Fahr Far Away: Mit dem Fahrrad von Alaska bis Feuerland - Hans-Joachim Bittner - E-Book

Fahr Far Away: Mit dem Fahrrad von Alaska bis Feuerland E-Book

Hans-Joachim Bittner

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Beschreibung

13 Jahre, 42 Länder, 75.000 Kilometer, mit Fahrrädern, weit weg von daheim, auf fast allen Kontinenten. Petra und Volker Braun sind keine Aussteiger, aber viel unterwegs. Zuletzt fast zwei Jahre am Stück, zwischen Alaska und Feuerland, nahezu 29.000 Kilometerauf und neben der Panamericana. Mit hunderten Zeltnächten, mal glühend heiß, mal eisig kalt, mal staubtrocken, mal pitschnass. Leicht verständlich erzählen sie in diesem Buch ihre Geschichte voller aufwühlender Emotionen und hochinteressanter Stationen. Autor Hans-Joachim Bittner hat sie aufgeschrieben, herausgekommen ist ... FAHR FAR AWAY Mit dem Fahrrad von Alaska bis Feuerland. Ein spannendes Interview, in Etappen geführt, dazwischen einzigartige Erlebnisse abseits der Route, meist bunte, auf jeden Fall jedoch beeindruckende Bilder und wertvolle Informationen für all jene, die Ähnliches in ihren Lebensplan aufnehmen wollen. Der Leser wird auf eine außergewöhnliche Reise mitgenommen. Er erfährt in kurzweiligen Passagen, warum Radreisende nie hungrig in einen Supermarkt gehen sollten, warum Volker überhaupt noch am Leben ist, wie traumlos die beiden Wahl-Oberbayern unterwegs waren und wie es Petra fand, auf eine Vogelspinne zu beißen. Auf eine Überfrachtung mit unaussprechlichen Ortsnamen, trockenen Zahlen oder längst bekannten Geschichten über altbekannte Sehenswürdigkeiten wird ganz bewusst und wohltuend verzichtet. Die beiden Weltreisenden nehmen kein Blatt vor den Mund und berichten schonungslos, wie es ihnen fernab der Heimat und nach langer Abwesenheit schließlich wieder zu Hause erging.

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Hans-Joachim Bittner

FAHR FAR AWAY

Mit dem Fahrrad von Alaska bis Feuerland

Unterwegs mit Petra und Volker Braun

Hurra Hans-Joachim,

ja, los … – raus mit dem Buch in die Welt, tausend Stunden Glück dabei, herzlich, der A.A.

Mail von Bestseller-Autor Andreas Altmann / Mai 2013

IMPRESSUM

FAHR FAR AWAY

Mit dem Fahrrad von Alaska bis Feuerland

Unterwegs mit Petra und Volker Braun

Hans-Joachim Bittner

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der deutschen Nationalbibliografie.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar

© 2014   360° medien gbr mettmann | Nachtigallenweg 1 | 40822 Mettmann

www.360grad-medien.de

Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Der Inhalt des Werkes wurde sorgfältig recherchiert, ist jedoch teilweise der Subjektivität unterworfen und bleibt ohne Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

Redaktion und Lektorat: Andreas Walter

Satz und Layout: Serpil Sevim

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2015

Bildnachweis:

Alle Fotos stammen von Petra und Volker Braun, außer: Seiten 19 (unten), 21, 185, 206, 207, 212, 213, 214, 215, 217 (unten) und 220 von Hans-Joachim Bittner

ISBN: 978-3-9449214-0-2

Hergestellt in Deutschland

www.360grad-medien.de

Tourplan

Cover

Titel

Impressum

Zitate

Prolog

Vita Petra und Volker

Startschuss: Jeden Abend ein Glas Wein musste sein

Die Route

Startschwierigkeiten: Nach elf Tagen wäre die Reise beinahe zu Ende gewesen

1. Etappe: Dazwischen ist es oft viel interessanter

Infopoint: Wenn einer eine (lange) Reise tut

2. Etappe: Freundlich zurück auf die Autobahn

Zeitfahren: Don Quijote mit Knüppel

3. Etappe: Der Weg ist das Erleben

1. Sonderprüfung: Kein Licht in Zimmer 3

4. Etappe: Ein großes schwarzes Loch

5. Etappe: Pistensaltos

1. Zwischenzeit: Ein Sheriff sah schon mal nach den beiden Deutschen

6. Etappe: Vom eigenen und dem Glück der anderen

7. Etappe: Come on, let’s do our job

Sprints: Omelette im Brotteig & Eine heiße Nummer zwischendurch

2. Sonderprüfung: Pizza in Malawi

8. Etappe: Magische Momente

2. Zwischenzeit: Erst nach den gefährlichen Ländern lauerte die Gefahr

9. Etappe: Geschmackserlebnis Dottersack

10. Etappe: Weiße Trauben aus dem Tetrapack

11. Etappe: Hand im Klokasten

3. Zwischenzeit: Manchmal fragten wir uns, was das Ganze eigentlich soll

Wildcard: Vom Ankommen bis zum Zurückfinden

12. Etappe: Er hatte nicht mal etwas fürs Frühstück

13. Etappe: Das geschrumpfte Zelt

14. Etappe: 800 Euro im Nirwana

Unfreiwillige Auszeit: Ohne Ausweis in Kathmandu

4. Zwischenzeit: Beängstigende Kommentare anderer Bergsteiger

15. Etappe: Froh, als der Sockentest vorüber war

16. Etappe: Tagtraum trockener Rückenwind

Härteprüfung in Costa Rica: Ingrids Drecksloch & Wischmopp-Verfolgung am Swimmingpool

17. Etappe: Niemals hungrig in den Supermarkt

18. Etappe: Wir haben uns

19. Etappe: Keine Träume mittendrin

3. Sonderprüfung: Langnasen-Fehler in Laos

20. Etappe: Wir hatten kein Sitzfleisch

21. Etappe: Im Zehn-Zentimeter-Windschatten

Sonderwertung: Jerusalema und der Präsident oder Helmut Kohl kenne ich nicht persönlich

22. Etappe: Typisch deutsch

23. Etappe: Warum ich noch lebe

Ruhetag: Heimat

24. Etappe: Andrea Henkel wichtiger als der Finanzminister

25. Etappe: Sportlos

Härteprüfung: Letzte Ölung für kleine Zimmerbewohner

Ziel: Radlust am Heiligen Abend erloschen

26. Etappe: Umziehen zu Hause

Schluss-Etappe: Daheim ist’s doch am schönsten

Härteprüfung Verlängerung: „Hell of Thunder“ statt „Silent Garden“

Hoffnung

Besenwagen: Down Down Under

Stimmen

Fazit: Alle Radreisen von Petra und Volker

Der Autor

Siegerehrung

„Lebe heute, denn du weißt nie, was morgen kommt“

Lebensmotto von Petra und Volker Braun

„A ship in a Harbour is safe, but this is not what ships are build for“

Grant M. Bright

„Denk nicht an mich, ich will auch mal allein sein“

Von Autor Andreas Altmann entdecktes Graffiti („Gebrauchsanweisung für die Welt“)

„Dass der Mensch mit Widersprüchen lebt, macht ihn menschlich“

Reinhold Messner in einem Interview mit dem Autor

„Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“

Johann Wolfgang von Goethe

„Zeit – das ist Glück. Nicht Geld.“

Abtprimas Notker Wolf

„Touristen denken bei der Ankunft an die Rückreise, der Reisende wird möglicherweise nicht zurückkehren“

Paul Bowles

„Jeder Tag ist eine Reise, und die Reise selbst das Zuhause“

Dirk Rohrbach

„Es muss nicht immer das Überhöhte sein, das Exzellente, das Elitäre, das Grandiose“

Gerhard Polt

Prolog

„Hier stinkt’s.“ Mein Sohn übertreibt maßlos. Käse stinkt nicht. Nicht für all jene, die ihn mögen. Es ist 6.37 Uhr, seit zwei Minuten Vater-Sohn-Aufwachzeit. In einer verregneten Nacht hat sich „Geruch“ niedergelassen. Ich habe am Abend zuvor zwei Fehler gemacht: ein kleines Stück Schweizer Esskultur nicht vernünftig mit Frischhaltefolie umwickelt und obendrein auch noch außerhalb des Kühlschranks liegen gelassen. Der Duft – niemals Gestank – hing sich ein. Die wenigen Quadratzentimeter festgewordener, kleinlöchriger Milch: Für mich schlagartig Grund genug, davon zu schweben, Pläne zu schmieden, nach dem nächstliegenden Reiseführer aus dem Privat-Archiv geballter Länderkunde zu kramen. Rasend schnell kommen und gehen sie, die Träume. Weit ab der Heimat. Selbst wenn sie so nah ist, die Schweiz, meinem Zuhause so ähnlich, gewaltiger gewiss, und doch in vielem so gleich. Ein kleines Stück gelben Hartkäses, jetzt brav in Alufolie gefangengenommen, lässt meine nur latent verwelkte Reiseleidenschaft – der letzte Trip ist schon etwas her – aufblühen. Von jetzt auf gleich.

Die Lust ruhte nicht durchgreifend: Das Unterwegssein, das Wegsein, Fernsein, das Reisen. Nicht „Urlaub machen“, am Strand liegen, in zwei Wochen Adriaküste links und rechts nur dicke Hotelmauern, vorn heißer gelb-brauner schattenloser Sandstrand, unmittelbar an flachem, windlosem Langweiler-Meer angrenzend, kaum Schiffsverkehr, im Rücken betonertränktes, ödes, vertrocknetes Hinterland. Gerhard Polt hat’s in seinem „Man spricht deutsh“ im Regen-Sommer 1988 auch Stubenhockern notorisch präsentiert. Maßvoll überzogen, zweifelsfrei realitätsbehaftet. Sonne satt, durchaus. Die Sehnsucht nach ERleben: ewig hungrig geblieben. Urlaub nein, Reisen ja: Länder kennenlernen, ihre Kulturen, Sitten, Bräuche, einzigartige Landschaften samt inhaltsreichem Leben, Menschen und Natur. Dabei sein, dazwischen sein, so viel sehen, Gutes schmecken, Weites spüren, grenzenlos fühlen. Dazwischen ist genügend Raum. Um faul zu sein. Ein zu Buch lesen, in Ruhe, einen Andreas Altmann empfinden, wie er von seinem Endlos-Getriebensein erzählt. So packend. Reisen als Leidenschaft, Wohlgefühl, Lebensfreude, Rast und Ruhepol, mehr als nur Hobby. Horizonterweiterung. Ein vergessenes Stück Schweizer Käse reichte: Schon entfachte neue Entdeckerlust.

Auch für Bajuwaren gibt’s ein „unten“

„Ihr da unten (habt ja immer viel Schnee im Winter)“, schrieb mir unlängst ein Freund aus Mettmann im Rheinland. Wir da unten? Also! Gegen „unten“ ist ja zunächst nichts zu sagen – wobei diesem „unten“ schon auch etwas Erniedrigendes anhaftet. Es ist Umgangssprache, das Landkartendenken, der flüchtige Atlantenblick, im Volksmund, der meist ja nur nachplappert, was er irgendwo aufgeschnappt hat. Wir wissen: Die Erde ist eine Kugel, nicht hundertprozentig rund, das nicht, ein wenig ellipsenförmig, das schon. Aber im Großen und Ganzen doch eine Kugel – nicht oben ohne, aber eben ohne oben oder unten, links oder rechts.

Dennoch fahren wir Reichenhaller/​-innen nach Salzburg „umme“ oder „nüber“ (hochdeutsch „rüber“), nach München „auffe“ (rauf), in die Stadt (wer außerhalb wohnt) oder nach Berchtesgaden „nei“ beziehungsweise „eini“ (rein), nach Freilassing „naus“ (raus) und – ja tatsächlich – nach Italien „obe“ (runter). Also: Auch wir Bayern haben ein „unten“. Zum Glück.

Ich fahre gern weg, mag das Startfeeling, egal ob umme, auffe, nei, eini, naus oder obe. Das spielt keine oder sagen wir eine relativ untergeordnete Rolle. In den letzten Jahren verlagerte sich das zuvor meist obe eher in ein auffe. Der Norden hat es mir mittlerweile weit mehr angetan, als der in Kindheitstagen gleichermaßen aufgezwungene wie abgegraste, oft doch identische Süden. Irland, Skandinavien, ja schon der deutsche Norden kommt meinen Fotografen-Vorstellungen vom „perfekten Licht“ oft sehr viel näher als das mitunter recht sommer-dunstige Italien. Griechenland nicht: Das faszinierende Kontrast-Farbenspiel kalkweißer Kykladen-Inselhäuschen vor tiefem Ägäisblau konnte bislang kein anderer Ort toppen.

Ganz „hinten“, ziemlich weit „unten“, schlug ein Land dennoch alles: 23 Stunden „umme“ und „obe fliagn“, bis Neuseeland, war zwar hart, aber mein bislang erreichtes „Ende der Welt“ lohnte sich überproportional, jede Sekunde – von oben bis unten, von „herent“ (hier) bis „drent“ (drüben). Die südlichsten Südinsel-Einheimischen habe ich im Februar 2011 dennoch nicht gefragt, was für sie „unten“ noch kommt.

Neuseeländischer Sonntag

Wir parken ohne Suche, Stehenbleiben verbotsschildfrei. Abseits aller Tourismusströme. Keine zwei Meter von jener Stelle, an der das vom lauen Sommerwind leicht kräuselnde Wasser des Lake Rotoma die bunten Kieselsteine zart benetzt. Raus aus dem Miet-Mitsubishi Space-Runner 4WD mit Schaffänger (eigentlich Kuhfänger, aber das braucht in Neuseeland kein Mensch), runter mit T-Shirt und Short, rein ins schwarze Kristallbecken. Frische 18 Grad hier drinnen, über 30 knapp drüber. Aushalten. Durchatmen. Kühle spüren. Auf der Haut, jedem Quadratzentimeter. Genuss. Kein Mensch weit und breit beobachtend. Kein Strommast stört den reinen Luxus-Naturblick, sattes Waldhügelgrün und kräftiges Himmelszeltblau beherrscht. Nichts unterbricht. Paradies am Sonntagnachmittag. Auch mal Alleinsein. Kurze Gedanken, an Europa, das vermeintliche Zentrum, den Massenabfertigungsbetrieb. Dort mal Alleinsein. Unmöglich fast, mittlerweile.

Luxus Zeit

Reisen – der Luxus – bedeutet für mich viel, und doch ist es so einfach: „Zeit haben“. Zeit für Dinge, die im Alltag untergehen, zu kurz kommen, Zeit, die man sich nicht nimmt, warum auch immer. Zeit für Beobachtungen, ohne voyeuristisch daherzukommen. Sehen, wie andere leben. Was sie tun, um ihrem Leben Sinn, welchen auch immer, zu geben. Ohne nach dem eigenen Sinn des Lebens suchen zu müssen, ohne dem eigenen Leben gerade überhaupt Sinn geben zu müssen. Trotzdem entdeckungsbereit. Und: Einfach nur da sein und bleiben, das Menschsein fühlen, nicht weiter müssen, einatmen, ausatmen, gespannt entspannen, sehend schauen und Leben leben. An einem frühen Morgen auf den hohen Klippen Santorins: die weißen Kapellen, die strahlendglänzenden Kreuzfahrtschiffe, das Azur-Meer, Mediterran-Feeling, im Pistazien- und Oliven-Land. Einen Nachmittag lang in einem Café in der Londoner Irving-Street: dem Treiben zuschauen, den gestressten Bankern und anderen Krawattenträgern, den lauten Gauklern und konzentriert-lockeren Straßenmalern, den probenden Musical- und Theaterstars, den zerstreuten Obdachlosen und Allerländerherren. Ein Abend in der Bucht des „französischen“ Küsten-Städtchens Akaroa: im Schatten der grellrot leuchtenden Pohutukawas („Weihnachtsbäume“) den neuseeländischen Skippern beim Abtakeln beiwohnen, nicht ohne vorab bei Kapitän Romantik auf der Fox II selbst hinter Hector-Delfinen hergesegelt zu sein … – oder, gar nicht so „fahr far away“, die heimelige Sommerfrischler-Atmosphäre des stets rausgeputzten Salzkammergut-Dorfes Strobl am Wolfgangsee kennenlernen und aufsaugen: Alte Villen-Welt, schattige Alleen, urige Kaffeehäuser, alt-österreichische, jegliche Klischees erfüllend. ERleben ist überall möglich.

Ungeplant

„Wir planen Ihre perfekte Reise“, lese ich an einem grauen Dienstagabend in der Reichenhaller Fußgängerzone und könnte blindlings auf den versprochenen Sonnen-D-Zug aufspringen. Um im nächsten Augenblick eilig davonzurennen und laut rauszuschreien: „Bitte alles, nur das nicht“. In einem kleinen Pavillon sitzt einer dieser gemütlichen „Reiseplaner“ und verhökert Kaffeefahrten zum Wilden Kaiser. Er wirbt mit diesem „besonderen“ Spruch. Marke „besonders unerfüllbar“. Denn was ist erstens schon perfekt? Jeder Erdenbürger definiert das für sich differenziert, individuell. Und warum muss es zweitens überhaupt „perfekt“ sein, das Wegfahren, das Wegsein, das Urlaubmachen, das Reisen, das Zur-Not-Tourist-Sein? Wäre der perfekte Aufenthalt in fremden Ländern nicht unglaublich langweilig? Abgesehen davon, dass er bei allen Unwägbarkeiten – gerade on Tour – ohnehin niemals möglich ist, der perfekte Urlaub. Irgendetwas ist doch immer, das einem nicht so sehr behagt – je nachdem, wie intensiv man sich auf Störfeuer einlässt. Und Reiseplaner Karl-Heinz möchte mir den Urlaub immer noch perfekt machen: „Guten Tag, ach was, ach so, ja, jetzt weiß ich es, was genau Ihnen am Adriastrand, ja exakt dort, gut tut. Ich weiß es ganz genau“. Meine Zweifel sind berechtigt. Nein, ich möchte nicht, dass mir jemand meine Route strickt und diese womöglich noch selbstbewusst mit Attributen wie „geplant“ oder „perfekt“ einpackt. Verschlossen und versiegelt. Nein, bitte bloß das nicht. Ich will nicht mal urlauben, ich will reisen, will Unerwartetes, reichlich Neues, belebend Überraschendes, auch Unvorhergesehenes, viel Frisches und erstaunlich Kurioses, will Unplanbares ERleben. Will bleiben, wo ich SEIN kann. Stehen, wo ich SEIN darf. Sitzen, wo ich SEIN finde. Sehen und Staunen, wo ich will. Autark. Ohne Cicerone, der in bester Absicht meint, mir könnte es hier oder dort, womöglich sogar oben besser als unten oder rechts besser als links gefallen.

Darum mein abschließender Tipp für alle, die mit wachen Augen SEHEN wollen, die mit offenen Ohren HÖREN wollen, die mit leisem Mund STAUNEN, mit langsamen Schritten GEHEN, mit wachem Verstand BLEIBEN und mit glühendem Herzen ERLEBEN wollen: Reist! Vorurteilsfrei. Voller Interesse. Mit Bedacht. Nicht triumphierend – „hurra, wieder ein Land erobert“ –, sondern bescheiden, nicht polternd, sondern auf bedächtigen Sohlen, nicht verbrauchend, sondern Ressourcen schonend, nicht fordernd, sondern respektvoll und wenn nötig mit gebührendem Abstand.

Ja, Herr Altmann und alle da draußen: Ich will weltwach sein. Immer, überall, in jeder Lebensphase.

Hans-Joachim Bittner

Petra

Im März 1967 wurde ich in Neuwied im Rheinland geboren. Mit 23 Jahren hat es mich nach Bayern verschlagen. Dort habe ich eine Ausbildung zur Altenpflegerin abgeschlossen und Volker kennengelernt. Nach dreieinhalb Jahren haben wir geheiratet.

Petra

Als Kind war ich mit meinen Eltern und den beiden Brüdern an den Wochenenden viel in den umliegenden Wäldern unterwegs. Zu Fuß. Ich erinnere mich, dass ich das Spielen im Freien dem Drinnensein immer vorgezogen habe. Ja, ich hatte eine schöne Kindheit. Wir lebten mit meiner Oma in einem Haus. Platz gab es im Garten zur Genüge. Dafür fielen die Räumlichkeiten etwas kleiner aus. Ein eigenes Kinderzimmer, wie man es heute kennt, gab es nicht. Ich teilte mir mit meinem zwei Jahre älteren Bruder das Wohnzimmer zum Schlafen. Es war mit zwei Schrankbetten ausgestattet. Mein drei Jahre jüngerer Bruder hatte die Freude, mit im elterlichen Schlafzimmer zu sein.

Unsere Küche war auch nicht übermäßig groß für eine fünfköpfige Familie. Und dennoch war für Freunde und uns immer noch Platz genug zum Basteln und Spielen.

Als Jugendliche hatte ich mit Natur oder Sport nicht viel zu tun, da waren Kneipentouren und Rumgammeln angesagt. Mit Volker habe ich dann den Sport und das Reisen entdeckt.

Volker

Ich wurde im Mai 1958 in Köln-Fühlingen geboren. Ich lebte mit meinen Eltern und meiner Schwester an einem kleinen Baggersee in der Nähe Kölns. Unser kleines Haus hatte nicht einmal einen Wasseranschluss. Mit einer gusseisernen Pumpe wurde Grundwasser aus dem Boden gepumpt, und jeden Samstag wurde in einer Plastikwanne gebadet.

Unser Anwesen lag hinter einem militärischen Sperrgebiet. Um in den nächsten Ort zu gelangen, mussten wir einen Kontrollposten passieren. Für uns Kinder war das toll, denn es gab keinen Durchgangsverkehr und viel Platz zum Spielen, einen eigenen Kiesstrand am See und große Wälder. Oft sind wir morgens aus dem Haus und erst abends wieder zurück.

Mit meinen Eltern bin ich bis zum 16. Lebensjahr immer in den Bayerischen Wald in den Urlaub gefahren. Dort haben wir an einem abgelegenen Bauernhof gezeltet und sind viel gewandert.

Volker

1984 habe ich eine Ausbildung zum Sozialpädagogen gemacht und war danach viel im Erlebnissport tätig, zum Beispiel beim Sportklettern. Mit 18 habe ich erste kurze Radreisen begonnen – einmal von Köln bis Oslo. Dabei habe ich mich aber nie sonderlich wohlgefühlt, weil mir jemand fehlte, mit dem ich meine Erlebnisse teilen konnte. Das Alleinreisen hat mir keinen Spaß gemacht.

1988 habe ich eine therapeutische Zusatzausbildung als Tanz- und Bewegungstherapeut abgeschlossen. Im gleichen Jahr bin ich nach Berchtesgaden gezogen und habe stets viel Ausdauersport betrieben: Marathon und 100 Kilometer-Läufe, Triathlon, Skibergsteigen …

1992 habe ich Petra kennengelernt. Wir entdeckten unsere Freude an Fernreisen. 1999, rund 20 Jahre nach meiner ersten Radreise, unternahmen wir unseren ersten Fahrradurlaub – und ich war froh, nicht mehr allein reisen zu müssen.

Ungemütlicher Start bei Schnee-, Graupel- und Regenschauern – erster kleiner Halt nach wenigen Kilometern bei einem Supermarkt in Piding bei Bad Reichenhall.

Startschuss: Jeden Abend ein Glas Wein musste sein

Sie leben zusammen, lachen zusammen, freuen sich zusammen ihres Tuns – und haben dabei eine ganz eigene Art gefunden, all das auch gemeinsam zu genießen. Denn hin und wieder steigen Petra und Volker Braun zusammen aus, lassen fast alles hinter sich: ihr Haus, Bad Reichenhall, Deutschland, Europa. Wenn genug zusammen gespart ist, wird kurzum eine Route ausgetüftelt, die Jobs auf Eis gelegt und wenig später losgeradelt: Tausende Kilometer, in bekannte Ecken dieser Erde genauso wie in entlegene, richtig einsame, touristisch unerschlossene. Monate war das Duo schon ohne Unterbrechung unterwegs, einmal zwölf am Stück. Doch was im April 2011 bevorstand, war selbst für die gebürtigen Rheinländer neu: 20 Monate gönnten sie sich für die Route Anchorage (Alaska)-Feuerland (Argentinien/​Chile) und wagten sich 2011 damit in letztlich gut 600 mal mehr, mal weniger exponierte Tage.

13. April: Zeitdruckfreier Start an einem Mittwoch: Die mit Gepäck je 50 Kilo schweren Bikes warteten startklar vor der Haustür. Über Österreich ging’s zunächst nach Tschechien, denn „da waren wir noch nicht, und Prag interessierte uns einfach“. Petra unterstrich die Freiheit, die sie sich mit ihrem Volker geschaffen hatte. Vor vielen Jahren. Nach der Goldenen Stadt kam Dresden dran, Fulda als Zwischenstation, dann Leutesdorf bei Neuwied. Der letzte Besuch bei Petras Eltern und Geschwistern, das letzte „Hallo“ vor der großen Überfahrt.

21. Mai, kurz vor Elf: Aufruf für den Flug ab Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland. Nach Anchorage (Alaska, USA). Nonstop. Neun Stunden sitzen, ausharren, Adrenalin, Vorfreude, der Kopf voller Gedanken, Querbeet.

Reset-Taste für das Neustart-Leben

Die Räder blitzblank geputzt ging’s am 23. Mai 2011 in Anchorage los – die Sonne strahlte und freute sich mit Petra und Volker.

Am „Ankerplatz“ (Anchorage) schlugen sie keine Wurzeln. „Großstädte gehören nicht unbedingt zu den Dingen, die wir lieben.“ Sofort ging’s auf die Räder, voll bepackt, schwere Pedaltritte, Sitzfleisch bildend. Entlang der nordamerikanischen Rocky Mountains, dann Mittelamerika, einmal durch, später runter, in den Südkontinent, fast bis ans sagenumwobene Kap Hoorn. 20 Monate, fast 29.000 Kilometer, in 14 Ländern. Ohne Druckspur: „Und sollten wir das alles nicht schaffen, geht die Welt nicht unter“, sprachen sie’s vorab Petras Gemüt entsprechend aus: „Wir lassen es auf uns zukommen.“ Mut bewiesen die beiden. Mehrfach. Respekt gebührt so viel Courage, zunächst geplante 730 Tage alles hinter sich zu lassen, ja, dieses Zeitfenster auszusteigen. Das Leben auf zwei Räder und ein geräumiges Zelt runterzufahren. Es ist mehr, als nur die Reset-Taste zu drücken: „Dafür sind die Erlebnisse zu einzigartig, fürs Leben.“ Neustart-Leben.

Das Reise-Gen hatte sie während der ersten gemeinsamen Unternehmungen Ende der 90er-Jahre gepackt. Monatelange Touren in die unterschiedlichsten Regionen des Erdballs brachten die Brauns aus Bad Reichenhall mit vergleichslosen Eindrücken hinter sich: Endlose Weiten des nordamerikanischen Kontinents, tropische Hitze-Rekorde Südostasiens oder die lange Strecke vom südlichsten Oberbayern ans Nordkap (Norwegen) und zurück. Europa war längst abgegrast, bei Volker oft Irland: „Das war mir irgendwann aber doch zu kalt und zu nass“. Preisgünstig, unabhängig, bleiben wo man will … – für Petra und Volker längst unverzichtbare Unabhängigkeiten.

Kartoffeläcker ade

Die letzten Tage daheim.

Volker, der Kölner, und die in Neuwied geborene Petra verlegten ihren Wohnort unabhängig voneinander ins Berchtesgadener Land: „Hier ist es einfach schöner als auf den rheinländischen Kartoffeläckern.“ 1990 lernten sie sich kennen, zwei Jahre später lieben. Und nach eher „normalen Rucksack-Reisen“ entdeckten sie erst 1999 ihre Leidenschaft: Auf dem Rad die Welt erleben. Buchautor Tilmann Waldthaler kurbelte mit seiner „Äqua-Tour“ vor allem bei Petra die Lust aufs Intensiv-Ausleben kräftig mit an. Was folgte, war nicht mehr zu bändigende Abenteuerlust.

„Eine positive Einstellung zu dem, was man tut“, Volker muss nicht überlegen, um die wichtigste Eigenschaft zu nennen, derartige Touren zu wagen und damit die eigenen Träume zu leben. Auch Wagnisse, da ein Rad kaum Schutz bietet: Die Zwei waren jedem Wetter, unzählbaren Gefahren im mitunter chaotischen Verkehrsgeschehen, in den Nächten jeglichen Launen der Natur und einer permanent wechselnden Tierwelt ausgesetzt. „Das machte es gerade so spannend“, vier Augen beginnen zu glänzen. Und obwohl natürlich auch stets gefährliche Krankheiten lauerten, Volker erwischte schon zweimal die Malaria, konnten sie sich bislang kaum vorstellen, ihrem Reisedrang irgendwann abtrünnig zu werden.

Druckfrei weiterradeln nicht ausgeschlossen

Rund 300 Zeltnächte, mal klirrend kalt, mal glühend heiß, standen den beiden Abenteurern im Mai 2011 bevor.

Ein festes Budget, konsequent, diszipliniert, enthaltsam zusammengespart, ist auf zwei Jahre ausgelegt. Danach wollten die beiden ganz locker weitersehen und -planen. „Sollten wir zurückkommen, egal wann, suchen wir uns Jobs und kehren ganz schnell zurück in den Alltag.“ Das eigene Haus daheim, in Bad Reichenhall, wurde derweil einem ehemaligen Arbeitskollegen Petras überlassen. Mietfrei, zum Strom, Wasser- und Müll-Selbstkostenpreis. Dafür hielt er es in Schuss.

Petra und Volker konnten sich zunächst auch vorstellen, nach der (ursprünglichen) Zieldurchfahrt in Ushuaia, weiterzuradeln: Durch Brasilien, dann rüberfliegen nach Afrika, rein in den Senegal, rauf in den Norden des heißen Kontinents und via Spanien zurück in heimische Gefilde. Die Verlängerung hätte womöglich rund acht Monate in Anspruch genommen. Druck, egal welcher Art, waren und sind der Altenpflegerin und dem Sozialpädagogen fremd.

In Sachen Weltreisen sind die Brauns alte Hasen, haben den Erdball längst umrundet. 70.000 Kilometer rund, nicht nur abgespult. Rechts und links alles wahrgenommen. Was sich während der Reisen daheim so alles abspielt, bekommen sie ohne technischen Schnickschnack nur am Rande mit. Als 2006 die Eishalle in Bad Reichenhall einstürzte und 15 Menschen starben, waren sie gerade in Laos – und erfuhren durch puren Zufall durch eine englischsprachige Zeitung, die in einem Laden plötzlich vor ihnen lag, von diesem Unglück.

Im Jetzt leben

Radschild

Das Paar hat stets einen großen zentralen Reisewunsch in den Satteltaschen: „Gesund bleiben, denn daran hängt alles.“ Schlimmere Krankheiten oder Verletzungen könnten die Braun’schen Pläne abrupt stoppen. An derartige Szenarien verschwendeten sie jedoch keinerlei Gedanken – genauso wenig wie an die Altersvorsorge: „Ich mache mir keinen Kopf um meine Rente“, so Volker, „weil ich im Jetzt lebe und genieße.“ Das einfache, sparsame Leben, oft in völliger Wildnis, meist ohne jeglichen Komfort, ein bisschen Holz zusammengesammelt, um das Essen zuzubereiten … – das ist das, wovon die Brauns nicht nur träumen. Sie tun es. „Unter freiem Himmel schmeckt es doppelt gut“, freuten sie sich zu Beginn auf die Abgeschiedenheit Alaskas. Volker überlegte noch, ob er einen kleinen Campinghocker mitnehmen sollte: „Das wäre reinster Luxus gewesen.“ Jedes noch so geringe Gewicht wollte gut überlegt sein, schließlich musste alles auf dem Rad mitgezogen werden.

Das Tandem verzichtete auf vieles und vermisste zu Beginn nichts. Nicht ein Buch – der Reiseführer ausgenommen – befand sich in den Taschen. Petra: „Bei so vielen Erlebnissen habe ich gar keine Zeit zum Lesen.“ Alles „wirklich Wichtige“ haben die erfahrenen Globetrotter dabei: eine gute Salbe fürs strapazierte Gesäß („Nach einer Woche spürt man ohnehin nichts mehr“), eine funktionierende Mücken-Abwehr gegen Alaskas Plagegeister, einen MP3-Player („Musik ist wichtig“) und ein Drei-Mann- beziehungsweise Frau-Zelt: „Das gönnten wir uns, weil wir uns nach einem Tag auf dem Sattel richtig ausstrecken wollten“. Und noch etwas war richtig wichtig: „Ein Glas Wein an jedem Abend, das musste einfach sein“. Am liebsten weiß und trocken.

Tausche Alltag gegen Zeit

Alles Materielle steht für beide in keiner Relation zum Zeitfaktor: „Für uns der größte Luxus. Wir nehmen uns die Zeit, leisten uns diesen Luxus. Es ist sagenhaft, sie letztlich geschenkt zu bekommen. Die Zeit. Wir tauschen Acht-Stunden-Arbeitstage gegen 15-Stunden-Erlebnistage.“

Bei all der Abenteuerlust leugnen Volker und Petra nicht, schon auch echte Leidenschaft für die Heimat, das Zuhause entwickeln zu können: Das eigene Bett, der heimische Herd, arbeiten, kurz Alltag. „Dinge, die wir nach einer Reise sehr genießen.“

Nordamerika

Südamerika

Deutschland: Zelten, schlafen und kochen bei Temperaturen unter null Grad.

Startschwierigkeiten: Nach elf Tagen wäre die Reise beinahe zu Ende gewesen

Am 13. April 2011 verabschiedeten sich Petra und Volker bei Schneetreiben und Temperaturen um die drei Grad von ihren Freunden, dem kleinen Häuschen in Bad Reichenhall und den vielen kleinen Annehmlichkeiten des Alltags. „Die ersten Tage waren reine Quälerei, und die 50 Kilogramm schweren Räder nicht leicht zu händeln. Jeder noch so kleine Hügel kostete uns unheimlich viel Kraft. Die Gelenke schmerzten, Petra hatte erhebliche Knieprobleme. Und ich habe mich gefragt, was wir hier überhaupt machen.“

Die ersten drei Länder durchquerte das Rad-Duo überwiegend auf Flussradwegen: Saalach, Inn, Donau, Moldau, Elbe, Saale, Werra, Fulda, Lahn, Rhein. „Mit Freunden haben wir uns in Rammenau bei Dresden und in Fulda getroffen. So waren wir der Heimat immer noch nah.“

Petras Kopf hält 120 Kilogramm stand

Ein zweifelhaftes Vergnügen.

Am 24. April schien die gerade erst begonnene Reise ein vorzeitiges und vor allem frühes Ende zu nehmen: Auf einem kleinen gewundenen Radweg an der Elbe rutschte Petra in einer Schlammpfütze mit dem Vorderrad weg, stürzte und kam unmittelbar vor Volker zum Liegen. Der konnte nicht mehr bremsen und rauschte mit voller Wucht über den Kopf seiner Frau. Der Helm fing glücklicherweise einen Großteil des Aufpralls ab – und so kam es bei Petra, einem Wunder gleich, lediglich zu ein paar Stauchungen, Prellungen und Hautabschürfungen. Schließlich donnerten rund 120 Kilogramm (Rad mit Gepäck und Volker) über ihren Kopf. Ein Ereignis, das schlimmste Folgen hätte nach sich ziehen können.

Am 11. Mai erreichten die beiden nach 1.950 Kilometern Leutesdorf in der Nähe Neuwieds (Rheinland-Pfalz). „Bei Petras Eltern konnten wir erst mal pausieren, da der Arzt bei ihrem Knie eine Schleimbeutelentzündung diagnostiziert und Ruhe verordnet hatte. Das warme Bett nach zuvor permanent feuchten Zeltnächten – nasskalte Flusstäler und Nachttemperaturen bis zu minus vier Grad – haben wir sehr genossen.“

Glück am Mount McKinley

Alaska: Traumstraße zwischen Jasper und Banff.

„Am 21. Mai sind wir dann nach Anchorage geflogen, am 23. Mai begann mit dem Radelstart in der größten Stadt Alaskas unser eigentliches Abenteuer.“ Doch statt sofort den Süden anzupeilen, bewegten sie sich zunächst in nordöstliche Richtung mit Ziel Denali-Nationalpark und Mount McKinley, 6.194 Meter hoch, Nordamerikas Berg-König. „Nur selten hat man klare Sicht auf sein Massiv – wir hatten fünf Tage lang Glück.“ Vom kleinen Ort Talkeetna (Bedeutung: „Ort, wo am Fluss Nahrung gelagert wird“/​Anm. d. Autors) schauten die zwei Reichenhaller auf die schneebedeckten Flanken und endlosen Gletscher über den Susitna River. Ein einmaliger Ausblick nur 100 Meter vom Zeltplatz entfernt. Temperaturen bis 27 Grad luden zum Baden in den Seen ein, was mangels Dusche doppelt gut tat. „Vor rund zwei Wochen war hier noch Winter und einige Flüsse trugen bis zu zwei Meter dickes Packeis. Wir genossen die Mitternachtssonne und konnten radeln, so lange wir wollten.“

Volker als „Santa Claus“

Mit der Ankunft in Kanada verließ die Brauns das Wetterglück: „Wir waren ständig Regenschauern ausgesetzt und kamen mit dem An- und Ausziehen kaum noch nach. Das Zelt wurde nicht mehr richtig trocken. Und so waren wir froh, nach 40 Zeltnächten am Stück in Nordamerika die Schweizer Bruno und Ursi kennenzulernen. Sie betreiben eine Gästefarm in Hazelton (British Columbia) und nahmen uns für eine Nacht auf. Während es draußen regnete, genossen wir bei gutem Essen und Wein ihre Gastfreundschaft und lauschten spannenden Geschichten von Bären, die versuchten, in die Vorratskammern der Häuser einzudringen.“ Bis hierhin hatten Petra und Volker 21 Bärenbegegnungen, allesamt am Straßenrand, in unmittelbarer Nähe zu ihren Rädern. „Würden wir durch die am Rad befestigten Glocken nicht so viel Lärm verursachen, wären es bestimmt noch viel mehr gewesen.“ Die Kanadier verliehen Volker bereits den Beinamen „Santa Claus“.

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