Esmeralda - wie geht es Dir? - Isabel Böge - E-Book

Esmeralda - wie geht es Dir? E-Book

Isabel Böge

3,9

Beschreibung

Eltern, Bezugspersonen und auch Therapeuten wissen oft nicht, wie sie Kindern und ihren Fragen in Bezug auf eine psychische Krankheit ihrer Eltern sinnvoll begegnen sollen. Der vorliegende Band ist ein präventives und manualisiertes psychoedukatives Gruppenprogramm für Kinder im Alter von 6-12 Jahren. Anhand der Geschichten über Esmeralda, einem Dralefant mit psychisch kranker Mutter, und Pipo, dem kleinen Berater, werden mögliche Themen und Schwierigkeiten im Leben eines Kindes mit einem psychisch erkrankten Elternteil altersgerecht erklärt. Die jeweiligen Gruppeneinheiten enthalten entsprechend dem Thema der einzelnen Geschichten praktische Übungen, in denen die Kinder auf spielerische Art und Weise eigene Handlungsstrategien im Umgang mit der Erkrankung der Eltern erlernen können. ContentPLUS enthält Arbeitsmaterialien für die Therapeuten zu den einzelnen Gruppenstunden, bspw. eine Symptomliste für Psychoedukation sowie ein Gefühlsinterview, und Materialien für die Kinder.

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Seitenzahl: 136

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Eltern, Bezugspersonen und auch Therapeuten wissen oft nicht, wie sie Kindern und ihren Fragen in Bezug auf eine psychische Krankheit ihrer Eltern sinnvoll begegnen sollen. Der vorliegende Band ist ein präventives und manualisiertes psychoedukatives Gruppenprogramm für Kinder im Alter von 6-12 Jahren. Anhand der Geschichten über Esmeralda, einem Dralefant mit psychisch kranker Mutter, und Pipo, dem kleinen Berater, werden mögliche Themen und Schwierigkeiten im Leben eines Kindes mit einem psychisch erkrankten Elternteil altersgerecht erklärt. Die jeweiligen Gruppeneinheiten enthalten entsprechend dem Thema der einzelnen Geschichten praktische Übungen, in denen die Kinder auf spielerische Art und Weise eigene Handlungsstrategien im Umgang mit der Erkrankung der Eltern erlernen können. ContentPLUS enthält Arbeitsmaterialien für die Therapeuten zu den einzelnen Gruppenstunden, bspw. eine Symptomliste für Psychoedukation sowie ein Gefühlsinterview, und Materialien für die Kinder.

Dr. med. Isabel Böge, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Leitende Oberärztin der KJPP ZfP Südwürttemberg. Dr. biol. hum. Anette Williamson, Diplom-Pädagogin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, niedergelassen in eigener Praxis.

Die Autorinnen:

Dr. med. Isabel Böge, geb. 1969, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Systemische Therapeutin (SG), Leitende Oberärztin der KJPP am ZfP Südwürttemberg, Ravensburg. Langjährige Erfahrung in psychotherapeutischer/psychiatrischer Behandlung von Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern, Supervision, Fortbildung und Lehre.

Dr. biol. hum. Anette Williamson, geb. 1977, Diplom Pädagogin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. Niedergelassen in eigener Praxis in Demmin (LK Mecklenburgische Seenplatte). Langjährige Erfahrung in Gruppenleitung, Gruppentherapie und Elternberatung.Die Illustratorin: Élena Berntzen, Hamm, Nordrhein-Westfalen.

Isabel Böge Anette Williamson

Esmeralda - wie geht es Dir?

Manual zur Gruppentherapie für Kinder psychisch kranker Eltern

Mit Zeichnungen von Élena Berntzen

Verlag W. Kohlhammer

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen oder sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige gesetzlich geschützte Zeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.

Die Materialien für das vorliegende Werk wurden im Rahmen eines Projekts für Kinder psychisch kranker Eltern entwickelt und erprobt, welches von der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg gefördert wurde.

1. Auflage 2013 Alle Rechte vorbehalten © 2013 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Umschlagabbildung: © Élena Berntzen Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart Printed in Germany

ISBN 978-3-17-022417-9

E-Book-Formate

pdf:

978-3-17-023974-6

epub:

978-3-17-027598-0

mobi:

978-3-17-027599-7

Inhaltsverzeichnis

Inhalt der ContentPLUS-Materialien

Einleitung

Überblick Manual

Erklärung Symbole

Themen und Bausteine im Überblick

Ablauf der Gruppenstunden

Gruppenstunden

1. Einführung und Information – Verstehen und Erkenne

1.1 Hallo erstmal!

1.2 Vorstellen des Gruppenprogramms

1.3 Was Esmeralda wohl erlebt hat?

1.4 Tschüß bis zum nächsten Mal!

2. Aufbau von Ressourcen

2.1 Hallo erstmal!

2.2 Esmeralda – ich erzähle Dir!

2.3 Was Esmeralda wohl erlebt hat?

2.4 Tschüß bis zum nächsten Mal!

3. Psychoedukation

3.1 Hallo erstmal!

3.2 Esmeralda – ich erzähle Dir!

3.3 Was Esmeralda wohl erlebt hat?

3.4 Tschüß bis zum nächsten Mal!

4. Verantwortung

4.1 Hallo erstmal!

4.2 Esmeralda – ich erzähle Dir!

4.3 Was Esmeralda wohl erlebt hat?

4.4 Tschüß bis zum nächsten Mal!

5. Unvorhersehbare und schlimme Erlebnisse

5.1 Hallo erstmal!

5.2 Esmeralda – ich erzähle Dir!

5.3 Was Esmeralda wohl erlebt hat?

5.4 Tschüß bis zum nächsten Mal!

6. Schuld

6.1 Hallo erstmal!

6.2 Esmeralda – ich erzähle Dir!

6.3 Was Esmeralda wohl erlebt hat?

6.4 Tschüß bis zum nächsten Mal!

7. Mein Notfallplan

7.1 Hallo erstmal!

7.2 Esmeralda – ich erzähle Dir!

7.3 Was Esmeralda wohl erlebt hat?

7.4 Tschüß bis zum nächsten Mal!

8. Gefühle I

8.1 Hallo erstmal!

8.2 Esmeralda – ich erzähle Dir!

8.3 Was Esmeralda wohl erlebt hat?

8.4 Tschüß bis zum nächsten Mal!

9. Handlungskompetenz

9.1 Hallo erstmal!

9.2 Esmeralda – ich erzähle Dir!

9.3 Was Esmeralda wohl erlebt hat?

9.4 Tschüß bis zum nächsten Mal!

10. Freundschaft

10.1 Hallo erstmal!

10.2 Esmeralda – ich erzähle Dir!

10.3 Was Esmeralda wohl erlebt hat?

10.4 Tschüß bis zum nächsten Mal!

11. Gefühle II

11.1 Hallo erstmal!

11.2 Esmeralda – ich erzähle Dir!

11.3 Was Esmeralda wohl erlebt hat?

11.4 Tschüß bis zum nächsten Mal!

12. Soziale Kompetenz

12.1 Hallo erstmal!

12.2 Esmeralda – ich erzähle Dir!

12.3 Was Esmeralda wohl erlebt hat?

12.4 Tschüß bis zum nächsten Mal!

13. Schwierige Situationen

13.1 Hallo erstmal!

13.2 Esmeralda – ich erzähle Dir!

13.3 Was Esmeralda wohl erlebt hat?

13.4 Tschüß bis zum nächsten Mal!

14. Offene Fragen

14.1 Hallo erstmal!

14.2 Esmeralda – ich erzähle Dir!

14.3 Was Esmeralda wohl erlebt hat?

14.4 Tschüß bis zum nächsten Mal!

15. Abschluss

15.1 Hallo erstmal!

15.2 Esmeralda – ich erzähle Dir!

15.3 Was Esmeralda wohl erlebt hat?

15.4 Tschüß das war’ s erst einmal …

Elterngespräche

Anhang – Materialien

Literatur

Inhalt der ContentPLUS-Materialien

Folgende Materialien erhalten Sie im Shop des Kohlhammer-Verlags unter ContentPLUS. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf der vorderen Umschlaginnenseite.

Materialien des Anhangs

►  Materialien zu Einheit 1 „Einführung und Information – Verstehen und Erkennen“

Vorschläge für das Bewegungs-Kennenlernspiel (zu 1.1) Partner-Interview (zu 1.1)

► Materialien zu Einheit 3 „Psychoeduktion“

Symptomliste für Psychoedukation (zu 3.3)

► Materialien zu Einheit 4 „Verantwortung“

Angefangene Sätze (zu 4.2) Meine Aufgaben – Deine Aufgaben (zu 4.3)

► Materialien zu Einheit 5 „Unvorhersehbare und schlimme Ereignisse“

Kärtchen „Was kann ich?“ (zu 5.1)

► Materialien zu Einheit 6 „Schuld“

44 Fragen (zu 6.2/6.4) Kärtchen „Bin ich Schuld?“ (zu 6.3)

► Materialien zu Einheit 7 „Mein Notfallplan“

Beispiel für einen Notfallplan (zu 7.3)

► Materialien zu Einheit 8 „Gefühle I“

Smilies (zu 8.2) Gefühlsliste (zu 8.3)

► Materialien zu Einheit 11 „Gefühle II“

Gefühlsinterview (zu 11.3)

► Materialien zu Einheit 12 „Soziale Kompetenz“

Coole Sprüche (zu 12.3) Kärtchen für Wünsche für die nächste Woche (zu 12.4)

► Materialien zu Einheit 14 „Offene Fragen“

Beispiel für einen Stationenlauf (zu 14.3) Sätze für die Zukunft (zu 14.4)

Materialheft für Kinder

► Materialien zu „Ablauf der Gruppenstunden“

Übersicht des Ablaufs

► Materialien zu Einheit 1 „Einführung und Information – Verstehen und Erkennen“

Geschichte „Esmeralda – wie geht es Dir?“ Malvorlage Esmeralda und Pipo

► Materialien zu Einheit 2 „Aufbau von Ressourcen“

Geschichte „Was Esmeralda alles kann“ Blatt „Mein Ressourcenbaum“

► Materialien zu Einheit 3 „Psychoedukation“

Geschichte „Was bedeuten nur die vielen fremden Wörter und was heißt ‚krank‘“? Liste von Symptomen, die ich kenne

► Materialien zu Einheit 7 „Mein Notfallplan“

Geschichte „Was im Notfall hilft“ Notfallplan-Kärtchen

► Materialien zu Einheit 8 „Gefühle I“

Geschichte „Meine Gefühle – Deine Gefühle – Esmeraldas Gefühle“ Blatt „Mein Gefühlskörper“

► Materialien zu Einheit 12 „Soziale Kompetenz“

Geschichte „So ein Ärger …“ Blatt „Meine coolsten Sprüche“

► Materialien zu Einheit 15 „Abschluss“

Geschichte „Zum Schluss – Abschiedsstunde, Version 1“ Geschichte „Zum Schluss – Abschiedsstunde, Version 2“

Einleitung

Psychische Erkrankungen kommen in der Gesamtbevölkerung häufig vor: Ca. 30 % der erwachsenen Gesamtbevölkerung in Deutschland leiden im Verlauf eines Jahres unter einer psychischen Störung (BPtK-Newsletter, 2007; Gehrmann und Sumargo, 2009). Dabei haben psychische kranke Menschen, dies belegen mehrere Studien, im Durchschnitt etwa genauso häufig Kinder wie psychisch gesunde Erwachsene. Übereinstimmend wird dargestellt, dass 16–27 % der stationär behandelten psychiatrischen Patienten (2/3 Frauen, 1/3 Männer) Kinder unter 18 Jahren haben (Lenz, 2005; Bohus u. a., 1998; Schmid u. a., 2008; Sommer, Zoller und Felder, 2001).

Schätzungen zufolge haben somit etwa zwei bis drei Millionen Kinder in Deutschland mindestens einen Elternteil, der psychisch erkrankt ist, d. h. an Depressionen, Schizophrenie, Persönlichkeits- oder Zwangsstörungen leidet – gut 500.000 Kinder davon wachsen bei einer Mutter oder bei einem Vater mit schweren psychischen Störungen auf. Jährlich machen 175.000 Kinder die Erfahrung, dass sich die Mutter oder der Vater in eine stationäre psychiatrische Behandlung begeben muss (Diskussionspapier der AGJ, 2010).

Diese Kinder müssen sich schon in einem frühen Alter mit den Auswirkungen der psychischen Erkrankung ihres Elternteils auf sich und ihr Umfeld auseinandersetzen. Ohne präventive Hilfestellungen weisen ca. 30–60 % der Kinder in Folge dessen schon im Kindesalter selbst psychische Störungen auf (Remschmidt und Mattejat, 1994; Rutter und Quinton, 1984).

Es ist inzwischen erwiesen, dass ein präsenter gesunder Elternteil die Auswirkungen der Erkrankung des kranken Elternteils abmildern oder gar aufheben kann (Kahn, 2004; Wagenblass, 2003), indem dieser reguläre Alltagsstrukturen aufrecht erhält und AnsprechpartnerIn für Fragen und Ängste des Kindes ist. Dieser Effekt erklärt sich dadurch, dass Kinder mit einem psychisch erkrankten Elternteil multiplen psychosozialen Stressoren ausgesetzt sind. Dadurch besteht für diese Kinder ein höher als normal liegendes allgemeines psychiatrisches Erkrankungsrisiko, wenn keine gesunde erwachsene Bezugsperson diese psychosozialen Stressoren abmildern kann. Das allgemeine psychiatrische Erkrankungsrisiko übersteigt dabei dann das, aufgrund von genetischer Vererbung, bestehende spezifisches Erkrankungsrisiko (Schlosser u. a., 2006), welches ebenfalls für diese Kinder hoch ist: Ist ein Elternteil psychisch erkrankt, steigt das Risiko für die Entwicklung einer eigenen psychischen Erkrankung auf das Zwei bis Dreifache. Leiden beide Elternteile an einer psychischen Störung, wächst das Risiko, selber zu erkranken, sogar auf das Vier bis Fünffache (Mattejat und Remschmidt, 2008; Kölch, 2009).

Psychosoziale Folgen entstehen für Kinder psychisch kranker Eltern auf multiplen Ebenen:

Kinder psychisch kranker Eltern sind oft

isoliert

. Sie spüren die Stigmatisierung in der Gleichaltrigengruppe und „verstecken“ deswegen ihre Eltern. Freunde werden nicht nach Hause gebracht, über diesen Elternteil wird nicht gesprochen. Sie grenzen sich lieber selbst aus, um nicht nach den Eltern gefragt zu werden.

Tabuisierungen

führen dazu, dass Kinder keine offene Strategie der Auseinandersetzung mit der Erkrankung entwickeln können. Eine offene Kommunikation könnte von den Eltern schnell als „Verrat“ eingestuft werden. Kinder halten sich an Tabus, mit der Folge: Dadurch, dass sie nicht außerhalb der Familie über die Erkrankung des Elternteils sprechen dürfen, haben sie keine Ansprechpartner, keine Informationsmöglichkeit, sie sind alleingelassen. Stattdessen suchen sie oftmals nach (kindlichen, meist fehlerhaften) Erklärungsmustern.

Beeinträchtigungen in der Kinderbetreuung

und im Erziehungsverhalten der Eltern sowie fehlende Strukturgebung im Alltag können zu

Desorientiertheit

führen. Auch wenn ein gesunder Elternteil in der Familie ist (was oftmals nicht der Fall ist) sind die Eltern oft zu sehr mit sich selbst, ihrer Partnerschaft und den Auswirkungen der Erkrankung auf ihr Leben beschäftigt, als dass sie auch noch den Kindern die altersgemäße Zuwendung, Förderung und Unterstützung schenken können.

Konflikte zwischen den Ehepartnern

führen ggf. zur Trennung der Eltern. Kinder stehen dabei im verschärften

Loyalitätskonflikt

: Sie müssen sich für das „kranke“ oder das „gesunde“ Elternteil entscheiden.

Es kommt durch zusätzliche Aufgaben (z. B. Haushaltsaufgaben) zu Belastungen im Alltag. Kinder kompensieren automatisch. Dabei übernehmen gerade ältere Kinder oft Aufgaben für die Eltern, oder auch elterliche Rollen gegenüber jüngeren Geschwistern (Parentifizierung), und stehen damit letztendlich in

Überforderungssituationen

.

Ängste

spielen eine Rolle:

Es gibt Angst

vor

dem Elternteil, z. B. wenn dieser wahnhaft ist,

Angst

um

das Elternteil, wenn z. B. Suizidhandlungen oder -androhungen eine Rolle spielen.

Es besteht oft Angst, selbst zu erkranken,

oder es kommt zu basalen Existenzängsten, da die Grundversorgung nicht mehr gesichert ist.

Insbesondere bei kleinen Kindern tauchen immer wieder

inadäquate Schuldgefühle

auf. Auf der Suche nach einer Erklärung für das veränderte Verhalten des Elternteils suchen Kinder schnell die Schuld an der Erkrankung von Mama oder Papa bei sich, fragen sich zum Beispiel, ob sie durch schlechtes Benehmen, Unfolgsamkeit oder lautes Schreien/Herumtoben am Entstehen der Krankheit beteiligt waren (Gehrmann und Sumargo, 2009; Kuhn und Lenz, 2008; Lenz, 2005; Schone und Wagenblass, 2006).

Der erfolgreiche Umgang mit dieser stressreichen und belastenden Lebenssituation für das Kind hängt wesentlich davon ab, über welche personalen und sozialen Schutzfaktoren/Ressourcen das Kind verfügt, sowie ob diese so mobilisierbar sind, dass die Belastungen erfolgreich bewältigt werden können – bzw. ob das Umfeld diese Kinder überhaupt wahrnimmt.

Kinder psychisch kranker Eltern werden oftmals als besonders flexibel und anpassungsfähig beschrieben, sie trauen sich etwas zu, und fallen daher mit ihrer Überforderung nicht oder erst spät auf, aber sie sind überfordert. Sie übersehen dabei schnell eigene Bedürfnisse, melden diese deswegen auch nicht an und laufen so Gefahr von den Erwachsenen um sie herum nicht wahrgenommen zu werden.

Kinder selbst suchen das Gespräch aufgrund vieler nonverbaler aber auch geäußerter Vorbehalte und Ängste zu psychischen Erkrankungen nicht. Erst wenn sie jemanden haben, der die Problematik ihrer Familie kennt und mit dem sie über die Erkrankung reden können, nehmen sie das Gesprächsangebot auf und benennen es als große Erleichterung, einen Ansprechpartner zu haben (Kuhn und Lenz, 2008).

All dies ist bekannt und dennoch gibt es oft zu wenig Hilfsangebote für die Kinder. Eltern, Bezugspersonen und (Erwachsenen)Therapeuten wissen zu oft nicht, wie sie den Kindern begegnen sollen: Ist es gut, mit einem Kind über die Erkrankung der Eltern zu sprechen? Wie kann man altersgemäß über psychische Krankheiten und die damit einhergehenden Verhaltensänderungen aufklären? Wie kann das, was unter Erwachsenen oft totgeschwiegen wird, den Kindern dennoch erklärt werden? Und ist es überhaupt nötig? Ja!

Zentrale Bestandteile der Präventionsarbeit mit Kindern psychisch kranker Eltern sind:

→  Offener Umgang mit der Erkrankung des Elternteils,

→ Etablierung bedeutsamer Dritter als Bezugspersonen,

→ Klare Verantwortlichkeiten (was ist meine Verantwortung, und was Verantwortung von Erwachsenen)

Es ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen, dass ein hoher Informationsgrad über die Erkrankung und Behandlung des erkrankten Elternteils einer der wichtigsten Resilienzfaktoren gegen eine eigene psychische Erkrankung des Kindes ist (Wütherich, Mattejat und Remschnidt, 1997; Mattejat und Lisofsky, 2008; Wiegand-Grefe u. a., 2010). Bisher sind je nach Alter nur zwischen 26 % (6–8-Jährige) und 74 % (15–17-Jährige) der Kinder über die psychische Erkrankung ihres Elternteils informiert. Inhaltlich sieht es je nach Krankheitsbild noch schlechter aus. So weiß z. B. nur jedes vierte Kind von an Schizophrenie erkranker Eltern etwas über die Erkrankung, während Kinder affektiv erkrankter Eltern in der Regel wesentlich besser aufgeklärt sind: Hier wissen drei von vier Kindern inhaltlich etwas über das Krankheitsbild ihres Elternteils. Eine Verteilung, die das Ausmaß der befürchteten Stigmatisierung widerspiegelt (Bohus u. a., 1998).

„Esmeralda – wie geht es Dir?“ ist ein präventives Gruppenprogramm für Kinder psychisch kranker Eltern. Die Kinder sind in dieser Gruppe die Hauptpersonen. Es geht um ihre Bedürfnisse und Wünsche, um Information zu der Erkrankung der Eltern und Erlernen von eigenen Handlungsstrategien im Umgang mit der Erkrankung der Eltern. Der Austausch mit anderen Kindern in einer ähnlichen Situation steht im Vordergrund. Ängste und Sorgen, positive und negative Erlebnisse, Fragen und Antworten können ausgesprochen, und eigene Ressourcen entdeckt werden.

Überblick Manual

Das Manual ist modular aufgebaut. Es besteht aus 15 psychoedukativen Einheiten für die Arbeit mit einer in sich geschlossenen Kindergruppe. Die ersten drei Einheiten sollten dabei in der vorgegebenen Reihenfolge mit den Kindern bearbeitet werden, die letzte Stunde (zwei Varianten) bildet thematisch den Abschluss der Gruppentherapie, welche normalerweise zehn bis zwölf Einheiten umfasst.

Während die ersten drei Geschichten von Esmeralda aufeinander aufbauen, sind die folgenden Einheiten in sich abgeschlossen und variabel einführbar. Diese Themen können in der hier aufgeführten Reihenfolge belassen oder je nach Gruppe und aktuellen Themen der Kinder vertauscht werden. Da der Erfahrung nach in jeder Kindergruppe leicht unterschiedliche Schwerpunkte entstehen, existieren mehr Einheiten als für eine zehn bis zwölf Einheiten dauernde präventive Kindergruppe nötig wären. Dem therapeutischen Leiter ist es überlassen die passenden Einheiten auszuwählen.

Für jede Einheit ist im Manual angegeben:

→ ein kurzes Begrüßungs-/Eingangsspiel, gefolgt von einer Befindlichkeitsabfrage der Kinder,

→ eine Esmeralda-Geschichte, die das Thema der aktuellen Einheit beinhaltet,

→ mögliche aktive Übungen oder Spiele zu dem jeweiligen Thema.

Erklärung Symbole

Aktivität – Was passiert heute?

Hinweis: Zum Teil sind die benannten Aktivitäten in den Einheiten im Rahmen von den durchgeführten präventiven Gruppen selbst entwickelte und erprobte Methoden, zum Teil sind es bei Anfangs- oder Endspielen bekannte Kinderspiele, zum Teil sind es während der Entwicklung der Gruppeneinheiten initial verwandte und auch im weiteren Verlauf als gut für diesen Themenbereich nutzbar erlebte Methoden der Psychotherapie und Erlebnispädagogik. Ist letzteres der Fall, dann steht ein Literaturhinweis am Ende der Anleitung zu der jeweiligen Methode.

Material – Was wird gebraucht?

Thematischer Inhalt – Esmeralda – wie geht es Dir?

Themen und Bausteine im Überblick

Thema

Bausteine

1

Kennenlernen oder:

Wer ist hier eigentlich wer und was machen wir hier?

Sammeln der Vorstellungen, warum die Kinder da sind

2

Ressourcen oder:

Was kann ich eigentlich gut?

Ressourcen erkennen:

Murmelbahn

Ressourcenbaum

3

Psychische Krankheiten oder:

Was ist eigentlich mit meinen Eltern los?

Krankheiten besprechen:

Sammeln von Krankheitssymptomen

Collage: Zoo der Symptome

4

Verantwortung übernehmen oder:

Wer ist eigentlich für was zuständig?

Verantwortlichkeiten zuordnen

Sammeln von Aufgaben der Familie

Dominobahn in Einzel-/Gruppenarbeit

5

Ein komischer Tag oder: