Ersehnt (Der Weg der Vampire – Band 10) - Morgan Rice - E-Book + Hörbuch

Ersehnt (Der Weg der Vampire – Band 10) E-Book und Hörbuch

Morgan Rice

0,0

Der Titel, der als Synchrobook® erhältlich ist, ermöglicht es Ihnen, jederzeit zwischen den Formaten E-Book und Hörbuch zu wechseln.
Beschreibung

"In ERSEHNT, kämpft die 16 Jahre alte Scarlet Paine darum, herauszufinden, was genau sie geworden war. Ihr unberechenbares Verhalten hat sie von ihrem neuen Freund, Blake, entfernt und sie kämpft darum, sich zu beherrschen und darum, dass er sie versteht. Aber das Problem ist, sie versteht selbst nicht, was mit ihr passiert. Zur selben Zeit tritt der neue Junge, der mysteriöse Sage, in ihr Leben. Die Wege der Beiden verflechten sich und obwohl sie versucht, es zu vermeiden, verfolgt er sie geradezu, trotz der Einwände ihrer besten Freundin Maria, die überzeugt davon ist, dass Scarlet ihr Sage stiehlt. Scarlet findet sich selbst von Sage mitgerissen, der sie in seine Welt führt, hinter die Tore der historischen Familienvilla am Fluss. Als sich ihre Beziehung vertieft, lernt sie mehr über seine mysteriöse Vergangenheit, seine Familie und die Geheimnisse, die diese bewahren. Sie verbringen die romantischste Zeit, die sie sich vorstellen kann, auf einer einsamen Insel im Hudson und sie ist davon überzeugt, die wahre Liebe ihres Lebens gefunden zu haben. Aber dann ist sie am Boden zerstört, als sie Sages größtes Geheimnis erfährt: er ist kein Mensch, ebenfalls nicht und er hat nur noch ein paar Wochen zu Leben. Tragischer Weise, in genau dem Augenblick, als ihr das Schicksal ihre große Liebe geschickt hatte, schien es so, als wenn das Schicksal sie ihr auch wieder entreißen würde. Als Scarlet zurück zu der High School Party kommt, die in Vorbereitung auf den großen Ball stattfindet, endet sie in einem großen Streit mit ihren Freunden, die sie aus ihrer Gruppe ausschließen. Gleichzeitig bringt Vivian alle beliebten Mädchen dazu, ihr das Leben zu Hölle zu machen, was zu einer unvermeidlichen Konfrontation führt. Scarlets ist gezwungen, sich davon zu schleichen, macht die Sache mit ihren Eltern noch schlimmer und fühlt bald Druck von allen Seiten. Das einzige Licht in ihrem Leben ist Sage. Aber er hält immer noch einige seiner Geheimnisse zurück und

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 279

Veröffentlichungsjahr: 2015

Das Hörbuch können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS

Zeit:6 Std. 24 min

Veröffentlichungsjahr: 2015

Sprecher:Birgit Arnold

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



ERSEHNT

(BAND #10 DER WEG DER VAMPIRE)

MORGAN RICE

Morgan Rice

Morgan Rice ist #1 Bestseller-Autor und USA Today-Bestsellerautor der epischen Fantasy-Serie RING DER ZAUBEREI, die siebzehn Bücher umfasst; der Bestseller-Serie WEG DER VAMPIRE, bestehend aus zwölf Büchern; der Bestseller-Serie TRILOGIE DES ÜBERLEBENS, einem postapokalyptischen Thriller mit drei Büchern; der epischen Fantasy-Serie VON KÖNIGEN UND ZAUBERERN, bestehend aus sechs Büchern; der epischen Fantasy-Serie FÜR RUHM UND KRONE, bestehend aus acht Büchern; der epischen Fantasy-Serie EIN THRON FÜR SCHWESTERN, bestehend aus acht Büchern; der neuen Science-Fiction-Serie CHRONIK DER INVASION mit vier Büchern; der Fantasy-Serie OLIVER BLUE UND DIE SCHULE FÜR SEHER, bestehend aus vier Büchern; der Fantasy-Serie DER WEG DES STAHLS, bestehend aus vier Büchern; und der neuen Fantasy-Serie DAS ZEITALTER DER MAGIER. Morgans Bücher sind in Audio- und Printausgaben erhältlich, und Übersetzungen sind in über 25 Sprachen erhältlich.

Morgan freut sich, von Ihnen zu hören. Besuchen Sie also www.morganricebooks.com

AUSGEWÄHLTE STIMMEN ZU DEN BÜCHERN VON MORGAN RICE

„Hat mich von Anfang an gefesselt und es hörte nicht auf … Diese Geschichte ist ein erstaunliches Abenteuer, von Anfang an voller Tempo und Action. Nicht ein Moment Langeweile.“

--Paranormal Romance Guild {über Gewandelt}

„Ein großartiger Plot und genau diese Art Buch, die man nachts nicht weglegen kann. Das Ende ist ein so spektakulärer Cliffhanger, dass man sofort das nächste Buch kaufen will, um herauszufinden, was als nächstes passiert.“

--The Dallas Examiner {über Vergöttert}

„Ein Buch, das Locker mit Bis(s) zum Morgengrauen und den Vampire Readings mithalten kann. Man will einfach bis zur letzten Seite weiterlesen! Wenn Sie Abenteuer, Liebe und Vampire lieben, ist dieses Buch das Richtige für Sie!“

--vampirebooksite.com {über Gewandelt}

„Eine ideale Story für jüngere Leser. Morgan Rice ist gut darin, einem Buch, was ein typisches Vampirmärchen hätte werden können, einen originellen Twist zu verleihen. Der erfrischende und einzigartige Roman hat die klassischen Elemente übernatürlicher Storys für junge Erwachsene.“

--The Romance Reviews {über Gewandelt}

„Rice ist einfach fantastisch darin, Dich von Anfang an in die Geschichte hineinzuziehen. Seine Beschreibungen gehen weit über das bloße Ausmalen von Szenen hinaus … Nett geschrieben und liest sich extrem schnell. Ein guter Anfang für eine neue Vampirserie, die sicher ein Hit bei allen Lesern wird, die leichte und zugleich unterhaltsame Kost mögen.“

--Black Lagoon Reviews {über Gewandelt}

„Voller Action, Romantik, Abenteuer und Spannung. Das Buch ist eine wundervolle Ergänzung für die Serie. Man will sofort mehr von Morgan Rice lesen.“

--vampirebooksite.com {über Vergöttert}

„Morgan Rice beweist sich wieder einmal als extrem talentierte Geschichtenerzählerin … Das Buch gefällt sicher vielen Lesern, auch jüngeren Fans des Vampir-/Fantasygenres. Der unerwartete Cliffhanger lässt einen schockiert zurück.“

--THE ROMANCE REVIEWS {über Vergöttert}

BÜCHER VON MORGAN RICE

DAS ZEITALTER DER MAGIER

REICH DER DRACHEN (BUCH #1)

THRON DER DRACHEN (BUCH #2)

VON DRACHEN GEBOREN (BUCH #3)

RING DER DRACHEN (BUCH #4)

OLIVER BLUE UND DIE SCHULE FÜR SEHER

DIE ZAUBERFABRIK (BUCH #1)

DIE KUGEL VON KANDRA (BUCH #2)

DIE OBSIDIANE (BUCH #3)

DAS FEUERZEPTER (BUCH #4)

DIE INVASIONSCHRONIKEN

ÜBERMITTLUNG (BUCH #1)

ANKUNFT (BUCH #2)

DER WEG DES STAHLS

EHRE WEM EHRE GEBÜHRT (BUCH #1)

NUR DEN TAPFEREN (BUCH #2)

NUR DEN AUSERWÄHLTEN (BUCH #3)

EIN THRON FÜR SCHWESTERN

EIN THRON FÜR SCHWESTERN (BUCH #1)

EIN GERICHT FÜR DIEBE (BUCH #2)

EIN LIED FÜR WAISEN (BUCH #3)

EIN KLAGELIED FÜR DIE PRINZESSIN (BUCH #4)

EIN JUWEL FÜR KÖNIGE (BUCH #5)

EIN KUSS FÜR KÖNIGINNEN (BUCH #6)

EINE KRONE FÜR MÖRDER (BUCH #7)

EIN HÄNDEDRUCK FÜR THRONERBEN (BUCH #8)

FÜR RUHM UND KRONE

SKLAVIN, KRIEGERIN, KÖNIGIN (BUCH #1)

SCHURKIN, GEFANGENE, PRINZESSIN (BUCH #2)

RITTER, THRONERBE, PRINZ (BUCH #3)

REBELL, SCHACHFIGUR, KÖNIG (BUCH #4)

SOLDAT, BRUDER, ZAUBERER (BUCH #5)

HELD, VERRÄTER, TOCHTER (BUCH #6)

HERRSCHER, RIVALE, VERBANNTE (BUCH #7)

SIEGER, BESIEGTER, SOHN (BUCH #8)

VON KÖNIGEN UND ZAUBERERN

DER AUFSTAND DER DRACHEN (BUCH #1)

DER AUFSTAND DER TAPFEREN (BUCH #2)

DAS GEWICHT DER EHRE (BUCH #3)

DIE SCHMIEDE DES MUTS (BUCH #4)

EIN REICH DER SCHATTEN (BUCH #5)

DIE NACHT DER VERWEGENEN (BUCH #6)

VON KÖNIGEN UND ZAUBERERN: EINE KURZGESCHICHTE

DER RING DER ZAUBEREI

QUESTE DER HELDEN (BUCH #1)

MARSCH DER KÖNIGE (BUCH #2)

FESTMAHL DER DRACHEN (BUCH #3)

KAMPF DER EHRE (BAND #4)

DER SCHWUR DES RUHMS (BAND #5)

ANGRIFF DER TAPFERKEIT (BAND #6)

RITUS DER SCHWERTER (BAND #7)

GEWÄHR DER WAFFEN (BAND #8)

HIMMEL DER ZAUBER (BAND #9)

MEER DER SCHILDE (BAND #10)

REGENTSCHAFT DES STAHLS (BAND #11)

LAND DES FEUERS (BAND #12)

DIE HERRSCHAFT DER KÖNIGINNEN (BAND #13)

DER EID DER BRÜDER (BAND #14)

DER TRAUM DER STERBLICHEN (BAND #15)

DAS TOURNIER DER RITTER (BAND #16)

DAS GESCHENK DER SCHLACHT (BAND #17)

DIE TRILOGIE DES ÜBERLEBENS

ARENA EINS: DIE SKLAVENTREIBER (BAND #1)

ARENA ZWEI (BAND #2)

DER WEG DER VAMPIRE

GEWANDELT (BAND #1)

VERGÖTTERT (BAND #2)

VERRATEN (BAND #3)

BESTIMMT (BAND #4)

BEGEHRT (BAND #5)

VERMÄHLT (BAND #6)

GELOBT (BAND #7)

GEFUNDEN (BAND #8)

ERWECKT (BAND #9)

ERSEHNT (BAND #10)

Hörenim Audiobuch-Format an!

iTunes

Copyright © 2012 Morgan Rice

Alle Rechte vorbehalten. Mit den im U.S. Copyright Act von 1976 erlaubten Ausnahmen ist es nicht gestattet, jeglichen Teil dieser Publikation in jeglicher Form oder über jegliche Mittel ohne die vorherige Erlaubnis des Autors zu vervielfältigen, verteilen oder übertragen, oder in einer Datenbank oder einem Abrufsystem zu speichern.

Dieses Ebook ist ausschließlich für den persönlichen Gebrauch zugelassen. Dieses Ebook darf nicht weiterverkauft oder an andere Personen weitergegeben werden. Wenn Sie dieses Buch mit einer anderen Person teilen möchten, erwerben Sie bitte ein zusätzliches Exemplar für jeden Empfänger. Wenn Sie dieses Buch lesen und nicht gekauft haben, oder es nicht ausschließlich für Ihren Gebrauch gekauft wurde, geben Sie es bitte zurück erwerben Sie Ihr eigenes Exemplar. Vielen Dank, dass Sie die harte Arbeit des Autors respektieren.

O selge, selge Nacht! Nur fürcht ich, weil

Mich Nacht umgibt, dies alles sei nur Traum,

Zu schmeichelnd süß, um wirklich zu bestehn—

William Shakespeare, Romeo and Juliet

INHALT

KAPITEL EINS

KAPITEL ZWEI

KAPITEL DREI

KAPITEL VIER

KAPITEL FÜNF

KAPITEL SECHS

KAPITEL SIEBEN

KAPITEL ACHT

KAPITEL NEUN

KAPITEL ZEHN

KAPITEL ELF

KAPITEL ZWÖLF

KAPITEL DREIZEHN

KAPITEL VIERZEHN

KAPITEL FÜNFZEHN

KAPITEL SECHZEHN

KAPITEL SIEBZEHN

KAPITEL ACHTZEHN

KAPITEL NEUNZEHN

KAPITEL ZWANZIG

KAPITEL EINUNDZWANZIG

KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG

KAPITEL DREIUNDZWANZIG

KAPITEL VIERUNDZWANZIG

KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG

KAPITEL EINS

Caitlin Paine raste den West Side Highway hinunter, entschlossen, die Klöster zu erreichen, bevor sie schlossen. Ihre Gedanken wirbelten umher, während sie noch einmal die Probleme durchging, mit denen Scarlet zu kämpfen hatte – Probleme, die kein Teenager haben sollte. Scarlet verwandelte sich, da war sich Caitlin sicher. Sie war nicht mehr länger menschlich und jeden Tag wurde es schlimmer. Caitlin fühlte, dass sie zu dem wurde, was sie, Caitlin, einst selbst einmal gewesen war: ein Vampir.

Natürlich hatte Caitlin keine Erinnerungen mehr daran, selbst ein Vampir gewesen zu sein; aber nach dem, was sie in dem Tagebuch gelesen hatte, das sie auf dem Dachboden gefunden hatte – ihr Vampirtagebuch – fühlte sie, dass alles wahr war. Falls das Tagebuch echt war, und davon ging sie aus, dann war sie selbst einst einer gewesen, irgendwann in der Vergangenheit. Irgendwie war sie hier gelandet in der Gegenwart, mit einem normalen Leben, einer normalen Familie und keinen Erinnerungen daran.

Das einzige Problem war, dass ihre Familie alles andere als normal war. Ihr Leben war alles andere als normal. Ihre Tochter wurde auf irgendeine Weise zu dem, was sie einst gewesen war.

Caitlin wünschte sich zum Millionsten Mal, dass sie das Tagebuch nie gefunden hätte. Sie fühlte, dass es zu finden dasselbe war wie die Büchse der Pandora zu öffnen, die diese Reihe an Alpträumen verursacht hatte. Sie wünschte sich verzweifelt, dass sie alles wieder zurück zum Normalen bringen könnte.

Sie musste Antworten haben. Sie musste sicher gehen, dass dies alles wirklich echt war. Wenn sie die Dinge schon nicht wieder dazu bringen konnte, normal zu werden, dann musste sie zumindest mehr darüber herausfinden, was mit Scarlet passiert war. Und herausfinden, ob es eine Möglichkeit gab, die Sache in Ordnung zu bringen.

Beim Fahren dachte Caitlin wieder an die seltenen Bücher, die sie in ihrer Bibliothek gefunden hatte. Vor allem an diese einzigartige Ausgabe und ihre zerrissene Seite. Sie dachte an die antike Zeremonie, die auf Latein geschrieben war und eine Heilung für Vampirismus enthielt. Sie fragte sich erneut, ob das stimmte. Handelte es sich dabei nur um weitergegebene Folklore? Ein Ammenmärchen?

Jeder ernsthafte Wissenschaftler würde natürlich sagen, dass es das war. Und ein Teil von ihr wollte es ebenfalls nicht glauben. Aber ein anderer Teil von ihr klammerte sich daran, klammerte sich an die letzte Hoffnung, dass Scarlet zu retten war. Zum Millionsten Mal fragte sie sich, wie sie wohl an den anderen Teil der Seite kommen sollte. Sie stammte aus einem der seltensten Bücher, die es je gegeben hatte, und selbst wenn sie ein weiteres Exemplar auftreiben könnte, wie hoch wäre wohl die Chance, dass die andere Hälfte der Seite darin wäre? Vermutlich war die Seite herausgerissen worden, um sie zu verstecken. Aber vor wem? Vor was? Das Geheimnis grub sich tief in ihren Kopf.

Sie versuchte, sich stattdessen auf ihr eigenes Tagebuch, ihre eigene Handschrift aus vorigen Jahrhunderten und ihre Beschreibung des Vampirzirkels in der Nähe des Klosters zu konzentrieren. Sie hatte von einer geheimen Kammer im Kloster geschrieben, tief unter der Erde. Sie musste wissen, ob es sie wirklich gab. Wenn es dort ein Zeichen gab, irgendein Zeichen, dann wäre alles in ihrem Kopf bestätigt und sie könnte selbstbewusst fortfahren. Aber wenn es dort kein Zeichen gab, dann würde sie ihr ganzes Tagebuch anzweifeln.

Caitlin fuhr vom Highway ab, der sich um den Fort-Tryon-Park schlängelte, und fuhr zum Haupteingang des Klosters. Sie fuhr eine enge, kurvenreiche Zufahrt hinauf und parkte schließlich vor dem massiven Gebäude.

Als sie ausstieg, blieb sie stehen und sah an dem Gebäude hoch; aus irgendeinem seltsamen Grund fühlte sich der Ort auffällig vertraut an, als wenn er ein wichtiger Ort in ihrem Leben gewesen wäre. Sie konnte nicht verstehen, warum, denn, soweit sie wusste, hatte sie das Kloster nur ein- oder zweimal besucht. Außer natürlich, alles in ihrem Vampirtagebuch wäre wahr. Wurde, was sie fühlte, real? Oder war alles nur Wunschdenken?

Sie eilte durch die gewölbte Vordertür in das mittelalterliche Gebäude, eine lange Anhöhe hinauf und einen langen, schmalen Flur entlang. Schließlich kam sie zum Haupteingang, zahlte den Eintritt und ging durch einen langen Korridor. Sie passierte einen kleinen Hof auf ihrer Rechten mit Reihen von Steinbögen, in dessen Zentrum sich ein mittelalterlicher Garten befand. Das Herbstlaub schimmerte darin. Es war nachmittags an einem Werktag und der Platz war nahezu leer, weshalb es sich so anfühlte, als hätte sie alles für sich.

Allerdings nur, bis sie Musik hörte. Zuerst war es nur eine Stimme – dann mehrere Stimmen. Sie sangen. Antike Gesänge von einem kleinen Chor. Sie konnte nicht erkennen, ob es live oder aufgezeichnet war, als sie dort stand und dem Echo der himmlischen Stimmen, die durch die kleine Burg schallten, gebannt lauschte. Sie fühlte sich in der Zeit zurückversetzt.

Sie wusste, sie hatte eine Mission zu erfüllen, aber sie musste sehen, wo die Musik herkam. Sie ging einen anderen Korridor hinunter und folgte dem Klang. Sie trat durch eine kleine, gewölbte, mittelalterliche Tür und fand sich selbst in der Kapelle mit hohen Decken und bunten Glasfenstern wieder. Dort stand zu ihrer Überraschung ein Chor aus sechs Sängern. Es waren ältere Männer und Frauen, die alle in weißen Roben gekleidet waren. Sie standen vor einem leeren Raum und sahen hinunter auf ihre Notenblätter.

Gregorianische Gesänge. Caitlin sah das Zeichen, die riesigen Poster, die das Nachmittagskonzert ankündigten. Ihr wurde klar, dass sie in eine Live-Aufführung gestolpert war. Allerdings war sie die einzige Person in dem Raum. Offenbar wusste niemand davon.

Caitlin schloss ihre Augen, als sie der Musik zuhörte. Es war so schön, so eindringlich, dass sie es schwer fand, wieder zu gehen. Sie öffnete ihre Augen und sah sich in dem Raum um, betrachtete die dicken Wände und die Einrichtung und fühlte sich dadurch noch mehr aus der Realität gerissen. Wo war sie?

Das Lied endete schließlich und sie drehte sich um und eilte in dem Versuch, den Sinn für die Realität wieder zu erlangen, aus dem Raum.

Sie ging zurück den Flur entlang und kam zu einer Steintreppe. Sie stieg sie hinab, bis in die Tiefen des Klosters hinunter, wobei ihr Herz schneller schlug. Dieser Ort fühlte sich unheimlich vertraut an, als ob sie hier schon einmal gewesen wäre. Sie konnte es nicht verstehen.

Sie eilte durch die untere Etage, wobei sie sich dabei die Beschreibung aus dem Eintrag ihres Tagebuchs in Erinnerung rief. Sie erinnerte sich an die Erwähnung einer Tür, ein geheimes Portal, das nach unten in eine unterirdische Höhle zu Calebs Zirkel führte.

Sie wurde immer aufgeregter, als sie zu ihrer Linken einen mit einem Seil abgetrennten Bereich sah. Hinter dem Seil befand sich eine perfekt erhaltene, mittelalterliche Treppe. Sie führte hinauf, aber nur in die Decke. Sie führte nirgendwo hin. Es war nur ein Artefakt, ein Schein. Genauso, wie in ihrem Tagebuch beschrieben.

Aber in der Treppe verbarg sich in der unteren Hälfte auch eine kleine, hölzerne Tür und Caitlin konnte nicht sagen, ob die Stufen dahinter hinunter zu einer anderen Ebene führen würden. Der Bereich war abgesperrt und sie konnte der Tür nicht nahe kommen.

Sie musste es wissen. Wenn es hinunterging, dann wäre alles, was sie geschrieben hatte, wahr und nicht nur Fantasie.

Sie schaute in beide Richtungen und entdeckte einen Wachmann auf der anderen Seite des Raumes, der ein Nickerchen hielt.

Sie wusste, dass sie große Schwierigkeiten bekommen konnte, wenn sie eine Absperrung in einem Museum umging – vielleicht konnte sie sogar verhaftet werden. Aber sie musste es wissen. Sie musste sich beeilen.

Schnell stieg Caitlin über das Absperrseil in Richtung Treppe.

Sofort wurde ein Alarm ausgelöst, der wie eine Sirene die Luft durchschnitt.

„HEY LADY!“, schrie der Wachmann.

Er rannte hinter ihr her. Der Alarm läutete und ihr Herz schlug ihr heftig in der Brust.

Aber jetzt war es zu spät. Sie konnte nicht umkehren. Sie musste es wissen. Es ging gegen alles in ihrer Veranlagung, über das Absperrseil zu steigen, ein Museumsstück zu beschädigen und gegen die Regeln zu verstoßen – insbesondere, wenn es um Geschichte und Artefakte ging. Aber sie hatte keine Wahl. Scarlets Leben stand auf dem Spiel.

Caitlin erreichte die Treppe und griff nach dem mittelalterlichen Holzgriff. Sie riss sie auf.

Die Tür öffnete sich und sie sah, wohin die Treppe führte.

Nirgendwohin. Sie endete im Korridor. Es war eine falsche Treppe. Nur eine Täuschung.

Ihr Herz sank und sie war am Boden zerstört. Es gab keine unterirdische Kammer. Keine Falltür. Nichts. Wie der Schaukasten schon gesagt hatte, war es nur eine Treppe. Nichts anderes. Ein Artefakt. Ein altes Relikt. Es war alles eine Lüge. Alles.

Caitlin spürte plötzlich raue Arme, die sie von hinten ergriffen und sie über das Samtseil hinweg auf die andere Seite zogen.

„Was glauben Sie, was Sie hier machen!?“, schrie sie ein anderer Wachmann an, der herbeikam und half, sie wegzuziehen.

„Es tut mir leid“, sagte sie und versuchte dabei, schnell nachzudenken. „Ich … ähm … habe meinen Ohrring verloren. Er fiel runter und rollte über den Boden. Ich dachte, er wäre auf die andere Seite gerollt. Ich habe ihn nur gesucht.“

„Das ist ein Museum, gute Frau!“, bellte er sie mit rotem Gesicht an. „Sie können nicht einfach über das Seil steigen. Und Sie dürfen keine Sachen berühren!“

„Es tut mir so leid“, sagte sie mit trockener Kehle. Sie betete, dass sie nicht eingesperrt würde. Sie könnten es sicherlich, dass wusste sie.

Die beiden Wachleute sahen sich an, als würden sie miteinander debattieren.

Schließlich sagte einer von ihnen: „Verschwinden Sie hier!“

Er schubste sie und Caitlin verschwand erleichtert den Flur hinunter. Sie sah eine offene Tür und ging nach draußen zu einer niedriger gelegenen Terrasse, über die sie rannte.

Nun fand sie sich mit immer noch klopfendem Herzen draußen auf der unteren Terrasse in der kalten Oktoberluft wieder. Sie war so glücklich, hier draußen zu sein. Zur selben Zeit war sie am Boden zerstört. Hier gab es nichts. War ihr ganzes Tagebuch nur erfunden? War nichts davon real? Bildete sie sich alles nur ein?

Aber wie würde das dann Aidens Reaktion erklären?

Caitlin überquerte die gepflasterte Terrasse und kam an einem weiteren, mittelalterlichen Garten vorbei, der mit kleinen Obstbäumen gefüllt war. Sie lief weiter, bis sie zu einem Marmorgeländer kam. Sie lehnte sich dagegen und sah in die Ferne, wo sie den Hudson erkennen konnte, der in der späten Nachmittagssonne glitzerte.

KAPITEL ZWEI

Scarlet stürzte hysterisch weinend in ihr Zimmer und knallte die Tür hinter sich zu. Sie war den ganzen Weg vom Fluss nach Hause gerannt und hatte seitdem nicht mehr aufgehört zu weinen. Sie verstand nicht, was mit ihr passierte. Der Moment, in dem sie den Pulsschlag an Blakes Hals gesehen hatte, als sie das Bedürfnis gehabt hatte, ihn zu beißen, flammte immer wieder in ihrem Kopf auf. In dem sie sich an ihm nähren wollte.

Was geschah nur mit ihr? War sie eine Art Freak? Warum hatte sie sich so gefühlt? Und warum genau dann – von allen möglichen Momenten? Gerade, als sie sich zum ersten Mal geküsst hatten?

Nun, da sie weit genug entfernt war, war es viel schwieriger für Scarlet nachzuvollziehen, wie sich ihr Körper angefühlt hatte – und mit jedem Moment, der verging, fand sie mehr Abstand dazu. Jetzt fühlte sich ihr Körper normal an. War es nur ein flüchtiger Moment gewesen? War es nur ein seltsamer, einmaliger Augenblick gewesen, der sie überkommen hatte, und der nie wieder auftreten würde?

Das wollte sie unbedingt glauben. Aber ein anderer Teil von ihr ganz tief in ihrem Inneren spürte, dass dies nicht der Fall war. Das Gefühl war so stark gewesen, dass sie es nie vergessen würde. Sie war sich sicher, wenn sie sich ihm unterworfen hätte und auch nur eine weitere Sekunde dageblieben wäre, dann wäre Blake zu diesem Zeitpunkt schon tot.

Scarlet kam nicht umhin, auch an den Vorfall von neulich zu denken. Sie war krank von der Schule nach Hause gekommen, aus dem Haus gerannt und hatte vergessen, was geschehen war, wo sie gewesen war. Sie war im Krankenhaus aufgewacht. Ihre Mutter war so besorgt, so außer sich gewesen …

Nun trat alles an die Oberfläche ihres Geistes. Ihre Mutter hatte gewollt, dass sie mehr Ärzte aufsuchte, mehr Tests machte. Und dann, dass sie zu einem Priester ging. Vermutete ihre Mutter etwas? War es das, hinter dem sie herjagte? Dachte sie, dass sie ein Vampir werden würde?

Scarlets Herz schlug schnell, als sie so zusammengerollt in ihrem Lieblingssessel in ihrem Zimmer saß. Ruth legte den Kopf auf ihren Schoß und Scarlet beugte sich hinunter und streichelte sie. Aber sie tat es mit Tränen in den Augen. Sie war geschockt, wie betäubt. Der Gedanke, dass sie krank war, dass sie eine Art Krankheit hatte – oder vielleicht auch etwas Schlimmeres, machte ihr Angst. Insgeheim dachte sie, dass die Richtung, die ihre Gedanken einschlugen, lächerlich war. Aber sie musste sich das fragen. Ihr Wunsch, in seinen Hals zu beißen. Das Gefühl, dass sie an beiden Schneidezähnen gehabt hatte. Ihr Verlangen, sich zu nähren. War es möglich?

War sie ein Vampir?

Gab es Vampire wirklich?

Sie griff hinüber, öffnete ihren Laptop und googelte es. Sie musste es wissen.

Sie öffnete den Wikipedia-Eintrag für „Vampir“ und begann zu lesen:

„Die Vorstellung des Vampirismus existiert seit Jahrtausenden; Kulturen wie die Mesopotamier, Hebräer, Griechen und Römer hatten Geschichten von Dämonen und Geistern, die den modernen Vampiren zum Vorläufer gereichten. Doch trotz des Auftretens von Vampir-ähnlichen Kreaturen in diesen antiken Zivilisationen stammt die Folklore für das Geschöpf, das wir heutzutage als Vampir kennen, aus dem Südost-Europa des frühen achtzehnten Jahrhunderts, als die mündlichen Überlieferung vieler ethnischer Gruppen dieser Region aufgezeichnet und veröffentlicht wurden. In den meisten Fällen sind Vampire wiederkehrende böse Menschen, Suizidopfer oder Hexen, aber sie können auch erschaffen werden, indem ein böswilliger Geist eine Leiche in Besitz nimmt, oder durch den Biss eines Vampirs.“

Scarlet schlug den Laptop schnell zu und legte ihn beiseite. Es war alles zu viel für sie zu verkraften.

Sie schüttelte ihren Kopf in dem Versuch, den Gedanken geradezu aus ihrem Kopf zu schütteln. Etwas stimmte definitiv nicht mit ihr. Aber war es das? Es ängstigte sie.

Verschlimmert wurde das Ganze durch ihre Gefühle für Blake und dem Gedanken daran, was zwischen ihnen geschehen war. Sie konnte nicht glauben, dass sie so vor ihm davongerannt war, besonders in diesem Augenblick. Sie hatten so eine bezaubernde Zeit zusammen gehabt, ein Traumdate. Und jetzt das. Ausgerechnet jetzt, da ihre Beziehung gerade ihren Anfang nahm. Es war so unfair.

Sie konnte sich nicht einmal vorstellen, was er jetzt von ihr dachte. Er musste sie für einen Freak halten, einen totalen Psycho, weil sie mitten in einem Kuss einfach so aufgesprungen und in Richtung Wald abgehauen war. Er musste glauben, dass sie definitiv nicht bei Verstand war. Sie war sich sicher, dass er sie nie wieder sehen wollte. Vielleicht ging er zurück zu Vivian.

Sie wollte es ihm unbedingt erklären. Aber wie könnte sie das anstellen? Was könnte sie sagen? Dass sie einen plötzlichen Drang verspürt hatte, in seinen Hals zu beißen? Sich an ihm zu nähren? Sein Blut zu trinken? Dass sie vor ihm wegrennen musste, um ihn zu beschützen?

Sicher, das würde ihn bestimmt beruhigen, dachte sie.

Sie wollte die Dinge klären. Sie wollte ihn wiedersehen. Aber sie wusste nicht, wie sie es erklären sollte. Nicht nur das, sie hatte auch Angst davor, ihm wieder nahe zu sein; sie traute sich gerade selbst nicht. Was, wenn dieser Drang wieder über sie kam? Und was, wenn sie ihn beim nächsten Mal wirklich verletzen würde?

Während sie darüber nachdachte, brach sie in Tränen aus. War sie dazu verdammt, nie wieder mit Jungs zusammen zu sein?

Nein. Sie musste es versuchen. Zumindest musste sie versuchen, die Dinge richtig zu stellen. Sie musste es versuchen, um es sich selbst zu erklären, auf irgendeine Weise. Und wenn nur, damit er sie nicht hasste. Selbst wenn er sie nie wieder sehen wollte, konnte sie die Dinge nicht so stehen lassen. Und tief in ihrem Inneren hoffte ein Teil von ihr immer noch, dass dies vielleicht eine einmalige Sache gewesen war, eine Horrorepisode, und dass sie das vielleicht überwinden und immer noch zusammen sein konnten. Immerhin, wenn sie das überstehen würden, könnten sie alles gemeinsam überstehen.

Scarlet fühlte sich langsam etwas besser. Sie wischte sich die Tränen ab, nahm ein Taschentuch, putzte sich die Nase und nahm ihr Handy zur Hand. Sie suchte seine Nummer heraus und begann zu schreiben.

Dann hielt sie inne. Was sollte sie sagen?

Es tut mir so leid, was heute passiert ist.

Sie löschte das. Es war zu allgemein.

Ich weiß nicht, was heute über mich gekommen ist.

Das löschte sie auch. Es klang nicht ganz richtig. Sie brauchte die perfekte Balance, die perfekte Mischung aus einer Entschuldigung und der Hoffnung, dass sich nicht alles geändert hatte. Sie musste auch betonen, was sie für eine tolle Zeit mit ihm bis zu diesem Moment gehabt hatte.

Sie schloss die Augen und seufzte, während sie angestrengt nachdachte. Komm schon, komm schon, feuerte sie sich selbst an.

Sie begann zu tippen.

Ich hatte heute so eine tolle Zeit mit dir. Es tut mir so leid, dass es so geendet hat. Es gab einen Grund, warum ich so gehen musste, aber ich kann ihn dir nicht erklären. Ich weiß, dass es schwer ist, zu verstehen, aber ich hoffe, du kannst es. Ich wollte dich nur wissen lassen, dass ich eine tolle Zeit hatte und es mir leid tut. Und ich hoffe, wie sehen uns wieder.

Scarlet starrte lange Zeit auf ihren Entwurf und drückte dann schließlich auf Senden.

Sie sah ihrem Text beim Verschwinden zu.

Ihre Nachricht war nicht perfekt. Sie hatte schon überlegt, wie sie sie auf eine Million Arten umschreiben konnte. Und ein Teil von ihr bereute schon, sie abgesendet zu haben. Vielleicht klang sie zu verzweifelt. Vielleicht war sie zu kryptisch.

Wie auch immer. Die Nachricht war weg. Zumindest wusste er jetzt, dass sie ihn immer noch mochte und ihn wieder sehen wollte.

Sie wusste, dass Blake sein Handy jede Sekunde des Tages bei sich hatte. Sie wusste, er würde die Nachricht sofort bekommen. Und dass er seine Nachrichten normalerweise innerhalb von Sekunden beantwortete.

Scarlet zitterte, während sie auf seine Antwort wartete.

Sie legte ihr Handy neben ihren Laptop und schloss ihre Augen, atmete langsam durch und wartete auf die Vibration. Ersehnte die Vibration.

Komm schon, dachte sie. Schreib mir zurück.

Sie saß dort und wartete eine gefühlte Ewigkeit. Sie aktualisierte ihre Anzeige. Nach ein paar Minuten schaltete sie es sogar aus und wieder an, falls etwas mit der Verbindung nicht stimmte. Dann sah sie auf die Uhr. Zwei Minuten waren schon vergangen.

Dann fünf.

Dann zehn.

Sie knallte ihr Handy wieder auf den Tisch und konnte spüren, wie die Tränen wieder aufstiegen. Er schrieb ihr offensichtlich nicht zurück. Wie konnte sie es ihm verübeln? Sie hätte sich wahrscheinlich auch nicht zurückgeschrieben.

Also war es das jetzt. Es war vorbei.

Dann plötzlich vibrierte ihr Handy.

Sie griff hinüber und riss es vom Tisch.

Aber ihr Herz sank, als sie sah, dass es nicht Blake war. Es war Maria.

Ich kann nicht glauben, dass du so einfach geschwänzt hast. Also … wie war dein Date mit Blake?

Scarlet seufzte. Sie hatte keine Ahnung, was sie antworten sollte.

Keine Sorge. Ich werde nicht wieder schwänzen. Es ist aus zwischen uns.

Wirklich? OMG. Warum? Vivian?

Nein. Nicht sie. Es war nur …

Scarlet hielt inne und fragte sich, was sie sagen sollte.

… es hat nicht geklappt.

Erzähl es mir.

Scarlet seufzte. Sie wollte wirklich das Thema wechseln.

Gibt nichts zu erzählen. Was gibt´s bei dir?

OMG, ich kann nicht aufhören, für den neuen Typen zu schwärmen. Sage. Ich habe heute frische Details gehört.

Scarlet war erschöpft und wollte wirklich nicht weiterschreiben. Sie wollte nicht noch mehr Gerüchte und Unterstellungen über den neuen Jungen hören – oder über irgendwen. Sie wollte einfach nur von der Welt verschwinden.

Aber Maria war ihre beste Freundin, also musste sie sie bei Laune halten:

Was denn?

Er hat eine Schwester und einen Cousin. Sie gehen aber nicht auf unsere Schule. Er ist im Senior-Jahr. Er kommt von einer Privatschule. Ich habe gehört, er ist reich. Also superreich.

Scarlet interessierte das nicht. Sie wollte die Unterhaltung nur beenden.

Glücklicherweise bekam sie eine weitere Nachricht, bevor sie tippen konnte – diesmal von Jasmin.

OMG, was ist mit deiner Facebook-Pinnwand passiert?

Scarlet las die Nachricht überrascht.

Was meinst du?

Bevor sie antworten konnte, nahm sie ihren Laptop, öffnete ihn und ging auf ihre Seite.

Ihr Herz sank. Vivian hatte darauf gepostet:

Netter Versuch, Blake zu stehlen. Es hat nicht funktioniert. Nachdem er dich abgeschossen hatte, kam er zu uns zurück. Ich wusste, er würde dich abschießen. Ich war nur überrascht, dass es so schnell ging.

Scarlet atmete völlig verblüfft scharf ein. Sie sah, dass verschiedene ihrer Freunde diesen Post kommentiert hatten, und dass er sich auf viele Pinnwände verbreitet hatte. Sie sah auch, dass Vivian ihn auf Twitter gepostet hatte, und das alle von Vivians Freunden den Post erneut getwittert hatten.

Scarlet war entsetzt. Nichts war ihr je peinlicher gewesen. Sie löschte den Kommentar von ihrer Pinnwand, blockierte Vivian, ging zu ihren Einstellungen und änderte diese so, dass nur noch ihre Freunde darauf posten konnten. Aber es war natürlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein – klar, der Schaden war schon angerichtet. Nun würde die ganze Schule denken, dass sie anderen Leuten den Freund stehlen würde. Und dass sie einen Korb bekommen hatte.

Ihr Gesicht wurde rot. Sie war so sauer, sie wollte Vivian erwürgen. Sie wusste nicht, was sie tun sollte.

Sie schlug ihren Laptop zu und stürmte aus dem Zimmer. Sie flog die Treppen hinunter, ohne zu wissen, wo sie hingehen oder was sie tun sollte. Alles, was sie wusste, war, dass sie Luft brauchte.

„Komm mit, Ruth“, sagte sie.

Sie packte ihre Leine und Ruth sprang aufgeregt herum, folgte ihr zur Tür hinaus und die Verandatreppe hinunter.

Scarlet rannte die Stufen hinab, sah auf ihre Füße und war schon auf dem Bürgersteig, bevor sie den Blick anhob. Dort sah sie ihn, wie er dort stand.

Sie blieb wie eingefroren stehen.

Er stand dort und starrte sie an, als hätte er auf sie gewartet.

Es war der neue Junge.

Sage.

KAPITEL DREI

Scarlet stand am Ende ihrer Einfahrt und starrte. Sie konnte es kaum glauben. Dort auf der anderen Straßenseite, nur ein paar Meter entfernt, stand der neue Junge und sah sie mit seinen intensiven, grauen Augen an. Sage.

Was tat er hier direkt vor ihrem Haus? Wie lange stand er schon dort? Hatte er ihr Haus beobachtet? War er auf dem Weg zu ihrer Einfahrt? Oder ging er nur vorbei?

Aber auf dem Weg wohin? Sie lebte in einer ruhigen Vorstadtstraße und hier lief kaum jemand herum. Allerdings lebte sie auch nur zwei Blocks von der Stadt entfernt und es war denkbar, dass er irgendwo dort hinlief. Aber das war unwahrscheinlich.

Der Gedanke, dass er dort stand, ihr Haus beobachtete oder daran vorbeilief, ließ sie fast ausflippen. Einerseits konnte sie nicht abstreiten, dass sie aufgeregt war, ihn zu sehen. Aufgeregt war nicht das richtige Wort. Sie war viel mehr … gebannt. Sie konnte ihre Augen nicht von ihm abwenden. Seine glatte Haut, sein starker Kiefer, seine stolzen Wangenknochen und Nase, seine grauen Augen, die langen Wimpern – sie hatte noch nie jemanden getroffen, der so hübsch war wie er. So edel, so stolz. Er schien hier so fehl am Platz, als käme er aus dem sechzehnten Jahrhundert.

Sie konnte auch nichts daran ändern, dass sie Schmetterlinge im Bauch hatte, wenn sie ihn ansah. Und das war ein Gefühl, dass sie nicht haben wollte. Maria, ihre beste Freundin, hatte klar gemacht, dass sie von ihm besessen war. Wie falsch wäre es von Scarlet, ihn ihr wegzunehmen? Maria würde ihr nie vergeben. Und sie würde sich selbst nie vergeben. Abgesehen davon, dass sie ja auch Blake hatte. Hatte sie ihn denn eigentlich?

Sie dachte wieder an Vivians Post, dass Blake sie abgeschossen hatte. Hatte Blake ihr das wirklich gesagt? Oder hatte Vivian das erfunden? Egal wie, sie war sich ziemlich sicher, dass Blake aus ihrem Leben verschwunden war.

„Ähm … hi“, sagte sie, da sie nicht wusste, was sie sonst sagen sollte. Sie hatten sich schließlich einander noch nicht vorgestellt.

„Ich wollte dich nicht erschrecken“, gab er zurück.

Sie liebte seine Stimme. Sie war so sanft, so leicht, aber gleichzeitig stark. Er hatte leise gesprochen und doch war da etwas Autoritäres in seiner Stimme. Sie könnte dieser Stimme für immer zuhören.

„Ich bin Sage“, sagte er und streckte eine Hand aus.

„Ich weiß“, sagte sie, als sie seine Hand nahm.

Die Berührung seiner Haut war elektrisierend. Ihre Nerven kitzelten, als er ihre frierende Hand in seiner warmen hielt.

„Kleine Stadt“, fügte sie als Erklärung hinzu, aber dann war es ihr peinlich. Das war dumm von ihr gewesen, sie hätte nicht sagen sollen, dass sie seinen Namen kannte. Dadurch sah sie verzweifelt aus.

Aber warte, dachte sie. Warum dachte sie überhaupt in diese Richtung? Immerhin war er Marias Kerl. Oder etwa nicht?

„Deine Hand ist so kalt“, sagte er, als er auf ihren Handrücken sah.

Scarlet zog sie unsicher zurück.

„Tut mir leid“, sagte sie schulterzuckend.

„Du hast mir deinen Namen noch nicht verraten“, sagte er.

„Oh, tut mir leid, ich dachte, du würdest ihn schon kennen“, sagte sie, dann fügte sie hinzu: „Nicht, dass ich berühmt oder beliebt wäre oder so. Es ist nur … nun, es ist halt eine kleine Stadt, weißt du?“

Sie stolperte über ihre eigenen Worte und machte die Dinge mit jedem Satz schlimmer. Das tat sie immer, wenn sie vor Jungs nervös wurde.

„Wie auch immer, mein Name ist Scarlet. Scarlet Paine.“

Er lächelte.

„Scarlet“, wiederholte er.

Sie liebte den Klang ihres Namens mit seiner Stimme.

„Die Farbe von vielen Dingen. Wein oder Blut oder Rosen. Natürlich bevorzuge ich Letzteres“, fügte er lächelnd hinzu.

Scarlet lächelte zurück. Wer sprach denn so?, fragte sie sich. Es war, als würde er aus einer anderen Zeit stammen, von einem anderen Ort. Sie würde alles geben, um mehr über ihn zu erfahren.

„Was tust du hier?“, fragte sie, dann fand sie, dass es zu hart klang. „Ich wollte nicht unfreundlich sein oder so. Ich meine nur, was machst du vor meinem Haus?“

Er sah einen Moment lang nervös aus.