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Wer ein gesundheitswissenschaftliches Fach oder Medizin studiert, darf sich auf die Epidemiologie freuen, denn dann wird es richtig spannend. Oliver Razum, Jürgen Breckenkamp und Patrick Brzoska führen in diesen Querschnittsbereich der Medizin und der Gesundheitswissenschaften ein. Sie erläutern, wie Epidemiologen Risikofaktoren und Krankheiten der Bevölkerung untersuchen, wie Studiendesigns aufgebaut sind und welche Methoden zur kritischen Datenanalyse angewendet werden. Anhand vieler Beispiele erfahren Sie, wie sich Seuchen wie Corona ausbreiten, warum Bewegung gesund ist und warum Rauchen krank macht.
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Seitenzahl: 624
Veröffentlichungsjahr: 2022
Epidemiologie für Dummies
Epidemiologen stellen Studienergebnisse in Vier-Felder-Tafeln dar:
Outcome ja
Outcome nein
Summe
Exposition ja
a
b
a+b
Exposition nein
c
d
c+d
Summe
a+c
b+d
a+b+c+d
RR
Relatives Risiko (englisch auch Rate Ratio)
Inzidenzrate unter den Exponierten dividiert durch Inzidenzrate unter den Nichtexponierten. Interpretation: Ein wievielmal so hohes Risiko haben Exponierte zu erkranken, relativ zu den Nichtexponierten. In der Vier-Felder-Tafel [a / (a+b)] / [c / (c+d)]
OR
Odds Ratio (deutsch auch Chancenverhältnis)
Chance der Erkrankten, exponiert gewesen zu sein, dividiert durch Chance der Nichterkrankten, exponiert gewesen zu sein. Interpretation aber: Eine wievielmal so hohe Chance haben Exponierte, zu erkranken, verglichen mit den Nichtexponierten. In der Vier-Felder-Tafel (a / c) / (b / d) oder vereinfacht (a × d) / (b × c)
PAR
Population Attributable Risk
Anteil der Fälle einer Erkrankung oder Todesursache in der Bevölkerung, die durch die komplette Beseitigung des Risikofaktors verhindert werden.
Querschnittstudie
Exposition und Outcome werden gleichzeitig erhoben.
Kohortenstudie
Beobachtung zunächst gesunder Personen über die Zeit. Die Inzidenz des Outcomes wird zwischen den exponierten und den nicht exponierten Studienteilnehmern verglichen. Maßzahl meist Relatives Risiko (RR).
Fall-Kontroll-Studie
Bereits Erkrankte (Fälle) und Nichterkrankte werden nach Expositionen in der Vergangenheit befragt. Die Chance einer Erkrankung bei Exponierten wird ins Verhältnis gesetzt zur Chance einer Erkrankung bei Nichtexponierten; die resultierende Maßzahl ist die Odds Ratio (OR).
Randomisierte kontrollierte Studie
Experimentelle Studie. Die Forscher teilen die Exposition zufällig zu; ansonsten wie Kohortenstudie.
Ökologische Studie
Exposition und/oder Outcome werden als Mittelwerte der Studienbevölkerung angegeben (meist, weil keine Individualdaten verfügbar sind).
Epidemiologie für Dummies
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
4., aktualisierte und überarbeitete Auflage 2022
© 2022 Wiley-VCH GmbH, Boschstr. 12, 69469 Weinheim, Germany
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Alle Rechte vorbehalten inklusive des Rechtes auf Reproduktion im Ganzen oder in Teilen und in jeglicher Form.
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Wiley, die Bezeichnung »Für Dummies«, das Dummies-Mann-Logo und darauf bezogene Gestaltungen sind Marken oder eingetragene Marken von John Wiley & Sons, Inc., USA, Deutschland und in anderen Ländern.
Das vorliegende Werk wurde sorgfältig erarbeitet. Dennoch übernehmen Autoren und Verlag für die Richtigkeit von Angaben, Hinweisen und Ratschlägen sowie eventuelle Druckfehler keine Haftung.
Coverfoto: © blvdone – stock.adobe.comKorrektur: Shangning Postel-Heutz, Frauke Wilkens
Print ISBN: 978-3-527-71936-5ePub ISBN: 978-3-527-83721-2
Sie möchten sicher wissen, wer die Autoren dieses Buches sind:
Oliver Razum hat drei Jahre als Arzt in Simbabwe im südlichen Afrika gearbeitet. Anschließend studierte er Epidemiologie in London. Seit 2004 ist er Professor für Epidemiologie & International Public Health an der Universität Bielefeld. Natürlich unterrichtet er dort Epidemiologie – und er forscht zum Thema Sozialepidemiologie, insbesondere zu Migration und Gesundheit.
Jürgen Breckenkamp ist Doktor der Gesundheitswissenschaften und Epidemiologe. Er forscht zu Migration und Gesundheit und zur Frage, welchen Einfluss Nachbarschaften auf die Gesundheit haben. Gemeinsam mit Oliver Razum arbeitet er in der Abteilung Epidemiologie & International Public Health an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld.
Patrick Brzoska ist ebenfalls Doktor der Gesundheitswissenschaften und seit 2018 Professor für Versorgungsforschung an der Fakultät für Gesundheit der Universität Witten/Herdecke. Er beschäftigt sich unter anderem mit der Rolle gesellschaftlicher Diversität in der Gesundheitsversorgung. Er lehrt Epidemiologie, Gesundheitsberichterstattung und Methoden der Versorgungsforschung.
Unsere Leben bestehen aber nicht nur aus Epidemiologie (auch wenn es manchmal so scheinen mag). Die wenigen verbleibenden Momente verbringen wir mit unseren Familien und Freunden. Daneben interessieren uns die gleichen Dinge wie andere Menschen auch: also vor allem Gummibärchen und das Schicksal von Arminia Bielefeld.
Im September 2009 erschien die erste Auflage von Epidemiologie für Dummies. Seitdem sind, um es epidemiologisch zu formulieren, einige unerfreuliche Outcomes eingetreten. Sie ahnen schon, was wir meinen: Arminia Bielefeld ist mittlerweile in die dritte Liga abgestiegen und blickt einer ungewissen Zukunft entgegen. Umso schöner, dass uns zahlreiche positive Rückmeldungen zu unserem Buch erreicht haben. Und parallel dazu leeren sich auch die Lager des Verlags, sodass wir schon an der zweiten Auflage von Epidemiologie für Dummies arbeiten.
Abschließend möchten wir allen danken, die uns bei der Arbeit an der zweiten Auflage von Epidemiologie für Dummies mit Vorschlägen für Verbesserungen unterstützt haben. Neben vielen Leserinnen und Lesern waren das besonders unsere Kolleginnen und Kollegen Ursula Berger, Klaus Krickeberg, Martin Schlaud und Hajo Zeeb.
Epidemiologie für Dummies erfreut sich großer Beliebtheit bei Studierenden und Lehrenden, aber auch bei den Kolleginnen und Kollegen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Das freut uns sehr!
In der zweiten Auflage konnten wir einige inhaltliche Punkte ergänzen. Für die dritte Auflage haben wir die Beispiele im Text durchgesehen und, wo erforderlich, aktualisiert. Dabei hat uns Kim Zolitschka geholfen, vielen Dank dafür! Dank ihr finden Sie jetzt wieder die neuesten verfügbaren Bevölkerungszahlen und Sterberaten im Buch.
Einen Wermutstropfen gibt es allerdings. Die unvergleichliche Arminia Bielefeld, unsere Herzensmannschaft, wechselt so schnell die Fußball-Ligen, dass wir an diesem Punkt den Text nicht aktuell halten können. Was wieder einmal zeigt: Wahre Liebe ganz ohne Schmerz gibt es nicht. Das gilt für Fußball, für Epidemiologie (um die eine oder andere Formel kommen Sie nicht herum), und für den Rest des Lebens natürlich auch.
»COVID-Pandemie« – diesen epidemiologischen Fachausdruck hat die Gesellschaft für deutsche Sprache zum »Wort des Jahres 2020« ernannt. Im Jahr 2020 gab es auch kaum eine Talkshow ohne eine Epidemiologin oder einen Epidemiologen als Gast. Unserer Berufsgruppe schlägt einerseits Bewunderung entgegen, andererseits reagieren manche Menschen aggressiv auf Einschränkungen zur Eingrenzung der Pandemie. Epidemiologie ist also zu einem alltäglichen Thema geworden. Grund genug für die nunmehr 4. Auflage von »Epidemiologie für Dummies«. Natürlich haben wir die Kapitel zu Krankheitsausbrüchen erweitert. Epidemiologen tun aber weitaus mehr, als Pandemien zu bekämpfen. Das zeigt Ihnen beispielsweise das Kapitel zu sozialer Ungleichheit und Gesundheit.
Den zweiten Grund für die Neuauflage möchten wir Ihnen nicht verschweigen: Arminia Bielefeld spielt wieder in der ersten Fußball-Bundesliga. Das entspricht unseren Erwartungen und dem Stand zur 1. Auflage 2009. Das tiefe Tal des Jammers während der 2. und 3. Auflage (in der 2. und 3. Liga) ist vergessen und vergeben.
Bei der Überarbeitung ist uns wieder einmal aufgefallen, wie wenig zeitgemäß das generische Maskulinum ist. Wir sprechen dennoch weiterhin von »Epidemiologen«, auch wenn wir selbstverständlich Epidemiolog*innen meinen. Aus Gründen der Lesbarkeit verzichten wir hier auf das Gendersternchen, das uns ansonsten mit großer Selbstverständlichkeit im Alltag begleitet.
Bei der Überarbeitung standen uns Ann-Kristin Niewald und Tessa Brake inhaltlich und organisatorisch zur Seite. Dafür bedanken wir uns sehr. Ein Dankeschön auch an alle Leser*innen, die uns auf Fehler und Unklarheiten aufmerksam gemacht haben.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und Arbeiten mit diesem Buch!
Oliver Razum, Jürgen Breckenkamp und Patrick Brzoska
Cover
Titelblatt
Impressum
Über die Autoren
Zur zweiten Auflage
Zur dritten Auflage
Zur vierten Auflage
Einführung
Über dieses Buch
Was Sie nicht lesen müssen
Konventionen in diesem Buch
Törichte Annahmen über den Leser
Wie dieses Buch aufgebaut ist
Symbole, die in diesem Buch verwendet werden
Wie es weitergeht
Teil I: Epidemiologen sind Gesundheitsdetektive
Kapitel 1: Epidemiologen bei der Arbeit
Was Epidemiologen tun
Epidemiologie, Kommunikation und Politik
Wie und warum wir Epidemiologen wurden
Kapitel 2: Epidemiologen sind Detektive
Auf den Schultern von Giganten
Verstädterung, Globalisierung, Seuchen
Epidemiologischer Detektiv – Dr. John Snow
Kapitel 3: Im Falle eines Falles
Epidemiologische »Fälle
«
Krankheitsregister
Kapitel 4: Stets im Mittelpunkt: die Bevölkerung
Epidemiologen schauen auf Bevölkerungen
Kleine Demografie
für Epidemiologen
Bevölkerungsentwicklung
und gesellschaftliche Situation
Teil II: Werkzeuge zum Messen und Vergleichen
Kapitel 5: Größen und Veränderungen messen
Absolute Zahl und Prävalenz
Ohne Zeit
geht nichts – Inzidenzen
Risiko und Risikodifferenz
Kapitel 6: Vergleiche anstellen
Kein Vergleich – keine Beurteilung
Für alle Fälle – die Vier-Felder-Tafel
Relatives Risiko – ein Risiko kommt selten allein
Odds Ratio
– wie hoch ist die Chance?
Attributables Risiko
Population Attributable Risk
Kapitel 7: So werden Daten vergleichbar: Stratifizieren und Standardisieren
Stratifizierung
– die Kleinen nach vorn, die Großen nach hinten
Standardisierung – der einheitliche Bevölkerungsaufbau
Standardbevölkerungen
Kapitel 8: Wie sag ich's richtig? Beschreibende Statistik
Von Variablen
und ihren Werten
Deskriptive
Statistik – Daten zusammenfassen
Teil III: Die Architektur der Epidemiologie
Kapitel 9: Alles nur im Hier und Jetzt: Querschnittstudien
Was läuft hier quer?
Was Sie mit Querschnittstudien messen können
Hochspannung in Deutschland: Macht Elektrosmog krank?
Grenzen des Querschnittdesigns
Was kommt dabei heraus?
Kapitel 10: Ein Marsch Gesunder durch die Zeit: Kohortenstudien
Blick nach vorn: Wer wird krank?
Rekrutieren der Studienbevölkerung
Mal sehen, was die Zukunft bringt: Follow-up
Kapitel 11: Die Vergangenheit von Kranken und Gesunden: Fall-Kontroll-Studien
Kommt mir mein Handy zu nahe?
Das Design von Fall-Kontroll-Studien
Expositionen messen
Paarungen: passende Kontrollen zu den Fällen
Was Sie in Fall-Kontroll-Studien messen können
Zu guter Letzt: eingebettete
Fall-Kontroll-Studie
Kapitel 12: Der Zufall als Helfer: randomisierte kontrollierte Studien
Warum randomisierte kontrollierte Studien?
Verzerrungen vermeiden
Klinische
Studien – Therapie top oder flop?
Maßzahlen in klinischen Studien
Wenn Zweifel bleiben …
Ethisch vertretbar?
Weisheit aus vielen Studien: Meta-Analysen
Kapitel 13: Ganz ohne Individualdaten: ökologische Studien
Individualdaten oder aggregierte
Daten?
Wenn der ökologische Schein trügt
Teil IV: Studien durchführen und Fallstricke vermeiden
Kapitel 14: Epidemiologische Studien durchführen
Das Thema finden und die Studie planen
Die Studie durchführen – ab ins Feld
Kapitel 15: Verzerrtes Bild der Wirklichkeit?
Keine Wissenschaft ohne Fehler (leider)
Zufällige
Fehler: heute so, morgen so
Systematische Fehler: immer gleich falsch
Confounding – oder: Leben auf großem Fuße
Effektmodifikation
Jetzt kommt's ganz dicke: mehrere Fehler
Kapitel 16: Ursachen und Wirkungen
Epidemiologen wollen Ursachen finden
Kriterien für Kausalität
Kapitel 17: Spielt uns der Zufall einen Streich? Schließende Statistik
Warum wir Sie mit schließender Statistik quälen
Zufall oder doch nicht? Statistisches Testen
Wie groß muss eine Studie sein?
Statistische Modelle und die Wirklichkeit
Teil V: Anwendungen der Epidemiologie
Kapitel 18: Die großen Seuchen: Infektionsepidemiologie
Seuchen in Europa: Vergangenheit und Zukunft
Vom Erreger zur Epidemie: Grundlagen
Wie sich Epidemien ausbreiten
Ausbrüche früh erkennen: Surveillance
Können Epidemiologen Seuchen besiegen?
Kapitel 19: Krankheitsausbrüche epidemiologisch untersuchen
Vorgehen bei einem Ausbruch
Epidemische Gehirnhautentzündung in Afrika
Alternativhypothesen bedenken
Kapitel 20: Sozialepidemiologie: lieber reich und gesund als arm und krank
Der Traum von der Gleichheit der Menschen
Die Whitehall-Studie
Ungleichheit in England: Der »Black Report«
Gesundheitliche Ungleichheit in Deutschland
Wie soziale Ungleichheit krank macht
Sozialepidemiologie: vergleichen und Handeln
Kapitel 21: Erfolge messen
Gesundheitsprogramme – mein Rücken zwickt
Effektivität von Gesundheitsprogrammen messen
Studiendesigns mit Kontrollgruppe
Evaluation ohne Kontrollgruppe
Kapitel 22: Screening: dem Risiko ins Auge schauen
Sinn des Screenings: Krankheiten früh erkennen
Eigenschaften von Tests
Screening – Nutzen und Schaden
Bewertung von Screening-Programmen
Graues Screening oder Screening-Programme?
Gewinner und Verlierer beim Screening
Teil VI: Der Top-Ten-Teil
Kapitel 23: Zehn Tipps, um Fehler in Studien zu vermeiden
Keine vorschnellen Schlüsse ziehen
Mit einer klaren Fragestellung beginnen
Geeignete Stichprobengröße wählen
Raten statt absolute Zahlen analysieren
Geeignete Vergleichsgruppe wählen
Mögliches Confounding bedenken
Enttäuschende Ergebnisse nicht verschweigen
Ergebnisse klar kommunizieren
Mit den Medien umgehen lernen
Risiken realistisch einschätzen
Kapitel 24: Die zehn besten Datenquellen
Bevölkerungsstatistik
Todesursachenstatistik
Meldepflichtige Infektionskrankheiten
Bevölkerungsbezogene Krebsregister
Krankenhaus-Diagnosestatistik
Kinder- und Jugendgesundheitssurvey KiGGS
Telefonischer Gesundheitssurvey
Mikrozensus
Sozio-oekonomisches Panel SOEP
Ein Blick zu den europäischen Nachbarn
Entwicklung und Gesundheit: weltweite Daten
Quellen
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Abbildungsverzeichnis
Stichwortverzeichnis
End User License Agreement
Kapitel 2
Tabelle 2.1: Todesfälle an Cholera nach Art der Wasserversorgung 1853/54 in Londo...
Tabelle 2.2: Todesfälle an Cholera und Zahl der Häuser, nach Wasserversorgung. Lo...
Kapitel 3
Tabelle 3.1: Die häufigsten Todesursachen, Deutschland 2019, Männer und Frauen
Kapitel 4
Tabelle 4.1: Bevölkerungsdichten im internationalen Vergleich, Zahlen für 2019
Tabelle 4.2: Große Zuwanderungsbewegungen nach Deutschland seit 1945 (Zahlen geru...
Kapitel 6
Tabelle 6.1: Darstellung der Daten in einer Vier-Felder-Tafel
Tabelle 6.2: Vier-Felder-Tafel: Zusammenhang zwischen feuchtkalter Luft und gripp...
Kapitel 7
Tabelle 7.1: Direkte Altersstandardisierung, männliche Bevölkerung, NRW 2009
Tabelle 7.2: Die indirekte Standardisierung – Beispielberechnung
Tabelle 7.3: Standardbevölkerung für das Beispiel zur indirekten Standardisierung
Tabelle 7.4: Beispiel für SMRs (Standardized Mortality Ratios), bei denen ein Con...
Tabelle 7.5: Alte und neue Europa-Standardbevölkerungen
Kapitel 8
Tabelle 8.1: Skalenniveaus
von Variablen
Tabelle 8.2: Erstes Quartil, drittes Quartil und Median
Kapitel 9
Tabelle 9.1: Vier-Felder-Tafel zum Asthma-Beispiel, Querschnitt zum Zeitpunkt 1
Tabelle 9.2: Vier-Felder-Tafel zum Asthma-Beispiel, Querschnitt zum Zeitpunkt 2
Kapitel 10
Tabelle 10.1: Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Hüftbrüchen bei Frauen unte...
Kapitel 11
Tabelle 11.1: Rauchen und Lungenkrebs bei Frauen (nach Doll und Hill 1950)
Tabelle 11.2: Vier-Felder-Tafel zur Auswertung von individuell gematchten Paaren
Kapitel 12
Tabelle 12.1: Vergleich einer neuen Therapie mit der alten Standardtherapie
Kapitel 15
Tabelle 15.1: Zusammenhang zwischen häufigen Sonnenstudiobesuchen
und Hautkrebs (...
Tabelle 15.2: Zusammenhang zwischen häufigen Sonnenstudiobesuchen und Hautkrebs, ...
Tabelle 15.3: Zusammenhang zwischen Schuhgröße und Einkommen (ausgedachte Schuh-S...
Tabelle 15.4: Zusammenhang zwischen Schuhgröße und Einkommen, stratifiziert nach ...
Tabelle 15.5: Zusammenhang zwischen Geschlecht und Einkommen, stratifiziert nach ...
Tabelle 15.6: Relatives Risiko für Mundhöhlenkarzinome in Abhängigkeit von Rauche...
Kapitel 16
Tabelle 16.1: Bevölkerung von Oldenburg und brütende Storchenpaare
Tabelle 16.2: Assoziation zwischen Rauchen und Lungenkrebs
Kapitel 17
Tabelle 17.1: Durchschnittliche Zahl der Arztbesuche in den letzten drei Wochen v...
Tabelle 17.2: Fehler erster Art (α-Fehler) und Fehler zweiter Art (β-Fehler)
Tabelle 17.3: Erforderliche Stichprobengröße je Gruppe für eine Fall-Kontroll-Stu...
Tabelle 17.4: Bluthochdruck und Herzinfarktrisiko
Tabelle 17.5: Risikofaktoren des Herzinfarkts, nach Alter, Geschlecht und Blutdru...
Kapitel 19
Tabelle 19.1: Vorläufige Falldefinition für das schwere akute respiratorische Syn...
Tabelle 19.2: Besuch der Videoshow und Erkrankung an Meningitis, Mchanje
Tabelle 19.3: Chance, nach Besuch der Videoshow an Meningitis zu erkranken, strat...
Kapitel 20
Tabelle 20.1: Relatives Risiko eines Todesfalles durch Herzinfarkt, Whitehall-Stu...
Tabelle 20.2: Gesellschaftliche Unterschiede und Lebenserwartung in Deutschland, ...
Kapitel 22
Tabelle 22.1: Häufige Krebserkrankungen in Deutschland 2017 (gerundet) und Stand ...
Tabelle 22.2: Eigenschaften eines Schnelltests
Tabelle 22.3: Ergebnisse von Fidels hypothetischem HIV-Schnelltest
Tabelle 22.4: Gewinner und Verlierer beim Screening (nach Albrecht Jahn)
Kapitel 1
Abbildung 1.1: Säuglingssterblichkeit in Deutschland, 1870 bis 2020
Kapitel 2
Abbildung 2.1: Punktkarte
des Cholera-Ausbruchs in Soho, 1854
Abbildung 2.2: Epidemische Kurve des Cholera-Ausbruchs 1854
Kapitel 3
Abbildung 3.1: Todesbescheinigung
für Nordrhein-Westfalen (zweite Seite)
Abbildung 3.2: Der natürliche Krankheitsverlauf im Überblick
Kapitel 4
Abbildung 4.1: Idealtypische Formen der Bevölkerungspyramide (weiß: Männer, grau:...
Abbildung 4.2: Bevölkerungspyramide, Indien 2020
Abbildung 4.3: Bevölkerungspyramide, Deutschland 2020
Kapitel 5
Abbildung 5.1: Berechnung von Personenjahren unter Risiko
Abbildung 5.2: Der Zusammenhang zwischen Prävalenz und Inzidenz
Kapitel 8
Abbildung 8.1: Entwicklung des Pro-Kopf-Einkommens in Westdeutschland, 1985 bis 2...
Abbildung 8.2: Normalverteilung
(Glockenkurve); SD: Standardabweichung
Kapitel 9
Abbildung 9.1: Haustiere und kindliches Asthma
Kapitel 10
Abbildung 10.1: Design einer Kohortenstudie
Abbildung 10.2: Design einer historischen Kohortenstudie
Kapitel 11
Abbildung 11.1: Ausgangspunkte und Ziele von Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien
Abbildung 11.2: Fälle, Kontrollen und ihr jeweiliger Expositionsstatus
Kapitel 12
Abbildung 12.1: Ablauf einer randomisierten kontrollierten Studie
Kapitel 13
Abbildung 13.1: Jährliche mittlere Zahl gerauchter Zigaretten pro Person und alte...
Abbildung 13.2: Konsum von Obst
und Gemüse und altersstandardisierte Sterblichkei...
Kapitel 15
Abbildung 15.1: Schematische Darstellung des Confounding
Abbildung 15.2: Der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Mundhöhlenkarzinom
Kapitel 16
Abbildung 16.1: Bevölkerungszahl und brütende Storchenpaare, Oldenburg
Abbildung 16.2: Kaffee, Alkohol und Pankreaskarzinom
Abbildung 16.3: Sterblichkeit an Herzinfarkt (ischämische Herzerkrankung), deutsc...
Abbildung 16.4: Sterblichkeit an Herzinfarkt (ischämische Herzerkrankung), deutsc...
Abbildung 16.5: Ist eine beobachtete Assoziation kausal?
Kapitel 17
Abbildung 17.1: Body-Mass-Index und Sterblichkeitsrisiko, 25- bis ...
Kapitel 18
Abbildung 18.1: Epidemische Kurve, SARS-Ausbruch in Hongkong, 2003
Abbildung 18.2: Kumulative Fallzahl, SARS-Ausbruch, 2003
Abbildung 18.3: SEIR-Modell
Kapitel 20
Abbildung 20.1: Mielcks Modell zur Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit
Kapitel 21
Abbildung 21.1: Der Public-Health-Handlungskreis
Abbildung 21.2: Rückgang der Kindersterblichkeit nach Weltregionen, 1990 bis 2015
Kapitel 22
Abbildung 22.1: Ein Lead time bias täuscht längere Überlebenszeit vor
Cover
Titelblatt
Impressum
Über die Autoren
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Fangen Sie an zu lesen
Quellen
Abbildungsverzeichnis
Stichwortverzeichnis
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Wir leben in einer gefährlichen Welt. Das erfahren Sie jeden Tag aufs Neue aus den Fernsehnachrichten. Eine bislang unbekannte, rätselhafte Seuche breitet sich aus. Ausgerechnet das Essen, das Ihnen am besten schmeckt, macht Sie angeblich krank. Dass Rauchen ungesund ist, können Sie schon lange nicht mehr hören. Aber bedrohen auch Handys Ihre Gesundheit? Über Krebs haben Sie sich schon öfter Gedanken gemacht. Sollten Sie nun endlich einmal zur Krebsvorsorge gehen?
Vielleicht machen Sie sich aber gar nicht so viele Sorgen um Ihre Gesundheit. Eigentlich geht es den Menschen heute trotz aller Risiken doch ziemlich gut. Vielleicht staunen Sie sogar darüber, wie dramatisch sich die gesundheitliche Situation der Bevölkerung in Deutschland verbessert hat, verglichen etwa mit der Zeit Ihrer Urgroßeltern. Davon profitieren Sie und Ihre Familie. Allein an einer besseren medizinischen Versorgung kann das nicht liegen: Verbesserungen der Gesundheit setzten ein, lange bevor es beispielsweise Antibiotika gab.
Die Wissenschaftler, die sich mit diesen auch für Ihren Alltag wichtigen Fragen befassen, heißen Epidemiologen. Epidemiologen untersuchen Risikofaktoren und Krankheiten in der Bevölkerung. Darin unterscheiden sie sich von Ärzten, die vorwiegend den einzelnen Patienten im Auge haben. Epidemiologen und ihre Arbeit werden in der Öffentlichkeit nur wenig wahrgenommen.
Wir zeigen Ihnen praxisnah und mit vielen Beispielen, was Epidemiologen leisten und warum ihre Arbeit in der heutigen Welt unverzichtbar ist. Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, können Sie mitreden. Sie werden außerdem sehen: Epidemiologie kann ungemein spannend sein.
Dieses Buch unterscheidet sich von anderen Lehrbüchern der Epidemiologie, aber auch von populärwissenschaftlichen Werken:
Wir richten uns nicht an Experten, sondern an Menschen, die sich für Gesundheit interessieren und Grundkenntnisse in Epidemiologie erwerben wollen. Ganz besonders haben wir Menschen im Blick, die Gesundheitswissenschaften beziehungsweise Medizin studieren oder im Gesundheitswesen arbeiten.
Anders als viele populärwissenschaftliche Bücher wollen wir den Dingen auf den Grund gehen. Wir sagen Ihnen nicht nur,
was
ist. Vielmehr erklären wir Ihnen auch,
warum
das so ist und
wie
die entsprechenden Erkenntnisse gewonnen werden. Mit anderen Worten: Wir erläutern Ihnen in diesem Buch auch die Methoden, mit denen Epidemiologen arbeiten.
Wir nutzen dazu spannende Beispiele aus der Praxis, die mit Ihrem Alltag und/oder Ihrer Arbeit zu tun haben.
Vielleicht möchten Sie kein Epidemiologe werden. Sie sind auch sicher, dass Sie nie in Ihrem Leben selbst eine epidemiologische Studie durchführen werden. Das Thema interessiert Sie sehr, aber Sie wollen nicht bis in die letzten technischen Details durchdringen. Tiefer gehende Hintergrundinformationen haben wir deshalb mit dem Symbol »Detailwissen« gekennzeichnet. Sie können diese Abschnitte auslassen, ohne dabei den Faden zu verlieren. Sie müssen das Buch auch nicht unbedingt von vorn bis hinten lesen. Fangen Sie dort an, wo es am spannendsten klingt, oder benutzen Sie es wie ein Nachschlagewerk.
Wenn Sie dieses Buch in die Hand nehmen und eine Frau sind, bekommen Sie wahrscheinlich einen Schreck: Es wurde von drei Männern geschrieben und im Text ist nur von Epidemiologen, Studenten und sonstigen männlichen Wesen die Rede. Deshalb möchten wir klarstellen: Wir meinen in allen Fällen Männer, Frauen und diverse Menschen, also Epidemiolog*innen, Studierende und so weiter. Tatsächlich sind in der Epidemiologie – und vor allem unter unseren Studierenden – Frauen stärker vertreten als Männer. Da die Dummies-Bücher gut lesbar sein sollen, haben wir beim Schreiben auf weibliche Formen verzichtet.
Sie sprechen Deutsch – wir auch. Gelegentlich aber kommen wir nicht umhin, »Epidemiologisch« mit Ihnen zu sprechen. Sie werden sich also an einige wenige Fachausdrücke gewöhnen müssen. Zudem benutzen wir manche Begriffe anders, als Sie es aus dem Alltag gewohnt sind. Auf drei Begriffe und ihre epidemiologische Bedeutung müssen wir uns von Anfang an einigen:
Bevölkerung:
Mit »Bevölkerung« meinen wir eine größere Gruppe von Menschen. Das muss nicht unbedingt die gesamte Bevölkerung einer Stadt oder eines Landes sein; es kann sich auch nur um alle Männer zwischen 40 und 59 Jahren handeln (das erläutern wir dann natürlich). Die »Studienbevölkerung« ist eine Bevölkerung, aus der Epidemiologen eine Stichprobe ziehen. Sie führen dann in der Stichprobe eine Studie durch. Deren Ergebnisse gelten für die ganze Studienbevölkerung. Da sich in der Epidemiologie alles um Gruppen von Menschen dreht, verwenden wir den Begriff »Bevölkerung« immer wieder.
Exposition:
Mit »Exposition« bezeichnen wir Faktoren, denen eine Gruppe von Menschen (eben eine »Bevölkerung«) ausgesetzt ist. Nicht immer ist von vornherein klar, ob eine Exposition wirklich zu einem erhöhten Krankheitsrisiko führt. Ein Begriff wie »Risikofaktor« legt dies aber nahe. Daher bevorzugen wir den Begriff »Exposition«. Manchmal kann eine Exposition sogar einen positiven, die Gesundheit schützenden Effekt haben. Rauchen etwa ist eine gesundheitsschädliche Exposition, in diesem Fall auch eindeutig ein Risikofaktor. Regelmäßige körperliche Aktivität hingegen ist eine Exposition, die vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt. Sie sehen, der Begriff »Exposition « ist neutraler und umfassender als »Risikofaktor«.
Outcome:
Unter »Outcome« verstehen wir ein bestimmtes gesundheitliches Ereignis oder Ergebnis (daher sprechen andere Epidemiologen auch von der »Ergebnisvariable«). Das kann eine Erkrankung sein oder auch ein Todesfall. In einer Studie zu Rauchen und Lungenkrebs ist Rauchen die Exposition (oder auch der Risikofaktor, siehe oben) und Lungenkrebs der Outcome. Wenn wir die schützende Wirkung von körperlicher Aktivität auf Herzinfarkt untersuchen, ist körperliche Aktivität die Exposition und Herzinfarkt der Outcome. Der Outcome kann aber auch etwas Positives sein, beispielsweise die Genesung von einer Erkrankung.
Sie sind am Thema Gesundheit interessiert. Naturgemäß ganz besonders an Ihrer eigenen Gesundheit und der Ihrer Familie. Sie finden das Thema aber so spannend, dass Sie sich auch über die Gesundheit anderer Menschen Gedanken machen.
Vielleicht studieren Sie Gesundheitswissenschaften oder Medizin. Sie halten Epidemiologie für trocken und technisch. Ihre Interessen liegen in ganz anderen Bereichen wie Gesundheitskommunikation oder der Behandlung von Herzinfarkten. Aber nun steht Epidemiologie auf dem Lehrplan und Sie möchten das Beste daraus machen.
Vielleicht sind Sie im Gesundheitsbereich tätig, aber kein Experte für Epidemiologie. Sie möchten sich auf diesem Gebiet schlauer machen, um anderen Menschen fachkundigen Rat geben zu können. Dazu möchten Sie mehr über die Zusammenhänge zwischen Gesundheitsrisiken, Krankheit und Vorbeugung wissen.
Sie sind gesundheitsbewusst und gut informiert. Aber dem sogenannten »zweiten Gesundheitsmarkt« stehen Sie etwas ratlos gegenüber. Hier tummeln sich Anbieter von gesundheitlichen Dienstleistungen, die Ihnen Schutz vor Risiken und Erkrankungen versprechen. Dafür wollen sie Ihr Geld. Sie fragen sich, wie hoch die beworbenen Risiken wirklich sind und ob die angepriesenen Vorbeugemaßnahmen tatsächlich wirken.
Sie erwarten nicht, dass Sie ein fertiger Epidemiologe sind, wenn Sie dieses Buch gelesen haben. Aber Sie sind bereit, sich über Methoden und Hintergründe Gedanken zu machen. Sie scheuen auch nicht davor zurück, gelegentlich einen Taschenrechner in die Hand zu nehmen.
Dieses Buch hat sechs Teile. In den ersten fünf Teilen erklären wir, was die Epidemiologie erreicht hat und wie sie funktioniert. Diese fünf Teile haben wir in Kapitel untergliedert, in denen wir Epidemiologie in gut verdaulichen Häppchen servieren. Der sechste Teil enthält kurze Listen, die Ihnen bei der Suche nach Datenquellen und beim kritischen Lesen epidemiologischer Artikel weiterhelfen.
Epidemiologen untersuchen Risikofaktoren und Krankheiten in der Bevölkerung. Dabei gehen sie wie Detektive vor und verfolgen Spuren, indem sie Zahlen analysieren. Statt einer Lupe verwenden sie Instrumente wie Fall-Kontroll-Studien. In diesem Teil erfahren Sie, wie Epidemiologen arbeiten und was sie geleistet haben. Sie lernen auch die ersten Ausdrücke aus der epidemiologischen Fachsprache.
Epidemiologen messen und vergleichen die Häufigkeit von Risikofaktoren und von Krankheiten in der Bevölkerung. Im zweiten Teil stellen wir Werkzeuge vor, mit deren Hilfe Sie sinnvolle und aussagekräftige Vergleiche vornehmen können. Sie erfahren auch, wie Sie die Ergebnisse solcher Vergleiche übersichtlich und korrekt darstellen.
Epidemiologen begnügen sich nicht damit, die Häufigkeit von Krankheiten zu beschreiben. Sie wollen auch herausfinden, ob eine bestimmte Exposition die Ursache einer Erkrankung ist. Epidemiologen ermitteln dazu, ob die Exposition bei Erkrankten häufiger auftritt als bei Gesunden. Dazu führen sie wissenschaftliche Studien durch. Wir stellen Ihnen die ausgefeilten Methoden vor, die Epidemiologen dabei einsetzen.
Epidemiologen identifizieren die Ursachen von Krankheiten. Das ist die Voraussetzung für Vorbeugemaßnahmen. Wenn Sie den guten Ratschlägen der Epidemiologen folgen und Risikofaktoren vermeiden, erhöhen sich Ihre Chancen, länger gesund zu bleiben. Manchmal aber schießen Epidemiologen über ihr Ziel hinaus: Sie ziehen vorschnelle oder falsche Schlussfolgerungen und behaupten einen Zusammenhang, der in Wirklichkeit gar nicht besteht. In diesem Teil erfahren Sie mehr über Fallstricke in epidemiologischen Studien und wie Sie diese vermeiden können.
Epidemiologen leben nicht in akademischen Elfenbeintürmen. Sie untersuchen Gesundheitsprobleme in der real existierenden Welt. Droht uns eine neue Supergrippe? Macht Armut krank? Kann ich mich durch Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen vor Krebs schützen? In der Praxis liegen die Dinge nicht immer so klar und eindeutig wie in der Theorie. In diesem Teil erfahren Sie anhand von aktuellen Beispielen aus dem Alltag, welche Fragen Epidemiologen aufgreifen und wie sie dabei aufkommende Probleme lösen.
In übersichtlicher Form vermitteln wir, welche zehn Fehler Epidemiologen vermeiden sollten. Wenn Sie sich weiter informieren wollen, finden Sie hier zehn Quellen für bevölkerungsbezogene Gesundheitsdaten.
Mit diesem Buch möchten wir Ihr Interesse an Epidemiologie wecken. Wir hoffen, dass Sie nach der Lektüre noch neugieriger geworden sind. Im Anhang listen wir alle Quellen auf, die wir verwendet haben. Vielleicht möchten Sie das eine oder andere genauer nachlesen.
Wir verwenden in diesem Buch Symbole, um Ihre Aufmerksamkeit auf bestimmte Dinge zu lenken.
Mit diesem Symbol markieren wir Hinweise, die Ihnen das Leben leichter machen sollen – in der Epidemiologie oder im Alltag.
Dieses Symbol setzen wir für wichtige Definitionen ein, die es sich zu merken lohnt.
Mit diesem Symbol kennzeichnen wir technisch tiefer gehende Informationen. Sie können den entsprechenden Textabschnitt übergehen, wenn Sie sich nicht mit Detailwissen befassen wollen.
Mit diesem Symbol möchten wir Sie auf Missverständnisse oder Fallstricke hinweisen. Wenn Sie den vorangegangenen Textabschnitt nur überflogen haben, achten Sie bitte besonders auf diesen Warnhinweis.
Manche Menschen beginnen ein Buch mit Kapitel 1 und lesen es von vorn bis hinten durch. Natürlich würden wir uns freuen, wenn Sie das auch mit unserem Buch tun. Wir haben Epidemiologie für Dummies aber so geschrieben, dass Sie fast an jeder Stelle einsteigen können. Vielleicht werfen Sie also erst einmal einen Blick in das Inhaltsverzeichnis oder das Stichwortverzeichnis und beginnen an der Stelle zu lesen, die Ihnen am spannendsten erscheint. Oder Sie beginnen mit Teil V und tauchen so gleich ins pralle Leben der Epidemiologie ein. Viel Spaß dabei!
Teil I
IN DIESEM TEIL …
Die Menschen in den wohlhabenden Industrieländern wie Deutschland waren nicht immer so gesund, wie sie es heute sind. Die Epidemiologie hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir heute eine höhere Lebenserwartung haben als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Und dass wir ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn wir rauchen, zu viel essen oder uns wenig bewegen. Wie kommt der Fortschritt zustande und woher wissen wir so viel über Risikofaktoren? Beobachten Sie Epidemiologen bei der Arbeit und lernen Sie den Mittelpunkt ihres Interesses kennen: die Bevölkerung.
Kapitel 1
IN DIESEM KAPITEL
Geschichten, die der Epidemiologe schriebVon Infektionskrankheiten zu chronischen ErkrankungenEpidemiologie und ÖffentlichkeitDaten für Taten: Epidemiologen handelnEpidemiologen träumen von GerechtigkeitWerfen Sie einen Blick über die Schulter von Epidemiologen und schauen Sie ihnen bei der Arbeit zu. Auf diese Weise erfahren Sie am genausten, was Epidemiologie ist und wie sie funktioniert. Natürlich liefern wir Ihnen auch eine Definition von Epidemiologie. Und wir erklären, warum uns Epidemiologie Spaß macht, auch wenn wir uns häufig mit Zahlen und Statistiken herumschlagen müssen.
Berichte über Ergebnisse der Arbeit von Epidemiologen finden Sie fast jeden Tag in der Zeitung. Über viele Monate drehten sie sich vor allem um die COVID-19-Pandemie. Epidemiologen untersuchen zudem nicht infektionsbedingte Gesundheitsrisiken im Alltag und versauern Ihnen damit die Freude an so manchen Genüssen. Sie finden aber auch heraus, was nicht gesundheitsschädlich ist oder welche Gesundheitsrisiken so klein sind, dass Sie sich deswegen keine schlaflosen Nächte machen müssen.
Schließlich tragen Epidemiologen dazu bei, wichtige Gesundheitsrisiken unter Kontrolle zu bringen (das kann so spektakulär sein, dass sie es damit sogar auf die Kinoleinwand schaffen). Kurzum, die Epidemiologie produziert das erforderliche Wissen, damit Sie eine Chance auf ein langes und gesundes Leben haben.
Ein Dorf im tiefsten Regenwald von Zaire. Die Bewohner erkranken an einer rätselhaften, hoch ansteckenden Krankheit, die mit hohem Fieber und inneren Blutungen einhergeht. Kurze Zeit später sterben sie qualvoll. Was ist geschehen? Sam Daniels, ein Epidemiologe und Virenforscher (Virologe), soll es herausfinden. Daniels, gespielt von Dustin Hoffman, ist die Hauptfigur des Hollywood-Thrillers »Outbreak«.
Geschützt durch einen luftdichten gelben Anzug mit einer Art Astronautenhelm, erkundet Daniels das von der Seuche betroffene Dorf. Er sammelt und analysiert Daten, um herauszufinden, wie die Krankheit übertragen wird. Wer ist betroffen? Wann sind die Menschen erkrankt? Wo treten die Fälle auf? Seine epidemiologische Detektivarbeit zeigt: Die Menschen haben sich offenbar bei einem Affen infiziert, der ein hoch ansteckendes Virus verbreitet, selbst aber nicht erkrankt.
Cedar Creek, eine Kleinstadt in Kalifornien. Ein Reisender hat das Virus aus Zaire in die USA eingeschleppt. Es breitet sich in der Stadt wie ein Lauffeuer aus. Menschen, die sich angesteckt haben, aber noch nicht erkrankt sind, husten im Kino oder küssen ihren Partner und streuen so das Virus. Wieder ist Sam Daniels gefragt. Es gelingt ihm, die Infektionsquelle zu finden und die Seuche einzudämmen.
Alles Klischees? Nicht nur. Einige Elemente in Filmen wie »Outbreak« und »Contagion« sind mitten aus dem Leben der Epidemiologen gegriffen. Für viele Infektionsepidemiologen gehört die detektivische Suche nach der Ansteckungsquelle eines Ausbruchs und nach dessen Ausbreitungswegen zum Tagesgeschäft. Ein Beispiel ist die Kontaktnachverfolgung bei Infektionen mit dem Corona-Virus. Oft handelt es sich aber um wenig spektakuläre Ausbrüche von Durchfallerkrankungen.
Eine ähnliche Krankheit wie die im Film »Outbreak« gibt es wirklich, hervorgerufen durch das Ebolavirus. Sie hat vergleichbare Symptome und verläuft häufig tödlich, ist aber nicht ganz so ansteckend wie im Film. Ausbrüche ereignen sich in Krankenhäusern in Afrika, in denen Spritzen und Nadeln nicht ausreichend sterilisiert werden. In den Jahren 2014 und nochmals 2018-2020 brach eine Ebola-Epidemie in Westafrika aus und führte sogar zu vereinzelten Krankheitsfällen in den USA und Europa.
Epidemiologen sitzen also nicht nur am Computer. Bevor sie rechnen, sammeln sie Daten in der Bevölkerung, wenn auch nicht immer unter so schwierigen Bedingungen wie im Film. Nachdem sie gerechnet und analysiert haben, handeln sie. Mehr über die Untersuchung von Krankheitsausbrüchen und über Maßnahmen, um sie einzudämmen, erfahren Sie in den Kapiteln 2, 18 und 19.
Am Ende des Films »Outbreak« geht dem Regisseur die Fantasie durch: Daniels und sein Kollege müssen waghalsige Manöver mit einem Hubschrauber fliegen, um Cedar Creek vor der Vernichtung zu retten. (Uns ist das noch nicht passiert. Dabei würde uns dieser Teil der epidemiologischen Arbeit bestimmt liegen.)
Ausbrüche von Seuchen gibt es auch in Deutschland – wir erläutern das in Kapitel 18 am Beispiel von Grippe-Epidemien. Die meisten Infektionskrankheiten verlaufen aber weniger dramatisch als Grippe, COVID-19 oder Ebola, und glücklicherweise sterben heute nicht mehr so viele Menschen daran wie früher. Ist dieser Rückgang eine Leistung der modernen Medizin mit ihren Impfungen und Antibiotika?
Um das herauszufinden, werfen wir einen Blick in die Gesundheitsberichterstattung, ebenfalls ein Arbeitsgebiet der Epidemiologen. Die Gesundheitsberichterstattung informiert unter anderem über die Häufigkeit von Gesundheitsproblemen in der Bevölkerung. Um Gesundheitsberichte zu erstellen, benutzen Epidemiologen oft Register von Krankheiten oder Todesfällen als Datenquelle (siehe dazu Kapitel 24). Die Auswertung von Registern ist weniger aufwendig, als neue Daten zu erheben. Außerdem ermöglicht es, auf Daten vergangener Jahre zurückzugreifen. So können Epidemiologen untersuchen, wie sich Gesundheitsrisiken über die Zeit verändern, und Rückschlüsse auf mögliche Ursachen ziehen.
Dass das spannend sein kann, zeigt Ihnen Abbildung 1.1. Sie sehen die Veränderungen der Säuglingssterblichkeit (das ist die Zahl der Todesfälle innerhalb des ersten Lebensjahrs pro 1.000 lebend geborener Kinder) in Deutschland oder seinen Teilgebieten im Zeitraum 1870 bis 2020. Zu Beginn dieser Zeitperiode starb rund ein Viertel (250 von 1.000) aller Neugeborenen vor ihrem ersten Geburtstag. Unter den häufigsten Todesursachen waren Durchfall und andere Infektionskrankheiten, Mangelernährung sowie schlechte Hygiene- und Wohnbedingungen (mehr dazu in Kapitel 2). Heute dagegen sterben nur noch 3 von 1.000 Lebendgeborenen vor ihrem ersten Geburtstag.
Abbildung 1.1: Säuglingssterblichkeit in Deutschland, 1870 bis 2020
Aus dem Verlauf der Kurve können Sie einige interessante Beobachtungen ableiten:
Die Säuglingssterblichkeit sank lange bevor es medizinische Errungenschaften wie Antibiotika
(beispielsweise Sulfonamide) und Impfprogramme
gab. Ausschlaggebend für einen großen Teil des Rückgangs waren bessere Lebensbedingungen, beispielsweise ausreichende Ernährung
und sauberes Trinkwasser
– und nicht etwa die Medizin.
Ein Ereignis wie der Zweite Weltkrieg
wirkt sich sichtbar negativ auf die Säuglingssterblichkeit aus – vor allem durch Hunger
, schlechtere medizinische
Versorgung sowie Todesfälle durch Bombenangriffe und durch die Gefahren des Auf-der-Flucht-Seins. Die Säuglingssterblichkeit gibt also Auskunft über die Situation einer Gesellschaft.
In den vergangenen Jahren hat die Säuglingssterblichkeit einen sehr niedrigen Wert erreicht. Aber nur die jüngsten Verbesserungen verdanken wir der Hochleistungsmedizin, beispielsweise bei der Betreuung frühgeborener Säuglinge.
Regelmäßige und lückenlos erhobene Daten zur Säuglingssterblichkeit liegen erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts vor. Vollständige Daten sind keine Selbstverständlichkeit, sie erfordern Bemühungen vieler Beteiligter (siehe
Kapitel 24
).
Die vergleichsweise starken Schwankungen der Säuglingssterblichkeit vor 1949 lassen vermuten, dass die früheren Daten weniger zuverlässig waren als heute (zum Teil liegt es aber auch daran, dass es für die Zeit vor 1910 nur Daten aus unterschiedlichen Teilgebieten Deutschlands gibt).
Was Sie aus der Abbildung nicht erkennen können: Nicht alle Bevölkerungsgruppen in Deutschland haben eine gleichmäßig niedrige Säuglingssterblichkeit. Bei ausländischen Staatsangehörigen lag sie zeitweilig doppelt so hoch wie in der deutschen Bevölkerung. Das deutet darauf hin, dass diese Gruppe gesellschaftlich benachteiligt war und einen schlechteren Zugang zu Gesundheitsdiensten hatte – ein Thema der Sozialepidemiologie.
Es gibt immer noch Länder, in denen die Säuglingssterblichkeit nahezu so hoch ist wie in Deutschland um 1930. Dazu zählen ehemalige Bürgerkriegsgebiete in Afrika wie Sierra Leone und Liberia (81 bzw. 62 pro 1.000, Zahlen für 2019). Auch hier tragen schlechte Lebensbedingungen und Mangelernährung zu einer hohen – und weitgehend vermeidbaren – Sterblichkeit an Durchfall und Lungenentzündung bei. In vielen afrikanischen Ländern südlich der Sahara kommen Malaria und Aids als weitere Gesundheitsprobleme hinzu.
In Deutschland trug neben der verbesserten Hygiene vor allem eine bessere Ernährung zur sinkenden Sterblichkeit durch Infektionskrankheiten bei. Wohlgenährte Menschen haben stärkere Abwehrkräfte. Sie stecken sich seltener an und haben eine höhere Überlebenschance, falls sie doch erkranken. Diese erfreuliche Entwicklung hat aber eine Kehrseite.
Die modernen Industriegesellschaften, zu denen auch Deutschland gehört, haben einen »gesundheitlichen Übergang« durchlaufen: Zwar sterben weniger Menschen an Infektionskrankheiten, jedoch gewinnen nicht übertragbare, chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf- Erkrankungen und Krebs an Bedeutung (sie sind heute bei uns die häufigsten Todesursachen). Was sind die Gründe?
Wir pflegen einen komfortablen Lebensstil
mit kalorienreicher Ernährung, zu vielen Zigaretten und viel zu wenig Bewegung
.
Die betreffenden Krankheiten haben meist mehr als eine Ursache
, sie sind »multifaktoriell
«. Das erschwert Vorbeugung und Behandlung.
Die Krankheiten verlaufen chronisch
, das heißt, viele Menschen leben Jahre oder Jahrzehnte mit ihnen.
Deutschlands Bevölkerung altert (siehe
Kapitel 4
), und die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs nimmt mit dem Alter zu.
Nicht übertragbare Krankheiten und ihre Ursachen sind ein wichtiges Thema für die Epidemiologie. Heutzutage befassen sich Epidemiologen nicht nur mit Ausbrüchen von ansteckenden Krankheiten. In ihren Augen ist die Zunahme eines jeglichen Gesundheitsproblems über das gewohnte Maß hinaus (bezogen auf einen Zeitraum und eine Region) eine »Epidemie«, die sie mit epidemiologischen Methoden untersuchen.
Da Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einige Krebserkrankungen heute vordringliche Gesundheitsprobleme sind, kommen auch viele unserer Beispiele aus diesen Bereichen. Auf den nächsten Seiten vermitteln wir Ihnen einen ersten Eindruck der Epidemiologie des Rauchens und des Herzinfarkts. Und wir zeigen Ihnen anhand von epidemiologischen Studienergebnissen, dass es gegen diese Krankheiten leider keine Wunderwaffen (wie etwa Vitamintabletten) gibt.
Epidemiologische Forschungsergebnisse sind nur selten so einfach und eindrücklich wie die zum Thema Rauchen: Ein einzelner Risikofaktor (eben das Rauchen) führt bei Rauchern zu einer Krankheit, die bei Nichtrauchern selten ist – dem Lungenkrebs. Und kaum einen anderen Zusammenhang haben die Epidemiologen so gründlich studiert. Daher bringen wir in diesem Buch immer wieder Beispiele zu Rauchen und Lungenkrebs (und nerven Sie, wenn Sie Raucher sind). Wie heißt es so schön: Die Epidemiologen brauchen die Raucher dringender als die Raucher die Epidemiologen.
Auch als Raucher können Sie den Forschungsergebnissen der Epidemiologen etwas Positives abgewinnen. Die zeigen nämlich: Wenn Sie mit dem Rauchen aufhören, geht Ihr Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, wieder zurück. (Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt ist, dass Sie mit weniger Schnaufen die Treppe hinaufkommen.)
Falls Sie rauchen und sich Sorgen um Giftstoffe oder Strahlenbelastungen im Alltag machen: Verglichen mit dem Rauchen sind andere Risikofaktoren für Krebserkrankungen klein – siehe unser Beispiel zu Handys und Gehirntumoren in Kapitel 11.
Framingham, ein kleiner Ort in Massachusetts, USA, Ende der 1940er-Jahre. Auch hier spüren Epidemiologen einer neuen Epidemie nach und wollen herausfinden, wie und warum sie sich verbreitet. Es handelt sich um eine Epidemie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Insbesondere der Herzinfarkt nahm seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts epidemisch zu, zunächst in den USA und später in Westeuropa.
In Framingham maßen Epidemiologen und Ärzte in der gesunden Bevölkerung zwischen 30 und 62 Jahren alle nur denkbaren Faktoren, die etwas mit Herzinfarkt zu tun haben könnten. Die Epidemiologen beobachteten mehr als 5.000 Menschen über Jahre und Jahrzehnte und registrierten neu auftretende Infarkte. Sie verglichen die Herzinfarkthäufigkeit zwischen Gruppen, die sich beispielsweise bezüglich Blutdruck oder Körpergewicht unterschieden. So konnten die Epidemiologen feststellen, welche der vielen Faktoren das Risiko für Herzinfarkt erhöhen – mit anderen Worten, was wichtige Risikofaktoren für Herzinfarkt sind.
Heute wissen wir, dass Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Rauchen, Übergewicht, Zuckerkrankheit (Diabetes), Bewegungsmangel und bestimmte Formen von Stress Risikofaktoren für Herzinfarkt sind. Diese Einsicht verdanken wir der Framingham-Studie (mehr über diese Studie erfahren Sie in Kapitel 10).
Sind Sie Manager? Dann befürchten Sie vielleicht, ein besonders hohes Risiko für einen Herzinfarkt zu haben. Schließlich tragen Manager bekanntermaßen Verantwortung und stehen daher unter Stress. Wir können Sie hinsichtlich der gesundheitlichen Folgen aber beruhigen: Sie leben weniger gefährlich, als Sie vermuten.
Wenn Sie dagegen zu den vielen Menschen gehören, die gemanagt werden, haben wir eine schlechte Nachricht für Sie: Epidemiologische Studien zeigen, dass Gemanagte mit größerer Wahrscheinlichkeit einen Herzinfarkt erleiden als ihre Chefs, die Manager (wenn alle weiteren Expositionen gleich sind). Auch ein niedriges Einkommen ist ein Risikofaktor: Arme Menschen erkranken häufiger und sterben früher als Reiche – eine bittere Erkenntnis der Sozialepidemiologie (mehr dazu in Kapitel 20). Wenn Epidemiologen Politiker wären, müssten sie zur Revolution aufrufen.
In den Industrieländern klingt die Epidemie des Herzinfarkts übrigens ab, zumindest bei Männern unter 65 Jahren. Die rauchen weniger und profitieren von einer besseren medizinischen Versorgung des Infarkts. Jüngere Frauen und Menschen in ärmeren Ländern hingegen rauchen immer mehr – ihr Herzinfarktrisiko steigt voraussichtlich an.
Obst ist gesund. Wenn Sie Früchte und frisches Gemüse essen, versorgen Sie Ihren Körper mit den Vitaminen A, C und E sowie mit Betakarotin, einer Vorstufe von Vitamin A. Das soll vor Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Aber es kostet Zeit, eine Orange zu schälen. Der klebrige Saft spritzt über den Tisch und die Schale färbt die Fingernägel gelb. Wie viel einfacher ist es doch, ein paar Vitaminpillen einzuwerfen, um gesund zu bleiben.
Sie sind Raucher und haben ein mulmiges Gefühl dabei. Glücklicherweise bietet Ihnen die Pharmaindustrie Tabletten mit Vitaminen und Antioxidanzien, die gefährliche »freie Radikale« binden sollen (das sind keine entsprungenen Staatsfeinde, sondern chemische Moleküle, die beim Rauchen entstehen, die Körperzellen schädigen und so zur Entstehung von Krebs beitragen). Also rauchen und trotz alledem gesund bleiben?
Wir müssen Sie leider enttäuschen, und zwar auf ganzer Linie. Zusätzlich eingenommene Vitaminpräparate verbessern die Gesundheit nicht (wir nehmen mit unserer Nahrung meistens genügend Vitamine auf). Raucher, die sogenannte »Rauchervitamine« in hoher Dosierung einnehmen, erhöhen damit möglicherweise ihr Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken.
Wie gelangen Epidemiologen zu solchen Einsichten? Sie vergleichen Gruppen von Menschen (auf Epidemiologisch: Bevölkerungen). Sie suchen sich dazu mindestens zwei Bevölkerungen:
Eine Bevölkerung, die sich auf eine bestimmte, die Epidemiologen interessierende Weise verhält, beispielsweise eine, die Vitaminpillen einnimmt. Auf gut Epidemiologisch ist dies die
exponierte
Bevölkerung.
Eine zweite Bevölkerung
zum Vergleich, die die interessierende Verhaltensweise nicht hat – in unserem Beispiel: die keine Vitaminpillen einwirft. Das ist die
nicht exponierte
Bevölkerung
.
Die Epidemiologen beobachten beide Bevölkerungen, oftmals über viele Jahre – sie nennen das Kohortenstudie, siehe Kapitel 10. Sie vergleichen dann die Häufigkeit von Erkrankungen oder Todesfällen (Outcomes) in beiden Gruppen.
»Exposition« klingt negativ und gefährlich. Epidemiologen benutzen den Begriff aber auch im positiven Sinne: Wenn sie untersuchen, ob eine »Mittelmeerdiät« (viel Obst und frisches Gemüse, Olivenöl, wenig Fleisch) vor Herzinfarkt schützt, betrachten sie die Menschen mit solchen Essgewohnheiten als »exponiert«. Die Kloß-und-Braten-Fraktion ist in diesem Fall nicht exponiert. Die Epidemiologen messen die positive Wirkung der Exposition Mittelmeerdiät und haben vielleicht auch einmal gute Nachrichten (zumindest für Kloßverächter).
Aus unseren Beispielen haben Sie schon eine Menge darüber erfahren, was Epidemiologen tun. Daraus können Sie eine Definition von Epidemiologie herleiten. Hier ist ein Vorschlag:
Die Epidemiologie untersucht die Verteilung von Gesundheitsproblemen und Risikofaktoren in der Bevölkerung oder in Untergruppen der Bevölkerung. Sie wendet das dabei gewonnene Wissen an, um die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern.
Die untersuchten Gesundheitsprobleme sind keineswegs nur Seuchen oder nicht übertragbare Krankheiten wie Herzinfarkt. Epidemiologen untersuchen zum Beispiel auch die Verteilung und die Risikofaktoren von Verkehrsunfällen. Auch hier gibt es »Epidemien«, also Anstiege innerhalb bestimmter Zeiträume über das gewohnte Maß hinaus.
Freitag- und Samstagnacht kommt es zu einer Epidemie von Verkehrsunfällen, weil junge Männer nach dem Discobesuch betrunken Auto fahren. Sie können zur Vorbeugung beitragen: Nehmen Sie Ihrem Freund den Autoschlüssel weg und bestellen Sie ein Taxi.
Viele Epidemiologen fassen den Begriff »Gesundheitsprobleme« noch weiter: Sie untersuchen beispielsweise, ob bestimmte Untergruppen der Bevölkerung einen schlechteren Zugang zu Gesundheitsdiensten haben oder ob ihre Behandlungsergebnisse schlechter sind – und wenn ja, wo die Gründe dafür liegen. Dieser Arbeitsbereich heißt Versorgungsepidemiologie.
Wie kommt die Epidemiologie zu ihrem Namen? »Epidemiologie« setzt sich zusammen aus den griechischen Wörtern epi (über), demos (Bevölkerung) und logos (Wort oder sinngemäß »Lehre«). Epidemiologie ist damit die Lehre von der Bevölkerung – und von den Dingen, die über die Bevölkerung kommen, wie beispielsweise Seuchen.
Manchmal würden wir Epidemiologen uns gerne im sogenannten »akademischen Elfenbeinturm« (das ist die Universität – für zwei von uns übrigens eher eine Betonburg) verschanzen und dort still vor uns hin forschen. Oft finden wir aber Ergebnisse, die eine Bedeutung für die Gesellschaft haben. Solche Ergebnisse müssen wir an die Öffentlichkeit bringen – und zwar so, dass Laien und Journalisten verstehen können, was wir zu sagen haben.
Leider sind epidemiologische Studien häufig kompliziert und ihre Ergebnisse sind nur selten ganz eindeutig. Daher sind sie schwer zu erklären. Hinzu kommt, dass wir Epidemiologen etwas über die Gesundheitsrisiken ganzer Bevölkerungsgruppen herausfinden. Wir können jedoch keine Aussage darüber treffen, ob eine bestimmte Person aus dieser Bevölkerungsgruppe erkranken wird oder nicht. Wenn Sie diese Person sind, interessiert Sie aber vor allem, ob Sie persönlich gesund bleiben.
Dazu ein Beispiel: Bergleute im Kalisalz-Bergbau sind unter Tage häufig Dieselruß ausgesetzt (sie arbeiten dort unter anderem mit riesigen, dieselgetriebenen Lastwagen). Epidemiologen haben herausgefunden, dass Kali-Bergleute durch das Einatmen von Dieselruß ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko haben, an Lungenkrebs zu erkranken. Ein Kali-Bergmann, der eine entsprechende Meldung im Fernsehen sieht oder in der Zeitung liest, ist aber nicht so sehr an der Information interessiert, wie stark das Risiko in seiner Berufsgruppe erhöht ist. Er möchte vielmehr wissen, ob er persönlich an Lungenkrebs erkranken wird oder nicht. Diese Frage können wir Epidemiologen aber nicht beantworten.
Die Arbeit der Epidemiologen nutzt dennoch auch jedem einzelnen Bergmann. Die Studienergebnisse tragen zum einen dazu bei, dass Lungenkrebs im Kali-Bergbau als Berufskrankheit anerkannt wird; Betroffene oder ihre Angehörigen erhalten zumindest eine Unterstützung. Zum anderen schätzen die Epidemiologen mithilfe der Ergebnisse ab, wie viele Todesfälle durch Schutzmaßnahmen wie Partikelfilter an den Lastwagen oder Atemmasken für die Bergleute vermeidbar sind. Das ist ein starkes Argument für deren Einführung.
Die verständliche Kommunikation von Risiken ist schwierig (siehe dazu auch Kapitel 23), aber wichtig. Gerade im Bereich Gesundheit müssen Menschen gut informiert sein, wenn sie Entscheidungen treffen wollen. In Kapitel 22 erklären wir Ihnen das am Beispiel der Krebsvorsorge (Screening). Die Alternative wäre, Entscheidungen allein den Ärzten und Politikern zu überlassen. Davon raten wir nachdrücklich ab.
Wenn wir Epidemiologen zu gesundheitsbezogenen Themen öffentlich Stellung beziehen, tun wir das meist über unsere wissenschaftlichen Fachgesellschaften – das sind sozusagen die Sprachrohre der Epidemiologie. In Deutschland gibt es mehrere davon:
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi)
Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
(aus historischen Gründen mit gmds abgekürzt) und weitere Gesellschaften
Die Fachgesellschaften äußern sich, wenn Politiker wichtige Erkenntnisse aus der Forschung nicht wahrnehmen oder die Gesundheitspolitik nicht danach ausrichten. Unsere Stellungnahmen enthalten daher oft Kritik an bestehenden Empfehlungen oder Gesetzen. Die Kritik stützt sich immer auf solide epidemiologische Studienergebnisse und beinhaltet konkrete Forderungen oder Verbesserungsvorschläge. Die Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie hat unter anderem zu folgenden Themen Stellung bezogen:
Nichtraucherschutz. Wenn Nichtraucher Tabakrauch einatmen (Passivrauchen
), steigt ihr Risiko, an Lungenkrebs oder Herzinfarkt
zu erkranken. Das belegen epidemiologische Studien eindeutig. Eine Aufweichung des Rauchverbots
in Kneipen gefährdet also die Gesundheit aller Gäste. Daher forderte die Fachgesellschaft das Gesundheitsministerium auf, den Nichtraucherschutz
in Deutschland umfassend und einheitlich zu regeln.
Früherkennung von Hautkrebs
(Screening). Früherkennung kann vor schweren Verläufen einer Krebserkrankung schützen (siehe
Kapitel 22
). Bis heute gibt es aber keine überzeugenden Belege, dass das auch für das Hautkrebs-Screening gilt. Die Fachgesellschaft forderte das Gesundheitsministerium daher auf, die Wirksamkeit dieser (kostenträchtigen) Vorsorgemaßnahme fortlaufend zu prüfen.
Impfung gegen Humane Papilloma-Viren
(HPV). Diese Viren werden beim Geschlechtsverkehr
übertragen und rufen in seltenen Fällen Gebärmutterhalskrebs
hervor. Eine Impfung soll junge Mädchen und Jungen vor der Ansteckung schützen. Studien legen eine gute Wirksamkeit der Impfung nahe.
Sich in die Politik einzumischen ist anstrengend und nicht immer schön. Wenn es verschiedene Interessen gibt, beispielsweise aufseiten von Industrie, Politik oder Wissenschaft, kann der Tonfall schnell gereizt werden. So während der COVID-19-Pandemie: Rechte Politiker bestritten die Gefahren der Erkrankung, oft mit fachlich falschen Interpretationen von Zahlen. Epidemiologen stellten diese Fehler richtig und wurden dafür verbal attackiert. Sich einzumischen ist aber notwendig und letztlich eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft – schließlich werden viele von uns Epidemiologen aus Ihren Steuergeldern bezahlt.
Mit unseren Fachgesellschaften beäugen wir nicht nur Politik, Gesellschaft und Industrie. Wir unterstützen uns auch gegenseitig dabei, die bestmögliche Epidemiologie zu betreiben. Dabei achten wir besonders auf:
Wissenschaftliche
Qualität unserer Studien: Dazu haben wir Leitlinien guter epidemiologischer
Praxis entwickelt. Sie geben Grundregeln für solide Studien vor.
Ethische
Richtlinien: Wir dürfen auf niemanden Druck ausüben, an Studien teilzunehmen. Mögliche Teilnehmer müssen wir über den Sinn der Studie sowie über mit Untersuchungen verbundene Unannehmlichkeiten und Gefahren aufklären.
Datenschutz
: Wir dürfen nur so viele Informationen sammeln wie erforderlich, um die Studienfrage zu beantworten. Wann immer möglich, sammeln wir Daten, ohne die Namen der betreffenden Personen zu speichern. Am Ende der Studie löschen wir die Daten.
Datenzugang
: Institutionen wie Kranken- und Rentenversicherer sammeln Gesundheitsdaten für Verwaltungszwecke. Wir setzen uns dafür ein, dass wir solche Routinedaten in wissenschaftlichen Untersuchungen verwenden können.
Methodenentwicklung
: Wir entwickeln die verschiedenen Typen epidemiologischer Studien sowie Techniken zur Datenanalyse fortlaufend weiter – das ist notwendig, weil es immer neue gesundheitsbezogene Fragestellungen und methodische Herausforderungen gibt.
»Epidemiologe« ist keine geschützte Berufsbezeichnung wie beispielsweise »Arzt«. Wenn Sie Epidemiologie für Dummies gründlich durchgearbeitet haben, verfügen Sie über erste Grundkenntnisse der Epidemiologie. Sie sollten sich trotzdem nicht »Epidemiologe« nennen. Die meisten Epidemiologen haben zunächst ein Fach wie Medizin, Statistik, Gesundheits- oder Ernährungswissenschaften studiert und danach meist einen ein- oder zweijährigen Aufbaustudiengang in Epidemiologie besucht.
Auch wenn Sie kein Epidemiologe sind, können Sie epidemiologische Studien verstehen, kritisch beurteilen und hinterfragen. Wenn Sie aber das erste Mal eine eigene Studie planen, sollten Sie sich schon im Planungsstadium fachkundigen Rat einholen. Kapitel 23 gibt Ihnen Hinweise, was sonst alles schieflaufen kann.
Vielleicht fragen Sie sich, warum Mediziner und andere Wissenschaftler auf die Idee kommen, epidemiologisch zu arbeiten. Sie könnten stattdessen doch Kranke operieren oder Grundlagenforschung betreiben. Was treibt uns um, was fasziniert uns so an der Epidemiologie?
Wenn Sie einen Herzinfarkt hatten, benötigen Sie Medikamente, vielleicht sogar eine Operation. Ihr Arzt wird sein Bestes geben, damit Sie wiederhergestellt werden. Das Gleiche wird er für den nächsten Patienten tun, für den übernächsten und so weiter.
Das ist die eine Art, den Menschen zu helfen. Epidemiologen helfen auch, aber anders. Sie befassen sich mit der Frage, warum so viele Menschen in der Bevölkerung an Herzinfarkt erkranken und was Gesunde tun können, um ihre Gesundheit zu erhalten. Das ersetzt nicht die Arbeit der Ärzte, sondern ergänzt sie (und natürlich gibt auch der Arzt die Erkenntnisse der Epidemiologen an seine Patienten weiter, wie sie Krankheiten vorbeugen können).
Um gesund zu leben, brauchen Menschen viel mehr als nur Medikamente – die benötigen sie meist nur, wenn sie krank sind. Epidemiologen schauen über den unmittelbar medizinischen Bereich hinaus. Sie versuchen nicht, die Symptome von Krankheiten zu heilen (das ist die Aufgabe der Ärzte), sondern die Ursachen
