Events in der Wissenschaft - Michaela Kirchner - E-Book

Events in der Wissenschaft E-Book

Michaela Kirchner

0,0
8,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Kinder-Uni, Science Slams oder Wissenschaftsjahre: Die „Eventisierung“ hat auch die Wissenschaft erfasst. Während es früher um Wissensvermittlung ging, liegt der Fokus heute auf Orientierung, Zielgruppengenauigkeit, Partizipation und Nachhaltigkeit. Die Themenpalette des vorliegenden Bandes der Edition „Praxisratgeber Wissenschaftsmarketing“ reicht von Messen und Ausstellungen über Tagungen und Kongresse bis zu wissenschaftlichen Veranstaltungen. Ein Kapitel widmet sich der Initiative „Public Understanding of Science“. Die Autoren sind Dozenten im Masterprogramm Wissenschaftsmarketing. Sie zeigen die Vielfalt der Veranstaltungsformen, erläutern deren Entwicklung und geben Ratschläge für die praktische Umsetzung.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2013

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Dieses Buch erscheint als Band 3 der Edition „Praxisratgeber Wissenschaftsmarketing“ der TU Berlin Science Marketing GmbH im Verlag des innokomm Forschungszentrums für Wissenschafts- und Innovationskommunikation. Weitere Ausgaben dieser Reihe sind:

Wissenschaftssystem und Wissenschaftsrecht

Public Affairs in der Wissenschaft

Weitere Informationen unter innokomm.eu/verlag

Das Buch ist unter der ISBN 978-3-9814811-7-4 sowie als Printversion unter der ISBN 978-3-9814811-4-3 im Handel erhältlich.

Kirchner, Michaela (Hrsg.) / Knoll, Dr. Thorsten / Jansen-Meinen, Vanessa / Moldrzyk, Uwe (2013): Events in der Wissenschaft

Berlin: Edition Praxisratgeber Wissenschaftsmarketing. innokomm, Bd. 3.

978-3-9814811-7-4

Cover-Gestaltung und Kapitel-Grafiken: Kerstin Lehrke

Copyright © by innokomm GmbH, Berlin

www.innokomm.eu/verlag

Die Weitergabe dieses Buches als Ganzes oder in Teilen ist nicht gestattet.

Alle Rechte vorbehalten

1. Auflage 2013

Events in der Wissenschaft

Kinder-Uni, Science Slams oder Wissenschaftsjahre: Die „Eventisierung“ hat auch die Wissenschaft erfasst. Während es früher um Wissensvermittlung ging, liegt der Fokus heute auf Orientierung, Zielgruppengenauigkeit, Partizipation und Nachhaltigkeit. Die Themenpalette des vorliegenden Bandes der Edition „Praxisratgeber Wissenschaftsmarketing“ reicht von Messen und Ausstellungen über Tagungen und Kongresse bis zu wissenschaftlichen Veranstaltungen. Ein Kapitel widmet sich der Initiative „Public Understanding of Science“.

Die Autoren sind Dozenten im Masterprogramm Wissenschaftsmarketing. Sie zeigen die Vielfalt der Veranstaltungsformen, erläutern deren Entwicklung und geben Ratschläge für die praktische Umsetzung.

Die Autoren

Michaela Kirchner (Hrsg.): Abteilungsleiterin für wiss. Weiterbildung an der TUBS GmbH TU Berlin ScienceMarketing und Koordinatorin des Masterstudiengangs Wissenschaftsmarketing.

Dr. Thorsten Knoll: Projektleiter für Ausstellungen und Messen in der TUBS GmbH sowie Dozent für Veranstaltungsmanagement im Kongress- und Messewesen an der TU Berlin und an der Best Sabel Hochschule Berlin.

Vanessa Jansen-Meinen: Agenturleiterin für nachhaltige Kommunikation im Veranstaltungs- und Marketingmanagement sowie Dozentin für Tourismus- und Veranstaltungsmanagement.

Uwe Moldrzyk: Diplom-Biologe und Leiter der Ausstellungsentwicklung am Museum für Naturkunde in Berlin. Träger des Bscher Medienpreises.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort (Michaela Kirchner)

Messen und Ausstellungen (Dr. Thorsten Knoll)

Die Messe als Marketinginstrument

Planung einer Messebeteiligung

Messekommunikation / Besucherwerbung und Pressearbeit

Der Messestand

Messenachbereitung

Übersicht Gremien und Verbände in der Messewirtschaft

Literatur

Tagungen und Kongresse (Vanessa Jansen-Meinen)

Entwicklung der Veranstaltungsindustrie

Definitionen

Initiatoren von Veranstaltungen

Wirtschaftliche Bedeutung des Veranstaltungsmarktes

Projektmanagement

Aussicht

Wissenschaftliche Ausstellungen (Uwe Moldrzyk)

Die PUSH-Initiative (Michaela Kirchner)

Geschichte der Wissenschaftskommunikation als Phase 1-5

Entwicklung der Wissenschaftsjahre

Die zweite Dekade PUSH: Nachhaltigkeit anstelle von PR

Anregerfunktion erfüllt: Die Wissenschaftseinrichtungen ziehen mit

Fazit: Zusammenfassung und Ausblick

Die Akteure von PUSH

Literatur und Anlagen

Vorwort

Events sind in der Wissenschaft allgegenwärtig. So gut wie jedes Forschungsinstitut bietet wissenschaftliche Veranstaltungen an. Hochschulen haben eine ganze Palette von zielgruppenspezifischen Angeboten entwickelt. Von der Fachtagung bis zur Kinder-Uni, vom Erstsemestertag bis zur Langen Nacht der Wissenschaft kann sich keiner mehr vor der geradezu inflationären „Eventisierung“ retten. Zu Zeiten digitaler Medien suchen wir die Antworten auf diese Herausforderung in neuen hybriden Formaten, was zu einem Nebeneinander von klassischen Standards und zum Teil ausgesprochen experimentellen und ergebnisoffenen Strukturen führt.

Der vorliegende Band der Edition „Praxisratgeber Wissenschaftsmarketing“ versucht, die Vielfalt dieser Veranstaltungsformen in ihrer Genese wie auch ihrer praktischen Handhabung und Durchführung transparent zu machen und zu typologisieren.

Der in den Hochschulen wie im gesamten Wissenschaftssystem stattfindende Umbau- und Diversifizierungsprozess spiegelt sich in der Differenzierung von Formaten der Wissenschaftskommunikation. Gerade die im Kanon der Initiative „Public Understanding of Science“ entstandenen Eventformate waren in der ersten Dekade vorwiegend geprägt durch Informationsformate und Breitenkommunikation, während es seit dem Kurswechsel nach dem Jahr 2010 mehr um eine Orientierung auf Zielgruppengenauigkeit, Partizipation und Nachhaltigkeit geht.

Die von professionellen Akteuren „gesetzten“ und alljährlich mit neuen Inhalten wiederbelebten Formate wie das Wissenschaftsjahr oder die MS Wissenschaft werden nun flankiert von Experimenten, kleinteiligeren, zielgruppendifferenzierteren, nach und nach auch immer partizipativeren und interaktiven Veranstaltungsformen wie Bürgerforen, SciCamps und Citizen Science Projekten, Forschungsbörsen und Science Slams.

Gerade der mittlerweile in mehr als vierzig größeren Städten zur studentischen Jugendsubkultur zählende Science Slam zeigt gut, wie die Grenze von der Wissensvermittlung und dem Spezialistentum hin zu Edutainment, Vergnügen und Varietékultur überschritten wird. „Raus aus dem Elfenbeinturm“ heißt hier nicht weichgespültes Edutainment, sondern: Powerpointfreie Zone, drei Minuten Zeit, ein Quadratmeter Platz und als Requisiten nur das, was man am Körper tragen kann, ... und damit das eigene Forschungsgebiet ganz kurz, knapp, verständlich und mitreißend vorstellen. Wissenschaftskommunikation at its best – eine schöne Antwort auf die Ausweichmanöver der Vorgeneration, die sich jeder Popularisierungstendenz verweigert und im standesgemäßen Fachjargon lieber Selbstgespräche führt.

Zu Zeiten von Web 2.0 und Bürgerbeteiligung entstehen neue Veranstaltungsformate, in denen sich aktive Veranstaltungstypen und neue Medien gegenseitig befruchten und in neuen Formaten aufgehen, wie zum Beispiel interaktiven Fishbowl-Diskussionen oder Science Cafés.

Open-Space-Konferenzen oder World Café sind weitere Beispiele dafür, wie mit Interaktivität auch die Lernkurve steigt.

Daneben bestehen die klassischen Veranstaltungsdesigns, die in der Welt der Technologiemessen, Kongresse und Ausstellungen Methodensicherheit und Professionalität verlangen, schon alleine weil hier sehr viel Geld im Spiel ist.

Warum entscheiden wir uns in der klassischen Wissenschaft bei der Vielzahl effizienter und kostenneutraler Kommunikationsmittel, in Zeiten drastischer Budgetbeschränkungen für ein vorbereitungsintensives und teures Event?

Warum veranstalten wissenschaftliche Fachgesellschaften auch in Zeiten elektronischer Kommunikation ungebremst turnusmäßig weltweit über die Kontinente hinweg große internationale Kongresse?

Ist es der Faktor Mensch? Geht es um zwischenmenschlichen Vertrauensaufbau? Um den qualitativen Unterschied des fachlichen Diskurses im echten Dialog? Gerade in Europa scheinen wir die Face-to-face-Kommunikation den sozialen Netzwerken vorzuziehen.

Die in diesem Band behandelten typischen Scientific Events sind traditionelle Formate und für die Wissenschaftsgemeinde Brennpunkte im akademischen Leben. Sie bieten die höchstmögliche Konzentration von Expertise auf engstem Raum in kürzester Zeit.

Die Autoren dieses Bandes sind Dozenten im Masterprogramm Wissenschaftsmarketing. Ihre Beiträge geben Ihnen einen Überblick über die jeweilige Branchen, Märkte und Verbände und führen ein in die spezifische Terminologie.

Sie geben Ihnen handlungsanleitende Tipps, Hinweise zu Arbeitsschritten und Erfolgskriterien. Auch wenn Messe- und Kongressorganisation weniger Potenzial für Kreativität bietet als beispielsweise die Gestaltung einer wissenschaftlichen Ausstellung, geht es in allen genannten Veranstaltungsformen darum, ein Fingerspitzengefühl für Zielgruppen, deren Anliegen und Interessen, die Stimmigkeit des Rahmens und die Dramaturgie der Abläufe unter Beweis zu stellen.

Auch die begleitende Postersession auf Tagungen oder die Präsentation eines Prototypen auf einer Messe ist – gerade unter der Herausforderung knapper Ressourcen – eine Frage des inszenatorischen Geschicks. Sie kann – je nach Aussage und Gestaltungsspielraum – einem mehr ästhetischen, emotionalen, unterhaltenden oder informativen Ansatz folgen, statisch und passiv sein oder mehr einem interaktiven oder sogar partizipativen Ansatz folgen.

In jedem Fall gilt es, den Besucher zum Teilnehmer zu machen. Denn, „wer mit Veranstaltungen als Kommunikationsinstrument arbeitet, hat die Angst vor dem Kontakt mit dem Empfänger seiner Botschaft verloren. Und das ist gut so.“ (vgl. Zukunftsinstitut GmbH, Event der Zukunft)

Michaela Kirchner

Studienleitung Masterstudiengang Wissenschaftsmarketing der TU Berlin

Projektleitung Weiterbildung, TUBS GmbH TU ScienceMarketing

Messen und Ausstellungen

Dr. Thorsten Knoll

Messen und Ausstellungen

Messeplatz Deutschland

„Messe ist die höchst mögliche Konzentration von Angebot und Nachfrage – auf engstem Raum – in kürzester Zeit.“ (Karl Ferdinand von Heyde, ehemaliger Direktor der Kölner Messe)

Messen und Ausstellungen sind zeitlich begrenzte, wiederkehrende Veranstaltungen, von der Regio-nalausstellung bis zum internationalen Mega-Event, die in Form eines riesigen Werbe- und Promotionsapparats den Unternehmen bei der Zurschaustellung von innovativen Produkten, Dienstleistungen und Systemlösungen eines oder mehrerer Wirtschaftszweige dienen. Messen generieren Kontakte in einer verkaufsfördernden Atmosphäre und fördern die Imagebildung auf allen Stufen der Wertschöpfungsketten industrieller Produktion sowohl privater als auch öffentlicher Dienstleistungen. Sie sind der ideale Wegbegleiter für eine kontinuierliche Marktentwicklung und gelten als höchst wirksame Konjunkturbarometer.

Als internationale Handelsforen fördern sie den globalen Austausch von innovativen Ideen und Produkten eines immer enger vernetzten weltweiten Handels und öffnen damit nicht selten Türen zu neuen Märkten. Die Deutschen sind Messe-Weltmeister. In keinem anderen Land gibt es mehr Messen und Ausstellungen als in Deutschland und in keinem anderen Land genießen Messen ein so hohes Ansehen als verkaufsfördernde Veranstaltungen wie bei den bundesdeutschen Unternehmen.

Rund zwei Drittel der international führenden Messen fast aller Branchen finden hier statt. Das sind alljährlich zwischen 130 und 150 internationale Messen und Ausstellungen. Fast 170.000 Aussteller, davon über 50 % aus dem Ausland und nahezu 10 Millionen Besucher aus dem In- und Ausland belegen deutlich die weltweite Attraktivität deutscher Messen. Hinzu kommt ein dichtes Netz regionaler Fach- und Verbraucherausstellungen, die eine wichtige wirtschaftliche Ergänzung zu den internationalen Messen bilden. Auf den 154 regionalen Messen im Jahr 2011 konnten rund 50.000 Aussteller und über 5 Mio. Besucher gezählt werden. Messen und Ausstellungen in Deutschland bieten damit eine Plattform für deutlich über 200.000 Aussteller sowie 15 bis 16 Mio. Besucher pro Jahr.

Quelle: AUMA 2012

Daneben finden auf den Messegeländen jährlich über 10.000 Kongresse und Tagungen im Business-to-Business-Bereich mit rund 2,5 Mio. Besuchern statt. Diese Zahlen belegen die zunehmende Verknüpfung von Messe- und Kongressaktivitäten, die seit Jahren zu beobachten ist.

Die Gründe für die Spitzenposition Deutschlands im Messewesen liegen in

• der geopolitischen Lage Deutschlands, • der hohen Qualität der Infrastruktur, • der hohen Professionalität der Veranstalter, • dem globalen Aussteller- und Besuchermarketing, • dem langfristigen, mit der Wirtschaft abgestimmten Konzepten, • dem führenden Standard bei Technik und Service, • der hohen Funktionalität • dem attraktiven Ambiente der Messegelände.

Für die deutschen Unternehmen gehören Messen zu den wichtigsten Instrumenten der Business-to-Business-Kommunikation. Laut AUMA Bericht gaben Aussteller und Besucher für ihr Messeengagement in Deutschland im Jahr 2011 rund 12 Mrd. Euro aus. Die gesamtwirtschaftlichen Produktionseffekte erreichten in diesem Jahr ca. 23,5 Mrd. Euro. Rund 250.000 Arbeitsplätze werden durch die Organisation von Messen gesichert.

Messe- und Ausstellungstypen

Parallel zur Wirtschaftsentwicklung haben sich auch Messen immer weiter differenziert, so dass es heute eine Vielzahl von unterschiedlichen Messetypen gibt.

Messetypologie nach dem Einzugsgebiet

• Internationale Messen/Ausstellungen• Überregionale Messen/Ausstellungen• Regionale Messen/Ausstellungen

Internationale Messen sind Veranstaltungen, die regelmäßig mindestens 10% ausländische Aussteller und mindestens 5% ausländische Fachbesucher aufweisen und die das wesentliche Angebot eines oder mehrerer Wirtschaftszweige präsentieren. Überregionale Messen sind Veranstaltungen, bei denen das Einzugsgebiet der Besucher deutlich über den jeweiligen regionalen Bereich hinausgeht. Regionale Messen sind Veranstaltungen mit überwiegend regionalem Einzugsgebiet der Besucher.

Messetypologie nach Branchenspektrum

• Mehrbranchenmessen• Fachmessen/Fachausstellungen• Spezialmessen• Kongressausstellungen• Verbraucherausstellungen

Universal- oder Mehrbranchenmessen sind Messen, auf denen Produkte oder Dienstleistungen verschiedener Branchen gezeigt werden. Das bekannteste Beispiel dieser kaum noch vorhandenen Messetypologie ist die HANNOVER MESSE.

Fachmessen und Spezialmessen sind Veranstaltungen, die sich auf eine Branche oder ein Produktspektrum konzentrieren. Gute Beispiele für Fachmessen sind die enertec in Leipzig und die LASER in München. Kongressausstellungen sind begleitende Ausstellungen meist großer internationaler Kongresse, auf denen sich Unternehmen den Kongressteilnehmern präsentieren. Die Branchen/Themen der Ausstellung werden durch den Kongress vorgegeben. Die Ausstellung hat die Funktion, im Kongress erläuterte Forschungsergebnisse, Technologien und Neuerungen real dazustellen. Entscheidend für die Aussteller ist die werbliche und informatorische Attraktivität bei den Kongressteilnehmern. Zu den international bekannten Kongressausstellungen zählt die LOPE-C in München. Verbraucher- oder Publikumsmessen zeichnen sich überwiegend dadurch aus, dass der Endverbraucher angesprochen wird. Es werden größtenteils Konsumgüter präsentiert. Die Grüne Woche in Berlin ebenso wie die Consumenta in Nürnberg sind in diese Kategorie von Messeveranstaltungen einzuordnen.

Messetypologie nach Besucherzulassung

• Fachbesuchermessen• Publikumsmessen

Fachbesuchermessen sind vorrangig in Marktsegmenten anzutreffen, in denen komplexe Entscheidungsprozesse für Investitionen notwendig sind. Meist handelt es sich um Produkte oder Verfahren, die besonders erklärungsbedürftig sind, ein hohes finanzielles Engagement erfordern, besondere Risiken beinhalten oder beträchtliche Auswirkungen auf das investierende Unternehmen haben. Publikumsmessen sprechen primär den Endverbraucher als Kunden an. Sie sind produktorientierte Warenschauen von Gewerbe und Handel.

Darüber hinaus hat sich folgende Differenzierung von Messen herausgebildet:

• Funktions- oder Prozessmessen präsentieren Hightech-Entwicklungen. Es werden technologische Verfahren und die dazu gehörigen Maschinen und Anlagen ausgestellt.• Sogenannte Dienstleistungsmessen präsentieren reine Serviceprodukte, beispielsweise aus den Marketingbereichen Verkaufstraining, Werbe- und Medienberatung und Public Relations, die auf der Messe zusammen mit Kongress- und Vortragsaktivitäten angeboten werden. Generell können Dienstleister versuchen, Eindrücke und Einsichten zu vermitteln, indem sie Teile oder Bausteine ihres Leistungsspektrums ausstellen.• Neu auf dem Markt sind Trainer-Messen, auf denen sich Management-Training, Fort- und Weiterbildung im Unternehmen, Verkaufstraining, Persönlichkeitsentwicklung und Rhetorik-Anbieter präsentieren.• Verbandsmessen werden im Wesentlichen von Wirtschaftsverbänden getragen und sind Closed Shops, d.h. nur für Mitglieder dieser Verbände zugänglich. Zur Durchführung wird in der Regel ein geeignetes Messegelände angemietet. Gestaltung und Verantwortung sowie unternehmerisches Risiko liegen ausschließlich in den Händen des veranstaltenden Verbandes.• Eine spezielle Messeform hat sich in Amerika und den Benelux-Staaten entwickelt. Sogenannte Marts sind große Ausstellungshäuser, in denen die Anbieter bestimmter Branchen permanent in festen Ständen ihre Angebote präsentieren. Versuche, die Marts in der Bundesrepublik einzuführen, waren bislang nicht von Erfolg gekrönt. Das weit entwickelte deutsche Messesystem mit seinem hohen Sättigungs- und Versorgungsniveau hat hier offenbar kaum Lücken für zusätzliche Messeangebote mit Schauwerbe-Charakter gelassen.

Messeveranstalter

Messen und Ausstellungen werden in Deutschland in der Regel von Veranstaltungsgesellschaften durchgeführt, die dieses als Hauptunternehmenszweck betreiben. Sie sind finanziell und juristisch unabhängig von den Unternehmen und Verbänden der ausstellenden Wirtschaft und besitzen in der Regel auch das Messegelände, auf dem sie ihre Veranstaltungen durchführen. Ungeachtet der Eigentumsverhältnisse – im Regelfall halten die Kommunen und Länder einen Anteil zwischen 50 und 100% - haben die deutschen Messegesellschaften privatrechtliche Organisationsformen, meist als GmbH, seltener als AG. Die größeren Messegesellschaften haben Tochtergesellschaften gegründet, die eigene Veranstaltungen im Ausland durchführen. Zudem vermieten einige Messegesellschaften ihre Gelände an Gastveranstalter.

Deutschland ist der international führende Standort für Messen und Ausstellungen. Sechs der zehn umsatzmäßig größten Messegesellschaften der Welt stammen aus Deutschland. Alle deutschen Messegesellschaften zusammen erzielten im Jahr 2011 einen Umsatz in Höhe von 2,85 Mrd. €. Damit gehört die deutsche Messewirtschaft – auch im internationalen Vergleich – zu den führenden Dienstleistungsbranchen.

Auch die durch die Messegesellschaften angebotenen Flächen gehören größentechnisch im internationalen Vergleich zu den besonderen Merkmalen der Messewirtschaft in Deutschland. In anderen wichtigen Messeländern wie Italien, Großbritannien, Frankreich oder in den USA gibt es nur wenige Unternehmen, die diesbezüglich die Dimensionen der größten deutschen Messegesellschaften erreichen.

Quelle: AUMA 2012

Weltweit gibt es 52 Messeplätze mit mehr als 100.000 m² Hallenfläche, zehn davon in Deutschland, 17 außerhalb Europas, acht darunter in China. Drei der fünf größten Messegelände der Welt und vier der fünf größten Messegelände Europas liegen in Deutschland. Auf 22 deutschen Messeplätzen stehen für die Durchführung überregionaler Messen und Ausstellungen rund 2,75 Mio. m² Hallenfläche zur Verfügung.

Die zehn deutschen Messegesellschaften mit den größten Hallenkapazitäten:

• Deutsche Messe, Hannover (470.167 m²)• Messe Frankfurt (355.568 m²)• Kölnmesse (284.000 m²)• Messe Düsseldorf (262.704 m²)• Messe München (180.000 m²)• Messe Berlin (160.000 m²)• Messe Nürnberg (160.000 m²)• Leipziger Messe (111.300 m²)• Messe Essen (110.000 m²)• Messe Stuttgart (105.200 m²)

Zehn Gelände verfügen über mehr als 100.000 m² Hallenkapazität, fünf weitere über mehr als 50.000 m² Hallenfläche. Die kleineren planen langfristig, ihre Hallenkapazitäten auszubauen. Unter Milliardenaufwand werden komplett neue Hallen mit modernster Technologie gebaut, um dem wachsenden Anspruch der Aussteller zu genügen und im Vergleich mit anderen Messeplätzen inner- und außerhalb Deutschlands auch in Zukunft bestehen zu können.

Volkswirtschaftliche Funktion von Messen

„Wir als Messe (Düsseldorf, HH) verstehen uns als Wirtschaftsförderinstrument für die Stadt und die Region und tun alles dafür, solange es wirtschaftlich vertretbar ist.“ (Werner M. Dornscheidt, Chef der Messe Düsseldorf)

Wirtschaftsfaktor Messen

Messen nutzen nicht nur den direkt beteiligten Akteuren (Messegesellschaft, Ausstellern und Besucher), sondern auch der regionalen Wirtschaft im Einzugsgebiet der jeweiligen Messegesellschaft. Im Umfeld der Messe profitieren regional die Hotellerie und Gastronomie, Verkehrsunternehmen sowie regional und überregional Messe-Dienstleister wie Messebau und -logistikunternehmen, Cateringfirmen sowie Dolmetscher- und Hostessendienste. Die regionalwirtschaftlichen Effekte umfassen bei stark international ausgerichteten Messeplätzen das Fünf- bis Siebenfache des dort erzielten Veranstalterumsatzes. In einem erheblichen Umfang sichern Messen somit Arbeitsplätze in mittelständischen Unternehmen weit über regionale Grenzen hinaus. Zudem werden substanzielle zusätzliche Steuereinnahmen für die Kommunen, Land und Bund generiert. In einem durchschnittlichen Messejahr werden rund 3,8 Mrd. Euro Steuern erwirtschaftet. Als ein wichtiger Wirtschaftszweig fördern Messen heimische Unternehmen und stärken somit die Gesamtwirtschaft.

Marktbildung und Marktpflege

Für einen begrenzten Zeitraum führen Messen branchenspezifisch Angebot und Nachfrage zusammen. In einem regelmäßigen Turnus koordinieren Messen damit die Interessen von Industrie und Handel, indem sie den Marktteilnehmern Plattfor-men eines intensiven Meinungs- und Informationsaustausches bieten. Somit leisten sie einen entscheidenden Beitrag zur Belebung und Entwicklung der Märkte.

Bildung von Markttransparenz

Eine funktionierende Marktwirtschaft spiegelt sich in Qualität und Quantität der Präsentation von Gütern und Dienstleistungen auf Messen. Messen bieten in jeder Hinsicht einen umfassenden Marktüberblick. Nirgendwo sonst können sich Anbieter und Besucher in kürzester Zeit direkt einen derart weitreichenden Gesamtüberblick über das Angebot einer oder mehrerer Branchen verschaffen.

Plattformen für die deutsche Exportwirtschaft

Nicht zuletzt ist die positive wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Jahrzehnten auf die Internationalität deutscher Messen zurückzuführen. Als „Heimspiel-Messen“ verschafften sie vielen deutschen Unternehmen den Start in die Weltmärkte. Die seit Jahren starke Stellung der deutschen Industrie auf den Weltmärkten hat im Umkehrschluss einen wesentlichen Beitrag zum Wachstum deutscher Weltleitmessen geleistet. Deutschlands Position als zweitgrößter Exporteur der Welt steht damit in einem engen Zusammenhang zu der Entwicklung der deutschen Messewirtschaft zum Weltmarktführer ausgehend von den Gründerjahren der Bundesrepublik bis heute.

Marketinginstrument

Ohne Messen hätten gerade die in Deutschland produzierenden kleinen und mittelständischen Unternehmen weniger Möglichkeiten national und vor allem international neue Kundenpotentiale zu erschließen. In der Teilnahme an Messen liegt einer der wesentlichen Gründe für den Exporterfolg des Mittelstandes, der das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bildet.