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Der erste Band der Reihe stellt eine aktuelle Bestandsaufnahme dar, zugleich liefert der Band neue Impulse zu einer zeitgemäßen interdisziplinären Film- und Textualitätsforschung. Das Buch ist in vier Sektionen gegliedert: In der Sektion Theoretische Grundlagen, Modelle und Reflexionen wird ein Überblick über den Textbegriff, bezogen auf seine Anwendbarkeit auf den Film, aus linguistischer, narratologischer und medienwissenschaftlicher Sicht gegeben. In der Sektion Nationale Identitäten und kulturelle Repräsentationen werden die Auswirkungen und die Rolle des Films für Identitätsbildungsprozesse und kulturelle Repräsentationen in drei Kulturkreisen untersucht: Die Sektion Zwischen Wirklichkeit und Fiktion enthält weitere Beiträge, die sich mit der komplexen Fragestellung der Beziehung von filmischer Erzählung und Wirklichkeit auseinandersetzen. In der letzten Sektion stehen im Mittelpunkt Untersuchungen, die Raum, Zeit und Bewegung als textuelle Mittel untersuchen und zeigen, wie sie filmische Texte aufbauen und die Zuschauerwahrnehmung lenken. Beiträge von Thomas Althaus, Elisabeth Arend, John A. Bateman, Gisela Febel, Knut Hickethier, Matthis Kepser, Markus Kuhn, Gerhard Lüdeker, Dominik Orth, Heinz-Peter Preußer, Norbert Schaffeld, Sabine Schlickers, Oliver Schmidt, Anja-Magali Trautmann, Janina Wildfeuer und Wolfgang Wildgen
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Seitenzahl: 750
Veröffentlichungsjahr: 2013
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John A. Bateman / Matthis Kepser / Markus Kuhn
Film, Text, Kultur
Schriftenreihe zur Textualität des Films 1
ISSN 2194-3087
Schriftenreihe zur Textualität des Films
Herausgegeben von John Bateman, Heinz-Peter Preußer und Sabine Schlickers
(Bremer Institut für transmediale Textualitätsforschung, BItT)
Internationaler Beirat der Schriftenreihe:
Stephen Brockmann (Pittsburgh), Wolfgang Bongers (PUC, Santiago de Chile),
Erica Carter (King’s College, London), Jens Eder (Mannheim), Pietsie Feenstra
(USN Paris 3), Matteo Galli (Ferrara), Britta Hartmann (Bonn/Berlin),
Vinzenz Hediger (Frankfurt/M.), Hermann Kappelhoff (FU Berlin), Ursula von Keitz (Konstanz), Frank Kessler (Utrecht), Markus Kuhn (Hamburg),
Claudia Liebrand (Köln), Fabienne Liptay (LMU München),
Karl Sierek (Jena), Hans Jürgen Wulff (Kiel).
John A. Bateman / Matthis Kepser / Markus Kuhn (Hg.)
Beiträge zur Textualität des Films
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Abbildungsnachweise: Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um
DVD-Screenshots der in den Filmografien genannten Filme, freigegebenes
Pressematerial oder von den Autoren erstellte Grafiken.
Schüren Verlag GmbH
Universitätsstr. 55 · D-35037 Marburg
www.schueren-verlag.de
© Schüren 2013
Alle Rechte vorbehalten
Gestaltung: Nadine Schrey
Umschlaggestaltung: Wolfgang Diemer, Köln
ISBN 978-3-89472-774-1
eISBN 978-3-89472-800-7
John A. Bateman / Matthis Kepser / Markus Kuhn
Film, Text, Kultur – Beiträge zur Textualität des Films
Theoretische Grundlagen, Modelle und Reflexionen
Janina Wildfeuer
Der Film als Text?
Ein Definitionsversuch aus linguistischer Sicht
Markus Kuhn
Narrativität transmedial – Von der sprachbasierten zur audiovisuellen Narratologie
Überlegungen zur medialen Reichweite der Narrativität und den Grundlagen einer audiovisuellen Filmnarratologie
John A. Bateman
Filmische Textualität jenseits der narrativen Instanz
Knut Hickethier
Film und Fernsehen als Text
Zum medienwissenschaftlichen Umgang mit dem Textbegriff
Gisela Febel
Kino und Denken
Überlegungen zu einer Philosophie des bewegten Bildes
Dominik Orth
Die Realität in der Fiktion
‹Narrative Wirklichkeit› als transmediales Konzept der Fiktions- und Erzähltheorie
Nationale Identitäten und kulturelle Repräsentationen
Sabine Schlickers
Verfilmte Geschichte Spaniens und Lateinamerikas
Elisabeth Arend
Transkulturalität und Geschichtsrepräsentation in Tony Gatlifs EXILS
Gerhard Lüdeker
Die Konstruktion von nationaler Identität in Erinnerungsfilmen
Zwischen Wirklichkeit und Fiktion
Anja-Magali Trautmann
Die Wiederentdeckung der Wirklichkeit
Eine Bestandsaufnahme zur neuen Schaulust am nichtfiktionalen Film
Heinz-Peter Preußer
Stumm – unmittelbar – authentisch?
Zur Sprache des späten Stummfilms am Beispiel von MENSCHEN AM SONNTAG
Raum, Zeit, Bewegung
Oliver Schmidt
Filmische Räume
Zur textuellen Bindung räumlicher Systeme im Film
Wolfgang Wildgen
Erzählung und Action im James Bond-Film EIN QUANTUM TROST
Thomas Althaus
Stillstand und Bewegung im deutschen Film der 1920er Jahre
Norbert Schaffeld
Überlegungen zur filmsprachlichen Shakespeare-Kritik
Das Beispiel der CBC Fernsehproduktion ELIZABETH REX
Die Autorinnen und Autoren
John A. Bateman / Matthis Kepser / Markus Kuhn
Fragen nach der ‹Leitkultur›, dem prägenden ‹kulturellen Paradigma› oder den ‹wesentlichen Mechanismen des kulturellen Gedächtnisses› führen gegenwärtig oftmals zu der Vermutung, dass die Gesellschaft ‹visueller› geworden sei. Von Apologeten wird begrüßt, von Kritikern gefürchtet, dass Film, Fernsehen, Internetclips und Livestreams im Rahmen eines iconic oder medial turn die älteren von der Schriftlichkeit geprägten Formen wenn nicht ersetzen und verdrängen, dann zumindest in ihrer gesellschaftlichen Relevanz marginalisieren würden. Als erste Hinweise dafür können die Bedeutung des ‹Visuellen› in der gesellschaftlichen Kommunikation sowie die Dominanz audiovisueller Medien in der Medienproduktion, -distribution und -rezeption herangezogen werden. Zweifelsohne gibt es – jenseits aller in den Diskussionen aufgefahrenen Rhetorik – mediale Entwicklungen und gesellschaftliche Realitäten, in denen audiovisuelle Ausdrucks- und Kommunikationsformen eine gestiegene Bedeutung haben und als Leitmedien gelten können. Dies kann nicht ohne Rückwirkung auf die Gesellschaft bleiben: «[W]o immer sich Kommunikation verändert, verändern sich Fundamente der Gesellschaft» (Burda 2010, S. 20). Ungewiss ist jedoch, ob durch die medialen Veränderungen tatsächlich Werte verloren gehen, wichtige Kulturtechniken nicht mehr praktiziert und entscheidende Kompetenzen nicht mehr ausgebildet werden, wie in den apokalyptischsten dieser Szenarien befürchtet wird.
Angesichts der gesellschaftlichen Relevanz dieser Diskussionen scheint es notwendig, die Veränderungen der medialen Kultur und deren Auswirkungen genauer zu hinterfragen. Dies geschieht derzeit in einer Vielzahl von medienbezogenen Disziplinen, in denen Fragen der Beziehungen zwischen medialem und kulturellem Wandel mit hoher Priorität verhandelt werden. Sie alle stehen vor der zentralen Herausforderung, die dafür notwendige Interdisziplinarität in einen adäquaten Methodenpluralismus münden zu lassen, denn keine einzelne Disziplin deckt das Spektrum der erforderlichen Theorien, Wissensdomänen und Forschungsmethoden vollständig ab. Eine Reihe zentraler Arbeiten zu audiovisuellen Phänomenen setzt bekanntlich auf eine Kombination von Medien-, Kommunikations-, Bild-, Kunst-, Musik-, Kultur- und Textwissenschaften. Allerdings wird dabei das Problem der Nachhaltigkeit des interdisziplinären Austausches leicht übersehen: Gerade bei sich so dynamisch entwickelnden Wissenschaftsgebieten können interdisziplinäre Forschungsvorhaben schnell den Anschluss an den Diskurs der Einzelfächer verlieren. Vielfach wird dann auf Ansätze zurückgegriffen, die in den benachbarten Wissenschaften, die man zu integrieren hofft, bereits als klassisch, vielleicht sogar veraltet gelten.
Am Beispiel eines medienübergreifend verwendeten Textbegriffs und seiner Anwendung im Rahmen des Forschungsprojekts Textualität des Films lassen sich Vor- und Nachteile des interdisziplinären Austausches besonders anschaulich nachvollziehen. Die film- und medienbezogene Reflexion von Paradigmen aus der Linguistik sowie speziell aus der Semiotik (z.B. Barthes 1964; Foucault 1969; Kristeva 1972; Eco 1977) war bereits in der frühen Phase der deutschen Film-, Fernseh- und Medienwissenschaft äußerst ertragreich (vgl. Blüher/Kessler/Tröhler 1999). Der semiotische Zugang ermöglichte eine erste Erweiterung des Textbegriffs über den sprachlichen Bereich hinaus auf inter- und plurimediale Artefakte und ist insbesondere seit den 1980er Jahren zu einer der leitenden Methoden für Filmanalysen geworden. Der Ansatz, audiovisuelle Artefakte als ‹Texte› zu verstehen und dann entsprechend ‹lesen› zu wollen, hat die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Film grundsätzlich verändert (vgl. die einschlägigen Arbeiten von Pasolini 1971; Metz 1972; Heath 1981; Paech 1988; Bellour 2000 u.v.a.). Jeder Einführungstext in die Filmwissenschaft und Filmanalyse enthält heute Kapitel, in denen die Grundlagen der Textualität erläutert werden, auch wenn dafür teilweise unterschiedliche Begrifflichkeiten entwickelt worden sind (vgl. Faulstich 1980; Borstnar/Pabst/Wulff 2002; Kuchenbuch 2005; Hickethier 2007; Monaco 2009; Gräf et al. 2011 u.v.a.). Darüber hinaus erlaubt die metaphorische Leitidee, Film als Text aufzufassen, Ergebnisse aus anderen Textwissenschaften sinnvoll mit einzubeziehen: Das gesamte Forschungsinstrumentarium der Literaturwissenschaften ist so von potenzieller Relevanz für die Analyse des Films geworden. Auf dieser Basis setzen auch die zunehmenden Bestrebungen einer medienübergreifenden Erzähltheorie (Nünning/Nünning 2002; Ryan 2004, 2005; Herman 2004; Meister 2005) sowie einer kulturwissenschaftlich geprägten Filmanalyse (z.B. Žižek 2001) an. Nicht zuletzt ist hierdurch in den philologischen Didaktiken eine zentrale Legitimation für die Beschäftigung mit dem Film gefunden worden (vgl. z.B. Abraham 2009; Kepser 2010).
Auch wenn das Verständnis von Film als Text in den letzten Jahrzehnten höchst produktiv gewesen ist, muss kritisch eingestanden werden, dass die gängigen textbezogenen Ansätze zum Film den gegenwärtigen Stand der Forschung in einigen zentralen Bereichen der Textwissenschaften nicht mehr angemessen wiedergeben. So ist die in der Semiotik nach wie vor aktuelle Tendenz, nach der (fast) alles ‹als Text› gelesen werden darf, sehr unterschiedlich eingestuft worden – als radikale Erneuerung in den 1960er Jahren bis zur Brandmarkung als veralteter ‹linguistischer Imperialismus› ab etwa 2000. Einige bildwissenschaftlich sowie phänomenologisch grundierte Disziplinen postulieren gegenwärtig sogar eine ‹Befreiung› von der ‹Zwangsjacke› der Textualität. Ein wichtiger Grund für diese zunehmende Geringschätzung des Textparadigmas ist der fehlende Anschluss jener kritischen Positionen an die aktuellen Entwicklungen in den textbezogenen Disziplinen. ‹Semiotische› und ‹linguistische› Ansätze zum Film (einschließlich der darauf bezogenen kritischen Stimmen) operieren vielerorts noch mit textlinguistischen Konzepten und Modellen aus den 1980er Jahren. Ein Beispiel hierfür ist das Festhalten an (nachrichtentechnischen) Kommunikationsmodellen, in denen Sender vorstrukturierte Botschaften samt ihrer ‹Bedeutung› mittels ‹semiotischer Codes› an Empfänger schicken. Obwohl sich die daraus abgeleiteten Zeichen- und Codebegriffe selbst in den textbezogenen Disziplinen längst als problematisch erwiesen haben, werden beispielsweise noch immer unreflektiert falsche Gegensätze wie die zwischen ‹Inferenzen› und ‹Encoding/Decoding›-Modellen aufgegriffen und demontiert (vgl. Carroll 1996; Currie 2010). Solche Modelle, die auf einem alten statischen Begriff des semiotischen Codes beruhen (vgl. Nöth 2000, S. 216–226), sind mit zeitgenössischen Auffassungen von Text kaum vereinbar.
Die textbezogenen Disziplinen haben in den letzten 30 Jahren etliche Reformulierungen und Neuansätze hervorgebracht, die eine differenziertere Verwendung selbst von traditionellen Konzepten wie Syntax/Semantik/Pragmatik (Morris), Ikon/Index/Symbol (Peirce), syntagmatisch/paradigmatisch (Saussure), Denotation/Konnotation und Zeichen/Text nicht nur möglich, sondern auch unabdingbar machen – bis hin zu neuen Modellen, die die traditionellen auf sinnvolle Weise ersetzt haben. Aus dem breiten Feld linguistischer Zugänge zum Text sind beispielsweise hervorzuheben: Entwicklungen in der Diskurssemantik (Kamp 1981; Kamp/Reyle 1993; Asher/Lascarides 2003), in der funktionalen Diskurslinguistik (Martin 1992; Warnke/Spitzmüller 2008), in der Psycholinguistik vom Textverstehen (Sanders et al. 1993 u.v.a.) sowie in der multimodalen Linguistik (Kress/van Leeuwen 2001; O’Halloran 2004; Stöckl 2006; Bateman/Schmidt 2011). Ebenfalls zu beachten sind Weiterentwicklungen strukturalistischer Konzepte, insbesondere die der kognitivistisch und/oder intermedial ausgerichteten Narratologie (vgl. z.B. Schlickers 1997; Herman 1999, 2003; Ryan 2004; Kuhn 2011) und kulturwissenschaftliche Neuausrichtungen wie die Postcolonial Studies und transkulturelle Studien (vgl. z.B. Bhabha 1990, Naficy 2006). Darüber hinaus bekommen Aspekte der Sinnlichkeit und der körperlichen Wahrnehmung nicht nur in der Erforschung des Films (vgl. z.B. M. Smith 1995; G. Smith 2003; Grodal 2009), sondern ebenso in den modernen Sprach-, Text- und Kulturtheorien zu Recht eine erhöhte Aufmerksamkeit. Auch für die Theoriebildung dieser Disziplinen spielen Körperlichkeit und Wahrnehmung mittlerweile eine zentrale Rolle (vgl. z.B. Johnson 1987; Lakoff/Johnson 1980; Thibault 2006; Fischer/Zwaan 2008). Sprache ist längst nicht mehr als bloße ‹Repräsentation› zu verstehen.
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