“
„Was trinkst du?“, fragte Elena.
Fips winkte als ein Zeichen von Desinteresse ab, seine Frage ging an Lutz. „Was schwebt dir nach dem Abi vor?“
„Er geht zur Selbstfindung nach Nepal“, warf Elena ein. „Was sonst!?“
Lutz lachte, was ihn überraschenderweise sympathisch aussehen ließ. Elena war das Grübchen auf der linken Wange bislang nicht aufgefallen. Auch nicht das Leuchten seiner Augen, deren Farbe sich bei dem diffusen Licht nicht exakt bestimmen ließ.
„Nein, so einer bin ich nicht. Dazu bin ich zu individuell. Ich gehe als Rindermasseur nach Australien. Da genügt ein zweiwöchiges Praktikum. Und nebenher züchte ich Strauße. Straußenfleisch wird immer beliebter.“
Susi schnitt eine Grimasse. „Ekelhaft!“
„Die Viecher sind easy zu halten und anspruchslos“, fuhr Lutz fort. „Aus Straußenherzen lässt sich wunderbar Gulasch machen.“
Elena hielt es für Gefasel. „Leben Strauße nicht in Afrika?“
„Mittlerweile sogar im Hunsrück. Die Globalisierung hat auch vor Tieren nicht Halt gemacht.“ Er gluckste und hielt Flachmann Nummer zwei hoch. „Auf mich!“ Er legte den Kopf in den Nacken, sein Adamsapfel hüpfte dreimal.
„Sprüche klopfen kann er“, sagte Elena zu Susi. „Konnte er dir auch die Logik des Dreisatzes verklickern?“
Susi nickte eifrig. „Ich hab's geschnallt. Lutz, wusstest du, dass sich auch Elena für Tiere aller Art interessiert?“
„Ach geh!“ Es klang gleichgültig.
„Ja, vor allem wie sie's treiben.“
Elena boxte Susi in die Seite. „Halt die Klappe!“
