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Diese Erzählung beinhaltet Szenen aus dem Erdenleben des jungen Jesus vor dem Beginn seiner Lehrtätigkeit. Von Jesu Kämpfen und Versuchungen und dem Unverständnis seiner Umwelt gegenüber seiner großen Mission wird in anregenden und bewegenden Episoden berichtet.
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Seitenzahl: 123
Veröffentlichungsjahr: 2021
Besuch eines Römers und eines Priesters im Hause Josefs
Besuch des Laubhüttenfestes
Bei den Eltern des späteren Jüngers Johannes
Jakobus erzählt Erlebnisse mit Jesus
Erste Begegnung mit Ingra
Zweite Begegnung mit Ingra
Jesu Besuch als Heiland in Ingras Heimat
Im Hause Josefs war wieder der Friede eingekehrt, denn der Vater Josef fing an, Mariens Sohn freundlicher zu begegnen. Maria war voller Freude, denn längst hatte sie sich damit abgefunden, ihren Sohn so zu sehen, wie es Josef wünschte.
Ein römischer Kommissar betrat das Haus und fragte nach dem Zimmermann Josef. „Hier bist du recht“, antwortete Josef. „Ich bin bereit, dir zu dienen!“
Da sagte der Römer: „Lieber Freund, gerade zu dir wollte ich. Aber nun habe ich Unglück mit meinem Wagen gehabt. Ich brauche Hilfe, ein Rad ist gebrochen.“
„Da kann geholfen werden. Maria, rufe Joel herein, damit wir den Herrn zufrieden stellen können.“
Maria ging in die Werkstatt und rief Joel, der auch gleich mit in das Zimmer ging. Der Römer unterrichtete Joel über seinen Schaden und bat, er solle auch, solange die Arbeit dauert, für das Pferd sorgen.
Josef bot dem Römer ein freundliches Willkommen an und er solle, solange die Arbeit dauert, sein Gast sein.
In diesem Augenblick betrat Jesus den Raum und grüßte mit einem Kopfnicken. Josef sagte, mit der Hand nach Maria zeigend: „Das ist mein Weib und dieser ist mein Sohn.“
Maria sah dem Römer frei ins Gesicht. Dieser aber wendet sich zu Josef und spricht: „Dein Weib und dieser dein Sohn, das ist schwer zu glauben. Doch du bist ein Jude und römischer Bürger, da muss es wahr sein.“
Sich zu Jesus wendend, spricht er: „Junger Mann, wenn ich dich so ansehe, so möchte ich deinen Vater beneiden, denn mir haben die Götter noch keinen Sohn beschert. Machst du auch deinem Vater rechte Freude?“
Sagte Jesus: „Ich bemühe Mich, Meinem Vater rechte Freude zu machen. Aber Josef ist nicht Mein Vater.“
„Was, nicht dein Vater? Alter Freund Josef, was muss ich hören, er will dein Sohn nicht sein?“
„Es ist so, Jesus ist nicht mein Sohn. Es ist ein Geheimnis um Seine Geburt, aber Maria ist wirklich seine Mutter.“
„Das ist mir rätselhaft“, entgegnete der Römer. „Hoffentlich wirst du mir alles erklären über dieses junge Weib und diesen jungen Mann. Ich hielt beide für Geschwister.“
„Gern, lieber Herr, will ich dich aufklären, da es auch mir leichter wird, so ich einmal alles sagen darf, was mich so bedrückt.“
„Bist du unglücklich, lieber Freund, so ein junges, schönes Weib und einen so gesunden Sohn zu haben? Mann, versündige dich nicht, denn du scheinst wirklich das große Elend nicht zu kennen, das ich fast täglich erlebe. Hast du Grund zu klagen über deinen Ziehsohn?“
„Ja, und auch nein, lieber Herr. Er ist mitunter so schlimm, dass ich verzweifeln möchte. Was ich meinen Gott und Herrn schon angefleht habe, kannst du nicht ermessen.“
„Was muss ich hören, lieber Freund? Das musst du mir erklären. Verweigert Er dir den pflichtschuldigen Gehorsam?“
„Nein, lieber Herr, das ist es ja eben. Er ist fleißig, ernst, fast zu ernst. Aber Er weiß um alles besser denn ich und meine Söhne. Was aber das Schlimmste ist - Er geht nicht mit meinem Glauben. Sein Gott ist ein anderer denn der unsrige. Für Ihn gibt es keinen Tempel und Priester, und wehe denen, die Ihn eines anderen Sinnes machen wollen. Er ist eben ein Mensch, der nur einen Gott kennt, der in Seinem Inneren lebt. Er behauptet, mit dem zu verkehren, und es scheint mir oft, als hätte Er recht.“
Joel kam und meldete, dass er Pferd und Wagen versorgt habe. Aber vor morgen sei nicht daran zu denken, dass der Wagen fertig werde.
„Dann sei solange unser Gast, lieber Herr“, sagte Josef, „mir ist es sogar lieb. Vielleicht hast du Glück, mit Jesus zu sprechen; denn Er ist schweigsam, wenn Er nicht reden will.“
Der Römer: „Lieber Freund, vielleicht behandelst du deinen Ziehsohn doch nicht recht. Hast du Ihn noch nicht geprüft, dass Er fühlen muss, dass du das Beste mit Ihm willst? Junge Leute haben oft einen ganz anderen Sinn. Bist du noch nicht auf Seine Ideen eingegangen? Denn auch ich könnte nicht mit euren Priestern gehen, die das Gottesgebot nur von ihren Gläubigen verlangen, aber selbst nicht daran denken, es vor- und auszuleben. Darf ich einmal mit dir, junger Mann, sprechen? Ich fühle mich schon von Deiner Gegenwart so angezogen, dass ich Dich am liebsten mitnehmen möchte.“
Sagt Jesus: „Es tut Meinem Herzen ungemein wohl, aber erschrecke nicht über Meine Rede, denn niemals würde Ich Vater Josef und Meine Mutter verlassen, wenn es Mein ewiger Vater nicht wünschte.“
„Wer ist Dein ewiger Vater, oder darf ich es nicht wissen?“
„Doch, lieber Freund, du sollst es sogar wissen, denn Mein Vater in Mir will, dass du für heute unser Gast sein sollst. Denn durch Mich sollst du Meinen ewigen Vater kennen lernen, da Vater Josef denselben einfach ablehnt. Noch mehr, auch Meine Mutter und Meine Schwestern und Brüder dürfen Ihn nicht anerkennen, es sei Sünde gegen seinen Gott und ewigen Herrn Zebaoth.“
„Josef, du alter Freund, hast du noch nicht ernstlich geprüft? Hätte ich einen Sohn, wie diesen da, ich würde ihn prüfen auf Herz und Nieren. Ich kenne Moses, wie auch die Propheten. Ich kenne auch die Lehren unserer Götter. Ich konnte mich noch nicht entschließen, mich auf die Seite unserer oder eures Gottes zu stellen. Und warum? Weil ich etwas vermisse, was mein Inneres berührt. Ich will ganz offen zu dir sein. Die Gegenwart deines Ziehsohnes löst in mir etwas aus, was ich noch nicht erlebte und ich sage Dir ganz offen, mein junger Freund, der Du mich Freund nanntest, mit Dir möchte ich nicht rechten. Du hast etwas in Dir, dem ich nicht widersprechen möchte. Es muss wirklich in Dir etwas sein, weil Du in Deiner Armut bleiben möchtest. Ich bin reich an irdischen Gütern, habe viele Leibeigene, aber keinen Sohn und Erben und ein krankes Weib, das trotz aller Anstrengungen der Priester und großem Kostenaufwand nicht gesund werden will. Was nützt mir alles Vermögen, wenn mir die Freude in meinem Leben fehlt? O lieber Freund Josef, dank dem Himmel, um dich ist Gesundheit - du darfst dich freuen über dein junges Weib und deine gesunden Kinder.“
Sagt Jesus: „Lieber Freund, was würdest du sagen, so Ich dir sage: Deinem Weibe kann geholfen werden, wenn du alle deine Götter in einer tiefen Grube begraben und dich auf die Seite des Gottes der Juden stellen würdest.“
„Ich würde sagen, lieber Freund, Du rätst mir, ich solle mich auf die Seite des Gottes der Juden stellen und Du besuchst keinen Tempel und lehnst ihre Priester ab, wie mir Dein Nährvater sagte. Würdest du sagen: ‚Nimm Zuflucht zu meinem Gott‘, da würde ich nicht zögern. Wahrlich, Du wirst mir auch zu einem Rätsel. Nun sage mir offen: Wer, was und wie ist Dein Gott? Warum hast Du Deinen Brüdern und Eltern noch nicht verraten, wer, was und wie Dein Gott ist?“
„Freund, Ich will dir keine Antwort geben. Aber du, Vater Josef, gib du diesem Freund die Antwort, weil Ich dir nicht wehe tun will.“
Maria kam von der Küche herein und sagte: „Vater Josef, wollen wir nicht das Mahl einnehmen? Unser Gast wird hungrig sein. Es ist alles bereit.“
So wurde das einfache Mahl eingenommen. Josef betete nach seiner Art. Jesus aber schwieg. So verlief das Mahl still, nur die Söhne unterhielten sich nach dem Essen über eine Arbeit und baten Josef, Jesus solle in der Werkstatt mithelfen, sonst würde die Arbeit nicht fertig werden. Josef kam der Bitte seiner Söhne nach und schweigend ging Jesus mit seinen Brüdern in die Werkstatt.
Der Römer war nun mit Maria und Josef allein. Da sagte er: „Nun bitte ich dich, lieber Freund Josef, gib mir die Antwort, die ich von deinem Sohn erwartete.“
„Was soll ich dir antworten? Meinen Gott kennst du aus Moses und den Propheten, an den halte ich mich. Er war mir bisher alles und in Ehren bin ich alt und grau geworden. Wahrlich, ich genieße eine Achtung von all denen, die im Tempel zur Ehre Gottes und für Ihn schaffen. Aber es ist vieles anders geworden. Gottes Kraft hat nachgelassen. Wo sind die Erlebnisse aus Gott bei und nach der Geburt Jesu. Wie wurde ich geführt und getragen - und heute? O lieber Freund, was soll ich noch sagen. Mit Jesus komme ich nicht mit. Das Schlimmste für mich ist aber dies: Jesus hat recht mit Seinem Gott, den Er in sich fühlt, der Ihm Anweisungen Seines Handelns gibt. Ich rang schlimmer als Jakob um das Ende dieses Zustandes - und es ist alles Ringen und Beten vergeblich geblieben. Wie oft schrie ich zu meinem Gott und Herrn. Aber er blieb stumm und Jesus ging, wie ohne jegliches Mitleid, Seine eigenen Wege, sehr zum Leidwesen Seiner Mutter. O ich könnte dir Dinge erzählen, die unglaublich klingen. Als ich Zuflucht suchte bei unseren Priestern, da erlebte ich Schreckliches. Nur da, wo man Ihn zu verstehen suchte, ging es gut aus. Aber wenige waren es. Die Wenigen aber fürchteten Ihn wie die Pest, weil ein jedes gesprochene Wort auch schon eine Tat war.“
„Aber, lieber Freund Josef, ich begreife dich nicht. Wenn du alle diese Dinge recht bedacht hättest, müsstest du doch auf andere Schlüsse kommen. Hast du niemals gedacht, dass dein Sohn doch Recht hätte mit Seinem Gott, dem Er hörig ist? Du scheinst kein Menschenkenner zu sein, denn dein Sohn Jesus flößt mir ein Vertrauen ein, wie ich es an wenigen Menschen erlebt habe. Und bedenke, mit welcher Bestimmtheit Er sagte, wenn ich mich auf die Seite des Gottes der Juden stellte, würde mein Weib wieder gesund. Welcher Gott ist nun der wahre und rechte - dein Gott oder der Gott, dem Jesus hörig ist?“
„Freund, ich bin geschlagen. Es ist nur ein Gott, und an einen anderen Gott zu glauben, verbietet mir mein Glaube, der im Gesetz verankert ist.“
„Freund Josef, ich bitte dich, rede klar und offen. Ist dein Gott ein anderer als der Gott des Jesus? Ich bitte um eine klare Antwort! Ich habe das größte Interesse, schon um meines Weibes willen.“
„Was soll ich antworten? Gehe ich mit meinem Sohn Jesus, muss ich den Tempel und seine Priester meiden. Bleibe ich dem Tempel treu und bleibe hörig den Priestern, meidet mich Jesus. Nur um meines Weibes willen bin ich in letzter Zeit ruhiger geworden und will alles tragen um meines Sohnes willen.“
„Lieber Freund Josef, deinen Glauben in Ehren, wie auch die Verbundenheit mit dem Tempel und seinen Priestern, aber geht es nicht um den wahren und ewigen Gott? Siehe, ich bin ein Heide nach euren Begriffen, unsere Götter wollen aber auch das Gute und Wahre! Siehe, unser Staatswesen - ist es nicht geschaffen, um die ganze Welt glücklich zu machen, ein Reich der Gerechtigkeit, gegründet auf den Lehren unserer Götter? In Moses aber sind so viele Lücken von Gerechtigkeit, die eure Priester überbrücken; aber von Humanität kein Gedanke.
Ich stelle mich ab jetzt auf die Seite deines Sohnes Jesus und bitte Ihn, mir Beweise zu geben, dass Sein Gott doch der wahre und rechte ist.“
„Lieber Freund, störe den Frieden meines Hauses nicht, denn es ist genug des Unfriedens.“
„Freund Josef, wenn aber du selbst der Grund allen Unfriedens in deinem Hause bist, was dann?“
Ein Freund des Hauses Josefs war gekommen. Er wollte sich wieder verabschieden, aber da stand der Römer auf und sagte: „Bleibe, du Freund des Josef. Ich will einmal nach meinem Wagen sehen, damit ihr beide euch einig werdet und der Zweck des Besuches Erfüllung finde.“
Der Römer ging hinaus in den Hof und in die Werkstatt, wo Joel noch an dem Wagen beschäftigt war. Jesus kam sofort dem Römer entgegen und sagte: „Mein Vater lässt dir danken für die Worte, die du an Josef gerichtet hast. Aber nun habe Ich eine Bitte. Gehe wieder in das Haus und erlebe die Liebe Meines Vaters, die dir offenbaren wird, welcher Gott der wahre und rechte ist. Dein Wagen wäre fertig, wenn dich Mein ewiger Vater nicht gebrauchen würde.“
Kopfschüttelnd geht der Römer wieder in das Haus zurück und sieht Maria, wie sie wieder geweint hat. Tränen - denkt er, Tränen um einer Sache willen, die mit Jesus zusammenhängt. Ich muss dem Ruf Jesu folgen und rasch steht er im Zimmer, wo die beiden Freunde in aufgeregter Weise sich nicht einigen. Beide schwiegen, aber der Römer sagte: „Freunde, wollt ihr nicht weitersprechen? Darf ich vielleicht den Schiedsrichter machen? Ich habe alle Vollmachten als Richter.“
Spricht der Freund Josefs: „Herr, was soll ich verschweigen, es wird Klage geführt über seinen Sohn Jesus. Ein befreundeter Priester, welcher mit gutem Recht die Art verwies, die Jesus auslebt, liegt krank mit Fieber in seinem Hause und kein Priester kann ihm helfen. Dass dieser die Krankheit Jesus verdankt, ist bewiesen. Denn Jesus sagte zu ihm: ‚Dir muss Zeit und Muße gegeben werden, um zu unterscheiden, was die rechte Art zu leben ist.‘
Seit diesem Ausspruch ist der Priester krank und ich bin gezwungen, es dem Tempel zu melden. Josef lehnt aber jede Unterhaltung ab mit der Begründung, ob auch mir dasselbe widerfahren solle wie dem Joram. Das kann ich mir doch nicht sagen lassen. Denn mit scheelen Augen sehen alle Bewohner in Nazareth diesen Jesus an. Es muss sich doch was finden lassen, dass uns allen nicht noch Schlimmeres widerfährt von diesem Jesus.“
Spricht der Römer: „Lieber Freund, heute sah ich diesen Jesus das erste Mal in meinem Leben. Ich habe etwas anderes an Ihm gefunden. Auch ich habe Ursache zu klagen über mein Weib, das unheilbar krank daniederliegt. Und was riet Er mir? Ich solle mich auf die Seite des Gottes der Juden stellen, dann würde mein Weib gesund. Auf meine dringende Frage an Jesus, wer, was und wie der wahre und rechte Gott sei, verwies Er mich an Josef, da ich Ihm den Vorwurf machte, dass Er niemals in den Tempel gehe, noch einen Priester in Anspruch nehme. Ich bin ein Heide und kann ohne weiteres nicht an den Gott der Juden glauben. Nun bist du gekommen und führst Klage gegen Jesus. Ich darf nicht ohne weiteres zu allem Ja sagen, da ich Jesus vernehmen muss. Was ist deine Meinung?“
Sagt der Freund Jonas: „Lieber Herr, das Unrecht liegt doch offen und klar vor uns. Jesus steht dem Tempel und seinen Dienern feindlich gegenüber. Und wer Ihm Sein Unrecht vorhält, ist gestraft. Dies sind Tatsachen, die für uns sprechen. Der Fall Joram ist nicht der einzige, mehrere kann ich dir nennen. Doch ich komme nur um Jorams willen. Ich glaube kaum, dass Jesus einen Freund in Nazareth hat.“
Der Römer: „Wollen wir einmal Jesus hören!“
