Erkenntnistheorie - Harald Schöndorf - E-Book

Erkenntnistheorie E-Book

Harald Schöndorf

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Beschreibung

"Was können wir wissen?" ist nach Immanuel Kant die erste der Fragen, die die Philosophie beschäftigen. Wie aber können wir zu wahrer Erkenntnis gelangen und wie lässt sich Gewissheit über diese Wahrheit gewinnen? Die klassische Antwort verweist zunächst auf die Erkenntnis der Existenz meiner selbst, sodann auf die Erkenntnis anderer Personen und Objekte, wobei nach dem Spezifischen der menschlichen Sprache, nach ihrer Bedeutung und ihrer Bezugnahme auf die Objekte zu fragen ist. Danach sind die Prinzipien jeglicher Erkenntnis zu erörtern: Vermeidung des Widerspruchs, Kausalität und Teleologie. Schließlich stellt sich die Frage nach dem Wesen der Wahrheit: Welche Antworten geben hier zeitgenössische "Wahrheitstheorien"? Einige dieser Theorien, wie etwa die Pragmatische Wahrheitstheorie, wollen ein universal anwendbares Kriterium angeben, das uns die Wahrheit einer Erkenntnis zu garantieren vermag. Doch schon Kant hat gezeigt, dass es ein solches Kriterium aufgrund der unterschiedlichen Art des Erkennens nicht geben kann.

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Seitenzahl: 374

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Grundkurs Philosophie

Der Grundkurs Philosophie in den Urban-Taschenbüchern gibt einen umfassenden Einblick in die fundamentalen Fragen heutigen Philosophierens. Er stellt die wichtigsten Bereiche der Philosophie systematisch dar; ergänzend gibt er eine Übersicht über ihre Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart. Anliegen des Grundkurses ist es, den Einstieg in die Philosophie zu ermöglichen und zu eigenständigem Denken anzuregen. Besonderer Wert wird deshalb auf eine verständliche Sprache und eine klare Gliederung der Gedankenführung gelegt; zu allen Abschnitten ist weiterführende Literatur angegeben. Koordination: Godehard Brüntrup und Michael Reder.

 

Band 1

Gerd Haeffner

Philosophische Anthropologie

 

Band 2

Harald Schöndorf

Erkenntnistheorie

 

Band 3

Godehard Brüntrup

Metaphysik

 

Band 4

Friedo Ricken

Allgemeine Ethik

 

Band 5

Josef Schmidt

Philosophische Theologie

 

Band 6

Friedo Ricken

Philosophie der Antike

 

Band 7

Rolf Darge

Philosophie des Mittelalters

 

Band 8,1

Heinrich C. Kuhn

Philosophie der Renaissance

 

Band 8,2

Harald Schöndorf

Philosophie des 17. und

18. Jahrhunderts

 

Band 9

Emerich Coreth/Peter Ehlen/Josef Schmidt

Philosophie des 19. Jahrhunderts

 

Band 10

Peter Ehlen/Gerd Haeffner/Friedo Ricken

Philosophie des 20. Jahrhunderts

 

Band 11

Heinrich Watzka

Sprachphilosophie

 

Band 12

Hans-Dieter Mutschler

Naturphilosophie

 

Band 13

Friedo Ricken

Sozialethik

 

Band 14

Norbert Brieskorn

Rechtsphilosophie

 

Band 15

N. N.

Geschichtsphilosophie

 

Band 16

Günter Pöltner

Philosophische Ästhetik

 

Band 17

Friedo Ricken

Religionsphilosphie

 

Band 18

Winfried Löffler

Einführung in die Logik

 

Band 19

Norbert Brieskorn

Sozialphilosophie

Harald Schöndorf

Erkenntnistheorie

Grundkurs Philosophie 2

Verlag W. Kohlhammer

1. Auflage 2014

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Satz: Andrea Siebert, Neuendettelsau

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-025215-8

E-Book-Formate:

pdf:      ISBN 978-3-17-025216-5

epub:   ISBN 978-3-17-025217-2

mobi:   ISBN 978-3-17-025218-9

Für den Inhalt abgedruckter oder verlinkter Websites ist ausschließlich der jeweilige Betreiber verantwortlich.

Die W. Kohlhammer GmbH hat keinen Einfluss auf die verknüpften Seiten und übernimmt hierfür keinerlei Haftung.

Inhaltsverzeichnis

A.   Was ist Erkenntnistheorie?

B.   Die Infragestellung der Erkenntnistheorie

I.  Reduktionistisch: Naturalismus

1.     Naturwissenschaft und Philosophie

a)        Zurückweisung des Reduktionismus

b)        Was wird erklärt?

2.     Evolutionäre Erkenntnistheorie

a)        Hypothetischer Realismus

b)        Struktur der Argumentation

II. Philosophisch: Skepsis

1.     Die radikale Skepsis

2.     Freiheit und Vernunft bedingen einander

3.     Exkurs: Verteidigung der Willensfreiheit

4.     Irrtum

C. Selbstgewissheit, Personen- und Welterkenntnis

I.  Die Gewissheit meiner eigenen Existenz

1.     Aufweis

2.     Problematisierung

3.     Zusammenhang von Ich und Welt

II.  Die Erkenntnis anderer Personen

1.     Verschränkt mit der Erkenntnis meiner selbst

2.     Erkenntnis anderer ist Anerkennung

3.     Sprache

D.  Analyse der Erkenntnis

I.  Charakterisierung der Erkenntnis

1.     Erkennen – Wollen – Fühlen

2.     Ganzheitlich und vieldimensional

3.     Sinnliche und geistige Erkenntnis

4.     Begriffsbestimmung der Erkenntnis

5.     Wissen und Vertrauen

6.     Exkurs: Gegenwart

II.  Begriff, Bedeutung, Vorstellung

1.     Begriff

2.     Bedeutung

3.     Vorstellung

4.     Einige weitere Termini

E. Kritische Auseinandersetzung mit anderen Positionen

I.  Nichtrealistische Positionen: Solipsismus, Idealismus und radikaler Konstruktivismus

II.  Kritische Positionen

1.     Kant

2.     Kritischer Rationalismus

F.  Erkenntnisprinzipien

I.  Terminologie

II.  Satz vom Widerspruch

III.  Satz vom Grund und Kausalität

1.     Wirk- und Zielursache, Formal- und Materialursache

2.      Kausalität

IV. Teleologie (Finalität)

V.  Modalitäten

G.  Wahrheit

I.  Bedeutungen von „Wahrheit“ und „wahr“

II.  Vorüberlegungen

III.  Die klassische Wahrheitsauffassung

IV.  Andere Wahrheitsauffassungen

1.     Erfüllung einer Intention

2.     Redundanz- oder Eliminationsauffassung

3.     Wahrheit als Offenbarkeit

4.     Zutreffen

5.     Performative Wahrheitsauffassung

6.     Tarskis semantische Wahrheitstheorie

7.     Kohärenztheorie

8.     Pragmatische Wahrheitsauffassung

9.     Konsens- oder Diskurstheorie

V.  Schlussbemerkung

Literatur

Namenregister

Sachregister

A. Was ist Erkenntnistheorie?

Der Ausdruck „Erkenntnistheorie“ kommt erst ca. 1830 auf. Aber schon in der Antike werden die Fragen der Erkenntnis behandelt. In der Moderne wird dann die Frage nach der Erkenntnis der Metaphysik vorangestellt. Dies geschieht vor allem bei Descartes. Locke sagt dann ausdrücklich, man müsse erst das menschliche Erkenntnisvermögen untersuchen, bevor man sich seinen Objekten zuwende. Ebenso macht es dann Kant. Seine „Kritik der reinen Vernunft“ ist eine kritische Untersuchung der menschlichen Erkenntnisvermögen.

Die Fragestellung der Erkenntnistheorie lässt sich in folgender Weise aufgliedern:

Analyse der Erkenntnis

Was ist Erkenntnis, und zwar speziell menschliche Erkenntnis? Welche Elemente lassen sich innerhalb der menschlichen Erkenntnis unterscheiden?

Wahrheit der Erkenntnis

Sind wir zu einer wahren Erkenntnis fähig? Erkennen wir die Wirklichkeit so, wie sie tatsächlich ist, oder ist unsere Erkenntnis ein von uns gemachtes Gebilde, das sich von der eigentlichen Wirklichkeit unterscheidet?

Die letztere Frage bedeutet bereits eine „Kritik“, d. h. eine kritische Untersuchung unseres Erkennens.

Erkenntnis der Erkenntnis

Als Untersuchung der Erkenntnis ist die Erkenntnistheorie Reflexion und richtet sich auf sich selbst. Damit unterscheidet sie sich von anderen philosophischen Disziplinen, die Erkenntnis von etwas anderem sind (der Grundstrukturen der Wirklichkeit, des Menschen, des rechten Handelns, Gottes, der Welt usw.).

B.    Die Infragestellung der Erkenntnistheorie

I.  Reduktionistisch: Naturalismus

1.  Naturwissenschaft und Philosophie

a)  Zurückweisung des Reduktionismus

Es ist naheliegend, diejenige Art von Erkenntnis als Muster und Methode für alles zu nehmen, die sich heutzutage wohl als die erfolgreichste erwiesen hat, nämlich die Naturwissenschaft. Wenn erkenntnistheoretische Fragen aber naturwissenschaftlich geklärt werden könnten, so würde es sich eben nicht mehr um Philosophie, sondern um Naturwissenschaft handeln. Denn Wortprägungen wie „Neurophilosophie“ sind ein hölzernes Eisen und ebenso widersinnig, wie wenn jemand soziologische Untersuchungen über das Rechtsbewusstsein der Bürger nicht als Soziologie, sondern als Rechtswissenschaft bezeichnen würde.

Zuerst soll darum die schärfste Gegenthese zu einer philosophischen Erkenntnistheorie behandelt werden, dass nämlich ihre Themen besser von der Naturwissenschaft geklärt werden können. Eine solche Auffassung, die alles durch die naturwissenschaftliche Forschung erklären will, nennt man Naturalismus. Dieser Naturalismus ist zugleich die gängige Form des Reduktionismus. Der Reduktionismus will eine höhere und komplexere Ordnung der Wirklichkeit völlig durch Rekurs auf eine niedere Ebene erklären und von ihr herleiten, will also das Höhere voll und ganz auf das Niedere zurückführen. Im Allgemeinen handelt es sich dabei um materialistische Theorien, die alles naturwissenschaftlich von der Materie herleiten wollen.

Die Attraktivität des Reduktionismus

Schon Descartes und Kant fanden es misslich, dass nur die Mathematik über eine sichere Methode verfügt, die Philosophie jedoch nicht. Man müsse darum endlich die Philosophie auch so zuverlässig und sicher machen wie die Mathematik und die Naturwissenschaften. Aber keine der in der Neuzeit entwickelten philosophischen Methoden und Theorien erwies sich als unumstößlich. Die naturwissenschaftlichen Methoden und Ergebnisse scheinen hingegen allgemein akzeptiert zu werden. Darum will man die philosophischen Fragen mit naturwissenschaftlichen Methoden beantworten, um so auch auf die philosophischen Fragen eine gesicherte Antwort zu erhalten.

Es wird eine Erklärung gesucht, die für alle Wirklichkeitsbereiche gleichermaßen zutrifft und ihren Zusammenhang erklären kann. Hierfür scheint sich die Evolutionstheorie zu eignen, da es sich gezeigt hat, dass sie sich von der Biologie auf die physikalisch-chemische Kosmologie übertragen ließ und sich als Erklärungsschema aller Prozesse zu eigenen scheint, die im Lauf der Geschichte Wandlungen durchgemacht haben.

Dies ist aber ein Trugschluss. Denn die Geschichte hat gezeigt, dass der wissenschaftliche Fortschritt nur dadurch möglich war, dass sich die verschiedenen Wissenschaften immer mehr ausdifferenziert haben. Dies bedeutet aber, dass es in der empirischen Forschung gerade nicht möglich ist, alles mit denselben Methoden zu erforschen und alles auf dieselben Grundlagen zurückzuführen.

Der vermeintliche Vorzug der Naturwissenschaft

Viele sehen den Vorzug der Naturwissenschaft darin, dass bei ihr der Grundsatz der Überprüfbarkeit durch andere gilt, während ich bei der philosophischen Reflexion nur den anderen auffordern kann, sie auf dieselbe Weise wie ich nachzuvollziehen. Es wird dann gerne gesagt, die Naturwissenschaft habe es mit Tatsachen zu tun, die Philosophie jedoch nicht. Dies stimmt aber nicht, denn die Ansammlung von Tatsachen ist noch keine Wissenschaft, sondern erst die daraus gezogenen Schlussfolgerungen, die wir Theorien nennen. Schlussfolgerungen sind aber keine Tatsachen, sondern Denkvorgänge, die irrtumsanfällig sind. Je komplexer Schlussfolgerungen sind, umso schwieriger ist es, sie zu überprüfen und ihre Wahrheit oder Falschheit nachzuweisen. Zudem ist alles geschichtliche Wissen (außer dem ganz wenigen Selbsterlebten) erschlossen, und dies gilt für die Geschichte des Kosmos oder des Lebens ebenso wie für jede menschliche Geschichte.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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