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"Zu kompliziert!" – "Zu riskant!" – "Glückssache!" Viele Anleger halten nichts von Optionen und lassen daher die Finger von diesem Finanzinstrument. Die Finanzanalytikerin Julia Spina hat dieses Problem erkannt und schafft mit ihrem Buch durch einen leicht nachvollziehbaren strategischen Ansatz Abhilfe: Von den Grundlagen des Optionshandels bis hin zu Strategieaufbau und Portfoliomanagement führt sie auf wissenschaftlicher Basis durch die Welt der Optionen und deren Chancen und Risiken. So vermittelt sie die entscheidenden Techniken für ein nachhaltiges Investment in Optionen und die Grundlagen für langfristigen Anlageerfolg.
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Seitenzahl: 262
Veröffentlichungsjahr: 2023
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JULIA SPINA
mit einem Vorwort von Tom Sosnoff
Erprobte Strategienfür Ihren Anlageerfolg
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
The Unlucky Investor’s Guide to Options Trading
ISBN 978-1-119-88265-7
Copyright der Originalausgabe 2022:
Copyright © 2022 by tastytrade, Inc.
All Rights Reserved. This translation published under license with the original publisher John Wiley & Sons, Inc.
Copyright der deutschen Ausgabe 2023:
© Börsenmedien AG, Kulmbach
Übersetzung: Egbert Neumüller
Gestaltung Cover: Holger Schiffelholz
Gestaltung, Satz und Herstellung: Timo Boethelt
Lektorat: Claus Rosenkranz
Druck: CPI books GmbH, Leck, Germany
ISBN 978-3-86470-901-2
eISBN 978-3-86470-902-9
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Für Beth, Ken und Joe Spinasowie für die kleineren, flaumigeren Spinas,die im Laufe der Zeit zu uns gestoßen sind
„Ass-Ass-Neun“ ist bei Tastytrade ein interner Scherz – und es ist sehr gut möglich, dass dies die ärgerlichste Art ist, beim Blackjack zu verlieren. Für diejenigen, die sich mit Glücksspielen nicht auskennen: Beim Blackjack spielen ein als Dealer oder Geber bezeichneter Croupier und ein Spieler miteinander und Ziel des Spiels ist es, möglichst nahe an 21 Punkte, aber nicht darüber zu kommen. Bildkarten zählen zehn Punkte, Asse zählen entweder einen oder elf Punkte. Nun stellen Sie sich vor, Sie sitzen mit schönen 20 auf der Hand am Blackjack-Tisch und der Dealer zeigt Ihnen ein Ass. Er bestätigt, dass er keinen Blackjack hat, und deckt seine zweite Karte auf, ebenfalls ein Ass. Dann ist das Spiel im Grunde gewonnen, denn der Dealer hat ganz schlechte Karten – zwei beziehungsweise zwölf Punkte gegen Ihre 20. Doch dann zieht der Dealer eine dritte Karte – eine Neun – und noch während Sie rechnen, hat das Haus bereits Ihre Chips eingezogen.
Vorwort
Vorrede
Danksagungen
Einführung: Warum mit Optionen handeln?
Kapitel 1: Mathematische und finanzielle Grundlagen
Kapitel 2: Volatilitäts-Trading und die implizite Volatilität
Kapitel 3: Short-Premium-Trading
Kapitel 4: Die Kaufkraftreduktion
Kapitel 5: Einen Trade konstruieren
Kapitel 6: Trades managen
Kapitel 7: Grundlegendes Portfoliomanagement
Kapitel 8: Fortgeschrittenes Portfoliomanagement
Kapitel 9: Binäre Ereignisse
Kapitel 10: Fazit und zentrale Kernpunkte
Anhang
Verzeichnis gängiger Tickersymbole, Abkürzungen, Variablen und Gleichungen
Bibliografie
Ich habe es weit gebracht, seit ich in den 1980er- und 1990er-Jahren in den Trading-Pits den aufrechten Gang lernte. Heute entferne ich bei Hotdogs das Einwickelpapier, bevor ich sie esse, und ich habe auch ein bisschen was über Geldanlage gelernt, nachdem ich mich 20 Jahre lang im ganzen Land mit Menschen getroffen und ihnen beigebracht habe, wie man tradet. Eine verrückte Erkenntnis: Glücklose Anleger geben gewöhnlich die besten Trader ab. Warum? Weil jeder bei einem zufälligen Investment Glück haben und damit Gewinn machen kann, jedoch in der kleinen Welt der erfolgreichen Trader der gemeinsame Nenner quantitatives Geschick ist. Eine weitere verrückte Erkenntnis: Jeder, der Zugang zu den richtigen Informationen hat, kann dieses Geschick erlernen.
Damals, im Jahr 2009, als TD Ameritrade Thinkorswim aufkaufte, warf ich bei den Verhandlungen alles in die Waagschale, was ich hatte, um persönlich den Domainnamen tastytrade.com behalten zu dürfen. Jahre zuvor hatte ich diese Webadresse über GoDaddy für 9,95 Dollar gekauft und ich war ebenso wie bei „Thinkorswim“ überzeugt, dass der Name „Tastytrade“ funktionieren würde. Ich habe keine Ahnung, weshalb mir tastytrade.com so gut gefiel, aber manchmal scheint das Bauchgefühl Recht zu behalten. Der Daseinszweck von Tastytrade war, eine Lücke in den Finanzmedien zu füllen und ein unerprobtes Modell kostenlos anzubieten, das auf rein mathematischem Content aufgebaut war. In den letzten zehn Jahren haben wir fleißig an unserer Kundenbindung gearbeitet, indem wir komplexe Finanzstrategien für Privatanleger eingeführt haben. Nach wie vor beantworten wir rund um die Uhr Fragen und geben das weiter, was wir als Marketmaker und Softwareunternehmer gelernt haben – und das alles gratis. Wir sind wirklich der Gast, der nicht heimgehen will, aber wir sind überzeugt, dass ununterbrochene Kundenbetreuung von zentraler Bedeutung ist, um Trader zu motivieren.
Ich habe an die letzten zwei Jahrzehnte sehr viele besondere Erinnerungen, aber eine meiner liebsten ist eine Trading-Story, die ich bei einem Ausflug in die Wüste Anfang 2001 erlebt habe. Es war das erste Mal, dass wir in Las Vegas eine Live-Trading-Show veranstalteten, und ein großer Trader, der dabei war, fragte mich, wie lange es dauern würde, über unsere Plattform eine große Order auszuführen. Als ich ihn nach der Order fragte, sagte er, er wolle 10.000 Spreads. Das war, bevor es die elektronische Ausführung von Spreads gab, und ich dachte, er wolle mich veräppeln. Aber um meinen guten Willen zu demonstrieren (und weil ich mir keine Blöße geben wollte), sagte ich, wir würden die Order in einer Sekunde ausführen. Der Kunde war überzeugt, dass das nicht klappen würde, und daher freute ich mich sehr, als ich ihm mitteilen konnte – mit Handzeichen und allem –, dass seine Order in weniger als einer Sekunde ausgeführt worden war und sich der Preis um fünf Cent verbessert hatte. Wir machten uns zwar zum Affen, aber so hat alles angefangen. Im Laufe der Jahre bauten wir weiterhin unverwüstliche Beziehungen zu Hunderttausenden fantastischen Freunden, Tradern und Anlegern auf. Wir spielten im Casino miteinander, aßen zusammen, tranken etwas an der Bar, wir lachten, wenn wir Geld verdienten, und weinten, wenn wir Geld verloren. Wir erzählten uns Witze, brachten einander in Verlegenheit, demütigten uns gegenseitig und quälten unsere Freunde. Wir konzentrierten uns nicht nur deshalb auf den Aufbau dieser Beziehungen, weil es so viel Spaß machte, sondern auch weil wir sahen, wie sehr das die Menschen motivierte, zu lernen, wie man tradet und an den Märkten teilnimmt. Das war für den Erfolg von Thinkorswim entscheidend und regte uns zur Gründung von Tastytrade an.
Als wir mit Tastytrade anfingen, war unser Testgelände ein ehemaliges Hip-Hop-Studio in der Innenstadt von Chicago. Es befand sich im zweiten Stock, neben dem Empfangstresen stand ein Klavier, mitten im Wohnzimmer ein Schlagzeug. Überall lagen alte Plattenhüllen und kaputte Musikinstrumente herum, aber die Energie war mit Händen zu greifen. Unser Research-Team bestand aus einem Guitar-Hero-Champion in einem Hotdog-Kostüm, ein paar Praktikantinnen und Praktikanten sowie einem ehemaligen Marketmaker. Unser Mentor war eine provokante Sportskanone, die vor allem dafür bekannt war, auf der 50-Yard-Linie des Soldier-Field-Stadions Sex gehabt zu haben, und zu allem Überfluss hatten wir noch einen zusammengewürfelten Haufen Comedians von „The Second City“ angeworben. Gott sei Dank wussten wir, wie man tradet, denn von Medienarbeit hatten wir keine Ahnung. Noch schlimmer: Ich werde nie den Tag vergessen, an dem wir beschlossen, Videos in HD-Qualität anzubieten. Da dachte ich mir: „So sehe ich doch auf keinen Fall aus.“ Deshalb ist Tastytrade so toll – weil wir uns ein komplett neues Modell für ein Finanzmedium ausdachten, als die Chancen gegen uns standen.
Anleger, die Glück haben, durchdenken die Dinge nie, weil sie es nicht brauchen: Sie folgen einfach der Herde und hoffen das Beste. Wir weigerten uns, den traditionellen Finanzmedien auf dem Weg der Eigenwerbung und der finanziellen Irrelevanz nachzufolgen. Wir fanden kluge Leute, spendierten ihnen billiges Essen, ließen sie irrsinnig lange arbeiten, gaben ihnen kostenlose Snacks und ließen sie größtenteils machen, was sie wollten. Das Ergebnis? Wir haben die Welt der strategischen Geldanlage verändert.
Wir wussten schon frühzeitig, dass ein Buch über den Optionshandel unserem Modell der Kundenbetreuung eine neue Ebene hinzufügen würde und ein leistungsfähiges Werkzeug für die Erstellung von Finanz-Content wäre. Vor 18 Jahren schloss ich mich mit einem unserer Mitgründer in unserem alten Konferenzraum ein und wir versuchten, ein Buch zu schreiben. Wir engagierten einen professionellen Autor, entrümpelten unsere Terminkalender und räumten dem Buch Priorität ein. Drei Tage und eine halbe Seite später feuerten wir den Autor und gaben das Buchprojekt auf, um unsere Freundschaft sowie die Zukunft unserer Firma zu bewahren. Schneller Vorlauf ins Jahr 2021: Da packte mich erneut der Buchtick, aber diesmal wusste ich, dass ich dieser Aufgabe nicht gewachsen war. So freundlich, wie es mir möglich ist, bat ich zwei unserer jungen und klugen Research-Mitarbeiter um Hilfe. Ich sagte: „Das ist euer Job.“ Julia und Anton nahmen diese Herausforderung an und sie haben sie voll und ganz gemeistert. Ich bin wirklich überzeugt, dass dies das logischste, informativste und umfassendste Buch über strategischen Optionshandel ist, das je geschrieben wurde. Die glücklosen Anleger dürfen jubeln. Kein Buch wird jemals der für jeden passende Gral des Optionshandels sein, aber Erfolgreich Optionen handeln ist das, was dem am nächsten kommt.
Tom Sosnoff
Wenn die Bedingungen genau richtig sind, passieren außerordentliche Dinge, wenn viele Einzelteile zusammenpassen: Wassermoleküle organisieren sich und bilden Schneeflocken; Zellen fügen sich zusammen und erschaffen Organe; Jetstreams verbinden sich und verursachen Tornados; Sandkörner sammeln sich und lösen Lawinen aus; Investoren verkaufen panisch und sorgen für Börsencrashs. Komplexe Systeme bestehen aus vielen Teilen, die in Wechselwirkung miteinander stehen, und wenn sich diese Teile so organisieren, dass kollektive Phänomene entstehen, die kein Teil allein hätte erzeugen können, liegt die sogenannte Emergenz vor. Komplexe Systeme finden sich in fast allen Disziplinen und die Mathematik zur Beschreibung emergenter Eigenschaften ist nicht nur faszinierend, sondern deutet auch auf grundlegende Ähnlichkeiten zwischen komplexen System hin, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Die Ausrottung einer Fliegenart durch eine invasive Froschart hat ja nun wirklich nichts mit den Finanzmärkten zu tun, jedoch lässt sich die Dynamik der Fliegenpopulation, die einen ökologischen Kollaps erleidet, kaum von derjenigen einer Aktie unterscheiden, die einen ökonomischen Kollaps erleidet. Viele Physiker fühlen sich zur Finanzwelt hingezogen, weil sich physikalische Systeme und finanzielle Systeme mit ähnlichen theoretischen, statistischen und rechnergestützten Werkzeugen analysieren lassen. Das Interesse an diesen mathematischen Zusammenhängen war das, was mich anfänglich zur Finanzwelt hinzog. Als ich jedoch zu Beginn des Crashs 2020 meinen ersten Trade platzierte, lernte ich schnell, wie wichtig außerdem die finanzielle Intuition vor allem beim Handel mit Optionen ist.
Zwar erwächst die Intuition eines Traders aus Erfahrung, aber effektiver kann er diese Intuition ausbilden, indem er sein Engagement am Markt um ein paar einfache Trading-Philosophien ergänzt. Viele Artikel, Bücher und Blogs, die ich als angehende Optionshändlerin las, behandelten zwar detailliert die Optionstheorie und ihre Mathematik, jedoch begegnete mir nie eine Quelle, die ausdrücklich die unentbehrlichsten Bestandteile der Entwicklung einer praktischen Strategie darlegte. Ohne ein System von Kernprinzipien für das Trading war es eine Herausforderung, die Finanztheorie anzuwenden, die Daten zu interpretieren und zu analysieren sowie irgendwie ein intuitives Gefühl für den Markt zu kultivieren. Doch sobald ich ein Fundament aus Grundlagen des Optionshandels hatte, wurde die Bewältigung der Options-Lernkurve zu einem erheblich besser zu handhabenden Prozess. In meinem Fall entwickelte sich dieses Fundament aus Gesprächen mit meinen Kollegen bei tastytrade (meistens Diskussionen mit Anton Kulikov), aus der regelmäßigen Beobachtung der Optionsmärkte, aus der Nutzung von Optionsdaten und der Optionstheorie für den Aufbau umsetzbarer Strategien sowie aus viel Versuch und Irrtum. Mit diesem Buch verfolge ich das Ziel, neuen Tradern dabei zu helfen, ihre eigene Intuition effektiver aufzubauen, indem ich die Philosophien aufschlüssele, die die Grundlage für meine eigene Intuition waren – ich fange mit ein bisschen Mathematik und Markttheorie an und darauf baue ich dann auf. Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen und der erste Options-Trade wird den Anlegern wahrscheinlich mehr beibringen als jedes Buch. Jedoch hoffe ich, dass der Rahmen, den Anton und ich gesetzt haben, es neuen Tradern ermöglicht, sich vertrauensvoll auf den Optionsmarkt zu begeben und aus ihren ersten Handelserfahrungen einen sinnvollen Nutzen zu ziehen, sowohl finanziell als auch hinsichtlich des Lernens.
Julia Spina
Die Welt ist voller Ungewissheiten, doch bin ich ziemlich sicher, dass dieses Projekt ohne die harte Arbeit einiger sehr talentierter Menschen in einer Katastrophe geendet hätte. Zuallererst wäre dieses Buch ohne Tom Sosnoff nicht möglich gewesen. Tom hat das Projekt als Erster vorgeschlagen und er hat mich bei meiner Arbeit sowie in meinen Einschätzungen während des gesamten Prozesses von ganzem Herzen unterstützt. Er ist ein toller Chef und es mangelt ihm nie an fantastischen Restaurantempfehlungen. Die leitende Lektorin Erika Cohen war nicht nur höchst kompetent, sondern es war auch wundervoll, mit ihr zusammenzuarbeiten. Da sie von Anfang an beteiligt war, spielte sie eine riesige Rolle dabei, unsere Gedanken zu ordnen, und ihre Erkenntnisse haben die Lesbarkeit und Verständlichkeit des Stoffes enorm verbessert. Ich wünsche ihr und ihrer Familie nur das Beste. Auch der technische Redakteur Jacob Perlman war für die Entwicklung dieses Buches von entscheidender Bedeutung. Die Arbeit, die er vor Jahren bei Tastytrade leistete, legte das Fundament für viele in diesem Buch präsentierte Ideen und bis zum heutigen Tage inspiriert sie private Trader. Sein mathematischer Sachverstand hat die Genauigkeit und die Darstellung der behandelten technischen Konzepte verbessert und ich kann seine Fähigkeiten nur über den grünen Klee loben.
Auf Verlagsseite war Jeff Joseph maßgeblich für die Verwandlung unserer Reihe von Manuskripten in ein richtiges Buch. Er war immens hilfreich bei der Organisation der Logistik für den Veröffentlichungsprozess, er gab kreative Ratschläge und begründete unsere Beziehung zu Wiley. Ohne die kompetenten Mitglieder des redaktionellen Teams von Wiley, die alle außerordentlich viel Mühe in dieses Buch gesteckt haben, wäre dieses Buch nicht möglich gewesen. Während des gesamten Prozesses haben viele Menschen zu diesem Projekt beigetragen, aber einige von denen, mit denen ich am engsten zusammengearbeitet habe, sind Bill Falloon, Purvi Patel, Manikandan Kuppan, Susan Cerra und Samantha Wu. Auch möchte ich für die künstlerischen Beiträge von Cassie Scroggins danken, die bei der Umschlaggestaltung einen fantastischen Job gemacht hat.
Ebenfalls dankbar bin ich für die inhaltlichen Ratschläge von Thomas Preston, der sich nie vor meinen vielen Anrufen drückte, und für die schriftstellerischen Ratschläge von Vonetta Logan. Anzumerken ist noch, dass alle bei Tastytrade, insbesondere das Research-Team, direkt oder indirekt an der Realisierung dieses Buches beteiligt waren. Die in diesem Buch vorgestellten Ideen wurden nicht von Grund auf entwickelt, vielmehr ergaben sie sich aus den Erfolgen und Misserfolgen der ganzen talentierten Content-Ersteller von Tastytrade in vielen Jahren der Zusammenarbeit.
Julia Spina
Das Haus gewinnt immer. Dieser mahnende Spruch trifft sicherlich zu, doch er erzählt nicht die ganze Geschichte. Von den an den Tischen geltenden Limits bis hin zu den Auszahlungsquoten sind alle Spiele in einem Casino so gestaltet, dass das Haus einen statistischen Vorteil hat. Es mag an den Spielautomaten gelegentlich große Verluste oder am Blackjack-Tisch häufig geringe Verluste erleiden, aber wenn die Gäste lange genug spielen, wird das Haus unweigerlich einen Gewinn einfahren. Die Casinos verlassen sich schon seit Langem auf dieses Prinzip als Grundlage ihres Geschäftsmodells: Entweder man setzt gegen das Haus und hofft, dass einen das Glück begünstigt, oder man ist das Haus und hat die Wahrscheinlichkeit auf seiner Seite.
Anders als die Casinos, wo die Chancen gegen die Spieler abgesteckt sind, bieten liquide Finanzmärkte ein dynamisches, ebenes Spielfeld mit mehr Raum, um Strategien zu entwerfen. Aber ähnlich wie im Casino verlässt sich ein erfolgreicher Trader nicht auf sein Glück. Vielmehr hängt der langfristige Erfolg von Tradern von ihrer Fähigkeit ab, aus den Werkzeugen, Strategien und Informationen, die ihnen zur Verfügung stehen, einen beständigen statistischen Vorteil zu ziehen. Die heutigen Märkte werden für den Durchschnittsmenschen immer zugänglicher, denn der Onlinehandel und der gebührenfreie Handel sind gewissermaßen zum Branchenstandard geworden. Anleger haben Zugang zu einer fast unbegrenzten Auswahl an Strategien und bei dieser Entwicklung spielen Optionen eine interessante Rolle. Eine Option ist eine Art von Finanzkontrakt, der dem Inhaber das Recht gibt, einen Vermögenswert zu oder vor einem künftigen Datum zu kaufen beziehungsweise zu verkaufen – dieses Konzept wird im nächsten Kapitel noch näher erklärt. Optionen verfügen über einstellbare Risiko-Rendite-Profile, die es Tradern ermöglichen, zuverlässig die Gewinnwahrscheinlichkeit, den größten Verlust und den größten Gewinn einer Position zu wählen und möglicherweise in Marktlagen aller Art (bullish, bearish, neutral) Gewinn zu erzielen. Man kann diese höchst vielseitigen Instrumente verwenden, um Risiken abzusichern und Portfolios zu diversifizieren – oder man strukturiert Optionen so, dass sie risikobereiten Tradern einen Wahrscheinlichkeitsvorteil bieten.
Neben der Tatsache, dass sich Optionen auf bestimmte Chance-Risiko-Präferenzen einstellen lassen, kann man sie auch mit Depots fast jeder Größe handeln, weil sie gehebelte Finanzinstrumente sind. In der Welt der Optionen bedeutet „Hebelwirkung“ oder „Leverage“, dass man mit einem Trade mehr als die anfängliche Investition gewinnen oder verlieren kann. Es kann sein, dass ein Anleger für eine Option 100 Dollar bezahlt und mit dem Trade am Ende 200 Dollar Gewinn macht; es kann aber auch sein, dass er aus dem Verkauf einer Option 100 Dollar erhält und am Ende mit dem Trade 200 Dollar Verlust macht. Die Hebelwirkung mag unsympathisch erscheinen, weil sie mit einem Risiko verbunden ist, aber sie ist nicht von Grund auf gefährlich. Wenn Hebel missbraucht werden, können sie ganz leicht finanzielle Verheerungen anrichten. Wenn sie jedoch verantwortlich verwendet werden, ist die Kapitaleffizienz der Hebelwirkung ein leistungsfähiges Werkzeug, das es Tradern ermöglicht, mit wesentlich weniger Kapital das gleiche Risiko-Rendite-Exposure zu erzielen.
Am Markt wird einem nichts geschenkt. Ein Hebelinstrument mit einer Gewinnwahrscheinlichkeit von 70 Prozent muss im Gegenzug ein Risiko mit sich bringen, das in manchen Fällen sogar undefiniert sein kann. Deshalb ist das Kernprinzip des nachhaltigen Optionshandels das Risikomanagement. Ebenso wie Casinos die Größe der Jackpot-Auszahlungen dadurch unter Kontrolle halten, dass den Höchsteinsatz der Spieler begrenzen, müssen Optionshändler durch Begrenzung der Positionsgröße die maximalen Verluste begrenzen, denen sie sich durch gehebelte Positionen aussetzen. Und genauso wie Casinos das Risiko über verschiedene Spiele mit verschiedenen Chancen streuen beziehungsweise diversifizieren, ist auch für den langfristigen Erfolg eines Optionsportfolios die Diversifizierung der Strategien unerlässlich.
Neben dem potenziellen Verlustrisiko von Optionen können noch weitere Faktoren sie für Anleger unattraktiv machen. Anders als Aktien, die passive Instrumente sind, verlangen Optionen aufgrund ihres volatilen Charakters und ihrer zeitlichen Sensitivität einen aktiveren Handelsansatz. Je nach den gewählten Strategien sollte man Optionsportfolios in Abständen von einem Tag bis zu zwei Wochen kontrollieren. Außerdem zeichnet sich der Optionshandel durch eine recht steile Lernkurve aus und im Vergleich zu Aktien erfordert er eine breitere Kenntnis der mathematischen Grundlagen. Die Mathematik der Optionen kann zwar schnell kompliziert und beschwerlich werden, doch bei der Art von Optionshandel, die in diesem Buch behandelt wird, kann man Trading-Entscheidungen häufig mithilfe einer Auswahl von Indikatoren und intuitiven Überschlagsrechnungen treffen.
Ziel dieses Buches ist es, Traderinnen und Trader darin zu schulen, individuell angepasste und auf fundierten Informationen beruhende Entscheidungen zu treffen, die am besten zu ihren einzigartigen Gewinnzielen und Risikotoleranzen passen. Unter Verwendung von Kennzahlen und historischen Backtests stellt dieses Buch das Verlustrisiko von Optionen in einen Kontext, es erkundet die strategische Kapazität solcher Kontrakte und legt den Schwerpunkt beim Aufbau eines belastbaren Optionsportfolios auf die wichtigsten Methoden des Risikomanagements. Um diese Konzepte unkompliziert vorzustellen, beginnt dieses Buch mit einer Besprechung der mathematischen und finanziellen Grundlagen des quantitativen Optionshandels (Kapitel 1), gefolgt von einer einleuchtenden Erklärung der impliziten Volatilität (Kapitel 2) und des Short-Premium-Tradings (Kapitel 3). Nach der Behandlung dieser grundlegenden Konzepte geht das Buch zum Handel in der Praxis über, angefangen bei der Kaufkraftreduktion und Optionshebeln (Kapitel 4), gefolgt von der Konstruktion von Trades (Kapitel 5) und dem Management von Trades (Kapitel 6). Kapitel 7 behandelt wesentliche Themen des Portfoliomanagements und Kapitel 8 zusätzliche Themen des fortgeschrittenen Portfoliomanagements. Kapitel 9 bietet kurze Bemerkungen zu atypischen Trades (binäre Ereignisse). Abgeschlossen wird das Buch durch ein Schlusskapitel über die wichtigsten Lehren (Kapitel 10) und einen Anhang zu mathematischen Themen.
Zweck dieses Buches ist es, einen qualitativen Rahmen für die Geldanlage mit Optionen auf Grundlage einer quantitativen Analyse von Finanzdaten und Theorien zu bieten. Die Mathematik spielt bei der Entwicklung dieses Rahmens eine entscheidende Rolle, aber sie ist vorwiegend nur Mittel zum Zweck. Daher enthält dieses Kapitel einen kurzen Überblick über die mathematischen und finanziellen Konzepte, die erforderlich sind, um dieses Buch zu verstehen. Da es die Themen nicht gründlich behandelt, empfehlen wir mathematisch Interessierten, die in dem Abschnitt mit den Verweisen aufgelisteten zusätzlichen Texte zu lesen. Manche Abschnitte enthalten als Belege Formeln und ihre Beschreibung, aber sie sind nicht notwendig, um das restliche Buch zu verstehen.
Im Laufe der Entwicklung der Märkte tauchen häufig neue Instrumente und Chancen auf, die von Swaptions bis hin zu Non-fungible Tokens (NFTs) reichen. Zu dem Zeitpunkt, zu dem dieses Buch in die Regale kommt, können die Finanzlandschaft und die darin befindlichen Instrumente ganz anders sein als zu dem Zeitpunkt, als es geschrieben wurde. Anstatt ein breites Spektrum von Instrumenten in den Blick zu nehmen, behandelt dieses Buch grundlegende Trading-Konzepte anhand einer kleinen Auswahl von Anlageklassen (Aktien, ETFs und Optionen), um Beispiele zu formulieren.
Eine Aktie ist ein Wertpapier, das einen Eigentumsanteil an einer Aktiengesellschaft darstellt. Normalerweise werden Aktien von der Gesellschaft als Finanzierungsquelle ausgegeben und gewöhnlich werden diese Instrumente öffentlich an Börsen gehandelt, zum Beispiel an der New York Stock Exchange (NYSE) oder an der Nasdaq. Die Aktionäre haben je nach dem Anteil der Aktien, den sie im Verhältnis zur Anzahl der umlaufenden Aktien besitzen, einen Anspruch auf einen Anteil an dem Vermögen und dem Gewinn der Aktiengesellschaft.
Wenn man die Preisdynamik einer Aktie oder eines ETFs beurteilt und die Dynamik verschiedener Anlagen miteinander vergleicht, wandelt man die Kursangaben üblicherweise in Renditen um. Die Rendite einer Aktie ist der Betrag, um den ein Aktienkurs gestiegen oder gefallen ist, allerdings nicht in Dollar, sondern anteilig im Verhältnis zum vorherigen Kurs. Man kann Renditen für beliebige Zeiträume angeben (Tage, Monate, Jahre), wobei wir für unsere Berechnungen meistens Tagesrenditen benötigen. Die beiden gängigsten Arten von Renditen sind die einfache prozentuale Rendite, die nach Gleichung (1.1) berechnet wird, und die logarithmierte Rendite, die nach Gleichung (1.2) berechnet wird. Die mathematische Definition von Logarithmen und ihre Eigenschaften werden für Interessierte im Anhang behandelt, aber man braucht diese Informationen nicht, um das restliche Buch zu verstehen.
Wobei gilt: St ist der Preis der Anlage am Tag t, St-1 ist der Preis der Anlage am Vortag. So hat beispielsweise eine Anlage, die an Tag 1 einen Kurs von 100 Dollar und an Tag 2 einen Kurs von 101 Dollar hat, eine einfache Rendite von 0,01 beziehungsweise von 1,0 Prozent und eine logarithmierte Rendite von 0,00995.
Die einfache und die logarithmierte Rendite haben unterschiedliche mathematische Eigenschaften (beispielsweise ergibt sich die logarithmierte Gesamtrendite über mehrere Perioden durch Addition der Renditen der einzelnen Perioden), die sich auf fortgeschrittenere quantitative Analysen auswirken. Allerdings sind diese Faktoren für die Zwecke dieses Buches nicht relevant, weil der Unterschied zwischen logarithmierten und einfachen Renditen mehr oder weniger zu vernachlässigen ist, wenn man im Zeitrahmen von Tagen arbeitet. Für alle vorgeführten Berechnungen werden einfache Tagesrenditen verwendet.
Eine Option gibt ihrem Inhaber das Recht (nicht aber die Pflicht), eine bestimmte Menge des Basiswerts zu einem bestimmten Zeitpunkt oder davor zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen beziehungsweise zu verkaufen. Die beiden gängigsten Arten von Optionen sind die amerikanischen und die europäischen Optionen. Amerikanische Optionen können jederzeit vor dem Verfalltag ausgeübt werden, europäische Optionen nur zum Verfalltag.* Da amerikanische Optionen im Allgemeinen beliebter sind als europäische Optionen und da sie flexibler sind, konzentriert sich das vorliegende Buch auf amerikanische Optionen.
Die einfachsten Arten von Optionen sind Calls und Puts – Kaufoptionen und Verkaufsoptionen. Amerikanische Calls geben dem Inhaber das Recht, den Basiswert innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums zu einem bestimmten Preis zu kaufen, und amerikanische Puts das Recht, den Basiswert zu verkaufen. Die Kontraktbedingungen müssen vor Eröffnung des Trades festgelegt werden und sind hier aufgelistet:
Der zum Kassakurs beziehungsweise zum aktuellen Anteilspreis (S) gehandelte Basiswert.
Die Anzahl der zugrunde liegenden Anteile. Normalerweise bezieht sich eine Option auf 100 Anteile des Underlyings, die man als „ein Lot“ bezeichnet.
Der Preis, zu dem die Basisanteile vor der Fälligkeit gekauft beziehungsweise verkauft werden können. Dieser Preis wird als Ausübungspreis, Strike-Preis, Strike oder als Basispreis bezeichnet.
Beachten Sie, dass der Preis einer Option üblicherweise bei Calls als C angegeben wird, bei Puts als P und bei nicht spezifizierten Kontrakten als V. Optionshändler können diese Kontrakte kaufen oder verkaufen und die Bedingungen für die Profitabilität hängen von der Wahl der Position ab. Der Käufer des Kontrakts bezahlt die sogenannte Optionsprämie (den aktuellen Marktpreis der Option), um die Long-Seite der Position einzunehmen. Man spricht auch vom Long-Premium-Trade. Der auch als Stillhalter bezeichnete Verkäufer des Kontrakts erhält die Optionsprämie dafür, dass er die Short-Seite der Position einnimmt, also einen Short-Premium-Trade platziert. Die Wahl der Strategie entspricht der Richtungserwartung des Traders. Bei Calls und Puts ist die Richtungserwartung entweder bullish – man nimmt an, dass der Preis des Basiswerts steigen wird – oder bearish – man nimmt an, dass der Preis des Basiswerts fallen wird. Die nachstehende Tabelle bietet eine Übersicht über die Richtungserwartungen und die den jeweiligen Kontrakten entsprechenden Profitabilitätsszenarien.
Tabelle 1.1
Die Definitionen, Profitabilitätsbedingungen und Richtungserwartungen bei Long- und Short-Positionen auf Calls oder Puts
Call
Put
Kauf der Berechtigung, einen Basiswert (S) vor dem Fälligkeitstag zum Basispreis (K) zu kaufen.
Kauf der Berechtigung, einen Basiswert (S) vor dem Fälligkeitstag zum Basispreis (K) zu verkaufen.
Long
Der Gewinn steigt, wenn der Preis des Basiswerts über den Basispreis steigt (S > K).
Der Gewinn steigt, wenn der Preis des Basiswerts unter den Basispreis fällt (S < K).
Richtungserwartung: bullish
Richtungserwartung: bearish
Verkauf der Berechtigung, einen Basiswert (S) vor dem Fälligkeitstag zum Basispreis (K) zu kaufen.
Verkauf der Berechtigung, einen Basiswert (S) vor dem Fälligkeitstag zum Basispreis (K) zu verkaufen.
Short
Der Gewinn steigt, wenn der Preis des Basiswerts unter den Basispreis fällt (S < K).
Der Gewinn steigt, wenn der Preis des Basiswerts über den Basispreis steigt (S > K).
Richtungserwartung: bearish
Richtungserwartung: bullish
Das Verhältnis zwischen dem Ausübungspreis und dem aktuellen Preis des Basiswerts bestimmt die Geldnähe der Position. Diese entspricht dem inneren Wert einer Position beziehungsweise dem Wert des Kontrakts bei sofortiger Ausübung. Diesbezüglich kann man die Kontrakte auf dreierlei Weise beschreiben, wobei zu beachten ist, dass Optionen keinen negativen inneren Wert haben können:
Der innere Wert einer Position hängt vollständig von der Art der Position und von der Wahl des Ausübungspreises im Verhältnis zum Preis des Underlyings ab:
Call-Optionen
•ITM: S > K
•OTM: S < K
Put-Optionen
•ITM: S < K
•OTM: S > K
Hier als Beispiel ein Put-Kontrakt mit 45 DTE und einem Basispreis von 100 Dollar:
Szenario 1 (ITM): Der Kurs des Basiswerts beträgt 95 Dollar. In diesem Fall beträgt der Wert des Put-Kontrakts 5 Dollar je Stück des Basiswerts.
Szenario 2 (OTM): Der Kurs des Basiswerts beträgt 105 Dollar. In diesem Fall besitzt der Put-Kontrakt keinen inneren Wert.
Szenario 3 (ATM): Der Kurs des Basiswerts beträgt 100 Dollar. In diesem Fall sagt man ebenfalls, dass der Put keinen inneren Wert besitzt.
Zudem hängt der Wert einer Option auch von spekulativen Faktoren ab, die durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden. Der extrinsische oder äußere Wert einer Option ist die Differenz zwischen dem aktuellen Marktpreis der Option und ihrem inneren Wert. Nehmen wir wieder einen Put-Kontrakt mit 45 DTE und einem Basispreis von 100 Dollar, wobei der Basiswert derzeit 105 Dollar kostet. Nehmen wir des Weiteren an, dass die Anleger aufgrund kürzlich aufgetretener Marktturbulenzen befürchten, dass der Preis des Underlyings in den nächsten 45 Tagen einbrechen und so eine Nachfrage nach diesen OTM-Put-Kontrakten erzeugen wird. Die gestiegene Nachfrage bläht den Preis des Put-Kontrakts auf 10 Dollar pro Stück auf. Da der Put-Kontrakt keinen inneren Wert besitzt, jedoch einen Marktwert von 10 Dollar, beträgt sein äußerer Wert 10 Dollar pro Stück. Betrüge der Preis des Basiswerts hingegen 95 Dollar und der Marktpreis des ITM-Puts ebenfalls 10 Dollar, dann besäße der Kontrakt einen inneren Wert von 5 Dollar und dazu einen extrinsischen Wert von 5 Dollar.
Dabei gibt die max-Funktion den größeren der beiden Werte in der Klammer aus. max(0, 1) ergibt also 1, max(0, -1) hingegen 0. Um den Gewinn/Verlust der entsprechenden Short-Positionen zu berechnen, braucht man die Gleichungen bloß mit -1 zu multiplizieren. Es folgt nun ein Beispiel-Trade, bei dem die Gewinnformel für einen Long-Call angewendet wird.
Ein Call hat eine Restlaufzeit von 45 DTE und der Basiswert steht derzeit bei 100 Dollar (S). Der Ausübungspreis beträgt 105 Dollar (K) und der Long-Call kostet derzeit 100 Dollar je Lot, also 1 Dollar je Stück.
Szenario 1: Der Basiswert steigt bis zum Verfalltag auf 105 Dollar.
•P/L Short-Call: +100 $
Szenario 2: Der Basiswert steigt bis zum Verfalltag auf 110 Dollar.
•P/L Short-Call: -400 $
Szenario 3: Der Basiswert fällt bis zum Verfalltag auf 95 Dollar.
•P/L Short-Call: +100 $
Der Trader, der die Long-Position einnimmt, bezahlt dem Verkäufer vorab die Prämie und erzielt Gewinn, wenn der innere Wert über den Preis des Kontrakts steigt. Der Short-Trader erzielt Gewinn, wenn der innere Wert unter dem Preis des Kontrakts bleibt, vor allem wenn die Position wertlos verfällt (kein innerer Wert). Der äußere Wert einer Option fällt im Allgemeinen während der Laufzeit des Kontrakts, weil die Unsicherheit bezüglich des Preises des Basiswerts sowie bezüglich des Gewinnpotenzials der Option abnimmt. Während sich eine Position dem Verfalltag nähert, läuft der Preis einer Option auf ihren inneren Wert zu.
Natürlich spielt beim Optionshandel die Bewertung von Optionen eine große Rolle. Um intuitiv zu verstehen, wie Optionen bewertet werden, ist es von entscheidender Bedeutung, die mathematischen Annahmen der Markteffizienz und der Preisdynamik verstanden zu haben.
