Engerser Geschichten - Josef Kretzer - E-Book

Engerser Geschichten E-Book

Josef Kretzer

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Beschreibung

Dreizehn Jahre sind vergangen, seit der letzte Band der "Engerser Geschichten" erschienen ist. Dabei gibt es doch so viele Ereignisse aus unserem Ort, die, verstreut in vielen Archiven, alten Zeitungen und Erinnerungen unserer Bürgerinnen und Bürger existieren, die auch das heutige Interesse finden. Sie sind ein Stück unserer Identität. Sie zeugen aber auch von der reichen historischen Vergangenheit von Engers, das zu den ältesten Ansiedlungen rechts des Rheins zählt. Unsere Verpflichtung heute muss es sein, dieses wertvolle Erbe zu bewahren und zu hegen, damit auch unsere Nachfahren sich hier wohlfühlen und gleichermaßen handeln.

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Seitenzahl: 143

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhalt

Vorwort

11 Jahre auf das Wiedersehen gewartet

Als Engers Kriegsgut wurde und an Kurtrier fiel

Auszüge aus der Familiengeschichte Lüssem

Belegte Brötchen

Caesars zweiter Rheinübergang

Das Amt Engers vor 100 Jahren

Das Engerser Schloss als Amtssitz des Staatskanzlers Hardenberg 1817/18

Das glückliche Mädchen von ENGERS

Das Recht der Sieger

Der Franz, der Fritz und das Brausen

Die große Feuersbrunst in Engers im Jahre 1778

Die Neuwieder Räuberbande und der Dugges in Engers

Die Schunkerts als Inhaber der Rheinfähre zu Engers

Viele Namen für ein verschwundenes Bauwerk

Ein fast vergessenes Denkmal

Kriegerdenkmal-Einweihung in Engers

Ein Gedicht für die 38er zum 70sten

Ein Kriegserlebnis

Engers im Lichte der Geschichte

Engers und sein römisches Erbe

Erinnerungen

Internationaler Bahnhof Engers

Uns ‚Alt Engersch’

Vorwort

Dreizehn Jahre sind vergangen, seit der letzte Band der ‚Engerser Geschichten‘ erschienen ist. Dabei gibt es doch so viele Ereignisse aus unserem Ort, die, verstreut in vielen Archiven, alten Zeitungen und Erinnerungen unserer Bürgerinnen und Bürger existieren, die auch das heutige Interesse finden. Sie sind ein Stück unserer Identität. Sie zeugen aber auch von der reichen historischen Vergangenheit von Engers, das zu den ältesten Ansiedlungen rechts des Rheins zählt.

Unsere Verpflichtung heute muss es sein, dieses wertvolle Erbe zu bewahren und zu hegen, damit auch unsere Nachfahren sich hier wohlfühlen und gleichermaßen handeln.

Herzlich danke ich allen, die wieder mit ihren Beiträgen dieses kleine Werk bunter und interessanter gestaltet haben. Viel Spaß beim Lesen.

Josef Kretzer

11 Jahre auf das Wiedersehen gewartet

Unter dieser Überschrift verfasste Karl Bach am 23.10.1955 einen Artikel mit dem er über die Heimkehr von Josef Dasbach aus russischer Kriegsgefangenschaft berichtete.

-bh- ENGERS Die Amtsgruppe Engers des Heimkehrerverbandes hatte alle Mitglieder sowie die Vertreter der Behörden, der Geistlichkeit und der örtlichen Verbände und Vereine zu einem Begrüßungsabend für den Russlandheimkehrer Josef Dasbach in die Glashalle des Kolpinghauses eingeladen. Der Raum war aus diesem Anlass mit einer schwarz-rot-goldenen Fahne geschmückt und die Teilnehmer dieses Abends erfüllte bald eine festliche, frohe Stimmung.

In diesem schönen Rahmen konnte Vorsitzender Reg.-Baumeister Steigerwald zu Beginn der Feierstunde Josef Dasbach und seine Familie sowie als Gäste des Abends O.Insp. Weber als Vertreter des Herrn Landrats, Bürgermeister Schumann, Amtsbeigeordneten Both als Vertreter des erkrankten Amtsbürgermeisters Dr. Borg-Maciejewski, Vertreter des Heimkehrerverbandes Neuwied und die örtlichen Vereinsvorstände begrüßen.

Die so lange erwartete Rückkehr des letzten Kriegsgefangenen aus Engers, der bisher mit der Heimat noch schriftlich in Verbindung stand, so führte Vorsitzender Steigerwald aus, bedeutet für die Gemeinde symbolisch gesehen den Abschluss einer Zeit, die viel Tränen, Blut und Leid gebracht hat. Sein Dank galt all denen, die im Bund, im Land oder in der Gmeinde immer wieder mitgeholfen hatten an der Befreiung oder der Betreuung von Kriegsgefangenen.

Heimkehrer Josef Dasbach hatte die Heimat vor 11 Jahren, als der Krieg noch überall wütete, verlassen. Nun sei er zurückgekehrt in die Heimat, in der wieder Frieden herrsche, und diese Heimat reiche jedem Heimkehrer herzlich die Hand.

Josef Dasbach wurde anschließen die Ehrennadel des Heimkehrerverbandes und ein Präsentkorb, der mit Hilfe der Engerser Bevölkerung zusammengestellt wurde, überreicht.

Nach dem musikalischen Vortrag „Ave Marie“ ließ Bürgermeister Schumann in seinen Begrüßungsworten noch einmal die unvergesslichen Minuten des Empfangs auf dem Bahnhof Niederlahnstein vor acht Tagen aufleben. Er lobte aber auch die starke Tapferkeit von Frau Dsabach, die in all den vergangenen Jahren stets voll gläubiger Zuversicht auf die Rückkehr ihres Mannes gewartet habe. Wir freuen uns, dass wir unseren Mitbürger Josef Dasbach wieder zu Hause haben und wünschen ihm von Herzen, dass er nach den langen Jahren hinter Stacheldraht sich bald wieder froh und frei in die Ortsgemeinschaft einleben wird.“

Nach dem Versprechen, dass die Verwaltung jederzeit zur Mithilfe bereit sei, überreichte Bürgermeister Schumann im Namen der Gemeindevertretung 200,-- DM.

Abb. 1: Herzlich begrüßte auch Bürgermeister August Schumann den Heimkehrer im Beisein seiner Familie. Dank der intensiven Bemühungen von Bundeskanzler Konrad Adenauer konnten die Kriegsgefangenen in ihre Heimat zurückkehren.

Dann begann die Gratulationscour der Ortsverbände und Vereine, die ebenfalls nicht zurückstehen wollten, ihren Heimkehrer Josef Dasbach in der Heimat willkommen zu heißen. Die Glückwünsche sprachen aus: für den Verkehrs- und Verschönerungs-Verein Hermann Heßler, für das Deutsche Rote Kreuz Frau Brandt, für die Caritas, Fräulein Lüssem für die Kolpingsfamilie Georg Leclerc, für den Männer-Gesang-Verein Engelbert Bach, für die Arbeiterwohlfahrt Franz Wagner, für den Kath. Kirchenchor Herrn Schneider, für den Evgl. Kirchenchor Herr Dengler, für die Karnevalsgesellschaft und den Turnverein Sepp Syhr, für den Eisenbahnersportverein I.Insp. Bix, für den Fußballverein Erwin Graef, für den Verband der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen Jean Esch, für die Wählergruppe Franz Both, für die SPD Gerhard Kausen und für die CDU Jean Esch. Vorsitzender Graef überbrachte auch noch die besonderen Grüße des Fußballverbandes Rheinland.

Tief gerührt dankte Josef Dasbach für diesen schönen Empfang. Bereits bei seiner Ankunft vor einer Woche habe er feststellen können, dass ihn die Heimat mit seiner echten, aus dem Herzen kommenden Begeisterung begrüßt habe. Sein besonderer Dank galt auch Bundeskanzler Dr. Adenauer, der durch seine hervorragende Verhandlungsführung diese Heimkehr erreicht habe.

„Es ist eine harte Zeit, die ich hinter mir habe“, sagte Josef Dasbach weiter, „aber die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit meiner lieben Frau, meinem Sohn und der Heimat hat mich so stark gemacht, dass ich all das Bittere das man mir angetan hat, gut überstanden habe.“

Die letzten Wochen und Tage der Heimkehr schilderte Josef Dasbach in kurzen Zügen wie folgt: „Uns war es vergönnt, die Moskauer Verhandlungen des Bundeskanzlers durch das Radio mitverfolgen zu können. Wir lagen auf einer Stube mit 20 Kameraden zusammen und hatten aus eigenen Mitteln einen Radioapparat beschafft. Das Verhandlungsergebnis, dass alle Kriegsgefangenen entlassen werden sollten, wurde uns jedoch verschwiegen, da bei der offiziellen Bekanntgabe das Radio ausgeschaltet wurde. Am 27.9. wurden wir dann amnestiert und zu freien Bürgern erklärt. Nun ging ein großes Hoffen los.

Ich hatte Glück und war bereits beim dritten Transport, der am 4.10.1955 den Raum Swerdlowsk verließ. 4500 Kilometer waren es bis zur Heimat. In Moskau hatten wir Aufenthalt und konnten die Stadt besuchen. Während der ganzen Fahrt waren unsere Waggons offen und zweimal am Tage gab es eine warme Verpflegung. Zehn Tage und elf Nächte waren wir unterwegs, bis wir Brest Litowsk erreichten.

Hier erschien auch dann noch einmal eine russische Kommission. Aber alles ging gut. „Die Fahrt durch Polen“, berichtete Josef Dasbach weiter, „war langweilig. Bei der Einfahrt in die Sowjetszone wurde der Heimkehrertransport von der Volkspolizei mit Bajonetten und gezogenen Pistolen begrüßt. So war auch bei der Ankunft in Frankfurt/Oder der gesamte Bahnhof geräumt und bewacht. Da der Transport von den sowjetischen Behörden nicht in der Bundesrepublik gemeldet worden war, traf man überraschend im Grenzbahnhof Herleshausen ein. Sofort heulten die Sirenen aller Fabriken der Stadt und bald war alles zu einem geordneten Empfang vorbereitet. Unter dem Jubel der Bevölkerung, die zu Tausenden die Straßen bis zum Heimkehrerlager Friedland säumten, traf man dort ein.Hier wurden sofort Telegramme über die glückliche Ankunft nach Hause aufgegeben und dann die notwendigen Formalitäten erledigt.“ Mit dankbaren und bewegten Worten schilderte Josef Dasbach dann noch einmal das Wiedersehn mit seiner Familie und den überwältigenden Empfang in Engers.

Mit diesem Erlebnisbericht schloss dann die offizielle Feierstunde und man fand sich anschließend noch in einer sehr gemütlichen Runde zusammen. Zur freudigen Überraschung aller Anwesenden überreichte der diesjährige Karnevalsprinz Sepp I. dem Heimkehrer Josef Dasbach im Verlauf der frohen Stunden den Prinzenorden. Diese Ehrung mit echtem rheinischem Humor schuf eine schöne Fröhlichkeit. Und ein befreites Lachen ist ja das, was Heimkehrer Josef Dasbach nach all den langen Jahren der Gefangenschaft dringend braucht.

Als Engers Kriegsgut wurde und an Kurtrier fiel

Graf Wilhelm I. zu Wied hatte für sein Engers 1357 von Kaiser Karl IV. die Stadtrechte erhalten und wollte seine neue Stadt befestigen. Als ersten Turm der Stadtmauer errichtete er den heute so genannten ‚Grauen Turm‘ (richtig: Graven Turm, aus dem ‚v‘ wurde dann irgendwann einmal in der handschriftlichen Schreibweise ein ‚u‘). Gedacht war dieser Turm als Zollstation, um von hier den Rheinzoll zu erheben.

Doch schon nach 14 Jahren musste Wilhelm die neue Stadt Engers, nach einem kurzen, jedoch verlorenen Krieg mit Cuno von Falkenstein, Kurfürst und Erzbischof von Trier, wieder abgeben, denn der Ort wurde Kriegsgut und fiel an Kurtrier. Zu jener Zeit war der Trierer Kurfürst Cuno auch Administrator des Erzstiftes Köln, und in den Regesten der Kölner Erzbischöfe aus dem Mittelalter finden sich die detaillierten Eintragungen, welche weitreichenden Folgen der Kriegsausgang für den Neuwieder Grafen und seine Isenburger Verwandten hatte.

Wie es dazu kam, ist den nachfolgenden Zeilen genau zu entnehmen. Durch den Besitzwechsel wurde die Geschichte von Engers prägend verändert, so z. B. auch in der Religionszugehörigkeit, denn mit ihrem neuen Landesherren blieben die Engerser weiterhin katholisch, während Neuwied mit seinem Grafen zum evangelischen Glauben wechselte.

Wäre Engers jedoch weiter wiedisch geblieben und Wilhelm hätte hier seine Burg errichtet und seinen Wohnsitz genommen, die Entwicklung von Neuwied und Engers wäre sicher eine andere gewesen. So jedoch baute Cuno von Falkenstein seine Burg ‚Cunostein‘ und umgab die Stadt mit einer Mauer, von der noch drei Wehrtürme erhalten sind, der schon erwähnte ‚Graue Turm‘, das ‚Duckesje‘ und das sogenannte ‚Totenhäuschen‘.

Josef Kretzer

Abb. 2: Das Wappen des Hauses zu Wied (1784)

Fürstlich Wiedisches Archiv zu Neuwied Urkundenregesten und Akteninventar

Herausgegeben von der Fürstlich Wiedischen Rentkammer zu Neuwied

Kommissionsverlag Franz Gützkow, Neuwied, 1911

1371 März 9. Die Stadt Cöln verbündet sich mit Cuno EB. v. Trier gegen Gr. Wilh. zu Wied, der am Rhein Kaufleute geplündert hat. – Cop. von 1788. – Gedr. Günther cod. dipl. III 523

1371 April 25. Gr. Wilh. zu Wied u. Fr. Lysa sühnen sich mit Cuno EB. v. Trier wegen der von Gr. Wilh. bei Engers auf dem Rhein gegen die Kaufleute verübten Anschläge u. verzichten auf Dorf und Gericht Engers. – 3 Cop. saec. 18 – Gedr. Günther cod. dipl. III 525

1371 April 25. Gr. Wilh. zu Wied übergiebt Cuno EB.v. Trier zum Pfand, daß er einen an Kaufleuten verübten Raub sühnen wird Veste Dierdorf mit Dörfern und Leuten zu Dierdorf, Wynden, Gieselbrechshofen, Uffhusen, Bruchenrachdorf, den Zehnten zu Dierdorf; den Hof zu Ruckerod und Roirbruch. – Inser. im Rev. des EB. vom Apr. 27 u. Cop. saer. 18 – Gedr. Hontheim Hist. Trever, dipl. II S. 251

Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter

Achter Band

1370 – 1380

(Friedrich von Saarwerden)

Bearbeitet von Norbert Andernach; Düsseldorf 1981; Droste Verlag GmbH

1371, April 25:

Graf Wilhelm I. von Wied (zu Wede) und Gräfin Lyse, seine Frau, bekunden, mit EB. Kunos von Trier, Administrator und Momber des Erzstifts Köln, und mit den Erzstiften Trier und Köln wegen der kriegerischen Auseinandersetzung ausgesöhnt zu sein, die sich zwischen EB. Kuno und dem Grafen erlaufen hatten, weil der Graf Kaufleute auf dem Rhein innerhalb des Geleitsbereichs unterhalb von Engers geplündert hatt (umb die name und angrieft, die wir greve zu Wyde vorgen. uff dez Rynes straume in syme geleide nydewendich Engirs den gemeynen kauffluden genomen und getan hatten). Die Sühne schließt alle Helfer, Mannen und Untersassen beider Parteien ein.

Wied verzichtet auf Dorf und Gericht Engers, alle Leute daselbst und Herrschaftsrechte daran sowie auf den Burgbau, den EB Kuno dort aufführt. Die wiedischen Rechte werden dem Erzbischof von Trier übertragen. Jedoch darf der Erzbischof die außerhalb des Gerichts von Engers ansässigen wiedischen Leute nicht zu Bürgern aufnehmen, falls er dort eine Freiheit begründet.

Die Aussteller verzichten für sich, ihre Erben, Mannen, Burg- und Dienstmannen und Untersassen darauf, die in diesem Krieg erlittenen Schäden und Verluste geltend zu machen, und erklären alle bisherigen Forderungen gegen EB. Kuno und die beiden Erzstifter für abgetan.

Wenn ein wiedischer Mann oder Untersasse diesen Verzicht nicht leistet und die Erzbischöfe von Trier oder Köln, ihre Erzstifter oder Untersassen bekriegt, soll der Graf ihn aus dem wiedischen Gebiet vertreiben, sein Gut verwüsten, ihn befehden und den Erzbischöfen auf eigene Kosten gegen ihn beistehen. Wied Friede geschlossen, ist der Graf einzubeziehen.

Die Aussteller werden nichts mehr zum Nachteil der Erzbischöfe von Trier und Köln, ihrer Erzstifter und Untertanen mittels der wiedischen Schlösser Isenburg (

Isem-

), Wied, Braunsberg (

Bruns-

) oder anderer Festen und Besitzungen unternehmen oder geschehen lassen. Alle wiedischen Schlösser, Isenburg ausgenommen, sollen von nun an Offenhäuser der Erzbischöfe von Trier und Köln sein, deren sie sowie die erzbischöflichen Freunde, Amtsleute und Diener sich gegen jedermann bedienen mögen – vorbehaltlich der Rechte der Lehnsherren der einzelnen Schlösser. Diesen darf Wied aber nicht gegen die beiden Erzbischöfe helfen oder ihnen die Schlösser gegen diese öffnen.

Alle aufgesagte Lehen werden beiderseits wieder an die betreffenden Mannen und Burgmannen ausgegeben; alle Gefangenen kommen mit der Leistung schlichter Urfehde frei. Auf alle nicht erhobenen Schatzungen und Brandschatzungen sowie alles nicht bezahlte Lehngeld wird verzichtet.

Die wiedische Seite soll niemanden mehr auf den Straßen des Erzbischofs von Trier oder in seinem Geleit schädigen, gefangen nehmen oder ausnehmen, sondern die Straßen des Erzbischofs sichern und sein Geleit respektieren.

Wied soll das geistliche Gericht Triers unbehelligt lassen, die Gerichtsboten und –briefe ungestört verkehren bzw. verkündigen lassen und Behinderungen beseitigen.

Wied soll den Klerus und die Kirchen sowie deren Gut in seinem Gebiet nicht mit Schatzungen, Herbergspflicht u. ä. beschweren, sondern sie beschirmen, ihre Freiheiten und Rechte wahren und gerichtliche Bekümmerungen und Verklagung verwehren.

Wied darf in seinem Gebiet keine Münzen prägen oder Münzprägung gestatten.

Die Aussteller beschwören alle vorstehenden Artikel. Übertreten sie irgendeine Bestimmung, müssen sie binnen 2 Monaten nach Mahnung des Erzbischofs von Trier bzw. Köln den Verstoß nach deren Willen kehren. Wenn sie das unterlassen, gelten sie als treu- und ehrlos, friedlos (sicherloisz) und meineidig; ihre kölnischen bzw. trierischen Lehen fallen an die Erzbischöfe zurück.Sie verzichten auf Rechtsbehelfe jeglicher Art. Gräfin Lyse erklärt, dass sie kein Wittum oder Wittumsrecht an Engers besitzt; falls sie irgendein Recht daran hätte, verzichtet sie hiermit darauf.

Beide Aussteller kündigen ihre Siegel (1, 2) an und bitten die Edlen Gerlach Herrn zu Isenburg, den Vater der Gräfin (3), die Gebrüder Dietrich und Johann, Grafen zu Solms (Solmsze) (4, 5), und Rulman Herrn zu Ahrenthal (Arendal) (6) um Mitbesiegelung. Diese kündigen ihre Siegel an.1

…gegeben…1371 uff seinte Marcus dag dez heiligen euwangelisten.

Abb. 3: Burg Cunostein

1357, April 25:

Graf Wilhelm von Wied (Wyde) bekundet: Weil er jüngst Kaufleute auf dem Rhein unterhalb Engers (Engirs) ausraubte, hat EB. Kuno von Trier gegen ihn Krieg eröffnet und ihn gedrängt, den Raub herauszugeben. Einen Teil hat er dem Erzbischof bereits übergeben. Daß der Rest samt dem verlorengegangenen Gut wiedererstattet wird, dafür soll er noch sich selbst und 5 weitere ritterbürtige Leute als Geiseln stellen2. Zur Sicherheit hat er dem Erzbischof sein Schloß Dierdorf (-ff) mit Herrschaft, Gericht und allem Zubehör, mit den Dorfern Dierdorf (Dyrdorff), Winden (Wynden), Giershofen (Gyselbrechtshouen), Offhausen (Vffhusen) Brückrachdorf (Bruckenrachdorff) und deren Leuten, sodann seine sämtlichen Zehnten, Gülten und Renten im Kirchspiel Dierdorf, ferner den Dinghof zu Rückeroth (dinglichen hoff zu rükerode) und Rohrburg (Roirbruch) mit allem Zubehör übergeben. Der Erzbischof soll diese Güter und Einkünfte, die ja von ihm lehnrührig sind, solange frei nutznießen, bis der Graf bzw. Seine Erben den Raub auf den Rhein nachweislich wiedergutgemacht haben. Alsdann soll das Schloß mit seinem Zubehör aber noch in der Hand des Erzbischofs bleiben, bis Wilhelm von Wied, Propst zu Aachen (Ache), der älteste Sohn Graf Wilhelms, alle Urkunden des Grafen für die Erzbischöfe und Erzstifter Trier und Köln bestätigt hat. Wenn beide Bedingungen erfüllt sind, erhält Wied vom Erzbischof Dierdorf ledig und los zurück – unbeschadet der erzstiftlichen Rechte an Dierdorf und der fortdauernden Gültigkeit der Urkunden, die von wiedischer Seite dem Erzstift gegeben wurden. Wenn Dierdorf in der Zeit, da der Erzbischof es besitzt, verloren geht oder im Wert gemindert wird, besteht für Wied keinerlei Anspruch auf Schadensersatz.

Siegelankündigung: Siegelbitte an die Edlen Gerlach Herrn zu Isenburg (Ysem-), seinem Schwager, die Gebrüder Dietrich und Johann, Grafen zu Solms (-sze) und Rulmann Herrn zu Ahrenthal (Arendail). Diese bestätigen ihre Mitbesiegelung.3

…gegeben…1371 uff sente Marcus dag dez heilgen ewangelisten.

Abb. 4: Die befestigte Stadt Zoll Engers

Es sagte…

Franz Hülpert in der Eisdiele:

„Bitte ein gemischtes Eis für zwei Mark, aber nur Vanille.“

1Ausf. (D): 1. LHAK Abt. 1 A nr. 6217. – Siegel 1 fehlt, 2, 3, 5 beschädigt, 4, 6 leicht beschädigt. 2. LHAK Abt. 1 A nr. 6218. – Siegel 1, 2, 4, 5 geringfügig bis leicht, 3 stark beschädigt, 6 beschädigt.

Abschr.: HStAD Kurköln, Kartular 2 S. 161-163; LHAK Abt. 1 A nr. 6371 (Insert in Reg. VIII 2311); LHAK Abt. 1 C nr. 5 S. 282-285 (14. Jh.) – HstAD Kurköln, Lehen Gen. 8 II Bl. 106a-107a; HStAD Handschriften N XI 1 I S. 35-38 (15. Jh.) – HstA Wiesbaden, Abt. 74 nr. 477a (17. Jh.) – LHAK Abt. 1 A nr. 6221 (Auszug betr. Punkt 7); LHAK Abt. 170 nr. 301 S. 173-175 (18. Jh.). Druck: Guenther III 2 nr. 525

Reg.: Struck, Marienstatt nr. 596.

2 Unter dem 22. Mai 1371 (up donrestag nehest vor dem heiligen pinxst dage) beschwört Graf Wilhelm, dass er noch 12130 Gulden zu den Quatembertagen zu erstatten hat: nämlich jeweils 3032 ½ am Mittwoch nach Kreuzerhöhung (17. September), am Mittwoch nach Luzia (17. Dezember), am Mittwoch nach Aschermittwoch (18 Februar 1372) und am Mittwoch nach Pfingsten (19. Mai 1372). Bei Zahlungsverzug muß er sich mit 5 anderen ritterbürtigen Leuten nach Koblenz in Geiselhaft begeben. – Ausf. (D): LHAK Abt. 1 A nr. 6226. – Abschr.: LHAK Abt. 1 C nr. 6 S. 415f. und nr. 8 S. 264 (14. Jh.).

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