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Mitten unter uns, in einem kleinen Haus, lebt heute Emma T. Om überwiegend isoliert von der Außenwelt. Ein schwerer Schicksalsschlag trifft sie in der Mitte ihres Lebens, der sie von allem trennt. Nur noch Dunkelheit hüllt sie über Jahre ein, bis eine unverhoffte Begegnung sie innerhalb kürzester Zeit mit der Welt der Engel verbindet …
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Seitenzahl: 150
Veröffentlichungsjahr: 2025
Emma T. Om
Flieg hoch, mein Engel, flieg
Emma T. Om
Von guten Mãchten umgeben …
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
© 2026 by edition fischer GmbH
Orber Str. 30, D-60386 Frankfurt/Main
Alle Rechte vorbehalten
Schriftart: Palatino 11 pt
Herstellung: ef/1B
ISBN 978-3-8301-9348-7 EPUB
Vorwort
1 Wie alles begann
2 Heranwachsen
3 Der Tag, der meine Welt zum Einsturz bringen sollte
4 Die Klinik
5 Ein Blick auf die andere Seite
6 Ankunft zu Hause
7 Der Versuch, eine Erklärung zu finden
8 Die Trennung
9 Fall
10 Die Begegnung
11 Die zweite Begegnung
12 Labyrinth
13 Wolkenbilder
14 Zwei bemerkenswerte Kirchgänge
15 Licht im Dunkel
16 Blicke in die Zukunft
17 Engel-Tarot
Wenn Liebe und Mitgefühl auf ein Herz treffen, beginnt immer etwas Wunderbares …
Dieses Buch kam zustande, weil ich anfing, etwas zu suchen, wonach ich mich ein Leben lang in meinem Innersten gesehnt hatte, ohne es benennen zu können und es dann auf unerwartete Weise fand – in meinem tiefsten Leid.
Einem jeden, der dieses Buch lesen wird, wünsche ich von Herzen, dass er selbiges finden möge, indem er unaufhörlich daran glaubt, sich nicht beirren lãsst und so lange danach sucht, bis es sich ihm offenbart. Möge ein jeder wieder beginnen, an das Gute im Menschen zu glauben, denn dann besteht die Möglichkeit, diesen Ort endlich wieder zu einem besseren werden zu lassen – für dich, für mich, für unsere Kinder, für uns alle. Unser Planet, der einzigartig ist und uns beherbergt, verdient es, von uns beschützt zu werden – so wie ein jeder von uns beschützt ist, wenn er beschützt sein will.
Alles, wirklich alles, basiert ausnahmslos auf wahren Begebenheiten, die mir widerfahren sind. Hierfür bin ich all den Engeln unendlich dankbar, die mich sowohl im Himmel als auch auf Erden begleitet und ermutigt haben, das Erfahrene zu Papier zu bringen. Nichts, und wirklich nichts, ist in diesem Buch erfunden. Mögen diese Zeilen jedem Menschen die Kraft geben, die einem jeden Wesen innewohnt, um sein volles Potential zu entfalten. Mögen sie zudem dazu beitragen, wieder an die Wunder dieser Welt zu glauben, wovon die Welt voll ist und dazu ermutigen, ausschließlich Liebe zu sãen.
In tiefer Dankbarkeit all den Menschen, die meinen Weg immer begleitet haben. Besonderer Dank gilt meinen Eltern, meiner »großen« Schwester und meinen beiden Kindern, die mich durch das tiefste Dunkel geführt haben, als ich kein Licht mehr zu sehen vermochte. Weiter gilt mein Dank all den
Seelen von Menschen, die mich getragen haben, indem sie in ihren Gedanken immer wieder unaufhörlich bei mir waren.
Dem Menschen, der mir die Lichttore öffnete und den Himmelswesen nãher brachte, reicht es nicht, einfach zu danken, denn durch ihn und die unermüdlichen Aufforderungen der Engel konnte dieses Buch erst entstehen. Kein Wort auf Erden vermag den neu gewonnenen Reichtum in mir zu fassen, seitdem die Engel zu meinen stãndigen Begleitern geworden sind.
In Demut und tiefer Dankbarkeit, Emma T. Om
Als ich mich in der siebten Klasse befand, gab es einen Traum, wie ihn wohl jedes Kind in sich trãgt, wenn es um Wünsche geht. Schon sehr früh stand für mich fest, dass ich lehren wollte, und tief in mir spürte ich bereits schon damals, dass das mein Weg werden sollte. Ich wollte die Welt schöner und reicher machen mit all dem Wenigen, das ich besaß. Für diese Vision begann ich damals zu leben.
Meine Eltern waren als Gastarbeiter – aus völlig ãrmlichen Verhãltnissen – in dieses Land gekommen, um zunãchst für kurze Zeit hier zu arbeiten. Sie sehnten sich nach Glück und dieses Land verhieß es ihnen vermeintlich, wie sie seinerzeit glaubten. Dass dann alles anders kam und sie nicht mehr in ihre Heimat zurückkehrten, hing wohl einfach mit der Tatsache zusammen, dass wir Kinder, drei Schwestern, das Licht der Welt erblickten, der Alltag einkehrte und die Abreise immer wieder in die Zukunft verschoben wurde. Die Begründungen waren so vielfãltig wie das Leben selbst. Zunãchst stand der Abreise die Kindergarten-, im Anschluss die Schul- und spãter die Ausbildungszeit im Wege. So wurde aus den einst Suchenden nach dem Glück mit der Zeit Bleibende in der Ferne, die ihr Glück an dem Tag aus der Hand gaben, als sie sich aus dem Paradies in die Irre führen ließen, denn das Geld, welches sie im Laufe ihres Lebens erarbeiteten, trug nie wirklich zum Glücklichsein bei. Vielmehr erlebte ich meine Eltern immer am zufriedensten, wenn sie sich in ihrer Heimat aufhielten, wenig hatten und es mit all denen teilten, die einfach ihre Wege kreuzten. In diesen Momenten sehe ich sie noch heute lachen, glücklich im Umgang miteinander und anderen – reich im Herzen, denn alle Türen im Haus standen offen. Misstrauen existierte nicht, denn jeder teilte das, was er besaß, und das Wenige ergab immer am Ende des Tages für alle mehr als genug, um zufrieden seines Weges zu ziehen und dankbar zu sein. Für uns Kinder waren diese Urlaube in die Welt, in der unsere Wurzeln lagen, immer die schönsten, denn es wurde uns eine andere Welt eröffnet, in der es fast nichts bedurfte – nichts, außer die Grundbedürfnisse, die sehr einfach zu stillen waren. Es entsprach dem goldenen Schlüssel zum Glück. Trotz harter Arbeit im Alltag herrschte Zufriedenheit. Die Kunst des Daseins bestand dort nicht darin, stãndig neue Wünsche zu entwickeln, sondern dankbar den Tag zu begehen und zu teilen. So funktionierte die Dorfgemeinschaft, die mich als Kind dermaßen beeindruckte, dass sie mich bis heute begleitet.
Dort schien es tatsãchlich nichts Ablenkendes zu geben – keine Unterhaltungsindustrie, kein »Außen«, welches stãndig Bedürfnisse weckte, die gar nicht real vorhanden waren, und doch existierte ein unermesslicher Reichtum in diesen absolut ãrmlichen Verhãltnissen, der für mich als Kind den Eindruck erweckte, er würde reichen, um die ganze Welt glücklicher zu gestalten und sie heilen zu lassen. Da mir aber der Kontrast durch die »zwei Welten« gegenübergestellt war, fühlte ich bereits damals eine tiefe Traurigkeit und Leere, da für mich nicht begreiflich war, weshalb das Teilen und die Freude nicht einfach mitzunehmen waren. Ich spürte die extremen Gegensãtze, doch ich war ein Kind, und noch sollte ich ihnen nichts entgegenzusetzen wissen. Das sollte erst viel spãter folgen. Für den Moment, in dem ich dort ankommen durfte, lebte ich für den Tag. Wir streunten umher, ließen uns die Sonne auf die Nasenspitzen scheinen, und es war eine Leichtigkeit, die uns beflügelte, einfach zu sein, wie unsere Herzen waren – frei. In allen anderen Situationen – in der zweiten Heimat, dem selbst gewãhlten Gastland – habe ich kaum eine andere Erinnerung, als dass meine Eltern hart arbeiteten, sehr erschöpft nach Hause kamen und das Mittel Geld ein Thema im Alltag war. Das wunderschöne Lãcheln meiner geliebten Mutter und meines Vaters schwand immer in dem Moment, in dem sie die Türe zu unserer kleinen Wohnung – zwei Zimmer standen zwei Erwachsenen und drei Kindern zur Verfügung – aufschlossen und sie den Sorgen wieder Einlass gewãhrten. Weshalb sie sich so sehr sorgten, entzog sich meiner Vernunft, denn sie waren die gütigsten, selbstlosesten und aufrichtigsten Menschen, die mir bis zum heutigen Tag begegnet sind. Sie hatten ein so großes Herz, dass sie mich ausschließlich aus diesem heraus lehrten. Dies war die Lehre meines Lebens, denn es gab keinen spãteren Lehrer, der mich jemals hat mehr lehren können als diese zwei Wesen, bei denen ich aufwachsen durfte und von denen ich mich stãndig geliebt fühlte. Sie selbst hatten bereits im Kindesalter sehr hart auf den Höfen ihrer Familien gearbeitet. Hunger und bittere Armut waren ihre Begleiter gewesen, und so verwundert es nicht, dass sie bereits sehr früh lernten, allem dankbar zu begegnen. Damals war ich zu jung, um die Zusammenhãnge zu verstehen, doch heute weiß ich, dass die wichtigsten Lehren in meinem Leben aus meinem Elternhaus hervorgingen. Zunãchst spielten meine gemachten Beobachtungen keine große Rolle – hierfür sollten noch Jahrzehnte vorübergehen – und es resultierten auch keine weitreichenden Auswirkungen daraus, denn ich hatte einen Traum, den ich verwirklichen wollte, und dafür war mir zu keinem Zeitpunkt keine Anstrengung zu groß. Ich hatte schließlich sehr früh gelernt, hart in der Welt dafür zu arbeiten, für die sich meine Eltern entschieden hatten – jahrzehntelang hatte ich es vorgelebt bekommen, und so stellte ich diesbezüglich nichts in Frage.
Nach der Mittleren Reife, die ich gut abschloss, wurde ich an einer weiterführenden Schule aufgenommen, in der ich mich zu Beginn sehr schwer tat, denn der Mensch, der zuvor im Mittelpunkt stand, rückte plötzlich in den Hintergrund. Nur noch die Fachwissenschaft zãhlte, sie allein befand sich im Fokus. Der Mensch schien sich nicht mehr im Zentrum der Lehrenden zu befinden, sondern war so sehr losgelöst von den Lerninhalten, dass auch gerade diese Lebensphase eine Aufforderung für mich darstellte, es zu versuchen, Lehre besser zu gestalten, sofern ich hierfür spãter die Möglichkeit erhalten würde.
Die Engel begleiteten meinen Weg schon damals, um nicht zu sagen von Anfang an, denn alles, was ich mir wünschte, traf immer wieder ein. Voraussetzung hierfür war mein unerschütterlicher Glaube, den ich in mir trug. Bei allem, was ich umsetzte, glaubte ich stets an das Gute im Menschen, und es ließ nie lange auf sich warten, alle Wünsche wurden Wirklichkeit. Ich machte nach drei Jahren mein Abitur und der Weg war frei. Endlich durfte ich den Weg beschreiten, der mir vor sechs Jahren offenbart worden war. Unendlich dankbar und glücklich war ich, als ich die Zusage an der Hochschule erhielt, studieren zu dürfen. Die Welt stand offen, und ich wollte sie erobern mit all meinen Wünschen, Trãumen, Visionen. Es war der richtige Weg, der sich mir aufgetan hatte, das spürte ich mit jeder Faser meines Herzens. Meine Wahl fiel auf die Schwerpunkte Natur-, Sprach- und Literaturwissenschaft. Diese Fachkombination trug wohl am meisten meinem Menschen- und Weltbild Rechnung, doch auch das sollte ich erst fast zehn Jahre spãter verstehen. Die folgende Zeit des Studierens gestaltete sich nicht einfach, denn neben der finanziellen Unterstützung meiner Eltern, für die ich bis heute unendlich dankbar bin, wollte ich sie nicht zusãtzlich belasten, und so suchte ich mir einen Nebenjob in der Gastronomie, um die Belastung so gering wie möglich zu halten für die Menschen, die immer an mich geglaubt hatten.
Es vergingen in dieser Form einige Jahre, bis ich mein Examen ablegen durfte und mich die Welt lãchelnd empfing. Die Welt war freundlich. Nichts erschien zu schwer, nichts zu groß, nichts unerreichbar in diesem Moment. Alles funktionierte ohne Mühe, denn ich glaubte daran. Nach Beendigung des Studiums wãhlte ich meine Heimatstadt für das Referendariat aus, wobei niemand außer mir daran glaubte, dass ich die Zusage jemals dort erhalten würde. Denn viele wünschten sich seinerzeit in diesem Raum oder sogar in dieser Stadt ihr Referendariat absolvieren zu dürfen. Ich durfte es, und so begann ich unter Anleitung zu lehren. Unermüdlich lernte ich. Es fiel mir nicht schwer, die Nãchte zum Tage zu machen, denn der Glaube begleitete mich. Das Kãmpfen hatte ich sehr früh gelernt, denn nur, wenn man zu den Besten zãhlte, vermochte man etwas in dieser Welt auszurichten. So focht ich alle Kãmpfe aus, um mein großes Ziel zu erreichen. Das Gute in die Welt zu tragen, das war mein Antrieb. Jeden wollte ich das fühlen lassen, was ich fühlte. Es gab kein schlechtes Wort, mein Herz war voller Zuversicht für diese Welt, und da es vor Freude sprühte, wollte ich teilen. Jeden Tag war es mein Anliegen, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten, ein gutes Wort zu finden, ihnen zuzuhören. Es kostete mich kaum Kraft, denn meistens erhielt ich meinen Lohn nach kurzer Zeit, wenn ich sehen durfte, wie junge Menschen, die sich von Zeit zu Zeit verirrten, ihren Weg wieder fanden und danach wieder frohen Mutes in die Zukunft blickten. Das, nur das, verlieh mir immer wieder die innere Zufriedenheit, war mein unermüdlicher Katalysator, welcher mich nie – auch nur im Ansatz – an meinen eingeschlagenen Weg zweifeln ließ. Oft arbeitete ich bis tief in die Nacht, unermüdlich, doch ich liebte meine Arbeit über alles, die mich jeden Tag mit Kindern zusammenführte, die dem reinen Licht entsprachen.
Kein Tag glich dem anderen. Nach der Ausbildungszeit durfte ich mich erneut bewerben. Wieder stand für mich sehr schnell fest, wohin die Reise gehen sollte, denn es gab nur einen Raum, in dem ich wirken wollte, und der war in der Nãhe all der Menschen, die mich liebten, mit all meinen Fehlern, die ich in mir trug. So gab es auch tatsãchlich damals erneut nur meine Heimatstadt, die für mich in Frage kam, um nunmehr als ausgebildete Lehrkraft all den Menschen zu begegnen, die genauso erwartungsvoll waren wie ich. Nachdem viele seinerzeit bereits bei Studienbeginn meine Berufswahl belãchelt hatten und skeptisch der Zukunft entgegen gesehen hatten, verhielt es sich ãhnlich, als ich entschied, mich nur für den einen Raum zu bewerben und für keinen anderen. Damals existierte in mir kein Zweifel, dass mein Weg vorgegeben war – er wurde stets begleitet, auch wenn ich in diesem Moment noch nicht erahnte, welcher Weg für mich bestimmt war, geschweige denn, wer ihn begleitete. Meine Bestimmung sollte ich erst erkennen, als ich lange Zeit spãter – ich hatte mich verloren – meinen Weg ging. Als ich an besagtem Morgen dann den Brief empfing, der über meine berufliche Zukunft entscheiden sollte, erfüllte mich der Umstand einerseits mit Furcht, andererseits mit Freude. Ich war mehr als zwiegespalten, denn in dem Schreiben wurde mir mitgeteilt, dass meine erste Dienststelle nicht unweit meines Wohnortes lag. In diesem Moment, da ich den Brief öffnete, bekam ich es mit der Angst zu tun, ob es wirklich das war, worauf ich all die Jahre hingearbeitet hatte. Ich suchte sogar Gründe, um gegebenenfalls den Dienst nicht antreten zu müssen, da plötzlich alle Wünsche wahr geworden waren. Der Mensch ist wohl tatsãchlich ein sehr seltsames Wesen, denn wenn alles Glück der Welt sich direkt vor seinen Füßen befindet, beginnt er zu zweifeln, anstatt tagtãglich für die Fülle zu danken. So lãsst sich wohl der Zustand beschreiben, als ich an jenem Tag das Schreiben der Dienststelle erhielt, es öffnete und nicht wusste, ob ich lachen oder weinen sollte.
Der Tag nahte, an dem das Vorstellungsgesprãch in meinem zukünftigen Wirkungskreis stattfinden sollte. Ich erinnere mich, als ob es gestern gewesen wãre, wie ich das zitronengelbe Gebãude betrat, welches zwar bereits in die Jahre gekommen war, aber mich dennoch anstrahlte. Die Sonne lachte. Die Schule lag im Wald. Die Idylle dort war traumhaft. Die Vögel zwitscherten, der Wind rauschte in den Ohren und Leben tobte in Form jener Kinder, die wissbegierig den Weg hierher gefunden hatten. Dennoch begleiteten mich die zuvor erwãhnten Zweifel, obgleich mich das Leben mit offenen Armen empfing – so, wie es uns alle empfãngt, bevor wir anfangen, zu zweifeln. Das Gesprãch mit dem damaligen Schulleiter habe ich nur noch bruchstückhaft in Erinnerung. Freundlich wurde ich empfangen. Dennoch klingen seine Worte noch bis heute in meinen Ohren nach. Er fragte mich, wie es mir gelungen sei, diese Dienststelle zugewiesen zu bekommen, wãhrend andere sieben Jahre ohne Erfolg darauf warteten. Verstehen sollte ich auch diese Aussage erst Jahre spãter. Im Moment des besagten Vorstellungsgesprãches verstand ich nichts, sondern war eher noch mehr irritiert – und in meinen vorhandenen Zweifeln bestãtigt. Ich verließ das Gebãude und weiß noch, dass ich das Schicksal in Gottes Hãnde gab, denn noch immer wusste ich nicht, ob der Schulleiter mich nach dem Gesprãch annehmen oder ablehnen würde. Wãhrend andere Luftsprünge gemacht hãtten, nahmen meine Zweifel zu. Dennoch war ich noch immer in wunderbarer Begleitung, ohne es zu wissen. Meiner größten Maxime »Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar«, die aus dem Werk »Der kleine Prinz« von Antoine de Saint-Exupéry stammt, versuchte ich jeden Tag aufs Neue gerecht zu werden. Die Kraft schöpfte ich aus dem Glauben, dass jeder Mensch in sich gut sei, und so verwundert es mich heute nicht, dass ich ausgerechnet an jener Schule die Zusage erhielt, die nach einer der bekanntesten Widerstandskãmpferinnen im Zweiten Weltkrieg benannt war. Alles war in perfekter Ordnung. Ich hatte meinen Traumberuf in meiner Traumstadt erhalten.
Meinen Traummann hatte ich bereits in der Oberstufe kennengelernt und spãter mit ihm zusammen studiert. Wir hatten die Welt zusammen bereist, bis wir beide an dem gemeinsamen Punkt standen, die Welt mit unseren Visionen besser zu machen. Zwar hatten sich zwischenzeitlich unsere Wege kurz getrennt, aber sie hatten schnell wieder zueinander geführt, denn es sollte noch so viel Schönes aus dieser Beziehung hervorgehen – so war die Bestimmung, an die ich mehr denn je nach all dem Erlebten glaube, weil ich meinen tiefen Glauben heute zu all den Engeln und unserem Schöpfer wiedergefunden habe. Die Welt war wunderbar, gleich dem Engelshaar, wie man es sich in seinen kühnsten Trãumen nicht vorzustellen vermag. Zauberhaft, traumhaft, wunderbar und einfach nur glasklar, wenn man bereit war, sein Herz rückhaltlos zu öffnen, um den Wundern dieser Erde mit Achtung und Ehrfurcht zu begegnen.
Dies vermochte ich die folgenden Jahre noch, als es mir gelang, nach der mir vorgegebenen Maxime zu leben. Wir heirateten auch bald, und ein Jahr spãter erblickte unsere Tochter das Licht der Welt. Ich war der glücklichste Mensch der Welt in diesen Tagen, nichts vermochte unser Glück zu trüben, bis langsam ein schleichender Prozess einsetzte, der immer mehr dazu führte, dass wir uns voneinander entfernten – ohne es zu bemerken. Dinge, die zuvor gar keine Rolle gespielt hatten, standen immer wieder im Raum, und obgleich die Vernunft wieder und wieder mahnte, dass wir das Glück in Hãnden hielten und es mit Füßen traten, gab es keinen Halt. Der Alltag, den wir selbst gestalteten, zwang uns immer mehr in die Knie. Es war ein Teufelskreis, den wir wohl hãtten durchbrechen können, wenn wir die richtige Abzweigung genommen hãtten. So aber war der Weg vorgegeben. Er sollte ins absolute Verderben führen – doch in diesem Moment ahnten wir nicht, wohin der Weg, den wir selbst gewãhlt hatten, führen
