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Der Auftakt einer großartigen Science Fiction Romance Dilogie! Seit die Entwicklungsingenieurin Sonya Marshall beim Militär gekündigt hat, steckt sie in Schwierigkeiten, deshalb bauen ihre lebhaften Kinder einen Sender, um Aliens zu kontaktieren. Kilak Hanada, Kriegsherr und Thronerbe des Fasad Clusters, fängt das Signal auf und landet neben Sonyas Haus. Die Kinder sind von »ihrem« Alien begeistert. Als das Militär auftaucht, um Sonya zur Kooperation zu zwingen, greift Kilak ein. Er bietet der Ingenieurin an, sie und ihre Familie mitzunehmen, dafür muss sie ihn heiraten. Sonya hat keine Wahl und folgt ihm. Kilak ist höchst zufrieden. Kleine Details, wie seinen Titel, den langen Krieg mit den Onikaden und die untergeordnete Stellung der Frau in der Fasadgesellschaft, will er später klären. Er hat jedoch seine Rechnung ohne die Powerfrau von der Erde gemacht.
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Veröffentlichungsjahr: 2021
Cara DeWinter
Fasad Cluster
Teil I
Kilak
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Alle in diesem Werk vorkommenden Personen, Schauplätze, Ereignisse und Handlungen sind von der Autorin frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Ereignissen sind rein zufällig.
© 2017 Cara DeWinter c/o Papyrus Autoren-Club, Pettenkoferstr. 16-18, 10247 Berlin
Print-ISBN 978-3-96111-590-7
Lektorat: Sabrina Uhlirsch, www.spreadandread.de
Korrektorat: Thomas Sauer
Coverdesign: Sylvia Ludwig, Cover für Dich, www.cover-fuer-dich.de
Bildmaterial: www.fotolia.com
Formatierung, ebook-Erstellung und Buchsatz: Jana Koebel, www.jana-koebel.de
Kapitelverzierungen: www.123rf.com, ID:27081115
Vertrieb & Bestellung: Nova MD GmbH, Vachendorf
Druck: booksfactory, PRINT GROUP Sp. z o.o., 71-063 Szczecin (Polen)
Für meinen geliebten Mann
Inhaltsverzeichnis
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Danksagung
Über die Autorin
Prolog
15 Jahre zuvor
System Herion, Fasad Cluster
Aus dem Nichts materialisierte sich das Schiff im Sonnensystem Herion. Indigofarbene Wellen schlugen an die weißen Strände des dritten Planeten, eine blaue Kugel voller Leben. Üppige Vegetation bedeckte smaragdgrün die Kontinente. Ein Raumhafen, vereinzelte Siedlungen, Resorts und kleinere Städte lagen an der Küste. Das ganze Jahr herrschte ideales Klima. Herion III war die exklusivste Ferienwelt für die Wohlhabenden und Hochgeborenen. Hierher kamen die Adligen, die Reichen und Mächtigen, um in privater Umgebung zu entspannen.
Als das fremde Schiff aus dem Schatten des vierten Planeten auftauchte, gellten die Alarmsysteme der planetaren Verteidigung.
»Legt die Aufnahmen der Satelliten auf das zentrale Holodisplay«, befahl der Gouverneur im Hauptquartier.
Das Schiff in der Form eines Onika, des langen runden Kampfstabes der Krieger, füllte das gesamte Hologramm aus. Golden wie die Sonne erstrahlte seine Oberfläche. Wie Luftblasen aus dem Wasser lösten sich plötzlich viele kleine Raumjäger aus dem glatten Schiffskörper.
»Sämtliche Gleitergeschwader sofort starten. Gebt planetenweit Alarm. Sendet Notsignale auf allen Kommkanälen. Nehmt eine Eskorte und bringt die Thronfolger-Gemahlin und die Prinzen mit ihrer Leibwache hierher. Mögen unser Kriegsgott Moc und die Große Göttin uns beschützen.«
»Den Befehl bekommen, heißt ihn ausführen.« Der Adjutant salutierte und eilte davon.
Verzweifelt beobachtete der Gouverneur, wie die unbekannten kleinen Jäger seine vier Geschwader auslöschten und dann direkten Kurs auf den Planeten nahmen.
Bevor er den Befehl zur Evakuierung geben konnte, bombardierten die Schiffe den Raumhafen. Danach attackierten sie bewohnte Gebiete, Siedlungen, Städte und beschossen alles, was sich bewegte. Das Hauptquartier fiel als eines der ersten Ziele.
Mittlerweile verdunkelte das Mutterschiff die Sonne, als es exakt auf Äquatorhöhe in den Orbit einschwenkte. Seine beiden Enden fuhren aus. Ohne den Durchmesser zu verringern, passte es sich der Planetenkrümmung an, bis sich die Enden trafen und zu einem künstlichen Planetenring schlossen. Rechtecke, Quader und Kreise tauchten aus der glatten Oberfläche auf und überzogen sie wie Gebirge.
Von diesem Maschinengürtel drangen goldene Strahlen in die Atmosphäre. Dort, wo sie auf die Oberfläche trafen, dampfte der Untergrund, und schwarze Strahlen wurden zum Goldring zurückgeworfen und absorbiert.
Vom Äquator aus drehte sich der Todesgürtel einmal vollständig um ganz Herion III. Jeder Zentimeter Boden und alles Organische darauf wurde bestrahlt, zersetzt und aufgesaugt. Nur wenige Stunden dauerte die Todesernte. Dann fuhr das Schiff wieder in seine Stabform zurück und verschwand ins Nichts.
Das einst idyllische Ferienparadies kreiste nun als Klumpen toten Gesteins weiter um die Sonne.
»Status?« Endlich waren unsere Scanner in Reichweite. »Kontakt zu Herion III? Zum Gouverneur? Zur Thronfolger-Gemahlin oder zum Captain der Leibwache?« Schnell checkte ich das Display des Kommandopodests. Meine beiden Herzen rasten. Es fiel mir schwer, meine Ungeduld zu zügeln. Seit der Kommunikationsoffizier mich über den Hilferuf des Gouverneurs in Kenntnis gesetzt hatte, konnte ich meine Sorgen und Ängste kaum beherrschen. Tanika, meine Gemahlin, Kil und Lakor, meine kostbaren Söhne, befanden sich auf dem Planeten.
»Thronfolger Hanada, der Planet ist tot. Alles organische Leben ist verschwunden«, meldete der Wissenschaftsoffizier Zulor fassungslos, als er die Scannerdaten auswertete. »Nacktes Gestein, über das Sturmwinde fegen. Sogar die Ozeane existieren nicht mehr.«
Bei Moc! Nein! Ich weigerte mich, das zu akzeptieren. Erneut sah ich auf die Displays. Sie bestätigten Zulors Angaben. Herion III war ein System ohne Leben.
Das durfte nicht wahr sein. Ich suchte nach meiner Stimme. »Sind die Anzeigen wirklich korrekt?«
»Ja, Hoher Herr«, Zulor senkte den Kopf. »Da unten sind nur noch Wind, Staub und Steine.«
»Gibt es irgendwelche Signale? Militärische oder zivile?«
Während ich auf Informationen wartete, überlegte ich, was mich dazu verleitet hatte, Tanika zu erlauben, unsere Söhne mitzunehmen. Sie war die schönste Frau des Clusters. Was hatte sie in diesem lächerlichen Schönheitszentrum zu suchen? Ich gab mir selbst die Antwort. Mein schlechtes Gewissen und die Schuldgefühle hatten mich bewogen, ihr und den Kindern die Ferien zu gestatten.
Mit Schaudern erinnerte ich mich an Tanikas Wehklagen. Wie nach einer Mission üblich, hatte ich zusammen mit Kil und Lakor meine Aufwartung bei ihr gemacht. Die Jungen begrüßten ihre Mutter artig, verabschiedeten sich jedoch schnell, um die Politas, ihre Lieblingsreittiere, zu begrüßen.
»Ich bin allein, Kilak«, begann Tanika, gerade als ich selbst gehen wollte. Ihre Stimme, die sie sonst leise wie zartes Klangmoos hielt, bebte. »Immer bleibe ich allein im Palast zurück. Alle Ehrendamen blicken mich mitleidig an. Deine boshafte Tante Patusa und ihre gehässige Tochter Ramina intrigieren gegen mich. Gegen mich, die erste Tochter des edelsten Hauses im Cluster!« Ich wollte mich abwenden, um die berechtigte Klage nicht zu hören, aber Tanika klammerte sich an mich. Wenn sie sich zu solchen Gesten hinreißen und die kultivierte Fassade der Thronfolger-Gemahlin fallen ließ, war die Sache heikel. »Kilak, ich weiß, dass du mich aus dynastischen und politischen Beweggründen gewählt hast.«
»Du warst die Schönste«, fügte ich automatisch hinzu. Auf ihren Blick hin sagte ich schnell: »Natürlich bist du immer noch die schönste Frau des Clusters.« Und das war Tanika auch. Sie war das Ideal der Fasadfrau an sich. Hochgewachsen, schlank mit grazilen Formen. Ihre Haut schimmerte so hellgrün wie die Meere Fasad Primes in der Mittagssonne. Es war nicht unangenehm gewesen, sie zu ehelichen und mit ihr das Bett zu teilen. Wir verstanden uns gut. Sie hatte mir zwei Söhne geboren und mir so den Thronanspruch und die Fortführung der Hanada-Linie gesichert. Zudem wurde sie als Vorbild des perfekten weiblichen Wesens gepriesen, ein Exempel an Noblesse, Zurückhaltung und Demut, so wie eine Fasad sein sollte. Tanika war mehr als geeignet, ihre Rolle als künftige Herrscher-Gemahlin auszufüllen. Aber nach der Geburt unserer Söhne wusste ich nichts weiter mit ihr anzufangen.
»Ich habe mich der Sitte gebeugt und sie dir schweren Herzens zur Erziehung übergeben. Lange schwieg ich und sah zu, schließlich habe ich meine Stellung zu wahren, aber ich bin auch eine Mutter. Kil und Lakor kennen mich kaum. Immer sind sie bei dir.« Sie rang die Hände. »Sie behandeln mich wie eine Fremde. Ich liebe sie und ich liebe dich, obwohl du meine Gefühle nicht erwiderst.« Ich wollte etwas sagen, aber sie hielt mich mit einer Handbewegung davon ab. »Ich hoffte, dass du mich eines Tages lieben würdest. Leider war ich im Irrtum, dennoch ersuche ich dich, mir mehr Zeit mit meinen Söhnen zu gewähren.« In einer graziösen Geste salutierte sie nach Kriegerart. Sie kreuzte ihre geballten Fäuste vor der Brust und verneigte sich, dann richtete sie sich anmutig wieder auf. »Ich bitte dich inständig, Kilak, gib mir die Kinder für eine Weile zurück.«
»Tanika, mäßige dich.« Mir war die Wendung des Gespräches mehr als unangenehm, da sie wahre Worte sprach. Ich musterte meine schöne Gemahlin, für die ich Respekt empfand. Ihr Gesicht war eine Maske des Schmerzes. Lieber kämpfte ich gegen zehn Hurods, allein und nur mit einem Messer bewaffnet. »Geselle dich doch jetzt zu ihnen. Wir fliegen erst in drei Tagen wieder ab.«
»Drei Tage? Willst du mich verhöhnen? Drei Tage!« Tanika starrte mich ungläubig an. Vor meinen Augen verwandelte sich die verzweifelte Mutter zurück in die königliche Frau. Sie straffte sich, nahm die Schultern zurück und sah mich direkt an. »Gemäß den Hausgesetzen der Hanadas stehen mir Ferien mit ihnen zu. Ich werde die beiden zu einem ausgedehnten Urlaub auf Herion III mitnehmen. Die Atmosphäre und der Ozean dort werden uns guttun. Das Schönheitszentrum wird von allen großen Damen empfohlen. Die Tage dort werden uns einander näherbringen.«
Vom schlechten Gewissen geplagt und durch die Statuten der Hanadas gebunden, stimmte ich zu.
»Keine Signale, Thronfolger, alle Kanäle sind tot!«, riss mich Zulors Stimme aus den Erinnerungen. »Die Satelliten befinden sich noch im Orbit, allerdings auf Standby geschaltet.«
»Worauf wartet Ihr?«, bellte ich und drehte mein Kommandopodest zum Zentraldisplay. »Alle Daten und Aufzeichnungen sofort abspielen.
»Datenempfang, Hoheit!«
Das Hauptholo flammte auf. Fassungslos wie meine Brückenbesatzung beobachtete ich die Geschehnisse. Im Zeitraffer verwandelte das fremde Schiff Herion III in eine wüste sturmgepeitschte Ödnis. Unmöglich. Ich biss die Zähne zusammen. Tränen traten in meine Augen. »Tanika, Kil, Lakor!«, schrie ich innerlich. Nur sehr mühsam gelang es mir, Schmerz und Kummer nicht laut hinauszuheulen wie ein Hurod in der Nacht. Stattdessen riss ich mich zusammen und gab die nötigen Befehle.
»Wertet die Daten aus. Checkt die Telemetrie! Ich will wissen, wohin diese Bastarde geflogen sind. Setzt den entsprechenden Kurs. Unterrichtet den Herrscher und das Hauptquartier. Generale Mobilmachung, wir sind im Krieg!«
Ich erhob mich und verließ die Brücke. Mit letzter Kraft erreichte ich mein Quartier und trat in die Kabine der Jungen. Dort betrachtete ich die in militärischer Präzision aufgereihten Spielzeuge auf den Borden. Jeder Kadett konnte in puncto Ordnung von ihnen noch etwas lernen. Die kleinen Politas, die Schmusetiere, die ihnen ihr Großvater zur Geburt geschenkt hatte, nahm ich von einem Regal. Gleich würden die beiden hereinstürmen, um voller Stolz mit ihren Trainingserfolgen zu prahlen. Der Schmerz riss mich zu Boden. Ich krachte auf das harte Deck, ohne etwas zu spüren. Fest presste ich die Schmusetiere an mich und brach in wildes Schluchzen aus.
Warum mussten sie den Tod finden? Warum meine Gemahlin? Wie konnte ich ohne Kil und Lakor weiterleben? Warum hatte ich Tanika nachgegeben? Alles war meine Schuld. Ich hatte sie nicht beschützt. Jeder Schlag meiner Herzen war eine Ewigkeit voller Qual.
Kil und Lakor würden nie wieder zu mir zurückkommen. Niemals mehr durfte ich Tanika in die Arme nehmen, noch Kils und Lakors Ärmchen um den Nacken spüren. Nun waren sie tot, ausgelöscht wie Herion III. Gleich dem leblosen Planeten, so fühlte sich mein Innerstes an. Das konnte ich mir nie vergeben. Niemals!
Das Piepen des Komms durchdrang den Nebel der Trauer, aber erst, als die tiefe Stimme meines Vaters durch das Quartier dröhnte, rappelte ich mich auf und schleppte mich zur Konsole. Mit jedem Schritt dorthin sammelte ich mich. Ich legte die Politas zur Seite und öffnete den Kanal.
»Kilak, endlich. Ich kann nicht ausdrücken, was meine Herzen empfinden. Ich trauere ebenso wie du.« Jedes Mal, wenn ich den Herrscher Nupod Hanada erblickte, war es mir, als sähe ich in einen Spiegel, jedoch in einer Zukunft von zwanzig Jahren.
»Vater, trauern müssen wir später. Du musst umgehend den Schutz für meinen Bruder Lator und dessen Familie verstärken. Gemäß unseren Hausgesetzen ist er jetzt der Erbe des Thrones, denn er ist der Sohn, der eine Familie hat und ich nicht. Mich befördere stattdessen zum Kriegsherren, denn wir befinden uns nun im Krieg. Ich werde diesen Feind ausrotten, der es wagte, mir meine Familie zu morden und unser Volk anzugreifen. Ich werde nicht ruhen, bis ich Rache genommen und den Krieg beendet habe. Bei unserem Kriegsgott Moc schwöre ich dies. Möge es schnell vorbei sein.« Ich lebte nur noch für die Rache und die Pflicht, meinem Volk zu dienen.
Kapitel 1
Silicon Valley, Vereinigte Staaten
»General Frost, ich danke Ihnen für die Einladung.« Sonya Marshall musterte den Militär. Er war in ihrem Alter, hochgewachsen, muskulös, mit kurz geschorenen blonden Haaren und grauen Augen. Allerdings war er, wie sein Name, auf sehr frostige Art attraktiv. »Dabei möchte ich es erstmal belassen.« Sie bemerkte seinen Blick. »Es ist noch etwas zu früh. Der unerwartete Tod meines Mannes Marc, Sie wissen ja.« Sie sah ihn flehend an. Den Beschütze-mich-Blick und Augenaufschlag hatte sie von ihrer lebenslustigen Mutter Britta Bishop gelernt, die wusste genau, wie man mit dem anderen Geschlecht umging. »Ich brauche Zeit. Es war ohnehin schwer genug, diesen Termin zu finden. Meine Kinder, meine Anstellung bei Sertid. Als General in hoher Position kennen Sie das Leben im Silicon Valley und das ständige Zeitdilemma nur zu genau.«
Frost lächelte und ergriff das Weinglas. Sonya tat es ihm gleich. Sie stießen an.
»Natürlich«, sein Lächeln verschwand. »Wären Sie bei uns geblieben, könnte ich Ihnen all die Freizeit organisieren, die Sie brauchen. Wir hätten dann die Gelegenheit, öfter auszugehen.« Das Weinglas in der Hand, wies er in großer Geste um sich.
Sonya musste zugeben, dass ihr der Luxus des Nobelrestaurants gefiel. Die edle Einrichtung, das geschmackvolle Tischensemble mit den exotischen Blumen, Kerzen, teurem Geschirr und Tischwäsche. Hervorragender Service, Gourmetessen, Qualitätswein. Sie liebte Luxus. Welche Frau tat dies nicht? Auch Sonya wusste ihn zu schätzen. In ihrem Leben hatte es wenig davon gegeben. Sie war auf einer Farm im Lone County, Wisconsin, geboren und dort mit Marc aufgewachsen. Er war viel zu sehr Wissenschaftler gewesen, als dass er in all den Jahren ihrer Beziehung und Ehe an ein solches Date wie dieses hier auch nur gedacht hatte. Oft musste Sonya ihn sogar ans Essen erinnern. Sie nippte schnell an ihrem Wein, um sich auf das Gespräch zu konzentrieren.
»General Frost, ich bin nicht »bei uns« geblieben, weil ich da keinerlei Einfluss auf die Verwendung meiner Entwicklungen hatte.«
»Meine liebe Mrs. Marshall, darf ich Sie beim Vornamen nennen?« Sie lächelte und griff nach der Dessertgabel, um ihr Mousse zu genießen. »Sonya, wenn Sie auf die Drohnen anspielen, erinnere ich Sie daran, dass Ihre Antriebssysteme sogar in der zivilen Luftfahrt zum Einsatz kommen. Bei konventionellen Bestäubungsmaschinen zum Beispiel. Ihre Arbeit dient der nationalen Sicherheit. Sie sollten stolz darauf sein.
Sonya ließ die Gabel mit einem Klirren auf den Teller fallen. Ein Schauer überlief sie. »General, der Tod unbeteiligter Zivilisten, Männer, Frauen und Kinder, in deren Land sich bedauerlicherweise Terroristen breitgemacht haben, hat nichts mit unserem Schutz zu tun. Notwendiger Kollateralschaden - hat man mir erklärt.« Frost wollte etwas sagen, aber Sonya ließ ihn nicht zu Wort kommen. »Ich bin selbst Mutter und weigere mich weiterhin, am Töten unschuldiger Menschen beteiligt zu sein. Ich hoffe, ich kann mir eines Tages vergeben, dass meine Arbeit so missbraucht worden ist.« Als sie den Vertrag mit dem Militär unterzeichnet hatte, hatte sie nur die Chance gesehen, ihre Ideen zu verwirklichen. Natürlich war das großzügige Gehalt auch ein Beweggrund gewesen. Die Streitkräfte verfügten einfach über die Ressourcen, mit denen sie neuartige Technologien entwickeln konnte. Nach dem Drohnen-Vorfall hatte sie sofort ihre Stelle gekündigt. Leider hatte Marc gleichzeitig aus ethischen Gründen seine gut dotierte Position aufgegeben und auf eigene Faust weitergeforscht. Somit fehlte der Familie das Einkommen, aber das nahmen sie in Kauf. Verhungern würden sie nicht. Hauptsache, ihre Arbeit diente den richtigen Zwecken. Dann erlitt ihr Mann einen tödlichen Unfall.
Manchmal war Sonya froh, dass Trauer, Geldsorgen und die Eskapaden ihrer Kinder sie so beanspruchten, um nicht von der Schuld niedergedrückt zu werden. Aber sie war sehr vorsichtig geworden, wem sie vertraute. Ihr dämmerte es. Frost hatte sie nicht nur eingeladen, weil sie eine attraktive Frau war. Sie wurde zornig.
Im Gegensatz dazu sah sie der General kühl an. »Es war Teil des Vertrages, dass letztendlich wir über die Verwendung Ihrer Ergebnisse bestimmen. Fakt ist, meine Liebe, unser Land wird bedroht, und wir haben das Recht und die Pflicht, uns zu verteidigen.«
»Das ist immer das große Argument! Aber was ist mit der Not und dem Leid, das dieses Verteidigen über die Menschen bringt? Das ist ungleich schlimmer.« Sonya versuchte, ruhig zu argumentieren, gerne hätte sie dem Offizier eine geklebt. Sie würde die völlige Gleichgültigkeit, die sie bei vielen - egal ob Staatsdiener, Militärs oder Zivilisten - gesehen hatte, nie verstehen. Der General machte da keine Ausnahme. Sonya wollte nur noch nach Hause.
»Eine Klausel meines Vertrages besagte, nur in der äußersten Notlage würde der Antrieb für die Streitkräfte verwendet, und es gab keinen dringenden Notfall. Außerdem hatte ich das Versprechen des Generalstabs. Aber so ist es immer, wenn es um Krieg und Profit geht.« Sie hörte den General tief Luft holen. Sie konnte förmlich sehen, wie er versuchte, seinen Frust mit einem Lächeln, das nicht einmal einen Pinguin gewärmt hätte, zu übertünchen.
»Meine liebe Sonya, Sie sind eine Zivilistin, eine brilliante Wissenschaftlerin und in erster Linie eine Frau, eine sehr schöne dazu.« Er musterte sie. Sonya fühlte sich plötzlich nackt, obwohl sie eine hochgeschlossene Bluse und einen Rock trug, der unterhalb ihrer Knie endete, der einzige in ihrer bescheidenen Garderobe. Diese konservativen Sachen hatte sie gewöhnlich bei ihren Fachvorträgen an.
»Schöne Frauen sollten nicht mit Krieg und schwierigen Themen belastet werden, Sonya. Sie machen sich zu viele Gedanken. Kommen Sie zurück zu uns. Mit dreifachem Gehalt! Ihre talentierten Kinder bekommen extra Förderung und Sie alles, was Sie brauchen, um ungestört weiterzuarbeiten. Ich weiß von den Schwierigkeiten, in denen Sie seit dem Tod Ihres Mannes stecken. Außerdem haben wir beide dann mehr Zeit, uns besser kennenzulernen. Sie sind zu jung, um allein zu sein.«
»Recht hatte ich«, dachte Sonya wütend, »deshalb sitze ich mit diesem Eiswürfel hier. Darum hat er mich seit Wochen zu einer Verabredung gedrängt. Dabei wollte ich ihn nach dem Abend elegant loswerden. Das Spiel kann ich ebenso gut spielen.«
»General Frost«, sagte sie. Sein Gerede hatte sie inspiriert. »Ich danke Ihnen sehr. Wahrscheinlich haben mich der schöne Abend, dieses schicke Restaurant und Ihre Gegenwart etwas verwirrt. Wissen Sie, es ist das erste Mal seit Marcs Tod, dass ich ausgehe. Der Stress, die Trauer, die Sorgen, das ist manchmal zu viel für eine Frau.« Frost rückte ein bisschen näher und ergriff ihre Hand.
»Versprechen Sie mir, dass wir uns wiedersehen, Sonya.« Sein Lächeln und Blick sollten gefühlvoll wirken. »Bis dahin denken Sie über mein Angebot nach. Es wäre sehr schade, wenn Ihr Leben weiterhin, sagen wir, kompliziert verläuft oder komplizierter werden würde.« Der General presste einen feuchten Kuss auf ihre Finger.
Im Auto wischte sie sich die Hände mit Desinfektionstüchern ab und zählte ihre Finger. Eins, zwei, drei, vier, fünf, alle noch da. Sonya atmete ein paar Mal tief durch. Sie musste sich beruhigen. Am besten mit Chips und Eis in ihrem Ein-Zimmer-Apartment. Zum Kuckuck mit ihrer Figur, jedenfalls heute Abend.
Eines war klar: den General musste sie von nun an meiden wie die Pest. Über sein Angebot dachte sie lieber nicht nach, denn es war eine Drohung.
Sie dankte Gott für die Stelle bei Sertid. Dieses kleine gemeinnützige Institut stellte sicher, dass ihre Arbeit für humanitäre Zwecke verwendet wurde. Leider zahlte es nicht so gut wie die Streitkräfte. Das meiste ging für Flüge zu ihren Kindern drauf. Wenn sie sich alle einschränkten, reichte es.
Den Umzug zurück auf die Farm nach Marcs Tod hatten die Kinder begrüßt. Ben und Tina liebten ihre Großmutter Britta. Gleich nach der Ankunft waren sie in der umfunktionierten Scheune verschwunden, einer wilden Mischung aus Werkstatt, Labor und Gewächshaus.
»Marc, du fehlst mir«, sagte Sonya laut, als sie den Motor startete. »Warum ist das alles passiert?«
Kapitel 2
Lone County, Wisconsin, Vereinigte Staaten
»Mrs. Marshall, das kann so nicht weitergehen. Ihre unmöglichen Kinder sind eine Gefahr für die Öffentlichkeit!«
Sonya sah sich im Schulhof der County Highschool um. Sie kam direkt vom Flughafen. Zwei Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr und der Polizeijeep standen vor dem Schulgebäude, aus dem sich gerade der Rauch verzogen hatte, den Bens und Tinas neuestes Experiment verursacht hatte.
Sie unterbrach die Rektorin: »Meine Kinder sind eben neugierig. Ihr Wissensdurst und Forscherdrang kennen keine Grenzen. Ich werde sie von der Schule nehmen. Ich hätte sie gar nicht erst anmelden dürfen, allerdings dachte ich, dass sie hier auf Verständnis treffen würden. Die vorherige Schule im Silicon Valley hat sich gerne mit ihren Erfolgen geschmückt!« Damit hoffte Sonya, der aufgebrachten Frau den Wind aus den Segeln zu nehmen.
»Die Verhaltensberichte mit den Auffälligkeiten besagen da etwas anderes. Bei der Anmeldung haben Sie sie nicht vorgelegt«, sagte die Schulleiterin schnippisch. »Der Unfalltod ihres Vaters mag die Ursache ihres Verhaltens sein, aber solche Ausmaße, damit hatte ich nicht gerechnet. Das sind kleine Terroristen und Kriminelle. Ben baut Bomben. Tina will fleischfressende Pflanzen mit Getreide kreuzen, um Schädlinge abzuhalten. Also wirklich, Mrs. Marshall. Nun haben die zwei versucht, Feuerwerkskörper auf Ökobasis in meinem Schullabor zu fabrizieren, und dies während des regulären Unterrichts. Gott sei Dank ist nichts passiert.«
»Lassen Sie es gut sein. Ich sagte bereits, ich nehme sie von Ihrer Schule. Ich habe die Situation falsch eingeschätzt. Senden Sie mir die nötigen Unterlagen zu!« Die Rektorin wollte noch etwas sagen, aber Sonya wandte sich bereits ab und ging zum Wagen des Sheriffs.
Dagegen lehnte Don Jones, seit Jahrzehnten Ordnungshüter im County und ein alter Freund der Familie. Inzwischen hatte er einen beachtlichen Bauch angesetzt. Sein nettes Gesicht war seit ihrer letzten Begegnung noch faltiger geworden. Unter dem Diensthut lugten graue Strähnen hervor. Ben und Tina sahen ihr vom Rücksitz durch die Scheiben entgegen.
Wie ähnlich sie mir und Marc sind, dachte Sonya, als sie ihre Kinder ansah. Ben hatte die dunkelbraunen Haare und Augen seines Vaters sowie dessen hübsche Gesichtszüge und den schlanken Körperbau geerbt. Tina kam mehr nach ihr und ihrer Mutter Britta. Ein Mob lockigen hellblonden Haares, der sich nie bändigen ließ, himmelblaue Augen in dem klassisch schönen Gesicht waren unverkennbare Zeichen der Bishop-Marshall-Frauen.
Der neunjährige Ben blickte sie durch die Scheibe genauso trotzig an wie Marc, wenn er von einem Projekt überzeugt war, der Rest der Welt aber nicht. Wenigstens Tina wandte schuldbewusst den Kopf ab. Mit ihren sieben Jahren wusste sie, was die Stunde geschlagen hatte. Feuerwerk auf Ökobasis, Großeinsatz der Feuerwehr. Das wäre genau nach Marcs Geschmack. Bei dem Gedanken daran verkniff sie sich das Grinsen. Die Situation war ernst genug. Die gute Laune verschwand so schnell, wie sie gekommen war. Wie ging es nun weiter? Sie bedeutete ihren Kindern, im Auto sitzen zu bleiben.
»Na, Sonya, mein Mädchen«, begrüßte Don sie. »Willkommen zuhause. Die Kinder haben dir einen aufregenden Empfang bereitet. Das liegt euch in den Genen.« Er grinste.
»Ich wünschte, ich hätte deinen Humor. Mir ist das Lachen in den letzten Jahren vergangen. Wo ist meine Mutter?«
Don wurde ernst. »Du siehst aus wie sie, wenn sie sich Sorgen macht. Das brauchst du aber nicht. Ich habe Ben und Tina nicht verhaftet. Britta hat alle Schulkinder und Lehrer durchgecheckt und die Bedenkenlosigkeit des Rauchs bestätigt.« Er lachte. »Die beiden wollten schließlich Öko-Feuerwerk zusammenbrauen. Die Eltern konnte ich beruhigen. Die Kids sind von dem frühen Schulschluss begeistert. Alles halb so wild. Und die Feuerwehr drückt ein Auge zu. Sie finden, ihr habt genug Sorgen. Deine Mutter spendiert am Wochenende eine Lokalrunde. Wenn wir schon von ihr sprechen, die reizende Dr. Bishop ist zu den Parkers gerufen worden. Annie bekommt bald ihr zweites Kind. Ich soll dir ausrichten, dass ihr euch auf der Farm trefft.«
»Danke, Don.« Sonya umarmte den Sheriff. »Was täten wir ohne dich? Mir tut es leid, dass Mama deinen Antrag nicht angenommen hat.«
»Mir auch, Kleines, aber den alten Harry Bishop kann nur ein Außerirdischer ersetzen, sagt Britta immer. Einen solchen Mann gibt es auf der Erde nur einmal.«
»Don, ich kann diesen dämlichen Spruch mit dem Außerirdischen nicht mehr hören. Seit Papa bist du der Beste, der sich um sie bemüht hat. Sie hält sich dadurch diejenigen mit ernsthaften Absichten vom Hals. Mir kommt sie jetzt damit, ich soll mich entspannen und wieder ausgehen.«
»Deine Mutter ist eine schöne und lebenslustige Frau, Sonya.«
»Ja, Don, aber lass uns das Thema wechseln. Hast du etwas gehört?«
»Nein, tut mir leid. Ich frage regelmäßig bei den Kollegen im Valley nach. Marc wurde von einem dunklen Fahrzeug erfasst, als er die Straße überqueren wollte. Seine Ampel zeigte Grün. Der Raser kam wie aus dem Nichts. Die Augenzeugin war zu weit weg, um Genaueres zu sehen. Er flog über Kühlerhaube und Autodach und kam dann auf dem Asphalt auf, während der Fahrer Gas gab und davonraste. Alle Ermittlungen verliefen bisher im Sand. Das bekomme ich jedes Mal mitgeteilt. Die Leute des Departments dort waren das letzte Mal ziemlich genervt. Wenn es etwas Neues gibt, melden sie sich. Ständiges Fragen würde nichts helfen. Wir beide sind denen wohl zu oft auf den Wecker gefallen, was, Mädchen?«
»Vielleicht«, räumte Sonya ein, »aber ich möchte einfach Klarheit haben. Ich kann es immer noch nicht begreifen, dass er nicht ausgewichen ist. Er muss das Anrasen des Autos doch gehört haben. Als Botaniker hat er auf alles in seiner Umgebung geachtet.«
Don seufzte und schob sich den Sheriffhut in den Nacken. »Ich weiß auch nicht. Vielleicht finden wir es noch heraus. Bis dahin werde ich euch unterstützen, schon allein im Andenken an meinen guten Freund Harry, der mir mehr als einmal aus der Patsche geholfen hat, und deiner aufregenden Mutter wegen.« Ein verwegenes Grinsen überzog das wettergegerbte Gesicht des Sheriffs. »Möglicherweise erwärmt sie sich doch noch für mich. Aber, Sonya, sorg dafür, dass Ben und Tina keinen weiteren Unsinn anstellen. Ich bin nicht immer da, um euch rauszuhauen.«
»Alles klar, Don, und vielen Dank!« Sie umarmte den Sheriff wieder.
»Keine Ursache, Sonya Mädchen.« Er öffnete die Tür des Wagens. »Nun, Herrschaften, ihr habt Glück. Da diesmal nichts weiter passiert ist, übergebe ich euch eurer Mutter.« Die beiden kletterten heraus. Don baute sich mit der ganzen Autorität seines Amtes vor ihnen auf. Tina blickte ängstlich, während ihrem Bruder nach wie vor der Trotz im Gesicht stand. Bevor Don sie mit strengem Blick fixierte, zwinkerte er Sonya heimlich zu. »Da ihr so schlau seid, überlegt ihr das nächste Mal bestimmt gründlich, ob oder wo und wann ihr eure Experimente durchführt. In Zukunft keinen Unfug mehr, sonst muss ich euch verhaften. Habt ihr mich verstanden?« Tina nickte. Ben starrte den Sheriff an. Der wandte sich speziell an ihn. »Hast du gehört?«
»Don redet mit dir.« Sonya schubste ihren Sohn leicht an.
»Ich habe es gehört«, erklärte Ben und drehte die Schulter weg.
»Und? Dann wirst du in Zukunft keine Schwierigkeiten mehr machen?«, verlangte Don zu wissen.
»Also«, Ben druckste herum, »also, das war so.« Er unterbrach sich, denn Tina drängte sich vor ihn, einen entschlossenen Ausdruck auf dem hübschen Gesicht.
»Ich war´s! Ich habe gesagt, wir sollen die Feuerwerkskörper in der Schule bauen.« Die Erwachsenen starrten das kleine Mädchen an.
»Wieso du?« Dons Staunen schwang in seiner Stimme mit.
Sonya blieb gelassen. Mit einer Handbewegung bedeutete sie ihm, sie reden zu lassen. Bei ihren Kindern war sie auf alles gefasst. »Ja, Tina, wieso du?«
Stolz richtete diese sich auf. »Na, weil ich die Anführerin bin! Und Oma hat uns verboten, das Feuerwerk in der Scheune zu bauen.«
Die Logik leuchtete Sonya ein. Das andere Thema hatte größere Bedeutung. »So, Tina, du bist die Anführerin. Sonst hat immer Ben das Sagen.« Sie warf einen kurzen Blick zu ihrem Sohn. »Jedenfalls habt ihr mir dies das letzte Mal so verkauft, als ihr in euren Zimmern die Elektroleitungen freigelegt hattet, um Kabel für Bens Experiment zu gewinnen.«
»Da hatten wir noch keine Demokratie, Mama«, schaltete sich der Junge ein. »Beim nächsten Projekt bin ich dran.«
»Demokratie?!«, fragte Don ungläubig.
»Ihr habt Demokratie, Ben?« Sonya musste sich sehr anstrengen, nicht zu lachen. Don musterte die Familie amüsiert. Tina plusterte sich auf.
»Ich erkläre das, denn ich bin die Anführerin. Wir haben jetzt Demokratie, da Mama sagt, dass Ben nicht automatisch der Anführer ist, nur weil er älter ist. Also haben wir beschlossen, uns abzuwechseln. Da kommt jeder dran und das ist gerecht. Jeder hat bei seinem Projekt die Leitung, das hat Papa uns so erklärt. Das machen die Erwachsenen auch. Und wir sind schon groß.«
»Du bist zu klein.« Ben blickte hochmütig auf seine Schwester hinunter.
»Tina, Ben, ihr fangt jetzt keine Diskussion an. Und damit ihr es wisst, der Anführer bin immer noch ich«, stellte Sonya klar.
Don lachte laut, dann sagte er: »Langweilig ist es bei euch nicht.« Er fuhr Tina durch ihre Locken und streckte Ben die Hand hin. Der Junge schüttelte sie und grinste. Sonyas Herz zog sich zusammen. Das gleiche Lachen wie Marcs.
Kapitel 3
Fasads Zorn, Flaggschiff des Kriegsherren Kilak Hanada, Fasad Cluster
»Dada, Dada, fang uns auf!« Kil und Lakor kamen durch die Kampfarena auf mich zugestürmt. »Wir haben gewonnen! Wir sind die Besten!«
»Ihr seid meine Krieger!«, rief ich und streckte ihnen die Arme entgegen. Ich fing sie auf, nahm jeden auf einen Arm und schwenkte sie im Kreis herum.
