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Die Digitalisierung zeigt, dass neue Technologien zwar neue Chancen eröffnen – sie zu verwirklichen, bleibt jedoch der Job von Menschen.
Dort, wo Mitarbeiter als Menschen und Leistungsträger wertgeschätzt werden und sich mit Engagement einbringen können, ist exzellente Performance zu Hause. Menschlichkeit zu spüren, bringt in jedem Mitarbeiter das Beste zum Vorschein und macht Unternehmen erfolgreich.
Genau zu dieser Haltung entwickelt Feelgood Management die Praxis. Es unterstützt Unternehmen und ihre Mitarbeiter, die enormen Anforderungen des digitalen Wandels in einem positiven, menschlichen Arbeitsumfeld zu meistern. Feelgood Management schafft ein neues Wir-Gefühl, die Lust am Mitgestalten und das passende Mindset: Wertschätzung, Vertrauen, Hilfe zur Selbsthilfe und Spaß.
Führungskräfte, Angestellte und alle, die wissen wollen, warum Feelgood Management zukunftsrelevant ist, welche Haltung und konkreten Schritte in Organisationen notwendig sind, und welche Rollen der Feelgood Manager hat, erhalten hier die entscheidenden Impulse. Inspirierende Beispiele aus Unternehmen zeigen außerdem, was das System Feelgood Management leisten und bewirken kann.
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Seitenzahl: 179
Veröffentlichungsjahr: 2021
1. Auflage
© WALHALLA Fachverlag, Regensburg
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Menschlichkeit kultivieren, Bestleistung ernten
Die Digitalisierung zeigt, dass neue Technologien zwar neue Chancen eröffnen – sie zu verwirklichen, bleibt jedoch der Job von Menschen.
Dort, wo Mitarbeiter als Menschen und Leistungsträger wertgeschätzt werden und sich mit Engagement einbringen können, ist exzellente Performance zu Hause. Menschlichkeit zu spüren, bringt in jedem Mitarbeiter das Beste zum Vorschein und macht Unternehmen erfolgreich.
Genau zu dieser Haltung entwickelt Feelgood Management die Praxis. Es unterstützt Unternehmen und ihre Mitarbeiter, die enormen Anforderungen des digitalen Wandels in einem positiven, menschlichen Arbeitsumfeld zu meistern. Feelgood Management schafft ein neues Wir-Gefühl, die Lust am Mitgestalten und das passende Mindset: Wertschätzung, Vertrauen, Hilfe zur Selbsthilfe und Spaß.
Führungskräfte, Angestellte und alle, die wissen wollen, warum Feelgood Management zukunftsrelevant ist, welche Haltung und konkreten Schritte in Organisationen notwendig sind, und welche Rollen der Feelgood Manager hat, erhalten hier die entscheidenden Impulse. Inspirierende Beispiele aus Unternehmen zeigen außerdem, was das System Feelgood Management leisten und bewirken kann.
Monika Kraus-Wildegger […] postuliert nicht nur Grundlegendes zu zwischenmenschlichen Beziehungen in Unternehmen, sie liefert auch optimistische Zukunftsvisionen in Räumen des Wohlfühlens und der Entfaltung und wirft einen Blick auf Kulturgestaltung mit und Wertschöpfung aus Feelgood Management. Pure Utopie? Dagegen sprechen die handfesten best-practice-Beispiele, mit denen die Autorin ihr Plädoyer für mehr Wertschätzung und Menschlichkeit in der Arbeitswelt beschließt. textundwort.at
Das Buch umreißt klar das Berufsbild, die Aufgaben und Funktionen der Feelgood Manager und zeigt an Praxisbeispielen, wie sie in zukunftsfähigen Unternehmen wirken. Christiane Kürschner, www.roter-reiter.de, Managementbuch.de
Die Digitalisierung ist nur vordergründig eine technologische Revolution. Viel massiver sind die sozialen Umwälzungen. Wenn Unternehmen Schritt halten wollen, brauchen sie dringend eine Feelgood-Kultur. Monika Kraus-Wildegger erklärt anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse und zahlreicher Praxisbeispiele, was es damit auf sich hat. Dabei räumt sie gründlich mit einer ganzen Reihe von Vorurteilen auf. Eine interessante Lektüre für alle, die die Anforderungen der modernen Arbeitswelt bewältigen möchten. diepresse.com
Das Buch ist ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit und Freude an der Arbeit. Es räumt gleichzeitig mit falschen Vorstellungen über eine "Wohlfühlkultur" auf, da es die Notwendigkeit, in dieser neuen Form zusammen zu arbeiten aus gesellschaftlichen, technischen und demografischen Entwicklungen heraus begründet und als unverzichtbar postuliert, wollen Unternehmen zukunftsfähig bleiben. Alte Arbeitsmodelle sind nicht mehr wirtschaftlich tragfähig und machen die Menschen auch nicht glücklich. Wertvoll ist diese doppelte Sichtweise: Menschlichkeit und Glück auf der einen, wirtschaftlicher Erfolg auf der anderen Seite. Thomas Reinhardt, socialnet.de
SPRECHEN SIE DIE SPRACHE DER HERZENSMITARBEITER
WAS WIR VON DEN SKANDINAVIERN LERNEN KÖNNEN
1. GRUNDLEGENDES VORWEG: WAS IST FEELGOOD?
2. ARBEIT EIN HALBES LEBEN
3. KULTUR: BETRIEBSSYSTEM EINER ORGANISATION
4. HUMAN ELEMENTS: MENSCHLICHKEIT
5. HUMAN CORE RÄUME DES WOHLFÜHLENS UND DER ENTFALTUNG
6. FEELGOOD MANAGEMENT: URSPRUNG, MYTHEN, ZAHLEN, DATEN, FAKTEN
7. DAS GOODPLACE-MODELL: FEELGOOD-KULTURGESTALTUNG MIT SYSTEM
8. FEELGOOD MANAGER: KLISCHEES, AUFGABEN, ROLLEN, AUSBILDUNG, ZUKUNFT
9. FEELGOOD-KULTURGESTALTUNG PRAXIS-BEISPIELE
10. WAS IST ZU TUN?
Anhang
Für immer mehr Menschen steht das Wohlfühlen in und mit dem Unternehmen als menschliches Grundbedürfnis vor der reinen Erfüllung der Anforderungen. Unternehmen müssen für sich die Frage beantworten können: Wofür wollen wir als Unternehmen stehen und welche Arbeitsbeziehungen möchten wir pflegen?
Die Zukunft gehört Organisationen, die es verstehen, neben interessanten Aufgaben und Herausforderungen den Nachweis der Menschlichkeit führen zu können.
Firmen, die heute ein Feelgood Management-System implementiert haben, kennen die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter. Sie wissen, wo sie stehen und wo noch Luft nach oben ist. Sie verfügen über einen Systemansatz, mit dem sie Rahmenbedingungen etablieren, die das Wohlfühlen in und mit dem Unternehmen kultivieren helfen.
In den kommenden Kapiteln werde ich ausführlich beleuchten, warum Menschlichkeit ein zunehmend wichtiger Wert für Unternehmen ist. In der Herleitung werden cross-funktionale Perspektiven aus der Neurobiologie, Psychologie, Organisationssoziologie, und Philosophien zu New Work und Führung eingenommen.
Ob Fach- oder Führungskraft, ich schreibe dieses Buch in Anerkennung für Menschen, denen das Wohl ihres Unternehmens am Herzen liegt. Für Menschen, die sich täglich dafür einsetzen, dass zwischenmenschliches Wohlsein und emotionale Verbundenheit Teil der Arbeit sind und als solche gelebt werden. Es sind Menschen, denen es nicht egal ist, dass die Arbeitsatmosphäre nicht stimmt. Ihre Arbeitszeit verstehen sie als Teil ihrer Lebenszeit. Sie sind aus vollem Herzen bei der Arbeit, setzen sich aus freien Stücken für ein herzlicheres Miteinander ein, oft ohne dafür Wertschätzung zu erfahren.
Was treibt sie an? – Es ist ihnen eine Herzensangelegenheit. Was ist ihr Handwerkszeug? – Emotionale Intelligenz und ein Schatz an menschlichen Erfahrungen und Einfühlungsvermögen.
Mein Appell an Unternehmenslenker und Führungskräfte: Überlassen Sie die Gestaltung Ihrer Unternehmenskultur nicht dem Zufall, dem Flurfunk oder gar Managementberatern. Besinnen Sie sich Ihrer Herzensmitarbeiter. Machen Sie sie zu Kulturgestaltern für Ihre Feelgood- und Wertschätzungskultur!
Es ist ganz einfach: Glückliche Menschen leisten bessere Arbeit.
Menschen, die ihre Arbeit gern tun und morgens mit einem Lächeln ins Büro kommen, sind das Beste, was einem Unternehmen passieren kann.
Mein Versprechen: Herzensmitarbeiter wirken ansteckend!
Warum, das erfahren Sie in diesem Buch.
Nur wenige können sicher benennen, was Feelgood Management ist, was ein Feelgood Manager eigentlich tut und was er/sie nicht machen sollte. Ebenfalls erschließt sich nicht auf den ersten Blick, warum Feelgood Management gebraucht wird. Dieses Buch will diese Lücke schließen.
Viele denken, wenn sie Feelgood Management hören, an Mitarbeiterbespaßung, Bällebad à la Google, Massage, Kicker und vielleicht an jemanden, der darauf achtet, dass die Weintrauben auch ja immer schön frisch sind.
Ein Schönwetterthema für hippe Digital-Unternehmen auf Erfolgskurs? Rollt indes die nächste Sparrunde, ist es gleich vorbei mit Feelgood? Weit gefehlt – Feelgood Management ist viel mehr. Was genau, das lesen Sie auf den folgenden Seiten.
Mein Ziel ist es, diese Vorurteile abzubauen und einen realistischen Eindruck in dieses wichtige Thema zu bieten. Deshalb räumt dieses Buch mit Klischees auf, gibt Antworten, liefert Argumentationsketten, zahlreiche erfolgreiche Beispiele aus der Praxis und einen Ausblick in die Zukunft des Feelgood Managements.
Wollen wir nicht alle Herzensmitarbeiter sein?
Unsere Arbeitszeit als erfüllte Lebenszeit erleben?
Teil eines großartigen Teams sein?
Etwas Sinnhaftes leisten, wertgeschätzt werden und dabei am Markt gewinnen?
Ist das die Sehnsucht von Träumenden oder ist das schon Wirklichkeit? Nach der Lektüre dieses Buchs hat nicht nur jeder für sich selbst eine Antwort, sondern auch eine überzeugende Argumentation parat.
Monika Kraus-Wildegger
Ausschließlich im Sinne der besseren Lesbarkeit verwenden wir im Text nicht überall die gendergerechte Sprache, selbstverständlich sind jederzeit alle Geschlechter gemeint.
„Und? Wie war der Mathetest?“, frage ich meine Tochter, 6. Klasse, vorsichtig. Seit Sommer 2018 wohne ich mit ihr in Stockholm. „Keine Ahnung“, so die lässige Antwort aus dem Nebenzimmer. „Sind nicht alle fertig geworden. Wir schreiben morgen weiter.“
Eigenmotivation, Leidenschaft und Neugierde behält man am besten ohne Druck. Und der Samen dazu wird früh in die jungen Wikingerherzen gepflanzt. Das Resultat hatte ich bereits während meiner Forschungsreise durch 30 skandinavische Unternehmen sehen können. Skandinavier sind wirtschaftlich sehr erfolgreich. Sie sind Vorbilder im Schulsystem, in der Nachhaltigkeit und der Digitalisierung und hoch innovativ. Darüber hinaus gehören sie seit Jahrzehnten zu den glücklichsten Ländern der Welt. Und das trotz winterlicher Dunkelheit und Kälte. Verflixt! Wie machen die das nur?
Ganz einfach. Es sind bereits Feelgood-Länder. Sie zeigen uns die großartige Zukunft, die wir auch kreieren können: Eine holistische und humane Arbeitswelt, die auf Eigenantrieb setzt, anstelle von Druck. Skandinavier setzen sich bereits seit Jahrzehnten bewusst an vielen Fronten für diese Kultur ein. Uns hingegen bleiben nicht mehr, als ein paar Jahre, denn die heutigen Entwicklungen sind nicht mehr linear, sie sind rasant und exponentiell. Wir müssen uns sputen! Dabei können uns Feelgood Manager als Katalysatoren helfen, den notwendigen Veränderungsprozess von der traditionell Arbeitskultur hin zu einer tief menschlichen Kultur zu begleiten.
Menschlichkeit bedeutet im Norden zum Beispiel, dass es Noten erst ab der sechsten oder achten Klasse gibt, Entwicklungsgespräche hingegen bereits in der ersten. Denn es geht nicht darum, dass alle Menschen zur selben Zeit genau das Gleiche beherrschen, sondern darum, die Einzigartigkeit eines jeden erblühen zu lassen. Nur dann kann etwas Neues, Unerwartetes entstehen. „Sei du!“ ist der Kernwert des Nordens. Was erhalten wir dadurch? Selbstbewusste Menschen, die nicht einfach irgendetwas tun, sondern hinterfragen, sich einbringen und mitdenken. Nur einzigartige Menschen können einzigartige Beiträge liefern. Im Übrigen inklusive ihrer Schwächen, Ecken und Kanten, die man nicht ängstlich verstecken muss. Wikinger müssen nicht lernen, „out of the Box“ zu denken. Sie waren nie in dieser Box. Sie „schreiben morgen einfach weiter“. Denn Schulen wie Unternehmen formen sich um die Menschen herum. Und das ist schlau, denn dadurch nutzen sie deren Energie und die Kraft der Leidenschaft aller. Warum nicht um 15 Uhr die Kinder abholen? Warum nicht mittags im hauseigenen Fitnessstudio schwitzen oder ein Nickerchen halten? Menschen sind effizient, wenn sie die Energie aus den verschiedenen Lebensbereichen nutzen.
Und wer kontrolliert dann die Rasselbande? Diese Frage sollten Sie im Norden niemals stellen. Es sind „high-trust“-Länder! Man versteht sie nicht! Denn Menschen werden im Norden nicht kontrolliert. Das ist die Essenz. Man hat Vertrauen. Die gesamte Gesellschaftsstruktur baut auf dem Gedanken auf, dass der Mensch gut ist und nur sein Bestes geben möchte.
Wikinger haben nicht nur Vertrauen in andere Menschen, sondern auch in die Zukunft. Statt Neuem mit Skepsis zu begegnen, lautet das Motto: „Erst machen, dann entschuldigen.“ Während wir noch am Rand herumtippeln, krachen sie mit einer Arschbombe neben uns durchs Eis. Vertrauen und Furchtlosigkeit sind die besten Voraussetzungen für Zukunftsliebe.
Und für eine fruchtbare Zusammenarbeit. Denn selbstbewusste Persönlichkeiten müssen sich nicht beschützen, Wissen horten und die Gemeinschaft mit ihren Egos torpedieren. „Wenn eine Person in etwas nicht so gut ist, wie ich, dann lasse ich sie das nicht spüren. Ich helfe ihr lieber so gut zu werden, wie ich“, so ein Teamleiter bei einem Lastwagenhersteller in Schweden. Im Norden stellt man einander Räuberleitern statt nach unten zu treten. Die Aufgabe der Manager ist es dabei, die Teams so zusammenzustellen, dass jeder den anderen in seiner Einzigartigkeit vervollständigt. Viele Menschen zusammen können etwas Großartiges erschaffen, solange sie so unterschiedlich wie möglich und so unangepasst wie nötig sein dürfen. Das Gefühl der Zugehörigkeit, das dann entsteht, ist der größte Glückstreiber überhaupt.
Deshalb „Skål!“ Auf die Arschbomben und Räuberleitern der Zukunft!
Maike van den Boom
Maike van den Boom ist Glücksforscherin, Rednerin, New Work-Expertin und Bestsellerautorin des Buches Acht Stunden mehr Glück. Sie lebt in Stockholm.
DEFINITION: WAS IST EINE FEELGOOD-KULTUR?
DEFINITION: WAS IST FEELGOOD MANAGEMENT?
DEFINITION: WAS IST EIN FEELGOOD MANAGER?
Es gibt nicht nur die eine Kultur im Unternehmen, sondern immer viele Teilmengen von Wertekulturen, selbst wenn es eine Leitkultur als Firmenkultur gibt.
Feelgood-Kultur ist die menschliche Wertekultur-Landkarte eines Unternehmens.
Feelgood Management ist ein Kultur- und Querschnittsthema der modernen Arbeitswelt, das Unternehmen befähigt, ihre Menschlichkeit zu kultivieren.
Feelgood Manager sind Kulturgestalter für wertschätzende menschliche Arbeitswelten.
ARBEITEST DU NOCH ODER LEBST DU SCHON EIN GUTES LEBEN?
DIE ARBEITSWELT VON MORGEN HAT SCHON BEGONNEN
VORDENKER EINER MENSCHLICHEN ARBEITSWELT
FÜNF TREIBER FÜR MEHR MENSCHLICHKEIT
ACHTSAMKEIT IST MEHR ALS NUR EIN TREND
Der Mensch verbringt einen Großteil seiner wachen Lebenszeit im Job – durchschnittlich ergibt das die astronomische Zahl von 70.000 Lebensstunden.1 Gleichzeitig sind immer weniger Menschen dazu bereit, ihr Leben auf den Feierabend zu verschieben. Arbeit ist Teil des Lebens. Doch einen guten Job machen zu können und dafür Wertschätzung zu erhalten, ist Teil eines guten Lebens. Manche Experten postulieren das anbrechende Zeitalter von radikal neuen Formen des menschlichen Arbeitens. Im Mittelpunkt stünde der Mensch Mitarbeiter2 mit seinen psychosozialen Fähigkeiten von Empathie, Fingerspitzengefühl und Kreativität.
Kommt Ihnen das auch ein bisschen wie bei Loriot vor? Die Frage „Wo laufen Sie denn?“ steht sinnbildlich für die Frage: Wo wird denn bereits radikal neu gearbeitet? Gibt es den Beruf des Feelgood Managers schon und wenn ja, warum und wozu setzen Unternehmen den Manager für das gute Gefühl ein?
Während meiner beruflichen Zeit als Nachhaltigkeitsexpertin in Asien hat meine Vision von einer besseren Arbeitswelt und mehr Menschlichkeit langsam Gestalt angenommen. Im Land der aufgehenden Sonne, wo die längste Werkbank der Welt steht, in Gestalt von Tausenden von Herstellungsbetrieben, in denen Abertausende Arbeiter und Arbeiterinnen unsere Konsumgüter herstellen, ist das „Arbeithaben“ kein Selbstverständnis und sind internationale Sozialstandards immer noch ein Luxus. Wenn das Recht auf einen sicheren Arbeitsplatz ohne Verletzungsgefahr, Recht auf Toilettengang, Recht auf Pausen oder Recht auf bezahlte Überstunden nicht selbstverständlich sind, ist der Wunsch nach mehr Menschlichkeit selbstredend.
Gehen wir zurück ins Jahr 2012, in das Jahr, in dem ich meine Firma GOODplace gegründet habe, um Unternehmen dabei zu unterstützen, mithilfe von Feelgood Management mehr Menschlichkeit und damit Zukunftserfolg im Unternehmen zu kultivieren. In dieser Zeit hatte ich häufig das Gefühl, im falschen Film zu sein. Worauf hatte ich mich da nur eingelassen? War dieses Brett vielleicht doch zu dick für mich?
Nein, meine Intuition, mein Fingerspitzengefühl, meine kristalline Intelligenz, das Lern- und Erfahrungswissen aus vielen Jahren Arbeits- und Lebenserfahrung, die ich als Informatikerin und Nachhaltigkeitsmanagerin im Dienste internationaler Organisationen und Konzerne erworben habe, bestärkten mich in meiner Überzeugung: Menschlichkeit wird auch in der Wissensarbeit gebraucht, das heißt dort, wo mithilfe unserer mentalen und kognitiven Fähigkeiten Wertschöpfung entsteht. Meine Überzeugung ist, dass Menschen nur einen guten Job machen können, wenn sie sich wohl fühlen und ihre Tätigkeit sinnstiftend empfinden.
In der Gründungszeit von GOODplace traf ich auf viele verschiedene Menschen und Meinungen. Sobald das Gespräch auf Feelgood Management kam, nahm die weitere Diskussion gerne mal Loriot-hafte Züge an:
„Das hätte ich auch gerne. Nackenmassage und Bällebad à la Google.“
„Brauchen wir nicht. Kicker und Obstschale haben wir schon.“
„Ihre Probleme hätte ich gerne. Bei uns hilft nichts mehr, unser soziales Klima ist kalt wie eine nasse Hundeschnauze.“
„Das ist bei uns Aufgabe der Führungskräfte.“
„Zwangs-Happiness – das geht nun wirklich zu weit!“
Die Vorstellung, Spaß und Freude bei der Arbeit zu haben und morgens tatsächlich gerne zur Arbeit zu gehen, polarisiert offenbar deutsche Büroarbeiter wie kein zweites Thema. Die einen entrüsten sich, denn schließlich habe Arbeit nicht Spaß zu machen. Nur wenn Arbeit frei von Spaß sei, sei alles in Ordnung. Hier schimmern noch stark die preußischen Tugenden von Pflicht und Fleiß durch.
Dagegen findet sich eine diamental konträre Haltung zur Arbeit unter den Vertretern der Millennials, das heißt Menschen, die zwischen 1980 und den frühen 2000er-Jahren geboren wurden. Dazu einige Beispiele aus meinem Kundenkreis:
Julia (31), Projektmanagerin: „Meine Arbeitszeit ist meine Lebenszeit. Ich bin nicht bereit, diese Zeit in einen Job zu investieren, der mich anödet und worin ich keinen Sinn sehe. Ich möchte einen Job, der Spaß und Sinn macht, wo ich mich wohl fühle mit dem, was ich tue.“
Marco (35), Software Engineer: „In einem Unternehmen mit einem miesen Arbeitsklima würde ich keine vier Wochen arbeiten. Wenn Führungskräfte das nicht hinkriegen, hapert es auch an anderen Stellen. Da bin ich ganz schnell weg.«
Maren (37), Teamleiterin: „Ich verbringe 50 Prozent meiner Wachzeit mit meinen Kollegen und Team. Logischerweise will ich mit ihnen gut klarkommen und auch etwas mehr als Formalitäten mit ihnen austauschen.“
Aber auch bei anderen Generationen verschiebt sich die Haltung zur Arbeit deutlich:
Tanja (48), Marketing Managerin: „Ich habe in der Vergangenheit immer mehr als 100 Prozent im Job gegeben und wenig Wertschätzung und Lob erhalten. Jetzt mache ich Dienst nach Vorschrift und bau mir nebenher etwas auf, woran mein Herz hängt.“
Roland (43), Data Specialist: „Was mich betrifft – ich mag nur noch in Wertegemeinschaften arbeiten und versuche Schicksalsgemeinschaften zu meiden. Das rockt richtig!“
Die Haltung von einst – leben, um zu arbeiten –, ist für viele Menschen nicht mehr zeitgemäß. Vor allem jüngere Generationen streben heute nach einem guten Leben. Arbeit nimmt zwar einen wichtigen Teil in der eigenen „Lebens-Journey“ ein. Die neue Haltung sagt jedoch auch: „Meine Arbeitszeit ist ein Großteil meiner Lebenszeit.“ Damit verändert sich der Blick auf die Arbeit fundamental.
Arbeit und Leben sind unsere zwei Lungenflügel.
ANSELM BILGRI, EHEMALIGER BENEDIKTINER PATER UND PRIOR VON KLOSTER ANDECHS
Überraschende Erkenntnisse liefert eine seit 1938 bis heute andauernde Harvard-Studie,3 die das menschliche Glück untersucht. „Das Einzige was im Leben zählt, sind die Beziehungen zu Menschen“, sie machen uns glücklich, so die abschließende Erkenntnis von Harvard-Professor Robert J. Waldinger.
Wenn Privatmenschen also genau dann glücklich sind, wenn sie enge soziale Verbindungen eingehen und zwischenmenschliche Beziehungen pflegen, warum sollte es dann bei Mitarbeitern anders sein?
Mit der veränderten Haltung zu „meine Arbeitszeit ist meine Lebenszeit“ sind die menschlichen Grundbedürfnisse4 Freude, Wohlfühlen, Gemeinschaft und Sinn nicht länger eine Privatangelegenheit, die jeder für sich selbst regelt und völlig entkoppelt von Arbeit stattfindet. Ganz im Gegenteil: Das umfassende Streben nach einem guten Leben katapultiert menschliches Feelgood mit Wucht in die Arbeitswelt hinein.
www.stern.de/panorama/gesellschaft/24-jahre-schlafen-dafuer-geht-unsere-lebenszeit-drauf-3136732.html
2Sprenger, R. K.: Radikal digital. Deutsche Verlags-Anstalt 2018.
3www.ted.com/talks/robert_waldinger_what_makes_a_good_life_lessons_from_the_longest_study_on_happiness
4Max-Neef, M. A.: Human Scale Development, Dag Hammarskjöld foundation. Development Dialogue 1989.
Unsere Arbeitswelt steht an der Schwelle zu einem revolutionär neuen Zeitalter. Noch sind wir ganz am Anfang einer datengetriebenen Welt. Ausgelöst durch die Digitalisierung lösen sich bislang geltende Paradigmen auf und stellen die gesamte Wirtschaftswelt auf den Kopf. Die Corona-Pandemie beschleunigt diesen Prozess.
Neue Geschäftsmodelle schießen wie Pilze aus dem Boden. Traditionelle Geschäftsfelder und sicher geglaubte Erlöse können schneller wegbrechen, als man schauen kann. Denken Sie nur an den smarten, kostenlosen Nachrichtendienst WhatsApp, der mit seinem Geschäftsmodell die bis dahin bekannte Handy-Kurznachricht beinahe vollständig überflüssig machte.
Gleichzeitig bietet diese Entwicklung enorme Chancen für Firmen, um neue Märkte, neue Produkte und neue Kunden zu erschließen. Neues Denken und Handeln sind gefragt. Denn smarte Lösungen erfordern die Intelligenz von vielen. Essenziell wichtig ist dabei die nahezu unbegrenzte Veränderungsbereitschaft der Betriebe und ihrer Mitarbeiter.
Das größte Taxiunternehmen der Welt hat kein einziges Taxi.
Der größte Einzelhändler der Welt hat kein einziges Geschäft.
Die größte Hotelplattform der Welt besitzt kein einziges eigenes Zimmer.
Zugleich werden Millionen von Menschen durch einzelne eigene Zimmer zum Hotelier.
AART DE GEUS, VORSTANDSVORSITZENDER BERTELSMANN STIFTUNG
Damit verändern sich auch Organisationsstrukturen von Unternehmen nachhaltig. Neue Formen der Zusammenarbeit stellen den ganzheitlichen, selbstgesteuerten und selbstwirksamen Menschen mit seinen psychosozialen Fähigkeiten und seinem Fachwissen in den Mittelpunkt – Stichwort: agiles Arbeiten – und lassen neuartige Gestalter-Rollen, wie Feelgood Manager entstehen.
Haben bislang technische Lösungen die volle Aufmerksamkeit von Managern erhalten, schwenkt das Spotlight der Dringlichkeit nun um auf den Mensch Mitarbeiter. Die Digitalisierung spielt als Technik nur vordergründig eine Rolle. Die wahre Wirkung liegt im Sozialen – in der menschlichen Kultur.
Je weiter die Digitalisierung voranschreitet, desto wertvoller und gefragter werden die menschlichen Fähigkeiten Kreativität, kritisches Denken, vernetzte Kommunikation, selbstständiges Arbeiten, emotionale Intelligenz und Empathie.
Je dynamischer sich das wirtschaftliche und technologische Umfeld ändert, desto rascher und effektiver müssen Anpassungs- und Lernprozesse in Unternehmen erfolgen. Doch das gelingt nur im sozialen Miteinander auf der Basis einer starken Mannschaft.
Dafür braucht es passende Rahmenbedingungen, die eine positive nachhaltige Kulturentwicklung hin zu mehr WIR-Gefühl möglich machen. Bislang hat für Unternehmen die Gestaltung ihrer menschlichen Kultur, bis auf wenige Ausnahmen, keine hohe Priorität in der Geschäftsführung. Warum das riskant ist, lesen Sie im folgenden Kapitel. Doch vorher kommen Vordenker aus den Chefetagen zu Wort, die zeigen, dass es auch anders geht.
Die klassische Arbeitskultur ist geprägt von starren Arbeitszeiten und dem Gefühl der Mitarbeiter, nur eine Personalnummer zu sein. Das verstärkt bei den Menschen das Gefühl der Entfremdung und dem Fremdgesteuertsein. New Work – eine Philosophie des neuen Arbeitens – hingegen stellt die Frage nach einem Sinn, einer menschlichen Kultur und einem Rahmen, wie wir Arbeit heute in einer Wissensgesellschaft (selbst) organisieren.
Der über 80-jährige Frithjof Bergmann, der Vordenker der „New Work“-Bewegung, plädiert als Gegenentwurf zur heutigen Lohnarbeit, das „zu tun, was man wirklich will“5, also arbeiten, wofür das eigene Herz schlägt:
New Work ist die Arbeit, die ein Mensch „wirklich, wirklich will“!
