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Als Neuerung sind alle beim Einmarsch in Belgien und Frankreich erfassten Städte und Dörfer mit einer Kurzbiographie aufgeführt. An einer historischen Rund- u. Zeitreise interessierte Leser können so auf den Spuren von Reinhard Busch wandeln. Gott sei Dank musste ich als Nachkriegsjahrgang 1945 bis jetzt keinen Krieg direkt miterleben. Das Tagebuch zeigt dem Leser, wie Hoffnungen zerbrechen, weil der Vormarsch immer wieder ins Stocken gerät. Außerdem zeigt die Chronologie im Tagebuch, wie sehr sich Menschen in kurzer Zeit verändern können. Die Nahkämpfe Mann gegen Mann außerhalb der Schützengräben mit Gewehr und Bajonett , die vielen toten Kameraden neben sich. Sie hausen z.B. in einer Höhle oder in einem selbst gebauten Unterstand, weil sie Sicherheit gegen Artilleriebeschuss bietet. Am Anfang haben ihn drei tote Belgier geschockt. Einige Wochen später schreibt er ganz nüchtern von hunderten toter Franzosen und Engländer, nachdem unsere Artillerie ganze Arbeit geleistet hat. Brutale Kriegsereignisse mit menschlichen Schicksalen in einem fremden Land zu erleben, das hat vor 100 Jahren mein Großvater Reinhard Busch in einer kleinen schwarzen Kladde (ca. DIN A6) aufgeschrieben. Vom Blitzkrieg zum Alptraum. Anmerkung: Die Erklärungen spezieller militärischer Ausdrücke sind gerahmt.
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Seitenzahl: 145
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Ganz besonderer Dank an dieser Stelle gilt meinen beiden Mitstreitern bei der Transkription des handgeschriebenen Tagebuchs „Feldzug 1914“ von Kurrent-Schrift in eine Druckschrift:
Ursula Türk und Hans-Hermann Beyer.
Ihr habt mir sehr geholfen und damit so manche Stunde Arbeit erspart.
Danke!
*** 1887 +++ 1965
Auf „Manöver“ 1909 als Reservist Reinhard Busch 2. von rechts
1. Teil
Aufbau des Buches
Vorwort und Einleitung
Feldzug 1914
Militärpaß
Chronologisches Kriegstagebuch
Waffenstillstand von Compiegne
Historische Rundreise
Reinhard u. Luise Busch
Heldenephos Sturmangriff Nouvron
2.Teil
Beginn 2. Teil
Diverse Seiten aus dem Tagebuch
Transkription Originaltext von Kurrentschrift in Druckschrift
Presseberichte aus der BZ u. PN
Dokumente und Orden
Anekdoten / Anmerkungen
Die Schwarze Kladde
Schlußwort
Der Tagebuchtext ist in dem Zeitraum vom 5. August bis zum 6. Dezember 1914 nach Datum sortiert und chronologisch angeordnet.
Er entspricht bis auf wenige, nicht mehr lesbare Stellen, einer 1 : 1 Transkription von Kurrent (Altdeutsche Schrift) in Garamond (lateinische Druckschrift).
Das Tagebuch ist in „Kurrent“ Schrift (Deutsche Schrift bis ca. 1924) und nicht „Sütterlin“, (Deutsche Schrift 1924 bis 1941) geschrieben, wie bei der Erstausgabe angenommen.
Spezielle Ausdrücke sind fett/kursiv gedruckt. Erklärungen und Hinweise dazu sind in gerahmten Textfeldern in Kursivschrift gehalten und zu erkennen. Erklärt werden zum größten Teil militärische Begriffe im Text, die vielleicht nicht jeder kennt.
Alle Einmarschrouten und Bewegungen während dieser o.g. Einsatzzeit sind als Skizzen und nicht unbedingt im Detail exakt dargestellt. Die Namen der Ortschaften sind fett gedruckt.
Neu...Neu...Neu
Als Neuerung habe ich die von ihm erfassten Dörfer und Städte die sie durchquerten für eine historische Rund- und Zeitreise aufbereitet. Jeder durchquerte Ort ist erfasst und in einer kurzen Biographie mit Lage, Einwohner, Geschichte und Sehenswürdigkeiten beschrieben. Dieser Teil des Buches beginnt am Ende des Tagebuchs auf Seite →. So können Leser mit diesem Buch realistisch auf den Spuren von Reinhard Busch wandeln. Für die Leser, die ein großes Interesse an historischen Begebenheiten wie dem 1. Weltkrieg haben, besteht so die Möglichkeit, mit Auto, Bus oder Bahn, das Ausmaß an Kriegsbrutalität vor Ort zu erkunden. An historischen Stätten begreifen, was dort passiert ist, was speziell die Deutschen den Belgiern und Franzosen angetan haben, ja, was sie sich gegenseitig angetan haben.
Es sind Gedenkstätten wie Soldatenfriedhöfe, Monumente, Denkmäler, Museen, sowie erhaltene Bunker, Höhlen, Unterstände und Schützengräben zu sehen, wie sie vor 100 Jahren gebaut wurden. Wo die ganze Tragik noch einmal regelrecht gefühlt werden kann. Es gibt hier Schlösser, Burgen, Kathedralen, Kirchen und Zitadellen zu besichtigen. Es gibt auch wunderschöne Landstriche. Aber als krasse Gegensätze sind heute noch große Landstriche in apokalyptischem Aussehen. Auf alten Schlachtfeldern sind auch 100 Jahre danach Zerstörungen und Kampfspuren deutlich erkennbar.
.....und dann die riesigen Felder mit Grabkreuzen!!!
Das macht uns immer wieder sprachlos.
Enthält in Kopie 1 : 1 alle beschriebenen und interessanten Seiten der kleinen schwarzen Tagebuch-Kladde.
Der Tagebuchtext ist nach Datum sortiert und z. Teil nicht chronologisch angeordnet, sondern auch nach speziellen Ereignissen von 1 bis 7 im Kurrentschrift-Text unterbrochen und nachgeschrieben auf darauf folgende Seiten. Die Transkription der Texte aus dem Tagebuch ist seitenweise und zeilengetreu erfolgt, sodaß alles nachgelesen werden kann.
Dieses Buch ist meinem Großvater Reinhard Friedrich Busch, dem Vater meiner Mutter gewidmet. Er wurde 1887 geboren und lebte überwiegend in Hornburg und Braunschweig. Nach seinem Schulabschluss machte er bei der Maschinenbaufirma Schaaf in Braunschweig eine Ausbildung zum Schlosser. Danach arbeitete er als Geselle bei verschiedenen Maschinenbaubetrieben in Braunschweig, Magdeburg und in der Zuckerfabrik Hornburg. Es handelt sich hier um ein Kriegstagebuch. An dieses Tagebuch kam ich durch meine Mutter, die mir außerdem auch noch andere persönliche Sachen wie Fotos, Urkunden, Zeugnisse und Erinnerungen von sich und meinen Großeltern hinterlassen hat. Ich sollte „gut darauf aufpassen“! Im 100. Jahr (2014) nach Beginn des 1. Weltkriegs, fiel mir das Tagebuch wieder in die Hände. Bei einer allgemeinen Unterhaltung darüber im Freundeskreis interessierte man sich plötzlich für den Inhalt im Einzelnen. Darauf konnte ich keine Antwort geben, denn alles war in Kurrentschrift (Altdeutsche Schrift) geschrieben. Konnte ich nicht lesen. Außerdem war bei 33 Zeilen pro Seite, im Krieg, sehr klein und platzsparend geschrieben worden. Das Ganze war auch schon 100 Jahre alt und dementsprechend „gealtert“. Auf jeden Fall packten mich doch Neugier und Ehrgeiz, um zu erfahren, was mein Großvater vor 100 Jahren aufgeschrieben hatte. Also lernte ich als Nächstes mit Hilfen aus dem Internet „Sütterlin“, später „Kurrent-Schrift“, um das Tagebuch lesen und in eine Druckschrift übersetzen (Transkription) zu können. So erfuhr ich, wie sich Krieg mit Massensterben in einem fremden Land anfühlt. Wochen gingen ins Land, bis alle Texte übersetzt waren. Daraus wurde dieses Buch zu meinem „Feldzug 2014“ in die Literatur.
Eine militärische Ausbildung hatte Reinhard Busch um 1907-1909 im sog. „Manöver“, in etwa gleich zusetzen mit unserer Wehrpflicht, in Magdeburg erhalten. Er bekam seinen Wehrpass und wurde als Reservist geführt bis zur unseligen Mobilmachung nach dem Attentat in Sarajewo (Bosnien – Herzegowina), bei dem am 28. Juni 1914 der Erzherzog und Thronfolger von Österreich-Ungarn Franz Ferdinand erschossen wurde. Am 28. Juli erklärte Österreich Serbien den Krieg. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. sagte den Österreichern bedingungslose Unterstützung zu und folgte ihnen mit der Mobilmachung gleich am 01. August 1914. Somit nahm die bis dahin größte Tragödie der Menschheit ihren Lauf. Es gab auch eine volksverhetzende Propaganda von allen Beteiligten, wie sie noch nie da gewesen war. Die Bevölkerung und die Soldaten jubelten noch bei Kriegsbeginn, weil sie alle glaubten, den Krieg bis Weihnachten 1914 als Sieger beenden zu können.
Die Chronologie im Tagebuch zeigt dem Leser, wie sich der Mensch bei einem „Feldzug“ in extremen Situationen nach kurzer Zeit verändert. Man spürt, wie Reinhard Busch schnell mitleidslos wurde, an banalen Dingen, die zum Überlebenskampf gehörten. Unzählige Male muß er einen Schutzengel gehabt haben, um zu überleben, unzählige Male mußte er eine neue Gruppe (Korporalschaft) mit neuen Kameraden auffüllen, weil fast alle anderen gefallen oder verwundet waren.
Die Kämpfe „Mann gegen Mann“, wenn sie aus dem Schützengraben raus mußten und mit Gewehr und Bajonett aufeinander los gejagt wurden. Die vielen Kameraden, die er an seiner Seite hat sterben sehen. Trotz aller Brutalität hat sich mein Großvater niemals abfällig oder beleidigend in irgendeiner Form über seine Feinde geäußert, die Franzosen, Belgier und Engländer, wenn er mir vom Krieg erzählt hat. So war er schon froh, in einer Höhle unter zu schlüpfen, um eifacher überleben zu können, weil sie vor Artilleriebeschuss schützte. Oder die Freude über ein Stück Schokolade. Am Anfang haben ihn drei tote Belgier geschockt. Sechs Wochen später berichtet er ganz nüchtern von hunderten toter Franzosen und Engländer, nachdem seine Artillerie „ganze Arbeit“ geleistet hat.
Ich bin Jahrgang 1945 und habe Gott sei Dank bis jetzt keinen Krieg direkt miterleben müssen. Dieses Glück hatte mein Großvater Reinhard Busch und mein Vater nicht. „Meine Erlebnisse aus dem Kriege“ hat vor gut 100 Jahren mein Großvater chronologisch in eine kleine schwarze Kladde ca. DIN A6 mit Kalender geschrieben. Er nannte das Tagebuch „Feldzug 1914“, weil dieser ja bis Weihnachten 1914 siegreich beendet sein sollte. So wird dem Leser Sterben und Überleben an der Front hautnah beschrieben.
Lassen Sie sich mit diesem Buch 100 Jahre zurück versetzen in eine Zeit ohne Funk, ohne Handy, fast noch ohne Strom, ohne großartige Rechte. Jeden Tag und jede Nacht mit Todesangst im Nacken und die ständige Angst der Angehörigen. Das Endergebnis waren ca. 17.000.000 Tote, unzählige zerstörte Städte, und unschätzbares Leid der Menschen in allen beteiligten Ländern.
Rolf Schaumburg
Feldzug 1914
Teil 1
Das Original Front - Tagebuch des
Reinhard Busch
Chronologisch geordnet
Belgien & Frankreich
August bis Dezember 1914
Er bekam seinen Militärpaß und wurde als Reservist geführt..........Manöver 1907 - 1909
5.-8. August 1914
Am 4. Mobilmachungstag, das war der 05.August 1914, wurde ich beim Reserve Infanterie Regiment 27 in Halberstadt (Kreis Magdeburg) eingekleidet. In Halberstadt blieben wir bis zum 9. August. Wir, H. Reckert, H. Peinemann (beide auch aus Hornburg) und ich, hatten ein feines Stadtquartier in der Kühlinger Straße 8. Beim Witwer Illdebach. Die Leute taten alles, um uns die letzten Stunden vor dem Ausmarsch so angenehm wie möglich zu machen. Beim Abmarsch bekam jeder eine Flasche Rotwein und Lebensmittel.
Infanterie sind spezielle Truppen für Nahkampf am Boden.
Halberstadt ist eine Stadt in Sachsen-Anhalt, die Kühlinger Straße 8 ist nach dem 2. Weltkrieg auch wieder aufgebaut.
9. August
Wir fuhren am Sonntagmorgen des 9. August um 6 Uhr von Halberstadt über Vienenburg, Goslar und kamen nach 23 -stündiger Fahrt in Gerresheim bei Düsseldorf an. Mitternacht wurden wir von der Bevölkerung aufs Herzlichste begrüßt. Liebesgaben wurden uns gereicht, bestehend in Kaffee, Zigarren, Zigaretten, Kautabak, Bonbons, Zitronensaft für den Durst.
10. August
In Gerresheim bekamen wir Kaffee und dann ging es nach Neuss, ein kleines Städtchen auf der anderen Rheinseite von ungefähr 3000 Einwohnern. Hier kam ich mit meinem
Korporal entspr. Unteroffizier, Gärtnerei-Sohn aus Hornburg
Korporal Fritz Trauernicht in Quartier bei einer Kauf mannswitwe unter. Auch hier wurden wir liebevoll bewirtet.
12. August
Am anderen Morgen ging´s bei Zeiten weiter bis Königshoven. Hier hatten wir einen Ruhetag.
Wir alle waren froher Laune.....
.....man zog jubelnd und bejubelt in den Krieg.
13.- 17. August
Von Königshoven aus marschierten wir bis Aachen. Die Sonne brannte furchtbar und uns Reservisten und Landwehrleuten wurde der Weg dadurch noch beschwerlicher. Einen Tag hatten wir auch noch in Jülich verbracht. In Aachen verblieben wir vom 14.-17. August. Wir hatten hier die Marschstraßen zu bewachen. Ich lag wieder mit Fr. Trauernicht in Quartier bei Justizrat Krug, Harscampstr 46.
Über sog. Marschstraßen liefen die Militärtransporte mit Mensch und Material
Auch hier erfuhren wir eine gute Verpflegung. Beim Ausmarsch erhielten wir geschnittene Brote, Schokolade und Zigarren. Wir benutzten unsere freie Zeit, uns die Sehenswürdigkeiten von Aachen anzusehen. So waren wir im Dom, im Rathaus, im Kaisersaal und an der Schwefelquelle.
18. August
Am 18. marschierten wir über die belgische Grenze und bezogen noch einmal Quartier in Welkenraedt/ Belgien. Wir lagen zu 5 Mann bei einem Pfarrer. Abends bekamen wir Wein und Zigarren. Am nächsten Morgen ging es schon bei Zeiten weiter. Um ½ 2 Uhr machten wir weiter nach Belgien rein und zwar waren wir jetzt in Divisionsstärke.(je nach Truppenteilen 10-20.000 Mann)
Belgien war zu der Zeit ein neutrales Land und die Einwohner widersetzten sich dem deutschen Einmarsch.
19. August
An diesem Tage sahen wir die ersten Gräuel des Krieges. In einem Dorfe lagen 3 Leichen. Diese Menschen waren niedergeschossen, weil sie auf unsere Truppen geschossen hatten. Grässlich war der Anblick. Ich habe den Mittag nicht essen können. Immer sah ich die Drei vor mir, das ganze Dorf war nieder gebrannt, den Abend bezogen wir Nachtbiwak in Bassenge.
20. August
Hier wurden wir nachts durch Schüsse aus dem Schlaf geweckt. Eine Feldwache war durch die Bevölkerung angegriffen. Bei Zeiten marschierten wir wieder weiter auf Tongeren zu, wo wir in der Nähe Biwak bezogen. In Tongeren waren fast sämtliche Häuser ausgeplündert.
Biwak ist ein behelfsmäßiges Feldlager im Freien.
Am 20. bezogen wir wieder Biwak bei Grande le Tirlemont (Tienen). Das ist eine Stadt von ungefähr 10.000 Einwohnern. Auch hier hatten die Einwohner auf uns geschossen und alles wurde ausgeplündert. Die herrlichsten Sachen lagen auf den Straßen, sämtliche Fenster und Türen waren zertrümmert.
21. – 22. August
Am 21. bezogen wir wieder Biwak und am 22. August zogen wir in die Hauptstadt Belgiens, in Brüssel ein. Hier lagen wir in den Räumen der Kriegsschule, aber nur eine Nacht.
23. August
Am anderen Morgen 23.8. ging es wieder fort und wir trafen am Abend in Saint Barbe/Nivelles ein. Hier hatten wir keine lange Ruhe.
24. August
Denn bereits um 1 Uhr nachts 24.8. mussten wir wieder antreten und bezogen ein Abend-Biwak.
25. August
Am nächsten Morgen, dem 25.8. überschritten wir bei Conde sur l´Escout die französische Grenze und kamen am Abend in Valenciennes in Quartier im Justizpalast. Von Brüssel aus durfte nicht mehr geplündert werden, da sich Belgien mit einer neuen abgefunden hatte. Aber als wir die französische Grenze bei le Conde überschritten hatten, ging gleich in der ersten Ortschaft das Beschießen unserer Truppen wieder los.
Ein Regiment ist in Kompanien unterteilt, eine Kompanie in Züge und ein Zug in Gruppen oder Trupps.
In Valenciennes blieb unser zweiter Zug zurück Wir mussten von den Einwohnern abgegebene Waffen vernichten, viele Gewehre und 16 Ztr. Munition. Wir hatten den Auftrag Munition zu vergraben. Die Gewehre wurden zerschlagen. Nachdem wir diese Arbeit erledigt hatten, marschierten wir weiter und bezogen die Nacht am 26. Ortsbiwak in Effry. Hier fand ich einen schönen Browning(Handfeuerwaffe, Pistole). Anschließend kauften wir noch alle feine Leckerbissen ein und zogen dann unserer Truppe nach.
Nachtrag
Eine kleine Episode habe ich noch vergessen nieder zuschreiben. Es war ungefähr am 25. August, als unser zweiter Zug wieder eine extra Aufgabe hatte. Wir waren als Seitendeckung. Als Solche mussten wir ein kleines Dorf nach Franzosen revidieren.
Feldwebelleutnant Jahn zog mit 5 Mann Patrouille, wozu ich auch gehörte, durch das Dorf, fanden aber nichts.
Dienstgrad zwischen Feldwebel und Leutnant /Reserveoffizier
Patrouille dient zur Aufklärung von Geländegegebenheiten
Wir revidierten die Einwohner nach Brot und sonstige Lebensmittel. Es war nicht viel zu holen, die Leute hatten selbst nichts mehr. Nach kurzer Zeit zogen wir mit wenig revidierten Waren wieder zum Dorf hinaus. Vor dem Dorf war ein kleines Gehölz mit dichtem Unterholz. Dieses sollten wir abpatrouillieren.
Wir waren schon ziemlich durch, und wollten wieder umkehren, als plötzlich aus dem Holze geschossen wurde. Wir haben nach allen Seiten gelauscht, fanden aber nichts. So zogen wir weiter, unseren Truppen nach. In allen Dörfern, wo wir hielten, suchten wir die Keller ab. Wir fanden fortan sehr viel Rotwein, der uns vortrefflich schmeckte.
26. August
Beim Vormarsch auf Boue war ich freiwillig als Patrouille mit. Hier erlebten wir einen Spaß. Als wir uns vorsichtig der Ortschaft näherten, wurden wir von den Einwohnern freundlich zugewinkt. Wir staunten noch, gingen dann aber vorsichtig weiter, man wusste nicht, ob es ein Trick oder ein Irrtum war. Tatsache ist, daß uns die Franzosen für verbündete Engländer hielten.
Wir kamen dann ungeschoren in die Ortschaft rein und was erlebten wir: Französische Landwehr überraschten wir beim Einkleiden und zwar gleich vor der Kaserne. Erst als wir die Soldaten zusammen schoben, zum Abmarsch in die Gefangenschaft, wurden die Leute munter.
Landwehr ist eine Grenzbefestigung /Grenzsicherungstruppe
Die Kaserne war voll besetzt. Die Besatzung fing etwas an zu schießen, aber wir hatten 2 Geschütze bei der Vorhut. Diese fuhren sofort in Stellung und schossen nur 2 Schuss in das Dachgeschoss. Darauf besannen sich die Franzmann sofort und hissten die weiße Flagge(dem Gegner ergeben). Zirka 1500 Mann gingen in Gefangenschaft.
Vorhut sind Späher, die den Vormarsch sichern
Nachdem wir diese Arbeit erledigt hatten, marschierten wir weiter und bezogen die Nacht am 26. Ortsbiwak in Effry .
Nachtrag zum 26.08.1914:
Am 26.8. kamen wir zum ersten Mal ins Gefecht.
Wir waren in zweiter Linie ausgeschwärmt.
Zum Schießen kamen wir nicht. Unsere Gegner waren Engländer. Unsere Artillerie hatte furchtbar gewütet Wir kamen an einem englischen Schützengraben vorbei, der angefüllt war mit toten Feinden. Den meisten war der Schädel auseinander gerissen. Grässlich war der Anblick. Abends nach vollendetem Kampf sollten wir in Effry Ortsbiwak beziehen. Da jedoch der Ort von unseren Truppen überfüllt war, mussten wir bis zum nächsten Dorf marschieren.
Artillerie sind schwere Geschütze,die aus hinterer Stellung anderer Truppenteile z.B. Infantristen unterstützen.
Es war bereits 11 Uhr abends, wir lagen noch auf der Straße vor dem Orte. Eine Abteilung- 36 musste voraus und als sie in die Nähe der Kirche kamen, wurden sie von dort aus beschossen. Es stellte sich heraus, dass die ganze Kirche voll Engländer steckte. Es folgte ein kleines Gemetzel und nach ungefähr 1 Stunde zogen wir wieder zum vorigen Dorfe zurück. Hier wurde unsere 3. Kompanie in einem kleinen Bauernhause untergebracht.
Abteilung Reserve-Infanterie-Regiment 36 gehört auch zur 13. Reserve-Infanterie-Brigade, wie wir, das 27-er auch.
27.- 28. August
Dann ging der Marsch weiter und wir bezogen am 27. und 28. August wieder Biwak.
29. August
Am 29. passierten wir Bapaume und bezogen in der Nähe Biwak. In Bapaume kamen wir in aller Frühe an. Wir mussten vorher unser Gepäck ablegen und rückten jetzt truppweise ein und durchstöberten die Häuser nach versteckten französischen Soldaten. Hatten aber keine gefunden.
Aus einer Tür trat eine Frau, noch im Nachtkostüm und bot mir Rotwein an. Erst als sie uns zu trank, haben auch wir getrunken. Man musste vorsichtig sein, wegen Gift. Im Kriege und im Feindesland muss man mit allem rechnen.
Einen Granatensplitter, der ihn nur knapp verfehlte und neben ihm in eine Wand einschlug, hat er mit zurück in die Heimat gebracht. Hier wurde ein Brieföffner daraus, den er mir schenkte:
Als Glücksbringer!
30. – 31. August
Am 30. u. 31. hatten wir wieder Biwak.
1. September
Am 1. September kamen wir an Amiens vorbei. Hatten wir bis jetzt keinen direkten Feind vor uns, so sollte er sich bei Creil/Oise zeigen. Hier wütete ein erbitterter Straßenkampf und wir hatten die ersten Verwundeten.
In Creil hatten wir die Aisne-(Oise)Brücke gesprengt und wir wurden in kleinen Kähnen übergesetzt, die 3. Komp. voran.
2. September
Der Straßenkampf in Creil war bald zu unseren Gunsten entschieden. Die Häuser, aus denen geschossen wurde, wurden in Brand gesetzt. Wir sammelten uns dann vor der zerstörten Brücke. Diese war in der Mitte gesprengt und lag im Wasser. Die beiden Enden saßen noch am Ufer fest. Jetzt hieß es rüber kommen. Sofort wurden die Pioniere
