Falling Trust - Eva Perkics - E-Book
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Eva Perkics

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Beschreibung

Ein sexy Rockstar.
Ein gemeinsames Bett.
Und eine Journalistin, die Berufliches und Privates schwer trennen kann.

Für Jessie erfüllt sich als Journalistin ein großer Traum. Für eine Dokumentation darf sie die Rockband The Royals bei ihrer Europatournee begleiten. Wäre da nicht Marc, der heiße Schlagzeuger mit seinen unzähligen Tätowierungen. Sie weiß, sie muss sich von ihm fernhalten, denn Bad Boys stehen auf ihrer No-Go-Liste an erster Stelle.
Doch was passiert, wenn die beiden plötzlich dazu gezwungen sind, das Bett zu teilen? Und kann Jessie Job und Privates wirklich trennen oder ist und bleibt man als Journalistin eine Verräterin?

Das erwartet dich:
Only one bed
Rockstar Romance
Europatournee
Secrets

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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FALLING TRUST

EVA PERKICS

ÜBER DIE AUTORIN

Eva Perkics schrieb ihre ersten Romane unter dem Pseudonym Eva Fay. Bis sie sich dazu entschied, zu ihren Wurzeln zurückzukehren und ihren Geburtsnamen wählte.

Sie liebt es, Geschichten, die genauso gut aus dem Leben gegriffen sein könnten, zu kreieren. Sie möchte die Leser im Herzen berühren und zum Nachdenken anregen.

Neben dem Schreiben nimmt ihre Familie einen wichtigen Teil ihres Lebens ein.

Man findet sie auf Facebook, Instagram und Tik Tok. Sie freut sich auf den persönlichen Austausch mit den Lesern.

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Instagram

INHALT

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Leseprobe Falling Mask

Neuigkeiten

PROLOG

Ich bin ein Monster. Zumindest behaupten das die unzähligen Menschen über mich. Ich frage mich, haben sie recht? Bin ich wirklich so eine abscheuliche Frau, die es nicht verdient hat, aufrichtig geliebt und wertgeschätzt zu werden? Sind meine Grenzen und Werte nicht auch wichtig? Mein Körper fühlt sich wie gelähmt an, während ich aus dem Fenster starre und die Baumkrone mustere. Die Natur ist der einzige Ort, wo ich mich nicht ungeliebt fühle.

Ich wollte immer alles richtig machen und letztlich ist es trotzdem aus dem Ruder gelaufen. Nun sitze ich in meiner Wohnung vor dem Fenster. Allein. Einsam. Und voller Trauer in meinem Herzen. Nicht mal meine beste Freundin Chelsey will mehr etwas mit mir zu tun haben.

Sie alle hassen mich. Niemand von ihnen hat nur im Geringsten mit mir Mitleid. Und in Wahrheit habe ich auch keines verdient. Ich bin der Abschaum, den viele Menschen in diese eine Schublade schieben würden. Sie trägt den Namen Verräterin. Ich habe ihr Vertrauen missbraucht. Ich wollte meiner Freundin glauben, aber mein Verstand war stärker. Meine gekränkte Eitelkeit war stärker. Vor allem aber die unbändige Wut, die weiterhin in mir brodelt, war stärker. Sie hat meinen Verstand in die Pause geschickt und ich habe automatisiert reagiert.

In meinen Augen brennt es und der unbändige Druck in meiner Brust wird unerträglich.

Verräter haben es verdient, ins Abseits geschickt zu werden. In unserer Gesellschaft sind Fehler nicht erwünscht. Menschen, die ihre Gefühle nicht unter Kontrolle haben, sind unbeliebt. In unserer Gesellschaft wird erwartet, immer richtig zu handeln. Ich nehme mich dabei nicht aus. Vor wenigen Wochen war ich genauso.

Ich dachte, nach meiner Aktion fühle ich mich besser. Doch nichts davon ist eingetroffen. Nicht, nachdem ich meine Freunde verraten habe. Nicht, als ich den wichtigsten Menschen in meinem Leben gebrandmarkt habe. Ich fühle mich, als würde ich jeden Moment sterben und ich sehe aus dieser Situation keinen Ausweg.

Niemals dachte ich daran, dass mich die Reise mit der Band The Royals in so ein Chaos stürzen würde. Ich war davon überzeugt, dies ist mein Karrieresprung in die Welt der bekanntesten und besten Journalisten aller Zeiten. Und nun bin ich nicht nur meine Freunde los, sondern ebenso meinen Job. Ich stehe mit nichts da. Und mein Leben ist ein einziger Trümmerhaufen.

Eine falsche Entscheidung.

Eine verdammt falsche Wahrnehmung.

Eine grauenvolle Handlung.

Unzählige gesagte Worte, die andere Menschen abgrundtief verletzt haben.

Und nun stehe ich vor dem Abgrund, da mir niemand mehr zuhören möchte.

Niemand will meine Sichtweise verstehen.

Niemand ist daran interessiert, was mich zu dieser unglaublich schrecklichen Tat hinreißen hat lassen.

Niemand ist da, um mir zu helfen, aus dieser Situation nur einen Lichtblick zu finden, wofür das alles gut war.

In zahlreichen Büchern steht, alles im Leben hat seinen Grund.

Warum man gewisse Entscheidungen trifft.

Warum man mit bestimmten Problemen immer und immer wieder konfrontiert wird.

Warum man Dinge zu anderen Menschen sagt, die sie tief im Herzen verletzen.

Doch welchen Grund soll es haben, dass ich die Liebe meines Lebens und die beste Freundin mit meinen Worten und Taten nicht nur enttäuscht, sondern ihre Herzen gebrochen habe?

Meine Fingerspitzen fahren auf dem Foto die Gesichtszüge von meiner großen Liebe nach. Warum hat er das getan, obwohl er immer behauptete, er würde mich nie verletzen? Hat er es nicht genauso verdient, denselben Schmerz zu fühlen wie ich? Wieso machen sogar meine Freunde diesbezüglich einen Unterschied?

Schmerz ist Schmerz, egal wie er einem zugeführt wird. Und obwohl ich der Überzeugung bin, dass er es verdient hat, wünsche ich mir nichts sehnlicher, als ihn wieder in meine Arme zu schließen. Ich wünsche mir, dass wir uns wie in jener Nacht lieben, als würde es kein Morgen geben. Ich wünsche mir so sehr, die Zeit zurückdrehen zu können. Aber das kann ich nicht. Ich kann meine Taten und Handlungen noch all das Gesagte rückgängig machen. Ich könnte mich entschuldigen, aber ich habe keine Chance dazu bekommen.

Was wäre gewesen, wenn ich nicht meine Routine gelebt und gleich gehandelt hätte wie die vergangenen Jahre zuvor? Wäre das zwischen ihm und mir anders verlaufen? Hätte ich diese eine Nacht verhindern können?

1

Jessie

Ein paar Monate zuvor

Ein neuer Anfang. Ein neues Leben. Genau das erwartet mich in wenigen Schritten. Mein Herz hüpft aufgeregt in meiner Brust. Denn die Chance, die ich erhalte, ist grandios. Ich weiß, dass ich sie zum größten Teil meiner besten Freundin Chelsey zu verdanken habe. Nur durch ihre Unterstützung habe ich den Job bekommen. Seit ich Reporterin bin, habe ich für kleinere Zeitungen geschrieben. Hin und wieder durfte ich Interviews für eher unbedeutende Fernsehsender führen. Darunter war die Band The Royals. Damals hätte ich nicht zu träumen gewagt, sie auf ihrer Tournee begleiten zu dürfen.

Durch diesen Auftrag habe ich von dem größten Streaminganbieter der Welt namens Look die finanzielle Unterstützung erhalten und kann sie mit einem Kamerateam für fünf Monate nach Europa begleiten. Ich kann es selbst kaum glauben, dorthin zu reisen. Noch nie war ich in Paris, Rom oder London. Allein deshalb freue ich mich darüber ungemein. Jede Woche sind zwei bis drei Auftritte geplant. Natürlich wird es anstrengend, aber zugleich in eine der schönsten Städte zu reisen, zu denen ich wahrscheinlich sonst niemals gekommen wäre, fühlt sich für mich grandios an.

Die Sicherheitskontrolle haben wir hinter uns gebracht. Mit dem Privatjet fliegen wir nach Paris und ich kann es kaum erwarten, in der Stadt der Liebe zu landen. Auch wenn ich bereits unzählige gescheiterte Beziehungen hinter mir habe, glaube ich weiterhin fest daran, dass es für mich die eine wahre Liebe gibt.

Sogar Chelsey, die vor dem Flugzeug steht und Rico innig küsst, hat ihre große Liebe bei ihm gefunden. Gerade sie, die allen Männern abgeschworen hatte. Warum soll dann nicht auch ich das Glück finden?

»Hey«, begrüße ich Chelsey, die sich langsam von Ricos Umarmung löst.

»Du siehst umwerfend aus«, stellt meine beste Freundin fest und gibt mir rechts und links ein Küsschen auf die Wange. Musternd begutachtet sie mein marineblaues A-Linien-Kleid und meine weißen High Heels.

Ich rücke meine weiße Sonnenbrille auf meinem Kopf zurecht und senke verlegen den Blick. »Danke, du siehst auch fantastisch aus.«

»Hallo, Rico, endlich sehe ich Sarah wieder. Wie groß sie die letzten drei Monate geworden ist.« Rico trägt Sarah auf dem Arm. »Wie alt ist sie noch mal?«

»In drei Monaten feiert sie schon ihren zweiten Geburtstag«, antwortet Chelsey stolz. Obwohl sie nicht Sarahs leibliche Mutter ist, steht sie dem nichts hinterher. Neben dem Komponieren der Songs für die Band lebt sie ausschließlich für Rico und Sarah. Sie geht in der Mutterrolle regelrecht auf. Aber ich ahnte so etwas schon. Wenn man zuvor als Nanny arbeitet, hat man meistens eine besondere Liebe zu Kindern. Ich bewundere sie oft, welch Geduld sie dem kleinen Mädchen entgegenbringt.

»Leute, wir müssen einsteigen«, ruft Marc auf dem Treppenabsatz des Flugzeuges zu uns. Ich blicke zu ihm rauf. Was ist bitte die letzten Monate aus Marc geworden? Er wirkt verändert. Breite Schultern, muskulöse Arme und seine stählerne Brust. Verdammt, spannt sein schwarzes T-Shirt. Seine rötlichen Haare hat er schwarz gefärbt, seine blasse Haut stellt einen starken Kontrast dazu dar. Er wirkt verwegener als vor ein paar Jahren, als wir uns das erste Mal begegnet sind. Obwohl ich ihn damals schon supersexy fand, muss ich mir eingestehen, dass ihn der neue Look zu einem typischen Rockstar macht. Als Marc bemerkt, dass wir uns in Bewegung setzen, verschwindet er im Flugzeug.

»Wo ist eigentlich Jesper?«, frage ich, als ich ihn im Flugzeuginneren nirgends entdecke.

Chelsey nähert sich mir, als müsse sie mir ein Geheimnis erzählen. »Jesper wollte unbedingt schon früher in Paris sein und nicht mit uns gemeinsam anreisen.«

»Okay. Hat das einen besonderen Grund?«, frage ich und setze mich neben meinen Kameramann Hank.

»Vielleicht wollte er vorher noch ein bisschen Urlaub machen«, sagt meine Freundin mit einem Augenzwinkern. Chelsey sitzt eine Reihe weiter, da sie mit Sarah mehr Platz benötigen. Das feine Leder unter mir fühlt sich wundervoll an. Mit einem Privatjet zu fliegen ist für mich eine ganz neue Erfahrung.

»Bereit für die Tour?«, fragt mich Hank und zieht sich den schwarzen Hut vom Kopf.

Ich sauge die Luft tief in meine Lunge. »Bereit.« Ich lächle. »Hast du schon ein paar Aufnahmen im Flugzeug gemacht? Ich denke, ein Privatjet ist für die meisten Menschen auf der Welt nichts Alltägliches.«

»Nein, noch nicht.« Er will sich gerade erheben, als ich ihn am Handgelenk festhalte und daran hindere.

»Wenn wir in der Luft sind, haben wir genug Zeit. Immerhin wird das kein Kurzstreckenflug, wie wir ihn sonst kennen.«

»Ich bin nicht mal diese Beinfreiheit gewohnt. Wenn ich schlafen will, kann ich mich sogar vollkommen ausstrecken.« Er fährt den Sessel aus, sodass es einem Einzelbett nahekommt. Neben seinen Augen bilden sich kleine Fältchen vom breiten Grinsen. »Jim wird vor Neid erblassen. Der Arme muss Economy fliegen.« Da Jim der zweite Kameramann beziehungsweise die Notfallbesetzung ist, wurde ihm nur ein einfaches Ticket gewährt.

»Tja, wir zwei gehören wohl zu den glücklichen Gewinnern.« Ich lehne mich zurück. Die Stewardess stöckelt durch den Flur, um die Sicherheitsgurte zu kontrollieren. Mein Blick schweift nach links und ich beobachte, wie Marc und Dexter sich unterhalten. Dexter ist neu in der Band und wird den Part als Frontsänger übernehmen. Sein gekräuseltes braunes Haar fällt ihm in die Stirn. Sein Markenzeichen ist der Eyeliner, den er am unteren und oberen Lidrand trägt. Er wurde durch ein Casting entdeckt. Man weiß von ihm bisher noch nicht viel. Außer, dass er in Las Vegas aufgewachsen ist und zwei Schwestern und einen Bruder hat. Die Eltern führen ein gutbürgerliches Leben. Die Mutter sitzt an der Supermarktkasse und der Vater ist im Finanzwesen tätig.

Dexter wuselt durch Marcs Haar und grinst. Marc wehrt ihn aber nicht ab, sondern boxt ihn in die Seite.

»Was gibt es da zu beobachten?«, fragt mich Hank, dabei bückt er sich ein Stück zu mir rüber.

»Was denkst du über Dexter?«

»Hm, schwierig zu sagen. Bisher habe ich ihn nur mit Marc sprechen sehen. Alle anderen hält er eher auf Distanz. Wenn du mich fragst, hat er noch nicht richtig in die Band gefunden.«

»Das weißt du bereits nach nur zwanzig Minuten Beobachtung?« Ich ziehe meinen Laptop aus meinem Rucksack, weil ich während des Fluges noch ein paar Vorbereitungen zu den Interviews mit den Bandmitgliedern machen muss.

Er zuckt mit den Schultern und streicht über seinen Oberlippenbart, der an den Seiten schwungvoll absteht. »Marc ist der Einzige, der mit ihm redet. Rico hat ihn nur flüchtig begrüßt, ansonsten ignoriert er ihn. Mal sehen, welchen Zündstoff wir hier noch bekommen. Ich freue mich jedenfalls, hinter die Fassade der Jungs zu blicken.«

»Genau das ist das Ziel unserer Dokumentation. Obwohl wir dabei nicht das letzte Wort haben, was die Zuseher geliefert bekommen. Ihr Management hat einen strengen Vertrag verhandelt. Ohne ihre Absegnung dürfen wir nichts veröffentlichen.«

»Es gibt immer kleine Schlupflöcher«, erwidert Hank und zwinkert mir zu, als wüsste er bereits, wie wir diese umgehen können. Doch ich habe nicht vor sie in ein schlechtes Licht zu rücken. Rico ist der Freund meiner besten Freundin. Und Marc lernte ich bei unserem ersten Interview kennen. Damals hatte er mich um ein Date gefragt, da ich aber in einer mittlerweile gescheiterten Beziehung war, habe ich schlussendlich abgelehnt. Manchmal frage ich mich, ob es besser gewesen wäre, wenn ich zugesagt hätte. Doch heute spielt das keine Rolle. Ich werde definitiv mein Herz nicht an ihn verlieren, denn nun sind wir sozusagen Geschäftspartner. Ich bin als Journalistin hier und werde darum bemüht sein, meine Gefühle außen vor zu lassen.

»Hm …« Kurz heftet sich wieder mein Blick an Marc, der sich seit damals grundlegend verändert hat. Er wirkt kühl und distanziert. Allein sein Aussehen lässt erahnen, dass der ganze Ruhm nicht spurlos an ihm vorüber gegangen ist. Damals waren The Royals schon erfolgreich, doch die Tour durch Europa findet in Fußballstadien statt. Was das bedeutet, liegt klar auf der Hand. Millionen von Menschen werden sie sehen. Unzählige Frauen würden alles dafür geben mit einen von ihnen eine Nacht zu verbringen.

Für mich sind ab sofort heiße Bad Boys tabu, diesen Schwur habe ich mir vor zwei Tagen zu Hause vor meinem Spiegel gegeben. Nie wieder lasse ich mich auf so einen Typen ein. Wenn ich Marc so beobachte, wie er an seinem Zungenpiercing spielt und mir sofort wilde Vibrationen zwischen meine Beine jagt, gehört er definitiv zu dieser Gruppe dazu. Damals war er schüchtern und zurückhaltend. Doch heute, wenn sein Blick sich kurz an mich heftet, dann ist mir klar, er ist nun ein anderer Mann. Der Ruhm hat ihn verändert. Bestimmt hat er begriffen, welche Ausstrahlung er auf Frauen hat.

»Jessie?«, zieht mich Hank aus meinen Gedanken.

»Ja?« Ich löse den Blick von Marc, der mir bisher kaum Beachtung geschenkt hat.

»Stimmt es, dass du und Marc mal ein Date hattet? Zumindest wird das unter den Kameramännern getuschelt.« Er spricht darüber, als würde es über das Wetter gehen.

»Er hat mich damals gefragt, aber ich habe letztlich abgelehnt.« Kurz huschen Erinnerungen vorbei, als er mir geholfen hat, die heruntergefallenen Zettel aufzuheben. Als er mich aus seinen grünen Augen angesehen hat. Unschuldig und nicht mit diesem üblichen Baggerblick, der so viel aussagt wie: Wann können wir auf der Toilette verschwinden, damit ich dich ficken kann? Damals verhielt er sich im Vergleich zu den anderen Jungs zurückgezogen. Bis auf Blade, der von sich nichts preisgeben wollte. Doch heute ist etwas anders. Genau genommen seit Dexter in der Band ist. Ich bin mir nicht sicher, ob er dafür verantwortlich ist, dass Marc zu einem Mann geworden ist, der ständig Frauen um sich hortet. Zwar hört man nichts über Sexeskapaden, aber das hat nicht wirklich etwas zu bedeuten. Möglicherweise ist er auch nur gut darin, die Medien außen vor zu lassen. Oftmals sagt man ja, dass stille Wasser tief sind. Vielleicht trifft genau das auf ihn zu?

»Du hast ernsthaft ein Date mit einem bekannten Rockstar abgelehnt?« Hanks Stimme wird lauter und plötzlich spüre ich Marcs Blick auf mir. Es ist nicht so einer, den man als angenehm oder heiß empfindet. Es fühlt sich eher an wie beim Tätowieren. Viele kleine Nadelstiche stechen in Millisekunden auf ein winziges Stückchen Haut.

Ich rutsche tiefer in meinen Sitz, um Marcs bohrenden Blick auszuweichen. »Kannst du bitte etwas leiser sprechen?«

»Sorry, aber das überrascht mich jetzt.«

»Ich war zu diesem Zeitpunkt in einer Beziehung und für mich ist ein Date schon fremdgehen.« Ich streife mein Kleid glatt, obwohl es keine Falten wirft. Weiterhin spüre ich Marcs Blick auf mir, ungeachtet der Tatsache, dass er nur die Hälfte meines wahrscheinlich hochroten Kopfes sehen kann.

Hank entweicht ein kehliger Lacher, während sich die Maschine in Bewegung setzt. »Und bist du heute mit dem Typen noch zusammen?«

»Nein.« Ich senke den Kopf, denn es ruft mir nur in Erinnerung, dass ich bisher mit jeder meiner Beziehungen gescheitert bin. Entweder haben sie mich betrogen, belogen oder mich ohne jeglichen Grund abserviert. Bei jedem dieser Männer hatte ich die Hoffnung, endlich die Liebe zu erfahren, die ich mir so sehr wünsche. Ich kann aus tiefstem Herzen einen anderen Menschen lieben, warum können es die Männer nicht bei mir? Ich schlucke den Kloß in meinem Hals runter, der mir fast die Luft zum Atmen raubt.

»War wohl die falsche Entscheidung.« Der stichelnde Unterton entgeht mir nicht.

»Wer weiß schon, ob ich nicht auch von ihm enttäuscht worden wäre. Sieh ihn dir doch heute an. Er wirkt selbstbewusst und wenn man der Klatschpresse Glauben schenken kann, dann schleppt er mittlerweile genauso jede Frau ab, die er kriegen kann.«

»Genau, Klatschpresse. Mehr brauche ich wohl nicht hinzuzufügen.« Versucht Hank, mich gerade auf den Geschmack von Marc zu bringen? Das ist völliger Irrsinn, denn auch von Look wurde uns das untersagt.

»Es spielt keine Rolle. Nun bin ich hier als Journalistin und ich werde die beste Dokumentation liefern, die die Welt da draußen gesehen hat. Und deshalb muss ich jetzt auch arbeiten und nicht über Möglichkeiten nachdenken, die der Vergangenheit angehören.« Ich klappe meinen Laptop auf.

»Ich lass dich ja schon in Ruhe. Aber solltest du doch schwach werden, will ich jedes schmutzige Detail hören.« Er grinst.

»Seit wann teile ich mit dir meine intimen Erfahrungen?« Ich ziehe eine Braue hoch.

»Seit du außer mir niemanden auf dieser Tour hast, mit dem du darüber sprechen kannst.« Sanft boxt er mir in den Arm.

»Das stimmt doch gar nicht«, kontere ich. »Meine beste Freundin Chelsey ist auch mit dabei.«

»Richtig.« Er macht eine Schnute und zupft an seinem Bart, als würde er ein neues Argument suchen. »Aber sie ist doch mit Rico und dem Kind beschäftigt.«

»Sag mir, wirst du mir auch all deine schmutzigen Details verkünden, die du auf dieser Tournee erlebst?« So leicht mache ich es Hank bestimmt nicht. Vertrauen kann nur aufgebaut werden, wenn auch er mir alles von sich anvertraut.

»Sollte es etwas Aufregendes zu erzählen geben, bestimmt.« Er lächelt. Hank kenne ich schon ein paar Jahre. Zwar ist er nicht immer mein Kameramann gewesen, dennoch habe ich ihn für einzelne Interviews gebucht. Diesmal war es Fügung des Schicksals. Denn der Programmleiter von Look wollte ihn unbedingt dabeihaben. Zu seinen Referenzen zählen etliche Dokumentationen von Popstars, Filmschauspielern und Fußballern. Jede davon wurde erfolgreich. Er besitzt ein besonderes Gespür, Momente einzufangen, die die Stars nahbar und menschlich wirken lassen. Er ist auch schon über fünfzig und bringt eine langjährige Berufserfahrung mit. Soweit ich weiß, ist und bleibt er auf ewig Junggeselle. Seiner Meinung nach ist dieser Job für eine Beziehung nicht geschaffen. Vielleicht hat er zu einem gewissen Maß recht. Denn wie sollte das auch funktionieren, wenn man über Monate hinweg unterwegs ist und nicht zu Hause bei der Familie?

»Endlich kann ich aufstehen und ein paar Filmaufnahmen machen«, sagt er, als wir unsere Flughöhe erreicht haben. Mit der Kamera in der Hand schlängelt er sich an mir vorbei.

Erneut kreuzt sich mein Blick mit Marcs. Damals hatte er immer ein Lächeln auf den Lippen, wenn er mich angesehen hat. Heute ist davon nichts zu erkennen. Was habe ich ihm getan? Ich habe ihm nie etwas vorgemacht, wie die Männer, die ich hatte. Von Anfang an war ich zu ihm ehrlich.

Sofort konzentriere ich mich auf meinen Laptop. Das Schreibprogramm habe ich bereits geöffnet. Ich darf nicht länger darüber grübeln, was Marc über mich denken mag. Nichts davon hat Bedeutung.

2

Marc

Dass gerade sie uns begleiten muss, gefällt mir nicht. Ich habe ihren Namen nicht vergessen. Jessie Williams. Zuerst hat sie dem Date zugestimmt und nach dem Interview hatte sie plötzlich keine Zeit. Sie meinte, sie hätte einen Freund und könnte mit mir nicht mal auf einen Kaffee gehen. Wer es glaubt. Bestimmt wollte sie lieber Rico an ihrer Seite wissen, leider hatte er aber schon eine andere Frau am Start. Dass Rico jetzt mit ihrer besten Freundin zusammen ist, gefällt ihr bestimmt ebenso nicht.

Bisher wollten alle Frauen Rico und nicht mich. Doch das werde ich ab sofort ändern. Dexter boxt mir in den Arm. »Na, was starten wir als Erstes in Paris an? Soweit ich weiß, gibt es dort besonders hübsche Frauen.« Dexter ist seit ein paar Monaten in unserer Band und er macht sich als Rockstar ausgezeichnet. Er erfüllt jegliches Klischee. Mit seinem dunklen Make-up um seine Augen, dazu sein selbstsicheres Auftreten, seine lockeren Sprüche und natürlich rennen ihm die Frauen scharenweise nach. Vor ein paar Wochen haben wir mal unter vier Augen gesprochen. Es ist mir schwergefallen, ihn zu fragen, ob er mir nicht dabei helfen könnte, auch so ein Mann wie er zu werden. Er hat mich nicht ausgelacht, sondern mich am nächsten Tag sofort zum Friseur gebracht. Danach sind wir Klamotten shoppen gegangen und wir haben einen Abstecher zu einem Tätowierer gemacht. Seit damals hat sich einiges verändert. Mein neuer Look gefällt den Damen. Denn jetzt bin ich nicht nur im Hintergrund, sondern nun umgarnen mich die heißen Frauen. Ob es mich jetzt glücklicher macht, weiß ich nicht. Jedenfalls ändert es nicht die Tatsache, dass genau sie mit auf Tour fährt. Jessie, die ich noch heute als die schönste Frau der Welt empfinde. Aber ich habe meine Lehren daraus gezogen. Nun ist ein neuer Marc geboren. Ich bin kein Mann, der Frauen hinterherjagt, sondern sie mir. Und wenn sie den neuen Marc kennenlernt, wird sie einem Date zu zweit bestimmt zusagen.

Hank schwenkt mit der Kamera zu uns. Ich strecke die Zunge zwischen meine zwei Finger und reiße die Augen auf. Obwohl ich mir damit völlig dumm vorkomme, mache ich genau das, was mir Dexter beigebracht hat. Er meint, die Frauen wollen nicht den netten Mann von nebenan. Sie sehnen sich nach dem harten Kerl, der sie vor Gefahren beschützen kann. Eine Granate im Bett ist und natürlich darf er auch manchmal zum zahmen Kater werden. Und er hat recht. Seit ich den Frauen klar zu verstehen gebe, dass ich auf keine Beziehung aus bin, kleben sie an meiner Seite wie Kletten. Aber was ich leider nicht abschütteln kann, ist, dass mich keine One-Night-Stands reizen.

»Ja, zeigt mir eure wilde Seite«, knurrt Hank.

Dexter reicht mir mein Schnapsglas und wir kippen es auf ex runter, dann brüllen wir beide einen Urschrei raus.

»Könnt ihr bitte etwas leiser sein? Sarah soll schlafen«, mahnt uns Chelsey und sofort kriecht das schlechte Gewissen in mir hoch.

»Natürlich«, flüstere ich. Chelsey kennt den Mann, der ich noch vor wenigen Monaten war. Sie weiß wohl am besten, dass ich eine Rolle spiele, zumindest ahnt sie es. Rico ist hingegen von meinem Imagewechsel begeistert. Seit er nicht mehr der wilde ungezügelte Rockstar in der Band ist, freut er sich regelrecht, dass ich mal die Schlagzeilen fülle.

Dexter scheinen Chelseys mahnende Worte nicht zu interessieren, denn er brüllt nochmals lautstark und klopft sich auf die Brust wie ein Gorilla.

»Halt deine verdammte Klappe, wenn dich Chelsey darum bittet«, knurrt Rico und sendet Dex einen vernichtenden Blick. Ich kenne Rico schon viele Jahre, aber so wie er sich ihm gegenüber verhält, bin ich es von ihm überhaupt nicht gewohnt. Ja, er hat nicht unrecht, wir müssen uns gegenseitig respektieren und verständnisvoll miteinander umgehen. Und ja, Dexter hat mal wieder den Bogen überspannt. Doch Rico geht bei ihm bei jeder Kleinigkeit hoch. Als würde er ihn abgrundtief hassen. Bisher hatte ich nicht die Möglichkeit, mit ihm darüber zu reden. Aber wir sind nun lange genug gemeinsam unterwegs und da wird sich bestimmt die eine oder andere Möglichkeit ergeben.

»Beruhig dich, Alter«, kontert Dexter gelassen und rollt mit den Augen.

Hank schwenkt mit der Kamera zwischen uns Jungs hin und her. Natürlich ist das für ihn ein gefundenes Fressen, wenn wir uns untereinander streiten. Zum Glück hat Parker einen sicheren Vertrag abgeschlossen. Wir brauchen uns keine Sorgen darüber machen, dass unangenehme Details von uns veröffentlicht werden, bevor sie nicht von Parker abgesegnet werden. Das Ganze beruhigt mich ungemein.

»Also, was starten wir in Paris an?«

»Ehrlich gesagt, denke ich nicht, dass wir viel Zeit haben werden, um die Stadt anzusehen.«

Er schüttelt den Kopf. »Du hast den Tourplan und den Drehplan nicht gelesen, nicht wahr?«

»Was meinst du?« Jetzt bereue ich es, dass ich mir dafür nicht die Zeit genommen habe.

»Zwischen den Auftritten sind wir in jeder Stadt für zwei bis drei Tage unterwegs. Sind zu Partys eingeladen, wichtige öffentliche Veranstaltungen und Sightseeingtouren sind geplant.« Er rattert die Punkte ab, als hätte er jedes Detail in seinem Kopf gespeichert.

»Wir machen bei keiner Tournee Sightseeing. Das ist völliger Schwachsinn und hat mit unserem Bandleben überhaupt nichts zu tun.« Ein genervtes Schnauben entgleitet mir.

»Für die Zuseher muss es doch Abwechslung geben. Denkst du, ihnen interessiert es, wie wir schlafen und unsere Songs spielen? Sie wollen an unserem Leben teilhaben. Unsere Ecken und Kanten sehen.« Dexter redet so, als wüsste er, was das Publikum braucht, um sich gut unterhalten zu fühlen. »Außerdem werden wir dafür bezahlt, dass wir uns gewisse Sehenswürdigkeiten anschauen. Besser kann es doch gar nicht laufen.« Wieder mal hat er nicht unrecht. Ich sollte dankbar für diese Chance sein. Aber aus unerklärlichem Grund fühle ich diese Dankbarkeit nicht.

»So Jungs, seid ihr bereit für ein kurzes Interview?« Jessie setzt sich Dexter und mir gegenüber hin. Daneben platziert sich Hank mit der Kamera. Jessies blondes Haar ist heller geworden, sodass ihre meerblauen Augen hervorstechen. Ich versinke regelrecht darin und kann nur ein stummes Nicken von mir geben.

»Für dich Jessie bin ich immer bereit«, antwortet Dexter mit tiefer Stimme, woraufhin ich zu ihm blicke. Gut, er weiß nicht, dass ich Jessie wunderschön finde. Er weiß ebenso nicht, dass ich sie seit unserem ersten Treffen nicht mehr aus meinem Kopf bekomme. Doch als ich Jessies Blick sehe, wie sie verlegen zu Boden schaut und sich ihre Wangen zu einem zarten Rosa färben, kriecht Wut in mir empor. Sie will genauso diesen wilden Rockstar, wie alle anderen Frauen auf dieser Welt. So ein Mann möchte ich werden, den sie nie wieder loslassen will. Sie soll mich anhimmeln, wie Chelsey Rico. Oder Mia Maddox. Genauso wünsche ich es mir, aber das wird mit dem alten Marc nicht passieren, denn sie lenkt ihre ganze Aufmerksamkeit auf Dexter. Meine Hand bildet sich zur Faust. Nicht toben, sondern entspannt zurücklehnen.

»Schön zu hören«, antwortet Jessie. »Dann fangen wir mit dir an. Von dir wissen wir am wenigsten. Wie bist du zur Musik gekommen?«

Dexter beugt sich ein Stück nach vorn und stützt seine Ellbogen auf seinen Knien ab. »Ich bin das volle Klischee und habe bereits als kleines Kind Musik geliebt. Ich habe im Kindergarten schon gesungen und in der Grundschule war ich in der ersten Band dabei.« Er fixiert Jessie und ich kann ihren angespannten Körper sehen. Wie sie krampfhaft den Kugelschreiber in ihren Fingern hält, sodass die Fingerkuppen weiß hervortreten.

»Und bei wie vielen Bands warst du bisher?« Jessie hält Dexters Blick stand.

»Ist das denn wichtig? Lass uns lieber darüber reden, wie umwerfend du aussiehst.« Er fädelt eine ihrer Haarsträhne um seinen Finger und plötzlich kann ich mich nicht länger zurückhalten.

»Alter, was ist los mit dir!«, knurre ich und stoße ihn zurück in seinen Sessel.

»Marc, vielen Dank, aber ich kann mich selbst ganz gut verteidigen«, wirft sie mir hin und als sich unsere Blicke begegnen, weiß ich gerade nicht, wo oben oder unten ist. Sie sollte mir dankbar sein, dass ich sie vor Dexter beschützen wollte. Stattdessen will sie mich in die Schranken verweisen? Da soll man doch als Mann die Frauen verstehen. Ihr gefällt es von ihm begrapscht zu werden? Gut, dann kann ich ja gehen. Ich erhebe mich, denn dieses Schauspiel mag ich mir nicht länger reinziehen.

»Dann will ich euch zwei nicht länger stören.« Mit diesen Worten lasse ich sie zurück und setze mich in die hinterste Reihe. Ich habe keinen Bock darauf, immer die zweite Geige zu spielen. Ich werde jeden von ihnen beweisen, dass ich nicht mehr dieser Marc von damals bin.

Nicht der aus der Grundschule, der von seinen Mitschülern gemobbt wurde. Nicht der Marc, der mit siebzehn erst das erste Mal hatte, weil ich zu unsicher und schüchtern war. Diesen Marc gibt es ab heute nicht mehr und deshalb werde ich in Paris mein Leben ganz neu gestalten. One-Night-Stands werden ab sofort zu meiner täglichen Routine. Sexvideos über neue Praktiken im Bett? Check, das wird meine Abendlektüre sein. Offenbar reicht es nicht aus, mein Äußeres zu verändern. Anscheinend darf ich nicht ich selbst sein, um geliebt und begehrt zu werden.

Ab sofort ist Schluss damit, immer die zweite Geige zu spielen. Ich werde einen Weg finden, um das zu verändern.

Bis in die letzte Reihe kann ich Dexters und Jessies Lachen hören. Meine Nackenhaare stellen sich dabei auf und mein Herz hämmert wild gegen meine Rippen. Ich umklammere meine Armlehne, als würden wir einen Sturzflug antreten. Gefühlsmäßig ist das der Fall. Denn mein Herz rast auf Hochtouren und ich bekomme kaum noch Luft. Jegliches Zeitraumgefühl hat sich in Luft aufgelöst. Erinnerungsfetzen drängen sich an die Oberfläche, die ich auf keinen Fall in meine Gedanken lassen möchte.

»Lass dich von dem Kerl nicht provozieren«, sagt Rico, als er sich neben mich hinsetzt. Hat er etwa mitbekommen, was sich in meinem Innersten abspielt?

»Ich mag es nur nicht, wenn man Frauen so offensichtlich begrapscht. Aber Jessie weiß sich anscheinend selbst zu helfen.« Ich schiele zwischen dem schmalen Spalt hindurch und kann Jessies breites Grinsen sehen.

»Sie weiß einfach, wie man Dexter aus der Reserve lockt, damit er zu quasseln beginnt.« Die Stewardess kommt zu uns und wir bestellen uns beide ein Bier.

»Du denkst, das ist von ihr nur ein Plan, mehr von ihm zu erfahren?« Gern würde ich Rico Glauben schenken, aber ich habe die letzten Jahre genau mitbekommen, wie Frauen ihre Mimik gestalten, um die Aufmerksamkeit eines Mannes für sich zu gewinnen. Darunter fällt ein breites Grinsen, Herzchen in den Augen und der Körper auf Spannung, sobald der Kerl mit ihnen spricht.

»Jetzt bist du schon so viele Jahre im Showbiz und hast noch immer nicht gecheckt, dass alle Journalisten nur das eine wollen?« Rico legt seine Stirn in Falten.

»Wir haben einen Vertrag mit Look, ein Bruch davon würde sie Millionen kosten.«

»Ich habe schon unzählige Promis fallen gesehen. Sei vorsichtig. Und vor allem traue niemals einer Journalistin.« Ricos mahnende Worte erreichen mich nur bedingt. In meinem Kopf dreht sich alles darum, dass ich unbedingt, wie in dem Film Hitch - Der Date Doctor einen Kerl brauche, der mir zeigt, wie ich eine Frau für mich gewinnen kann. Denn Jessie ist anders. Ich habe es damals in ihren Augen gesehen. Sie ist keine kaltherzige Journalistin, die einen ans Messer liefert.

»Kannst du mir helfen, ein Womanizer zu werden, den die Frauen lieben?« Die Worte kommen unüberlegt über meine Lippen und im selben Augenblick bereue ich sie auch schon wieder.

Rico blickt zur Decke und scheint meine Frage ernsthaft zu überdenken.

»Das war eine blöde Idee«, füge ich hastig hinzu.

»Hast du deshalb deinen Style verändert?« Rico mustert mein Outfit von den schwarzen Lederboots zu der gleichfarbigen Jeans mit unterschiedlich großen Löchern, weiter zu meinem T-Shirt. Das ebenso schwarz ist.

Ich zucke mit den Schultern. Die Antwort wäre alles, was ich selbst nicht hören möchte. Nämlich ein Ja. »Ich will kein Außenseiter mehr sein. Und wenn es dafür notwendig ist, mein komplettes Verhalten zu verändern.«

»Du bist kein Außenseiter. Du bist Marc, der beste Schlagzeuger aller Zeiten, und wenn du endlich deine Arschbacken zusammenkneifen und singen würdest, wärst du womöglich auch der beste Sänger, den unsere Band jemals hatte. Wir wissen beide, dass Dexter nur eine Notlösung für uns ist.« Die Stewardess kommt mit zwei Bier. Sie will uns Gläser reichen, doch beide verneinen wir dankend.

»Ich kann nicht singen und das weißt du.« Sobald ich vor anderen Menschen stehe, bekomme ich keinen einzigen Ton heraus. Ich weiß noch, wie mich Rico beim Proben darum gebeten hat, zu singen. Es ging voll daneben, weil ich jedes Mal den richtigen Einsatz verpasst habe.

»Du hast doch nur Schiss. Was völlig normal ist. Komm aus deinem Schneckenhaus heraus und zeige, was du draufhast. Und hör endlich auf zu jammern und zu versuchen eine Person zu sein, die du gar nicht bist.« Ricos Stimme wird schärfer, bleibt aber trotzdem leise. Dennoch kann ich seinen Ärger heraushören.

»Dexter ist unser Frontsänger und das ist beschlossene Sache, die man nicht ändern kann.« Er wurde in die Band aufgenommen und hat für das nächste Jahr einen Vertrag unterzeichnet.

»Ich war von Anfang an nicht begeistert, ihn zu nehmen.«

»Ändert aber an meiner jetzigen Situation rein gar nichts. Hilfst du mir jetzt, einen neuen Marc zu erschaffen?« Er ist der Einzige, dem ich genug vertraue und der mir helfen kann. Nach der Aktion mit Dexter kann ich auf ihn auch nicht länger bauen. Denn anscheinend hat er an Jessie ebenso Gefallen gefunden.

Rico schnaubt und schaut zu Chelsey, die bereits schläft. »Ich halte davon immer noch nichts. Aber wenn du mir versprichst an deinem Gesang zu trainieren, dann helfe ich dir, ein selbstbewusster Kerl zu werden.« Er hält seine Bierflasche in die Luft.

»Versprochen«, erwidere ich und stoße mit meiner Flasche gegen seine.

3

Jessie

Dexter ist sich seinem Äußeren so sicher. Dabei merkt er nicht, dass meinerseits ausschließlich journalistisches Interesse besteht. Dass ich dabei Marc verärgert habe, tut mir leid, doch ich habe einen Job zu erledigen. Ich darf mich von meinen Gefühlen zu ihm nicht ablenken lassen.

Kurz hatte ich den Eindruck, den alten Marc von damals zu sehen. Der, der einer Frau immer mit Respekt entgegenkommt. Leider ist er verschwunden und hat sich mit Rico in die letzte Reihe gesetzt. Eigentlich wäre ich ihm lieber gefolgt, um mich bei ihm zu bedanken. Aber Dexter ist gerade in Redelaune und ich brauche eine gute Story für unsere Dokumentation. Und als neues Bandmitglied ist er derjenige, über den wir momentan am wenigsten wissen. Leider gibt er noch keine neuen Informationen preis, doch wenn ich hartnäckig bleibe, werde ich das in Erfahrung bringen.

Ich blicke in die letzte Reihe und bemerke, wie Rico und Marc sich angeregt unterhalten. Ich wäre jetzt lieber bei ihnen und würde gern wissen, worüber sie sprechen. Außerdem würde ich lieber mehr über Marc erfahren. Ob er verliebt ist, was ihn bewegt, was ihm Freude bereitet. Aber sobald er unmittelbar vor mir sitzt, steht oder sonst was direkt vor mir macht, werde ich nervös. Damals, als ich bei ihnen das erste Interview geführt habe, erging es mir so. Alle glaubten, dass Rico mich nervös machte, dabei war es ausschließlich Marc. Ich wusste damals schon, nur ein Date mit ihm würde reichen, dann ist es um mein Herz geschehen.

»Gehen wir in Paris einmal schön essen?« Fragt mich das Dexter im Ernst? Habe ich irgendwelche Signale gesendet, die er missverstehen könnte? Die glühend heißen Wangen, die ich vorhin gefühlt habe, waren nicht wegen Dexter, sondern ausschließlich wegen Marc. Ich war sogar erleichtert, als er aufgestanden und gegangen ist. In seiner Gegenwart bekomme ich kaum einen Ton heraus.

Gedankliche Notiz: An dem muss ich unbedingt noch arbeiten.

»Ich denke, für heute ist das Interview beendet.« Ich klappe meinen Laptop zu und gehe zurück an meinen Sitzplatz. Für einen gefühlten langen Moment verharrt mein Blick bei Marc. Seine grünen Augen mustern mich. Doch nicht auf die oberflächliche Weise, dass er meinen Körper scannt. Nein, vielmehr scheint er gefühlt gerade in mein Innerstes zu blicken. Ein wildes Kribbeln breitet sich aus, sodass ich mich rasch auf meinen Sitzplatz setze. Dass er jetzt genau hinter mir sitzt, erschwert mein Gefühlschaos. Ich sollte mich wie Chelsey schlafen legen, damit ich in Paris fit bin. Doch mein Herz rast in meiner Brust und ich kann an nichts anderes denken, wie es wäre, wenn Marc neben mir sitzen würde. Worüber wir uns wohl unterhalten würden?

Hank gesellt sich zum Glück neben mich und stellt so wie ich den Sitz auf Liegemodus um. Die Stewardess reicht uns eine Decke und das Licht wird gedimmt. Ich sollte schlafen, denke ich mir, als Marc vor meinem inneren Auge erscheint. Sein durchdringender Blick lässt feine Vibrationen über meinen Körper gleiten und unweigerlich presse ich meine Beine zusammen.

Ich träume mich weg und meine Fantasie nimmt ihren Lauf.

Marc schiebt seine Hand unter mein Kleid. Hier im Flieger, während die anderen schlafen. Er verteilt hauchzarte Küsse in meiner Halsbeuge. Ich kann mein Stöhnen nur schwer unterdrücken, damit niemand von all dem etwas mitbekommt. Seine Hand fühlt sich weich und warm auf meiner Haut an. Seine Küsse sind gefühlvoll und voller Liebe. Als seine Finger mein Höschen erreichen, reißt mich ein klirrendes Geräusch hoch.

»Verdammte Scheiße!«, fluche ich.

Hank fasst nach meiner Hand. »Was ist passiert?«, fragt er mit schläfriger Stimme und die Schlafmaske klebt auf seiner Stirn.

»Was soll passiert sein?«, erwidere ich, als würde ich nicht gemerkt haben, dass ich laut geschimpft habe.

»Du hast geschrien und wenn ich nach vorn sehe, hast du dadurch nicht nur mich geweckt.«

»Könntest du bitte etwas leiser sein?«, flüstert Rico mahnend, der sich inzwischen neben Chelsey eingefunden hat.

»Habt ihr das klirrende Geräusch nicht gehört?«

Hank sieht mich stutzig an. »Nope. Du solltest vielleicht spät abends nicht mehr arbeiten.« Er schiebt sich die Schlafmaske vor die Augen und dreht sich weg.

An der Arbeit liegt es definitiv nicht. Aber das interessiert wohl niemanden hier, denn alle liegen im Land der Träume. Zumindest die, die ich sehen kann. Marc sitzt weiterhin hinter mir. Und das Gefühl, ihn in meiner Nähe zu haben und nicht zu wissen, was er tut, entspannt mich leider kein bisschen. Trotzdem setze ich mir die Schlafmaske auf und stecke mir die Kopfhörer ins Ohr. Ich schalte mir Entspannungsmusik ein, in der Hoffnung, Marc aus meinen Gedanken zu verbannen.

Warme Luft peitscht mir ins Gesicht, als wir aus dem Flughafen treten. Die Band wird bereits von Reportern umzingelt, während wir auf etwas Abstand die Koffer in einer der Minivans packen. Drei Autos sind für die Band und uns vorgefahren. Die verdunkelten Scheiben sollen ihnen den Schutz vor der Außenwelt bieten. Mir war klar, dass sich auch andere Journalisten für die Band interessieren. Sie gehören nun mal zu den erfolgreichsten Rockmusikern, die unsere Geschichte zu bieten hat. Es gibt nicht viele Bands, die Fußballstadien nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa füllen.

Meine Freundin hat sich mit Sarah in einem der Wagen zurückgezogen. Die Bodyguards haben alle Hände voll zu tun, die Meute von ihnen fernzuhalten. Blitzlichtgewitter, gepaart mit unzähligen Fragen, die sie ihnen zurufen, zeugen von ihrem Interesse. Die Jungs sind Profis und stellen sich ihnen, um die Fragen zu beantworten. Im Endeffekt lenken sie von ihr ab, damit sie mit Sarah nicht unter Stress kommt. Nach wenigen Minuten haben die Bodyguards die Meute verscheucht und sie haben sich wie wir im Wagen eingefunden. Rico und Chelsey sitzen mit Sarah im ersten Wagen. Marc und Dexter haben sich im zweiten platziert, während wir das Schlusslicht bilden. Dazu ist vor und am Ende des Konvois ein Auto, in denen sich Personenschützer befinden. Aus Sicherheitsgründen kennen wir den Streckenplan nicht. Was für mich und das Team auch nicht wichtig ist. Wir verfolgen nicht das Ziel, die Gruppe in Gefahr zu bringen.

Der Konvoi hält vor dem Luxushotel Le Bristol

---ENDE DER LESEPROBE---