Es weihnachtet sehr -  - E-Book

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Beschreibung

In diesem Geschenkbuch für die schönste und besinnlichste Zeit des Jahres hat die beliebte Theologin und Bestsellerautorin Margot Käßmann wunderbare Weihnachtsgeschichten und -Gedichte zusammengestellt, die ihr persönlich lieb und wichtig sind. Sie stammen aus der Feder von - Dietrich Bonhoeffer - Jochen Klepper - Hans Ostwald - Werner Reiser - Rachel Naomi Remen - Joachim Ringelnatz - Anna Ritter - Theodor Storm - und vielen anderen Margot Käßmann leitet das festlich gestaltete Buch und jeden Text mit persönlichen Gedanken ein. Dabei beleuchtet sie auch viele Bräuche rings um den Advent, Nikolaus, die Weihnachtsfeiertage und Heilige Drei Könige. Die liebevoll ausgewählten Texte regen zum Nachdenken an und sind ein wunderbares kleines Weihnachtsgeschenk für Freunde und Familie.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 80

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Es weihnachtet sehr

Meine liebsten Geschichten und Gedichte zum Fest

Margot Käßmann

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Über dieses Buch

»Der Advent ist eine besondere Zeit, in der wir uns an frühere Jahre erinnern und uns auf das Kommende freuen. Lassen Sie sich mit hineinnehmen in diese Wochen des Wartens und der Vorfreude.«

 

Für die schönste und besinnlichste Zeit des Jahres hat Margot Käßmann wunderbare Weihnachtsgeschichten und -gedichte zusammengestellt, die ihr lieb und wichtig sind. Sie stammen aus der Feder von Dietrich Bonhoeffer, Jochen Klepper, Anna Ritter, Joachim Ringelnatz, Theodor Storm und vielen anderen. Margot Käßmann leitet das Buch und jeden Text mit persönlichen Gedanken ein und beleuchtet dabei auch viele Bräuche rund um den Advent, Nikolaus, die Weihnachtsfeiertage und Heilige Drei Könige.

 

Weitere Informationen finden Sie unter: www.bene-verlag.de

Inhaltsübersicht

Vorwort

»Wir sagen euch an den lieben Advent«

Ein Brief aus dem Gefängnis

Winternacht in den Ardennen

Der Engel, der nicht singen wollte

Wie man zum Engel wird

Jesu Geburt

Knecht Ruprecht

Vom Christkind

Der Weihnachtsbaum

Weihnachten zu Hause

Zilles Milljöh

Die helle Welt des Josef Heeg

Die Geburt – Eine Weihnachtsgeschichte

Märchen vom Auszug aller »Ausländer«

Der Segen meines Großvaters

Die Nacht ist vorgedrungen

Vorwort

© Epine/Shutterstock.com

Weihnachten – nun bin ich schon bald siebzig Jahre alt und doch hat dieses Fest noch lange nicht seinen wunderbaren Klang für mich verloren. Ich freue mich alle Jahre wieder darauf.

Dazu gehört für mich, ganz bewusst auf das Fest zu warten. Die dunkle Zeit im November mit Volkstrauertag, Buß- und Bettag und schließlich dem Toten- oder auch Ewigkeitssonntag ist eine stille Zeit, die ihr eigenes Recht hat. Trauer und Schmerz brauchen ihre Zeit. Im Advent eine Kerze nach der anderen anzuzünden und sich darauf zu freuen, dass am Heiligen Abend der wunderbare Baum mit seinen Kerzen die Stube im besten Sinne des Wortes erhellt, das bleibt für mich eine wunderbare Erfahrung. »Es weihnachtet sehr« – das ist eine ganz besondere Stimmung.

Geschenke spielen, wenn wir älter werden, nicht mehr so eine große Rolle wie bei Kindern. Es sind mehr die Zeichen der Verbundenheit, die zeigen: Ich habe an dich gedacht. Das kann eine Kleinigkeit sein oder auch schlicht eine besondere Karte, über die wir uns freuen. Und klar: Feiern wir Weihnachten mit Kindern oder begleiten sie beim »Warten aufs Christkind«, dann ist diese Vorfreude der Kinder ein Gefühl, das sich überträgt, unsere Herzen erwärmt.

Christinnen und Christen beschenken einander, weil sie das Kind in der Krippe als Geschenk Gottes verstehen. Im Dezember zünden wir eine Kerze nach der anderen an, auch um deutlich zu machen, dass wir auf das Licht der Welt warten. Und am Heiligen Abend entzünden wir viele Lichter, um deutlich zu machen: Gott will Licht in die Welt bringen.

 

Für viele Menschen sind heute christliche Traditionen verloren gegangen, sie kennen manche Rituale nicht mehr und haben sich auch entfremdet von der biblischen Wurzel dieses so anrührenden Festes. Martin Luther hat einmal gesagt, er sei ein »Weihnachtschrist«, das bin ich auch. Und es sind immer noch viele Menschen, für die das Fest auch vom christlichen Glauben her besondere Bedeutung hat. Dazu gehören Geschichten und Gedichte, die unsere Herzen bewegen. Viele solche Texte sind mit mir geradezu durchs Leben gegangen, haben mich immer aufs Neue berührt. Manche haben einen sehr nachdenklichen Klang, viele sind durchaus auch humorvoll.

Gern möchte ich Gedichte und Geschichten, die mir am Herzen liegen, mit Ihnen teilen. Vielleicht zünden Sie selbst in Vorfreude auf Weihnachten eine Kerze an und sitzen gemütlich mit einer Tasse Tee in Ihrem Lieblingssessel. Vielleicht lesen Sie aber auch Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin oder auch Ihren Enkelkindern eine Geschichte vor. Wir lassen sie klingen im weiten Raum der Vorbereitungszeit Advent, das heißt ja »Ankunft«.

Wir warten auf die Ankunft Gottes in dieser Welt. Gerade in unserer Zeit, die von so viel Leid, Krieg und Zukunftsangst geprägt ist, warten wir in besonderer Weise auf die weihnachtliche Botschaft der Engel: »Fürchtet euch nicht!« und »Friede auf Erden!«. So wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.

 

Margot Käßmann

© Epine/Shutterstock.com

»Wir sagen euch an den lieben Advent«

Mir liegt daran, Traditionen zu pflegen, weil sie Halt geben und unseren Lebensrhythmus gliedern. Das tut gut, finde ich. Erst kommt die Adventszeit, in der wir uns auf das große Fest freuen. Und dann kommt, von Kindern und auch vielen Erwachsenen lange erwartet, Weihnachten.

Viele kennen den Ursprung mancher Bräuche gar nicht mehr. Beispielsweise die Geschichte des Adventskranzes. Johann Hinrich Wichern ist der Erfinder. Er hat von 1808 bis 1881 gelebt und im Alter von 25 Jahren in Hamburg das Rauhe Haus gegründet. Das war ein Ort, der Kindern, die verwaist oder verwahrlost waren, Zuflucht bot. Das galt damals geradezu als revolutionär. Die Kinder lebten in Wohngruppen, die wie Familien für sie waren. Sie wurden gefördert, damit sie eine Ausbildung abschließen und für sich selbst sorgen konnten. Bis heute betreut die Stiftung des Rauhen Hauses im Raum Hamburg Kinder und Jugendliche.

Um den Kindern die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest nahezubringen, hat Wichern für jeden Tag bis zum Heiligen Abend Kerzen auf einen Kranz gesteckt: eine große weiße Kerze für die Sonntage und jeweils kleine rote für die Werktage. Mit den insgesamt 28 Kerzen sollte die Vorfreude auf Weihnachten sinnlich erfahrbar werden. Später wurde die Zahl der Lichter reduziert – heute zünden wir an jedem Adventssonntag eine Kerze an, bis dann, kurz vor dem Weihnachtsfest alle vier Kerzen auf dem Adventskranz brennen. Dazu passt wunderbar das Lied »Wir sagen euch an den lieben Advent«:

© Epine/Shutterstock.com

Wir sagen euch an den lieben Advent

Sehet, die erste Kerze brennt

Wir sagen euch an eine heilige Zeit

Machet dem Herrn den Weg bereit

Freut euch, ihr Christen!

Freuet euch sehr!

Schon ist nahe der Herr

Wir sagen euch an den lieben Advent

Sehet, die zweite Kerze brennt

So nehmet euch eins um das andere an

Wie auch der Herr an uns getan

Freut euch, ihr Christen!

Freuet euch sehr!

Schon ist nahe der Herr

Wir sagen euch an den lieben Advent

Sehet, die dritte Kerze brennt

Nun tragt eurer Güte hellen Schein

Weit in die dunkle Welt hinein

Freut euch, ihr Christen!

Freuet euch sehr!

Schon ist nahe der Herr

Wir sagen euch an den lieben Advent

Sehet, die vierte Kerze brennt

Gott selber wird kommen, er zögert nicht

Auf, auf, ihr Herzen, und werdet licht

Freut euch, ihr Christen!

Freuet euch sehr!

Schon ist nahe der Herr1

© mariangarai/stock.adobe.com

Schön ist es, das Lied im Kreis der Familie mit den Kindern zu singen.

Da ich vier Töchter habe, durfte bei uns zu Hause immer eine von ihnen die nächste Kerze anzünden. Auch das ist ein wunderbares Ritual. Nicht alle sind gleichzeitig dran, sondern eins nach dem anderen.

An die Weihnachten meiner Kindheit erinnere ich mich gern. Meine Eltern betrieben eine Tankstelle und es war klar: Bis vierzehn Uhr mussten sie arbeiten. Aber meine Mutter hatte schon am Vorabend den Christbaum geschmückt.

Es gab eine Schiebetür vom Esszimmer zum Wohnzimmer und die war für uns Kinder ab 24. Dezember morgens verschlossen. Da war so ein Kribbeln im Bauch: Was verbirgt sich hinter dieser Tür? Welche Geschenke wird es wohl geben? Wie sieht der Baum aus? Dass da ein Geheimnis ist, eine solche Vorfreude, das finde ich schön. Heute fällt es manchen schwer, auf etwas warten zu müssen, was sie sich wünschen. Das sind viele nicht mehr gewohnt. Aber dieses Warten und Hoffen hatte etwas Bewegendes.

Ich erinnere mich, dass meine Geschwister und ich in späteren Jahren, als es dann auch bei uns zu Hause einen Fernseher gab, die Sendung Wir warten aufs Christkind schauen durften. Ein Programm für all die Kinder, die es vor Spannung kaum noch aushalten konnten, bis es endlich so weit war. Vorfreude ist die größte Freude, das ist wahr. Diese Spannung am 24. Dezember hatte jedenfalls ihren besonderen Wert.

Um achtzehn Uhr ging unsere Familie in den Gottesdienst. Wir alle waren engagiert in der Kirchengemeinde: Kindergottesdienst, Posaunenchor, meine Schwestern spielten sogar die Orgel. Am Ende des Gottesdienstes konnte ich es kaum aushalten, wenn die Erwachsenen noch beieinanderstanden und miteinander plauderten – ich wollte endlich nach Hause, den Christbaum und die Geschenke sehen! Aber erst einmal gab es Abendessen, ganz traditionell Pommersche Gänsesülze. Meine Großmutter hatte das Essen schon Tage vorher vorbereitet. Die Gans wurde zerlegt und eingelegt, überall im Haus – so habe ich es in Erinnerung – standen Schüsseln und Teller mit dieser Sülze. Den Geruch vergesse ich nicht. Und nach dem Tod meiner Großmutter habe ich nie wieder eine vergleichbare Sülze gegessen.

Nach dem gemeinsamen Abendessen kam der große Moment: Die Schiebetür wurde geöffnet. Während wir Kinder den Esstisch abräumten, nutzten unsere Eltern die Zeit, um die Kerzen am Baum zu entzünden. Und ich erinnere mich gut, wie bewegt ich war, diesen hell erleuchteten Baum zu sehen, wie aufgeregt, einen Blick auf die Geschenke, die darunter lagen, zu wagen und mich zu fragen: Was ist wohl für mich? Und was könnte darin sein?

Sicher ist nicht alles immer perfekt gelungen. In meiner Kindheit hatte meine Mutter wunderbare Plätzchenteller für alle zusammengestellt. Unser Hund hatte, während wir im Gottesdienst waren, die Schiebetür öffnen können und sich darüber hergemacht. Als wir die Bescherung entdeckten, lachten alle. Humor gehört zu Weihnachten dazu und ist wesentlich besser als Perfektionsdruck.