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Das Standardwerk über die Anatomie der Faszien
Dieses bewährte Grundlagenwerk vermittelt Osteopathieschülern die Basis, um ihr Verständnis der Biomechanik des ganzen Körpers zu erweitern. Sie erfahren hier alles Wissenswerte zu den Faszien aus osteopathischer Sicht: Eine klare Systematisierung der Faszien, detaillierte Beschreibungen der faszialen Strukturen aller anatomischen Regionen, konkrete Anleitungen zu Diagnose und Therapie sowie ein Schnellscreening. Dazu werden die faszialen Zusammenhänge mit Anatomie, Embryologie und Histologie erläutert. Da es die verwirrende Vielfalt der Techniken auf wenige nachvollziehbare Techniken reduziert, erleichtert dieses Buch den Einstieg in die Faszienbehandlung.
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Seitenzahl: 313
Veröffentlichungsjahr: 2021
Angelika Strunk
3., unveränderte Auflage
192 Abbildungen
In der Osteopathie werden Grundlagen anders benutzt als in der klassischen Medizin. Grundlagen werden funktionell verstanden, um das Symptom zu begreifen. Das Symptom wird nicht als Pathologie gesehen, sondern als Ausdruck einer kompensierenden Physiologie. Um die unzähligen Kompensationsmöglichkeiten des Körpers annähernd begreifen zu können, braucht die Osteopathin bzw. der Osteopath ein großes Repertoire an Grundlagenwissen.
Der Bereich der Faszien beinhaltet ein so breites Spektrum, dass es immer notwendig ist, diesen Bereich zu gliedern. Er reicht von der groben anatomischen Struktur bis hin zum feinen, quasi molekularen Bereich des zellulären und extrazellulären Raumes.
Das vorliegende Buch ist das Ergebnis von viel Engagement und Arbeit. Die Autorin hat mit viel Mut dieses Grundlagenwerk zusammengestellt. Damit hat sie ein Buch erarbeitet, das den Schülern und den jungen Osteopathen eine Hilfe ist, ihre Grundlagen zum Verständnis der Biomechanik des gesamten Körpers besser zu erweitern. Es gibt ihnen die Möglichkeit, ihr funktionelles Wissen zu trainieren und Ketten zu bilden.
Ich hoffe, dass Angelika in der Zukunft noch einmal den Mut und das Engagement aufbringen wird, einen weiteren Band zum Thema Faszien zu erarbeiten, der sich quasi als Fortsetzung mit den feineren Strukturen in der Welt der Faszien beschäftigen wird. Dieser Band könnte dann als Grundlage für das Verständnis zu den biodynamischen Prozessen im Körper verstanden werden.
Zwickau, im Dezember 2014Jean-Pierre Lehr
Die Faszien – des Osteopathen liebstes Kind! Immer geschätzt, zuweilen mystisch verklärt und manchmal in fast religiöser Verehrung überhöht. Und daneben von der Wissenschaft und Schulmedizin bis ins Heute hinein so gut wie nicht beachtet. Dabei präsentieren die Faszien wie kaum ein anderes Gewebe in unserem Körper das Prinzip der Ganzheitlichkeit, verbinden sie doch, wie das Synonym „Bindegewebe“ schon sagt, die verschiedenen Strukturen und Gewebe miteinander.
Betrachtet man die Entstehung der Faszien in der Embryologie, so wird dieses verbindende Prinzip noch deutlicher, ist doch der Ursprung der Faszien im mesodermalen Keimblatt zu finden, aus dem außer dem Bindegewebe unter anderem die Arterien, Venen, Lymphgefäße und Nervenhüllen entstehen, die allesamt in ihrer Mikrostruktur wieder aus Bindegewebe, also faszialem Gewebe bestehen.
Dazu kommt, dass unsere Organe zum größten Teil aus Fasziengewebe aufgebaut sind, sie stellen quasi die „Hardware“ – das Stroma. Die Software, das Funktionsgewebe, ist „nur“ die innere oder äußere Oberfläche des Organs.
Die Muskeln, auch aus dem Mesoderm entstanden, also mit den Faszien sozusagen verwandt, sind von Faszien durchzogen sowie umgeben und über sie mit dem Periost der Knochen, ebenfalls Fasziengewebe, verbunden.
Wir kommen um die Faszien einfach nicht herum, und auch die medizinische Wissenschaft entdeckt dieses Gewebe nun für sich und möchte diesen weißen Fleck auf der Körperlandkarte ergründen.
Angelika Strunk beschäftigt sich schon seit Jahren mit den Faszien. Mit großer Ausdauer sucht sie sich Informationen zusammen, getrieben von einem kaum stillbaren Wissensdurst geht sie ihrem Lieblingsthema nach, gräbt und findet – akribisch, konsequent, tiefgreifend. So habe ich sie kennen und ihren Arbeitsstil schätzen gelernt. Schnell wurde mir klar, dass ein solcher Mensch, sollte er die Gelegenheit bekommen, ein Buch zu schreiben, etwas Besonderes daraus machen würde.
Das Ihnen vorliegende Buch „Fasziale Osteopathie – Grundlagen und Techniken“ ist Angelika Strunks erstes Buch. Sie hat hierin – in einer bisher nicht dargebotenen Art und Weise – die Anatomie der Faszien dargestellt. Dazu hat sie eine Systematik der Faszien entwickelt, die dieses komplizierte Thema in entwaffnender Klarheit vorstellt. Ihr ist es gelungen, hier den Überblick zu behalten und gleichzeitig eine – ins kleinste Detail – beschreibende Darstellung der Faszien unseres Körpers zu präsentieren. Wer dieses Buch sein Eigen nennen kann, wird kein anderes Buch mehr über die Anatomie der Faszien benötigen.
Auch die Therapie der Faszien systematisiert sie, erklärt Behandlungsprinzipien und verzichtet auf verwirrende Nennung von Behandlungstechniken, die doch alle den gleichen Behandlungsprinzipien folgen. Da mag man ihr nun vorwerfen, dass sie die Pioniere der faszialen Behandlung nicht ehrt. Sie ehrt sie! Dessen dürfen sich die Kritiker gewiss sein. Aber es ist durchaus ein Fortschritt, wenn die vorhandenen Faszientechniken auf ihre Gemeinsamkeiten hin untersucht und nach Prinzipien klassifiziert werden. Das macht dem Interessierten an der Faszienbehandlung den Einstieg deutlich leichter, weil er die verwirrende Vielfalt an Techniken auf wenige nachvollziehbare Prinzipien zurückgeführt bekommt.
Ich wünsche Ihnen genauso viel Spaß beim Lesen dieses Buches, wie ich dabei hatte. Und Angelika Strunk wünsche ich, dass sie der Osteopathiewelt noch so Manches zu sagen hat.
Vinxel, den 13.09.2012Eric Hebgen
Als ich 2009 von Eric Hebgen D.O. gefragt wurde, ob ich in einem Lehrbuch, welches alle Anteile der Osteopathie verknüpfen sollte, den Faszienteil übernehmen würde, fühlte ich mich sehr geehrt.
Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade „frisch“ als Assistentin am Institut für angewandte Osteopathie und wählte unter anderem das Fach „Faszien“. Faszien sind für mich ein Wunder, wahnsinnig spannend, und zeitgleich existiert ein „Wirrwarr“ an Informationen und etlichen Büchern, die das Thema Faszien behandeln. Während ich den oben erwähnten Anteil im Lehrbuch Osteopathie geschrieben habe, dessen daraus resultierende Fortsetzung Sie jetzt vor sich sehen, war es vielleicht nicht so schlecht, den Studenten und deren Belangen noch näher zu sein als meinen eigenen Dozenten und denen für mich wirklichen Größen in der Osteopathie.
Durch die Unterrichtsvorbereitung stellte sich mir immer wieder die Frage, ob man den Büchern, den Konzepten, den Techniken und der Anatomie der Faszien nicht einen „roten Faden“ geben kann und trotzdem den großen Osteopathen der faszialen Osteopathie gerecht werden könnte, um so den Einstieg in diese Welt der Wunder ein wenig zu erleichtern. Wie legt man also die Basis der Faszien, die Grundlagen zum Verständnis dieses tollen Systems im menschlichen Körper, denn gerade die fasziale Diagnostik und Behandlung sind für mich persönlich ein „Anfangsgrundpfeiler“, etwas, mit dem man direkt beginnen kann, osteopathisch zu denken und zu behandeln.
Aus dieser Idee heraus entstand ein Unterrichtskonzept quer durch die fasziale Osteopathie, welches in diesem Buch niedergeschrieben wurde. Sie werden hier Auszüge der Gedanken von Persönlichkeiten wie A. T. Still (der Osteopath und Urvater), R. Becker, V. Frymann, J. G. Zink, S. Paoletti und L. Jones bis hin zu L. Chaitow, J. C. Guimberteau, Th. Myers, J. E. Upledger, R. Schleip und einigen anderen namhaften Osteopathen finden. Es soll kein weiteres neues Buch über Faszien sein, sondern es stellt den Versuch der Zusammenfassung bisheriger Bücher dar. Mit ihm soll Studenten der Osteopathie und Wissbegierigen möglichst strukturiert der Weg zu den Faszien geöffnet, eben die Basis, die Grundlage gelegt werden. Und so hoffe ich, dass ich mit diesem Buch einer strukturierten Zusammenfassung über die Welt der Faszienwunder und den Gedanken der faszialen Osteopathen gerecht wurde und es Ihnen Spaß macht, es zu lesen und in Ihren Praxisalltag einzubauen.
Zum Abschluss möchte ich diese Seiten nutzen, um einigen Menschen auf meinem Weg als Osteopathin und Buchautorin von Herzen zu danken:
Zuerst möchte ich meiner Familie über alles danken. Meiner Tochter Neele, die in ihrer damals „kindlichen“ Art und jetzt als Jugendliche eine Form von Verständnis dafür zeigte und immer noch zeigt, dass neben der Liebe zu ihr noch eine andere Art von Liebe in mir wohnt, die Liebe zur Osteopathie. Der Spagat dazwischen war und ist manchmal als Mutter nicht immer einfach. Dann möchte ich meinem Mann Hagen, meinen Eltern und Schwiegereltern dafür danken, dass sie mir in der Zeit des Studiums, des Lernens, der Prüfungen, des Unterrichtens, des Schreibens meiner Diplomarbeit und des Schreibens dieses Buches immer den Rücken freigehalten haben und stets liebevoll und helfend, vor allem für Neele, zur Seite standen.
Ich danke weiterhin:
Jean-Pierre Lehr D. O., mein „Osteopathie-Vater“ und ein wertvoller Dozent von mir. Durch seine liebevoll-kritische Art mir gegenüber hat er mich zur Weiterentwicklung in der Osteopathie und mit mir selbst gebracht. Ihm verdanke ich, dass es nicht nur um Wissen geht, sondern um Demut und Respekt und dass dieses Buch eine Zusammenfassung, ein Grundlagenbuch ist, denn es braucht Zeit und Erfahrung, sein eigenes Buch mit eigenen Gedanken zu schreiben. Von Herzen Danke!
Philippe Misslin D. O., der in jeder Geste und in jedem Satz die Liebe zur Osteopathie und zum Menschen widerspiegelt. Ebenfalls Dozent – durch ihn wurde die Osteopathie für mich zu etwas Besonderem, einem Geschenk. Auch Dir danke ich von Herzen dafür!
Kristin Peters D. O., die im Studium mein Antrieb zur anatomischen Wissbegierde war: Nicht lernen, weil man muss, sondern lesen und lernen, weil es so spannend ist und Spaß macht. Auch mit ihr habe ich eine ganz besondere Freundin gewonnen.
Eric Hebgen D. O., der immer an mein Potenzial geglaubt hat und dem ich die Möglichkeit für dieses Buch zu verdanken habe. Mit ihm habe ich einen Mentor und einen guten Freund gefunden.
Werner Langer D. O. und Philipp Richter D. O., Leitung der IFAO und diejenigen, die mich ins Team der IFAO geholt haben. Beide haben mir damit erst die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Faszien ermöglicht. Danke für Euer Vertrauen in mich!
Pascal Pepels D. O., mein ehemaliger Chef als Physiotherapeutin. Er wurde nie müde, mich nach dem „Warum?“ zu fragen. „Warum machst Du das? Warum ist es besser geworden? Warum ist nichts passiert?“ Genau dies hat mich zum endgültigen Aufbruch in das Studium der Osteopathie gebracht. Ich wollte wirklich wissen und verstehen, wovon er redet.
Katja Nowak und Carmen Rosskamp-Keutgen, beide haben, trotz der Tatsache, dass sie Osteopathie-Fremde sind, mit so viel Engagement u. a. für den richtigen Satzbau, Teile der Zeichnungen und für die Fotos in diesem Buch gesorgt.
Ebenso gebührt ein Dank Anke Falter und Julia Günzler für die Darstellung der Techniken in diesem Buch.
Dr. Olaf Schneider, mit ihm habe ich etliche Gespräche à la „Dr. House“ geführt, durch welche meine Gedanken, mein Wissen und dieses Buch um ein Vielfaches bereichert wurden. Ihm ist die Ausarbeitung des Embryologieteils zu verdanken.
Alexander Fenzke, Altbaurestaurator und ein sehr guter Freund von mir und meiner Familie. Er hat mich in den Momenten des „Aufgebens“ aufgemuntert und angetrieben. Mit ihm konnte ich immer die „kindlich-freudige“ Faszination dessen, was man aus einfachen Verhältnissen heraus aufbauen kann, teilen.
Und dann gibt es noch so viele Studenten der IFAO, denen ich danken möchte. Sie haben mich im Unterricht gelehrt, was umsetzbar und spannend ist und was eben nicht. Durch ihren „Wissensdurst“ und die daraus resultierenden Fragen ist dieses Buch entstanden.
Montzen, im Sommer 2012Angelika Strunk
Das osteopathische Tensegrity in der Tüte
Tensegrity steht für Ganzheit und Zusammenhalt. Die drei Stäbe stehen in dieser Abbildung für die Grundpfeiler parietale, viszerale und kraniosakrale Osteopathie, welche durch Faszien (Fäden) verbunden und in der „großen Tüte“ Faszien eingebettet sind.
Diese Gedanken der Autorin wurden bildlich durch Carmen Rosskamp umgesetzt.
Titelei
Geleitwort zur 2. Auflage
Geleitwort
Vorwort
Teil I Grundlagen der faszialen Osteopathie
1 Definition Faszie
2 Funktionelle Bedeutung der Faszien
2.1 Faszien als „Flussbett des Lebens“
2.2 Faszien sorgen für Unterteilung
2.3 Faszien sorgen für Stabilität und Form
2.4 Faszien sorgen für Beweglichkeit
2.5 Faszien verbinden
2.6 Faszien unterstützen die Posturologie
2.7 Faszien als psychoemotionaler Speicher
2.8 Darum behandeln wir Faszien
3 Embryologie
3.1 Entstehung des Bindegewebes
3.1.1 Entwicklung der dreiblättrigen Keimscheibe
3.1.2 Die dreiblättrige Keimscheibe
3.2 Head- und Mackenzie-Zonen – der übertragene Schmerz
3.3 Das vermeintliche „Zellgedächnis“
4 Histologie
4.1 Übersicht Gewebearten
4.2 Das Bindegewebe
4.2.1 Faszien
4.2.2 Einteilung des Bindegewebes
4.3 Histologie des Bindegewebes – der Faszien
4.3.1 Zellen
4.3.2 Extrazellulärmatrix
4.4 Funktion der Faszien durch ihre Bestandteile
5 Faszien und Wissenschaft
5.1 Faszien – eigenständig kontraktile Strukturen?
5.1.1 Kontraktile Zellen in Faszien – Myofibroblasten
5.1.2 Innervation der kontraktilen Zellen
5.1.3 Studien zu Auslösern der Faszienkontraktion und -entspannung
5.2 Faszien als Wohnort des größten Sinnesorgans?
5.2.1 Golgi-Rezeptoren
5.2.2 Vater-Pacini-Rezeptoren
5.2.3 Ruffini-Rezeptoren
5.2.4 Interstitielle Rezeptoren
5.3 Fazit
6 Anatomie und Topografie
6.1 Schematische Einteilung der Faszien
6.1.1 Das große „Dreiersystem“ der Faszie
6.1.2 Einteilung nach Innervation
6.2 Pars superficialis der Faszien
6.2.1 Funktion der Anteile der Pars superficialis der Faszien
6.2.2 Zuordnung zur Pars superficialis der Faszien nach Körperregionen
6.3 Pars media der Faszien – die „Organtüte“
6.3.1 Zuordnung der Anteile zur Pars media der Faszien
6.3.2 Zuordnung der Pars media der Faszien nach Körperregionen
6.4 Pars profunda der Faszien – die „Neuro-WS-Tüte“
6.4.1 Zuordnung der Pars profunda der Fazien nach Körperregionen
6.5 Spezielle Fasziennamen
6.6 Diaphragmen aus faszialer Sicht – die Pufferzonen
6.6.1 Respiratorische Diaphragmen
6.6.2 Fasziale Diaphragmen
6.7 Bogen- und Zentralsehne
6.7.1 Die Bogensehne
6.7.2 Die Zentralsehne
Teil II Fasziale Diagnostik
7 Einführung in die fasziale Diagnostik
8 Praxis der faszialen Diagnostik
8.1 Inspektion und oberflächliche Palpation
8.1.1 Tenderness
8.1.2 Asymmetry
8.1.3 Range of Motion
8.1.4 Tissue Texture Abnormality
8.2 Fasziale Tests
8.3 Globale Tests
8.3.1 Global Listening oder globaler Ecoute-Test im Stand
8.3.2 Global Listening oder globaler Ecoute-Test im Sitz
8.3.3 Shift des Beckens nach rechts und links
8.3.4 Global Listening oder Ecoute-Test im Stand – untere Extremität
8.3.5 Global Listening oder Ecoute-Test im Sitz – Armtest
8.3.6 Global Listening oder globaler Ecoute-Test im Sitz
8.3.7 Global Listenings oder globale Ecoute-Tests im Liegen – Beintests
8.3.8 Global Listenings oder Ecoute-Tests im Liegen – Armtests
8.3.9 Zink-Pattern
8.4 Regionale Tests
8.4.1 Regionale Untersuchung der Füße
8.4.2 Regionale Untersuchung des oberen und unteren Sprunggelenks
8.4.3 Regionale Untersuchung des Kniegelenks
8.4.4 Regionale Untersuchung der Hüfte über AR und IR
8.4.5 Regionale Untersuchung des Beckenrings – ISG, SIG und Pubis
8.4.6 Regionale Tests im Bereich Halswirbelsäule und zervikothorakaler Übergang
8.4.7 Regionale Untersuchung der BWS und LWS
8.4.8 Regionale Tests für das Viszerum
8.4.9 Regionale Tests für den Thorax
8.4.10 Regionale Tests für die reziproken Spannungsmembranen
8.4.11 Spezielle regionale Tests – die Zentrallinien
8.5 Lokale spezifische Tests
8.5.1 Bewegungsapparat, Viszerale und Kranium
9 Globales Schnellscreening
9.1 Das globale Schnellscreening in der Praxis
9.1.1 Praxistipps
9.1.2 Vorgehen
9.1.3 Dokumentationsbeispiel der globalen Auffälligkeiten
9.1.4 Übersicht globales Schnellscreening
9.2 Sensibilisierungstests für die globalen Befunde aus dem Schnellscreening
9.2.1 Sensibilisierungstest
9.2.2 Beispiel für einen Sensibilisierungstest
Teil III Fasziale Therapie
10 Behandlungsprinzipien in der faszialen Osteopathie
10.1 Wichtige Begriffe der Faszientherapie von A–Z
10.2 Grundprinzipien der faszialen Osteopathie
10.2.1 Das Prinzip der direkten Befreiung
10.2.2 Das Prinzip der indirekten Befreiung
10.2.3 Das Prinzip der kombinierten Befreiung
11 Techniken der faszialen Osteopathie
11.1 Behandlung der Extremitäten
11.1.1 Direkte Befreiung
11.1.2 Indirekte Befreiung
11.2 Behandlung des Rumpfes, des Halsbereiches und der Membranen
11.2.1 Direkte Befreiung
11.2.2 Indirekte Befreiung
11.2.3 Kombinierte Befreiung
11.3 Behandlung der Bogensehne – „Bowstring“
11.3.1 Fascia masseterica
11.3.2 Fascia colli (cervicalis) superficialis und media am Ursprungspunkt – Mundboden
11.3.3 Obere Thoraxapertur – Fascia colli superficialis und media – Ansatzpunkte
11.3.4 Fascia endothoracica – Mediastinum – Perikardbänder
11.3.5 Lig. coronarium
11.3.6 Lig. falciforme
11.3.7 Lig. teres hepatis – Linea alba
11.3.8 Umbilicus
11.3.9 Plica umbilicalis mediana (Lig. umbilicale medianum)
11.3.10 Präsakrale Faszien
11.3.11 Faszie von Delbet – Diaphragma pelvis
11.3.12 Tractus iliotibialis
11.3.13 Membrana interossea
11.4 Behandlung der Zentralsehne – „Le Tendon central“
11.4.1 Falx cerebri und Falx cerebelli
11.4.2 Os hyoidale – Kehlkopf – Befestigungen Pharynx
11.4.3 Pleurakuppel – Sibson-Faszie – obere Thoraxapertur
11.4.4 Mediastinum
11.4.5 Raphae pharyngis – Pharynx – Ösophagus – Hiatus oesophageus
11.4.6 Crus diaphragmatica
11.4.7 Kontinuität des Peritoneums – Fascia iliaca
11.4.8 Faszien des Beckenbodens
11.4.9 Faszien der Adduktoren
11.4.10 Loge der tiefen Flexoren – Lig. deltoideum (Lig. von Farabeuf)
11.5 Spezielle Techniken
11.5.1 Bandscheibenbeschwerden LWS – Behandlung in Bauchlage
11.5.2 Flexionsdysfunktion LWS – Behandlung in Bauchlage
11.5.3 Sakrum-posterior (einseitig oder bilateral) – Behandlung im Sitz
11.5.4 Flexionsdysfunktion LWS – Behandlung im Sitz
Teil IV Anhang
12 Abkürzungsverzeichnis
13 Abbildungsnachweis
14 Literaturverzeichnis
Autorenvorstellung
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum/Access Code
1 Definition Faszie
2 Funktionelle Bedeutung der Faszien
3 Embryologie
4 Histologie
5 Faszien und Wissenschaft
6 Anatomie und Topografie
Die Wortdefinition von „Fascia“ ist „Verbund“ oder „Bündel“, die Definition, welche Anteile des Bindegewebes zur Faszie gehören und welche nicht, ist immer noch nicht ganz geklärt. Dennoch gibt es seit dem Fascia Research Congress 2007 zumindest eine Annäherung was die Zuordnung der Anteile des Bindegewebes zur Faszie gegenüber dem allgemeinen Begriff des Bindegewebes betrifft. Faszie ist Verbund, und, wie im Geleitwort durch Eric Hebgen schon wunderbar gesagt, es ist BINDEgewebe, da es alles miteinander vernetzt und verbindet.
Was heute mit dem Begriff „Faszie“ beschrieben wird, stellte zu Stills Zeiten eher ein visuelles als ein in der Literatur beschriebenes Konzept dar. Zwar fand man auch schon weit vor Stills Zeit in zeitgenössischen Zeichnungen die Faszien anschaulich dargestellt, jedoch wurden sie nicht explizit mit eigenständigen Namen in der medizinisch-anatomischen Literatur erwähnt ▶ [48]. Stattdessen wurden Wörter und Synonyme wie „bedeckende Gewebeschicht“, „Membranen“, „Stroma“ oder „Aponeurosen“ verwendet. Des Weiteren existierten vielmehr beschreibende Begrifflichkeiten wie „lange, sehr eng zusammen seiende, fleischige Fasern“, „sehnenartige Substanz“, „eine bestimmte Substanz, die teilweise zwischen der weiten Sehne und der Haut liegt“ (in der Hand) oder „weißliche Substanz“ (Oberflächenfaszie) ▶ [48].
In der Osteopathie spielen Faszien eine überragende Rolle. Deswegen ist es wichtig, sich klar zu machen, was man eigentlich unter dem Begriff „Faszien“ versteht. Das Wort „Fascia“ stammt aus dem Lateinischen („fascis“) und bedeutet „Bund“, „Bündel“ oder „Verbund“. Die Faszien bezeichnen die Weichteilkomponenten des Bindegewebes, welche den ganzen Körper als ein umhüllendes und verbindendes Spannungsnetzwerk durchdringen.
Dennoch bestand in jüngster Vergangenheit eine große Diskrepanz, welche Anteile des Bindegewebes denn nun unter dem osteopathischen Oberbegriff „Faszie“ zusammengefasst werden sollten. Je nach Autor waren es nur die großen Muskelhüllen – das myofasziale System. Für andere gehörten Aponeurosen, Retinacula und Oberflächenfaszien ebenso wie die Dura mater spinalis und die viszeralen Ligamente zu diesem Begriff. Seit dem ersten internationalen Fascia Research Congress 2007 in Boston ▶ [10] hat man sich jedoch auf einen umfassenden Faszienbegriff einigen können.
Definition
Zu den Faszien gehören alle kollagenen und elastisch-faserigen Bindegewebe, insbesondere Gelenk- und Organkapseln, Bänder, Muskelhüllen, Membranen, Sehnen, Retinacula (ringförmige Haltehüllen) sowie die „eigentlichen Faszien“ in der Gestalt von flächigen, festen Bindegewebsschichten.
Diese neue Definition von Faszien ist im Wesentlichen deckungsgleich mit dem, was der Laie unter dem Begriff „Bindegewebe“ versteht. In der Humanmedizin zählen jedoch Knochen, Knorpel, Lymphgewebe und das Blut ebenfalls zum Bindegewebe.
Bildlich gesprochen sind die Faszien also sozusagen die „Tüten“ des Körpers: viele kleine „Tüten“ mit funktionellem Inhalt, die in immer größer werdende „Tüten“ eingepackt und mit diesen verbunden sind. Ohne Faszien wären wir ein Haufen Funktionszellen, in dem die Knochen als ganze Struktur liegen würden. Man könnte dies damit vergleichen: Wenn wir einkaufen gehen und um die Milch wäre kein Tetrapack, die Banane hätte keine Schale und das Brot kein Backmittel – wenn wir dann auch noch keine große Einkaufstüte hätten, müssten wir den vermischten Inhalt mit den Händen nach Hause tragen.
Die Faszien in unserem Körper sind also bildlich gesprochen:
die „große Einkaufstüte“ (äußere, ganze Hülle),
die „Umverpackungen jedes Artikels“ (Organ, Nerv, Gefäß etc.),
das „Backpulver“ (innerhalb jedes Muskels, der Organe etc.) und
der „Zuckerguss auf dem Keks“ (Peritoneum, Pleura viscerale etc.).
Ihnen werden differenzierte Aufgaben, Formen und Verläufe zuteil, deren Funktion die Verbindung des Ganzen ist. Diese Anteile des Bindegewebes, die nun unter dem Oberbegriff „Faszien“ zusammengefasst wurden, lassen sich in folgende Teilgebiete gliedern:
Bänder (Ligamente), Sehnen und Gelenkkapseln
Pleura, Perikard, Epikard, Endokard, Mediastinum
Peritoneum und seine Ligamente, Mesenterien und Omenta
Meningen
Muskel-, Nerven-, und Gefäßhüllen
die eigentlichen (Körper-)Faszien
die große, äußere Körperhülle
Diese Anteile
umhüllen und durchziehen alle Muskeln, Organe, Gefäße und Nerven (ZNS, PNS und VNS),
trennen Strukturen und gewähren ihre Gleitfähigkeit untereinander,
verbinden (verankern) Gewebe/Strukturen miteinander,
bilden „Spalten“ für Gefäße und Nerven, um diese zu begleiten und vor Scherabrissen zu schützen,
bilden die Aufhängungen der Organe und sorgen für die optimal fixierte Organlage bei bestmöglicher Mobilität,
geben dem Körper und all seinen Anteilen die Form – das Aussehen,
schützen einen gesamten Verbund aus funktionsgleichen Zellen vor übergreifenden Infektionen und
können Spiegel unserer psychoemotionalen Gemütslage sein.
Sie stellen eine Einheit zwischen dem Parietalen, dem Viszeralen und dem Kraniosakralen her, und damit kann man ihnen den Stellenwert „Basis der Osteopathie“ zukommen lassen. Sie verkörpern die Ganzheitlichkeit – das zusammengehörende, osteopathische Denken.
