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Kennzahlen werden in der Regel nur für bestimmte Teilbereiche (Qualitätsmanagement, Prozessmanagement, Controlling etc.) angeboten und oft nur aus einem finanziellen Blickwinkel beleuchtet. Das Buch fokussiert sich nicht nur auf Kennzahlen, sondern auf ganze Kennzahlensysteme. Es zeigt auf, wie Sie diese konstruieren müssen, um Unternehmensprozesse besser interpretieren zu können. Außerdem werden auch verschiedene nichtfinanzielle Kennzahlensysteme vorgestellt und anhand von Beispielen aus der Praxis veranschaulicht. Die Beurteilung von Prüfberichten oder Softwaresystemen, die Erfüllung gesetzlicher oder gesetzesähnlicher Anforderungen (GoBD, EU-DSGVO, MA-Risk, etc.) werden ebenso behandelt wie die Bewertung eines Internen Kontrollsystems.
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Seitenzahl: 259
Veröffentlichungsjahr: 2022
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ISBN 978-3-7910-5054-6
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ISBN 978-3-7910-5055-3
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ISBN 978-3-7910-5056-0
Bestell-Nr. 14136-0150
Erwin Rödler
Entwicklung von Kennzahlensystemen
1. Auflage, Oktober 2022
© 2022 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH
www.schaeffer-poeschel.de
Bildnachweis (Cover): © D3Damon, iStock by Getty Images
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Lektorat: Bernd Marquard, Stuttgart
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Der Gedanke zum vorliegenden Buch entstand bei einer Waldwanderung, als ich mich fragte, was bei den verschiedenen Aufgaben und Tätigkeiten, die mir in meinem bisherigen Arbeitsleben begegneten, das verbindende Element in meiner Arbeit gewesen ist. Dabei kam ich schnell auf das Thema Kennzahlen und Kennzahlensysteme, die auch den Titel dieses Buches definieren. Ob als Programmierer oder Produkt- und Systemmanager einer Software, als Berater zu betriebswirtschaftlichen Fragen, als Controller und Prüfer zu IT-technischen und kaufmännischen Sachverhalten oder als Datenanalyst: Gemeinsames Element war stets das Messen und Bewerten relevanter Sachverhalte und Prozessmerkmale mithilfe von Kennzahlen. Nicht nur, dass ich von Natur ein Faible für Mathematik und insbesondere Zahlen habe, sondern mein Interesse am Vorhaben wurde auch durch die Tatsache geweckt, dass Kennzahlen in meiner bisherigen Arbeit die Aufgaben im Hinblick auf die definierte Zielsetzung meiner Tätigkeit bzw. des Auftrages nicht nur für mich, sondern auch für meine Arbeitgeber, meine Auftraggeber und Kunden strukturierten und damit nachvollziehbar und messbar machten. Dies veranlasste mich, das Thema grundsätzlich noch einmal zusammenfassend und für sich in diesem Buch darzustellen, nach dem ich bereits in früheren Publikationen auf das Thema immer wieder am Rande eingegangen bin.
Bei meiner Recherche von Beispielen zur Anwendung von Kennzahlen in Projekten meiner beruflichen Tätigkeit bin ich dabei früh auf das Zitat des amerikanischen Ökonomen Peter Ferdinand Drucker (1909–2005), aufmerksam geworden: »You can only manage what you can measure.« Übersetzt bedeutet es in etwa , dass man nur das gestalten kann, was man auch messen kann. Dieses Zitat gefiel mir deshalb, da es meine Erfahrung mit der Anwendung von Kennzahlen und Kennzahlensysteme in meinen verschiedenen Arbeiten und Projekten bestätigte. Erst die Darstellung messbarer Ergebnisse in Form von Zahlen und Daten bringt Transparenz in das Dickicht komplexer Geschäftsprozesse und ganzheitlicher Unternehmensstrukturen.
Im vorliegenden Werk gehe ich erst einmal auf die Definition, Aufgabe und Zielsetzung von Kennzahlen bzw. Kennzahlensystemen und deren Eigenschaften und Formen ein, bevor ich im zweiten Kapitel mögliche Facetten von Kennzahlen und Kennzahlensystemen vorstelle, die von traditionellen Kennzahlen bis hin zu ganzheitlichen Kennzahlsystemen reichen. Im abschließenden dritten Kapitel werden Beispiele solcher Kennzahlensysteme aus der Praxis ausführlich vorgestellt. Sie sollen insbesondere zeigen, welche Möglichkeiten in der Konstruktion von Kennzahlen zur Bewertung und Beurteilung der verschiedenen Aufgaben aus dem Bereich des Controllings, des Auditings und der Informationstechnologie bestehen und wie diese bei der Lösung der Aufgabe und Erfüllung der Zielsetzung helfen.
Trier, im Juni 2022
Erwin Rödler
Abb. 1:
Auswertungsmöglichkeiten von Kennzahlen und Kennzahlensystemen
Abb. 2:
Beispiel für Einsatzbereiche von Kennzahlen in Unternehmen
Abb. 3:
Beispiel einer FMEA für den Prozess einer Termingeldanlage
Abb. 4:
Beispiel einer FMEA für den OP-Prozess in einem Krankenhaus
Abb. 5:
Ablauf der Ist-Analyse im Rahmen der KIS-Einführung
Abb. 6:
Beispiel von Leistungstreibern und Ergebnisindikatoren in einem Krankenhaus
Abb. 7:
Beispiel eines Wirkungsgraphen gemäß BSC-Clusterung
Abb. 8:
Beispiel für eine Ursache-Wirkungs-Kette in einer BSC für medizinische Institutionen
Abb. 9:
Die vier Perspektiven der BSC nach Kaplan und Norton
Abb. 10:
Ursache-Wirkungs-Kette und Kennzahlenspektrum für Industrieunternehmen
Abb. 11:
Übersicht der Bewertungsfakten zur Klassifizierung und Priorisierung der IT-Systeme und Anwendungen
Abb. 12:
Prüfungsturnus IT-Prüfungskontext
Abb. 13:
Übersicht der Konstruktion der SKZ »Gesamtbeurteilung« aus den Subkennzahlen zur Bewertung von Revisionsberichten
Abb. 14:
Formel zur Ermittlung der Spitzenkennzahl eines Prüfungsbereiches
Abb. 15:
Komponenten der Spitzenkennzahl »Sicherheitsgrad der Daten«
Abb. 16:
Übersicht Bewertungscluster der Sub-Risikofaktoren zur Spitzenkennzahl »Sicherheitsgrad der Daten«
Abb. 17:
Bewertungskategorien für die Spitzenkennzahl »Fehlerbedeutung für die betroffene Person«
Abb. 18:
Bewertungskategorien für Spitzenkennzahl »Konfessionsgröße der Daten«
Abb. 19:
Bestimmungsfaktoren der Risikoprioritätenzahl RPZ
Abb. 20:
Zusammenfassung der Risikofaktoren
Tab. 1:
Anwendungsbereiche und Kategorien von Kennzahlen in Unternehmen
Tab. 2:
Differenzierung der Skalierungseigenschaften von Kennzahlen
Tab. 3:
Klassifizierungsschema für Datenquellen
Tab. 4:
Anteile der Einflussgröße auf die Kennzahl EKR
Tab. 5:
Wertebereiche der Kennzahl Eigenkapitalrentabilität (EKR)
Tab. 6:
Zielwerte der Kennzahl Eigenkapitalrentabilität (EKR)
Tab. 7:
Ermittlung kumulierte Mengenanteile pro ABC-Cluster
Tab. 8:
Kumulierte Häufigkeitstabelle der ABC-Analyse
Tab. 9:
Darstellung der Artikelstruktur pro Abteilung
Tab. 10:
Vergleich der offenen Posten verschiedener Krankenhäuser
Tab. 11:
Vergleich Bearbeitungszeiten Forderungsmanagement der Krankenhäuser
Tab. 12:
Wertigkeit der Kenngröße Vollständigkeit
Tab. 13:
Wertigkeit der Kenngröße Verständlichkeit
Tab. 14:
Wertigkeit der Kenngröße Leistungsmerkmale Software
Tab. 15:
Wertigkeit der Kenngröße Leistungsmerkmale Software
Tab. 16:
Wertigkeit der Kennzahl für den Evaluationsprozess
Tab. 17:
Wertigkeit der Kenngröße für die Aufbauorganisation
Tab. 18:
Wertigkeit der Kenngröße für die Ablauforganisation
Tab. 19:
Wertigkeit der verschiedenen Kenngrößen für Erfolg/Ergebnis Implementierung Software
Tab. 20:
Wertigkeit Gesamtkennzahl Ordnungsmäßigkeit Software-implementierung
Tab. 21:
Beispiel einer Beurteilung der Güte einer Verfahrensdokumentation
Tab. 22:
Notensystem zur Bewertung der Sachverhalte im Projekt-Management-Letter
Tab. 23:
Beurteilungskatalog für den Projekt-Management-Letter
Tab. 24:
Zeitliches Benchmarking der Kennzahlen im Projekt-Management-Letter
Tab. 25:
Auszug aus der Liste mit den möglichen Fehlern und deren Ursache(n) und Wirkung(en)
Tab. 26:
Auszug aus der Liste mit den möglichen Fehlern und deren Ursache(n) und Wirkung(en)
Tab. 27:
Beispiel einer Tabelle mit den festgestellten potenziellen Schwachstellen und Engpassfaktoren
Tab. 28:
Beispiel einer erstellten Liste mit Prozess-Prioritätenzahl (PPZ)
Tab. 29:
Bewertungsschema der Beurteilungskriterien
Tab. 30:
Bewertungen bisheriger Prüfungsfeststellung bez. der Software
Tab. 31:
Bewertung Ordnungsmäßigkeitskriterium (1)
Tab. 32:
Bewertung Ordnungsmäßigkeitskriterium (2)
Tab. 33:
Bewertung Ordnungsmäßigkeitskriterium (3)
Tab. 34:
Bewertung Ordnungsmäßigkeitskriterium (4)
Tab. 35:
Bewertung Ordnungsmäßigkeitskriterium (5)
[14]
Tab. 36:
Anforderungen an den Funktionsumfang der Software (Beispiel)
Tab. 37:
Ermittelte Werte des Anspannungskoeffizienten
Tab. 38:
Ermittelte Werte der Veränderung des Zeitbedarfs
Tab. 39:
Wertespektrum der Kennzahl »Reife-Erfüllungsgrad der Software«
Tab. 40:
Beurteilungsschema »Ordnungsmäßigkeit«
Tab. 41:
Beurteilungsschema »Abnahmetest«
Tab. 42:
Notensystem für Bewertungssachverhalte
Tab. 43:
Beurteilungskatalog
Tab. 44:
Vorgeschlagene Benotungsstufen für die IDW-Checkliste Prüfungshinweis IDW 9.330.1
Tab. 45:
Auszug aus IDW-Katalog zum IDW PS 330 – Abschnitt 6
Tab. 46:
Beurteilungskatalog für IDW-PS-Fragebogen
Tab. 47:
Beispiel eines Beurteilungsschemas zur DSGVO-Konformität
Tab. 48:
Zuordnung Prozesscluster zur Organisationsstruktur bei der Bank
Tab. 49:
Übersicht der Bewertungsfakten und Bewertungsdimensionen
Tab. 50:
Übersicht Bewertungsschema der Bewertungsfakten/-dimensionen
Tab. 51:
Gewichtungsfaktoren der Bewertungsdimensionen
Tab. 52:
Schutzbedarfskategorien
Tab. 53:
Kategorien aufgrund Einstufung K-Fall
Tab. 54:
Kategorien aufgrund Klassifizierung nach der Prozessrelevanz
Tab. 55:
Kategorien entsprechend der Dominanz-Klassifizierung
Tab. 56:
Kategorien entsprechend der Klassifizierung nach der Integrität
Tab. 57:
Kategorien entsprechend der Anforderungsrelevanz
Tab. 58:
Kategorien entsprechend dem Fehlerrisiko
Tab. 59:
Klassifizierung im Hinblick auf die Zweckmäßigkeit der Kontrollen
Tab. 60:
Priorisierung der Bereiche für prozessabhängige Prüfungssachverhalte
Tab. 61:
Definition der Abweichungsgrade
Tab. 62:
Definition des Bewertungsmaßstabes für das Einzelkriterium »Ordnungsmäßigkeit«
Tab. 63:
Ermittlung Intervallgrenzen für die normierte Kennzahl für das Einzelkriterium »Ordnungsmäßigkeit«
Tab. 64:
Gewichtungsfaktoren für das Scoring der Spitzenkennzahl »Gesamtbeurteilung (Konsequenz) eines Prüfungsbereiches«
Tab. 65:
Beispiel eines Beurteilungsschemas
Tab. 66:
Beurteilungsschema für Sub-Risikofaktor »Schutzbedürftigkeitsgrad der Daten« (SBGD)
Tab. 67:
Beurteilungsschema für den Sub-Risikofaktor »Logische Sicherheitsmaßnahmen« (LSMD)
Tab. 68:
Beurteilungsschema für Sub-Risikofaktor »Physische Sicherheitsmaßnahmen« (PSMD)
Tab. 69:
Beurteilungsschema für Risikofaktor »Fehlerbedeutung für die betreffende Person« (FBP)
[15]
Tab. 70:
Beurteilungsschema für Risikofaktor »Konfessionsgröße der Daten« (KGD)
Tab. 71:
Noten für die verschiedenen Beurteilungskriterien
Tab. 72:
Beurteilungsmaßstab für Ordnungsmäßigkeit der Migration
AO
Abgabenordnung
BaFin
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
BSC
Balanced Scorecard
CIR
Cost-Income-Ratio
D
Duration
DIN
Deutsches Institut für Normung
DPS
DuPont-System
DSFA
Datenschutz-Folgeabschätzung
DSGVO
Datenschutz-Grundverordnung
DV
Datenverarbeitung
EDV
Elektronische Datenverarbeitung
EU
Europäische Union
FMEA
Fehler-Möglichkeits-Einflussanalyse
GoB
Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung
GoBD
Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff
GoBS
Grundsätze ordnungsmäßiger DV-gestützter Buchführungssysteme
GuV
Gewinn- und Verlustrechnung
HGB
Handelsgesetzbuch
HKZ
Hilfskennzahl
IDW
Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e. V.
IKS
Internes Kontrollsystem
ISM
Information Security Model
ISM
Information Security Model
KI
künstliche Intelligenz
KIS
Krankenhausinformationssystem
KonTraG
Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich
KWG
Gesetz über das Kreditwesen
MaRisk
Mindestanforderungen an das Risikomanagement (BA)
NFF
Numerical Frequency Factor
NWA
Nutzwertanalyse
SLP
Spectral Layers Pro Project
SQL
Structured Query Language
TOM
Technisch-Organisatorische Maßnahmen
UML
Unified Modeling Language
VaR
Value at Risk
VDA
Verband der Automobilindustrie e. V.
Heute findet sich in vielen Mittel- und Großunternehmen eine Reihe von Kennzahlen, die aus verschiedensten Gründen definiert, gepflegt und interpretiert werden. Neben den klassischen Kennzahlen im Bereich der Finanzen und des Controllings finden sich entsprechende Kennzahlenfamilien im Absatz- und Vertriebsbereich, im Einkauf, in der Lagerwirtschaft sowie der Produktion, im Personalwesen und Prüfwesen. Sie alle haben die Aufgabe, als Indikatoren die gegenwärtige Situation entweder lokal im entsprechenden Bereich oder global für das Unternehmen darzustellen. Ggf. werden zusätzlich die Werte der Kennzahlen auch mit anderen Werten aus unterschiedlichen Zeiträumen (zeitliches Benchmarking), aus verschiedenen Unternehmensbereichen oder Geschäftsprozessen (innerbetriebliches Benchmarking) oder unterschiedlichen Betrieben der gleichen oder ähnlichen Branche (Unternehmens-Benchmarking) verglichen, um Entwicklungen und ggf. auffällige Strukturen zu erkennen (vgl. Abbildung 1).
Abb. 1: Auswertungsmöglichkeiten von Kennzahlen und Kennzahlensystemen
Mit einer Kennzahl wird eine Maßzahl bezeichnet, die entsprechend ihrem Begriff eine Ausprägung eines Sachverhalts oder eines Prozesses bemisst, d. h. zur Bewertung bzw. Beurteilung eines Sach[20]verhaltes oder Prozesses dient. Dieses quantitative und reproduzierbares Messen erfolgt i. Allg. mithilfe einer Vorschrift bzw. Kennzahlenformel. Mithilfe von Aggregation und Korrelation von Kennzahlen, Formeln und Indexwerten lassen sich darüber hinaus Verdichtung und Zusammenhänge darstellen bzw. aufzeigen. Kennzahlen dienen dazu Bewertungen abzugeben, Rangfolgen darzustellen und helfen aufgrund ihres Maßzahlen-Charakters auch bei der Entscheidungsfindung.
Ein Kennzahlensystem bezeichnet dabei eine Ansammlung von Kennzahlen, die in einem kausalen Zusammenhang stehen und in ihrer Gesamtheit als System von Maßzahlen ebenso zur Beurteilung eines Sachverhaltes oder Prozesses dienen (z. B. System von Liquiditätskennzahlen bestehend aus den Kennzahlen der Liquiditätsgrade I bis III, dem Working Capital1, dem dynamischen Liquiditätsgrad etc. zur Messung der Liquidität eines Unternehmens). Dies führt zur Definition des Begriffes Kennzahlen bzw. Kennzahlsysteme.
Definition
Kennzahl, Kennzahlensysteme
Eine Kennzahl ist eine reproduzierbare Maßzahl, die zur Bewertung/ Beurteilung eines Sachverhaltes oder Prozesses dient und sich anhand einer Vorschrift herleiten lässt.
Ein Kennzahlensystem ist eine Ansammlung verschiedener Kennzahlen, die in einem Zusammenhang stehen und als System einen Sachverhalt oder Prozess bewerten bzw. beschreiben.
Kennzahlen spielen in vielen Bereichen des Lebens und des gesellschaftlichen und unternehmerischen Handelns eine wichtige Rolle. Beispielsweise übernehmen Kennzahlen in Zeiten einer Pandemie, wie dies die im Jahre 2020 aufgetretene Corona-Pandemie erst kürzlich verdeutlichte, eine wichtige Rolle bei der Einschätzung, Beurteilung und Bekämpfung der Ausbreitung der Pandemie anhand von Kennzahlen wie die Inzidenz oder die Hospitalisierungsrate. Aber auch zur Beurteilung der Umwelt- und Klimasituation der Erde sowie zur Darstellung der Entwicklung der Weltbevölkerung und großer Volkswirtschaften sind sie ein wichtiges Maß, auf die wir als moderne Gesellschaft nicht mehr verzichten können und möchten. Aber nicht nur globale Sachverhalte werden mit Kennzahlen beschrieben, sondern sie helfen auch, das wirtschaftliche Handeln von Unternehmen und Betrieben zu bewerten. Auf diesen Bereich wollen wir uns im vorliegenden Buch beschränken und konzentrieren uns deshalb bei den Kennzahlen auf betriebliche Zahlen und Zahlensysteme, mit deren Hilfe das unternehmerische Handeln eines Betriebes sowohl in den verschiedenen Bereichen als auch als Ganzes beschrieben bzw. dargestellt werden kann.
Die klassischen und traditionellen Kennzahlen, die die Entwicklungen in Unternehmensbereichen und -prozessen anhand von Zahlenwerten darzustellen und zu bewerten versuchen, wer[21]den häufig in den Finanz-, Controlling- und Risikomanagementabteilungen der Unternehmen als nützliches und hilfreiches Werkzeug für das betriebliche Risikomanagement im weiteren Sinn genutzt. Sie dienen hauptsächlich dazu, die wirtschaftliche Situation in Unternehmensbereichen bzw. des Unternehmens im Ganzen zu beurteilen. Es handelt sich dabei um sogenannte Finanzkennzahlen und statistische Kennzahlen. Letztere dienen dazu, die betriebswirtschaftliche Situation zu beschreiben und zu bewerten (deskriptive statistische Kennzahlen). Darüber hinaus finden sich Kennzahlen in speziellen Unternehmensbereichen (z. B. Abteilungen zur Bewertung von Wertpapieren bei Finanzinstituten und Finanzdienstleistern, Marktforschungsabteilungen, der Revision etc.) (vgl. Abbildung 2).
Abb. 2: Beispiel für Einsatzbereiche von Kennzahlen in Unternehmen
Bei den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen handelt es sich dabei nicht nur um Finanzkennzahlen, die als sogenannte »harte Zahlen« oder »Hartfacts« wirtschaftliche Sachverhalte (z. B. finanzielle Situation, wirtschaftlicher Erfolg) als metrisch skalierbare Größen2 (z. B. in Einheiten einer Währung) beschreiben, sondern auch um sogenannte weiche Kennzahlen (»Softfacts«), die z. B. die Zufriedenheit von Kunden bez. betrieblicher Leistungen, das Betriebsklima im Unternehmen, die Zufriedenheit der Mitarbeiter mit ihrem Arbeitsplatz etc. beurteilen. Bei [22]diesen Softfacts handelt es sich um sogenannte ordinal skalierbare Kennzahlen3, die eine Benotung oder eine Rangfolge von Sachverhalten ermöglichen.
Darüber hinaus werden mithilfe von Kennzahlen auch Vorausschau und Hochrechnungen durchgeführt. Damit versuchen Unternehmen, frühzeitig mögliche Entwicklungen ihres Unternehmens darzustellen bzw. zu simulieren.
Grundsätzlich lassen sich die verschiedenen Kennzahlen hinsichtlich ihres Anwendungsbereiches in folgende Kategorien einteilen:
betriebswirtschaftliche Kennzahlen
prozessuale Kennzahlen
eudaimonische Kennzahlen
statistische Kennzahlen
Während die erste Kategorie von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen dazu dient, klassische betriebswirtschaftliche Sachverhalte wie z. B. die finanzielle Situation (u. a. Liquiditätsgrade, Cashflow-Rate) zu bewerten, dienen die prozessualen Kennzahlen dazu, die Wirksamkeit und Funktionsfähigkeit von Geschäftsprozessen im Unternehmen zu beurteilen (u. a. im Bereich Absatz und Lieferung: Rate unerledigter Aufträge, Rücksendungsquote, Erledigungsgrad betrieblicher Tätigkeiten). Die Kategorie der eudaimonischen Kennzahlen versucht, das »Gefühl« wirtschaftlich handelnder Subjekte (u. a. Kundenzufriedenheit, Mitarbeiterzufriedenheit) im Hinblick auf wirtschaftliche Sachverhalte und Ergebnisse zu messen. Die statistischen Kennzahlen versuchen dagegen, die Größen generell bez. Lage, Streuung und Symmetrie zu beschreiben. Darüber hinaus versuchen sogenannte stochastische Kennzahlen, Wertentwicklungen der Kennzahlen zu schätzen bzw. vorauszuberechnen.
Kategorie von Kennzahlen
Anwendungsbereich und Zielsetzung
Betriebswirtschaftliche Kennzahlen
Dienen dazu, klassische betriebswirtschaftliche Sachverhalte zu bewerten.
Prozessuale Kennzahlen
Mithilfe dieser Kennzahlen werden die Wirksamkeit und Funktionsfähigkeit von Geschäftsprozessen in Unternehmen analysiert und beurteilt.
Eudaimonische Kennzahlen
Kennzahlen, die das Empfinden, die Einstellungen, die Zufriedenheit etc. von wirtschaftlich handelnden Subjekten beschreiben.
Statistische Kennzahlen
Sie dienen dazu, einerseits ermittelte Kennzahlen der ersten drei Kategorien zum Vergleich zu beschreiben (z. B. Unternehmens-Benchmarking, Zeitvergleiche). Darüber hinaus können mithilfe stochastischer Kennzahlen Vorausberechnungen durchgeführt und Schätzungen zu Wertentwicklungen von Kennzahlen gemacht werden.
Tab. 1: Anwendungsbereiche und Kategorien von Kennzahlen in Unternehmen
Damit Kennzahlen und Kennzahlensysteme erhoben werden können, müssen diese verschiedene Anforderungen erfüllen. D. h., sie können je nach Erfüllungsgrad der Anforderungen strukturiert und eingeordnet werden.
So lassen sich mithilfe von Kennzahlen u. a.
betriebliche Vorgänge/Prozesse messen und bewerten,
betriebliche Sachverhalte (z. B. Investitionsbedarf) beurteilen,
komplexe Sachverhalte kurz und prägnant darstellen,
Maßstäbe für die Zukunft festlegen und ggf.
kritische Erfolgsfaktoren und Risiken festmachen.
Sie können somit helfen,
die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens zu einem bestimmten Zeitpunkt oder über einen längeren Zeitraum hinweg zu beurteilen,
sich einen Überblick über die Gesamtsituation, aber auch über verschiedene Teilbereiche und Prozesse im Unternehmen zu verschaffen,
zu erkennen, wo die Schwächen und Stärken des Unternehmens und dessen Leistungen liegen,
bestimmte Entwicklungen intern und extern frühzeitig zu beobachten,
rechtzeitig Signale für Fehlentwicklungen und Risiken zu erkennen und
das Unternehmen mit anderen zu vergleichen (Benchmarking).
Hieraus ergeben sich nun Anforderungen an Kennzahlen, und zwar
Eindeutiger Zweck bzw. Ziel der Kennzahl und damit Verständlichkeit und Messbarkeit der Kennzahl oder des Kennzahlensystems
Sachliche und rechnerische Richtigkeit der Kennzahl
Vergleichbarkeit der Kennzahl
Übersichtlichkeit und Darstellbarkeit der Kennzahl
Hoher Informationsgehalt und exakte Datenbasis der Kennzahl
Der Zweck bzw. das Ziel der Kennzahl ist der wichtigste Aspekt bei der Definition einer Kennzahl. Es ist zuallererst zu definieren, was mithilfe der Kennzahl bzw. dem Kennzahlensystem analysiert und beurteilt werden soll. Ausgangspunkt ist der Sachverhalt, der durch die Kennzahl ausreichend genau beschrieben werden soll. Anhand der modellhaften Beschreibung des Sachverhaltes (z. B. Zahlungsfähigkeit, wirtschaftlicher Erfolg, Abhängigkeit zwischen Größen) wird eine mit dem Sachverhalt identifizierbare Maßzahl hergeleitet, die anschließend durch [24]eine Vorschrift definiert wird und gemessen werden kann. Darüber hinaus muss bei der Definition der Kennzahl auf die Verständlichkeit geachtet werden. Die Definition der Kennzahl sollte für den Anwender die Nachvollziehbarkeit des beschriebenen Sachverhalts oder Prozesses gewährleisten. Je nach Komplexität des Sachverhaltes ergeben sich unterschiedlich komplexe Vorschriften, die von einfachen Relationen (z. B. Quotienten wie Verschuldungskoeffizient, Anlagen- oder Umlaufvermögenintensität, Eigenkapitalquote etc.) bis hin zu analytischen oder sogar stochastischen Gleichungen (z. B. Empfindlichkeitskennzahlen) reichen können. Beispielsweise dient die Finanzkennzahl »Verschuldungsgrad« (einfacher Quotient aus Fremdkapital und Eigenkapital eines Unternehmens) der Beurteilung der wirtschaftlichen Stärke und der Finanzierungsfähigkeit für Investitionsvorhaben. Dagegen misst das komplexe Kennzahlensystem der »Griechen4« im Bereich des Handels (Hedging5) von sogenannten Optionen6 die Empfindlichkeit und damit die Entwicklung des Wertes einer Option in Abhängigkeit verschiedener Einflussfaktoren wie Restlaufzeit, Marktzins und Ausübungskurs.
ÜBERSICHT
Empfindlichkeitsmaßzahlen der Griechen bei den Optionen
Delta: Die Kennzahl Delta misst die Wertveränderung der Option im Verhältnis zur Veränderung des Basiswertes.Gamma: Diese Kennzahl misst die Veränderung der Kennzahl Delta im Verhältnis zur Veränderung des Basiswertes.Theta: Sie bezieht sich auf den Zeitwert einer Option und misst den Verlust des Wertes der Option pro Zeiteinheit (z. B. Tag).Vega: Die Kennzahl Vega misst die Wertveränderung der Option im Verhältnis zur Veränderung der sogenannten »Volatilität7«, die mittels des statistischen Streumaßes »Varianz« gemessen wird.Rho: Sie misst die Wertveränderung der Option im Verhältnis zur Veränderung des risikolosen Zinssatzes am Markt.Die Kennzahl ist sowohl in sachlicher als auch rechnerischer Hinsicht richtig zu definieren. Sachlich bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der mit ihr beschriebene Sachverhalt korrekt und vollständig durch die Kennzahl erfasst wird. Rechnerisch bedeutet, dass die Vorschrift zur Ermittlung der Kennzahl im Sinne der Mathematik korrekt zu definieren ist. Die Antwort auf die Frage Richtigkeit der Kennzahl ist im Allgemeinen mit der Frage der Messbarkeit der Kennzahl gekoppelt. Diese hängt [25]grundsätzlich von ihrer Skalierungseigenschaft ab, auf die im Abschnitt 1.2 noch einmal genauer eingegangen wird. Klassische Kennzahlen aus der Finanzwirtschaft wie beispielsweise Rentabilität, Deckungsbeitrag sind sogenannte metrisch skalierbare oder kardinal skalierbare Kennzahlen, die eine quantitative Messung und Berechnung ermöglichen. Das heißt, sie ermöglichen nicht nur einen Vergleich der Werte, sondern ihre Werte und Abstände lassen sich mathematisch interpretieren. Dagegen bezeichnen Kennzahlen, deren Werte nur eine Ordnung oder Reihenfolge beschreiben, ordinal skalierbare Werte. Mit ihrer Hilfe lassen sich Sachverhalte miteinander vergleichen (z. B. Kundenzufriedenheit im Absatzbereich, Mitarbeiterzufriedenheit im Personalbereich).
Je nach Skalierungseigenschaft muss für die Kennzahlen ein Messbarkeitsverfahren zur Datenerhebung definiert werden, welches entweder sich aus bereits im Unternehmen verfügbaren Daten rekrutiert (z. B. Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung (G + V bzw. GuV) für viele Finanzkennzahlen) und neue Daten (z. B. Fragebogen zur Ermittlung der Kunden- oder Mitarbeiterzufriedenheit) sind zu ermitteln. Neben dem Messbarkeitsverfahren ist natürlich auch die Häufigkeit bzw. Frequenz der Datenerhebung zu definieren. Heutzutage werden die Daten üblicherweise mithilfe entsprechender Datenverarbeitungssysteme verwaltet und ausgewertet.
Die Skalierbarkeit ist für die Interpretation und Nutzung der Kennzahl von entscheidender Bedeutung, da mit ihr die Tiefe der Auswertbarkeit und damit Interpretierbarkeit von Kennzahlen gekoppelt ist. Beispielsweise ermöglichen sogenannte nominal skalierbare Kennzahlen nur einen groben Vergleich von Sachverhalten (z. B. liquide und nicht liquide Unternehmen), während ordinal skalierbare Kennzahlen einen differenzierten Vergleich ermöglichen (z. B. mittels eines Liquiditätsratings oder Scorings). Die sogenannten metrisch skalierbaren Kennzahlen liefern über den Vergleich auch eine quantitative und mathematische Beurteilung der Sachverhalte. Die auftretenden Differenzen in den Wertigkeiten der Kennzahlen können bei diesen Zahlen interpretiert werden (z. B. Veränderung der Liquiditätsgrade eines Unternehmens im Zeitverlauf).
Auf dieser Basis lassen sich die Kennzahlen im Sinne ihrer Skalierungseigenschaft in eine Rangordnung bringen, wobei der Umfang des Interpretationsgehaltes der Kennzahl ihren Rang definiert:
Rang
Skalierungseigenschaft von Kennzahlen
Interpretationsgehalt Kennzahl
Beispiel
1
metrisch skalierbare Kennzahl
Mithilfe dieser Kennzahlen lassen sich Sachverhalte quantifizieren, messen und miteinander vergleichen.
Rentabilität
2
ordinal skalierbare Kennzahl
Diese Kennzahlen lassen sich in eine Rangfolge bringen und sind somit miteinander vergleichbar.
Bonitätsstufen, Kredit-Scoring
3
nominal skalierbare Kennzahl
Hier findet nur eine grobe Differenzierung der Wertigkeit bei den Kennzahlen statt.
solvente/insolvente Unternehmen
Tab. 2: Differenzierung der Skalierungseigenschaften von Kennzahlen
Viele Kennzahlen werden von Anwendern insbesondere in ihrer zeitlichen Veränderung betrachtet. Um die Vergleichbarkeit der Kennzahlen über einen längeren Zeitraum zu gewährleisten, ist es dabei notwendig, dass sich Definition und Berechnungsmethode nicht verändern. Nur so wird gewährleistet, dass die Wertigkeit einer Kennzahl heute mit der zu einem früheren Zeitpunkt vergleichbar ist.
Diese Forderung ist natürlich nur so lange haltbar, wie es zu keinen grundsätzlichen strukturellen Änderungen in den mithilfe der Kennzahl zu beurteilenden Sachverhalten und/oder Prozessen kommt. Ändern sich beispielsweise bei der Klassifizierung von Bonitätsstufen die einzelnen Klassifizierungskriterien, so sind die Bonitätsstufen vor und nach Änderung nicht mehr ohne Weiteres vergleichbar.
Es empfiehlt sich somit bei der Definition von Kennzahlen, auch die ihr zugrunde liegenden Voraussetzungen und Annahmen stets zu dokumentieren, um die Frage nach der Vergleichbarkeit von Kennzahlen zu verschiedenen Zeitpunkten beantworten zu können.
Beim Einsatz von Kennzahlen ist darauf zu achten, dass der Anwender keine Zahlenfriedhöfe generiert, durch die er keinen Weg mehr findet. Der Einsatz von Kennzahlen sollte daher übersichtlich und maßvoll geschehen.
Ferner empfiehlt es sich, die Kennzahlen mithilfe entsprechender Diagramm-Charts und Diagrammtechniken grafisch darzustellen. Die Aussagen von Kennzahlen lassen sich i. Allg. durch entsprechende grafische Darstellung deutlicher vermitteln (z. B. zeitliche Entwicklungen anhand von Linien- und Säulendiagrammen, Zusammensetzung eines Produktportfolios anhand entsprechender Kreis- bzw. Kuchendiagramme). Eine solche Darstellung hilft dem Anwender, wesentliche Informationen darzustellen bzw. in den Vordergrund zu bringen. Somit wird durch die Visualisierung der Kennzahl der dargestellte Sachverhalt transparenter vermittelt.
Mit dem Informationsgehalt einer Kennzahl definieren wir im Allgemeinen die Verwendungsmöglichkeiten der Kennzahl für verschiedenste Sachverhalte (Objekte, Prozesse) und Zustände. Beispielsweise dient die Kennzahl »Rentabilität« in den verschiedenen Varianten wie beispielsweise Eigenkapitalrentabilität, Gesamtkapitalrentabilität, Umsatzrentabilität etc. der Beschreibung des Zusammenhangs zwischen den betriebswirtschaftlichen resultierenden Größen »Gewinn«, »Gewinn und Zinsen« bzw. »Umsatz« im Verhältnis zur Ausgangsgröße »Gesamtkapital«. Darüber hinaus ermöglicht die Analyse der zeitlichen Entwicklung dieser Rentabilitätsgrößen einen Rückschluss auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Dem [27]gegenüber definiert eine Kennzahl wie beispielsweise »Eigenkapitalquote« nur das Verhältnis zwischen zwei Größen im Hinblick auf die Zusammensetzung des Kapitals (Eigen- bzw. Fremdkapital). D. h., der Informationsgehalt definiert eine Art »Aktionsradius« einer Kennzahl. Je größer dieser ist, umso höher ist der Informationsgehalt der Kennzahl und somit deren Nutzung.
Darüber hinaus ist für den Informationsgehalt auch die sogenannte »Schärfe« einer Kennzahl wichtig. Grundsätzlich definieren Aussagen wie beispielsweise »fast genau 2«, »etwa zwischen 5 und 10« sowie »ungefähr 20« Mengen. Kennzahlen, die in dieser Weise bez. ihrer Wertigkeit beurteilt werden, bezeichnet man als unscharfe Kennzahlen, wie z. B. die positive mittlere Korrelation zweier zusammenhängender Größen. D. h., die Korrelation ist zwar eine metrisch skalierbare Größe, dennoch werden die Beurteilung und Interpretation ihres Wertes unscharf vorgenommen. Man bezeichnet unscharfe Kennzahlen auch als fuzzyfizierte Kennzahlen.
Normalerweise korreliert die Schärfe einer Kennzahl mit ihrer Skalierbarkeit in der Weise, dass i. d. R. metrisch skalierbare Kennzahlen scharfe Kennzahlen sind und ordinal skalierbare oder nominal skalierbare Kennzahlen unscharfe Kennzahlen definieren. Dennoch kann es wegen der Tiefe und des Umfangs der Messbarkeitsverfahrens dazu kommen, dass auch metrisch skalierbare Kennzahlen als unscharfe Kennzahlen erhoben werden. So kann es z. B. aus Kosten- und Zeitgründen in einer Preiskalkulation vorkommen, dass anstelle der genauen Erfassung der Kilometerzahl für An- und Abfahrt nur eine Kilometerpauschale erhoben wird.
Zu guter Letzt spielt die Datenbasis für die definierte Kennzahl eine bedeutende Rolle.
Grundvoraussetzung für die spätere Konstruktion und Definition geeigneter Kennzahlen ist die Strukturierung der Datenquellen nach verschiedenen Sichtweisen (auch Perspektiven) bzw. Eigenschaften der Daten (vgl. Tabelle 3). Dabei bezeichnen wir im Folgenden die Klasse der Daten, deren Strukturierung aus unterschiedlichen Sichtweisen von außen erfolgt, als »Interproperty«-Daten. Beispiele sind die Einteilung der Daten nach ihrer Herkunft oder nach temporalen Aspekten. Dagegen wird die Klasse der Daten, deren Strukturierung unmittelbar aus den Eigenschaften der Daten resultiert, als »Intraproperty«-Daten definiert. Beispiele hierfür sind die Einteilung der Daten nach ihrer Messbarkeit oder Zerlegbarkeit.
Interproperty-Daten
Intraproperty-Daten
nach EPK-Logik (DV-technische Sicht)
nach Messbarkeit der Daten
nach Herkunft der Daten
nach Zerlegbarkeit der Daten
nach Rückverfolgbarkeit des Analysesachverhaltes
nach Wertigkeit der Daten
nach Informationsgehalt der Daten
nach der temporalen Unabhängigkeit der Daten
nach Kausalitätscharakter
nach dem Bewertungsmaß für Daten-Auffälligkeiten
Tab. 3: Klassifizierungsschema für Datenquellen
[28]Von diesen beiden Begriffen ist grundsätzlich der Begriff der Dimension von Daten zu unterscheiden, die heute insbesondere bei der Konstruktion von sogenannten Datenwürfeln oder Cubes in Informationsmanagementsystemen ein wichtiges Element ist. Letzterer Begriff bezeichnet dabei die Möglichkeiten der Daten, sich deren Wertigkeit hinsichtlich unterschiedlicher Hierarchiestufen anzeigen zu lassen, die zum Teil natürlich von den Eigenschaften der Daten abhängen (z. B. Zerlegbarkeit der Daten nach der Dimension Zeit in Jahr – Quartal – Monat – Tag).
Die Effektivität des Messprozesses und die rasche Verfügbarkeit sind dabei wichtige Kriterien für die Dimensionierung von Kennzahlen. Ziel sollte es für den Anwender sein, nicht mehr Dimensionen zu erheben, als für den Informationsbedarf unbedingt notwendig sind.
Betriebswirtschaftliche Kennzahlen, mit denen wir uns im Rahmen dieses Buches ausschließlich beschäftigen, sind Größen, die verschiedenste Aufgaben in einem Unternehmen erfüllen. Zum einen dienen sie der Messung von betrieblichen Entscheidungen bzw. unternehmerischer Tätigkeit (z. B. Liquiditätskennzahlen, Finanzierungs- und Rentabilitätskennzahlen), zum anderen dienen sie aber auch dem Vergleich mit anderen Betrieben (z. B. Benchmarking) und/oder mit Werten anderen Perioden (z. B. Vergleich mit Vorjahreswerten). Beim Benchmarking dient der Vergleich der Standortbestimmung des Unternehmens im Kontext der Konkurrenz und des Marktes, beim Zeitvergleich wird eine temporale Entwicklung dargestellt. Werden Kennzahlen auf Basis von Ist- und Soll-Werten ermittelt, so helfen diese Unternehmen, Einschätzungen von Sachverhalten oder Prozessen mit der gegenwärtigen Situation laufend zu überwachen und ggf. korrigierend einzuwirken.
Grundsätzlich dienen Kennzahlen bzw. entsprechend Kennzahlensysteme:
der Messung des Erfolges unternehmerischen Handelns,
dem Vergleich mit Kennzahlen von konkurrierenden Unternehmen und Branchenkennzahlen zur Standortbestimmung des eigenen Betriebes im Markt,
dem zeitlichen Vergleich der Kennzahlenwerte zur Ermittlung der Entwicklung des Unternehmens im Zeitverlauf,
der Kontrolle des Einhaltens geforderter Vorgabegrenzen (z. B. Freigabegrenzen im Bestellwesen oder bei der Rechnungsfreigabe) oder allgemeiner Bestimmungen bzw. Anforderungen (z. B. Verschuldungsgrade),
dem Auffinden von Auffälligkeiten bei Prozessen, Sachverhalten und Objekten (z. B. Anhäufung von gerundeten Abschlagszahlungen, Ausreizen von Vergabevorgaben),
