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Er wurde vom Camino gerufen, und kam als ein anderer Mensch zurück. Völlig unvorbereitet ließ sich der Autor auf das Abenteuer seines Lebens ein. Man kennt die Bücher vom Jakobsweg, humorvoll, spirituell oder Erfahrungsberichte anderer Pilger. Doch dieses Buch ist anders! Der Autor nimmt uns auf eine einzigartig berührende Art und Weise mit auf seine Reise durch Spanien, auf einem der bekanntesten Pilgerwege. Jede einzelne Seite, jeder Satz lässt in uns Emotionen wecken, als würden wir mit ihm, Seite an Seite in der brütenden Sommerhitze durch Spanien pilgern. Man kann es förmlich spüren, wie ihm jeder Kilometer an seinen Beinen hängt. Ein Wechselbad der Gefühle, himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt begleitet den Autor Tag für Tag. Er schafft es durch eine außergewöhnliche, authentische Art seine Tränen, Schweiß und Schmerz auf Papier zu bringen. Dem Leser überrollt eine Welle an Empathie sowie eine unglaubliche Kraft beim Lesen seiner Abenteuer. Lebensverändernde Begegnungen und stundenlange Gespräche mit Menschen aus aller Welt lassen in ihm die seit Jahren unterdrückten Urinstinkte wieder in seinen Adern pulsieren. Lassen Sie sich ein, auf eine unvergessliche Reise, die Sie so noch nicht erlebt haben. Doch legen Sie sich Ihren Rucksack bereit, denn auch in Ihnen wird sie rufen, die Sehnsucht nach dem CAMINO!
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Seitenzahl: 185
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Prolog
Ich bin dann mal weg!
Vorbereitung, Abschied und Ankunft
Die Prüfung
Gestärkt durch die Liebe
Ein neuer Tag
Die Öffnung
Die Offenheit
Geben und Nehmen
Betrug im eigenen Handeln?
Der erste Abschied
Grenzen
Jetzt bin ich am Camino
Begegnungen
Schmerzen
Man kennt mich
Gefangen und doch so frei
Die Meseta
Ein Kraftplatz
Wiedersehen
Die schnellste Etappe
Rasttag in Leon
On the Road again
Der Camino gibt dir alles
Keine Erwartungen
Geburtstag
Nur mehr 228 km
Ein Ziel fand mich
Wieder ein Tag alleine am Weg
Galicien
Die Radtour
Ein Schlag ins Gesicht
Glaube ohne Zweifel
Verdrängung
Das Ziel
Die Compostela
Der letzte Abend
Im richtigen Moment am richtigen Ort
Der Ruf des Camino
Epilog
Danksagungen
Camino Frances
Jakobsweg von Saint Jean Piet de Port nach Santiago de Compostela, 791 km; ein Pilgerweg, wenn nicht der Pilgerweg.
Dies ist ein kein neuer Band meiner Serie der Hirnrisse, nein es ist ein eigenständiges Buch, in dem ich über meine Empfindungen am Weg der Liebe erzähle.
Heute schreiben wir den 21. Juli 2022. Vor einem Jahr und drei Wochen begann ich mit dem ersten Band meiner Buchreihe Hirnrisse. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich ein Buch schreiben werde. Es war lediglich das Schreiben, was mir half, meine Gedanken etwas zu sortieren. Es war mehr ein Ventil, ein Überdruckventil, um mich etwas erleichtert, etwas besser zu fühlen. Es war mir noch nicht möglich zu erkennen, dass daraus ein Buch entstehen sollte, geschweige denn später eine Trilogie.
Ja, ich bin ein fühlender Mensch. Seit meiner frühesten Kindheit empfange ich Energien, Gefühle bis hin zu Gedanken von anderen Menschen. Dies war, speziell in meinen jüngeren Jahren, bis zur Pubertät, eine enorme Belastung für mich. Jetzt nicht mehr. Jetzt sehe ich es als eine Gabe. Jetzt habe ich das Ventil des Schreibens. Mit diesem Ventil kann ich mir selbst helfen. Ich kann alles verarbeiten, in dem ich die intensivsten Gedanken niederschreibe, um sie so aus meinem Kopf zu bringen. Ich weiß ja, wo sie geschrieben stehen, wenn ich sie wieder brauche.
Damit beginnt mein Weg. Ich saß in meinem Whirlpool, mit einer Flasche gutem Rotwein und meiner natürlichen Medizin. Tiefenentspannt, etwas in Meditation, erwartete ich eine Inspiration, einen meiner Gedanken, über welchen ich schreiben kann.
Wie ein Flash kam er herein. Und geflasht war auch ich, denn ich konnte damit einfach nichts anfangen. Ich bekam rein „gehe den Camino“!
„Was zum Henker ist der Camino“, dachte ich mir! Ich konnte damit absolut nichts anfangen. Zur späteren Stunde, auch schon zu müde, um aus dem Pool zu steigen für eine Recherche am Computer, hielt ich diesen empfangenen Gedanken einfach fest, um am nächsten Morgen nachzuschlagen, was der Camino ist. Es ist der Jakobsweg! Ein Lachen entwich mir so abrupt, dass ich auch darüber lachen musste. „Ich am Jakobsweg“, dachte ich mir und lachte erneut.
Während meiner täglichen Arbeit kam jedoch dieser Gedanke immer wieder. Stellt euch eine lästige Fliege vor. Ihr könnt sie vertreiben, doch schon nach kurzer Zeit nervt sie euch wieder. So war es auch mit diesem
Gedanken.
Am Abend desselben Tages, wieder in meinem Pool zur Entspannung, suchte ich auf Amazon Prime, etwas Sehenswertes, eben zur Entspannung. Und siehe da, es wird mir, ohne mein Zutun, das ist die Moderne, ein Film vorgeschlagen. Der Titel ist „Dein Weg“. Hauptdarsteller ist Martin Sheen. Er geht den Jakobsweg auf welchem sein Sohn verunglückt ist. Ich habe geweint. Der Film hat mich fasziniert. Nun vertiefte sich mein Gedanke. Ich dachte zum ersten Mal ernsthaft darüber nach dies wirklich zu machen. Dies war im Spätherbst 2021. Zum ersten Mal erkannte ich die Möglichkeit, dies wirklich zu machen.
Es dauerte zwei Tage bis ich realisierte es wirklich machen zu wollen. Es war an einem Sonntag als ich es Marion, meiner Gattin, mitteilte. „Ich habe aber nicht so viel Urlaub“ war ihre Antwort. „Ich möchte ohnehin alleine gehen“ gab ich retour. Es entstand eine durchaus hitzige Debatte. Liebevoll und erkennend, wie Marion eben ist, zeigte sie Verständnis.
Damit war ich eigentlich schon auf meinem Weg!
Ich werde nun meinem eigenen Buch etwas vorgreifen und ihr werdet wahrscheinlich etwas schmunzeln, wenn ich behaupte, ich wurde vom Leben dorthin, auf diesen Weg, gesandt. Es hatte so zu sein!
Damit möchte ich euch nun entführen in eine andere Welt, in eine bessere Welt. In eine Welt voll der Liebe. In eine Welt, in welcher jeden Tag kleine Wunder einfach so geschehen. In eine Welt, deren Matrix von den Menschen erschaff en wird, welche den Weg gehen oder dort leben. Ich habe sie erlebt! Es hat alles bestätigt, was ich schon geschrieben habe. Es ist so unvorstellbar, außer man kann es sich vorstellen.
So, wenn ihr wollt, folgt mir in diesem Buch in diese wunderbare Welt.
Viel Vergnügen beim Lesen.
All meine Liebe, Berni
Meine Freunde,
bis dato konnte ich es selbst noch nicht realisieren, was ich selbst erschaffen habe. Mit meinen Gedanken mit meinem Empfinden und mit meinem Glauben daran habe ich es erschaffen, dass ich es nun wirklich kann und tun werde.
Ich begebe mich auf ein Abenteuer.
Bitte glaubt an mich! Glaubt daran, dass es mir gut geht. Egal wie weit ich gehe. Egal was das Leben mir geben wird. Es wird wunderbar. Es kommen neue Eindrücke und Empfindungen.
Mir ist zum Weinen. Der Abschied ist schwer und gleichzeitig erleichternd.
Ich erlebe gerade eine bewusste Veränderung. Ich habe sie selbst injiziert! Ich gehe dem Empfinden nach. Ich glaube daran, dass ich auch darüber etwas schreiben werde.
Auf geht‘s ins Abenteuer!
Ich liebe das Leben, ich liebe euch! Denn die Liebe, der Glaube daran ohne den geringsten Zweifel, ist der Schlüssel zu allem. Es ist die Formel des zufriedenen Seins, des friedvollen Zusammenlebens. Es ist das, für was viele ein Wort benutzen. Es ist Gott!
Love is all you need! Without any doubts!
Weggehen und Ankommen ist oft nicht so einfach wie man es sich vorstellt. Zumindest weiß ich das jetzt. Lauscht meinen Worten, in welchen ich meine ersten Eindrücke versuche festzuhalten.
Je näher der Tag der Abreise kam, desto mehr stieg Panik in mir hoch. „Was mache ich da? Bin ich überhaupt bereit dazu? Es gehört noch so viel erledigt. Bin ich fit genug? Was, wie, wann, wo.......“
Die Woche vor der Abreise war ich beinahe schon für die banalsten Dinge nicht mehr fähig!
„Scheiße, auf was habe ich mich da eingelassen?“ Dies prägte meinen Alltag. Es fing an, am Mittwoch, 10 Tage vor der Abreise. Einkaufen für die Wanderung war angesagt. Dies dauerte ca. 20 Minuten. Noch nie zuvor hatte ich so eingekauft. Die Beratung, so kam es mir vor, war sehr gut. Passende Qualitätsware, von Hose über T-Shirt, Socken, Jacken und Rucksack wurde mir gereicht. Bei keinem Teil warf ich auch nur den geringsten Blick auf irgendwelche Preise. Erst bei der Kassa kam das Erwachen. Aber was soll es, ich will mich wohlfühlen. Zurück im trauten Heim begann ich die Planung der Anfahrt. Und somit musste ich auch einen Tag festlegen. Der Freitag der kommenden Woche sollte es sein. Mit dieser Entscheidung begann ich die Suche nach der Zugverbindung nach Saint Jean Pied de Port (SJPP). Ab Lambach sollte es sein. Denn im Geiste hatte ich den Willen von zuhause bereits zu Fuß, über den Almuferweg zum Bahnhof zu marschieren.
Ein Portal für Zugverbindungen warf mir, nach etwas Suche, auch passende Verbindungen aus. Nach wenigen Klicks kam dann ein Button mit der Aufschrift „Jetzt verpflichtend kaufen“!
Jetzt, im Nachhinein betrachtet, begann damit nicht das Abenteuer, sondern meine Panikattacke! Es war mir nicht möglich draufzudrücken! Ich zitterte am ganzen Körper! Soll ich weinen? Oder soll ich abbrechen? Ich wollte es doch so sehr. Ich konnte es mir doch so schön vorstellen. Es war doch, im Spätherbst letzten Jahres, dieser intensive Gedanke, welcher mich so faszinierte, dass ich begann darüber zu sinnieren und zu sprechen. Warum zweifle ich jetzt daran. Jetzt wo ich mit nur einem Klick den, von mir erschaffen, Weg einschlagen kann? Panik! Ich legte mich für einen Moment auf die Couch, um mich etwas zu fassen. Erst danach wagte ich den Schritt und kaufte die Tickets.
Am Freitag in einer Woche, um halb 12, soll es losgehen. Die Anreise mit allen Umstiegen und Aufenthalten sollte 24 Stunden dauern. Eine Unterkunft brauche ich auch noch. Nicht gleich am ersten Tag losgehen. Nein, auch noch nicht am Sonntag. Lieber etwas akklimatisieren. Daher eine Unterkunft für zwei Nächte.
Auf Booking.com werde ich sicher fündig. So sollte es auch sein. In den diversen Herbergen wurden Schlafplätze in Gemeinschaftszimmern, für diese zwei Nächte, zwischen 40 bis 80 Euro angeboten. Ein Stück weiter gescrollt fand ich jedoch ein ganzes Apartment mit Pool, welches mir besser zusprach. Der Klick beim „jetzt bezahlen“ fiel mir viel leichter.
Also Anreise gecheckt, ersten zwei Nächte gecheckt. Später, nach Feierabend, genoss ich mit Marion noch einen Drink auf unserem Balkon in der lauen Nacht. Wir sprachen über mein Vorhaben. Ohne es kontrollieren zu können übermannte es mich und ich begann zu weinen. Irgendwie registrierte ich es erst in diesem Moment, dass es nun wirklich bald so weit ist.
Ich fand Trost in den Armen meiner Frau! Es gelang mir mich wieder zu kontrollieren. Jedoch konnte ich meine Emotionen ab diesem Zeitpunkt maximal für andere unterdrücken. Für mich selbst gelang es mir nicht. Beim geringsten Gedanken an den Abschied hatte ich zu tun, um meine Gefühle zu beherrschen.
Am folgenden Dienstag kam auch noch unsere gemeinsame Freundin, um mich zu verabschieden. Auch dabei, und auch danach, alleine mit Marion, kam es wieder zum Ausbruch der Empfindungen.
Tag vor der Abreise. Alles packen. Auch ein Freund kommt noch zur Verabschiedung. Es wird spät.
Tag X, Freitag. Noch ein schnelles gemeinsames Frühstück. Marion muss zur Arbeit. Eine Umarmung, ein letzter Kuss. Ausbruch jeglicher Emotionen meinerseits. Ich kann es nicht mehr halten! Tränen, Panik, mir ist zum Kotzen. Ich weiß nicht mehr, wie ich mich beruhigen kann. Eine typische Panikattacke.
Ich bin nicht fähig für den Fußmarsch zum Bahnhof. Daher fahre ich zu mir in die Werkstatt um mich von Martin, meinem Freund, zum Bahnhof fahren zu lassen. Dorthin nahm ich auch noch meinen Hund mit.
Wir trinken noch ein Bier. Vor lauter Aufregung kann ich dabei nicht sitzen. Ich laufe umher, wische mir die Tränen vom Gesicht. Auch mein Hund erkennt meine Aufgewühltheit. Am liebsten hätte ich alles abgebrochen! In diesem Moment klingelt noch mein Handy. Ein weiterer Freund, welcher sich vergewissern wollte, dass ich mein Vorhaben auch antrete.
Am Bahnhof angekommen zitterte ich noch immer. Kurzer Abschied von Martin, dann stehe ich dort, auf mich selbst angewiesen.
Seit 20 Jahren bin ich nicht mehr mit der Bahn gefahren. Der Rucksack ist viel zu schwer. Wie soll ich den soweit tragen?
Der Zug hat 20 Minuten Verspätung! Verdammt, das geht sich mit meinem Anschluss ab Attnang nicht aus. Jedoch hat auch die Westbahn 40 Minuten Verspätung. Aber wie sieht es dann in Salzburg aus? Und dann weiter in München und in Stuttgart? All das trägt nicht zu meiner Beruhigung bei!
An der Österreichisch-Deutschen Grenze bleibt der Zug stehen. Was ist los? Ein Blick durchs Fenster lässt erneut Panik in mir hochkommen. Zehn schwerbewaffnete Polizisten steigen ein. Mein Rucksack duftet etwas zu stark nach meiner natürlichen Medizin. Panik! Doch es handelt sich lediglich um eine „normale“ Grenzkontrolle auf Grund des starken Immigrationsaufkommens. Passkontrolle und alles ist gut.
Bis München hat trotz aller Verspätungen alles geklappt. Nur ist die Ankunft im Ostbahnhof und der Anschluss am Hauptbahnhof. Die S-Bahn, als Verbindung, wurde ich aufgeklärt, ist im Ticket inkludiert. Auch die Zeit passt noch. Jedoch, nach 20 Minuten fährt die S-Bahn immer noch nicht. Bis endlich eine Durchsage kommt „technischer Defekt“.
Rauslaufen zum Taxistand. Mit dem Taxi durch den Münchner Stau. Verdammt, wird das alles knapp! Keine Beruhigung!
Raus aus dem Taxi, rein in den Bahnhof, Orientierung. Erleichterung, denn auch dieser Anschlusszug hat Verspätung. Alles gut! Nach einer Stunde Fahrt, mit etwas Schlaf, werde ich durch eine Durchsage geweckt. Der TGV ab Stuttgart nach Paris wird nicht warten. Weitere Informationen für Reisende nach Paris am Bahnhof. Erneut spüre ich Panik hochsteigen!
Jetzt kaufe ich mir ein Bier. Ich kann jetzt nichts ändern. Ein Mantra von mir. Nicht das Bier. OK, hin und wieder auch das Bier. 20 Minuten vor Ankunft in Stuttgart eine erneute Durchsage. Auch der TGV wird warten. Sogar länger, da der Lokführer mit einem anderen Zug anreist, welcher eine noch größere Verspätung hat. In dem Moment dachte ich über die Pünktlichkeit der Bahn nach.
Jetzt hatte ich nach 7 Stunden endlich mal die Gelegenheit eine zu rauchen. Ich sollte es nun bis nach Paris schaffen. Auch in Paris, wo ich dann um 23:45 ankam, war es, so wie in München, zum Bahnhof wechseln. Nur hatte ich jede Menge Zeit. Der Anschluss war erst heute, Samstag, um 7:11.
Also checkte ich mir bereits im Zug ein Zimmer gleich in der Nähe des Anschlussbahnhofes. Mit der U-Bahn zu fahren wollte ich mir nicht mehr antun. Daher raus zum Taxistand. Eine solche Menschenschlange hatte ich noch nie gesehen. Also doch zur U-Bahn. Jedoch waren bei den Ticketautomaten die Schlangen noch länger.
Wieder raus zu den Taxis. Dort war dann das Glück auf meiner Seite. Ich konnte ein Taxi abfangen.
Nach einer halben Stunde war ich beim Hotel. Mir war nach der ganzen Aufregung noch nicht nach Schlafen. Daher bin ich nach dem Check-In noch in die nächste Bar. Dort genoss ich noch ein Bier zu €9, als auch die freundlichen Franzosen. Denn der alte besoffene Franzose am Nebentisch hat mich mit seinen Augen ausgezogen und mich mit den wenigen englischen Worten, welcher er beherrschte, zu sich eingeladen, „You come to my house, I‘ll fuck“. Paris, die Stadt der Liebe!
Dankend lehnte ich diese herzliche Einladung ab. Erst um 2 Uhr war ich im Bett.
Das war der erste Tag.
Um halb 6 läutete der Wecker. Noch duschen. Denn beim Schlafengehen war ich zu müde. Nur 400 Meter zum Bahnhof. Ich hatte noch eine halbe Stunde Zeit. Etwas aufgeregt, zumindest innerlich immer noch sehr unruhig, setzte ich mich auf eine steinerne Treppe vor ein
Monument und zündete mir ein Zigarillo an. Es dauerte nicht lange und ein junger Franzose sprach mich an. Er bat mich um eine Zigarette. Ich gab ihm zwei Zigarillos. Wir führten, mit seinem wenigem Englisch, etwas Smalltalk. Er fragte mich nach einem T-Shirt. Er hätte es auch sichtlich benötigt, denn jenes welches er trug war schon sehr schmutzig. Er dürfte obdachlos gewesen sein. Ich erklärte ihm, dass ich selbst nur das Nötigste bei mir habe. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nämlich noch nicht wie wenig wirklich nötig ist. Dies sollte ich erst später auf meinem Weg erfahren. Jetzt, im Nachhinein schäme ich mich für mein Unwissen des Belanges. Ein zweiter Bursche kommt hinzu. Nach seiner Kleidung beurteilt dürfte auch er obdachlos sein. Er fragt den ersten nach einer Zigarette. Dieser gibt ihm ein Zigarillo von jenen zwei, welche er von mir erhalten hatte. Es war für ihn selbstverständlich zu geben. Sollte dies meine erste Lektion des Weges gewesen sein? Im Nachhinein ist man oftmals fähiger Situationen anders zu betrachten. Danke Leben!
Der Zug, auch wieder ein TGV, fuhr pünktlich. Eine 4-Stunden-Fahrt, mit bis zu 320 km/h, bis nach Bayonne. Bequem war es nicht besonders, jedoch eine Stunde konnte ich im Sitzen schlafen.
In Bayonne traf ich auf die ersten Pilger. Von diversen Ländern. Der sogenannte Erstkontakt. Die Lokalbahn war voll von ihnen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, man erkennt die Erstlinge an der Größe der Rucksäcke. So wie auch mich. Aber es war ein tolles Gefühl!
In JSPP angekommen , stürmten alle zum Registrierungsbüro. Ich nicht. Ich setzte mich ins erste Bistro und nahm eine vorzügliche Mahlzeit, Plat du Jour, mit 3 Gängen ein, begleitet von einem Bier zum halben Preis gegenüber Paris. Ich merkte sofort, dass ich im Süden angekommen war. Der Tisch wackelte!
Erst um 14 Uhr machte ich mich auf zur Registrierung. Und siehe da, alle standen noch vorm Büro, da dieses erst um 14 Uhr aufsperrte. Mann, da hatte ich wieder gut entschieden. Es war zum Anstellen und Warten. Drinnen keine Klimaanlage, stickig heiß, jeder verschwitzt, ach, was für ein Aroma! Jedoch die Angestellten sehr freundlich und hilfsbereit. Irgendwie versprüht hier jeder Liebe!
Von dort ein Fußmarsch von 850 Metern zum gebuchten Hotel. Der Rucksack muss leichter werden!
Auch bei der Rezeption dieses Gefühl der Willkommenheit und Liebe! Jedoch ein kleiner Dämpfer. Der Pool wird gewartet und ist erst morgen wieder zugänglich. Daher ab unter die Dusche und bei dieser Gelegenheit auch gleich Socken, Shirt und Unterhose gewaschen. Dabei überlege ich, ob ich überhaupt zuvor schon mal Wäsche gewaschen habe?
Den Nachmittag auf der Terrasse etwas gechillt und dafür gesorgt, dass der Rucksack ein wenig leichter wird. Auch, wenn es nur der Whiskey aus dem Flachmann war.
Abends um halb 8 bin ich nochmals in die Stadt rein. Von den Pilgern keine Spur mehr. Entweder sie sind alle schon losmarschiert oder bereits früh schlafen gegangen. Ich bin eben etwas anders!
Am Rückweg zum Hotel setzte ich mich noch in eine Bar zu einem Bier. Auch hier dieses besondere Gefühl. Gefüllt mit Einheimischen sprach mich einer davon an. Auch wieder in sehr gebrochenem Englisch und auch schon etwas alkoholisiert, ob ich den ein Pilger sei. Auf Grund meiner Bestätigung spendierte er mir ein Bier. Zum Glück unterhielt er sich mit seinen Tischkollegen weiter und lud mich nicht zu sich nach Hause ein.
P. S. Ich komme zur Ruhe. Die Panikattacke habe ich wieder im Griff!
Sonntag, 12. Juni 2022.
Noch kenne ich das Datum. Hoff entlich bald nicht mehr! Noch habe ich einen Ruhetag. Dieser ist auch noch nötig, um mich zu sammeln.
Erst um 10 Uhr erwache ich aus einem erholsamen Schlaf. Nach der Morgentoilette, ja diese kann bei mir etwas dauern, gehe ich gemütlich in den Ort zum Frühstücken.
Dieses fiel aus, in einem ausgezeichneten Confi t de Canard, mit den besten Pommes welche ich jemals gegessen habe, und etwas Salat. Man könnte es durchaus ein gepfl egtes Mittagessen nennen, denn es war schon 12 Uhr.
Nach diesem Schmaus, vor dem Rückweg, versorge ich mich noch mit einer Flasche gutem Rotwein und drei Bieren. Alles aus der Region.
Den Nachmittag widme ich mir. Ich genieße im Garten des Appartements die Sonne, widme mich meiner Schreiberei, um mein zweites Buch dem Ende nahezubringen, als auch der Flasche Wein.
Erst als ein erneutes Hungergefühl sich breitmacht, bemerke ich, dass ich erneut einem der Grundbedürfnisse meines Körpers mein Augenmerk zukommen lassen sollte. Ach, mein Gott, ist es nicht wunderbar sich nur den wirklichen Bedürfnissen hingeben zu können, ohne andere bedienen zu müssen.
Es ist der erste Moment, in welchem ich fühle, ich bin bereit.
So begebe ich mich wieder auf den Weg in den Ort. Bereits beim ersten Restaurant treffe ich auf den Schweizer Pilger, welcher im Registrierungsbüro neben mir saß. Spontan frage ich ihn ob es gestattet sei bei ihm Platz zu nehmen.
In tiefem Schweizer Dialekt lädt er mich zu sich an den Tisch ein.
Ein älterer Herr, bereits in Rente, mit charismatischer Aura.
Es entwickelt sich ein sehr interessantes Gespräch. Er ist sichtlich bemüht verstanden zu werden.
Im Gespräch erfahre ich, dass er bereits zwei Monate unterwegs ist. Von Zürich 1100 km bis SJPP.
Heute ließ er sich bei einem lokalen Schuster seine Wanderschuhe neu besohlen.
Nach zwei Monaten, empfand ich ihn als sehr erfahren.
Er geht auch weiter nach Santiago de Compostela (SDC).
Er macht den Weg aus Dankbarkeit für sein Leben. So hat jeder seine Gründe. Ich denke, dass ich meinen auch noch erkennen werde! Denn bisher gehe ich nur einen meiner intensiven, um nicht hirnrissigen zu verwenden, Gedanken nach.
Es tut mir sehr gut mit ihm zu sprechen. Ich habe nun zwei Tage so gut wie nichts gesprochen. Empfinde das aber auch als gut!
Im Restaurant habe ich auch noch ein wenig Smalltalk mit zwei Pilgerinnen aus Australien.
Generell ist wieder diese besondere Stimmung zu spüren. Lacht mich ruhig aus. Ihr könnt es nicht spüren. Ihr seid nicht hier. Ich empfinde, dass ich hier sein soll. Ich erfahre hier etwas, nachdem ich suche. Ich empfinde hier Liebe. Anders kann ich dieses Gefühl nicht beschreiben. Es ist ein besonderer Ort!
Im Moment, als ich das schreibe, genieße ich noch den Rest des Roten. Auch dem Bier werde ich noch mein Augenmerk schenken. Ich will es doch morgen nicht mittragen. Danach sollte ich fein weg schlummern. Denn morgen ist es so weit. Ich beginne meinen Camino. Ich bin bereit!
Jedoch, beginne ich bereits meinen Rucksack zu erleichtern.
Meine selbst-aufblasende Matte, 0.5 kg, meine neue Thermosflasche, 0.4 kg, den Flachmann, 0.? kg. Jedoch fülle ich den restlichen Whiskey in eine meiner weiteren zwei Flaschen um. Der Rucksack fühlt sich leichter an.
Die erste Etappe sind 26 km mit 1200 Höhenmetern. Ich muss nicht alles gehen. Denn es gibt auch unterwegs Herbergen. Ich lasse mich vom Leben überraschen. Den ersten Kilometer habe ich mir heute bereits angesehen. Verdammt, ich werde morgen Schwitzen, denn es soll warm werden.
Ich freue mich!
Der erste Tag auf meinem Camino. 26 km sollten es sein. Über einen Berg. Fragt mich nicht nach dem Namen, ich kann mir diese nicht merken, geschweige denn aussprechen.
Um 5 Uhr ging ich los. Nicht bedenkend, dass ich eine Stunde weiter im Westen bin und es somit noch finster war. In der Nacht hatte es geregnet. Es war daher auch sehr starker Nebel. Und es war schwül, sehr schwül. Es dauerte nicht lange und ich war nicht nur durch den starken Nebel klitschnass, sondern auch vom Schweiß. 9 km sollten es sein bis zur ersten Herberge. Bei der Registrierung wurde mir geraten dort zu schlafen.
Es ging nur bergauf. Es nahm kein Ende. Es war steil! Um 8 Uhr erreichte ich das Ziel. Doch ich konnte nicht schon um 8 Uhr den Tag beenden. So entschied ich mich für einen Kaff ee und einen Baskenkuchen, welcher