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Helen ist in Kenia geboren und aufgewachsen. Sie heiratet den wesentlich älteren Farmer John. Nach dessen mysteriösem Tod flieht sie nach England und verspricht sich dort ein ganz neues Leben. In London begegnet sie der Bibliothekarin Martha und zusammen fassen sie den Entschluss, aufs Land zu ziehen. Dort machen sie Bekanntschaft mit dem Kleinganoven Dave, der kurz darauf bei ihnen unterkommt. Doch als sich Helen zu Dave hingezogen fühlt, kommt es zu ständigen Streitereien - bis Martha eines Tages tot aufgefunden wird. Hals über Kopf begeben sich Helen und Dave auf die Flucht vor der Polizei. Doch nicht nur die ist ihnen eng auf den Fersen, sondern auch die kenianische Mafia. Wird Helen es schaffen … oder holt sie ihre Vergangenheit wieder ein?
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Seitenzahl: 429
Veröffentlichungsjahr: 2016
Inhalt
Impressum
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Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
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© 2016 novum Verlag
ISBN Printausgabe: 978-3-95840-129-7
ISBN e-book: 978-3-95840-022-1
Lektorat: Susanne Schilp
Umschlagfoto: Natalia Kuchumova | Dreamstime.com
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum Verlag
www.novumverlag.com
1
Helen betrachtete kritisch ihr Gesicht in dem Spiegel und trug sorgfältig etwas Gesichtscreme auf.
Im vergangenen Jahr hatte sie die ersten Fältchen um ihren vollen Mund entdeckt, was sie eigentlich nicht weiter störte. Doch heute wollte sie die Merkmale des Alterns nicht zeigen. Schließlich hatte sie eine Einladung zur Premiere des Musicals „Cats“ erhalten, über die sie sich sehr freute.
Am Nachmittag war sie noch beim Friseur gewesen, um sich ihre langen, naturblonden Haare abschneiden zu lassen. Die kurze Frisur, mit den keck nach vorn ins Gesicht geschnittenen Haarspitzen, umrahmte ihr schönes Gesicht und gaben ihr ein jugendliches Erscheinungsbild.
Ja, so wollte sie sein, mit der unbedarften Frische einer unbelasteten jungen Frau.
Sie lebte nun schon fast ein Jahr in diesem Londoner Vorort und tat sich sehr schwer mit der Eingewöhnung, besonders im Umgang mit den Menschen und deren Mentalität.
Sie war noch zu sehr an die Weite Kenias mit ihren Gerüchen, Geräuschen und Lebensweisen der Bewohner vertraut, als dass sie sich auf Anhieb in einer Großstadt hätte wohlfühlen können.
Sie hatte immer das Gefühl, sich nie an die Enge der Häuser und die Hektik der Menschen anpassen zu können.
Deshalb freute sie sich auf die Abwechslung. Dem Ensemble ging ja ein guter Ruf voraus.
Es handelte sich um dieselbe Besetzung, die in Hamburg seit sieben Jahren vor stets ausverkauftem Haus das Musical aufführte. Ihre neue und einzige flüchtige Bekannte hatte sie zu diesem Besuch überredet. Martha besaß einen kleinen Buchladen in Epsom. Durch Zufall hatte Helen vor einigen Tagen den Laden betreten und sich mit ihr ein bisschen angefreundet. Beide hatten sie die Vorliebe für alte spanische Maler. Über El Greco konnten sie sich stundenlang unterhalten. Helens Besuche wurden immer häufiger, meistens kurz vor Ladenschluss. Martha schloss dann den Laden ab und sie frönten bei einer Tasse Tee ihrem Lieblingsthema. In der letzten Zeit suchten beide immer öfter die Nähe der anderen.
Marthas Scheidung stand bevor, worüber sie sehr erleichtert schien. „Wir haben zum Glück keine Kinder“, meinte sie einmal erleichtert. So betrachte ich die Sache lediglich als Gütertrennung. Da muss man erst die fünfzig überschreiten, um wirklich erwachsen zu werden und Realitäten zu erkennen. Ist das nicht fürchterlich?“
Helen fühlte sich nicht befugt zu einer Stellungnahme. Sie wollte sich auch nicht mit anderer Leute Probleme beschäftigen, wo sie doch selbst jemanden an ihrer Seite brauchte, der ihr bei ihrer Vergangenheitsbewältigung half.
Die beginnende Beziehung zu Martha war noch nicht so intensiv, um sich ihr völlig anzuvertrauen. In vielen Nächten stand sie auf, weil Albträume ihr den Schlaf raubten. Morgens war sie dann völlig verwirrtb. Sie musste etwas dagegen tun, sich nicht in ihrem Zimmer einigeln, sondern mehr Abwechslung suchen. So war die Bekanntschaft mit Martha ein guter Anfang.
Beide verstanden sich glänzend und kamen sich dennoch nicht näher. Die Bereitschaft, dem anderen zuzuhören, war da, doch waren beide unfähig, der anderen Trost zu spenden.
Helen jedenfalls war froh, durch Martha Abwechslung zu finden, so wie beim bevohrstehenden Theaterbesuch.
Helen zog noch etwas Lippenstift nach und formte ihren Mund zu einer Kussform, wobei sie lachen musste.
Ihre Betrachtung wurde jäh von ihrer Vermieterin unterbrochen, die von unten mit schriller Stimme heraufrief:
„Miss McManus, ich glaube, Ihre Freundin ist da!“ Nach wenigen Sekunden wiederholte sie mit Nachdruck: „Miss McManus, hören Sie? Ihre Freundin wartet!“
Von der keifenden Stimme aufgeschreckt, bat Helen Mrs.Crawfort, Martha hereinzulassen. „Nein, nein, liebe Miss McManus, Sie kennen ja meine Grundsätze, keine fremden Leute ins Haus.“
Ärgerlich steckte Helen ihre Puderdose in die Handtasche, schlüpfte in die Pumps und eilte die Treppe hinunter. Durch die halb geöffnete Tür zu Mrs. Crawforts Wohnzimmer sah sie die Alte, mit Lockenwicklern im Haar und speckigem Bademantel, am Fenster sitzen.
„Ich gehe jetzt, Mrs. Crawfort, einen aufregenden Abend noch.“
„Was? Ach ja, kommen Sie nicht zu spät, ich lege sonst den Riegel vor.“
Als Helen zu Martha ins Auto stieg, schickte sie noch einen wütenden Blick auf die sich bewegende Gardine.
„Hattest du Ärger, Liebste?“, fragte Martha.
„Nein, nicht direkt, ich hatte dir ja von dem Hausdrachen erzählt. Ich kann ihre Bevormundungen nicht mehr ertragen. Morgen gehe ich zum Makler. Es gibt ja schließlich noch mehr alte Damen, die durch Vermietungen ihre Rente aufbessern wollen.“
„Lass mich dir dabei helfen. Ganz in meiner Nähe ist eine schöne Mansardenwohnung mit Blick auf die Rennbahn frei geworden. Wäre das nicht etwas für dich?“
„Oh, fantastisch, ja natürlich. Wann kann ich mir das einmal ansehen?“, wandte sie sich begeistert ihrer Freundin zu. Ihre gute Laune war blitzartig zurückgekehrt. „Ja, toll, so siehst du gleich viel besser aus“, lachte auch Martha. „Auch deine neue Frisur steht dir gut. Da könnte man neidisch werden, wie frisch und jung du aussiehst.“
„Das täuscht, nach Johns Tod ist mir nicht mehr zum Bäumeausreißen zumute“, resignierte sie gleich wieder.
Martha legte tröstend ihre linke Hand auf ihren Oberschenkel. Die Wärme, die von Martha ausging, durchströmte Helen wohltuend. Sie lehnte sich behaglich in die Polster zurück und sah dem monotonen Auf und Ab des Scheibenwischers zu. Das für diese Jahreszeit übliche Londoner Schmuddelwetter war eingetreten.
Erst vor dem Theater wurde ihr bewusst, dass sie darauf nicht vorbereitet war. Da merkte man, dass sie noch nicht wirklich in London angekommen war. Um diese Jahreszeit lief hier doch jeder mit einem Regenschirm rum. Doch wie von Zauberhand hielt Martha zwei Knirpse in der Hand. „Die kluge Frau baut vor“, meinte sie lachend und spannte einen Regenschirm für Helen auf. Das war mal wieder typisch Martha, dachte Helen, immer praktisch, an alles denkend.
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