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Liebe? Es ist sowieso und überhaupt alles ganz anders. Unberechenbar, zum Glück. Auffallende Gerechtigkeit. Kein Mensch bleibt von ihr verschont. Fette, Magersüchtige, Reiche, Arme, Strukturierte, Egomanen, Familienmenschen, Wissenschafter und Freidenker. Wie ein lang anhaltender Regen durchsetzt die Liebe das menschliche Wesen. Seit Menschen Gedenken bis in die Gegenwart. Legt frei, weicht auf, spült fort. Was bleibt ist vielfach Ratlosigkeit und selten innige, in rosa Bauschwatte gehüllte, lang anhaltende unerträgliche Harmonie. Liebe? Die einzige Konstante. Lasst es regnen. Mit - Es regnet Liebe - zeigt Gerald Eschenauer, Erfolgsautor aus Kärnten, eine neue Seite seines literarischen Schaffens. Der gesellschaftskritische Schriftsteller widmet sich erstmals einem Thema, das niemanden unberührt oder gar kalt lässt. Wenn Eschenauer von Liebe schreibt, vollführen sich gar wundersame Dinge. Abkehr von Einseitigkeit, gegenseitiger Betäubung und kirchlich legitimierten Puzzlemenschen, dafür Hinwendung zu Akzeptanz, Bereicherung, Reibung, Konsens und schließlich Neufindung. In zahlreichen Beziehungsgeschichten, Gedichten und Wortexperimenten begibt sich der Autor auf die Spur der Liebe, um gemeinsam mit seiner Leserschaft den Verdacht auf Irrtümer oder gar Bestätigung auszumachen. Ist es am Ende Liebe? Ein Mysterium – und wir seine Maulwürfe.
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Seitenzahl: 106
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Impressum
Gerald Eschenauer
Es regnet Liebe
ISBN 978-3-903095-07-6
© 2017 MITGIFT Verlag
www.mitgift.at • [email protected]
Satz & Layout: Ralph Edenhofer
Lektorat: Gerhard Maierhofer
Cover: MITGIFT Verlag, Fotolia
Gerald Eschenauer
Es regnet
Liebe
Für alle Frauen und Männer, die an die Liebe glauben. • Für alle Frauen und Männer, die den Glauben an die Liebe verloren haben. • Für alle Frauen und Männer, deren Glaube an die Liebe verschüttet ist. • Für alle Frauen und Männer, die nicht wissen, was die Liebe ist. • Für alle Frauen und Männer, für welche die Liebe existenziell ist. Für alle Frauen, Männer und ... Für alle.
Wien
Lissabon
Stockenboi
Villach
Inhalt
Geografische Bestimmung
Die Geschichte von den Fragen
Frauen, wir lieben euch
Männer, sie lieben uns
Zu Weihnachten liebt es sich besser
Paarbericht
Alles, was dir zu Liebe einfällt
Bedienungsanleitung
Eigenliebe
Das Resultat
Kein Entrinnen
Beständigkeit
Herzenssache
Unerreichbarkeit
Verloren
Ja wo ist sie denn?
Gesucht und gefunden
Entwicklung
Ausblicke
Freude an dir
Distanz
Schieflage
Nichts zu machen
Istzustand
Konsequent
Trümmerhaufen
Fragestunde
Blindflug
Wortlos
Verwechslung
Banalität
Schweigen
Hoffnungslos
Alles andere als Liebe
Miteinander
Lebenslang
Irritation
Paarlauf
Liebe
Demontage
Haltung
Aussteigerin
Vermächtnis
Selbstbestimmtheit
Transparenz
Wimpernschlag
Bedrängnis
Die wahre Liebe
Die Unbekannte am Strand
Scheu wie ein Reh
Nistplatz
In aller Klarheit
Gedankenexzerpte
Funktionsapparatur
In letzter Konsequenz
Bittere Erkenntnis
Selbst ist die Frau
Endzeit
Verschiedene Welten
Tu es!
Seismograf
Ganz klar
Das Reservat
Die obsoleszente Beziehung
Sapiosexueller Kraftakt
Lydia und Erwin
Resistenz
Fragenkatalog
Habe ich alles?
Ausbruch
In Ruhe
Auswahlverfahren
Alleingang
Keine Zeit
Hoffnung
Richtungswechsel
Zeitfenster
So viele Fragen
Versuch
In die Jahre
Priorität
Nüchterne Betrachtung
Fragestunde
Zugabe
Geografische Bestimmung
Wo die gräulichsten menschlichen Verbrechen begangen wurden, hält sie sich am liebsten auf. Sie infiltriert, durchsetzt und entlarvt das Böse. Ohne erhobenen Zeigefinger. Eine Macht, die den längeren Atem haben wird. Nicht missbräuchlich, sondern selbsterklärend. Sie nutzt ihre Immerwährendheit gegen das Bestialische, das in Form von Banalität die Wälder, Wiesen und Menschen okkupiert, doch immer nur von kurzer Dauer sein kann. Alles andere wäre wider die Natur. Das Böse hat seinen Ursprung selten in der Dummheit, diese dient ihm vielmehr als Verstärker. Wir müssen uns davor hüten, den Fehler zu machen, zu vergessen. Vergessen ist der Anfang vom Ende. Und das Ende hatten wir bereits.
Sie liebt mich, sie liebt mich nicht, sie liebt mich, sie liebt mich nicht, sie liebt mich, sie liebt mich nicht, sie liebt mich ...
Es regnet LiebeGerald Eschenauer
Die Geschichte von den Fragen
„Was denkst du?“, fragt Helene, ein Leuchten in ihren Augen. „Ich? Nichts.“ Die erste Lüge. Auf Dauer ist es mühsam, immer Fragen zu beantworten. Und am Anfang gibt es so viele Fragen. Alles ist neu. Unentdeckt. Erforschenswert. Wert, der Sache, dem Menschen, auf den Grund zu gehen. Helene ist über beide Ohren in Adam Erich verliebt. Sie sagt nie Adam Erich zu ihm. Erich sollte genügen. Adam ist ihr zu biblisch. Gerade liegt sie in seinem Arm, auf seiner Brust. „Was denkst du?“, unterbricht sie die Stille. Was antwortet man darauf als Mann, Vertrauen, Ehrlichkeit, Offenheit vorausgesetzt? Adam Erich hat keine Antwort, außer dass diese Frage irgendwie tötet. Einerseits die Stille, andererseits den Frieden, der noch vor wenigen Augenblicken vorgeherrscht hat. Es fehlen ihm die Worte, und das ist nicht die Antwort, die sie gerne gehört hätte. Die vorausgesetzte Antwort. Das Ausbleiben der Antwort setzt ein Unbehagen – nein, das wäre zu viel –, setzt einen vakuumähnlichen Zustand der Neutralität, eine Tendenz, ins Negative abzugleiten, in Gang. Öfter darf das nicht passieren, sonst sind die Liebe und die Harmonie im Arsch. Aber davon wittern die beiden momentan noch nichts. Noch wird munter und ohne Scheu drauflosgefragt. „Was bestimmt dein Leben? Was bewegt dich momentan?“ Über Fragen wie „Welche Sportarten, welches Essen, was magst du gar nicht?“ sind sie längst erhaben. Nicht selten werden sie gestellt, bei anderen Paaren. Manches Mal sehr kurz gehalten, wenn per SMS kommuniziert wird. Warum nicht? Solange überhaupt gefragt wird. Sie sind sich schon sehr sicher, Helene und Adam Erich.Ein unvergleichliches Gefühl. Ein kontrollierter Rausch, der sie gerade mitnimmt. Im Prinzip gesteht sie es sich nicht gerne ein, dass sie sich nach nichts so sehnt, als geliebt und anerkannt zu werden. Die Suche nach diesen beiden Faktoren, um zu einem menschengerechten, menschenwürdigen Leben zu kommen, ist evident. „Was denkst du?“ ist ein Ja zu Erich.Ein Ja zu seinem Bauch, zu seiner alles andere als gestählten Figur, zu seiner Kommunikationsarmut und zu seinen Kränkungen und Hänseleien im Kleinkind- und Erwachsenenalter. Ein Ja zu Erich,das er selbst nicht erwidern kann. Ein Ja zu Helene fällt ihm leichter als ein Ja zu sich selbst.
Die Qualität der Fragen entscheidet über die Qualität des Zusammenlebens.
„Wer war das? Was gibt es zu essen? Wann hast du heuer Urlaub? Was hast du diese Woche getan?“ Jede Frage verrät den Fragenden. Erich ist wortkarg. Kein Fragender. Kein Suchender. Kein Eroberer. Ins Leben geworfen, rudert er mit großen unkontrollierten Handbewegungen um sich, um nicht unterzugehen. Helene ist sein Rettungsanker, doch wer rettet Helene, wenn sie immer weiter aufs Meer hinaustreibt und der Stille überdrüssig wird? Erich ist dazu nicht in der Lage. Helene weiß das. Sie liebt ihn deswegen nicht minder. Ihre tief in ihr schlummernden Ängste, alleine zu sein, lassen Helene vieles ertragen. Die Antwortlosigkeit, die Kluft, die sich mit der Zeit in ihrer Stille ausdehnt, macht es ihr manchmal schwer. Die Momente, in denen sich ihre Seelen umarmen, wortlos unchoreografierte Schritte tanzen, werden weniger. Ebenso wie die Fragen.
Es ist nicht die Zeit, um aufzugeben. Jetzt. In dieser Zeit, in der alles möglich ist. In der es vielen gut geht, die vermeintliche Freiheit allgegenwärtig ist. In einer Zeit, in der Partnerschaft und Beziehung wirtschaftlich keinen Stellenwert mehr haben, außer bei Anwälten, Detektiven und Psychotherapeuten. In Helene mobilisiert sich die Frau, die Partnerin, die Kämpferin.
„Was denkst du?“, fragt Helene mit ernster Miene in der Küche an der Arbeitsplatte lehnend und Erich fixierend. Eine andere Intention schwingt diesmal in derselben Frage mit. Erich bricht in Tränen aus. Die schönste Antwort, die er ihr jemals gegeben hat. Helene nimmt ihn in den Arm. Alles steht kopf, die Rollen sind vertauscht.
Zu fragen kann doch kein Fehler sein. Fragt! Um Himmels willen fragt, was das Zeug hält! Und vergesst dabei nicht, die Antwort auch zu ertragen. Keine sozialisierten Fragen. Fragen des Herzens. Und lasst das Herz sprechen! Es schweigt selten, und wenn, dann hat es seinen Grund.
Helene und Erich liegen noch immer zusammen. Manchmal schweigen sie, manchmal reden sie, und manchmal lassen sie ihre Herzen sprechen.
Frauen, wir lieben euch
Dieses Getuschel beim Dessert am Buffet. Zu zweit marschiert ihr auf. „I håb ålles.“ Sämtliche Desserts durchgekostet. Auf dem Teller, der eigentlich der Hauptspeise vorbehalten ist, zusammengefasst. Mousse au Chocolat, Crème brûlée auf Mangospalten und Feigenmousse.
Wir lieben euch. Euer Verständnis für Ästhetik, für ästhetische Kleidung. Wenn ihr euch in die Jeans werft oder in konturenverhüllende Fetzenmode. Eine Frau wie die andere mit Ballerinas, um den Spreizfuß zu kaschieren. All jene, die noch ein Verständnis für die Überbeine und Fehlstellungen an den großen Zehen haben. Wir lieben eure ununterbrochene Euphorie, sich verbal über Nonsens zu unterhalten. Was Nonsens ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Für euch ist er der Mittelpunkt der Welt. Wir lieben euch mit eurem Schachteldenken und den Beschriftungen des Beziehungsstatus. Wir lieben euch, wenn ihr euch mit eurer besten Freundin in einem Café trefft, Orgasmusschwierigkeiten eures Partners besprecht, von denen er selbst bisher nichts wusste und ein Anlächeln seitens der besten Freundin beim nächsten Treffen nicht zuordnen kann.
Wir lieben euch für den körperlichen Verfall, dem ihr euch entgegenstemmt. Die eine mehr, die andere weniger. Viele gar nicht. Glaubt uns, das ist unübersehbar. Ihr gebt euch dem Verfall hin, ohne ihn zu bemerken. Ihr seid Sinnbild für den Verfall. Uns wird er weniger übel genommen. Wir sind keinen Tick besser. Das spricht euch aber nicht von dem Umstand frei, euch dem Verfall hinzugeben.
Viel schrecklicher als der körperliche Verfall ist der geistige. Es gibt viel zu tun. Ob das sexistische Kabarett eines weiblichen Comedians der einzig gangbare Weg ist? Wir sind skeptisch. Wir lieben euch trotz der Zertrümmerung des Mannes Anfang des 21. Jahrhunderts. Wir lieben euch mit dem Wissen, dass die Annahme, als Frau alleine ohne das Gegengeschlecht Mann existieren zu können, falsch ist. Wir haben diese These nicht aufgestellt. Ihr habt sie gerne übernommen.
Wir lieben euch für die unzähligen Fehlentscheidungen, die ihr trefft, wenn ihr vor dem Spiegel steht. Übrigens, auch für die richtigen Entscheidungen lieben wir euch. Wir lieben euch für die unglaubliche Vielfalt an Schminkwerkzeug, das sich in eurem Badezimmer aufhält. Schrei nach Anerkennung in Pastelltönen, Mascara und Gesichtscremen in aufwendigen Verpackungen. Der Inhalt ist nichts wert, aber die Verpackung – wir staunen. Wir lieben euch für eure unvollendeten, euch meist missfallenden Körper. Fehlende Proportionen, unsymmetrische, unpassende Nasen, Falten, Augen und Körperringe – wir lieben euch. Wenn es euch gelingt, euch selbst anzunehmen, lieben wir euch besonders. Dann strahlt ihr engelsgleich. Die Stille wird dann laut, ganz ohne Worte.
Wir lieben euch für eure fehlende Diplomatie. Wenn alles sofort und während der Fernseher läuft, besprochen werden muss. Und wenn ihr von A nach Z, mitten im Satz, einfach das Thema wechselt, wir dabei nicken, obwohl wir bei D bereits ausgestiegen sind. Wir lieben euch auch dann, wenn größere oder kleinere Tattoos an Knöchel, Lenden, Schulterblatt und Rücken nur das Äußere eures Wesens, selten das Innere verändern und ihr euch darüber wundert. Wir wundern uns selbstverständlich mit euch. Und wir lieben euch dafür so gut wir können.
Wir lieben euch für das Binnen-I, das in keinem Text der Wertschätzung fehlen darf. Wir lieben euch für die unzähligen Selbsthilfegruppen, die ihr gegründet habt, um euer Selbstbewusstsein zu stärken, das, wovon ihr gar nichts wisst, bereits ein Vielfaches des männlichen Selbstbewusstseins erreicht hat.
Wir lieben euch für eure selbst gemachten Marmeladen, Kekse, Engel, die ihr uns ungefragt schenkt. Für die Bettwäsche, die ihr aussucht, und die Polster, die ihr zurechtrichtet. Für die Ordnung, die ihr haltet; zumindest manchmal. Wir lieben euch für eure konfuse Vielfältigkeit und Zerstreutheit, die mit ein Teil der gesamten Ordnung ist, ohne die wir nicht leben wollen und ohne die es nie und niemals gehen kann. Wir lieben euch für euer Verständnis, dass es uns manchmal zu viel ist, was ihr euch da leistet in euren Jogginghosen mit Einkaufstaschen am Arm und Punschkrapfen im Mund ins Cabrio einsteigend.
Wir lieben euch bedingungslos und immerwährend für alles Gesagte und Ungesagte, Getane und nicht Getane.
Wir lieben euch für eure Hand, die sich morgendlich nach uns ausstreckt, in der Löffelchenstellung näher rückt und uns komplettiert. Erst mit zwei Löffeln schmeckt der Kaffee. Wir lieben euch für das Überstreifen unseres viel zu großen Hemdes, in dem ihr verschwindet, das euch dennoch so gut steht. Das wechselseitig euren Geruch aufnimmt und unseren abgibt. Erst dann riecht es vollendet. Wir lieben euch dafür, dass ihr in richtigen und falschen Momenten Hotelzimmer bucht, an richtigen und falschen Destinationen. Wir lieben euch dafür, dass wir manchmal an richtigen Orten mit den falschen Frauen, an falschen Orten mit den richtigen Frauen oder zuhause mit den richtigen oder falschen Frauen Zeit verbringen.
Wir lieben euch dafür, dass ihr das seid, was wir nie sein können. Und hoffentlich noch sehr lange seid, was wir nicht sind und nie sein werden.
Wir lieben euch. Auch auf die Gefahr hin, dass wir damit euer Paradies, die rosa Wolke namens Harmonie, die Welt, eure Welt empfindlich stören. Schön stören. Schön ...
Männer, sie lieben uns
Zahnpastatuben sind längst kein Thema mehr. Zusammengerollte Socken und Wäschehaufen schon. Sie lieben uns, weil sie sich gerne sorgen. Weil ihre Sorge Zeichen ihrer Zuneigung ist. Weil sich dahinter ihr Lebenssinn verbirgt. Frauen lieben uns, weil wir hilflose Wesen sind und Frauen das seit Anbeginn der Menschheit erkannt haben.
Frauen lieben unser durch nichts und niemanden erschütterbares Selbstbewusstsein. Sie lieben unseren Arm, in dem sie schwach sein dürfen, in dem sie versinken und bemüht sind, sich darin aufzulösen. Derselbe Arm, der auf den Tisch haut. Memmen sind nirgends gerne gesehen. Sie lieben unsere Stimme, die selbst in der ausweglosesten Ausweglosigkeit Überlegenheit suggeriert. Sie lieben den Jäger in uns, der spätestens bei der ersten Begegnung mit ihnen in den Hintergrund treten sollte und selten tritt. Sie lieben unsere Unpünktlichkeit, weil genau das der Punkt ist, an dem sie einhaken können. Und wegen uns das Essen kalt wurde und das Theater oder Kino versäumt wurde und der Kindergeburtstag ihres längst erwachsenen Kindes oder ihr eigener übersehen wurde.
