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Das umfangreiche Werk des Rekord-Grimme-Preisträgers Dominik Graf ist so vielseitig wie kein anderes eines deutschen Filmemachers. Für Graf scheint es, was Sujet, Gattung oder Genre anbelangt, Kompetenzgrenzen schlicht nicht zu geben. Einerlei ob als Regisseur von Essayfilmen ("Das Wispern im Berg der Dinge"), Stadtporträts ("München - Geheimnisse einer Stadt") oder Melodramen ("Kalter Frühling"), von Kostümfilmen ("Die geliebten Schwestern") oder Polizeithrillern ("Im Angesicht des Verbrechens") - stets weiß der zumal fürs Fernsehen tätige Graf zu überzeugen. Und doch offenbart sich seine Könner- und Meisterschaft als "auteur" vor allem dann, wenn er sich der von ihm selbst ausdrücklich als "heilsam" bezeichneten Wirkung des Genrefilms und seiner Gesetze aussetzt, wenn er also die durch die Arbeit mit der existierenden Form entstehende Reibung nutzt, um aus und in dem schon unzählige Male Gesehenen das noch nicht Gesehene hervortreten zu lassen.
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Seitenzahl: 198
Veröffentlichungsjahr: 2015
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FILM-KONZEPTE
Begründet von Thomas Koebner
Herausgegeben von Michaela Krützen, Fabienne Liptay und Johannes Wende
Heft 38 · April 2015
Dominik Graf
Herausgegeben von Jörn Glasenapp
Redaktion: Michelle Koch
Print ISBN 978-3-86916-402-1 E-ISBN 978-3-86916-455-7
Umschlaggestaltung: Thomas Scheer
Umschlagabbildung: Im Angesicht des Verbrechens (2010).
Die Abbildungen aus den Filmen sind Screenshots von DVDs.
Die Reihe »Film-Konzepte« erscheint mit vier Nummern im Jahr.
Die Hefte können einzeln oder im vergünstigten Abonnement für € 59,– oder im UN!-Abo für € 39,– durch jede Buchhandlung oder über den Verlag bezogen werden.
Die Kündigung des Abonnements ist bis zum Oktober eines jeden Jahres für den folgenden Jahrgang möglich.
Preis für dieses E-Book € 19.99,–
E-Book-Umsetzung: Datagroup int. SRL, Timisoara
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
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© edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag GmbH & Co KG, München 2015 Levelingstraße 6a, 81673 Münchenwww.etk-muenchen.de
Dominik Graf
Herausgeber: Jörn Glasenapp
Vorwort
Felix Lenz
Dominik Grafs Ursprung als Zielpunkt. Die FAHNDER-Krimis als Skizzen zu späteren Werken
Judith Ellenbürger
»Verzockt, verfressen, verkokst, verhurt, versoffen«. Zur Körperlichkeit des Geldes bei Dominik Graf
Jörn Glasenapp
Geschichte vom alten Kind. Zur Verweigerung in Dominik Grafs HOTTE IM PARADIES
Kathrin Rothemund
Was kostet Berlin? Serialität im Angesicht des Verbrechens
Lisa Gotto
Filmische Befindlichkeiten. DAS WISPERN IM BERG DER DINGE
Florian Lehmann
Topografie, Typologie, Potentialis. Zu Michael Althens und Dominik Grafs MÜNCHEN – GEHEIMNISSE EINER STADT
Oliver Fahle
Vom Werden und Vergehen eines Mediums. Analyse, Geschichte und Poetik des Fernsehens in ES WERDE STADT! von Dominik Graf und Martin Farkas
Dominik Graf
Logbucheintrag Dezember 2014
Biografie
Filmografie (Auswahl)
Autorinnen und Autoren
Vielseitig wie kein anderes eines deutschen Filmemachers ist das mit weit über 60 Produktionen außerordentlich umfangreiche Werk von Dominik Graf, des Rekord-Grimme-Preis-Trägers, für den es, was Sujet, Gattung oder Genre anbelangt, Kompetenzgrenzen schlicht nicht zu geben scheint. Einerlei ob als Regisseur von Essayfilmen (DAS WISPERN IM BERG DER DINGE, 1997), Stadtporträts (MÜNCHEN – GEHEIMNISSE EINER STADT, 2000) oder Melodramen (KALTER FRÜHLING, 2004), von Milieustudien (HOTTE IM PARADIES, 2002) oder Literaturadaptionen (DIE FREUNDE DER FREUNDE, 2002), von Kostümfilmen (DIE GELIEBTEN SCHWESTERN, 2014) oder Polizeithrillern im Normal- oder Miniserienformat (FRAU BU LACHT, 1995, IM ANGESICHT DES VERBRECHENS, 2010) – stets weiß der zumeist fürs Fernsehen tätige Graf zu überzeugen. Und doch offenbart sich seine Könner- und Meisterschaft als auteur vor allem dann in besonders markanter Weise, wenn er sich der von ihm selbst ausdrücklich als »heilsam«1 bezeichneten Wirkung des Genrefilms und seiner Gesetze aussetzt, wenn er also die durch die Arbeit mit der existierenden Form entstehende Reibung nutzt, um aus und in dem schon zigmal Gesehenen das noch nicht Gesehene hervortreten zu lassen. Ebendies gibt sein Regiekollege Christoph Hochhäusler zu bedenken, indem er Graf als den »großen Collageur des deutschen Films« tituliert, »der die populären Muster mit Liebe, aber ohne Hörigkeit beleiht, mythische und realistische Momente in einen lebendigen Zusammenhang bringt – und immer wieder neue Wege geht«.2
Zumindest einige der hierbei von Graf zurückgelegten Strecken einer kontextsensitiven film- und fernsehwissenschaftlichen Sichtung zu unterziehen, ist das Ziel des vorliegenden Film-Konzepte-Heftes. Dieses widmet sich dem Œuvre des Filmemachers mit einem Blick, der in dreifacher Hinsicht geschärft ist: Erstens, es fokussiert dezidiert den Fernsehregisseur Graf, der zumal als ein solcher gleich in mehrfachem Sinne das schuf, was sich als Avantgarde in Serie bezeichnen ließe; zweitens, es führt den Nachweis, dass es Graf ernst damit ist, was er bereits 1977, also als 25-jähriger HFF-Student, als Ziel seiner Arbeit ausgegeben hatte, nämlich »Filme in Deutschland« und »über deutsche Realität« zu drehen;3 und schließlich, drittens, es konturiert Graf als einen Filmemacher, dessen enormes Interesse an urbanen Räumen und deren Spezifik in der deutschen Filmlandschaft sicher seinesgleichen sucht.
Die Beiträge dieses Heftes gehen auf ein Kolloquium zurück, das vom 5. bis 6. November 2014 an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg stattfand und sich unter dem Titel Avantgarde in Serie Dominik Grafs Fernsehen widmete. Den Beiträgerinnen und Beiträgern, die ihre Vorträge so zügig in druckfertige Aufsätze verwandelten, sei ganz herzlich gedankt – ebenso wie Dominik Graf, der unmittelbar vor dem Kolloquium, am 4. und 5. November 2014, in Bamberg über seine Arbeit sprach und sich trotz mannigfaltigster Verpflichtungen dazu bereit erklärte, das wissenschaftliche Textkonvolut durch einen eigenen Beitrag ganz erheblich zu bereichern.
Jörn Glasenapp
Dezember 2014
1 Dominik Graf, »›Es war alles Autodidaktik‹. Dominik Graf im Interview mit Eskalierende Träume«, http://www.eskalierende-traeume.de/es-war-alles-autodidaktik-dominik-graf-im-et-interview/ (letzter Zugriff am 12.12.2014). — 2 Christoph Hochhäusler, »Geleitwort«, in: Im Angesicht des Fernsehens. Der Filmemacher Dominik Graf, hg. von Chris Wahl, Marco Abel, Jesko Jockenhövel und Michael Wedel, München 2012, S. 7. — 3 Zit. n. Chris Wahl, »Dominik Grafs Karriere als Filmemacher zwischen Kino und Fernsehen. Eine Einführung«, in: Im Angesicht des Fernsehens. Der Filmemacher Dominik Graf, hg. von Chris Wahl, Marco Abel, Jesko Jockenhövel und Michael Wedel, München 2012, S. 32–59, hier S. 33.
Felix Lenz
Die Fahnder-Krimis als Skizzen zu späteren Werken
Dominik Graf wird 1952, also im gleichen Jahr wie das deutsche Fernsehen, geboren. Anders als für den Neuen Deutschen Film prägt das Fernsehen Grafs erste Begegnung mit dem bewegten Bild.1 Anfang der 1980er Jahre stößt seine Generation auf Vorgänger, die sich international gerade endgültig etablieren. 1982 erhalten die Unterzeichner des Oberhausener Manifests das Filmband in Gold. Im gleichen Jahr stirbt Rainer Werner Fassbinder als Legende und 1984 gewinnt Wim Wenders mit PARIS, TEXAS (1984) die Goldene Palme in Cannes. Im Kino gibt es in Deutschland für Neulinge kaum Platz. Graf erlebt dies mit seinem Erstling DAS ZWEITE GESICHT (1982) in Hof als persönliche Niederlage. Im Kern wurmt ihn, dass er nicht so vital inszeniert wie die Genrefilmregisseure aus Italien und Frankreich, die er in diesem Bedauern als seinen wahren Maßstab erkennt. Zunächst erlebt sich Graf jedoch am Rand seiner Möglichkeiten: »Um überhaupt meinen Lebensunterhalt als Regisseur zu verdienen, würde ich noch furchtbar viel üben müssen.«2
Hier rettet der bisher größte Umbruch der deutschen TV-Geschichte. 1984 wird das Privatfernsehen zugelassen. ARD und ZDF müssen sich behaupten, junge Zuschauer bedienen und ihren Hauptabend schützen. Die Lösung sind attraktive Vorabendserien, die es zugleich ermöglichen, gegen die Privaten eigene Werbeeinahmen zu generieren. Für die erforderliche Schlagzahl werden junge Regisseure, Techniker und Schauspieler gebraucht. Über Vermittlung von Freunden seines früh verstorbenen Vaters findet Graf hier einen neuen Lebensraum und wird Teil des Teams, das die Serie (1983–2001) konzipiert. Alle versuchen auf ihre Art, ihre ausgebremsten Kinoträume beim zu verwirklichen. Ein TV-Format stößt so auf einen kreativen Impetus, der vielfach zu frischen, überzeugenden Filmminiaturen führt. Dies gilt insbesondere für Dominik Graf. Er findet im Polizeifilm genau das Genre, das seine kreativen Energien freisetzt: »Eigentlich hat sich der Polizeifilm bei mir aus der natürlichen Auswahl dessen ergeben, was ich handwerklich nicht beherrschen konnte. Was ich offenbar nicht beherrschte, hab ich beim nächsten Mal auch nicht wieder versucht. Negative Selektion. (…) Der Polizeifilm ist mir relativ leicht gefallen. (…) Und aus (…) dem Spaß an meinem Umgang mit dem Genre wuchs allmählich immer stärker ein deutscher Filmtraum in mir.«
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