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Mit der steigenden Komplexität unserer Lebenswelt und den damit verbundenen Problemen wachsen die Anforderungen an moralisch vertretbare Lösungen. Im ersten der drei Teile des Buches wird im Rahmen einer Begriffsanalyse die philosophische Möglichkeit von moralischen Dilemmata und ethischem Dissens untersucht. Der zweite Teil widmet sich der Diskussion aktueller bio- und medizinethischer Beispiele für moralische Dilemmata und ethischen Dissens und untersucht deren Ursachen. Der dritte Teil nutzt die gewonnenen Einsichten, um eine normative Theorie der Konfliktbewältigung für die untersuchten Konflikttypen vorzustellen. Diese Theorie ist dazu geeignet, moralisch angemessene Entscheidungen in scheinbar ausweglosen Entscheidungssituationen zu finden.
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Seitenzahl: 278
Veröffentlichungsjahr: 2011
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Mit der steigenden Komplexität unserer Lebenswelt und den damit verbundenen Problemen wachsen die Anforderungen an moralisch vertretbare Lösungen. Im ersten der drei Teile des Buches wird im Rahmen einer Begriffsanalyse die philosophische Möglichkeit von moralischen Dilemmata und ethischem Dissens untersucht. Der zweite Teil widmet sich der Diskussion aktueller bio- und medizinethischer Beispiele für moralische Dilemmata und ethischen Dissens und untersucht deren Ursachen. Der dritte Teil nutzt die gewonnenen Einsichten, um eine normative Theorie der Konfliktbewältigung für die untersuchten Konflikttypen vorzustellen. Diese Theorie ist dazu geeignet, moralisch angemessene Entscheidungen in scheinbar ausweglosen Entscheidungssituationen zu finden.
Prof. Dr. Stephan Sellmaier lehrt Philosophie an der LMU München und ist Akademischer Geschäftsführer des Münchner Kompetenzzentrums Ethik.
Ethik im Diskurs Hrsg. vom Münchner Kompetenzzentrum EthikBand 2
Das Münchner Kompetenzzentrum Ethik (MKE) möchte ethische Probleme erkennen und beurteilen, bevor sie virulent werden. Ethischen Problemen kommt nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in den Wissenschaften eine stetig wachsende Bedeutung zu. Da diese Entwicklung von der überwiegenden Mehrzahl der Wissenschaften bis vor kurzem kaum wahrgenommen wurde, mangelt es an Lösungsansätzen in vielen Disziplinen.
Das MKE fördert ethische Forschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München und bietet ein interdisziplinäres Netzwerk für kooperative Lösungen ethischer Probleme in den Wissenschaften und in der Gesellschaft. Dabei baut das MKE auf den Resultaten früherer und gegenwärtiger Forschungen auf und vertieft die interdisziplinären Perspektiven. Das Zentrum fördert internationale Zusammenarbeit und bietet ein hochqualifiziertes Forum für den Austausch von Argumenten und Forschungsergebnissen.
Die Reihe „Ethik im Diskurs“ ist den Themen, Aufgaben und Zielsetzungen des Münchner Kompetenzzentrums Ethik verpflichtet. Ihre Bände decken die ganze Bandbreite der am MKE beteiligten 14 Fakultäten der LMU ab, sie können sich dabei sowohl schwerpunktmäßig auf einzelne Disziplinen beziehen als auch interdisziplinär angelegt sein.
Die Bände der Reihe, die von Prof. Dr. Gian Domenico Borasio, Prof. Dr. Benedikt Grothe, Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm Graf, Prof. Dr. Konrad Hilpert, Prof. Dr. Armin Nassehi, Prof. Dr. Ulrich Schroth, PD Dr. Stephan Sellmaier und Prof. Dr. Wilhelm Vossenkuhl herausgegeben wird, basieren in Form von Monographien und Sammelbänden einerseits auf den Ergebnissen von Forschungsprojekten und herausragenden Tagungen, andererseits auf hervorragenden Dissertations- und Habilitationsschriften.
Stephan Sellmaier
Ethik der Konflikte
Über den angemessenen Umgang mit ethischem Dissens und moralischen Dilemmata
2., durchgesehene Auflage
Verlag W. Kohlhammer
Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
2., durchgesehene Auflage 2011 Alle Rechte vorbehalten © 2008/2011 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart
Print: 978-3-17-021942-7
E-Book-Formate
pdf:
978-3-17-026663-6
epub:
978-3-17-027492-1
mobi:
978-3-17-027493-8
Vorwort
1 Moralische Konflikte
1.1 Moralische Konflikte – ethischer Dissens – moralische Dilemmata
1.2 Ethischer Dissens
1.2.1 Was ist ethischer Dissens
1.2.2 Ethischer Dissens und absolute ethische Theorien
1.2.3 Ethischer Dissens und der metaethische Relativismus
1.3 Moralische Dilemmata
1.3.1 Was sind moralische Dilemmata
1.3.2 Moralische Gefühle
1.3.3 Deontische Prinzipien
1.3.4 Konsequenzen für die ethische Theoriebildung
2 Moralische Probleme
2.1 Moralische Probleme
2.2 Dynamik des ethischen Alltags
2.3 Beispiele in der Ethik
2.3.1 Die theoretische Rolle von Beispielen
2.3.2 Verschiedene Arten von Beispielen
2.4 Ethischer Dissens
2.4.1 Probleme mit Beispielen für einen ethischen Dissens
2.4.2 Beispiele für einen ethischen Dissens
2.5 Moralische Dilemmata
2.5.1 Probleme mit Beispielen für moralische Dilemmata
2.5.2 Beispiele
3 Ethik der Konflikte
3.1 Eine andere Sichtweise: Ethik der Konflikte
3.2 Die Bewältigung moralischer Dilemmata
3.2.1 Kontingenz
3.2.2 Vagheit und Gewichtung
3.2.3 Inkommensurabilität und Unvergleichbarkeit
3.2.4 Uneindeutigkeit
3.2.5 Ahnungslosigkeit
3.2.6 Zusammenfassung
3.3 Der Umgang mit ethischem Dissens und seine Bewältigung
3.3.1 Verstehen – Akzeptieren
3.3.2 Wertdifferenz der Optionen
3.3.3 Eindeutigkeit
3.3.4 Vermeidung
Literaturverzeichnis
Personenregister
Sachregister
Es freut mich sehr, dass die Ethik der Konflikte seit ihrem Erscheinen im Jahr 2008 so regen Anklang gefunden hat. Ich habe diese Neuauflage benutzt kleine Änderungen vorzunehmen.
Die Ethik der Konflikte ist keine psychologische Konfliktbewältigungstheorie. Sie stellt kein Instrumentarium zur Versöhnung Unversöhnlicher dar und kann auch nicht womöglich schmerzliche Erfahrungen aller am Lösungsprozess Beteiligten vermeiden. Sie ist der Versuch, mit rationalen Mitteln aus einer scheinbaren moralischen Sackgasse hinauszufinden. Inwieweit sicherlich unvermeidliche psychologische Komponenten der betroffenen Personen – wie Hass, Trauer, Unverständnis, Eigensinn – bei der tatsächlichen Bewältigung genuiner moralischer Konflikte eine nicht hintergehbare Rolle spielen, vermag ich nicht zu beurteilen.
In der Ethik der Konflikte sollen Entscheidungshilfen entwickelt werden, die in ethischen Pattsituationen eine moralisch zu rechtfertigende Entscheidung ermöglichen. Sie ist also eine normative Theorie, die moralisch richtiges Verhalten für Konfliktsituationen beschreibt.
Dietramszell, im April 2011
Stephan Sellmaier
Gelungen oder nicht: Diese Arbeit wäre jedenfalls weitaus weniger befriedigend, wenn ich nicht von vielen Seiten Unterstützung erfahren hätte. Allen voran habe ich mich bei meiner Familie zu bedanken.
Wilhelm Vossenkuhl danke ich für die freundschaftliche und motivierende Unterstützung und die vielen inspirierenden Diskussionen.
Den Mitgliedern des Sonderforschungsbereichs Reflexive Modernisierung danke ich für die intensiven Diskussionen, die stets in respektvoller und sehr freundschaftlicher Weise geführt wurden. Ihre Geduld und Toleranz gegenüber mir und meinem soziologischen Unvermögen verdient besondere Beachtung.
Zu guter Letzt möchte ich zwei gute und langjährige Freunde nicht vergessen, deren Anteil an dieser Arbeit nicht zu unterschätzen ist. Peter Lang und Jamie Grant haben beide auf ihre Art, auch wenn es ihnen gar nicht bewusst war, zu ihrer Fertigstellung beigetragen.
Bad Tölz, im Mai 2008
Stephan Sellmaier
Diese Arbeit ist in drei gleichrangige Teile gegliedert, die aufeinander aufbauen. Ich beginne mit der Unterscheidung verschiedener moralischer Konflikte, diskutiere dann entsprechende Beispiele und entwickle für deren Bewältigung eine ethische Theorie. Auch wenn ich in weiten Teilen metaethische Überlegungen anstelle, ende ich mit einer normativen Theorie, der Ethik der Konflikte.
Ich möchte zu Beginn meiner Ausführungen den begrenzten Fokus meiner Untersuchungen herausstreichen. Die von mir untersuchten Konflikte sind Konflikte zwischen Gleichgestellten. Konflikte zwischen Ungleichen haben sicherlich große gesellschaftliche Relevanz, fallen aber aus dem Fokus meiner Betrachtungen heraus. Machtunterschiede und Herrschaftsverhältnisse sind nicht das Thema dieser Arbeit.
Des Weiteren muss bei der Diskussion normativer Konflikte vorausgesetzt werden, dass sich die Konfliktparteien über den Konfliktgegenstand verständigen können und wollen. Nur sofern dies der Fall ist, kann man den Unterschied zur eigenen Position verstehen und überhaupt sinnvoll von einem Konflikt reden. Konflikte haben deshalb sowohl eine kognitive als auch eine sprachliche Seite und unterscheiden sich so von Aggressionen, die unbewusst und nicht-sprachlich sein können.
Ich beginne deshalb mit der Untersuchung von verschiedenen Ebenen moralischer Konflikte und benenne zwei Konflikttypen, die im Zentrum meiner Untersuchungen stehen. Der ‚ethische Dissens‘ benennt Konflikte, die zwischen Vertretern verschiedener ethischer Theorien beziehungsweise Mitgliedern unterschiedlicher kultureller Gemeinschaften auftreten können. Wann und wie ein ethischer Dissens zustande kommt und welche Bedingungen dabei erfüllt sein müssen, diskutiere ich im Detail. Ich ende mit einer begrifflich klaren Charakterisierung derartiger Konflikte, die ich für genuin unentscheidbar halte, solange es keine allgemein akzeptierte und von allen Beteiligten angewandte ethische Theorie gibt. Diese pragmatische Grundhaltung hat zur Folge, dass einige genuine normative Konflikte eine bloß beschränkte zeitliche Ausdehnung haben können. Metatheoretisch entspricht dieser Einschätzung die vollkommen offene Debatte zwischen der Gültigkeit einer absoluten ethischen Theorie beziehungsweise der relativen Gültigkeit verschiedener nicht aufeinander reduzierbarer ethischer Theorien. Die metaethische Offenheit gegenüber absoluten und relativistischen ethischen Ansätzen macht es deshalb notwendig, den ethischen Dissens in den entsprechenden Ausprägungen zu diskutieren.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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