Ferien am Waldsee - Carl Laszlo - E-Book

Ferien am Waldsee E-Book

Carl Laszlo

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Beschreibung

Erinnerungen eines Überlebenden

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Seitenzahl: 132

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Carl Laszlo

FERIEN AM WALDSEE

Erinnerungen eines Überlebenden

Herausgegeben und mit einem Geleitwort von Albert C. Eibl

Mit einem Nachwort von Alexander von Schönburg

das vergessene buch

Unsere Neuausgabe von Ferien am Waldsee orientiert sich an der erstmals 1955 von Peter Rippmann in Basel herausgegebenen Originalausgabe. Offensichtliche Fehler wurden korrigiert. Orthographische wie stilistische Eigenheiten des Autors wurden in seltenen Fällen – nämlich dort, wo sie sinnentstellend wirkten – vom Herausgeber geglättet.

1. Auflage 2020 Das vergessene Buch | www.dvb-verlag.at

Copyright © by dvb Verlag GmbH, Wien Alle Rechte vorbehalten

Printed in Germanyfsc® Mix Credit zertifiziert

Umschlaggestaltung: gianluca coscarelli, Hamburg Satz: kevin mitrega, Schriftlösung Wien Druck und Bindung: cpi books, Leck

isbn 978−3−903244−04−7

INHALT

ZUM GELEIT

Albert C. Eibl

FERIEN AM WALDSEE

Carl Laszlo

LIEBESDIENST

Alexander von Schönburg

albert c. eibl, geboren 1990 in München, ist Verleger und Germanist. Als Gründer und Inhaber des Wiener Verlags Das vergessene Buch war er maßgeblich an der Wiederentdeckung der österreichisch-jüdischen Schriftstellerinnen Marta Karlweis, Else Jerusalem und Maria Lazar beteiligt. Darüber hinaus forscht er zu Ernst Jünger. Zuletzt erschien von ihm die Monographie: »Der Waldgang des Abenteuerlichen Herzens. Zu Ernst Jüngers Ästhetik des Widerstands im Schatten des Hakenkreuzes«. Winter Verlag, Heidelberg 2020.

ZUM GELEIT

Albert C. Eibl

Als Germanist und Verleger lange zu Unrecht vergessener Bücher entwickelt man irgendwann ein instinktives Gespür dafür, wenn man im weitverzweigten Reich der angestaubten, aber kunstvoll komponierten Wortgebilde einmal mehr auf etwas Großes stößt. So ging es mir auch an einem verregneten Spätnachmittag im Oktober letzten Jahres, als mir Alexander von Schönburg im Stammhaus des Café Einstein zu Berlin das erste Mal von Carl Laszlo und Ferien am Waldsee erzählte. Es war die Geschichte eines Mannes, der erlebt und auf abenteuerlichste und zugleich unwahrscheinlichste Weise überlebt hatte, was zweifellos zum Unerträglichsten und Grauenerregendsten der neueren Zivilisationsgeschichte zählt: die mörderische Lagerhaft in den großen nationalsozialistischen Ausrottungsmaschinerien Auschwitz, Buchenwald und Theresienstadt.

Das vor den Kopf stoßend Neue bzw. Einmalige an der Geschichte, wie sie Carl Laszlo in seinem Buch erzählt – ein Passionsweg, den Schicksalsgenossen wie Primo Levi, Jean Améry, Imre Kertész und viele andere in zahlreichen Abwandlungen packend und erschütternd zugleich beschritten haben – ist die in Ferien am Waldsee propagierte Haltung der unbedingten Furchtlosigkeit angesichts und inmitten des Schreckens, eine vis calcandi supra scorpiones, um mit Ernst Jünger zu sprechen, die mit einer kristallklaren, objektiv-distanzierten Sicht auf jene Vorgänge am absoluten Nullpunkt der Zivilisation einhergeht – und die das kaum in Sprache zu fassende Grauen durch bewusste Aussparungen zumindest ansatzweise sinnlich erfahrbar werden lässt.

Der Entwicklung dieser ›kalten persona‹1 – die einen erhöhten, der Wirklichkeit entrückten Beobachterstandpunkt einnimmt, um sich dem zum Himmel schreienden Leiden rings herum psychisch zu entziehen – hat Carl Laszlo wahrscheinlich sein geistiges Überleben zu verdanken: sowohl in Auschwitz als auch in den folgenden, überaus produktiven und rauschhaft-heiteren Jahrzehnten seines Lebens.

In der Figur Aliegos, die im zentralen fünften Kapitel des Buches eingeführt wird, um danach immerwieder vom Autor zum mitleidlosen Kommentator des nihilistischen Treibens im Lager berufen zu werden, begegnen wir keinem Geringeren als Carl Laszlo selbst. Aliego ist sein Alter Ego:

Er war ein merkwürdiger Mensch; er kam mir so fremd und doch verwandt vor: ungarischer Jude, aus einer Familie, die, wie zahlreiche jüdische Familien in Ungarn, im Magyarentum völlig aufgegangen waren, ihre Kinder in Klöstern erziehen ließen, Offiziere wurden und sich meistens auch in die Taufe begeben hatten. Er kam aus dem Süden von Ungarn, sprach ein sehr schönes und reines Ungarisch [...]. Immer wieder betonte er, dass er nicht unglücklich sei, im Konzentrationslager gelandet zu sein, dass er um keinen Preis darauf verzichten würde, all dies gesehen zu haben. (S. 63f.)

Auch Carl Laszlo hat in Gesprächen nach 1945 immer wieder betont, dass er an seinen Erfahrungen in Auschwitz bedeutend gereift sei und dass er sich keineswegs als Opfer betrachte, da er ja aus seiner Lagerzeit keinerlei Schäden, weder physisch noch geistig, davongetragen hätte. Ganz im Gegenteil habe er durch seinen Aufenthalt im KZ »ein unglaubliches persönliches Siegesbewusstsein« entwickelt: »Ich habe Hitler besiegt, ich habe ihn überlebt und fühle mich nicht beschädigt.«2 Dieses Siegesbewusstsein, das Laszlo selbst mehr als einmal als moralisches Defizit erkannte, gab ihm letztlich die Kraft, nicht an Auschwitz zu zerbrechen.

Neben der Entwicklung und Literarisierung einer dem Stoizismus verpflichteten Ich-Panzerung, die das Mitleid notwendig ausschließen muss, um das nahezu Unerträgliche erträglich zu machen, aktualisiert Laszlo in Ferien am Waldsee den barocken Topos des theatrum mundi, des Weltentheaters, in der jeder die für ihn vom Schicksal vorherbestimmte Rolle nach seinem Ermessen und Können zu spielen hat – komme, was da wolle. Im vierten Kapitel, das den Titel Romeo und Julia trägt, kontrastiert Laszlo Verse aus der wohl schönsten Liebesgeschichte der Weltliteratur mit den nihilistischen Vorgängen im nächtlichen Vernichtungslager. Während der Erzähler Shakespeare lesend auf dem Abort sitzt und Flammen hell auflodernd aus den Kaminen des Krematoriums schlagen, während gleichzeitig auf der Rampe ein Zug Neuangekommener von

Mengele in die Gaskammern dirigiert wird, verwandelt sich ebenjenes Krematorium unter den Augen des lesenden Erzählers wie des an der Erzählung Anteil nehmenden realen Lesers auf groteske Weise in den

Garten des Capulet’schen Hauses, mit Julia am Fenster, und zwischen ihr und dem versteckten Häftling waren Tausende von Kindern, Greisen, schwangeren Frauen, Kranken, Betrügern und Betrogenen, Reichen und Schlechtweggekommenen, Tugendhaften und Dirnen zu Asche gebrannt worden. Und wie auf den Blättern des zerfetzten Buches die Szenen wechselten und aus Capulets Garten die Zelle Bruder Lorenzos wurde, erschien mir in den Flammen das Kloster, die Schule, wo wir als Jungen das Leben unter ungarischem Himmel für einen großen Spielplatz ansahen, ausgelassen und sorgenlos die Kräfte unserer erwachenden Geschlechtlichkeit bald wild, bald gebändigt erfuhren und die Gedanken aus Büchern in uns aufgenommen hatten, aus Büchern, welche von den verschiedensten Dingen erzählten, aber in denen nichts von dieser Welt hier erwähnt wurde. (S. 58f.)

Eine ungeheuerliche Szene, die in der Holocaustliteratur, ja vielleicht sogar in der gesamten Weltliteratur ohne Beispiel sein dürfte, wird hier doch eines der großen Wahrzeichen der westlichen Hochkultur mit dem wohl bedeutendsten Mahnmal ihrer tiefsten Niederung in eine direkte, metaphorisch äußerst wirkmächtige Beziehung gebracht. Ohne sein eigenes Schicksal oder das seiner Mithäftlinge heroisieren zu wollen, ohne anzuklagen und zu trauern, macht Laszlo Auschwitz in Ferien am Waldsee zur Bühne. Indem er sich selbst als Statist in einem dämonischen Schauspiel begreift, dessen düsterer Ausgang nicht in seiner Macht steht, bewahrt er sich seine Würde. Hinter seiner Handlungsmaxime, auch vor dem Schrecklichsten nicht die Augen zu verschließen und keinesfalls zu verzweifeln, verbirgt sich jedenfalls ein heroischer Akt:

»Ich habe das Ganze angeschaut wie einen FelliniFilm; ich habe gesagt, wir sind in der Hölle; das ist ein unglaubliches Erlebnis, in die Hölle zu gehen, und ich bin aus der Hölle zurückgekommen. Das hat mich fasziniert, das Wort ›fasziniert‹ klingt ein bisschen überheblich, trifft aber den Sachverhalt. Ich habe immer gesagt, man muss ganz genau zuschauen, sowas haben bisher ja nur ein Dante oder Orpheus gesehen.«3

Carl Laszlos 1955 im Selbstverlag erschienener, auf Deutsch verfasster Überlebensbericht ist bis heute, trotz zweier durch den Autor finanzierter Neuauflagen in den Jahren 1981 und 19984, so gut wie unbekannt, obwohl er zu den frühesten und zweifellos eindrücklichsten literarischen Zeugnissen des Holocaust zählt. Es ist zu hoffen, dass mit der hier nun vorliegenden Neupublikation von Ferien am Waldsee endlich eine bedeutende Wende in der Rezeption dieses mehr als außergewöhnlichen Schriftstellers und (Über-)lebenskünstlers eintritt. Die unbeugsame Stimme, die uns aus diesen Seiten entgegenhallt, hat es verdient, gehört zu werden.

Wien, im September 2020

 

1 Den Begriff entlehne ich Helmut Lethens richtungsweisendem Kultbuch von 1994: Verhaltenslehren der Kälte. Lebensversuche zwischen den Kriegen.

2 Das wohl ausführlichste schriftlich fixierte Gespräch über Ferien am Waldsee und seine Zeit im KZ hat Udo Breger mit Carl Laszlo unter dem Titel 35 Jahre danach geführt. Abgedruckt im erweiterten Reprint der Originalausgabe, die 1981 im Verlag des Herausgebers Expanded Media Editions in Bonn erschienen ist. S. 113-161, hier S. 122.

3 Ebd., S. 122f.

4 Abgesehen von dem bereits erwähnten Reprint der Original ausgabe von 1955 erschien Ferien am Waldsee zusammen mit dem 1987 erstmals erschienenen Memoirenband Carl Laszlos Der Weg nach Auschwitz. Jugend in Ungarn letztmalig im Jahr 1998 im vacat Verlag, Potsdam – auch hier ohne nennenswerte Resonanz.

carl laszlo, geboren 1923 in Pécs, gestorben 2013 in Basel, war ein ungarisch-jüdischer Sammler, Kunsthändler, Psychoanalytiker, Literat und Lebemann. Nach einer sorgenfreien Kindheit in großbürgerlichem Ambiente und einem angefangenen Medizinstudium wird er 1944 mit seiner gesamten Familie nach Auschwitz deportiert. Nach seiner Befreiung bei Kriegsende flieht er nach Basel, wo er schnell eine neue Heimat findet. In den darauffolgenden Jahren studiert Laszlo Psychoanalyse bei Leopold Szondi, zieht kurzzeitig zu Allen Ginsberg und William S. Bourroughs nach New York, gründet Zeitschriften und schreibt Aufsehen erregende Theaterstücke und Manifeste. Durch Hans Arp inspiriert, gründet er 1962 eine Kunstgalerie in Basel, die schnell zu einem Drehkreuz des internationalen Kunsthandels und Jet-Sets avanciert. Christo und Andy Warhol geben sich hier ebenso die Klinke in die Hand wie Patricia Highsmith und der Dalai Lama.

Neben seinen zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Erinnerungsbänden »Ferien am Waldsee« (1955) und »Der Weg nach Auschwitz« (1987) zeugt seine nahezu 15. 000 Exponate umfassende Sammlung, die Werke von René Magritte, Otto Dix, Andy Warhol und Salvador Dalí enthält, für die herausragende Bedeutung seines weitverzweigten Lebenswerks.

Portrait Carl Laszlos von Christian Schad (1894-1982) Bleistift auf Papier, 1969

Zur Erinnerung an

BENNO HELLER

Arzt aus Berlin

Zuletzt gesehen in Oranienburg, vermutlich umgekommen im Konzentrationslager Groß-Rosen

»Man soll nur reden, wo man nicht schweigen darf; und nur von dem reden, was man überwunden hat – alles andere ist Geschwätz, ›Literatur‹, Mangel an Zucht.«

Friedrich Nietzsche

VORWORT

Ein Waldsee inmitten von Tannenwäldern kann den ruhelos gewordenen Menschen an sein verborgenes Schicksal mahnen. Mit seinem stillen, durchsichtigen Wasser vermag er zum Sinnbild einer gefährlichen Klarheit zu werden und damit zum Verderben. Man kann sich zu dem Waldsee so hingezogen fühlen, dass man jährlich zu ihm zurückkehren muss wie zu einem Familiengrab; nur droht er den Weg zum Meer zu versperren. Ein Waldsee spiegelt an seiner Oberfläche, wie die menschliche Seele, alles wider, was ihm erscheint, aber keiner sieht auf den Grund. Die Gestirne ziehen täglich über den Waldsee hinweg, um ihn herum wechseln die Jahreszeiten, er aber bewahrt in allen Wandlungen seine letzten Geheimnisse.

Manch ein Leser wird sich fragen, warum es nötig sei, zehn Jahre nach Kriegsende die grausamen Erinnerungen an die Konzentrationslager in Deutschland aus der oberflächlichen Vergessenheit wieder heraufzuholen, warum die Verstorbenen und ihre Henker wieder für die Toten und die Taten zeugen müssen. Warum kann man diese Dinge nicht als vergangen und endgültig erledigt betrachten?

Ich habe absichtlich zehn Jahre lang gewartet, um Abstand zu jenen Ereignissen zu gewinnen und von den unvermeidlichen Ressentiments so weit als möglich freizuwerden; heute glaube ich darüber sprechen zu können. Die Aktualität der hier mitgeteilten Erlebnisse scheint mir außer jedem Zweifel zu sein. So wie die Verdrängung unverarbeiteter Erlebnisse später zu einer gestörten Entwicklung des individuellen Charakters führen kann, so besteht auch die Gefahr, dass die Erlebnisse, welche bei Opfer und Verfolger der Konzentrationslager, ungelöst und unaufgeklärt, mit Affekten höchster Intensität beladen, unterdrückt und vergessen werden sollen, heute oder später in bekannten oder unvorhergesehenen Formen wiederkehren. Darum ist heute eine Vergegenwärtigung der Konzentrationslagererlebnisse für Leser und Schreiber unter Umständen nicht ohne Gewinn.

Es wäre ja auch naiv, zu denken, dass ein System, das die Konzentrationslager hervorbrachte, einfach vom Himmel gefallen sei und die Menschen damit schlagartig zu anderen Menschen geworden seien; dass nachher alles ebenso rasch verschwinden und an den Menschen spurlos vorübergegangen sein könnte. Das ganze Phänomen gliche dann einem Albtraum, aus dem man nur aufzuwachen brauchte, und alles wäre vorbei. Zu dieser Deutung neigen die meisten Menschen. Dem muss entgegengehalten werden, dass die hier geschilderten Geschehnisse tatsächlich vor zehn bis zwölf Jahren inmitten Europas sich abgespielt haben, dass alle diese Dinge heute in ähnlicher oder veränderter Form sich in anderen Ländern wieder abspielen und sie morgen wieder vor unseren eigenen Augen erscheinen könnten.

Was den Titel dieses Buches betrifft, so gibt es diesen Waldsee in Wirklichkeit natürlich nicht. Aber bekannt war er eine Zeitlang, denn als einige Gruppen von Verhafteten damals aus Ungarn nach verschiedenen Konzentrationslagern verschleppt wurden (das Reiseziel war unbekannt), erhielten einige ihrer Familienmitglieder gelegentlich Postkarten mit vorgedrucktem Text und eigenhändiger Unterschrift der Deportierten. Dies vermochte die Angehörigen umso mehr zu beruhigen, als der Stempel der Karte lautete: »Am Waldsee«.

Carl Laszlo, Basel 1955

MENGELE KOMMT

»Und die sieben Engel mit den sieben Posaunen hatten sich gerüstet zu posaunen. Und der erste Engel posaunte; und es ward ein Hagel und Feuer, mit Blut gemengt, und fiel auf die Erde...«

Die Offenbarung des Johannes 8, 6-7

Im Konzentrationslager kam man meistens in der Nacht an. Wir mussten aus den Eisenbahnwagen aussteigen, standen auf einer Rampe – und schon wurden die Frauen von den Männern getrennt. Alle wurden von SS-Leuten vorwärts getrieben. Zur Seite brannten mehrere große Feuer. »Es werden wohl, aus hygienischen Gründen, die Kleider verbrannt«, dachten wir damals beim Anblick der Krematorien. Es war ziemlich dunkel auf der Rampe, man verlor leicht seine Angehörigen im großen Tumult, es ging alles sehr rasch vor sich, und man wurde ständig nur immer vorwärtsgejagt. Nach einigen Minuten hielt die Kolonne an einem beleuchteten Ort. Dort saß ein hoher, elegant und sauber gekleideter junger SS-Offizier, ein gutaussehender Mann, mit dunklen, vor sich hinstarrenden Augen und zusammengepressten Lippen, in aufrechter, etwas steifer Haltung, und dirigierte mit seinem rechten Zeigefinger die Vorbeigehenden einmal nach rechts, einmal nach links – die meisten nach links. Ich wurde mit wenigen anderen nach rechts kommandiert, unser Weg führte ins Bad; die anderen verloren wir aus den Augen. – So war die Ankunft. Wir wussten nicht, dass Dr. med. Mengele, der junge SS-Mann, der gelangweilt dort gesessen hatte, mit seinem Zeigefinger die Kandidaten für die Gaskammern nach links geschickt hatte.