Ersehnt (Der Weg der Vampire – Band 10) - Morgan Rice - E-Book

Ersehnt (Der Weg der Vampire – Band 10) E-Book

Morgan Rice

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Beschreibung

"In ERSEHNT, kämpft die 16 Jahre alte Scarlet Paine darum, herauszufinden, was genau sie geworden war. Ihr unberechenbares Verhalten hat sie von ihrem neuen Freund, Blake, entfernt und sie kämpft darum, sich zu beherrschen und darum, dass er sie versteht. Aber das Problem ist, sie versteht selbst nicht, was mit ihr passiert. Zur selben Zeit tritt der neue Junge, der mysteriöse Sage, in ihr Leben. Die Wege der Beiden verflechten sich und obwohl sie versucht, es zu vermeiden, verfolgt er sie geradezu, trotz der Einwände ihrer besten Freundin Maria, die überzeugt davon ist, dass Scarlet ihr Sage stiehlt. Scarlet findet sich selbst von Sage mitgerissen, der sie in seine Welt führt, hinter die Tore der historischen Familienvilla am Fluss. Als sich ihre Beziehung vertieft, lernt sie mehr über seine mysteriöse Vergangenheit, seine Familie und die Geheimnisse, die diese bewahren. Sie verbringen die romantischste Zeit, die sie sich vorstellen kann, auf einer einsamen Insel im Hudson und sie ist davon überzeugt, die wahre Liebe ihres Lebens gefunden zu haben. Aber dann ist sie am Boden zerstört, als sie Sages größtes Geheimnis erfährt: er ist kein Mensch, ebenfalls nicht und er hat nur noch ein paar Wochen zu Leben. Tragischer Weise, in genau dem Augenblick, als ihr das Schicksal ihre große Liebe geschickt hatte, schien es so, als wenn das Schicksal sie ihr auch wieder entreißen würde. Als Scarlet zurück zu der High School Party kommt, die in Vorbereitung auf den großen Ball stattfindet, endet sie in einem großen Streit mit ihren Freunden, die sie aus ihrer Gruppe ausschließen. Gleichzeitig bringt Vivian alle beliebten Mädchen dazu, ihr das Leben zu Hölle zu machen, was zu einer unvermeidlichen Konfrontation führt. Scarlets ist gezwungen, sich davon zu schleichen, macht die Sache mit ihren Eltern noch schlimmer und fühlt bald Druck von allen Seiten. Das einzige Licht in ihrem Leben ist Sage. Aber er hält immer noch einige seiner Geheimnisse zurück und

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Seitenzahl: 275

Veröffentlichungsjahr: 2015

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ersehnt

(Band #10 Der Weg Der Vampire)

morgan rice

Ausgewählte Kommentare zu DER WEG DER VAMPIRE

„Rice leistet gute Arbeit, den Leser von Beginn an in die Geschichte hineinzuziehen, mit wunderbaren Beschreibungen, die über das reine Zeichnen des Hintergrundes hinausgehen....schön geschrieben und extrem schnell zu lesen.“

--Black Lagoon Reviews (über Turned - Gewandelt)

„Eine ideale Geschichte für junge Leser. Morgan Rice leistet gute Arbeit, eine interessante Wendung herauszuarbeiten...erfrischend und ungewöhnlich. Die Serie dreht sich um ein Mädchen...ein außergewöhnliches Mädchen!...Einfach zu lesen, doch extrem rasant... Bedingt jugendfrei.“

--The Romance Reviews (über Turned - Gewandelt)

„Packte meine Aufmerksamkeit von Anfang an und ließ nicht locker... diese Geschichte ist ein fantastisches Abenteuer, von Beginn an rasant und actionreich. Es ist kein langweiliger Moment zu finden.“

--Paranormal Romance Guild {über Turned- Gewandelt}

„Vollgepackt mit Action, Romantik, Abenteuer und Spannung. Lasst es euch nicht entgehen, und verliebt euch ganz von Neuem.“

--vampirebooksite.com (über Turned - Gewandelt)

„Eine tolle Geschichte, und vor allem die Art von Buch, die man nachts nicht weglegen kann. Das Ende war ein Cliffhanger, der so spektakulär war, dass man sofort das nächste Buch kaufen möchte, nur um herauszufinden, wie es weitergeht.“

--The Dallas Examiner {über Loved - Vergöttert}

„Ein Buch, das TWILIGHT und VAMPIRE DIARIES Konkurrenz macht, und dazu führen wird, dass man bis zur letzten Seite nicht genug davon bekommt! Wer Abenteuer, Liebe und Vampire mag, liegt mit diesem Buch genau richtig!“

--vampirebooksite.com (über Turned - Gewandelt)

„Morgan Rice erweist sich erneut als äußerst talentiert im Geschichtenerzählen...Dies wird eine große Bandbreite an Lesern ansprechen, darunter die jüngeren Fans des Vampir/Fantasy-Genres. Das Ende ist ein unerwarteter Cliffhanger, der Sie schockieren wird.“

--The Romance Reviews (über Loved – Vergöttert)

Über Morgan Rice

Morgan Rice schrieb die Nr. 1-Bestseller DER WEG DER VAMPIRE, eine bisher elf Teile umfassende Jugend-Serie, die großteils bereits auf Deutsch erschienen ist; die Nr. 1-Bestseller-Serie THE SURVIVAL TRILOGY, ein postapokalyptischer Thriller, der aus bisher zwei Bänden besteht; und die epische Nr. 1-Bestseller-Fantasy-Serie DER RING DER ZAUBEREI, die bisher aus dreizehn Bänden besteht und großteils bereits auf Deutsch erhältlich ist.

Morgans Bücher sind als Hörbuch und gedruckte Ausgaben erschienen, und Übersetzungen der Bücher sind auf Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Japanisch, Chinesisch, Spanisch, Holländisch, Türkisch, Ungarisch, Tschechisch und Slowakisch erschienen (mit weiteren Sprachen in Arbeit).

Sämtliche Bücher von Morgan Rice werden demnächst in deutscher Sprache erhältlich sein.

Bitte besuchen Sie auch www.morganricebooks.com

Bücher von Morgan Rice

DER RING DER ZAUBEREI

QUESTE DER HELDEN (Band #1)

MARSCH DER KÖNIGE (Band #2)

LOS DER DRACHEN (Band #3)

RUF NACH EHRE (Band #4)

SCHWUR DES RUHMS (Band #5)

ANGRIFF DER TAPFERKEIT(Band #6)

A RITE OF SWORDS – RITUS DER SCHWERTER (Band #7)

A GRANT OF ARMS - GEWÄHR DER WAFFEN (Band #8)

A SKY OF SPELLS – HIMMEL DER ZAUBER (Band #9)

A SEA OF SHIELDS – MEER DER SCHILDE (Band #10)

demnächst auf Deutsch erhältlich

A REIGN OF STEEL – REGENTSCHAFT DES STAHLS (Band #11)

A LAND OF FIRE – LAND DES FEUERS (BAND #12)

A RULE OF QUEENS – DIE HERRSCHAFT DER KÖNIGINNEN (BAND #13)

DIE TRILOGIE DES ÜBERLEBENS

ARENA EINS: DIE SKLAVENTREIBER (BAND #1)

ARENA TWO --  ARENA ZWEI (Band #2)

DER WEG DER VAMPIRE

GEWANDELT (Band #1 Der Weg Der Vampire)

VERGÖTTERT (Band #2 Der Weg Der Vampire)

VERRATEN (Band #3 Der Weg Der Vampire)

BESTIMMT (Band #4 Der Weg Der Vampire)

BEGEHRT (Band #5 Der Weg Der Vampire)

BETROTHED -- VERMÄHLT (Band #6)

VOWED -- GELOBT (Band #7)

FOUND  -- GEFUNDEN (Band #8)

RESURRECTED  – ERWECKT (Band #9)

demnächst auf Deutsch erhältlich

CRAVED  – ERSEHNT (Band #10)

FATED  – BERUFEN (Band #11)

Hören Sie sich die VAMPIRE JOURNALS-Serie im Hörbuch-Format an!

Jetzt erhältlich auf:

Amazon

Copyright © 2014 by Morgan Rice

Alle Rechte vorbehalten. Außer entsprechend den Ausnahmen der U.S. Coryright Act von 1976 darf kein Teil dieser Veröffentlichung kopiert, vertrieben oder in irgendeiner Form oder durch irgendwelche Mittel übertragen werden, auch nicht in einer Datenbank oder in einem Datenabfragesystem gespeichert werden, ohne die vorherige Erlaubnis des Autors.

Dieses Ebook ist nur für Ihren persönlichen Gebrauch lizensiert. Dieses Ebook darf nicht weiterverkauft, oder an Dritte weitergegeben werden. Wenn Sie dieses Ebook mit anderen teilen möchten, kaufen Sie bitte ein zusätzliches Exemplar für jeden weiteren Leser. Wenn Sie dieses Buch lesen, obwohl Sie es nicht gekauft haben, oder es nicht ausschließlich für Ihren Gebrauch gekauft wurde, geben Sie es bitte zurück und kaufen Sie Ihr eigenes Exemplar. Vielen Dank, dass Sie die harte Arbeit des Autors respektieren.

O selge, selge Nacht! Nur fürcht ich, weil

Mich Nacht umgibt, dies alles sei nur Traum,

Zu schmeichelnd süß, um wirklich zu bestehn—

William Shakespeare, Romeo and Juliet

In der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegl

INHALTSVERZEICHNIS

KAPITEL EINS

KAPITEL ZWEI

KAPITEL DREI

KAPITEL VIER

KAPITEL FÜNF

KAPITEL SECHS

KAPITEL SIEBEN

KAPITEL ACHT

KAPITEL NEUN

KAPITEL ZEHN

KAPITEL ELF

KAPITEL ZWÖLF

KAPITEL DREIZEHN

KAPITEL VIERZEHN

KAPITEL FÜNFZEHN

KAPITEL SECHZEHN

KAPITEL SIEBZEHN

KAPITEL ACHTZEHN

KAPITEL NEUNZEHN

KAPITEL ZWANZIG

KAPITEL EINUNDZWANZIG

KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG

KAPITEL DREIUNDZWANZIG

KAPITEL VIERUNDZWANZIG

KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG

KAPITEL SECHSUNDZWANZIG

KAPITEL EINS

Caitlin Paine raste den West Side Highway herunter, entschlossen, die Klöster zu erreichen, bevor sie schlossen. Ihr Verstand wirbelte herum, während sie noch einmal die Probleme durchging, die Scarlet belagerten – Probleme, die kein Teenager haben sollte. Scarlet verwandelte sich, da war sich Caitlin sicher. Sie war nicht mehr länger menschlich und jeden Tag wurde es schlimmer. Caitlin fühlte, dass sie wurde, was sie, Caitlin einst gewesen war: ein Vampir.

Natürlich hatte Caitlin keine Erinnerungen mehr daran, selbst ein Vampir gewesen zu sein; aber nach dem, was sie in dem Tagebuch gelesen hatte, das sie auf dem Dachboden gefunden hatte – ihr Vampirtagebuch – fühlte sie, dass alles wahr war. Falls das Tagebuch echt war, und sie glaubte, dass es das war, dann war sie selbst einst einer gewesen, in der Vergangenheit; irgendwie war sie hier gelandet, in der Gegenwart, mit einem normalen Leben, einer normalen Familie und keinen verbliebenden Erinnerungen daran.

Das einzige Problem war, ihre Familie war weit davon entfernt, normal z sein. Ihr Leben war weit davon entfernt, normal zu sein. Ihre Tochter, irgendwie, wurde zu dem, was sie einst gewesen war.

Caitlin wünschte, zum millionsten Male, dass sie das Tagebuch nie gefunden hätte. Sie fühlte, dass, es zu finden, dasselbe war wie die Büchse der Pandora zu öffnen, die diese Parade der Alpträume verursacht hatte. Sie wünschte verzweifelt, dass sie alles wieder zurück zum Normalen bringen könnte.

Sie musste Antworten haben. Sie musste sicher gehen, dass dies alles authentisch war. Wenn sie die Dinge schon nicht wieder dazu bringen konnte, normal zu werden, dann musste sie zumindest mehr darüber rausfinden, was mit Scarlet passiert war. Und herausfinden, ob es eine Möglichkeit gab, es zu beheben.

Beim Fahren dachte Caitlin wieder an die seltenen Bücher, die sie in ihrer Bibliothek gefunden hatte. Vor allem an diese einzigartige Ausgabe und seine zerrissene Seite. Sie dachte an die antike Zeremonie, die in Latein geschrieben war, mit einer Heilung für Vampirismus. Sie fragte sich erneut, ob es echt war. War das nur weitergegebene Folklore? Ein Ammenmärchen?

Jeder ernsthafte Gelehrte würde natürlich sagen, dass es das war. Und ein Teil von ihr wollte es ebenfalls zurückweisen. Aber ein anderer Teil von ihr klammerte sich daran, klammerte sich an die letzte Hoffnung, dass Scarlet zu retten war. Zum millionsten Mal fragte sie sich, wie sie wohl an den anderen Teil der Seite kommen sollte. Es kam von einem der seltensten Bücher, die es je gegeben hatte und selbst wenn sie ein weiteres Exemplar auftreiben konnte, wie hoch wäre wohl die Chance, dass die andere Hälfte der Seite darin wäre? Nach allem war die Seite herausgerissen worden, wahrscheinlich um sie zu verstecken. Aber von wem? Von was? Das Geheimnis grub sich tief in ihren Kopf.

Sie versuchte sich stattdessen auf ihr eigenes Tagebuch zu konzentrieren, ihre eigene Handschrift aus vorigen Jahrhunderten, ihrer Beschreibung des Vampirzirkels in der Nähe des Klosters. Sie hatte von einer geheimen Kammer im Kloster geschrieben, tief unter der Erde. Sie musste wissen, ob es wahr war. Wenn es dort ein Zeichen gäbe, irgendein Zeichen, dann wäre alles in ihrem Kopf bestätigt, und würde ihr erlauben, selbstbewusst weiter zu gehen. Aber wenn dort kein Zeichen wäre, würde es ihr ganzes Tagebuch in Zweifel ziehen.

Caitlin fuhr vom Highway runter, der sich um den Fort Tryon Park schlängelte und fuhr zum Haupteingang des Klosters. Sie fuhr eine enge, kurvenreiche Zufahrt hoch und parkte schließlich vor dem massiven Gebäude.

Als sie ausstieg, blieb sie stehen und sah an dem Gebäude hoch; aus irgendeinem seltsamen Grund fühlte sich der Ort auffällig vertraut an, als wenn er ein wichtiger Platz in ihrem Leben gewesen wäre. Sie konnte nicht verstehen, warum, denn, soweit sie wusste, hatte sie das Kloster nur ein- oder zweimal besucht. Außer, natürlich, alles in ihrem Vampirtagebuch wäre wahr. Wurde, was sie fühlte, real? Oder war alles nur Wunschdenken?

Sie eilte durch die gewölbte Vordertür in das mittelalterliche Gebäude, eine lange Steigung hoch und durch einen langen, schmalen Flur. Schließlich kam sie zum Haupteingang, zahlte den Eintritt und ging durch einen langen Korridor. Sie passierte einen kleinen Hof auf ihrer Rechten, mit Reihen von Steinbögen, im inneren ein mittelalterlicher Garten. Das Herbstlaub schimmerte darin. Es war ein Werktag, nachmittags und der Platz war nahezu leer, und sie fühlte sich, als hätte sie alles für sich.

Das war, bis sie Musik hörte. Zuerst war es nur eine Stimme – dann mehrere Stimmen. Singend. Antike Gesänge von einem kleinen Chor. Sie konnte nicht herausfinden, ob es live oder aufgezeichnet war als sie dort stand, gebannt hörte sie das Echo der himmlischen Stimmen, die durch das kleine Schloss schallten. Sie fühlte sich in der Zeit zurückversetzt.

Sie wusste, sie hatte eine Mission zu erfüllen, aber sie musste sehen, wo die Musik herkam. Sie ging einen anderen Korridor hinunter und folgte dem Klang. Sie trat durch eine kleine, gewölbte, mittelalterliche Tür und fand sich selbst in der Kapelle wieder, mit hohen Decken und bunten Glasfenstern. Dort stand zu ihrer Überraschung ein Chor aus sechs Sängern, ältere Männer und Frauen, alle in weißen Roben gekleidet. Sie standen vor einem leeren Raum und sahen hinunter auf ihre Notenblätter.

Gregorianische Gesänge. Caitlin sah das Zeichen, die riesigen Poster, die das Nachmittagskonzert ankündigten. Ihr wurde klar, dass sie in eine live Vorstellung gestolpert war. Allerdings war sie die einzige Person in dem Raum. Offenbar wusste niemand davon.

Caitlin schloss ihre Augen, als sie der Musik zuhörte. Es war so schön, so eindringlich, dass sie es schwer fand, wieder zu gehen. Sie öffnete ihre Augen und sah sich in dem Raum um, betrachtete die dicken Wände und die Einrichtung und sie fühlte sich dadurch noch mehr aus der Realität gerissen. Wo war sie.

Das Lied endete schließlich und sie drehte sich um und eilte aus dem Raum, in dem Versuch, den Sinn für die Realität wieder zu erlangen.

Sie eilte zurück den Flur entlang und kam zu einer Steintreppe. Sie stieg sie hinab, bis in die Tiefen des Klosters hinunter und dabei schlug ihr Herz schneller. Dieser Ort fühlte sich unheimlich vertraut an, als wenn sie hier schon vorher einmal Zeit verbracht hätte. Sie konnte es nicht verstehen.

Sie eilte durch die untere Etage, sich dabei an die Beschreibung aus dem Eintrag ihres Tagebuchs erinnernd. Sie erinnerte sich an die Erwähnung einer Tür, ein geheimes Portal, die nach unten in eine unterirdische Höhle führte, zu Calebs Zirkel.

Sie wurde immer aufgeregte, als sie zu ihrer linken einen mit Seil abgetrennten Bereich sah. Hinter dem Seil war eine perfekt erhaltene, mittelalterliche Treppe. Sie führte hinauf, aber nur in die Decke. Es ging nirgendwo hin. Es war nur ein Artefakt, ein Schein. Genauso, wie in ihrem Tagebuch beschrieben.

Aber die Treppe hatte auch eine kleine, hölzerne Tür, versteckt in der unteren Hälfte und dahinter konnte Caitlin nicht sagen, ob die Stufen herunter führen würden, auf eine andere Ebene. Es war abgesperrt und sie konnte ihr nicht nahe kommen.

Sie musste es wissen. Wenn es hinunter gehen würde, wäre alles, was sie geschrieben hatte wahr, nicht nur Fantasie.

Sie schaute in beide Richtungen und entdeckte einen Wachmann auf der anderen Seite des Raumes, ein Nickerchen haltend.

Sie wusste, dass sie große Schwierigkeiten bekommen konnte, wenn sie eine Absperrung in einem Museum umging – vielleicht sogar verhaftet werden konnte. Aber sie musste es wissen. Sie musste es schnell machen.

Schnell stieg Caitlin über das Absperrseil, in Richtung Treppe.

Sofort wurde ein Alarm ausgelöst, kreischte eine Sirene durch die Luft.

“HEY LADY!” schrie der Wachmann.

Er rannte hinter ihr her. Der Alarm klingelte und ihr Herz schlug ihr heftig in der Brust.

Aber jetzt war es zu spät. Sie konnte nicht umkehren. Sie musste es wissen. Es ging gegen alles in ihrer Veranlagung, über das Seil zu steigen, ein Museumsstück zu verletzen, gegen die Regeln zu verstoßen – besonders wenn es um Geschichte und Artefakte ging. Aber sie hatte keine Wahl. Scarlets Leben stand auf dem Spiel.

Caitlin erreichte die Treppe und griff nach dem mittelalterlichen Holzgriff. Sie riss sie auf.

Die Tür ging auf und sie sah, wohin die Treppe führte.

Nirgendwohin. Sie endete im Flur. Es war eine falsche Treppe. Nur eine Anschauung.

Ihr Herz sank, am Boden zerstört. Es gab keine unterirdische Kammer. Keine Falltür. Nichts. Wie das Schaubild schon gesagt hatte, war es nur eine Treppe. Einzig und allein. Ein Artefakt. Ein altes Relief. Es war alles eine Lüge. Alles.

Caitlin fühlte plötzlich raue Arme, die sie von hinten ergriffen und sie herauszogen, über das samtene Seil hinweg auf die andere Seite.

“Was glauben Sie, was Sie hier machen!?” schrie sie ein anderer Wachmann an, der herbeikam und half, sie wegzuziehen.

“Es tut mir leid”, sagte sie und versuchte, dabei schnell nachzudenken. “Ich…ähm…habe meinen Ohrring verloren. Er fiel runter und sprang über den Boden. Ich dachte, er wäre darüber gerollt. Ich habe ihn nur gesucht.”

“Das ist ein Museum, gute Frau!” bellte er sie mit rotem Gesicht an. “Sie können nicht einfach über das Seil steigen. Und Sie dürfen keine Sachen berühren!”

“Es tut mir so leid”, sagte sie mit trockener Kehle. Sie betete, dass sie nicht eingesperrt wurde. Sie könnten es sicherlich, dass wusste sie.

Die beiden Wachleute sahen einander an, als würden sie miteinander debattieren.

Endlich sagte einer von ihnen, “Verschwinden Sie hier!”

Er schubste sie und Caitlin, erleichtert, verschwand den Flur hinunter. Sie sah eine offene Tür und ging nach draußen, zu einer niedrigen Terrasse, über die sie rannte.

Sie fand sich selbst draußen, auf der unteren Terrasse, in der kalten Oktoberluft, mit immer noch klopfendem Herzen. Sie war so glücklich, hier draußen zu sein. Zur selben Zeit war sie am Boden zerstört. Hier gab es nichts. War ihr ganzes Tagebuch erfunden? War nichts davon real? Bildete sie sich alles nur ein?

Aber wie würde das dann Aidens Reaktion erklären?

Caitlin überquerte die gepflasterte Terrasse und kam an einem weiteren, mittelalterlichen Garten vorbei, dieser gefüllt mit kleinen Obstbäumen. Sie lief weiter, bis sie zu einem Marmorgeländer kam. Sie lehnte sich dagegen und sah in die Ferne, wo sie den Hudson erkennen konnte, der in der späten Nachmittagssonne glitzerte.

Plötzlich drehte sie sich um und erwartete Caleb dort zu sehen, neben ihr. Aus irgendeinem Grund fühlte sie, dass sie schon hier gewesen war, auf dieser Terrasse, mit Caleb. Es machte keinen Sinn. Verlor sie ihren Verstand? Nun, sie war sich nicht so sicher.

KAPITEL ZWEI

Scarlet stürzte in ihr Zimmer, hysterisch weinend, und warf die Tür hinter sich zu. Sie war den ganzen Weg nach Hause gerannt vom Fluss und hatte seitdem nicht aufgehört zu weinen. Sie verstand nicht, was mit ihr passierte. Der Moment, in dem sie den Puls an Blakes Hals gesehen hatte, als sie sich gefühlt hatte, als ob sie ihn beißen wollte, flammte immer wieder in ihrem Kopf auf. In dem sie sich an ihm nähren wollte.

Was geschah nur mit ihr? War sie eine Art Freak? Warum hatte sie sich so gefühlt? Und warum genau dann – von allen möglichen Momenten? Gerade, als sie ihren ersten Kuss hatten?

Nun, da sie weit entfernt von dieser Szene war, war es viel schwieriger für Scarlet zu beschwören, wie sich ihr Körper angefühlt hatte – und mit jedem vergangenen Moment bekam sie mehr Abstand dazu. Jetzt fühlte sich ihr Körper normal an. War es nur ein flüchtiger Moment gewesen? War es nur etwas seltsames, einmaliges, dass sie überkommen hatte, das nie wieder kommen würde?

Das wollte sie unbedingt glauben. Aber ein anderer Teil von ihr, ein tieferer, fühlte, dass dies nicht der Fall war. Das Gefühl war so stark gewesen, es war etwas gewesen, das sie nie vergessen würde. Wenn sie sich ihm unterworfen hätte und nur eine weitere Sekunde dageblieben wäre, war sie sicher, dass Blake zu diesem Zeitpunkt schon tot wäre.

Scarlet konnte nicht umhin, auch an den anderen Tag zu denken. Krank von der Schule nach Hause gekommen. Aus dem Haus gerannt. Vergessen, was geschehen war, wo sie gewesen war. Im Krankenhaus aufzuwachen. Ihre Mutter so besorgt, so ausgeflippt….

Nun kam es alles an die Oberfläche ihres Geistes. Ihre Mutter hatte gewollt, dass sie mehr Ärzte aufsuchte, mehr Tests machte. Und dann, dass sie zu einem Priester ginge. Vermutete ihre Mutter etwas? War es das, hinter dem sie herjagte? Dachte sie, dass sie ein Vampir werden würde?

Scarlets Herz schlug schnell, als sie so dasaß, in ihrem Raum, zusammengerollt in ihrem Lieblingsstuhl. Ruth legte ihren Kopf in ihren Schoß und Scarlet beugte sich herunter und streichelte sie. Aber sie tat es mit Tränen in den Augen. Sie fühlte sich geschockt, wie betäubt. Der Gedanke, dass sie krank war, machte ihr Angst, dass sie eine Art Krankheit hatte – oder vielleicht auch etwas Schlimmeres. Innerlich dachte sie, dass es lächerlich wäre, in welche Richtung sie dachte. Aber sie musste sich das fragen. Ihr Wunsch, in seinen Hals zu beißen. Das Gefühl, dass sie an beiden Schneidezähnen gehabt hatte. Ihr Verlangen, zu fressen. War es möglich?

War sie ein Vampir?

Existierten Vampire wirklich?

Sie griff hinüber, öffnete ihren Laptop und googelte es. Sie musste es wissen.

Sie öffnete den Wikipedia Eintrag für „Vampir“ und begann zu lesen:

“Die Vorstellung des Vampirismus existiert seit Jahrtausenden; Kulturen wie die Mesopotamier, Hebräer, Griechen und Römer hatten Geschichten von Dämonen und Geistern, die den modernen Vampiren zum Vorläufer gereichten. Doch trotz des Auftretens von Vampir-ähnlichen Kreaturen in diesen antiken Zivilisationen stammt die Folklore für die Entität, die wir heutzutage kennen als Vampir aus dem Südost-Europa des frühen 18.ten Jahrhunderts, aus der verbale Überlieferungen von vielen ethnischen Gruppen dieser Region aufgezeichnet und überliefert wurden. In den meisten Fällen sind Vampire wiederkehrende böse Menschen, Suizidopfer oder Hexen, aber sie können auch erschaffen werden, indem ein böswilliger Geist eine Leiche in Besitz nimmt, oder durch den Biss eines Vampires.”

Scarlet schlug den Laptop schnell zu und stellte ihn weg. Es war alles zu viel für sie zu verkraften.

Sie schüttelte ihren Kopf, in dem Versuch, es geradezu aus ihrem Kopf zu schütteln. Etwas stimmte definitiv nicht mit ihr. Aber war es das? Es ängstigte sie.

Noch schlimmer wurde das Ganze durch ihre Gefühle für Blake und der Gedanke daran, was zwischen ihnen passiert war. Sie konnte nicht glauben, dass sie so vor ihm weggerannt war, besonders in diesem Augenblick. Sie hatte so eine bezaubernde Zeit zusammen gehabt, ein Traumdate. Und jetzt das. Endlich, wo ihre Beziehung gerade ihren Anfang nahm. Es war so unfair.

Sie konnte sich nicht einmal vorstellen, was er jetzt von ihr dachte. Er musste denken, dass sie ein Freak war, eine Art absoluter Psycho, dass sie einfach so abgesprungen war, mitten in einem Kuss und abgehauen war, in den Wald gesprintet war. Er musste glauben, dass sie definitiv nicht bei Verstand war. Sie war sich sicher, dass er sie nie wieder sehen wollte. Vielleicht ging er zurück zu Vivian.

Sie wollte es ihm unbedingt erklären. Aber wie könnte sie das anstellen? Was könnte sie sagen? Dass sie einen plötzlichen Drang verspürt hatte, in seinen Hals zu beißen? Sich an ihm zu nähren? Sein Blut zu trinken? Dass sie vor ihm wegrennen musste, um ihn zu beschützen?

Sicher, das würde ihn bestimmt beruhigen, dachte sie.

Sie wollte die Dinge richtig stellen. Sie wollte ihn wiedersehen. Aber sie wusste nicht, wie sie es erklären sollten. Nicht nur das, sie hatte auch Angst davor, ihm beim nächsten Mal Nahe zu sein; sie traute sich gerade selbst nicht. Was wäre, wenn dieser Drang wieder über sie kam? Und was, wenn sie ihn beim nächsten Mal wirklich verletzen würde?

Als sie darüber nachdachte, brach sie in Tränen aus. War sie dazu verdammt, nie wieder mit Jungs zusammen zu sein?

Nein. Sie musste es versuchen. Zumindest musste sie versuchen, die Dinge richtig zu stellen. Sie musste es versuchen, um es sich selbst zu erklären, auf irgendeine Weise. Und wenn nur, damit er sie nicht hasste. Selbst wenn er sie nie wieder sehen wollte, konnte sie die Dinge nicht so stehen lassen. Und tief im Inneren, hoffte ein Teil von ihr immer noch, dass dies vielleicht eine einmalige Sache gewesen war, eine Horrorepisode, und dass sie das vielleicht überwinden konnten und immer noch zusammen sein konnten. Immerhin, wenn sie das überstehen würden, könnten sie alles gemeinsam überstehen.

Scarlet fühlte sich langsam etwas besser. Sie wischte sich die Tränen ab, nahm ein Taschentuch, putzte sich die Nase und nahm ihr Handy zur Hand. Sie wählte seine Nummer aus und begann zu schreiben.

Dann stoppte sie. Was sollte sie sagen?

Es tut mir so leid, was heute passiert ist.

Sie löschte das. Es war zu allgemein.

Ich weiß nicht, was heute über mich gekommen ist.

Das löschte sie auch. Es klang nicht ganz richtig. Sie brauchte die perfekte Balance, den perfekten Mix aus Entschuldigung und der Hoffnung, dass sich nicht alles geändert hatte. Sie musste auch betonen, was sie für eine tolle Zeit mit ihm bis zu diesem Punkt gehabt hatte.

Sie schloss ihre Augen und seufzte, angestrengt nachdenkend. Komm schon, komm schon, feuerte sie sich selbst an.

Sie begann zu tippen.

Ich hatte heute so eine tolle Zeit mit Dir. Es tut mir so leid, dass es so geendet hat. Es gab einen Grund, warum ich so gehen musste, aber ich kann ihn Dir nicht erklären. Ich weiß, dass es schwer ist, zu verstehen, aber ich hoffe, Du kannst das. Ich wollte Dich nur wissen lassen, dass ich eine tolle Zeit hatte und es mir Leid tut. Und ich hoffe, wie sehen uns wieder.

Scarlet starrte lange Zeit auf ihren Entwurf und drückte dann schließlich auf Senden.

Sie sah ihrem Text beim Verschwinden zu.

Ihr Text war nicht perfekt. Sie hatte schon überlegt, wie sie ihn umschreiben konnte, auf eine Million Arten. Und ein Teil von ihr bereute schon, ihn abgesendet zu haben. Vielleicht klang er zu verzweifelt. Vielleicht war er zu kryptisch.

Wie auch immer. Er war weg. Zumindest wusste er jetzt, dass sie ihn immer noch mochte und ihn wieder sehen wollte.

Sie wusste, dass Blake sein Handy jede Sekunde des Tages bei sich hatte. Sie wusste, er würde es sofort bekommen. Und dass er seine Texte normalerweise innerhalb von Sekunden beantwortete.

Scarlet zitterte, während sie auf seine Antwort wartete.

Sie legte ihr Handy neben ihren Laptop und schloss ihre Augen, atmete langsam und wartete auf die Vibration. Ersehnte die Vibration.

Komm schon, dachte sie. Schreib mir zurück.

Sie saß dort, wartete, eine gefühlte Ewigkeit. Sie aktualisierte ihr Handy. Nach ein paar Minuten schaltete sie es sogar aus und wieder an, falls etwas mit der Verbindung nicht stimmte. Dann sah sie auf die Uhr. Zwei Minuten vergangen.

Dann fünf.

Dann zehn.

Sie schlug ihr Handy wieder auf den Tisch und konnte fühlen, wie die Tränen wieder aufstiegen. Er schrieb ihr offensichtlich nicht zurück. Wie konnte sie es ihm verübeln? Sie hätte sich wahrscheinlich auch nicht zurückgeschrieben.

Also war es das jetzt. Es war vorbei.

Dann, plötzlich, vibrierte ihr Handy.

Sie griff herüber und riss es vom Tisch.

Aber ihr Herz sank, als sie sah, dass es nicht Blake war. Es war Maria.

Ich kann nicht glauben, dass Du so einfach geschwänzt hast. Also… wie war Dein Date mit Blake?

Scarlet seufzte. Sie hatte keine Ahnung, was sie antworten sollte.

Keine Sorge. Ich werde nicht wieder schwänzen. Es ist aus zwischen uns.

Wirklich? OMG. Warum? Vivian?

Nein. Nicht sie. Es war nur…

Scarlet stoppte und fragte sich, was sie sagen sollte.

…es hat nicht geklappt.

Erzähl es mir.

Scarlet seufzte. Sie wollte wirklich das Thema wechseln.

Gibt nichts zu erzählen. Was gibt´s bei Dir?

OMG, Ich kann nicht aufhören, für den neuen Typen zu schwärmen. Sage. Habe heute frische Details gehört.

Scarlet war erschöpft und wollte wirklich nicht weiterschreiben. Sie wollte nicht noch mehr Gerüchte und Unterstellungen über den neuen Jungen hören – oder über irgendwen. Sie wollte einfach nur von der Welt verschwinden.

Aber Maria war ihre beste Freundin, also musste sie sie bei Laune halten:

Was denn?

Er hat eine Schwester und einen Cousin. Sie gehen aber nicht auf unsere Schule. Er ist ein Senior. Er kommt von einer Privatschule. Ich habe gehört, er ist reich. So wie super-reich.

Scarlet interessierte es nicht. Sie wollte das hier nur beenden.

Glücklicherweise, bevor sie tippen konnte, bekam sie eine weitere Nachricht – diese von Jasmin.

OMG, was ist mit Deiner Facebook Pinnwand passiert?

Scarlet las es überrascht.

Was meinst Du?

Bevor sie antworten konnte, nahm sie ihren Laptop, öffnete ihn und ging auf ihre Seite.

Ihr Herz sank. Vivian hatte darauf gepostet:

Netter Versuch, Blake zu stehlen. Es hat nicht funktioniert. Nachdem er Dich abgeschossen hatte, kam er zu uns zurück. Ich wusste, er würde Dich abschießen. Ich war nur überrascht, dass es so schnell ging.

Scarlet atmete scharf ein, völlig verblüfft. Sie sah, dass verschiedene ihrer Freunde diesen Post kommentiert hatten und sah, dass es sich auf viele Pinnwände verbreitet hatte. Sie sah auch, dass Vivian es auf Twitter gepostet hatte und das alle von Vivians Freunden wieder-getwittert hatten.

Scarlet war entsetzt. Sie hatte sich nie peinlicher berührt gefühlt. Sie löschte den Kommentar von ihrer Pinnwand, blockierte Vivian, ging zu ihren Einstellungen und änderte diese so, dass nur noch ihre Freunde darauf posten konnten. Aber es war natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein – klar, der Schaden war schon angerichtet. Nun würde die ganze Schule denken, dass sie anderen Leuten den Freund stehlen würde. Und dass sie abgeschossen worden war.

Ihr Gesicht wurde rot. Sie war so sauer, sie wollte Vivian erwürgen. Sie wusste nicht, was sie tun sollte.

Sie schlug ihren Laptop zu und stürmte aus dem Zimmer. Sie flog die Treppen herunter ohne zu wissen, wo sie hingehen sollte oder was sie tun sollte. Alles was sie wusste, war, dass sie Luft brauchte.

“Komm mit, Ruth”, sagte sie.

Sie packte ihre Leine und Ruth sprang aufgeregt herum, folgte ihr zur Tür hinaus und die Verandatreppen herunter.

Scarlet rannte die Treppen hinab, sah auf ihre Füße und war schon auf dem Bürgersteig, bevor sie aufsah. Dort sah sie ihn, wie er dort stand.

Sie blieb wie eingefroren stehen.

Er stand dort, starrte sie an, als hätte er auf sie gewartet.

Es war der neue Junge.

Sage.

KAPITEL DREI

Scarlet stand dort, am Ende ihrer Zufahrt, starrend. Sie konnte es kaum glauben. Dor, auf der anderen Straßenseite, nur ein paar Meter entfernt, sie anschauend mit seinen intensiven, grauen Augen, stand der neue Junge. Sage.

Was tat er hier, direkt vor ihrem Haus? Wie lange stand er schon dort? Hatte er ihr Haus beobachtet? War er auf dem Weg zu ihrer Zufahrt? Oder ging er nur vorbei?

Aber auf dem Weg wohin? Sie lebte in einer ruhigen Vorstadtstraße und hier lief kaum jemand herum. Dann wieder war sie allerdings nur zwei Blocks von der Stadt entfernt und es war denkbar, dass er irgendwo dort hinlief. Aber das war unwahrscheinlich.

Bei dem Gedanken, dass er dort stand, ihr Haus beobachtete oder dort vorbeilief, ließ sie fast ausflippen. Auf der einen Seite konnte sie nicht abstreiten, dass sie aufgeregt war, ihn zu sehen. Aufgeregt war nicht das richtige Wort. Es war mehr wie… gebannt. Sie konnte ihre Augen nicht von ihm abwenden. Seine glatte Haut, sein starker Kiefer, seine Stolzen Wangenknochen und Nase, seine grauen Augen, lange Wimpern – sie hatte noch nie jemanden getroffen, der so hübsch war wie er. So edel, so stolz. Er schien hier so fehl am Platze, als würde er aus dem Sechzehnten Jahrhundert kommen.

Sie konnte auch nichts daran ändern, dass sie Schmetterling im Bauch hatte, wenn sie ihn ansah. Und das war ein Gefühl, dass sie nicht haben wollte. Maria, ihre beste Freundin, hatte klar gemacht, dass sie von ihm besessen war. Wie falsch wäre es von Scarlet, ihn ihr wegzunehmen. Maria würde ihr nie vergeben. Und sie würde sich selbst nie vergeben. Abgesehen davon, dass sie ja auch Blake hatte. Hatte sie?

Sie dachte wieder an Vivians Post, dass Blake sie abgeschossen hatte. Hatte Blake ihr das wirklich gesagt? Oder hatte Vivian das erfunden? Egal wie, sie war sich ziemlich sicher, dass Blake aus ihrem Leben verschwunden war.

“Ähm…hi”, sagte sie, da sie nicht wusste, was sie sonst sagen sollte. Sie hatten sich schließlich einander noch nicht vorgestellt.

“Ich wollte Dich nicht erschrecken”, sagte er zurück.

Sie liebte seine Stimme. Sie war so sanft, so leicht, aber gleichzeitig stark. Er hatte leise gesprochen und doch war da etwas Autoritäres in seiner Stimme. Sie könnte dieser Stimme für immer zuhören.

“Ich bin Sage”, sagte er und streckte eine Hand aus.

“Ich weiß”, sagte sie, als sie seine Hand nahm.

Die Berührung seiner Haut war elektrisierend. Ihr Nerven kitzelten, als er ihre frierende Hand in seiner warmen hielt.

“Kleine Stadt”, fügte sie hinzu, als Erklärung, aber dann war es ihr peinlich. Das war dumm von ihr gewesen, sie hätte nicht sagen sollen, dass sie seinen Namen kannte. Dadurch sah sie verzweifelt aus.

Aber warte, dachte sie. Warum dachte sie überhaupt in die Richtung? Nach allem, war er Marias Mann. Oder nicht?

“Deine Hand ist so kalt”, sagte er, als er auf ihren Handrücken sah.

Scarlet zog sie unsicher zurück.

“Tut mir leid,” sagte sie achselzuckend.

“Du hast mir Deinen Namen nicht genannt”, sagte er.

“Oh, tut mir leid, ich dachte, Du würdest ihn kennen”, sagte sie, dann fügte sie hinzu, “nicht das ich berühmt oder beliebt wäre, oder so. Es ist nur…nun, kleine Stadt halt, weißt Du?”

Sie stolperte über ihre eigenen Worte und machte die Dinge mit jedem Satz schlimmer. Das tat sie immer, wenn sie vor Jungs nervös wurde.

“Wie auch immer, mein Name ist Scarlet. Scarlet Paine.”

Er lächelte.

“Scarlet”, wiederholte er.

Sie liebte den Klang ihres Namens in seiner Stimme.

“Die Farbe von vielen Dingen. Wein, oder Blut, oder Rosen. Natürlich bevorzuge ich letzteres”, fügte er lächelnd hinzu.

Scarlet lächelte zurück. Wer sprach denn so? fragte sie sich. Es war, als würde er aus einer anderen Zeit stammen, einem anderen Ort. Sie würde sterben, um mehr von ihm zu erfahren.

“Was tust Du hier?” fragte sie, dann fand sie, dass es zu hart klang. “Ich wollte nicht unfreundlich sein oder so. Ich meine nur, was machst Du vor meinem Haus?”

Er sah einen Moment nervös aus.

“Ja”, sagte er. “Seltsames Timing, oder nicht? Ich war gerade in der Stadt und dachte, ich seh mich mal ein bisschen um. Ich bin neu hier und dachte, ich würde sehen, wo diese Straße hinführt. Ich hatte keine Ahnung, dass sie mich zu Dir führen würde.”

Scarlet fühlte sich besser. Zumindest stalkte er nicht ihr Haus oder so.

“Nun, da gibt es nicht viel zu sehen. Diese Stadt geht ja nur ein paar Blocks in jede Richtung. Noch ein paar Blocks in die Richtung und das war´s dann.”

Er grinste. “Ja. Ich war gerade dabei, das selbst herauszufinden.”

Plötzlich rannte Ruth zu ihm, sprang an ihm hoch und leckte seine Hand.

“Nicht springen”, tadelte Scarlet sie.

“Es ist ok”, sagte er.

Er kniete sich hin und streichelte Ruth sanft, streichelte ihr Fell mit seinem Handrücken, kraulte sie hinter den Ohren. Ruth lehnte sich an ihn und leckte seine Wange. Sie begann zu winseln und Scarlet konnte sehen, dass sie ihn wirklich mochte. Sie war schockiert. Ruth war immer so beschützend ihr gegenüber und sie hatte noch nie gesehen, dass sie zu einem Fremden so war.

“Was für ein schönes Tier. Bist Du doch, Ruth?”, sagte er.

Ruth lehnte sich fester an ihn und leckte ihn erneut und er küsste sie auf die Nase.

Scarlet war fassungslos.

“Woher weißt Du, dass ihr Name Ruth ist?”

Er stand plötzlich auf, überrumpelt.

“Ähm…Ich habe es gelesen. Auf ihrem Halsband.”