Falsch gewählt - Matthias Hansl - E-Book

Falsch gewählt E-Book

Matthias Hansl

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Beschreibung

Bei demokratischen Wahlen muss man entscheiden. Doch für oder gegen wen? Die richtige Entscheidung ist ein Konglomerat aus subjektiven Gründen. Also kann – aus der Gegenperspektive gedacht – auch falsch gewählt werden. Das meint zumindest Matthias Hansl in seinem Beitrag in Kursbuch 174 und macht das am Beispiel des Arabischen Frühlings und seiner Machtumbrüche deutlich. Aufgrund der häufig sehr heterogenen Oppositionsgruppe würden in diesen Kontexten, meist die Falschen gewählt.

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Seitenzahl: 24

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Matthias Hansl

Falsch gewählt

Nach der Arabellion. Warum Wählen nicht hilft, aber nur Wahlen helfen können

Es kann nicht schaden, inmitten der neuen arabischen Unübersichtlichkeit aus dem bewährten Fundus einer philosophischen Dauerreflexionsmaschine zu schöpfen. Peter Sloterdijk gibt uns in Zeilen und Tage, seinen kürzlich erschienenen Notizen aus den Jahren 2008 bis 2011, einen fast schon prophetischen Hinweis darauf, was es mit den elektoralen Nachwirkungen eines weithin bejubelten Phänomens namens Arabellion auf sich haben könnte. So schreibt er, datiert auf den 24. Februar 2011: »Das Phänomen des Bonapartismus lässt erkennen, wie eng die sogenannte Postdemokratie an prädemokratische Prämissen rührt. Auf den Prinzipien der freien Volksmeinung und des Mehrheitswillens lassen sich diktatoriale oder monarchische Strukturen ebenso gut errichten wie demokratische und partizipative.«1 Überall wo demokratische Wahlen durchgeführt werden, so Sloterdijks Botschaft, lauert irgendwo die hässliche Fratze eines falschen Napoleon. Man müsste mit Blick auf die Arabellion nur ergänzen: Seine hässliche Fratze lauert vor allem dort, wo demokratische Wahlen ein Novum sind.

Der Pharao ist tot – es lebe der Pharao!

Wir schreiben den 22. November 2012, im Jahre eins nach neuer arabischer Zeitrechnung, als Mohammed el-Baradei, ehemaliger Chefinspektor der Internationalen Atomenergieorganisation, Friedensnobelpreisträger und liberales Aushängeschild der Anti-Mubarak-Proteste, seinen Followern eine alarmierende Botschaft twittert: »Mursi hat heute alle Staatsgewalt usurpiert und sich selbst zum neuen Pharao aufgeschwungen. Ein herber Schlag für die Revolution, der schlimme Folgen haben könnte.«2 Am selben Tag hatte der neue ägyptische Präsident ein Dekret erlassen, das es der ägyptischen Justiz bis zu einem Referendum über den religiös imprägnierten Verfassungsentwurf seiner Glaubensbrüder nicht mehr gestatten sollte, eine seiner Entscheidungen zu annullieren. Massenproteste ob dieses versuchten Staatsstreichs folgten, und am 28. November bemerkte der neuerdings »wichtigste Mann des Mittleren Ostens« in einem Interview mit der amerikanischen Time dazu lapidar: »It’s some sort of … misunderstanding from a few.«3