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Die Geldanlage in Aktien ist statistisch gesehen eine der sichersten Methoden, um über die Jahre Wohlstand aufzubauen. Wieso halten dann noch so viele Menschen die Börse für ein Casino und den Aktienkauf für wilde Zockerei? Börsenexperte Andreas Lipkow klärt auf. Er zeigt, wie man an der Börse tatsächlich erfolgreich anlegen kann – aber auch, welche Methoden und Strategien entweder nicht oder nicht mehr funktionieren. "Erfolgreich strategisch anlegen " ist das perfekte Buch für alle, die das Wissen erwerben wollen, ihr Geld an der Börse erfolgreich zu vermehren.
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Seitenzahl: 357
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Andreas Lipkow
ANDREAS LIPKOW
Ihr umkomplizierter Weg zum Börsenerfolg
Copyright 2024:© Börsenmedien AG, Kulmbach
Gestaltung Cover: Johanna Wack
Gestaltung, Satz und Herstellung: Timo Boethelt
Vorlektorat: Elena Koslow
Korrektorat: Egbert Neumüller
Druck: CPI books GmbH, Leck, Germany
ISBN 978-3-86470-930-2
eISBN 978-3-86470-931-9
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Vorwort
Kapitel 1. Einführung in den Kapitalmarkt
I. Die Börse ist ein Haifischbecken
II. Geschichte und Grundlagen des Kapitalmarkts
III. Was ist „die Börse“ und wie funktioniert sie?
IV. Arten von Anlageprodukten
V. Vergleich von langfristiger und kurzfristiger Anlage
VI. Risiken und Chancen bei Anlagen auf dem Kapitalmarkt
VII. Verständnis von Volatilität und Diversifikation
VIII. Wichtige Indizes und ihre Bedeutung für die Börse
Kapitel 2. Risikomanagement
I. Verständnis des Konzepts Risikomanagement
II. Identifizierung und Bewertung von Anlagerisiken
III. Diversifikation als Mittel zur Risikominimierung
IV. Verwendung von Stop-Loss-Orders und Hedging-Strategien
V. Analyse von Markt- und Unternehmensdaten zur Risikoabschätzung
VI. Überwachung und Anpassung des Portfolios im Laufe der Zeit
VII. Alternativen der Diversifikation
VIII. Wichtige Faktoren bei der Wahl von Anlageprodukten
IX. Checkliste zum Thema Risikomanagement
Kapitel 3. Technische Analyse
I. Was ist Technische Analyse und wie funktioniert sie?
II. Grundlagen der Technischen Analyse
III. Chart-Typen und -formationen
IV. Verwendung von Indikatoren
V. Erkennen von Kauf- und Verkaufssignalen
VI. Kombination aus Fundamentaldaten und Technischer Analyse
VII. Überwachung von Marktdaten und Anpassung Ihrer Strategie
VIII. Risikomanagement und Umgang mit Fehlsignalen
IX. Checkliste zur Charttechnik
Kapitel 4. Fundamentalanalyse
I. Einführung in die Fundamentalanalyse
II. Wirtschaftsindikatoren und ihre Bedeutung
III. Unternehmensfinanzen
IV. Branchentrends und Marktforschung
V. Bewertung von Unternehmen
VI. Integrierter Ansatz zur Fundamentalanalyse
VII. Verwendung von Finanznachrichten und Analystenberichten
VIII. Checkliste zur Verwendung der Fundamentalanalyse
Kapitel 5. Handelsstrategien
I. Einführung in Handelsstrategien
II. Überblick über verschiedene Anlage- und Trading-Strategien
III. Positions-Trading-Strategie
IV. Quantitative Handelsstrategien
V. Umsetzung von Handelsstrategien
VI. Checkliste zur Erstellung von Anlage-/Trading-Strategien
Kapitel 6. Trading-Psychologie
I. Trading-Psychologie: Einführung
II. Verhaltensmuster im Trading
III. Emotionale Kontrolle
IV. Techniken und Übungen zur Verbesserung der emotionalen Kontrolle und des mentalen Fokus beim Trading
V. Selbstreflexion und Lernen
VI. Umgang mit Fehlschlägen
VII. Checkliste zum Thema Trading-Psychologie
Kapitel 7. Alternative Anlagemöglichkeiten oder wie Sie mit Picasso Geld verdienen
I. Einführung in verschiedene alternative Anlageoptionen
II. Kryptowährungen
III. Hedgefonds
IV. Immobilieninvestitionen
V. Rohstoffinvestitionen
VI. Kunstinvestitionen und Co
VII. Gesamtüberblick und Risiken der Anlageoptionen
VIII. Portfoliomanagement
IX. Checkliste zur Anlage in alternativen Investments
Kapitel 8. Glaskugel im Einsatz – Fazit und Ausblick
I. Die wichtigsten Konzepte und alle Kapitelinhalte im Überblick
II. Was bedeutet Money-Management beim Trading?
III. Trading und Anlage
IV. Algorithmischer Handel und Aufbau eines Handelssystems
V. Reflexion und Schlussbetrachtung
VI. Checkliste: Trader/Investor oder Sparbuchanleger
VII. Outro
Trading und Investieren gehören zu den schwierigsten mentalen Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Es gibt keine vorgefertigten Muster oder Formationen wie bei der Meteorologie, kein Ende wie bei geläufigen Spielen, keine richtigen Antworten auf Ihre Investment- und Trading-Fragen. Es gibt bei einer potenziellen Anlage- und Trading-Entscheidung immer Pro- und Kontra-Argumente. Mehrdeutigkeit und Unsicherheit werden Ihre ständigen Wegbegleiter sein, wenn Sie sich auf das rutschige Parkett des internationalen Wertpapierhandels wagen wollen. Wenn Sie das verinnerlichen und sich klarmachen, dass Sie der einsame alleinige Entscheider sind, dann haben Sie bereits den ersten Schritt in Richtung einer erfolgreichen Handelsstrategie unternommen. Weitere wichtige und entscheidende Schritte werde ich Ihnen in diesem Buch präsentieren.
Nein, nicht noch ein Buch zum Thema Trading und Anlegen an den Finanzmärkten! Doch, gerade jetzt, denn der Handel ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden, da immer mehr Menschen versuchen, ihre finanzielle Zukunft selbst in die Hand zu nehmen beziehungsweise nehmen müssen. Mit dem Aufkommen von neuen Online-Handelsplattformen, Non-Commission-Brokern und der fortschreitenden Digitalisierung der Finanzmärkte war es noch nie so einfach, in die Welt des Handels einzusteigen.
Wo Licht ist, gibt es jedoch auch Schatten. Neben den ohnehin an den Finanzmärkten vorhandenen Risiken sind in den letzten Jahren viele weitere entstanden, die es in dem Ausmaß und der Häufigkeit vorher noch nie gegeben hatte. Wie sollen sich jetzt also angehende und professionelle Trader und Anleger aufstellen, wenn sie möglicherweise wissen, wie man Orders an die Handelsplätze gibt, aber keine Ahnung von Blow-offs, Short-Squeezes, Flash Crashs und anderen Risiken haben? Vielleicht haben sie auch noch nie etwas von FOMO, To the Moon, Krypto und HFT gehört? Abgesehen davon haben zusätzlich die Computer an den Börsen die Oberhand gewonnen und bestimmen derzeit einen Großteil der Transaktionen. Ist in dieser Umgebung überhaupt noch Platz für diskretionären Handel?
Ich beschäftige mich jetzt bereits seit 1995 mit der Finanzanlage und seit 1997 intensiv mit dem Thema Trading. Die Idee zu einem Trading- und Anlagebuch reifte bereits seit 2016 in mir, und ich habe auch schon einen ersten Versuch unternommen. Ich wollte ein Fachbuch zum Thema Hochfrequenzhandel schreiben – dem Thema, das mich nicht zuletzt durch meine damalige Tätigkeit als CEO einer Eigenvermögensverwaltung mittels algorithmischer Handelsansätze in den Bann gezogen hatte. Wer jetzt bereits Schnappatmung wegen der vielen unbekannten Begriffe bekommen hat, wird verstehen, warum dieses Buch notwendig ist. Aber keine Angst, ich werde mich dem Thema nicht zu stark widmen und versuchen, sinnvolle und nachvollziehbare Ausführungen und Darlegungen zu den einzelnen Fachgebieten zu geben.
Wie bei jedem anderen Unterfangen auch erfordert nachhaltiger Erfolg im Trading Wissen, Disziplin und einen gut durchdachten Plan. Es soll aber zugleich auch unterhaltsam sein und Spaß machen, sich mit dem Thema Trading und Geldanlage zu beschäftigen. Darum habe ich zu jedem Kapitel eine wahre Geschichte aus meinem Trader- und Investmentbanker-Dasein eingestreut. Mit einem Abstand von teilweise über 20 Jahren kann auch ich schon längst wieder über das Erlebte schmunzeln. Ich würde mich aber für Sie freuen, wenn Sie einige meiner Fehltritte auf dem rutschigen Börsenparkett nicht selbst erleben würden.
Dieses Buch soll eine umfassende Einführung in die Welt des Tradings bieten. Es deckt ein breites Themenspektrum ab, von den Grundlagen der Marktstruktur und der Handelspsychologie bis hin zu fortgeschrittenen Konzepten wie der Technischen Analyse, dem Risiko- und Money-Management und dem algorithmischen Handel.
Alle Ausführungen beruhen auf meinem Wissen, meinen Erfahrungen und eigenen Recherchen, die ich zu den einzelnen Themengebieten unternommen habe. Glauben Sie mir, dass nicht nur die monetär teuersten Erfahrungen direkt mit den Themenkomplexen Risiko- und Money-Management zu tun hatten. Darum ist es mir ein besonderes Anliegen, immer wieder auf die Wichtigkeit dieser für einen nachhaltigen Trading- und Anlageerfolg zentralen Themen hinzuweisen.
Egal, ob Sie Anfänger oder erfahrener Trader sind, der seine Fähigkeiten auf die nächste Stufe heben möchte, Sie werden in diesem Buch wertvolle Informationen und Erkenntnisse finden. Nicht zuletzt können auch meine Erfahrungsberichte und Börsenstorys helfen, das Wissen tiefer zu verankern und Spaß beim Lesen zu haben.
Ich werde die unterschiedlichen Marktarten wie Aktien-, Devisen- und Futures-Märkte vorstellen und die Vor- und Nachteile der einzelnen Märkte diskutieren. Ich behandele dabei auch die verschiedenen Arten von Handelsstrategien, wie zum Beispiel Day-Trading und Swing-Trading, gebe praktische Tipps und stelle Techniken für deren Umsetzung in die Praxis vor.
Neben der Erörterung der Handelsmechanismen werde ich mich auch mit den psychologischen und emotionalen Aspekten des Handels befassen. Dabei untersuche ich häufige emotionale Fallstricke, mit denen Anleger und Trader nicht nur an den Finanzmärkten konfrontiert sind, und stelle Strategien für deren Bewältigung vor. Es fließen sehr viel eigene Erfahrung und die Beobachtungen meiner Kollegen ein, wobei natürlich keine Namen genannt werden und niemand bloßgestellt wird, aber sie werden schnell erkennen, dass ihnen diese Vorgänge sehr bekannt vorkommen.
Anschließend erörtere ich die Bedeutung der Entwicklung eines Handelsplans und der Festlegung von Zielen und gebe Anleitungen für die Umsetzung. Ich werde mich auch mit den verschiedenen Arten von Risikomanagement- und Money-Management-Tools beschäftigen, die Händlern zur Verfügung stehen, und erörtern, wie Sie diese effektiv nutzen können, um Ihre Handelsergebnisse zu verbessern. An dieser Stelle sollte Ihnen spätestens bewusst geworden sein, wie wichtig ein systematisches Vorgehen an den Börsen ist, um nachhaltig erfolgreich sein zu können.
Triggerwarnung: Dieses Buch ist keine Anleitung, mit der Sie schnell reich werden können, sondern eher ein umfassender Leitfaden, ein Buch voller Anekdoten aus dem Leben eines institutionellen Traders und eine solide Grundlage für jeden, der sich für den Börsenhandel interessiert.
Wenn Sie die in diesem Buch dargelegten Grundsätze und Strategien befolgen, werden Sie auf dem besten Weg sein, ein erfolgreicher Trader oder Anleger zu werden. Dieser Weg lohnt sich auf jeden Fall, denn er ist mit vielen spannenden Augenblicken und Erfahrungen gepflastert. Ich würde ihn jederzeit wieder gehen.
Viel Spaß bei der Lektüre und vielen Dank, dass Sie dieses Buch lesen.
Ihr
Andreas Lipkow
Verständnis der Börse und der verschiedenen Anlage-/Trading-Möglichkeiten
In diesem Kapitel lernen Sie, wie und wo Sie erfolgreich in Aktien, Optionen und Futures investieren und sich im Haifischbecken der Börse behaupten können. Zudem bekommen Sie eine Checkliste an die Hand, mit der Sie herausfinden können, ob Sie eher ein Investor oder eher ein Trader sind. Und es gibt einige Richtlinien, deren Nichtbeachtung Ihren Börsenerfolg zunichtemachen kann. Um jedoch zu verstehen, wo Sie hinwollen, sollten Sie erst einmal verstehen, woher die Finanzmärkte eigentlich kommen.
Die Börse ist ein Haifischbecken, in dem nur die besten, schnellsten und klügsten Schwimmer überleben. Wer beim Trading an den Finanzmärkten nicht aufpasst, wird schnell zum Futter der Wall-Street-Haie. Wie können Sie in dieser Umgebung trotzdem bestehen und eine positive Performance erzielen? Ich gebe Ihnen die passenden Antworten, wie Sie sich in den verschiedenen „Becken“ behaupten und erfolgreich investieren können. Von Aktien über Optionen bis hin zu Futures zeige ich Ihnen die verschiedenen Anlage- und Trading-Möglichkeiten und wie Sie diese gewinnbringend einsetzen. Im Haifischbecken „Börse“ werden nur diejenigen zum Alpha-Investor, die die Grundlagen verstehen und wichtige Regeln mit Disziplin und dem nötigen Wissen umsetzen können. Lassen Sie die anderen kleinen Fische im Börsenmeer der Unwissenheit bei den Wall-Street-Haien zurück.
Dass Menschen miteinander Handel treiben und dafür organisierte Plätze benötigen, lässt sich Tausende Jahre zurückverfolgen. Schon vor über 140.000 Jahren wurden Handelsaktivitäten ausgeübt. Urgeschichtliche Ausgrabungen konnten belegen, dass der Handel mit Klingen, Steinbeilen, Kupfer, Zinn, Bronze, Eisen, Salz, Bernstein, Pelzen und Textilien über Hunderte von Kilometern betrieben wurde. Während er in frühen primitiven Gesellschaften in Form des Güteraustauschs von Ware gegen Ware stattfand, kennen die entwickelten modernen Volkswirtschaften praktisch nur noch das Handelsgeschäft in Form des Ankaufs und Verkaufs von Waren gegen Geld oder im Speziellen den Handel von Geld und Geldsurrogaten.
Der Begriff „Handel“ fand bereits im frühen 15. Jahrhundert Verwendung und hat sich in den letzten Jahren stark verändert. In der Antike war florierender Handel maßgeblich für den Ausbau des römischen Reiches und des Erfolgs der chinesischen Seidenstraße. Imperien wurden durch erfolgreichen Handel gefestigt, und Handelsbeziehungen trugen oft zu einem friedlichen Nebeneinander von Staaten und Völkern bei.
Vor 500 Jahren, im 16. Jahrhundert, sah der Handel an den Finanzmärkten ganz anders aus als heute. Zu dieser Zeit entwickelten sich in Europa die ersten Börsen, die als zentrale Handelsplätze für den Austausch von Waren, Rohstoffen und Währungen dienten. Diese frühen Börsen entstanden, um den Bedarf an Kapital für die Finanzierung von Handelsreisen und Unternehmungen zu decken.
Ein wichtiger und zugleich bedeutender Wendepunkt in der Geschichte des Handels war die Gründung der Amsterdamer Börse im Jahr 1612. Sie war die erste offizielle Aktienbörse der Welt und wurde von der Niederländischen Ostindien-Kompanie gegründet, um Investoren für ihre Unternehmungen zu gewinnen. Durch den Verkauf von Aktienanteilen konnten Investoren am Erfolg oder Misserfolg der Handelsreisen teilhaben und davon profitieren.
Im 17. Jahrhundert begann sich der Handel mit Wertpapieren weiter auszubreiten und auch in anderen europäischen Ländern entstanden Börsen, darunter 1724 die Pariser Börse und 1801 die Börse in London. Der Handel beschränkte sich damals hauptsächlich auf Aktien und Anleihen von Unternehmen und Staaten.
Im 19. Jahrhundert wurden die Finanzmärkte durch technologische Fortschritte revolutioniert. Die Einführung der Telegrafie ermöglichte es, Nachrichten und Kursinformationen nahezu in Echtzeit zu übermitteln, was den Handel stark beschleunigte und den Zugang zu relevanten Informationen in Bezug auf den Finanzmarkt erleichterte. Gleichzeitig führte die industrielle Revolution zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und einer Zunahme der Handelsaktivitäten. Immer mehr Unternehmen beschafften sich durch einen Gang an die Börse Kapital für ihre unternehmerischen Tätigkeiten.
Das 20. Jahrhundert brachte weitere bedeutende Veränderungen für die Finanzmärkte mit sich. Die 1792 in den USA gegründete New York Stock Exchange stand bis dahin eher im Schatten der Finanzmärkte in Europa. Zum Zentrum des globalen Finanzsystems wurde sie erst in den 1930er-Jahren durch die Weltwirtschaftskrise, die zur Einführung strengerer Regulierungen und Sicherheitsmaßnahmen führte.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Handel immer weiter. Die Erfindung des Computers und des Internets ermöglichte den elektronischen Handel, was zu einem erheblichen Anstieg der Handelsvolumina und einer gleichzeitigen Globalisierung der Finanzmärkte führte. Der Aktienhandel war nicht mehr auf bestimmte Börsenplätze beschränkt, sondern wurde über elektronische Handelsplattformen an vielen Orten der Welt abgewickelt.
In den letzten Jahrzehnten ist der Handel an den Finanzmärkten noch komplexer geworden. Der Aufstieg von Hedgefonds, Derivaten, Rohstoff- und Devisenmärkten sowie der Hochfrequenzhandel haben die Märkte weiter diversifiziert und in manchen Fällen auch volatiler gemacht.
Heute sind die Finanzmärkte hochgradig vernetzt, und weltweit werden jeden Tag Milliarden von Transaktionen abgewickelt. Institutionelle Anleger wie Investmentbanken und Kapitalsammelstellen wie Pensionsfonds und Versicherungsgesellschaften spielen bedeutende Rollen im Handel an den Finanzmärkten. Gleichzeitig haben auch immer mehr Privatanleger, dank Online-Brokerage und Handelsplattformen, leichteren Zugang zu den Märkten erhalten und stellen wichtige Marktteilnehmer dar.
Um die Stabilität und Integrität der Märkte zu gewährleisten, existieren umfangreiche Regulierungen und Aufsichtsbehörden, die den Handel überwachen und Missbrauch verhindern sollen. Trotzdem sind die Finanzmärkte immer noch anfällig für Schwankungen und unvorhersehbare Ereignisse, wie die Finanzkrise von 2008 und die folgende Eurokrise im Jahr 2011 gezeigt haben.
Insgesamt hat sich der Handel an den Finanzmärkten von dem einfachen Warenaustausch vor 500 Jahren zu einem komplexen und globalen Finanzsystem entwickelt, das eine zentrale Rolle in der Weltwirtschaft spielt. Auch in Zukunft wird der Handel vor neuen Herausforderungen stehen und Innovationen hervorbringen.
Alles fing einmal an, und im Nachhinein ist kaum mehr erklärbar, was oder wer den ausschlaggebenden Impuls zur Trendverstärkung der Digitalisierung gegeben hat. So ist es auch an den Finanzmärkten und mit dem Trend zum algorithmischen Handel. Insgesamt hat sich dieses Thema eher verstärkt, denn präsent war es eigentlich schon immer an den Finanzmärkten.
Dieser hochkompetitive Sektor ist davon geprägt, dass immer wieder neue Technologien und Wissensquellen bei einigen Marktteilnehmern dafür gesorgt haben, dass sie dadurch einen geldwerten Vorteil erlangt haben. Manches davon war legal, anderes wiederum verstieß in weiten Teilen gegen geltendes Recht. Bereits in den frühen 1980er- Jahren haben die ersten Marktteilnehmer in den USA versucht, den Computer für ihr Agieren an den Finanzmärkten zu nutzen. Oft ging es dabei um Arbeitserleichterungen im Zuge der Automatisierung von nachgelagerten klassischen Backoffice-Tätigkeiten. Ausgeführte Geschäfte mussten zu diesem Zeitpunkt von Mitarbeitern erfasst und buchhalterisch aufgearbeitet werden. Dies führte zu einem relativ großen Tross an Zuarbeitern, die nichts mit dem eigentlichen Handel zu tun hatten, sondern für die Abwicklung der abgeschlossenen Geschäfte zuständig waren. Bereits zu dieser Zeit gab es sehr technikaffine Handelsteilnehmer, die die klotzigen und klobigen Gerätschaften mit der Rechnerleistung eines heutigen Taschenrechners für ihre Handelssignale nutzten. So wurden Kursreihen und andere Handelsparameter in den Computer eingegeben, worauf dieser eigentlich eher korrelative Zusammenhänge beziehungsweise Darstellungen von über- und untertriebenen Optionspreisen erstellte. Die ersten Arbitragemodelle auf Tagesbasis waren geboren. Probleme gab es zu dieser Zeit auf vielen Ebenen. Zum einen konnte die Datenmenge von den damaligen Computern nicht verarbeitet werden, und zum anderen waren die Anschluss- und Eingabemöglichkeiten für diese Daten nicht wie in der heutigen Zeit gegeben. Oftmals mussten die Daten von Hand in die Systeme eingegeben werden, und das bedeutete für viele Handelssystementwickler eine zusätzliche Fehlerquelle, da Vertipper und Doppeleingaben nicht ausgeschlossen werden konnten. Um diesen Problemen entgegenzuwirken, wurden die Handelszeitintervalle zumeist auf Tages-, wenn nicht sogar auf Wochen- oder Monatsbasis verlagert.
Die großen Banken und Brokerhäuser hatten zu dieser Zeit ihre Schwerpunkte noch auf ganz andere Interessen gelegt. Das klassische Wertpapiergeschäft war ein langweiliges und wenig beliebtes Segment. Es wurde eher als notwendiges Übel angesehen, da der Kommissionshandel Geld für die Banken brachte und zusätzliche Möglichkeiten zur Geschäftsanbahnung zum Beispiel im Firmenkundenbereich eröffnete. Eigenhandel oder gar Trading wurde nur in einem verhältnismäßig kleinen Rahmen betrieben und passte bei den meisten Instituten überhaupt nicht in das selbst definierte Geschäftsbild einer Bank. Überhaupt war der Beruf des Traders eher in der Ecke von Spekulanten und zwielichtigen Personen angesiedelt. Ein Zusammenkommen von Börsenhandel und Technik war damals genauso selten anzutreffen wie eine Pferdedroschke auf heutigen Straßen. Für einige wenige Marktteilnehmer stellte sich dies bereits damals als äußerst lukrativ heraus, für das Gros der Marktteilnehmer war es aber einfach undenkbar.
Erst zu Beginn der 1990er-Jahre, also gut zehn Jahre später, kamen Computer in der Breite an den Finanzmärkten verstärkt zum Einsatz. In den USA wurde die Nasdaq (National Association of Securities Dealers Automated Quotations) zwar bereits 1971, also gut 20 Jahre früher, gegründet, hatte aber bis dahin eher ein Schattendasein als verrufene Zockerbörse mit oft kleinen und undurchsichtigen Unternehmen geführt. Die Nasdaq hatte das elektronische Handelssystem etabliert, das sich aus dem Nasdaq National Market, dem Nasdaq Small Cap Market und dem OTC Bulletin Board zusammensetzte. Damit gab man den Marktteilnehmern die Möglichkeit, am Handel mittels des Electronic Communication Network (ECN) teilnehmen zu können. Diese ECNs spielten im weiteren Verlauf der Börsenentwicklung gerade in den Jahren nach 2005 eine wichtige Rolle.
Durch ständige Neuerungen wie zum Beispiel das 1984 eingeführte „Small Order Execution“-System wurde die Möglichkeit zur besseren Handelsteilnahme und Orderabwicklung ausgebaut. Die Priorität lag damals auf der handelsunterstützenden Funktion des dominierenden Parketthandels mittels eines autarken elektronischen Handelssystems, um auch bei höherem Handelsaufkommen die Ausführung aller Aufträge sicherstellen zu können. Keiner hätte sich zu diesem Zeitpunkt vorstellen können, dass der Open Outcry, also der klassische Parketthandel, einmal vollends verschwinden und die Funktionalität der vollelektronischen Börsen das Handelsgeschehen bestimmen würde. Selbst in den Anfängen der Dotcom-Ära in den USA beziehungsweise des Neuen Marktes in Deutschland lag das Interesse der Börsenbetreiber weiterhin in der Stützung des klassischen Parketthandels und der Unterstützung des Handels mittels der elektronischen Börsen.
Die elektronischen Handelsplätze, die es schon vor dem großen Durchbruch in den Jahren ab 2003 gab, waren eher ein direkte Handelsabwicklungsplätze für große institutionelle Marktteilnehmer. So konnten beispielsweise an dem damaligen IBIS-Handelssystem lediglich sogenannte Round Lots von Aktien in 100er- oder 1.000er-Größenordnung gehandelt werden. Unter einem Round Lot versteht man einen Wertpapierhandelsauftrag über genau 100 Aktien oder ein entsprechendes Vielfaches. Das machte es für die meisten Privatanleger quasi unmöglich, am Handel mit den institutionellen Marktteilnehmern teilzunehmen. Es darf nicht vergessen werden, dass die Aktien von Allianz, Daimler und Co damals Börsenpreise von 300 bis 1.200 D-Mark aufwiesen. Entsprechend machten die damals kleinsten handelbaren Einheiten an den deutschen elektronischen Handelsplätzen gleich eine Million D-Mark aus.
Zudem hatten die damaligen elektronischen Handelsplätze noch nicht die Handelsfunktionalitäten, die heute kaum mehr wegzudenken sind. Für institutionelle Kunden war es teilweise nicht möglich, ihre Orderabsichten zu kaschieren. So war es mittels des offenen Orderbuchs möglich, das Kauf- und Verkaufsinteresse direkt zu erkennen. Handelslogiken waren stark beschränkt, und die Marktteilnehmer schrien ihre Handelsinteressen förmlich in den Markt hinaus. Es war wesentlich bequemer und sicherer, den Auftrag durch einen Makler abwickeln zu lassen, der den Auftrag mit großer Diskretion ausführte. Die Handelsbücher der Makler an den Parkettbörsen, die Skontros, waren nur für die Makler einsehbar, und der menschliche Handelsteilnehmer und die etablierten Usancen schützten sowohl die Käufer als auch die Verkäufer vor größeren Indiskretionen. Für die Makler war das Geschäft lukrativ, da sie den Spread der einzelnen Handelsbücher für sich verbuchen konnten oder im risikoaversen Fall von der zu bezahlenden Maklercourtage leben konnten. Dabei war auch schon das Verhältnis zwischen Handelsvolumen und Ausführungsgeschwindigkeit essenziell. Je mehr Aufträge der Makler in den Büchern hatte, desto liquider und umsatzgetriebener war der Handel in den einzelnen Gattungen und umso kleiner der im Markt angezeigte Spread zwischen der Ankauf- und Verkaufsseite. Je weniger Handelsaufträge dem Makler im Buch vorlagen, desto mehr Risiko musste der Marketmaker zur Aufrechterhaltung eines liquiden Handels eingehen und desto größer waren die Spreads zwischen den Ankauf- und Verkaufspreisen.
Doch bereits in diesem Umfeld gab es erste technikaffine Handelsteilnehmer, die anfingen, den Computer und seine Rechnerleistung für das Agieren an den internationalen Finanzplätzen zu nutzen. Es waren zuerst insbesondere die Terminhandelsmärkte, die diesen Einsatz zu spüren bekamen. Arbitrageansätze zwischen den einzelnen Handelsplätzen waren zu jener Zeit sehr beliebt, und so wurden die semiautomatischen Handelssysteme darauf getrimmt, Preisunterschiede zwischen den einzelnen Börsen zu lokalisieren und Signale an die Arbitragehändler zu senden. Diese nutzten die Informationen für den eigenen Handel aus, um die Preisunterschiede zwischen den einzelnen Börsenplätzen zur Gewinnerzielung arbitrieren zu können. Dabei war aber meist noch der Faktor Mensch mit von der Partie und musste zumindest am Ende der Handelskette als Handelspartner gegenüber den Marketmakern auftreten. Die Börsenbetreiber hatten damals noch nicht erkannt, wie wichtig es für die sogenannten Algo-Trader war, dass die Handelsausführung ebenfalls elektronisch übermittelt werden konnte.
Das zweite gängige Handelsmodell war zu dieser Zeit das Auslesen des elektronischen Orderbuchs der institutionellen Handelsplätze. Dabei wurde die Orderbuchlage der elektronischen Handelsplätze, auf denen sich aufgrund der Regeln und Vorgaben nur Großanleger tummelten, elektronisch erfasst, und die jeweiligen Überhänge der Kaufund Verkaufsseiten wurden genutzt, um eine Vorhersage treffen zu können, ob der Kauf- oder Verkaufsdruck in der entsprechenden Gattung jeweils größer war. Die kurzfristigen Überschneidungen der jeweiligen Orderbuchsituation wurden dann für eine Zeitarbitrage genutzt. Die Algo-Trader gingen davon aus, dass die institutionellen Marktteilnehmer wesentlich besser informiert waren und daher den klassischen Retailorder-Flow und die Marktteilnehmer an den Parkettbörsen einfach überrollen würden. In manchen Fällen wurde dann auch einfach der entsprechende Block auf dem elektronischen Handelssystem bedient und die jeweilige Gegenseite auf den Parkettbörsen abgearbeitet. Dies war eher eine Art elektronisch getriebener Blockhandel als reine Arbitrage.
So langsam kamen die Algo-Trader immer mehr ins Spiel, wobei der Definition nach ein Algo-Trader jemand ist, der algorithmischen Handel mit Finanzinstrumenten betreibt, bei denen ein Computeralgorithmus automatisch über die Ausführung und die Parameter des Auftrags entscheidet. Ausgenommen davon sind ausdrücklich Systeme, die Aufträge nur bestätigen oder an andere Handelsplätze weiterleiten. Damit war die damalige Handelssystematik eher eine Mischform aus den beiden beschriebenen Ansätzen. Für die Regulierer waren die Algo-Trader noch kein Grund, in diesem Bereich restriktive gesetzliche Maßnahmen zu erlassen. Zu exotisch war das Vorgehen und zu gering der Handelsanteil dieser noch kleinen Gruppe.
Die meisten Handelsteilnehmer interessierten sich ohnehin nicht für diese kleine Randgruppe. Das große Geld wurde in Form von Gebühren auf der Börsenseite, durch Courtage bei den Makler- und Marketmaker-Häusern und durch Transaktionskosten bei den Brokern/Dealern verdient. Zudem befand sich die Börse in den Jahren 1997 bis 2001 in einer Art Ausnahmezustand und ermöglichte es vielen Handelsteilnehmern, durch den starken vorherrschenden Trend viel Geld mit aktivem, diskretionärem Trading zu verdienen. Wer kümmert sich in solch einer heilen Börsenwelt schon gern um die Wadenbeißer, die sich nur um die Kuchenkrümel schlagen und eigentlich nicht an den wirklich großen Börsenkuchen heranwollen? Doch diese überhebliche Einstellung sollte sich bald als falsch erweisen und in den späteren Jahren zu einer drastischen Veränderung der Börsenlandschaft führen. Diese Veränderung kehrte so ziemlich alles um, was den damaligen Verhältnissen und Vorstellungen eines modernen Börsenhandels entsprochen hatte. In den vergangenen Jahren wurde der Handel wesentlich schneller, und das Handelsvolumen explodierte förmlich. Dabei entstanden netto nicht mehr Aktionäre oder größere Depots, sondern die Aktien und gehandelten Basiswerte wurden lediglich öfter umgeschlagen. Die Spreads wurden dadurch kleiner, und die Annahme der Wirtschaftswissenschaft eines vollkommenen Marktes kam der Realität nie näher. Für die volkswirtschaftliche Betrachtung hat der algorithmische Hochfrequenzhandel keine wirkliche Bedeutung. Die Unternehmen kommen weder schneller an frisches Kapital noch führen die engeren Spreads tatsächlich zu einer Entlastung der Kostenseite bei den institutionellen Investoren. Darauf werde ich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal genauer eingehen.
Es ist somit an der Zeit, sich mit den Veränderungen und Gegebenheiten an den internationalen Finanzmärkten auseinanderzusetzen. Wer sich am Trading versucht und sich selbst als Einsteiger bezeichnet, sollte verstehen, wie der moderne Wertpapierhandel funktioniert. Wer bereits seit einiger Zeit im Handel aktiv ist und sich wundert, warum sich die Märkte so gravierend verändert haben, wird in diesem Buch einige Begründungen dafür finden. Wer sich selbst als professioneller Trader und Investor bezeichnet oder sogar Kundengelder verwaltet und mit Drittgeldern tradet, der muss dieses Buch lesen. Die von mir zuletzt erwähnte potenzielle Lesergruppe ist davon am stärksten betroffen. Wer jeden Tag aktiv im Markt tätig ist und immer wieder nach Chancen und Trading-Möglichkeiten Ausschau hält, kommt gar nicht dazu, sich mit den Änderungen und Neuerungen an den Finanzmärkten zu beschäftigen. Die Wirtschaftsberichterstattung ist dabei auch nicht sonderlich hilfreich, da sich die Journalisten auf die reißerischen Aspekte konzentrieren und diese zusätzlich so weit herunterbrechen müssen, dass sie von der breiten Leserschar verstanden werden.
Der moderne algorithmisch gesteuerte Wertpapierhandel, insbesondere im hochfrequenten Bereich, wird von anderen Parametern bestimmt als der originäre Handel, wie er von den klassischen Retailkunden betrieben wird. Als Retailkunden werden im Investmentbanking alle Kunden und Marktteilnehmer bezeichnet, die in Deutschland als klassische Privatanleger bezeichnet werden. Der Begriff umfasst die gesamte Privatanlegerschaft und bezieht somit auch den Fondsanleger, den Zertifikatekäufer und den Versicherungsnehmer ein. Das wird im späteren Verlauf noch wichtig werden, um verstehen zu können, wer im Endeffekt die Folgen des technologischen Wandels an den Wertpapierbörsen und die teilweise weiterhin nicht vorhandene Kenntnis des kleinen Feldes des Hochfrequenzhandels ausbaden muss.
Ein Kabel, das einen Meter zu lang ist, kann bereits zu nachhaltigen Misserfolgen eines Handelsmodells führen. Kursdaten, die nicht ordentlich aufbereitet und gut von den Handelssystemen verarbeitet werden können, führen unweigerlich zu Nachteilen und falschen Vorstellungen. Viel schlimmer noch: Risiken werden vollkommen falsch eingeschätzt beziehungsweise gar nicht erst erkannt. Ich habe in den vergangenen Jahren viele Handelsstrategien gesehen, die auf dem Papier durch hervorragende Performancezahlen glänzten. Doch meistens beinhalteten sie unsaubere Kursdaten, welche die tatsächlichen Drawdowns der entsprechenden Ansätze nicht aufzeigten oder zu Ghosttrades führten, die in der Realität nicht umsetzbar gewesen wären.
Frühere einwandfrei laufende Scalping-Ansätze funktionieren heute nicht mehr, weil der Markt die eigenen Aufträge nicht mehr ausführt. Dabei bedeutet der aus dem Englischen stammende Ausdruck „Scalping“ im Deutschen das Herausschneiden von kleinen Kursdifferenzen. Ein Scalper nutzt dabei die Kursbewegungen an den Handelsmärkten, um bereits mit kleineren Veränderungen Trading-Profite zu erzielen. Bei niedriger Volatilität kommen bei den Trades somit kleinere Trading-Gewinne heraus. Wenn der Markt jedoch durch hohe Volatilität in Bewegung versetzt wird, kann ein guter Trader auch schnell und häufig höhere Trading-Gewinne generieren. Der ehemalige Scalper trifft in seinem Markt auf Marktteilnehmer, die genau diese Ansätze in wesentlich schnellerem Umfang und mit technischer Raffinesse umsetzen. Es ist wie im Kampf zwischen David und Goliath, wobei der Titan in diesem Fall von der geringeren Geschwindigkeit gekennzeichnet ist und die Rolle des David einnimmt.
Seit dem Siegeszug des Internets muss sich auch der Handel insgesamt einem massiven Wandel unterwerfen. Insbesondere an den internationalen Finanzmärkten erlebte der Handel einen nie da gewesenen Paradigmenwechsel und eine gleichzeitige Demokratisierung. Immer mehr Handelsteilnehmern aus allen sozialen Schichten und verschiedenen Ländern wurde es möglich, über Banken und Brokerhäuser an den entsprechenden Handelsplätzen miteinander zu handeln. Das Handelsvolumen nahm stark zu, und damit veränderte sich auch das Wesen des Wertpapierhandels in vielen Detailbereichen. Der Anlage-Aspekt rückte vermehrt in den Hintergrund und wich dem spekulativen Ansatz. Eines ist jedoch gleichgeblieben: der Drang, mit der Übernahme von Risikopositionen Profit zu erzielen. So ist beispielsweise bereits bei den japanischen Reishändlern im 18. Jahrhundert das Eingehen von spekulativen Leerverkaufspositionen bekannt.
Es gibt weltweit mehr als 130 Börsen, an denen Aktien, Anleihen, Derivate und andere Finanzinstrumente gehandelt werden. Einige der größten und bekanntesten Börsen sind die New York Stock Exchange (NYSE) und die Nasdaq in den USA, die Tokyo Stock Exchange (TSE) in Japan, die Shanghai Stock Exchange (SSE) und die Shenzhen Stock Exchange (SZSE) in China, die Hong Kong Stock Exchange (HKEX) in Hongkong, die London Stock Exchange (LSE) in Großbritannien, die Euronext in Europa und die Bombay Stock Exchange (BSE) in Indien.
Abb. 1.1:
Die Top 10 der größten Handelsplätze nach Marktkapitalisierung im Jahr 2021
Abb. 1.2:
Die Top 10 der größten Handelsplätze nach Handelsvolumen im Jahr 2021
Abb. 1.3:
Die international wichtigsten Handelsplätze nach Handelsvolumen im Vergleich. Der deutsche Handelsplatz spielt kaum eine Rolle.
Zunächst sollten Sie also verstehen, auf was für einem rutschigen Parkett Sie sich heute bewegen. Früher gab es an den Börsen nur den Präsenzhandel, und dieser fand in mit Parkett ausgelegten Handelssälen statt. Dort gab es eigene Usancen und Sprachen. Für Nichtbörsianer war es oft nicht möglich, die mit Handzeichen und eigentümlicher Ausdrucksweise versehenen Handelsusancen verstehen zu können. Das hat sich heute mit der Verlagerung in den digitalen Raum nicht groß geändert. Etliche Orderarten, Begrifflichkeiten, Abkürzungen, Usancen und Fachtermini gilt es ebenfalls zu beachten, um nicht bereits zu Beginn der Anlagekarriere Schiffbruch zu erleiden. Des Weiteren gibt es viele rechtliche Vorschriften und Gesetze, die eine wichtige Rolle spielen.
Die Regulatorik hat sich insbesondere nach der Hypothekenbankkrise in den Jahren 2007/2008 verschärft. Das reicht von dem Abschirmungsgesetz zur Abwicklung von Kreditinstituten bis zum Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG), von der Agentennachweisverordnung (AgNwV) bis zur Zahlungskonto-Identitätsprüfungsverordnung (ZIdPrüfV). Mit wenigen Gesetzen und Vorschriften haben Sie als Handelsakteur direkt zu tun. Mit einigen werden Sie jedoch im Laufe Ihrer Investoren- oder Trader-Karriere indirekt in Kontakt kommen.
Insbesondere das Börsengesetz (BörsG), das Depotgesetz (DepotG), das Einlagensicherungsgesetz (EinSiG), das Geldwäschegesetz (GwG) und das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) spielen eine wichtige Rolle für Sie. Sowohl bei der Wahl des richtigen Brokers oder der richtigen Bank als auch beim späteren Agieren an den Finanzmärkten in Deutschland treten diese Gesetze in Erscheinung.
Finanzmärkte sind also Orte, an denen Käufer und Verkäufer zusammenkommen, um mit Finanzinstrumenten wie Aktien, Anleihen, Währungen und Rohstoffen zu handeln. Diese Märkte haben sowohl geschriebene als auch ungeschriebene Gesetze, die Sie beachten oder zumindest kennen sollten. Die Märkte können in zwei Hauptkategorien unterteilt werden: die Primär- und die Sekundärmärkte.
An den Primärmärkten, auch als Neuemissionsmärkte bezeichnet, werden neue Wertpapiere ausgegeben und zum ersten Mal an Anleger mittels Wertpapieremission verkauft. Dies geschieht in der Regel durch einen Börsengang (IPO) für Aktien oder einer Neuemission für Anleihen. Bei beiden Emissionsformen wird zusätzlich zwischen dem Fremdplatzierungsgeschäft und dem Eigenplatzierungsgeschäft unterschieden. Wie die Bezeichnungen es schon ausdrücken, helfen bei dem Fremdplatzierungsgeschäft oftmals Investmentbanken und andere Finanzinstitute mit, die Wertpapiere an die Interessenten zu vermitteln. Beim Eigenplatzierungsgeschäft werden die Aktien von dem Unternehmen selbst über eine Investmentbank direkt an die Interessenten an der entsprechenden Börse abverkauft. Entsprechende Beispiele für diese Art des Gangs an die Börse waren die Unternehmen Spotify und Palantir.
Grundsätzlich nutzen alle Unternehmen und Regierungen die Primärmärkte, um Kapital für ihre Expansion oder andere geschäftliche beziehungsweise mit dem Regieren eines Landes verbundene Zwecke zu beschaffen.
Auf den Sekundärmärkten hingegen werden bereits emittierte Wertpapiere zwischen Anlegern gehandelt. Der bekannteste Sekundärmarkt ist der Aktienmarkt, auf dem Aktien öffentlich gehandelter Unternehmen gekauft und verkauft werden. Weitere Beispiele für Sekundärmärkte sind der Anleihemarkt und die Rohstoffmärkte.
Die meisten Privatanleger fokussieren sich zuerst auf den Aktienmarkt – und das nicht zu Unrecht, denn er ist einer der global bekanntesten und meistbeachteten Finanzmärkte. Hier werden Aktien öffentlich gehandelter Unternehmen gekauft und verkauft. Die beiden wichtigsten Aktienmärkte in den Vereinigten Staaten sind die New York Stock Exchange (NYSE) und die Nasdaq. In Europa gehören die Finanzplätze Frankfurt mit dem Xetra-System, Paris mit dem Börsenzusammenschluss Euronext und der Finanzplatz London dazu. International nehmen die Börsen in Japan (Tokio und Osaka) und die Handelsplätze in China (Shenzhen, Schanghai und Hongkong) wichtige Rollen im internationalen Finanzgeschäft ein.
An den Anleihemärkten hingegen werden Anleihen, das heißt Schuldverschreibungen von Unternehmen und Regierungen, gehandelt. Anleihen werden in der Regel mit einem festen Zinssatz und einem Fälligkeitsdatum ausgegeben und können sowohl auf dem Primär- als auch auf dem Sekundärmarkt gehandelt werden. Dieser Handel findet derzeit vorwiegend abseits der offiziellen Handelsplätze statt. Im sogenannten Interbankenhandel wechseln börsentäglich umgerechnet circa zwei bis vier Billionen Euro in Anleiheform ihre Besitzer. Der internationale Anleihemarkt ist vom Handelsvolumen etwa sieben- bis achtmal größer als der internationale Aktienmarkt und ist dadurch von wesentlich größerer Bedeutung.
An den Rohstoffmärkten werden Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse umgeschlagen. Dazu gehören Rohstoffe wie Gold, Öl, Weizen und Mais. An den Rohstoffmärkten können Terminkontrakte gehandelt werden, das heißt Vereinbarungen über den Kauf oder Verkauf eines bestimmten Rohstoffs zu einem bestimmten Preis und Datum in der Zukunft. Somit werden keine physischen Produkte gehandelt. Hier gilt es, insbesondere auf die verschiedenen Rollen der Marktteilnehmer zu achten. Neben den Banken und Finanzinstituten spielen auch große Industrieunternehmen eine entscheidende Rolle bei der Preisfindung.
Auf dem Devisenmarkt, auch bekannt als Forex-Markt (FX), werden Währungen gekauft und verkauft. Er ist mit einem täglichen Handelsvolumen von über fünf Billionen US-Dollar der größte Finanzmarkt der Welt.
Neben diesen traditionellen Finanzmärkten gibt es auch aufstrebende Märkte wie den Kryptowährungsmarkt, an dem digitale Währungen wie Bitcoin und Ether gehandelt werden. Diese Märkte sind relativ neu und können sehr volatil sein, weshalb sie einen anderen Ansatz und ein anderes Maß an Vorsicht erfordern. Oft fehlt es an gesetzlichen Regulierungen und der Handel findet dezentral an vielen verschiedenen Krypto-Handelsplätzen statt. Die derzeit größten internationalen Handelsplätze sind Coinbase und Binance. Andere Handelsplätze wie FTX oder Gemini sind jüngst unter großer medialer Begleitung in der Versenkung verschwunden und haben vielen Anlegern hohe Verluste beschert.
Insgesamt gibt es viele verschiedene Finanzmärkte, von denen jeder seine eigenen einzigartigen Merkmale und Risiken hat. Für Händler ist es wichtig, die Unterschiede zwischen diesen Märkten zu verstehen und die Märkte zu wählen, die ihren Anlagezielen und ihrer Risikotoleranz entsprechen. Strategien, die an Aktienmärkten funktionieren, müssen nicht zwangsläufig auch an den anderen Märkten positive Renditen bringen. Das ergibt sich unter anderem aus der jeweiligen Symptomatik und den vorherrschenden Handelsmechanismen.
Die Börse ist ein zentraler Marktplatz, an dem Händler und Anleger Wertpapiere wie Aktien, Anleihen, Optionen und Futures handeln können. Sie ist ein Ort, an dem Angebot und Nachfrage aufeinandertreffen und Preise für diese Wertpapiere festgelegt werden. Die Börse ist zudem ein wichtiger Indikator für die Wirtschaft und ihre Entwicklung im jeweiligen Land. Es gibt verschiedene Arten von Börsen auf der Welt, aber die meisten von ihnen haben ähnliche Funktionen und Merkmale wie etwa eine zentrale Stelle, an der Händler und Anleger zusammenkommen, um Wertpapiere zu kaufen oder zu verkaufen. Wie bereits beschrieben, hat sich diese Zentralisierung in die digitale Welt verlagert und findet auf den Servern der jeweiligen Börsenbetreiber statt. Spezielle Regeln und Vorschriften stellen sicher, dass der Handel fair und transparent abläuft. An der Börse können verschiedene Arten von Wertpapieren gehandelt werden, etwa Aktien, Anleihen, Optionen und Futures. Aktien sind Anteile an einem Unternehmen, Anleihen sind Schuldtitel, die von Unternehmen oder Regierungen ausgegeben werden. Optionen und Futures sind Derivate, die auf den Werten anderer Wertpapiere basieren. Die Zusammenführung der einzelnen Wertpapieraufträge erfolgt in der sogenannten Preis-/Zeitpriorität. Darauf gehe ich gleich noch etwas genauer ein.
Die Börse spielt eine wichtige Rolle in der Wirtschaft. Sie ist ein Indikator für das Vertrauen der Anleger in die Wirtschaft und ihre Entwicklung. Wenn die Börse steigt, bedeutet dies in der Regel, dass das Vertrauen der Anleger in die Wirtschaft wächst und umgekehrt. Die Börse kann auch Auswirkungen auf die Wirtschaft haben, da sie das Wachstum von Unternehmen fördert und die Finanzierung erleichtert.
Es gibt verschiedene Teilnehmer an der Börse, darunter Emittenten, Händler, Anleger und Regulierungsbehörden. Emittenten sind Unternehmen oder Regierungen, die Wertpapiere ausgeben. Händler handeln mit Wertpapieren, um Gewinne zu erzielen. Anleger kaufen und halten Wertpapiere, um ihr Portfolio zu diversifizieren und ihr Vermögen zu schützen und zu mehren. Regulierungsbehörden stellen sicher, dass die Börse fair und transparent ist und dass sich die Teilnehmer an bestimmte Regeln halten.
Insgesamt ist die Börse ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaft und bietet Anlegern und Händlern die Möglichkeit, Wertpapiere zu handeln und Risikokapital zu investieren. Es ist sehr wichtig, zu verstehen, dass institutionelle Anleger und Händler vorsichtig und sich über die Risiken an den globalen Finanzmärkten in Verbindung mit dem Wertpapierhandel stets im Klaren sind.
Die Börse ist nichts anderes als ein Marktplatz, auf dem die verschiedenen Arten von Wertpapieren wie Aktien, Anleihen, Optionen und Futures gehandelt werden. Sie funktioniert durch das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage, um Preise für diese Wertpapiere festzulegen. Jeweils nach den grundlegenden Kriterien der Preis- und Zeitpriorität werden die Handelsaufträge, die sogenannten Orders, auf den elektronischen Handelssystemen gematcht.
Die meisten Börsen haben einen physischen oder digitalen zentralen Ort, an dem Händler und Anleger zusammenkommen, um untereinander Wertpapiere zu handeln. Diese werden von Marketmakern in einem Orderbuch (Skontro) notiert, das alle Kauf- und Verkaufsaufträge der Teilnehmer in dem jeweiligen Wertpapier enthält. Wenn sich ein Käufer und ein Verkäufer auf einen Preis einigen, wird der Handel abgeschlossen und die Wertpapiere wechseln den Besitzer. Die Verrechnung der Geldzahlung und die Verlagerung der entsprechenden Wertpapiere erfolgt elektronisch. Dafür gibt es auf die Wertpapierabrechnung spezialisierte Institutionen, mit denen die Marktteilnehmer entsprechende Dienstleistungsverträge oder auch Geschäftsbesorgungsverträge abgeschlossen haben.
Der Wertpapierhandel funktioniert ausschließlich durch Angebot und Nachfrage. Wenn die Nachfrage nach einem bestimmten Wertpapier höher als das Angebot ist, steigt in der Regel der Preis – und umgekehrt. Eine zentrale und wichtige Rolle spielt dabei das jeweilige Handelsvolumen. Die Preisgestaltung von Wertpapieren an den Börsen wird von vielen externen Faktoren beeinflusst, zum Beispiel von der Leistung von Unternehmen, von Wirtschaftsdaten, politischen Ereignissen und anderen Faktoren, die das Vertrauen der Anleger beeinflussen. Sollten sich die Marktteilnehmer bei den Preisvorstellungen nicht treffen können, wird auch kein Börsenpreis festgestellt und die Wertpapiere wechseln nicht den Besitzer. Der Wertpapierhandel ist an den meisten Handelsplätzen geregelt und folgt bestimmten Regeln und Vorschriften, die sicherstellen, dass der Handel fair und transparent abläuft. Hierbei spielen Regulierungsbehörden und Ratingagenturen, die die Unternehmen überwachen und bewerten, eine wichtige Rolle.
Den Teilnehmern fällt eine wichtige Rolle bei der Preisbildung und dem Handel von Wertpapieren zu. Insgesamt lassen sich die Parteien in aktive und passive Marktteilnehmer einteilen. Die aktiven Marktteilnehmer platzieren ihre Wertpapieraufträge an den Finanzmärkten und lassen sich wiederum in Retailkunden und institutionelle Investoren unterteilen. Das ist speziell an den Finanzmärkten in den USA wichtig, da den jeweiligen Marktakteuren dadurch unterschiedliche Möglichkeiten zugestanden werden. Auch in Deutschland gelten Retailkunden (Privatkunden) als besonders schutzwürdig, sie dürfen einige Wertpapiergattungen entweder gar nicht oder nur eingeschränkt handeln. Bei den passiven Marktteilnehmern handelt es sich im weitesten Sinne um Analysten, Journalisten, Medienvertreter et cetera. Diese Teilnehmer bestimmen durch ihr Verhalten das Marktgeschehen mit, nehmen aber nicht direkt, etwa durch Wertpapieraufträge, Einfluss auf die Kursfeststellungen an den Handelsplätzen. Auch hier gelten bestimmte Vorgaben und Vorschriften, da die Interaktionen der Teilnehmer teilweise zu erheblichen Kursbeeinflussungen führen können.
Wer sind die klassischen Anleger? Das sind Sie! Marktteilnehmer, die Geld in den Markt investieren, um Gewinne zu erzielen. Sie können in verschiedene Arten von Wertpapieren investieren. Anleger können Privatpersonen, Unternehmen oder institutionelle Investoren wie Pensionsfonds, Banken und Versicherungen sein.
Wer sind die professionellen Händler? Das sind in der Regel Broker, Bankangestellte in den Wertpapierhandelsabteilungen von Investmentbanken oder Marketmaker, die auf eigene Rechnung handeln oder im Auftrag ihrer Kunden agieren. Sie kaufen und verkaufen Wertpapiere, um Gewinne aus Preisunterschieden zu erzielen. Sie sind auch verantwortlich für die Bereitstellung von Liquidität und die Aufrechterhaltung des Handelsvolumens.
Eine weitere wichtige Teilnehmergruppe insbesondere am Primärmarkt sind die bereits erwähnten Emittenten. Sie können Aktien, Anleihen oder andere Arten von Wertpapieren ausgeben. Emittenten sind verpflichtet, Finanzinformationen und andere relevante Informationen zu veröffentlichen, die für Anleger und Händler von Interesse sein können.
Mit Abstand die wichtigsten und zugleich größten Marktteilnehmer sind die Investmentbanken. Das sind Finanzinstitute, die bei der Ausgabe von Wertpapieren helfen und sie an Investoren verkaufen. Sie können auch als Marketmaker fungieren und den Markt mit Liquidität versorgen. Investmentbanken bieten auch Finanzdienstleistungen wie Mergers & Acquisitions, Unternehmensfinanzierung und Vermögensverwaltung an. Die aktuell größten und bekanntesten Vertreter aus den USA sind zum Beispiel J.P. Morgan, Goldman Sachs und Morgan Stanley. Aus Europa sind hier vor allem BNP Paribas, die Société Générale, die Commerzbank AG und die Deutsche Bank AG zu nennen. Der Markteinfluss und die internationale Bedeutung haben sich seit 2008 sehr stark zu Ungunsten der europäischen Banken verändert.
Insbesondere in den Jahren 2007/2008 und während der Eurokrise in den Jahren 2010/2011 haben die Ratingagenturen die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer auf sich gezogen. Sie bewerten die Kreditwürdigkeit von Emittenten und geben Ratings für ihre Wertpapiere aus, die die Nachfrage nach den Wertpapieren und ihren Preis beeinflussen. Diese Ratings werden von Anlegern und Händlern bei der Entscheidung, in welche Wertpapiere sie investieren möchten, berücksichtigt. Drei Ratingagenturen kontrollieren den globalen Markt fast komplett: Moody’s, S&P und Fitch & Co. In China wächst Dagong Global Credit zunehmend zu einem Konkurrenten heran.
Für eine Art Gleichgewicht an den Finanzmärkten und die Aufsicht über einen geregelten Handelsverlauf sorgen die Regulierungsbehörden, die den Markt überwachen und regulieren, um Fairness und Transparenz sicherzustellen. Darüber hinaus sind sie für die Vorschriften zuständig. In den USA gehören die Securities and Exchange Commission (SEC) und in Deutschland die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu diesen Behörden.
Keine direkten Marktteilnehmer, aber wichtig für die Handelsaktivitäten an den Finanzmärkten, sind die Medien in jeglichen Formaten. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Nachrichten und Informationen über den Markt und die Emittenten. Sie können Nachrichten über Unternehmensgewinne, Fusionen und Übernahmen, Regierungspolitik und andere Faktoren veröffentlichen, die den Markt beeinflussen, Diese Nachrichten beeinflussen die Nachfrage nach Wertpapieren und ihren Preis und sind daher für Anleger und Händler von Interesse. Man muss bei den Medien zwischen Nachrichtenagenturen, Verlagen und Portalen beziehungsweise klassischen Medienkanälen und Portalen unterscheiden. International zählen Bloomberg, Reuters und Dow Jones Newswire zu den größten Anbietern. In Europa sind dpa-AFX, AWP, AFP und die Börsenmedien AG mit ihren vielen Finanzmarktformaten bekannt.
Insgesamt spielen diese Teilnehmergruppen eine wichtige Rolle bei der Preisbildung und dem Handel von Wertpapieren an den internationalen Handelsplätzen. Die Grundlage des Handels ist eine faire und transparente Preisbildung, um das Vertrauen der Anleger und Händler in den Markt zu gewährleisten. Regulierungsbehörden und Ratingagenturen sind wichtige Institutionen, die sicherstellen, dass der Markt fair und transparent bleibt und dass die Emittenten von Wertpapieren angemessene Ratings erhalten. Investmentbanken und Händler können den Markt mit Liquidität versorgen und helfen, den Handel von Wertpapieren am Laufen zu halten.
In diesem Gesamtkontext ist es auch wichtig, zu verstehen, dass die Teilnehmer an der Börse nicht immer im Einklang handeln. Zum Beispiel können Emittenten versuchen, den Preis ihrer zu platzierenden Wertpapiere zu erhöhen, während Investoren und Händler versuchen, den Preis zu drücken. Anleger müssen daher sorgfältig abwägen, welche Informationen und Faktoren den Markt beeinflussen können und wie sich dies auf ihre Anlageentscheidungen auswirken kann.
