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Die Protagonistin schildert ihre Ehe zu einem Narzissten, der auch Glücksspieler ist. Die Ehe ist überschattet von Lügen und verdeckter Manipulation. Als sich die junge Frau aus der Ehe befreit, wird sie von dem Narzissten gestalkt und verliert daraufhin fast den Lebensmut. Wie Romana es schafft sich aus ihrem emotionlalen Kampf zu befreien, verrät sie in ihrem Roman. Der Roman klärt desweiter über Narzissmus auf und beschreibt welche Folgen narzisstischer Missbrauch für Betroffene von emotionaler Gewalt hat. Außerdem werden Tipps gegeben, wie man verdeckte Manipulation erkennt und abwehrt und welcher Umgang mit Narzissten, der hilfreichste ist.
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Impressum
Romana Gutfreund
FALSCHES SPIEL
Im Visier eines Narzissten
© 2021 Romana GutfreundAlle Rechte vorbehalten.
Alle Rechte des Buchinhaltes unterliegen dem Autor. Eine Vervielfältigung oder Verwendung von Textinhalten erfordert eine schriftliche Einverständnis des Autors.
Wichtiger Hinweis!
Alle im Roman beschriebenen Handlungen und Personen sind fiktiv und daher nicht an das Persönlichkeitsrecht berührt. Die im Roman gegebenen Empfehlungen beruhen auf Erfahrungen und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, keine Garantie und auch keinen medizinischen oder therapeutischen Ersatz dar.
Kapitel 1 6
Kennenlernphase 6
Kapitel 2 10
Zusammenziehen 10
Kapitel 3 15
Familienleben 15
Kapitel 4 22
Glücksspieler und Co-Abhängigkeit 22
Kapitel 5 42
Narzisstischer Wutausbruch 42
Kapitel 6 52
Auswandern 52
Kapitel 7 59
Game Over 59
Kapitel 8 67
Mein Trennungsweg 67
Kapitel 9 76
Psychoterror 76
Kapitel 10 93
Kinder mit einem Narzissten 93
Kapitel 11 102
Stalking 102
Tipps im Umgang bei Stalking 118
Narzissmus 120
Tipps im Umgang mit Narzissten 131
Methoden eines Narzissten – 137
Red Flags 137
(Psychische) Gewalt 152
Merkmale der verschiedene Gewaltformen: 156
Abwehr psychischer Gewalt 160
Gesundheitliche Folgen psychischer Gewalt 160
Manipulation in der Kommunikation 163
Abwehrtechniken von Manipulationen 166
Grenzen setzen 167
Mein Heilungsweg 172
Als ich mich selbst zu lieben begann 190
Schlusswort 194
Vorwort
Die Herkunft des Narzissmus kommt aus der Welt der griechi-schen Mythologie. Der Begriff „Narzissmus“ wurde nach der Sage benannt, in der ein schöner Jüngling namens Narkissos (Narziss), der schöne Sohn des Flussgottes Kephissos, sich im Fluss seines Vaters, selbstverliebt betrachtet. Er bestrafte seine Liebesgöttinnen stets mit unstillbarer Selbstliebe. Dies ging sogar soweit, dass er sein Spiegelbild an der Flussoberfläche umarmen wollte und dabei ertrank. Seine Sehnsucht nach Liebe blieb unerreichbar und führte zu seinem Ende.
Narziss ist die weiße Blume, die sinnbildlich nach ihm benannt wurde und eine kalte, herzlose Schönheit wiederspiegeln soll. Narzissten gelten deshalb als selbstverliebt. Simplifizierte Adjektive wie arrogant, eingebildet, selbstbewusst und ehrgeizig werden mit dem Narzissmus verbunden. Dies kommt allerdings nicht den klinischen Tatsachen gerecht, denn eine Ausprägung narzisstischer Störungen entspricht mit den genannten Merkmalen nicht der Vollständigkeit überein. Die oberflächliche Betrachtung des Narzissten ignorieren sein Imageverhalten. Narzissten können durchaus sozial angepasst und funktionstüchtig sein. Dies widerspricht sich dem aufgeblasenen Selbstkonzept nach Bestätigung durch andere. Es besteht aber durchaus von Narzissten eine starke Neigung danach von anderen Menschen ausbeuterisch eine narzisstische Gratifikation zu erhalten. Ist dies von anderen nicht mehr zu erwarten, werden diese verachtet und entwertet. Das beweist ein deutliches Charakteristikum an emotionaler Kälte und die Missachtung anderer Menschen.
Mit Narzissmus ist nicht immer gleich eine Persönlichkeitsstörung gemeint. Ein gewisses Maß an Selbstliebe und Selbstwertschätzung ist wichtig für jeden. Das Verstehen der narzisstischen Persönlichkeitsmuster bedeutet gleichzeitig, dass man weniger Macht und Bösartigkeit darin sieht. Erst wenn man selbst verstanden hat, worum es geht, kann sich auf Augenhöhe begegnet und folgerichtig gehandelt werden. Dies erfordert Größe und der Blick von oben herab muss aufgegeben werden. Meine Erfahrung zeigt, dass derjenige, der narzisstischen Missbrauch erfahren hat, den schwierigeren Prozess zu durchlaufen hat. Doch derjenige am Ende auch gestärkt aus dem Prozess geht, wenn er bereit dazu ist die Opfer-Rolle aufzugeben.
Die Sage des Jüngling Narkissos beschreibt ganz deutlich das eigentliche Drama eines Narzissten. Denn, je falscher das eigene Selbstbild ist, desto schwächer begegnet man dem Leben und desto schneller fühlt man sich bedroht und reagiert dementsprechend falsch. Resilienz bedeutet auch innezuhalten und zu akzeptieren was man wirklich ist. Genügt die eigene Vorstellung des Seins nicht, ist man permanent in Stress und geht geschwächt durch das Leben. Der resiliente Halt fehlt und das eigene Leben kann nicht gesund bewältigt werden. Desto mehr man die Kraft, den Halt und die Anerkennung woanders sucht, desto weniger kann man Situationen beurteilen wie sie wirklich sind. Erst im Nachhinein wird man die beschriebenen Schritte erkennen und Wunden heilen lassen können. Keine Frage beide Seiten (Narzissten und Opfer) sind mit Emotionen verbunden und haben eigene Herausforderungen zu meistern.
Wie eine narzisstisch geprägte Beziehung aussehen kann, möchte ich mit meinem Roman im ersten Teil erzählerisch darstellen. Im zweiten Teil leiste ich Aufklärungsarbeit über den Narzissmus, das Stalking und die Gewaltformen. Im letzten Kapitel lade ich zu meinem Heilungsweg ein und verrate, wie ich mich und meine Kraft wieder finden konnte.
Gehe nicht,
wohin der Weg führen mag,
sondern dorthin,
wo kein Weg ist,
und hinterlasse eine Spur.
Jean Paul (1763 - 1825)
Es war ein ruhiger Arbeitstag. Ich sortierte die Kleiderständer, am Nachmittag vor dem Eingang der Boutique. Die Schmuckverkäuferin aus dem Nachbarladen kam gleich zu mir, als sie mich sah. Wir beide verstanden uns gut. Wie das Schicksal es wollte, blieben wir nicht lange zu zweit, denn kurz nach unserem Zusammentreffen fuhr ein weißes Auto auf den Kundenparkplatz. Es war der Chef der Catering-Agentur, die sich gegenüber der Boutique befand. Er parkte sein Auto, stieg aus und kam in unsere Richtung. Er blieb bei uns stehen und begrüßte uns. Es wurden ein paar Worte gewechselt, während ich mich weiter um meine Arbeit kümmerte. Als er mich nach meinem Namen fragte, deutete ich nur arrogant auf mein Namensschild. Ihm schien meine Art der Antwort zu gefallen, denn er lachte amüsiert, als er meinen Namen las. Ich ließ sein Lachen unkommentiert und ging kurz darauf in die Boutique zurück, hier wartete schon meine Kollegin mit der Kassenabrechnung auf mich. Etwa drei Stunden später kam er dann in die Boutique herein, um etwas einzukaufen. Ich sah ihn an diesem Tag zum ersten Mal, aber nicht zum letzten Mal bei uns als Kunden.
Vor ein paar Monaten erst hatte ich die Beziehung zu meinem Freund beendet und war seitdem Single. Mein Leben verlief in geregelten Bahnen und ich hatte Spaß mit meinen Freundinnen. Wir waren jede Woche aus und verpassten keine Disco. Nach unserer ersten Begegnung erschien er immer häufiger in der Boutique, in der ich arbeitete, manchmal sogar mehrmals am Tag. Er ließ sich sehr gerne von mir beraten. Dies fiel auch meinen Kolleginnen auf und sie riefen schon von weitem: „Frau Kollegin, dein Typ wird verlangt!" Wiederholt lud er mich in seine Agentur ein. Ich folgte diesen Einladungen aber nicht.
Einmal holte mich eine Freundin nach Feierabend ab. Sie wollte gerne spontan in der Catering-Agentur gegenüber etwas Essen gehen. Ich ließ mich von ihr überreden und wir spazierten die zehn Stufen zur Agentur hinauf. Ich achtete darauf, dass ich mit dem Rücken zu ihm saß, da ich keine falschen Signale senden wollte. Das Essen schmeckte gut und er kam nur kurz an unseren Tisch. Wir zahlten und verließen direkt danach das Catering-Restaurant. Weiterhin besuchte er regelmäßig die Boutique. Er erzählte mir oft von seiner Agentur und seinem Cousin aus England, der ihn häufiger in Deutschland besuchte. Es entwickelte sich eine Art Freundschaft. Irgendwann gab ich seiner Einladung dann doch nach und wir trafen uns in einem Biergarten. Wir verstanden uns gut und die Gesprächsbasis passte. Er zeigte sein Interesse, indem er mir Aufmerksamkeit und nette Worte schenkte. Er hörte mir zu und er merkte sich einfach alles. Er verriet, dass er Herzklopfen hatte, als er mich das erste Mal sah. Ich schwirrte ihm wohl schon eine ganze Weile im Kopf herum. Er gab mir das Gefühl, etwas ganz Besonderes zu sein. Er idealisierte mich.
Es war wie in einem Traum. Sehr oft kam es sogar vor, dass wir uns im selben Moment eine Nachricht schrieben oder uns gegenseitig anriefen. Es grenzte an einer Seelenverwandtschaft. Er fragte mich immer, wann wir uns wiedersehen würden. Am Tag meldete er sich – aus Eigeninitiative heraus – mehrmals, oder er kam zum Einkaufen in die Boutique. An Wochenenden folgte er mir in die Discos, auch wenn sich diese etwa 200 km weiter weg befanden.
Da er der Inhaber der Catering-Agentur war, verhielten sich andere Frauen besonders reizend ihm gegenüber. Doch er ließ sich nie auf einen Flirt ein, sondern zog mich immer sofort zu sich hin und stellte mich den anderen Damen vor – wollte mir also nie einen Grund zum Misstrauen geben. Obwohl wir zu diesem Zeitpunkt nicht einmal zusammen waren, gefiel es mir, wie er mit diesen Situationen umging, weil er niemanden vor den Kopf stieß.
Einen Haken hatte die ganze Sache allerdings, denn er wohnte noch mit seiner damaligen Partnerin zusammen. Er erzählte mir offen davon und vertraute mir auch seine Beziehungsprobleme an. Nie sprach er abwertend über seine Partnerin, sondern blieb sachlich. Vermutlich hatte er schon damals bemerkt, dass ich Lästerei, Klatsch und Tratsch nicht ausstehen kann. Wir besaßen einen sehr guten Draht zueinander, teilten die gleichen Ansichten in vielen unterschiedlichen Bereichen. Nie ging uns der Gesprächsstoff aus. Er gab mir stets das Gefühl, ihm sehr wichtig zu sein. Ich fühlte mich wohl bei ihm und vertraute ihm. Er suchte ständig die Nähe zu mir, sodass wir uns irgendwann doch näher kamen.
Gib mir nicht,
was ich mir wünsche,
sondern was ich brauche.
Antoine de Saint-Exupéry (1900 - 1944)
Wir suchten uns gemeinsam eine Wohnung und zogen zusammen. Die ersten Probleme ließen nicht lange auf sich warten. Er ignorierte meine Wünsche immer mehr und stellte seine Bedürfnisse in den Vordergrund. Er begab sich jedes Wochenende alleine in die Disco und kam oft angetrunken nach Hause. „In einen Wald nimmt man keine Bäume mit" witzelte er, wenn ich kritisierte, dass er alleine ausging.
„Also gut“, dachte ich mir, „dann werde ich dir zeigen, was ich kann“ und machte mich am Wochenende ebenfalls fertig zum Ausgehen. Duschen, anziehen, schminken und alles, was Frauen gerne zelebrieren. Eigentlich plante ich jedoch etwas anderes und machte ihm nur etwas vor. Er verließ dann vor mir das Haus, glaubte mir aber nicht, dass ich später als er nach Hause kommen würde. Tatsächlich blieb ich, wie heimlich geplant, Zuhause. Ich wollte nicht verpassen, wenn er nach Hause kommt. So blieb ich mit frisiertem Haar und perfektem Make-up alleine auf der Couch sitzen und wartete auf ihn. Als ich hörte, wie sich draußen das Garagentor öffnete und unser Auto hineinfuhr, knipste ich sofort den Fernseher aus. Ich schnappte schnell meine Schuhe, Tasche und Jacke und versteckte mich in dem Wohnhaus ein Stockwerk weiter oben im Treppenhaus vor ihm. Er kam in das Haus und schloss die Wohnungstür auf und trat in unsere Wohnung hinein. Ich hörte vom Treppenhaus alles bis zum Zufallen der Wohnungstüre aufmerksam mit, blieb aber auf der Treppe sitzen und wartete noch etwa eine halbe Stunde auf meinen Auftritt.
Als ich dann ganz cool durch die Wohnungstür schritt, machte er große Augen und fragte mich, von wo ich kommen würde? Ich antwortete: „Ich war im Wald bei den Bäumen, so wie du auch." Ich versicherte ihm, dass wir das ab jetzt immer so machen könnten. Nur was dann aus unserer Beziehung werden würde, könne ich ihm nicht garantieren. „Im schlimmsten Fall", so sagte ich, „werden wir uns trennen müssen. Denn wenn jeder macht, was er will und auf den anderen überhaupt keine Rücksicht nimmt, dann können wir es gleich bleiben lassen."
Mein kleiner Auftritt fruchtete. Er ging nur noch selten ohne mich aus. Einen Wutausbruch bekam er nicht. Er bestrafte mich stattdessen mit Schweigen. Wir arbeiteten viel und hatten wenig Zeit füreinander. Er war voll und ganz in der Catering-Agentur eingespannt und ich half auch beim Catering mit, neben meiner Tätigkeit in der Boutique. Zu Beginn war er mir gegenüber ein strenger Chef, sowie auch zu dem Rest der Mitarbeiter. Natürlich machte ich anfangs Fehler, schließlich kannte ich mich ja noch nicht aus. Einmal flüchtete ich sogar aus der Agentur, weil er mich und das Personal anschrie und beleidigte. Mit dem Personal ging er immer so um. Bei mir zügelte er sich dann etwas und entschuldigte sich sogar in Nachhinein.
Irgendwann äußerte er den Wunsch nach einem gemeinsamen Kind und einem Haus. Ich war überglücklich. Er hatte Tränen in den Augen, als wir den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielten. Die ersten zwei Drittel der Schwangerschaft verliefen fast ohne Komplikationen. Das letzte Drittel der Schwangerschaft barg einige Risiken. Ich hatte gefährliche Frühwehen, weil ich zu schwer arbeitete. Mein Gynäkologe verordnete mir strikte Bettruhe. Vom vielen einseitigen Liegen auf derselben Körperseite bekam ich einen Nierenstau. Ich musste ins Krankenhaus zur Beobachtung, durfte aber nach ein paar Tagen wieder nach Hause. Häufig spürte ich Neid von Freunden und Bekannten die offensichtlich das perfekte Bild einer Familie sahen, die finanziell ausgesorgt hatte. Deren Neid verletzte mich. Niemand sah, wie hart und viel wir arbeiteten, sondern nur das, was wir besaßen. Als wir uns dann ein Haus kauften, wollte ich nicht in das Grundbuch eingetragen werden, weil ich zu stolz war und beweisen wollte, dass ich nicht irgendwelche niederen Absichten verfolgte. Von Seiten meiner Familie wurden mir deshalb Vorwürfe gemacht, was zum Streit führte. Ich brach den Kontakt ab, weil meine Mutter mich emotional erpresste. Er mochte meine Freunde nicht, aber vor ihnen zeigte er das nie. Wir hatten wenig Zeit für andere, da wir so viel arbeiteten. Dafür hatten leider die wenigsten Verständnis. Wir ackerten uns dumm und dämlich in der Agentur. Küchenarbeit ist Knochenarbeit. Wenn andere ihr Wochenende zum Entspannen nutzen konnten, hieß es für uns: durcharbeiten! Selbständig zu sein, bedeutet, selbst und ständig zu arbeiten. Auch dauerte es eine halbe Ewigkeit, bis wir in unser neues Haus einziehen konnten. Wir bauten und renovierten es großzügig. Mein damaliger Schwiegervater half uns immer viel, auch in der Agentur konnte man stets auf ihn zählen.
Eine fast genauso große Aktion bedeutete der Umzug der Agentur in unser neues Haus. Dort hatten wir das Erdgeschoss zu einer Gewerbefläche gebaut. Innerhalb einer Nacht wurden die gesamten Küchengeräte und Lebensmittel aus den alten Mieträumen in unser Haus transportiert und eingeräumt. Schon am nächsten Morgen sollte der Betrieb wieder normal weitergehen. Streitigkeiten während des Hausbaus gab es eigentlich kaum. Mein Partner Alberto behielt auch unter Stress immer den Überblick und besaß Organisationstalent. Morgens arbeitete er in der Catering-Agentur, in der Mittagspause half er beim Hausbau mit, oder er besorgte fehlendes Baumaterial. Ich versorgte unsere erste Tochter, die gerade geboren war. Auch für die Helfer im Haus kochte ich mit. Außerdem schmiss ich nebenbei den Haushalt unserer Wohnung, putzte und arbeitete in der Agentur wie gewöhnlich. Für unsere Tochter hatte ich keine Babysitterin, somit war sie immer bei mir. Es war nicht immer leicht als frisch gebackene Mama, aber auch das bekam ich hin.
Rückblickend würde ich das heute nicht mehr so machen. Viel zu schnell stand ich nach den Entbindungen unserer Töchter wieder in der Agentur und arbeitete. Die Wochenbettzeit hielt ich bei keinem Kind ein, weil ich im Catering meinen Verpflichtungen nachgehen wollte.
Wer eine gute,
verständige und schöne Frau sucht,
der sucht nicht eine,
sondern drei.
Oscar Wilde (1854 - 1900)
Mein damaliger Schwager Luca besuchte uns fast täglich, ging ein und aus, wie es ihm gerade passte. Es störte mich, weil er zu jeder Tageszeit auf „Überraschungsbesuch“ gekommen war. Meine Schwägerin Felicia hingegen hatte ich bis zur Einschulung unserer Tochter nicht ein einziges Mal gesehen, geschweige denn, sie überhaupt kennengelernt. Offiziell galten Luca und Felicia aber als glücklich verheiratet und sie zeigten sich zumindest im Urlaub bei der Verwandtschaft zu Besuch. Dort präsentierten sie die scheinbar gute Ehe. Mein Schwager machte heimlich sein Ding und betrog seine Frau mehrfach. Als er seine letzte Affäre beendete, akzeptierte seine Geliebte die Trennung nicht und machte ihm das Leben zur Hölle.
Für meinen Schwager und seine Ehefrau war die damalige Zeit eine sehr große Belastung. Sie hatten keine Ruhe und zunächst auch keine Ahnung, wer sie unbehelligte. Die Vermutung lag nahe, dass es sich um seine ehemalige Geliebte handelte, doch beweisen konnte mein Schwager das (noch) nicht, und vor allem, wie sollte er dies seiner Frau beibringen? Selbst Alberto rückte einmal aus, um die ganze Woche das Haus seines Halbbruders zu bewachen. Luca und seine Frau Felicia äußerten nämlich den Verdacht, dass jemand bei ihnen im Haus gewesen sein musste. Es waren jedoch keinerlei Einbruchsspuren zu finden, aber definitiv fehlten ein paar Wertgegenstände. Außer den beiden besaß niemand einen Schlüssel vom Haus. Sie installierten Kameras und kamen trotzdem nicht weiter. Die persönlichen Fotoalben und Schmuck der beiden, sowie Geld und ein teurer Pelzmantel blieben weiter unauffindbar. Später fand man heraus, dass die Geliebte die Hausschlüssel, ohne Kenntnis meines Schwagers, nachfertigen hatte lassen. Sein teures Motorrad zertrümmerte sie ihm auch noch eines Tages mit einer Axt. Ständig rief meine Schwägerin jemand bei der Arbeit im Massagestudio an und legte sofort wieder auf. Ihr Chef legte daraufhin eine Fangschaltung, und so konnte man schließlich eine Frau stellen – es war die Ex-Geliebte. Als man sie um Aufklärung bat, verlangte sie nach meiner Schwägerin und sagte zu ihr: „Ich habe mit deinem Mann geschlafen und das nicht nur einmal. Wir haben eine Affäre." Meine Schwägerin Felicia und auch meinem Schwager Luca waren damals nervlich am Ende. Man sah es vor allem ihm an. Er war plötzlich sehr viel ruhiger und wirkte introvertierter als sonst. Als er nach Italien flog, um ein paar Tage Urlaub bei seinen Eltern zu machen, rief seine Geliebte auch dort an und behauptete, dass sie schwanger sei. Meine Schwägerin hatte ebenfalls keine Ruhe vor der verschmähten Geliebten, welche meiner Schwägerin Blumen vor die Tür legte oder ihr Pralinen in die Arbeit schickte. Die Blumen waren mit der Notiz „Es war sehr schön mit dir“ versehen. Die Geliebte wollte es so aussehen lassen, als habe Felicia eine Affäre. Sie erhoffte sich so, die Ehe der beiden zu Bruch bringen zu können.
Heute erhält mein Mann Alberto ausgerechnet von seinem Halbbruder Luca Unterstützung, im Kampf gegen mich. Luca selbst musste die Erfahrung machen, wie quälend es sein konnte, wenn man bedrängt und eingeschüchtert wird. Man sagt wohl nicht umsonst, dass Opfer später häufig selbst zu Tätern werden. Heute halten die beiden fest zusammen und leugnen die Taten meines Mannes. Empathie oder ehrliches Interesse von seiner Familie für unsere Kinder fehlen seit meiner Trennung. Kein einziges Mal sagten sie zu den Kindern, dass man trotzdem oder gerade jetzt immer für sie da sein würde. Ganz egal, ob Mama und Papa sich noch gern haben oder nicht. Das sind Worte, die meine Kinder getröstet hätten. Sie zogen es leider vor, die Kinder in den Konflikt mit hineinzuziehen. Sie versuchten ihnen Schuldgefühle einzureden und bemerkten es nicht einmal.
Leider kann man es solchen Menschen nie begreiflich machen, dass sie mit ihren Verhaltensweisen die Situation nur noch verschlimmern, und sich die Kinder dadurch nur immer weiter von ihnen entfernen. Mehr als einmal appellierte ich an sie alle, sie mögen bitte aufhören, Krieg zu führen und sich wie erwachsene Menschen zu benehmen. Selbstreflektion schien ihnen ein Fremdwort und die Bereitschaft dazu kam leider nie. Die Leidtragenden waren und bleiben die Kinder.
Das Verhältnis zu meinem Schwager und mir war anfangs recht gut - dachte ich zumindest – bis mich meine Schwiegermutter Angela immer wieder darüber informierte, was ihr Sohn über mich hinter meinem Rücken erzählte. Mein Schwager Luca berichtete seiner Mutter wann, wie und ob ich in der Catering-Agentur arbeitete. Ich konnte es meiner Schwiegermutter und meinem Schwager nicht recht machen. Sie fanden immer einen Fehler bei mir. Meinem Mann Alberto war das aber egal, wenn seine Mutter und sein Halbbruder über mich herzogen. Ich hatte immer den Eindruck, als bräuchten sie das förmlich, damit sie sich besser fühlten. Heute weiß ich, dass ich richtig lag mit meiner Annahme. Sie benötigen das auch noch heute, um ihren Charakter aufrechterhalten zu können. Natürlich gaben sie immer mir das Gefühl, nicht in Ordnung zu sein. Sie belächelten mich, wenn ich meine Grenzen aufzeigte, indem ich sie bat von Kontrollgängen in unserer Catering-Agentur abzusehen und taten so, als würde ich es immer übertreiben.
Sie hingegen handelten natürlich immer richtig. Darüber zu diskutieren konnte man sich sparen. Das machte es immer nur noch schlimmer und schlimmer. Am besten ich schluckte alles, was sie sagten oder taten, und nahm es einfach hin, dann war niemand beleidigt. Bei uns Zuhause fühlte ich mich ständig beobachtet und bewertet. Alles wurde zerredet. Mein Job musste ich immer genauso ausführen, wie es sich die Familie wünschte und vorstellte. Meinem Mann durfte ich nie alles erzählen, da er empfindlich reagieren könnte. Und es nahm kein Ende. Es wurde immer extremer, bis ich es nicht mehr aushielt und Alberto aufforderte mit seiner Mutter und seinem Halbbruder zu reden. Sie kontrollierten mittlerweile schon unseren privaten Haushalt und schauten in all unsere Schränke. Das ging mir zu weit. Alberto suchte das Gespräch mit den beiden und bat seine Mutter und seinen Halbbruder Luca sich nicht mehr in unsere Angelegenheiten zu mischen. Danach waren alle böse auf mich, denn niemand hatte ja etwas von mir persönlich gewollt oder sich für mich interessiert. Sie hatten lediglich nur das Beste in ihrem Sinn, um uns etwas Gutes zu tun – so wurde es dann hingedreht. Bei meinem Mann hielten sie sich dann noch mehr zurück. Es hat deshalb auch sehr lange gedauert, bis dieser etwas durchschaute. Er glaubte mir nicht. Die Intrigenmaschinerie dieser Familie lief wie geschmiert.
Mein Freundeskreis war bis zu dem Zeitpunkt, als ich meinen Mann kennenlernte, gut und stabil. Er hatte mir immer meine Freunde schlecht geredet. Meine Freundinnen waren für ihn alle „Schlampen“ und nicht intelligent genug. Umgekehrt herrschte dieselbe Sympathie. Meine Freundinnen sagten oft, ich sei viel zu liebenswürdig und schön für ihn. Aber ich war total geblendet und verliebt in diesen Mann. Die Liebe machte mich blind, wie man so schön sagt. Die Prestige-Sucht seiner Familie war stark ausgeprägt. Sie richteten ihr Leben danach aus, von anderen bewundert zu werden. Sie waren davon überzeugt, dass sie die besseren Autos und die modernere Einrichtung besitzen würden, die exquisiteren Kleider trugen und einfach unerreichbar seien.
Mein damaliger Schwiegervater verhielt sich eher ruhig, weil er mit seiner Frau keinen Stress bekommen wollte. Meine Schwiegereltern hatten neben ihrer Wohnung in Deutschland auch ein Haus in Italien. Dort machten wir jedes Jahr Urlaub mit meinen Schwiegereltern. Wir mussten gemeinsam Urlaub machen, denn sonst würden die Nachbarn, der Schwiegereltern aus Italien Gerüchte verbreiten, dass in unserer Familiendynamik etwas nicht stimmen würde. Nach einem Familienurlaub bei den Schwiegereltern in Italien weinte ich einmal auf unserem Heimweg nach Deutschland. Dieser Urlaub war für mich mit Abstand der unerträglichste. Egal, was ich aß, trank oder machte, meine Schwiegermutter kommentierte jeden meiner Schritte. Es war mir nicht möglich auch nur ein Schluck Wasser in Ruhe zu trinken, denn dann fragte sie „Warum trinkst du jetzt ein Wasser? Du hast doch eben erst etwas Obst gegessen?“ oder sie sagte „Du willst immer zweimal am Tag duschen. Niemand muss zweimal duschen, außer dir“. In diesen Momenten hätte ich am liebsten ganz laut geschrien, damit sie mich einfach in Ruhe gelassen hätte. Ich fühlte mich gefangen und nicht frei, wie man es von einem Urlaub gewöhnlich kennt. Ich zählte jedes Jahr nur die Tage im Urlaub bis wir endlich wieder zurück nach Deutschland fahren würden. Da saß ich nun im Auto und konnte meine Tränen nicht zurückhalten, und wurde dann auch noch von meinem Mann angeschrien. „Du übertreibst es wieder! Mein Gott nichts kann man dir recht machen! Es ist ja wohl nicht schlimm, wenn meine Mutter etwas kommentiert!
