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Face the moment - Begegnungen in Berlin ist ein Bildband aus Berlin. Ein Stadtportrait, bei dem nicht der Potsdamer Platz, das Brandenburger Tor, der Fernsehturm oder die Eastsidegallery die Hauptrolle spielen. Es ist das Portrait einer Stadt in Gesichtern. Von Strassenmusikern, Touristen, Studenten, Models, Modemachern, Schauspielern, Künstlern und hochrangigen Politikern. Ein Portrait von Menschen, die dem Autor im Laufe von zweieinhalb Jahren begegnet sind. Über 100 Personen und fast 250 Fotos zeigen die Gesichter einer Metropole, die sich mindestens ebenso schnell verändert, wie die Menschen, die sie besuchen oder dort leben.
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Seitenzahl: 24
Veröffentlichungsjahr: 2015
Das Traurige an einer schönen Begegnung, die nur einen Moment dauert, ist, dass sie nur einen Moment dauert. Das Faszinierende ist jedoch, wie viel Inhalt, wie viel Leben in ihr sein kann. Freude, Spaß, Sympathie, Neugier, Anteilnahme und Interesse. Das Alles braucht manchmal nur wenige Minuten und hinterlässt Erinnerungen, die uns vergessen machen, dass es sich nur um einen Moment handelte.
Dabei hatte ich nie damit gerechnet, dass ich Erinnerungen einfange. Ich wollte nur Fotos machen. Aber was hatte ich mir gedacht. Geht denn das Eine ohne das Andere? Das was ich zu Anfang nur als Fotografieren empfand, stellte sich schon bald ganz anders dar. Ansprechen und fotografieren? Nein, es war Kennenlernen und einen Moment festhalten. Es war, wie ein klein wenig von der Lyrik einzufangen, die eine Situation, ein Moment und ein Gesicht innehaben kann.
Das Mädchen, das auf einem Steinsockel wartend, auf sein Handy schaut. Die Schöne, die inmitten der Menge ein Sonnenbad nimmt. Die Musikerin, die völlig vertieft auf ihrem Instrument spielt oder die Menschen, die einfach nur aus einem Taxi ausgestiegen sind, zur U-Bahn wollten oder auf den Bus gewartet haben - all das hat mich von Beginn an fasziniert. Und all das empfinde ich heute als lyrisch.
Wie viel Leben und wie viele Leben hinter all den Gesichtern und Namen stecken, lässt sich nicht in einem Buch abhandeln. Ich kann nur die Bilder zeigen und hoffen, dass sich jedem, der sich dieses Buch anschaut, ein kleiner Ausschnitt dieser Lyrik, des Besonderen erschliesst. Dass beim Betrachten eines Bildes vielleicht etwas vom Charakter, von den Träumen und Wünschen des Menschen, durchscheint. Denn so Besonders, wie die Menschen sind, waren auch die Momente. in denen wir unsere Fotos gemacht haben. Nur das hat ‚Face the moment‘ Leben eingehaucht, eine Seele gegeben.
‚Face the moment‘ sind Menschen aus und in Berlin, einer Stadt deren Pulsieren ich genussvoll in mir aufnehme, die ich jeden Tag neu erlebe. Und deren fast tägliche Veränderung genau dem entspricht, was ich zusammen mit all denen, die ich porträtiert habe, geteilt und erlebt habe.
Tom Byrtes, Juli 2014
Romi saß im Schneidersitz auf einer buntgestreiften Decke im Berliner Lustgarten. Mit ihren langen, filigranen Fingern zauberte sie wundervolle Töne aus einer Hapidrum - einem Instrument, das ich bis dahin nicht gekannt hatte. Ihre langen Zöpfe, ihr regenbogenfarbenes Haarband und das bauchfreie Shirt mit seinen unzähligen, angenähten Bändern bildeten einen faszinierenden Kontrast zum Grau des kalten Fußbodens und der alten steinernen Säulen. Was mich aber noch viel mehr in den Bann der zierlichen Japanerin zog, waren die Tiefe und die stille Schönheit, die sie ausstrahlte. Es war das erste Mal, dass ich eine Person anschaute und nicht umhin kam, sie zu fotografieren.
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