Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
»Feuer ist eine seltsame Sache« so lautet die Botschaft, die ein Mann auf dem Küchentisch einer Frau hinterlässt. Und weil es nicht irgendeine Frau, sondern die Freundin seiner Frau ist, wird das Knistern bald gefährlich. Ein Mann, der ein schöner Mann war, wird notfallmäßig ins Spital eingeliefert und die Nachtschwester sieht sich schlagartig mit ihrer uneingestandenen Vergangenheit konfrontiert. Da sind zwei Frauen im Altersheim gelandet und haben vergessen, dass sie Mutter und Tochter sind. Lisa Elsässers Erzählungen sind aus dem meist schiefen Leben gegriffen. Ob in einer Bauernstube im Schächental oder am Schreibtisch im Unterland, ob auf dem Friedhof oder in Italien, überall lauern Gespenster. Und die brechen die Erinnerung auf, holen das Unsagbare ans Licht. In dieser hell leuchtenden, schnörkellosen und eigenwilligen Prosa kristallisieren sich die großen Themen der Literatur heraus: Liebe und Tod.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 144
Veröffentlichungsjahr: 2013
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Lisa ElsässerFeuerist eineseltsameSache
Lisa Elsässer
Erzählungen
Der Verlag dankt für die finanzielle Unterstützung:
© 2013 Rotpunktverlag, Zürichwww.rotpunktverlag.ch
Umschlagbild: photocase.com / raperonzolo
ISBN 978-3-85869-576-51. Auflage 2013
Ich widme dieses Buch meinem Mannund meinem Sohn.
Seit Tagen liegt beim Hauseingang auf der Treppe eine Münze. Ich hebe sie nicht auf.
Sie gehört mir nicht.
Vielleicht gehört sie einem Hausbewohner, der gerade in den Ferien weilt.
Oder einem Bewohner, dem eine Münze nichts bedeutet.
Einem alten Menschen, der sich nicht mehr bücken kann.
Einem Kind, das um seine fehlende Münze weint.
An der Sonne schreit die Münze.
Nachts schläft sie unbehelligt, und wahrscheinlich friert sie.
Ich hebe sie nicht auf.
Ich denke an den Abwesenden.
Denke an den Schnöden.
An den alten Menschen.
Das Kind.
Ich denke, jeder von ihnen hat eine Geschichte.
Über jeden, dem eine Münze fehlt, kann ich eine Geschichte schreiben.
Ich kann über die Treppe schreiben, die seit Tagen mit dieser verlorenen Münze lebt.
Über die Sonne, die die Münze zum Schreien bringt.
Über die Nacht, in der die Münze schläft und friert.
Ich kann sogar über mich schreiben, meine tägliche Begegnung mit dieser Münze auf der Treppe.
Aufheben werde ich die Münze nicht, die nicht mir gehört.
Nur die Geschichten um die Münze gehören mir, die stille Hoffnung, dass sie noch lange auf der Treppe liegt.
Ich werde sie auflesen, ans Licht halten und nachts, wenn alle schlafen, mit ihnen frieren oder lachen.
Es war nicht Sonntag, und an Werktagen ging man nicht fort. Obwohl nicht Sonntag war, trugen wir, meine Schwester und ich, die schönen Kleider: rotweiß gestreifte Röckchen, weiße Blusen, weiße Kniesocken und Schuhe, die vor uns mehrmals schon getragen, geflickt und neu besohlt worden waren. Es war, als ob wir auf den Jahrmarkt gehen würden. Die Mutter trug ein dunkelgraues Kleid. Sie hatte kein Jahrmarktgesicht und sagte, dass die Tante krank sei, sie sagte, sie liegt im Sterben. Wir waren zu klein. Krank, das konnten wir verstehen. Sterben, das war ein Wort aus einer andern Welt. Trotz dieser Worte war dieser Werktag für uns ein Sonntag: Mitgehen, mitdürfen war alles, was zählte.
Wir stiegen ins Postauto. Meine Schwester und ich zankten uns um den Fensterplatz. Die Mutter setzte sich in die Mitte. Ihr Gesicht sah aus wie ihr Kleid, dunkel und traurig. Auf halbem Weg wechselten wir den Platz. Mutter blieb ungewohnt ruhig, als wir, die Schwester und ich, nach vielen Straßenkurven weiß geworden waren wie die Blusen und die durchsäuerte Morgenmilch, die Brotbrocken in einen hellbraunen, alten Papiersack erbrachen, in dem der Kartoffelstaub aufwirbelte wie eine vergessene Wolke. Schön der Reihe nach, sagte sie nur. Halb gefüllt platzte plötzlich der Papiersack an einer Naht. Wie ein angestochener Ballon fiel er in sich zusammen.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
