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Das Weltraumabenteuer geht weiter! Grandioses Finale der außergewöhnlichen Science Fiction Romance Dilogie! Im Fasad Cluster angekommen, versucht Sonya Hanada, sich in ihrem neuen Leben zurechtzufinden. Ihre pfiffigen Kinder genießen die neue Umgebung, denn sie müssen sich weder mit Politik, Intrigen noch dem Hofprotokoll herumschlagen. Als der Krieg mit den Onikaden eskaliert und ein galaktischer Bürgerkrieg das Fasad Cluster erschüttert, muss Kilak in die Schlacht ziehen. Unversehens findet sich Sonya zwischen den Fronten wieder. Sie hat genug davon, ein Spielball zu sein, und nimmt die Dinge selbst in die Hand. Gelingt es ihr, die Zukunft ihrer Familie und des Clusters zu sichern, ohne dabei ihre Liebe zu verlieren? »Ein spritziger Cocktail aus Spannung, Abenteuer und Romantik, verfeinert mit einem Schuss Humor!« »Ein sagenhaftes Liebesabenteuer und galaktischer Lesespaß!« »Mitreißend, leidenschaftlich, rasant, atemberaubend!« Die Geschichte von Sonya Marshall-Hanada und Kilak Hanada geht weiter! Schnell merkt Kilak, dass er seine Powerfrau von der Erde unterschätzt hat, wobei sich die Situation im Cluster zuspitzt und ein gefährlicher Feind die Fäden im Hintergrund zieht! Wieder prallen die beiden starken Charaktere im furiosen Abschluss ihrer Geschichte aufeinander! Viel Spaß bei diesem rasanten Science Fiction Romance Abenteuer voller Spannung, Action, Liebe und Leidenschaft!
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Veröffentlichungsjahr: 2021
Text Copyright © 2018 Cara DeWinter:
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Autorin unzulässig. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigung, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Kein Teil des Werks darf reproduziert, gescannt oder in gedruckter oder elektronischer Form ohne vorherige Erlaubnis der Autorin verbreitet werden.
Alle in diesem Werk vorkommenden Personen, Schauplätze, Ereignisse und Handlungen sind von der Autorin frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Ereignissen sind rein zufällig.
© 2018 Cara DeWinter c/o Papyrus Autoren-Club, Pettenkoferstr. 16-18, 10247 Berlin, [email protected]
Print-ISBN 978-3-96443-197-4
Lektorat: Sabrina Uhlirsch, www.spreadandread.de
Korrektorat: Thomas Sauer
Coverdesign: Sylvia Ludwig, Cover für Dich, www.cover-fuer-dich.de
Bildmaterial: www.fotolia.com
Formatierung, ebook-Erstellung und Buchsatz: Jana Koebel, www.jana-koebel.de
Kapitelverzierungen: www.123rf.com, ID:27081115
Vertrieb & Bestellung: Nova MD GmbH, Vachendorf
Druck: booksfactory, PRINT GROUP Sp. z o.o., 71-063 Szczecin (Polen)
Inhaltsverzeichnis
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48
Kapitel 49
Kapitel 50
Kapitel 51
Kapitel 52
Kapitel 53
Kapitel 54
Danksagung
Über die Autorin
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Für meine geliebte Familie
35 Jahre zuvor
Agrarplanet Hije Porex, Fasad Cluster
»Dieser schmutzige, stinkende Bengel soll ein Spross meiner Lenden sein?« Der Herr warf den Kopf zurück und lachte. Seine Zähne hoben sich weiß von der dunkelgrünen Haut ab.
Der Junge schaute erstaunt hin. Solche gesunden reinen Zähne hatte er noch nie gesehen. Hier war niemand reich genug, sich dieses Privileg leisten zu können. Nicht einmal der planetare Verwalter besaß die Mittel dafür. Er lebte genauso armselig wie die übrigen Bewohner, nur dass er am Ende eines jeden Tages ausreichend zu beißen hatte. Der Kleine klammerte sich an die Hand seiner Mutter, die aufrecht vor dem Herrn stand. Sie drückte diese beruhigend, bevor sie ihn an sich zog und den Arm um seine schmalen Schultern legte. Der Herr hörte auf zu lachen.
»Weib, du bist wahnsinnig! Woher nimmst du die Dreistigkeit, mir solch eine Mär aufzutischen? Weil du mir vor zehn Zyklen eine angenehme Nacht bereitet hast? Und das nur, um die Pacht deines faulen Nichtsnutzes von Gemahl zu begleichen? Wenn ich es recht bedenke, habe ich sogar draufgelegt. Eine wohlfeile Dirne wäre billiger gekommen. Nun fort mit dir! Bring mir lieber die Pacht! Verdienen kannst du sie nicht mehr. So verhärmt, wie du jetzt aussiehst, taugst du nicht einmal für meine Wachen.«
»Herr, er ist Euer Sohn.« Sie schob den Jungen zu ihm hin. »Er ähnelt Euch. Schaut doch, ich flehe Euch an. Im Namen der Großen Göttin.« Sie fiel auf die Knie. »Seht ihn Euch an! Ich bitte Euch.« Das Kind wollte zurückweichen, aber sie hielt es fest.
Seine Mutter war eine stolze Frau. Sie durfte vor keinem knien. Schließlich ernährte sie seine Geschwister und ihn, nicht ihr Gemahl, der zu viel Ale trank und täglich Schläge an alle verteilte. Sogar das Baby schonte er nicht, wenn es schrie.
Er starrte diesen großen Mann feindselig an, obwohl er wusste, dass er sein Vater war.
»Du bist besser, klüger, stärker.« Stets hatte Mutter ihm davon erzählt. »Das edle Blut deines Vaters fließt in dir, mein Liebling. Er ist der Herr dieses Sektors und steht einem der Ehrwürdigen Häuser vor. Dein Großvater stammt aus einer langen Reihe umtriebiger Händler, die alle Sterne bereisten und viel Profit machten. Meine Mutter, eine sehr törichte Frau, hat ihn verlassen und ist hier mit mir gestrandet. Eines Tages gehen wir von diesem unseligen Planeten fort und nehmen uns, was uns zusteht.«
Bisher waren sie nicht weit gekommen. Mutters Pläne für ein besseres Leben scheiterten an ihren häufigen Schwangerschaften. »Dann gehst du voran«, sagte sie immer zu ihm, »wenn dein Vater kommt, begleitest du ihn und lernst alles. So wirst du ein großer Krieger und Herr. Später holst du mich.«
»Ich gehe nicht ohne dich, Mama«, antwortete er jedes Mal trotzig.
»Du tust, was ich dir sage! Mein Liebling, hier gibt es nichts für dich«, fuhr sie sanft fort, »nur Schläge und Hunger. Die Zukunft, die ich mir für dich wünsche, liegt bei deinem Vater. Wenn er kommt, gehst du mit ihm!«
Jetzt flehte die geliebte Mutter, das einzige Licht seines jungen Lebens, diesen arroganten Mann an, der sie aufs Übelste beschimpfte. Dafür würde er ihn bestrafen, Vater hin oder her.
»Sohn? Welche Narrheit!«, brummte der Aristokrat, gleichwohl musterte er den Knaben eine ganze Weile mit zusammengekniffenen Augen. Dann seufzte er. »Auch wenn dich eine Gemeine geworfen hat, fließt doch mein edles Blut in deinen Adern.« Er schaute ihn nochmal abschätzend an. »Du ähnelst meinem Vater und mir. Bei Moc, du sprichst die Wahrheit, Weib.« Er lachte freudlos. »Dieser Knirps ist wahrhaftig das Produkt unserer Ausschweifungen. Was willst du nun von mir?« Er stemmte die Hände in die Hüften.
»Nehmt ihn mit! Ich bitte Euch. Wir haben genug Mäuler, die wir stopfen müssen. Als Euer eigen Fleisch und Blut hat er ein besseres Leben verdient!«
Der Herr schnaubte und schwieg. Er blickte den Knaben scharf an. Der fing seinen Blick auf. Der eine voller Trotz. Der andere nachdenklich. Lange starrten sie sich an. Vater und Sohn.
»So sei es!« Ohne zurückzuschauen, ging er davon. »Wir fliegen sogleich ab.«
Die Mutter, immer noch auf den Knien, zog den Jungen an sich.
»Denke stets daran: Du bist außergewöhnlich! Eines Tages wirst du der größte Herr, den es gibt, der Herrscher des Fasad Clusters. Dann tust du, was dir gefällt, und nimmst dir, was du willst. Geh jetzt!«
»Nein, Mama!« Tränen schossen in die Augen des Kindes, obwohl es früh gelernt hatte, diese Regung zu unterdrücken, brachte sie doch zusätzliche Schläge ein. »Du musst mitkommen!«
Die Frau schluckte und umarmte ihren Sohn, der sich jetzt an sie klammerte.
»Wir sehen uns wieder. Bis dahin sei stark, lerne und kämpfe! Nimm keine Rücksicht, denn niemand wird Mitleid mit dir haben. Mein Liebling, ich werde stets an dich denken. Ich hab dich lieb.« Sie löste die dünnen Arme von ihrem Hals, küsste den Knaben auf die Stirn und sah ihn fest an. »Nun geh und schau nicht zurück! Weine nicht, denn Tränen helfen nicht. Versprich mir, zu kämpfen und ein Herr zu werden.«
Der Junge schniefte, drängte die Tränen zurück und blickte in das geliebte Gesicht seiner Mutter. Er prägte sich jedes Detail des verhärmten Antlitzes ein. Ihre grüne Gesichtsfarbe war einem ungesunden Gelb gewichen. Einst war ihr Haar schwarz wie der unendliche Nachthimmel gewesen. Lichter hatten darin geglänzt wie die blinkenden Sterne am Firmament. Jetzt war es fahl, die Glanzpunkte in den Strähnen vor vielen Jahren erloschen. Nur in ihren Augen loderte das Feuer der Stärke und Entschlossenheit so kraftvoll wie eh und je, doch sah er auch Tränen darin schimmern. Der Schmerz seiner Herzen, der ihm schwer wie ein Gebirge auf der Brust lag, wurde durch diese glitzernden Tropfen gelindert. Mutter weinte niemals, nicht einmal, wenn ihr Gemahl sie so windelweich schlug, dass sie kaum zur Feldarbeit taugte.
»Hast du mich verstanden, mein Liebling?«, fragte sie eindringlich.
Der Funke sprang über. »Ja, Mama, wenn ich der größte Herr bin, dann hole ich dich, und wir bestimmen alles.«
Die Mutter umarmte ihn, während der Knabe die Arme fest um ihren Hals schlang. »Genau, mein Liebling. Ich werde dich immer lieb haben und an dich denken.«
Damit löste sie die Umarmung, drehte das Kind um und gab ihm einen Schubs. Der Junge ballte die Fäuste, straffte sich und marschierte auf das Shuttle zu. Er blickte nicht zurück. Von diesem Moment an sah er niemals mehr zurück.
Oben an der Rampe wartete der Herr. Nochmals musterte er den Knaben von Kopf bis Fuß. »Gleichwohl deine Mutter eine Bäuerin ist, trägst du mein edles Blut in den Adern, verunreinigt, aber dennoch. Wisse, Bürschchen, ich habe dich zwar gezeugt, doch du bist nicht mein Sohn! Du bist ein Bastard! Du hast keinerlei Ansprüche auf meinen Namen und meinen Stand, auf gar nichts. Was ich dir gebe, hat dir zu genügen. Was mache ich nun mit dir? Da habe ich mir ja etwas Schönes aufgeladen.«
»Ich bin nicht schön, ich bin stark und klug, besser als du«, schrie der Junge. Der Trennungsschmerz zerriss ihn, und jetzt beschimpfte ihn der »Herr« als Nichts. Das ließ er sich nicht gefallen. Von diesem Augenblick ließ er sich niemals mehr etwas gefallen.
»Dafür wirst du büßen!« Er trat dem Mann ans Schienbein und ging mit den kleinen Fäusten auf ihn los. Kurz rührte sich der Hüne vor Verblüffung nicht, dann packte er das Kind und hob es hoch, bis es zappelnd in der Luft hing.
»Lass mich sofort runter und kämpfe.«
»Fürwahr, in dir steckt doch einiges von meinem Wesen. Eigensinnig und wild wie ein Politas bist du.« Der Herr lächelte leicht. »Du hast Schneid, Bürschchen. Du gibst vielleicht einen passablen Krieger ab. Am besten stecke ich dich in eine geeignete Schule. Es gibt ein paar Anstalten niederen Ranges. Da kannst du dein Mütchen kühlen.«
Er schleppte das strampelnde Kind ins Shuttle.
Der Knabe hörte auf, sich zu wehren, als ein kleinerer Mann vortrat. Weiße Haare hatte er noch nie gesehen. Alle Fasad hatten schwarzes Haar.
»Was hast du da, Bruder?«, fragte er den Herren.
»Ein kleines Missgeschick. Ein unbequemer Preis für ein wenig Vergnügen!« Er stellte das Kind auf die Füße.
»Ein illegitimer Sprössling«, bemerkte der Weißhaarige. Fasziniert folgte der Junge dem Schlagabtausch der Männer. Seine Mutter hatte ihn gelehrt, sich in gewissen Situationen besser still und unsichtbar zu verhalten. Manch nützliche Neuigkeit schnappte er so auf.
»Du hast viel von unserem Vater. Der konnte sich bei den Dirnen nicht vorsehen!«
»Mag sein, aber aus dir, Karu, seinem Bastard, ist schließlich der angesehenste Heiler im Cluster geworden. Du dienst dem Herrscher persönlich«, lobte der Herr.
Der andere lachte. »Du musst mir nicht schmeicheln, Bruder. Mir ist vollkommen klar, dass du durch mich deine Position bei Hof auszubauen erstrebst.«
»Wir sind vom gleichen Blut, Karu, mein Bruder.«
Selbst der Knabe bemerkte, wie falsch der letzte Satz klang.
»Eine Tatsache, die dir jetzt in den Sinn kommt. Zudem hörte ich deine Ansprache an den Knirps hier.« Der Hellhaarige blickte auf den Kleinen hinab. »Lass gut sein. Ich unterstütze dich, dafür verlange ich zu gegebener Zeit den entsprechenden Preis.« Er sah den Herrn fast belustigt an.
»Welchen?«, begehrte dieser auf.
»Du wirst Geduld haben müssen, Bruder.« Das »Bruder« ähnelte eher einem Schimpfwort. »Den Preis nenne ich dir beizeiten. Das mag dir genügen! Dafür empfehle ich dich den Hanadas! Gleichwohl soll niemand die wahre Natur unserer Beziehung erfahren. Freunde von der Akademie sind wir! Das musst du mir geloben, sonst gilt der Handel nicht!«
»Einverstanden, Karu, denn momentan stehe ich vor dem Herrscherhaus nicht sonderlich glänzend da«, gab der Herr widerwillig zu.
»Mag dies an deinem lockeren Lebenswandel liegen?«, fragte der Heiler kalt lächelnd.
»Das geht niemanden etwas an.«
»Die Hanadas achten auf sowas, also lass die Hosen an. Sonst hast du bald einen Stall voll solcher kleinen Souvenirs!« Karu grinste auf den Jungen hinab.
»Damit werde ich fertig.« Der Herr winkte einen seiner Männer heran, die sich bisher im Hintergrund gehalten hatten.
»Warte, Bruder«, hielt der Fasad mit dem hellen Schopf den anderen auf. »Ich kümmere mich um das Kind.«
»Was du, Karu?«, dröhnte der Herr. »Was willst du mit ihm?« Er ließ den Blick zwischen dem Knaben und dem Mann hin und her wandern. Dann erhellte sich sein Gesicht. »Ich verstehe. Ein Bastard sucht den anderen. Wenn du deine Zeit verschwenden willst, bitte!« Er wandte sich abrupt um und marschierte davon.
Junge und Heiler sahen sich an.
»Du hast Haare wie Mondlicht«, sagte der Knabe. Verwunderung lag in seiner Stimme. Mit einem schmutzigen Finger zeigte er auf den hellen Bart des Heilers. »Bist du auch ein Herr?« Er grinste den Mann verschmitzt an.
Karu lachte fröhlich. »Mut und Charme besitzt du unter deiner Schmutzschicht. Nein, mein Kleiner, ein Herr bin ich nicht direkt. Noch nicht!«
»Ich auch noch nicht, aber ich werde einer. Das hat Mutter gesagt. Ich werde der größte aller Herren«, sagte er im Brustton der Überzeugung.
Karu grinste erfreut. »Du bist mutig. Vielleicht wirst du tatsächlich einer. Ein guter Rat, einst war ich in derselben Situation wie du. Schweige, lerne und habe Geduld. Irgendwann ist der listige Kriegsgott Moc dir gewogen. Ich helfe dir, denn du gefällst mir. Zwei Bastarde wie wir müssten es weit bringen.«
Gegenwart
Planetoid Dämon, auf dem Weg ins Fasad Cluster
»Mama, was machen wir jetzt?« Tina klammerte sich an Sonyas Hand, während Ben an ihrer anderen zog.
Er zeigte auf den feindlichen Planetenzerstörer der Onikaden, der vor der transparenten Energieluke des Hangars zu ungeheurer Größe anwuchs. Die Farbe der Irdum-Wände stach blutrot in Sonyas Augen, die vom vielen Weinen ohnehin schmerzten. Sie schloss sie kurz. Vielleicht verschwand das feindliche Schiff. Als sie die Lider hob, war es leider immer noch existent.
Gerade hatten sie den Sarg ihrer geliebten Mutter Britta der kalten Unendlichkeit des Alls übergeben, als der Zerstörer aufgetaucht war. Die Blumen und der Fahnenschmuck im Hangar wirkten nun absurd neben dem geschäftigen Treiben der Krieger, die den Planetoiden für die Raumschlacht rüsteten.
»Schießen wir?«, fragte ihr Sohn Ben eifrig. »Das sind die bösen Aliens, oder?«
Bevor Sonya antworten konnte, packte Kilak sie am Arm. »Kommt! Ihr begebt euch sofort in das sichere Quartier. Vater wird euch begleiten und über euch wachen!«
»Nein!« Sie entwand sich seinem Griff. »Ich bleibe!«
»Sonya, für Dispute mangelt es mir an Zeit. Schleunigst muss ich auf die Brücke und will dich und die Kinder in Sicherheit wissen.« Kilak senkte die Stimme. »Leuchtblume, bitte geh.« Die Intensität seines goldenen Blickes und die Gefühle darin nahmen Sonya gefangen. Das Getümmel um sie herum trat in den Hintergrund. Es gab nur sie beide und diesen Augenblick.
Jetzt brach sich Bahn, was sie die ganze Zeit tief in sich eingeschlossen hatte. Wie eine Sturmflut riss es sämtliche Barrieren in ihr nieder. Die Wogen ihrer Gefühle schlugen über ihr zusammen. Sonya leugnete nicht länger, was sie bisher weder im Wachen, noch im Schlafen eingestanden hatte. Sie liebte diesen Mann! Und das nicht nur wegen der letzten Tage. Nach dem Tod ihrer Mutter Britta war Kilak für sie alle da gewesen, hatte sie getröstet, die Tränen getrocknet und sich rührend um Ben und Tina gekümmert.
Vom ersten Moment an liebte sie ihn, hatte es jedoch auf ihre durchgedrehte Libido geschoben. Schließlich landete nicht jeden Tag ein sexy Alien vor der Haustüre.
»Ich will dich nicht verlieren!«, platzte es aus ihr heraus. In der letzten Zeit hatte sie viel zuviel verloren, Heimat, das vertraute Leben, Britta. Dieser Mann, ihr Ehemann oder Gemahl, wie es bei den Fasad hieß, sollte ihr nicht auch noch genommen werden. Er war jetzt ihre Konstante!
»Komm, Tochter«, mischte sich Nupod ein. »Kilak muss unverzüglich auf die Brücke. Keine Bange! Er ist unser Kriegsherr. Zahllose Schlachten focht er erfolgreich gegen die Onikaden. Sein Geist ist frei, wenn er die, die er liebt, beschützt weiß. Dann wird er umso schneller den Sieg davontragen und kann mit dir feiern.«
Er zwinkerte ihr zu, eine grausige Nachahmung seines üblichen Zwinkerns. Seit vor zwei Tagen ihre Mutter Britta, seine Gemahlin, dem Attentäter zum Opfer gefallen war, waren der humorvolle Übermut und die fast jugendliche Lässigkeit, die ihn von seinem Sohn Kilak unterschieden, daraus verschwunden.
Schmerzhaft spürte Sonya einen Stich in der Brust. Klein und zart lagen Bens und Tinas Hände in ihren. Kilaks Sohn wuchs in ihr, genauso kostbar und wehrlos. Sie fühlte, wie Kilak entspannte. Er ließ ihren Arm los, umfasste mit seinen rauen Händen ihre Wangen und küsste sie über die Kinder hinweg. Sie spürte noch den festen Druck seiner Lippen auf ihren, als sich Ben und Tina aus ihrem Griff lösten, um Kilak zu umarmen. Er hauchte ihnen jeweils einen Kuss auf die Stirn.
»Passt gut auf eure Mutter auf. Vater, wir sehen uns«, nickte er Nupod knapp zu.
»Möge dich die Große Göttin beschützen und dir den Sieg schenken, mein Sohn!« Sonya hörte das leichte Beben in der Stimme ihres Schwiegervaters. Ihr mulmiges Gefühl verstärkte sich.
»Die Große Göttin und der Kriegsgott Moc sind mit uns!«, erwiderte Kilak den Segenswunsch seines Vaters bestimmt, das Gesicht ernst. »Ich kehre in Bälde zu euch zurück!«
»Versprichst du uns das, Kilak?«, fragte Tina. Die Angst in der Stimme ihrer Tochter spiegelte Sonyas Emotionen wider. Schnell kniete er sich hin und drückte sie an sich.
»Sei dessen gewiss«, versicherte er dem Mädchen, sah aber Sonya dabei an. Sein goldener Blick und die Gefühle darin wärmten sie für einen kurzen Augenblick wie die Sonne der Erde. »Ich muss mich sputen.« Er wuschelte Ben durch die braunen Haare, als er aufstand.
»Kilak, ich will mitkämpfen und die bösen Aliens besiegen!«
»Ben, ein Krieger sollte hier verweilen, um die Familie zu beschützen.« Er legte dem Jungen eine Hand auf die Schulter. »Kannst du das übernehmen?« Sonya bemerkte seine Ungeduld, trotzdem gestattete er sich den Augenblick mit ihrem Sohn.
»Na gut, aber das nächste Mal kämpfe ich mit.«
»Das besprechen wir noch«, sagte Kilak. Nach einem letzten intensiven Blick auf sie wandte er sich endgültig ab.
Nupod brachte sie in den imperialen Wohnbereich. Im begrünten Atrium plätscherte das Wasser im Springbrunnen eine fröhliche Melodie. Der Wind säuselte in den Büschen und Bäumen. Die Sonne schien. Die perfekte Illusion eines herrlichen Sommertags auf Fasad Prime.
»Im Notfall wird der gesamte Komplex als interstellarfähiges Raumschiff vom Planetoiden abgesprengt. Es ist autark konzipiert, damit seine Insassen darin überleben oder irgendwo siedeln können. Eine komplette Technologiebasis und Ausrüstung ist an Bord«, erklärte ihr Schwiegervater. Jetzt, da er es erwähnte, erinnerte Sonya sich an diesen Teil der Daten, die sie über die Notfall-Routinen der Dämon geladen hatte.
»Wie einen Fremden blickst du mich an, Sonya«, unterbrach der Herrscher ihre Gedanken. »Du wünschst Kilak an deine Seite. Ich bin nur hier, da ich leider nicht über dessen Kampferfahrung verfüge. Moc sei es geklagt, sonst stünde ich auf der Brücke. Das ist eine taktische und dynastische Entscheidung«, sagte er bedauernd. »Indessen ist meine Position in Rat und Reich gefestigter als die Kilaks. So muss ich, wenn die Große Göttin uns heute nicht gewogen ist, deinen ungeborenen Sohn als künftigen Herrscher etablieren.«
»Das wird nicht geschehen! Strategische Entscheidung hin oder her!« In Sonya bäumte sich alles auf. »Nupod!« Sie fixierte ihn und sah dann bezeichnend auf die Kinder, die seltsam still waren. Die beiden hatten die Lage und die damit verbundenen Konsequenzen voll erfasst. »Natürlich ist die Große Göttin uns gewogen! Anders kann es nicht sein! Wir haben schon einen hohen Preis bezahlt. Außerdem hätte Mama solche Reden nicht geduldet.« Sie sah, wie der alte Fasad heftig schluckte.
»Ganz recht, Tochter«, gab er zu. »Schelte mich ruhig. Das hätte deine liebe Mutter auch getan.« Nupod überraschte sie. Er grinste wieder sein altes verwegen-spöttisches Lächeln. »Ihr Andenken ehre ich, indem ich mich nicht der Trübsal ergebe, gleichwohl schlagen mir die Herzen zur Zeit wie von Dornen umrankt in der Brust. Ich werde dagegen angehen. Für Britta und euch, meine neue Familie. Das Leben ist so vergänglich wie ein Atemhauch. Sonya, bitte nenne mich Vater. Und euch, Ben und Tina«, er wandte sich an die Kinder, »bitte ich, mich Großvater zu heißen. Unser Blut und Leben ist für immerdar vereint. Ihr seid meine Enkel.« Er kniete sich nieder und streckte ihnen die Arme entgegen.
Tina zögerte keinen Moment. »Das gefällt mir. Du hast unsere Oma geheiratet, also passt es, wenn wir dich Großvater nennen.« Sie umarmte den Monarchen.
Ben begnügte sich mit dem Kriegergruß und schüttelte Nupod nach alter Erdenmanier die Hand. »Großvater. Und was machen wir jetzt?« Er kam wie immer gleich zum Wesentlichen.
Sonya war gerührt. Sie trauerte nicht minder um Britta als Nupod, trotzdem musste sie dauernd an Kilak und die drohende Gefahr denken. Die aktuellen Ereignisse drängten sich in den Vordergrund.
»Gute Frage«, schaltete sie sich ein. »Was machen wir?« »Müssen wir nicht gewisse Regeln einhalten, wenn der Planetoid angegriffen wird? Uns anschnallen?«
»Nein, Tochter, sei unbesorgt! Das Quartier ist autark. Solange wir uns in ihm aufhalten, ist es unnötig, weitere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Wir sind hier sicher. Im äußersten Notfall koppelt es von der Dämon ab. Dank der verbesserten Tarntechnologie, die hier das erste Mal zum Einsatz kommt. So kann es zur Phase verschoben werden und sicher durch die Trümmer fliegen. Was wir natürlich nicht hoffen! Das Prinzip gleicht dem Planetoidenantrieb!«
»Dann baue ich an meinem Droiden weiter. Komm, Tina, du hilfst mir«, sagte Ben sofort zu seiner Schwester.
»Trefflicher Vorschlag, Kinder. Ich werde Happor instruieren, über euch zu wachen und derweil persönliche Leibwachen für euch abstellen. Oder habt ihr schon geeignete Bewerber ins Auge gefasst?« Fragend sah er Sonya an.
Sie schüttelte den Kopf. »Dazu blieb keine Zeit.«
»Natürlich. Moc sei es geklagt! Du siehst müde aus, Tochter. Ruhe dich aus. Meine erste Gemahlin verspürte gerade am Anfang ihrer Schwangerschaft mit Kilak eine so tiefe Ermattung, dass sie viele Stunden des Tages verschlief. Ein gutes Omen. Mein neuer Enkel wird bestimmt genauso stark wie sein Vater und Großvater.«
Als sie Nupods zufriedenes Lächeln sah, verkniff sich Sonya den Widerspruch.
»Leg dich eine Weile nieder, meine Liebe, und schöpfe neue Kraft. Ich nehme mich der Kinder an.«
»Ja, Mama, wir gehen mit Großvater. Der ist so cool.«
Als der Herrscher laut lachte, verknotete sich Sonyas Magen. Er empfand den Krieg, der seit fünfzehn Jahren in seiner Galaxie tobte, wohl als normal, sie jedoch nicht.
In diesem Moment bedrohte ein Onikaden-Planetenzerstörer die Dämon. Zwar mochte sie der erste und modernste Planetoid der vereinten Streitkräfte sein, aber sie hatte sich bisher in keinem Kampfeinsatz bewährt. Außerdem befanden sich ihre Kinder und sie an Bord. Verflixt, das war kein spannender Science Fiction-Film, das war real, und sie mittendrin!
»Mama, können wir die Onikaden sehen?«, fragte Ben.
»Böse Aliens sind bestimmt krass«, steuerte Tina bei. Wieder lachte ihr Schwiegervater. Sonya dagegen teilte seine Belustigung nicht.
»Besser nicht. Wenn ihr Beiden böse Außerirdische trefft, dann ist keiner mehr sicher«, sagte sie.
»Aber Mama, wie sollen wir sonst den Unterschied zwischen netten und gemeinen Aliens lernen?« Ihr Sohn gab nicht auf.
»Das erfährst du schon. Wir haben mit den Fasad genug Aliens.« Sonya schrieb mit ihren Fingern die Anführungszeichen um die Aliens. »Da brauchen wir keine bösen dazu, außerdem gibt es im Cluster noch ganz viele.«
»Klasse!«, rief Ben.
»Je mehr, desto besser«, freute sich Tina.
»Dann ist ja gut. Euer Sender hat uns mehr Außerirdische gebracht, als wir brauchen«, meinte Sonya trocken.
»Du hast geholfen, ihn zu bauen. Erst dadurch hat er funktioniert«, erinnerte Ben.
»Stimmt, ich habe mitgeholfen«, seufzte sie, »und hier sind wir.«
»Wir sollten gehen, Kinder!«, mischte sich Nupod ein. »Eure Mutter ist erschöpft.«
»Mir geht es gut!«
»Ruhe dich trotzdem aus. Mir zuliebe. Dann muss ich Kilak nicht Rede und Antwort stehen, wenn er dich so bleich vorfindet.«
Entgeistert sah Sonya ihren Schwiegervater an. Er wollte sie allen Ernstes wie eine Fünfjährige ins Bett schicken. Gerade öffnete sie den Mund, um zu widersprechen, da blitzte eine Idee in ihrem Kopf auf.
»Ich sollte mich hinlegen«, sagte sie schnell, »etwas müde bin ich schon.«
»Kommt, Ben und Tina, eure Mutter legt sich hin.«
»Schlaf gut, Mama.«
»Ruhe wohl, Tochter.« Nupod und die Kinder verabschiedeten sich. Lammfromm folgten sie ihrem Großvater.
Kopfschüttelnd blieb Sonya im Sonnenschein zurück. Sie meinten es durchaus ernst, sie sollte ein Schläfchen halten, während sich draußen eine Schlacht anbahnte.
Wie auf Kommando spielte die Natursimulation das fröhliche Zwitschern eines Vogels. Verdutzt realisierte sie, dass es eine Wanderdrossel war. Garantiert hatte Kilak das veranlasst. Schließlich hatte er auch ihre Scheune einpacken lassen. Als ob ein Vogel von zu Hause sie vergessen ließ, dass sie durch den Weltraum flogen.
»Ich lege mich doch nicht ins Bett. Soweit kommt es noch!«
Sonya machte auf dem Absatz kehrt und stand gleich darauf vor der Hauptluke. Ihr gegenüber eine Wand aus Leibwachen. Schulter an Schulter blockierten sie jedes Durchkommen. Da sie keine Maus war, konnte sie nicht zwischen ihnen hindurchschlüpfen. Allerdings war sie die Thronfolger-Gemahlin. Noch trug sie die festliche Robe und ihr Hanada-Amulett von der Bestattungszeremonie.
»Bringt mich sofort zur Brücke!«, befahl sie und versuchte dabei, denselben autoritären Ton, den Leutnant-Colonel Monroe bei ihren Antriebstests stets verwendet hatte, zu treffen. Der Offizier war so respektiert worden, dass sogar die Luft vor ihm strammstand.
Ein paar Krieger verneigten sich. »Wir geleiten Euch dorthin, Hohe Frau«, sagte einer, den Abzeichen nach ein Sergeant.
Mit einer Eskorte bestieg sie die Transportbahn.
Die Brücke der Dämon überwältigte Sonya. Zwar kannte sie die Baupläne des Planetoiden, aber sie real zu sehen, war etwas völlig anderes.
Das Kolosseum in Rom passte locker hinein. In der Mitte des Raumes schwebte die gigantische Holo-Darstellung des Onikaden-Zerstörers.
Hinter der Projektion führten mehrere Stufen zu einer Empore, auf der ein gewaltiger Thron stand. Allerdings eine moderne Version davon. Ein technologisches Meisterwerk, das zentrale Kommandopodest. Dort liefen die Daten sämtlicher Systeme des Planetoiden zusammen. Computer und Displays waren rund um den »Thron«, auf dem Kilak saß, angeordnet. Ringsherum befanden sich die Kommandostationen der einzelnen Spezialbereiche Navigation, Waffen, Technik, Kommunikation, Strategie sowie die Raumaufklärung und die Steuereinheiten der diversen Geschwader und Kampfverbände. Alle waren mit mehreren Kriegern besetzt.
»Supreme Commander Atriv, Bordgeschütze feuerbereit machen. Schickt die Hälfte der Geschwader raus! Sie sollen sich in einer Keilformation zwischen uns und den Zerstörer setzen. Checkt alles, Nah- und Tiefraumscan. Lasst nichts unbeachtet!«
Kilaks Befehle rissen Sonya aus den Betrachtungen, die ihr Ingenieurinnen-Herz höher schlagen ließ. Noch hatte er sie und ihre Wachen nicht bemerkt.
»Gewiss, Hoher Herr«, bestätigte Atriv, seines Zeichens Kommandant der Dämon. Er gab Kilaks Befehle weiter.
»Die Jäger sind draußen!«
»Gar seltsam«, hörte Sonya Kilak sagen. Er stützte die Ellbogen auf die Steuereinheit vor sich und formte mit seinen Händen eine Pyramide, mit deren Spitze er sich ans Kinn tippte. Das attraktive Gesicht war eine Maske der Konzentration und des Misstrauens. Hier erlebte sie eine Seite an ihm, von der sie im Gunde ihres Wesens nicht sicher war, ob sie diese kennenlernen wollte. Kilak, den legendären Kriegsherrn!
»Solch ein Verhalten zeigten die Onikaden noch nie. Wenn wir ihnen gegenüberstanden oder sie bei einer Planetenattacke ertappten, so sandten sie uns stets ihre Kleinschiffe entgegen. Hier jedoch tun sie es nicht. Im Gegenteil, sie zeigen uns ihre Breitseite, als ob wir darauf schießen sollen!«
»Vielleicht wenden sie die Taktik eines Hurods an«, mutmaßte Atriv. »Der verharrt ruhig, bevor er zuschlägt.«
»Augenscheinlich. Was sagen die Daten der Aufklärung? Irgendwelche Energieemissionen, die vom Absetzen der Kleinschiffe künden?«
»Keine, Kriegsherr«, meldete ein Offizier. »Nein, wartet! Da ist ein minimaler Wert an der Außenhaut des Schiffes! Er vergrößert sich schnell, ähnlich wie vor dem Erscheinen der Kleinschiffe. Er konzentriert sich ausschließlich in der Mitte der uns zugewandten Breitseite, Hoheit.«
Wie alle Anwesenden richteten sich Sonyas Augen auf das Zentraldisplay.
Als ob plötzlich ein scharfer Wind die glatte Oberfläche eines ruhigen Sees aufwirbelte, so begann sich die goldene Außenhaut des feindlichen Raumschiffes zu kräuseln. Totenstille herrschte auf der Brücke. Wie alle hielt Sonya den Atem an.
Große und kleine Wellen wogten an der schimmernden Schiffsseite. Das Gold changierte an vielen Stellen ins Schwarze und Rote. Schließlich verdichteten sich die Farben und formten das Hanada-Wappen.
Unmöglich! Alle stierten auf die drei Kreise, die beiden schwarzen mit dem roten in der Mitte. Dann erschien das Wort »Grüße« unter dem Symbol.
Jetzt erschallten verblüffte und entsetzte Rufe, die sogar von den weitentfernten Wänden zurückgeworfen wurden. Die Brücke war in Aufruhr. Sonya unterdrückte den Impuls, sich die Ohren zuzuhalten. Etwas nie Dagewesenes passierte hier. Ein schwarzes Loch, das gleich hier und jetzt entstanden wäre, hätte garantiert nicht mehr Überraschung und Schrecken hervorgerufen.
Die Wissenschaftlerin in ihr erwachte. Ihre Neugier loderte hell auf. Schlagartig wurde ihr klar, dass sie Zeugin eines Ereignisses war, das es in diesem Krieg noch nie gegeben hatte. Sie sah sich nach Kilak um.
Ruhig wie im Auge eines Orkans saß er im Kommandosessel. Nur die Farbe seines Gesichtes hatte von dunkel- zu hellgrün gewechselt. Reglos starrte er auf die Botschaft des Feindes. Sonya wusste nicht, ob sie ihn fürchten oder bewundern sollte. Er war ganz der eisenharte Warlord. Wieder betrachtete sie das Wappen und die Fasad-Zeichen, die sie an alt-ägyptische Hieroglyphen erinnerten. Weitere Symbole materialisierten sich, während um sie herum der Tumult tobte.
»Nicht schießen, verhandeln.«
»Gebt Ruhe«, donnerte Kilak. Augenblicklich herrschte Stille.
»Bei Moc, unser Todfeind sucht den Kontakt.« Commander Atrivs Fassungslosigkeit schwang in dessen Stimme mit und spiegelte damit nur zu gut die gegenwärtige Stimmung.
Schnell sah Sonya sich um. Zorn und Unglauben stand in allen Gesichtern. Lediglich Kilaks war, abgesehen von seiner Farbe, zu einer Steinmaske ohne Ausdruck erstarrt. Zwar hatte sie sich einen genauen Überblick über den Verlauf des Krieges verschafft, aber sie konnte die Emotionen nicht so ganz nachvollziehen. Der Feind wollte verhandeln! Das fand sie gut!
»Was wollen sie erreichen?«, fragte Atriv jetzt. »All unsere Versuche, mit ihnen zu kommunizieren, waren vergeblich.« Zustimmendes Gemurmel erhob sich. »In all den Jahren hatten wir keinen Erfolg. Was soll das nun?«
»Wohl wahr, Atriv«, meinte Kilak. »Wer weiß das besser als ihr? Ihr wart von Anfang an dabei. Seit fünfzehn Jahren dient Ihr mir.« Da fiel sein Blick auf sie. Hinter sich hörte sie ihre Wachen unbehaglich rumoren.
Seine Augen weiteten sich, dann verzog sich sein Gesicht zu einer Maske der Missbilligung, bevor er wieder eine stoische Miene darüberlegte.
»Wir warten ab. Nur eines ist bei den Onikaden verlässlich, ihre Unvorhersehbarkeit«, meinte Kilak.
»Das haben Onikaden und Weiber gemeinsam«, kam es prompt von Atriv.
»Da stimme ich zu, mein Freund! Nicht wahr, werte Gemahlin?«
Auf dieses Stichwort hin drehten sich die Anwesenden nach Sonya um. Nun stand sie im Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Onikaden waren für den Augenblick vergessen. Alle warteten auf ihre Reaktion. Kurz wallte Ärger in ihr auf, Kilak machte zu viel Aufhebens um ihr Auftauchen. Sie atmete tief durch und schritt aufrecht zum Podest. Die Wachen blieben zurück und hofften, so dem Zorn ihres Befehlshabers zu entgehen, der sich über Sonya zu ergießen drohte.
»Als Weib«, sagte sie spitz, »kann ich nicht sprechen, aber als Erdenfrau! Männer«, betonte sie, »und Frauen sind unvorhersehbar, sei es Fasad oder Mensch. Onikaden kenne ich nicht. Aber die auf dem Schiff da drüben wollen verhandeln.« Sie zeigte auf die Projektion. »Das haben sie gut sichtbar auf ihren Zerstörer geschrieben. Vielleicht meinen sie es ernst!« Die Blicke der Besatzung lasteten wie schwere Gewichte auf ihr. Mit Mühe gab sie die Gelassene. Kilak schwieg.
»Mit Verlaub, Hohe Frau, aber diese vermaledeiten Wesen haben viele Welten vernichtet.« Empört gestikulierte Atriv zu dem Onikaden-Schiff hin, das wie eine kleine Sonne in der Mitte der Zentrale schwebte und die Szenerie mit einem goldenen Hauch überzog. »Viele unserer Frauen, Kinder und Krieger fanden den Tod. Diese Bastarde haben nichts als Leid über uns gebracht.«
»Das bedaure ich unendlich.« Sonya sprach leise und beschwichtigend. »Ihr habt euch verteidigt, und die Onikaden sind die Aggressoren hier. Aber eventuell ist hier die Chance auf eine erste Verständigung! Anstatt wie bisher zu kämpfen und zu töten, kann jetzt verhandelt werden.«
Ein Raunen aus Zustimmung und Abwehr wanderte durch die Kommandozentrale. Da Sonya in einem relativ friedlichen Zeitalter auf der Erde geboren und aufgewachsen war, konnte sie sich nur schwer vorstellen, wie es war, fünfzehn Jahre unter der ständigen Bedrohung durch einen unbekannten Feind zu leben. Viele der anwesenden Krieger hatten ihre Lieben verloren, oder wie Atriv – sie hatte die Akten der wichtigsten Kommandeure geladen – Frau, Kind und Heimatwelt. Fünfzehn Jahre Kampf und Hass, Sonya bezweifelte, dass sie das jemals vergessen würden!
Trotzdem bot sich hier die Möglichkeit, kampflos aus der Sache rauszukommen. Sie musste alles tun, Kilak zum Verhandeln zu bewegen.
Dieser saß seit seinen letzten Worten unbeweglich wie ein Heldenstandbild da. Das Gesicht reglos, zeitlos, wie aus grünem Granit gemeißelt, nur die goldenen Augen darin loderten in einem ewig heißen Feuer, in dem sie immer gerne verbrannte. Gleichgültig konnte sie ihn wohl nie betrachten, gestand sie sich widerwillig ein.
Wie alle anderen musste sie jedoch seine Reaktion abwarten. Dachte er über ihre Worte nach und zog Verhandlungen in Erwägung?
Seine erste Gemahlin Tanika sowie seine Söhne Kil und Lakor gehörten mit zu den ersten Opfern der Onikaden, als diese Herion III vernichtet hatten. Das löste den Krieg, aber auch den Zusammenschluss aller Völker in dieser Galaxie zum Fasad Cluster aus. Kilak vereinte daraufhin die Streitkräfte, Militär wie Flotte, und rüstete sie hoch. Die Feuerkraft der Dämon konnte den Zerstörer leicht in die Vergessenheit befördern. Dafür hatte er den Planetoiden geplant und bauen lassen.
Sonya zitterte und schwitzte zugleich in dem aufwändigen Kleid. Obwohl es aus intelligentem Stoff gefertigt war, konnte es leider keine Gefühlsregungen wegregulieren. Sie machte sich eine mentale Notiz, daran zu arbeiten, bevor sie zu beten begann.
Erst einmal sagte Kilak nichts, sondern besah sich immer noch die Schriftzeichen auf dem Zerstörer.
»Grüße! Nicht schießen! Verhandeln.«
Darüber prangte unverändert das Hanada-Wappen. Die Fasad-Geschwader schwebten wie die Spitze eines Speers davor, bereit, zuzustoßen.
Endlich wandte er sich Sonya zu. Seine Blicke schienen sie und ihr Gewand zu versengen. Sie erweiterte ihre Liste: Stoff auf Feuerfestigkeit prüfen.
Im Grunde hatte er ein großes Loch in ihre Verteidigung gebrannt, überlegte sie. Er ist gefährlich. Komme ich ihm zu nahe, absorbiert er mich komplett. Wie Wasser, das auf Sand fällt, so würde ich in ihm versickern! Das darf mir nicht passieren.
Scheinbar konnte er ihre Gedanken lesen, denn die starre Miene löste sich. Seine Lippen zuckten. Er erhob sich und kam vom Podest zu ihr herunter. Direkt vor ihr baute er sich auf. Die Männer an den diversen Stationen versuchten, ihre Aufmerksamkeit zwischen ihren Aufgaben und ihnen aufzuteilen. Sonya glaubte beinahe zu sehen, wie die Ohren in ihre Richtung wuchsen. Allerdings verfügten die Fasad über ein ausgezeichnetes Gehör. Damit sie den Kopf nicht in den Nacken legen musste, um Kilak ins Gesicht zu blicken, trat sie bedächtig zwei Schritte zurück.
»Wie hast du dich entschieden?«, wollte sie gerade fragen, als sich plötzlich alle um sie verneigten. Der Herrscher war auf die Brücke gekommen.
»Kilak, ist es wahr?«, fragte Nupod. »Die Onikaden wollen verhandeln? Die Kunde dringt schneller als der Schall durch das gesamte Schiff.« Er packte seinen Sohn an der Schulter. »Kann das sein?« Statt zu antworten, wies Kilak auf das Display.
»Bei Moc!«, rief der Ältere verblüfft aus. »Unser Wappen! Das ist keine Tollheit! Hhm.« Dann wandte er sich an Sonya. »Zu deiner Beruhigung: Ben und Tina ließ ich in der Obhut von Captain Bertil, welcher darüber überaus erfreut war.« Er kniff ein Auge zu. Mit einem Mal war Sonya heilfroh, dass ihr liebenswerter Schwiegervater da war. »Was geschieht nun?«
»Wir warten«, entschied Kilak und wandte sich dem Holo im Zentraldisplay zu. »Die taten den ersten Schritt, sollen sie auch den nächsten wagen. Wir greifen nicht an. Vorerst! Aber wir bleiben weiter für den Kampf gewappnet!« Er ließ den Blick über die Besatzung schweifen. Das war das Zeichen. Alle wandten sich konzentriert den Stationen zu.
»Recht so, Kriegsherr!«, Nupod schlug Kilak auf die Schulter.
»Vater, du und Sonya solltet wieder ins Quartier zurückkehren. Die Gefahr ist nicht vorüber.«
»Lass mich bleiben!«, bat sie sofort. »Kannst du das nicht verstehen?« Kilaks Gesicht wurde weich.
»Natürlich verstehe ich das, Leuchtblume. Aber deine Sicherheit stelle ich über alles.«
»Kilak«, mischte sich Nupod ein, »solange kein direkter Angriff erfolgt, bleiben wir. Sollte es zum Kampf kommen, dann bleibt genug Zeit, sich im sicheren Quartier zu verkriechen.« Sonya sah, wie es in Kilak arbeitete.
»Wir gehen sofort, wenn das hier schiefgeht«, sagte sie schnell. »Glaube mir, ich bin die Letzte, die in einen Kampf verwickelt werden möchte.«
»Sehr gut! Besorgt ein Ruhefeld!«, befahl der Herrscher den Wachen.
Kilak warf ihr einen scharfen Blick zu. Das konnte sie auch und starrte zurück.
Das Thema Sicherheit müssen wir klären, funkte sie ihm mental. Ein kaum merkliches Nicken übermittelte ihr seine Antwort.
Dieser Fasad konnte Gedanken lesen, da war Sonya sich absolut sicher.
Mehr als eine Stunde verging. Sonya saß neben ihrem Schwiegervater auf einem Energiefeld. Alle warteten. Wieder thronte Kilak wie ein Denkmal auf dem Kommandopodest, Atriv an seiner Seite. Die Crew harrte an den Stationen aus.
In dem Moment, in dem sie ihrer Müdigkeit nachgeben wollte, erschallte ein Alarmsignal. Sofort war sie hellwach und mit Nupod auf den Beinen. Sie gesellten sich zu Atriv neben dem Podest. Unverändert schwebte das Abbild des Zerstörers mit seiner Aufschrift im Zentralholo.
»Status!« Kilak fuhr die Kommandoeinheit zur Kommunikationsabteilung herum.
»Kriegsherr, die Onikaden senden eine Nachricht«, berichtete der Offizier aufgeregt. »Eine Audioübertragung in der Standardsprache.« Sonya rieselte es den Rücken hinunter.
»Was geht da bloß vor sich?«, hörte sie Kilak in seinen nicht vorhandenen Bart murmeln. »Lasst hören, was sie wollen.«
»Grüße! Nicht schießen! Verhandeln.«, schallten die Wörter, die der Feind vorher schriftlich kommuniziert hatte, über die Brücke. Die Stimme schnarrte, war ab und zu von Zischlauten durchsetzt. Sprach da etwa eine Schlange? Der Sprecher war eindeutig weiblich.
»Wir bitten, mit Kilak Hanada zu sprechen. Ist er an Bord? Wir wollen Frieden! Nicht kämpfen!« Diese Botschaft wiederholte sich, um dann auf Dauerschleife zu laufen.
»Orut«, wandte sich Kilak an den Kommunikationsoffizier, »ist es möglich, eine Antwort zu senden?«
»Gewiss, Hoher Herr!«
»Gut, Orut, stellt gleichwohl sicher, dass nur meine Botschaft und nichts anderes zu den Onikaden hinüberdringt.«
»Den Befehl bekommen, heißt ihn ausführen. Benutzt bitte Euer Headset, Hoheit.«
»Was willst du sagen?«, fragte Nupod.
»Willst du mit ihnen verhandeln?«, platzte Sonya heraus. Sie konnte die Ungewissheit kaum aushalten.
»Zuerst geben wir Antwort auf die Nachricht, hernach wird sich zeigen, wie das Gespräch weitergeht.« Kilak blieb gelassen und setzte sein Headset auf.
»Verbindung steht, Kriegsherr«, meldete Orut.
»Hier spricht Kilak Hanada. Empfangt Ihr meine Worte?«, unterbrach er die Dauerschleife. »Hier ist Kilak Hanada. Bitte bestätigen!«
Mit einem Mal brach die Schleife ab. Einen Moment herrschte Stille.
Haben die Onikaden nicht mit einer Antwort gerechnet?, überlegte Sonya.
»Kilak Hanada, Grüße, wir empfangen«, schnarrte die Stimme.
»Mit wem spreche ich?«, fragte Kilak.
»Tarala, Leiterin der Herdenarche Zehn.«
»Leiterin Tarala, verstanden. Herdenarche, nennt Ihr so Euer Schiff?«
»Korrekt, Kilak Hanada.« Wieder eine Pause.
»Eine Frau«, hörte sie Atriv entsetzt flüstern. »Frauen kommandieren deren Schiffe. Welcher Wahn! Was für ein Volk muss das sein?«
Mühsam verbiss Sonya sich das Grinsen. Für einen gestandenen Fasad-Krieger grenzte das an Blasphemie. Nupod lachte kurz auf. Atriv und Kilak warfen ihm böse Blicke zu.
»Gewiss, die Lage ist ernst«, sagte der Herrscher beschwichtigend. »Aber selbst in unseren dunkelsten Träumen gelangten wir nicht dahin, dass der Feind Frauen in den Krieg schickt. Nicht in all den Jahren und nach den zahllosen Spekulationen, die unsere Wissenschaftler und wir anstellten.«
»Kulturelle Unterschiede können wir später diskutieren«, unterbrach Sonya ungeduldig, »wir sind mitten in einem Erstkontakt.«
Kaum hatte sie diesen Begriff in die Runde geworfen, dachte sie an ihren eigenen Erstkontakt mit Kilak. Eine Lawine von Ereignissen war dadurch losgetreten worden, die ihre gesamte Familie und sie hierher katapultiert hatte. Mitten in diesen Krieg samt einer galaktischen Verschwörung gegen die Hanadas. Ihre Mutter fiel dem tödlichen Dolchstoß eines Attentäters, der ihr galt, zum Opfer. Sie selbst war als Thronfolger-Gemahlin schwanger mit einem kleinen Jungen, dem Erben der mächtigen Hanada-Dynastie. Wenn sie das hier überlebte, erwartete sie und die Kinder ein völlig neues Leben im Fasad Cluster. Was würde diese Begegnung mit der feindlichen Spezies bringen?
Kilak deaktivierte sein Headset. »Stimmt, Leuchtblume! Die »Dame« dort drüben erwartet eine Antwort. Spekulieren können wir später.« Er aktivierte das Gerät wieder. »Leiterin Tarala, seid Ihr da?« Erneut eine kleine Pause.
»Ja, Kilak Hanada«, antwortete sie, sprach aber nicht weiter. Kilak wartete.
»Leiterin Tarala?«, fragte er aufs Neue in das Mikrofon seines Headsets.
»Ja, Kilak Hanada«, sagte die Leiterin und schwieg dann. Eine gehaltlose Unterhaltung, wollte Sonya sagen, doch Nupod kam ihr zuvor. Er bedeutete seinem Sohn, die Verbindung zu kappen.
»Mangelt es den Onikaden an Verstand oder an Worten? Wie sollen wir da vernünftig kommunizieren? Besser sie schreiben wieder Botschaften auf ihr Raumschiff!«
»Vater, dir gehen niemals die Worte aus«, sagte Kilak mit einem feinen Lächeln. »Leider können wir uns nicht schriftlich mit den Onikaden verständigen. Dazu müssten wir im Raumanzug mit Farbe auf unsere Außenhaut schreiben.«
»Dann lieber auf die altmodische Art weiter«, drängte Sonya, »verbal!« Kilak nickte und aktivierte das Komm.
»Leiterin Tarala, was wollt Ihr?«
Nach einer Pause: »Verhandeln.«
»Das haben wir verstanden«, murmelte Atriv. »Viele Worte macht sie nicht. Ein Stein ist gesprächiger.«
»Dessen bin ich mir bewusst, Leiterin Tarala«, sagte Kilak ruhig. »Über was verhandeln?«
»Frieden!«
»Wortkarg«, stellte Nupod fest. »Ohne Zweifel! Frieden? Nach all den Jahren des Krieges?«
Das Frage-Antwort-Spiel aus Ein- und Zwei-Wort-Sätzen, bestenfalls drei, dauerte ewig.
Entgegen seinem Temperament bewies Kilak viel Geduld. Jedoch beobachtete Sonya, wie er die Lehne des Kommandosessels so stark umklammerte, dass die grünen Handknöchel weiß wie bei einem Menschen hervortraten.
Sie für ihren Teil hatte längst die Geduld verloren und die Clowns da drüben weggeblasen. Zerstörer ganzer Welten sollten die sein? Ein Volk, welches das Fasad Cluster so viele Jahre in Furcht und Schrecken versetzte. Das glaubte sie nie und nimmer. Das waren Vollidioten!
»Nicht in diesem Zeitalter, Kriegsherr, darf ein Onikaden-Schiff auf einem unserer Decks aufsetzen. Sobald das Fluggerät an Bord ist, detoniert es und zerreißt die Dämon von innen heraus«, ereiferte sich Commander Atriv.
Gespannt hörte Sonya dem Disput zwischen Kilak, Nupod und Atriv zu. In einem zähen Gespräch hatten Tarala und Kilak sich geeinigt, dass die Leiterin an Bord der Dämon kommen sollte. Sie bestand darauf, ausschließlich mit ihm persönlich und keinem anderen zu sprechen! Jetzt galt es, das Treffen zu arrangieren.
»Fürwahr, so würde ich es machen«, meinte Kilak. »Mit möglichst wenig Risiko die Schlacht für sich zu entscheiden und zugleich den Planetoiden zu zerstören!«
»Mein Sohn, Supreme Commander, Eure Szenarien entbehren bedauerlicherweise nicht der Logik. Moc sei es geklagt, es gibt hier zwischen den Galaxien keinen Planeten, Mond oder sonst einen Himmelskörper, den wir als neutralen Verhandlungsort wählen können.«
»Und wenn doch jemand anderes hinüber zu den Onikaden geht?«, warf Sonya ein. Die drei Männer starrten sie an, als ob sie plötzlich die grüne Gesichtsfarbe der Fasad angenommen hätte. Aber das war ihr völlig egal. Sie wollte ihren Beitrag leisten, zum einen, um den Frieden zu sichern, und zum anderen, um den Fasad zu zeigen, dass Frauen genauso fähig wie jeder Mann waren.
»Hohe Frau«, Atrivs Stimme hörte sie deutlich an, wie er sich zur Ruhe zwang. »Der Feind hat uns um Verhandlungen gebeten, und kein Fasad sollte unnötig geopfert werden. Außerdem verlangt diese Frau«, das Wort brachte er wie ein Schimpfwort hervor, »speziell unseren Kriegsherren für das Treffen. Das ist eindeutig ein Versuch, den Krieg mit einem Schlag zu ihren Gunsten zu entscheiden.«
»Möglich«, Sonya gab nicht nach, »aber warum sollten sie es nicht ernst meinen? Die Feuerkraft der Dämon könnte deren Schiff aus dem All pusten. Außerdem wenden sie uns die Breitseite zu. Das müsste genügen, um einem Unterhändler, wenn sie sich auf einen anderen einlassen, ausreichend Sicherheit zu geben, oder?«, argumentierte sie, dabei sah sie Atriv fest an.
»In der Tat.« Der Commander nickte widerwillig.
»Leuchtblume«, wieder benutzte Kilak den Kosenamen, den er speziell für sie hatte, »dein Vorschlag ist nicht schlecht, aber er birgt zu viele Unwägbarkeiten. Es war schon schwer genug, zu diesem Punkt der Verhandlungen zu gelangen. Schwierig, das ist der freundlichste Begriff für die Sprachkompetenz der Leiterin, der mir hierzu über die Lippen kommt.«
Der Herrscher ergriff das Wort. »Um unseres Volkes willen müssen wir versuchen, Frieden zu stiften und die Verhandlungen möglich zu machen.«
»Ja, Vater. Wir werden mit den Onikaden sprechen. Gleichwohl brauchen wir einen vernünftigen Plan.«
»Es geht doch darum, diese Leiterin hier an Bord zu bringen?« Die Wissenschaftlerin in ihr tüftelte bereits an dem Problem. »Und das unter Ausgrenzung möglichst aller Gefahren! Keine Waffen, keine unbekannte Technologie.« Während sie sprach, hatte sie ständig den mobilen Feldgenerator im Blick, der das Ruhefeld für Nupod und sie projiziert hatte. »Ich habe da eine Idee. Dazu brauche ich den Cheftechniker Karel.«
Nach einigem Probieren, Justieren und etlichen Diskussionen präsentierte sie zusammen mit Karel die Ergebnisse. Gespannt wartete sie auf Kilaks Reaktion. Nupod lobte sie in höchsten Tönen. Supreme Commander Atriv und die Brückenbesatzung zollten ihr widerwillig stillen Respekt. Während der gesamten Aktion lastete Kilaks Blick wie ein Felsen auf ihr. Schweigend hörte und besah er sich ihre Tätigkeiten und Interaktion mit Karel.
»Sehr gut. Es wird funktionieren«, sagte er bloß, bevor er daranging, die Details für sein Treffen mit der Leiterin Tarala abzumachen.
Der Dickschädel ist sauer, ging es Sonya durch den Kopf. Ich habe es gewagt, mich in Männerangelegenheiten zu mischen, und dem großen Krieger eine Lösung präsentiert. Ein wenig hätte er mich schon loben können.
»Bei Moc, die da drüben hat nun mehr Worte verwendet und deutlicher gesprochen. Einiges davon ist zwar noch seltsam zu Sätzen verwoben. Die Bedeutung ist etwas ungenau, aber sie scheint dazuzulernen«, sagte Atriv mit unterdrückter Stimme.
»Wir senden ihr einen Sprachkristall hinüber«, schlug der Herrscher vor. »Da müsste die Verständigung besser gelingen.«
Sonya hörte nur mit halbem Ohr zu, da sie gerade die letzten Berechnungen durchging und weiter über Kilaks knappe Antwort grübelte.
Mit düsterer Miene, aber ruhiger Stimme sprach er in das Mikrofon seines Headsets. Die Kommunikation verlief zwar jetzt besser, war jedoch so weit wie die Dämon von der Milchstraße davon entfernt, flüssig zu sein.
»Hoheit«, Karel brachte Sonyas Fokus zurück. »Alles ist vorbereitet. Die Systeme sind eingestellt. Die Fähre mit dem Generator und die Hochleistungsscanner stehen bereit. Eine sehr kreative Vorgehensweise, erlaube ich mir zu bemerken. Wenn es funktioniert, wird es in der Technik-Gilde für Aufsehen sorgen, Hohe Frau und werte Kollegin.« Er lächelte ihr zu. Da fühlte sie Kilaks Hand besitzergreifend auf ihrem Arm.
»Können wir beginnen?« Der Unterton in seiner Stimme gefiel Sonya nicht. Was war ihm jetzt über die Leber gelaufen?
»Die Fähre ist startklar. Die Drohne mit dem Feldgenerator befindet sich an Bord. Außerdem der Behälter mit dem Sprachenkristall. Karel und ich haben alles durchgerechnet und ein paar Mal gecheckt. Wir können loslegen«, sagte sie. »Wie steht es mit der Leiterin?«
»Sehr gut, Leuchtblume!« Kilak sah sie dabei eigentümlich an. Irritiert erwiderte Sonya seinen Blick, während sich ein komisches Gefühl in ihr aufbaute. Er hatte sie gelobt! Unwillkürlich streckte sie ihm die Hand entgegen, die er sofort mit seiner großen umschloss.
»Taralas Shuttle wartet an den vereinbarten Koordinaten«, informierte er sie. »Du kannst das Signal geben. Wir starten die Fähre!«
»Möge Moc und die Große Göttin mit uns sein!«
Nupod, Atriv und viele der Brückenbesatzung wiederholten den Segenswunsch, während Karel die Fähre via Fernsteuerung aus dem Hangar zum Rendezvous-Punkt dirigierte. Kilak informierte die Leiterin über den Beginn der Operation.
»Du bist brillant, Leuchtblume«, murmelte er Sonya zu. Er hob ihre Hand und drückte einen schnellen Kuss hinein. Dann schloss er ihre Finger darum. »Hebe ihn für später auf. Wenn wir allein sind, führen wir ein ausführliches Gespräch über Gefahr und Gehorsam. Wir werden dazu unser Ruhefeld verwenden. Es sei denn, du willst es in eine Transportblase umfunktionieren.« Neckte er sie etwa?
»Solange keine Onikade darin sitzt, warum nicht?«, konterte sie. Kilak lachte.
»Wenn jemand darin ist, dann, bei Moc, bin ich das.«
»Vorsicht«, flüsterte sie, »dass ich dich damit nicht ins All befördere.«
»Nur mit dir zusammen, Leuchtblume!«
Angesichts meiner erotischen Drohung nahm Sonyas Gesicht einen tiefen Rotton an. Es fiel mir schwer, mich auf die Aufgabe zu konzentrieren. Ich konnte unmöglich weiter mit Sonya tändeln. Verstohlen beobachtete ich, wie sie auf ihrem Tablet die Daten checkte und mit dem Cheftechniker sprach. Kurz hob das schwarze Ungeheuer der Eifersucht seinen Kopf, das ich aber schnell zurück in den hintersten Winkel meines Bewusstseins verbannte. Ich musste mir eingestehen, dass sie eine geniale Technikerin war, die beste, die mir jemals begegnet war. Sie arbeitete mit Karel zusammen, als wären sie seit Jahren ein Team. Ich beobachtete Sonya genauso gespannt wie das Geschehen auf dem Holo.
Das Hauptdisplay zeigte jetzt den Zerstörer im Hintergrund, die Aufschrift mit dem Wappen immer noch auf der Außenhaut. Im Zentrum schwebte das Shuttle der Leiterin. Zwar wies es dieselbe Form wie ein Kleinschiff auf, hatte jedoch die vierfache Tonnage. Die von Karel ferngesteuerte Fähre lag daneben.
Mit Schaudern dachte ich an den schwierigen Dialog mit der Onikade. Es war mühsam gewesen, aus ihr herauszubekommen, dass ihre wie auch meine Spezies Luftatmer waren. Sonst gelang Sonyas schlauer Plan nicht. Oder sie hätte sich etwas entsprechend anderes ersonnen, da war ich mir ganz sicher.
Die offene Heckklappe der Fähre zeigte direkt auf die Luke des Shuttles. Hier sahen wir zum ersten Mal den Zugang zu einem Feindschiff. Leider gab die Kreisform von zweieinhalb Metern Durchmesser keinen Aufschluss über das Wesen im Inneren.
Laut der Abmachung durfte nur die Leiterin Tarala an Bord sein. Gerade schwebte die Drohne mit dem von Sonya umfunktionierten Generator aus unserer Fähre auf die Luke zu.
Wenn der Plan funktionierte, würde Tarala mit Hilfe der Maschine eine Luft gefüllte Energieblase um sich erzeugen, in der sie in unsere Fähre umstieg. Der Generator war das einzige erlaubte Gerät, dass sie mit sich führen durfte. Außerdem war Kleidung untersagt. Zu meiner Verwunderung hatte Tarala dieser Bedingung sofort zugestimmt. Allerdings wieder auf der ihren, nur mit mir von Angesicht zu Angesicht zu verhandeln, beharrt.
