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Der Glanz der Renaissance, ein tödlicher Kampf um die Macht, und eine scheinbar aussichtslose Liebe im Florenz der Medici: Der historische Roman »Florentia - Im Glanz der Medici« lässt die spannende Zeit der italienischen Renaissance lebendig werden. FLORENZ, 1469 Die ganze Stadt feiert die Hochzeit von Lorenzo de' Medici, dem Sohn der märchenhaft reichen Bankiersfamilie und zukünftigen Herrscher. Drei der Hochzeitsgäste – Giuliano de' Medici, der ewig Zweitgeborene; die aufstrebende Malerin Fioretta Gorini und der junge, noch unbekannte Leonardo da Vinci – ahnen noch nicht, wie eng ihre Schicksale mit dem der Stadt verknüpft sind. Denn während die drei nach ihrem Platz in der Welt suchen, wird Florenz schon bald von allen Seiten bedroht, und den Feinden der Medici ist jedes Mittel recht, die Familie zu bekämpfen. Als sich sowohl Fioretta als auch Leonardo in einen Medici verlieben, werden sie schon bald tief in ein gefährliches Spiel aus Intrigen, Politik und Verrat gezogen, das tödlich enden wird. Mit dem historischen Roman »Florentia - Im Glanz der Medici« lässt es sich wunderbar eintauchen in die ebenso faszinierende wie spannende Zeit der Renaissance. Gewinner des silbernen Homer 2024, der Literaturpreis für die besten historischen Romane des Jahres! »Noah Martin lässt das Florenz der Medici mit fesselnden Charakteren und einer packenden Geschichte lebendig werden.« - Daniel Wolf
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Seitenzahl: 689
Veröffentlichungsjahr: 2023
Noah Martin
Roman
Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.
Der Glanz der Renaissance, ein tödlicher Kampf um die Macht, und eine scheinbar aussichtslose Liebe im Florenz der Medici: Der historische Roman »Florentia – Im Glanz der Medici« lässt die spannende Zeit der italienischen Renaissance lebendig werden.
Im Sommer des Jahres 1469 feiert ganz Florenz die Hochzeit von Lorenzo de’ Medici, dem Sohn der märchenhaft reichen Bankiersfamilie und zukünftigen Herrscher der Stadt. Drei der Hochzeitsgäste – Giuliano de’ Medici, der ewig Zweitgeborene, die aufstrebende Malerin Fioretta Gorini und der junge, gänzlich unbekannte Leonardo da Vinci – ahnen noch nicht, wie eng ihr Schicksal mit dem der Stadt verknüpft ist.
Denn während Florenz aufblüht und die drei nach ihrem Platz in der Welt suchen, ist die Herrschaft von Lorenzo de’ Medici von mehr als einer Seite bedroht. Schon bald geraten sie tief in ein gefährliches Spiel aus Liebe und Macht, Kunst und Politik, Krieg – und Verrat.
Mit dem historischen Roman »Florentia – Im Glanz der Medici« lässt es sich wunderbar eintauchen in die ebenso faszinierende wie spannende Zeit der Renaissance.
Karte
Dramatis personae
Hinweis
Prolog
Teil I
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Teil II
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Teil III
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48
Kapitel 49
Kapitel 50
Kapitel 51
Kapitel 52
Kapitel 53
Kapitel 54
Kapitel 55
Teil IV
Kapitel 56
Kapitel 57
Kapitel 58
Kapitel 59
Kapitel 60
Kapitel 61
Kapitel 62
Kapitel 63
Kapitel 64
Kapitel 65
Kapitel 66
Kapitel 67
Kapitel 68
Kapitel 69
Kapitel 70
Kapitel 71
Kapitel 72
Kapitel 73
Kapitel 74
Kapitel 75
Kapitel 76
Epilog
Geschichtliche Hintergründe
Namen und Sprache
Liste sensibler Inhalte / Content Notes
Danksagung
Piero de’ Medici, ein Bankier
Lucrezia Tornabuoni, Pieros Frau, eine Dichterin
Lorenzo und Giuliano, Söhne von Lucrezia und Piero, Regenten von Florenz
Lucrezia (genannt Nannina) und Bianca, Schwestern von Lorenzo und Giuliano
Carlo, Halbruder von Piero, ein Priester
Luca Tornabuoni, Lucrezias Neffe
Antonio Gorini, Leibarzt von Piero de’ Medici
Fioretta Gorini, seine Tochter, eine Malerin
Gentile de’ Becci, Lehrer von Lorenzo, Giuliano und Fioretta
Angelo Poliziano, Hauslehrer der Kinder von Lorenzo und Clarice
Tommaso Soderini, Vertrauter der Medici
Tariq Giuberti, Hauptmann der Wache
Moses ben Josef, ein Medicus
Jacopo de’ Pazzi, ein Florentiner Bankier
Albiera de’ Pazzi, seine Schwester, eine Geschäftsfrau
Vittoria, Albieras Tochter
Francesco, Neffe von Albiera und Jacopo, im Familiengeschäft in Rom und Florenz
Giovanni, Neffe von Albiera und Jacopo, im Familiengeschäft in Neapel
Guglielmo, Neffe von Albiera und Jacopo, Ehemann von Bianca de’ Medici
Andrea del Verrocchio, Meister der größten Künstlerwerkstatt in Florenz.
Seine Schüler:
Leonardo di ser Piero (genannt da Vinci), Alessandro di Mariano Filipepi (genannt Sandro Botticelli), Filippino Lippi, Domenico Ghirlandaio
Papst Sixtus IV. (Francesco della Rovere)
Kardinal Girolamo Riario, Kardinal Pietro Riario und Kardinal Raffaele Riario, Neffen des Papstes
Jimena, eine Kurtisane
Conte Giacomo Orsini, Graf der Campagna
Clarice Orsini, seine Tochter, Ehefrau von Lorenzo de’ Medici
Rinaldo Orsini, Bruder von Clarice, ein Kirchenmann
Marco Vespucci, ein Händler
Simonetta Vespucci, Marcos Ehefrau. Muse Sandro Botticellis
Luisa di Filipepi, Schwägerin von Sandro Botticelli
Giovanni Borromei, ein vermögender Geschäftsmann, Mitglied der Signoria
Beatrice Borromei, seine einzige Tochter, Ehefrau von Giovanni de’ Pazzi
Filippo Sacramoro, Botschafter Mailands in Florenz
Bernardo Rucellai, Ehemann von Nannina de’ Medici, Mitglied der Signoria
Piero Vaglienti, ein Reeder
Francesco Salviati, Erzbischof von Pisa
Salvatore Lomi, ein Maler
Elena Lomi, Salvatores Tochter
Galeazzo Maria Sforza, Herzog von Mailand
Bernardo Corbinelli, Capitano von Volterra
Roberto Malatesta, Herr von Rimini
Federico de Montefeltro, Herzog von Urbino und bedeutender Söldnerführer (Condottiere)
Christoforo Moro, Doge von Venedig
Bei manchen Menschen lösen bestimmte Themen ungewollte Reaktionen aus. Deshalb finden Sie am Ende des Buches auf Seite 533 eine Liste mit sensiblen Inhalten.
Montunghi. Ein Landgut bei Florenz
Die einzige Möglichkeit, Florenz zu retten, besteht darin, Lorenzo de’ Medici zu töten!« Albiera richtete sich zu voller Größe auf und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch.
Nun war es ausgesprochen, und es gab kein Zurück mehr. Sie konnte nur hoffen, dass sie nicht zu weit gegangen war, aber in den Gesichtern der drei Männer, die ihr an dem schweren Holztisch gegenübersaßen, sah sie nichts als Zustimmung und grimmige Entschlossenheit. Sie musste sich darauf verlassen, dass ihr Vertrauen in jeden von ihnen gerechtfertigt war. Ist es das nicht, bedeutet das mein Ende.
Sie zog den Pelzkragen ihres Mantels fester um ihren Hals. Es war kalt in Montunghi, und das kümmerliche Feuer im Kamin konnte den hohen Raum kaum heizen. Aus Angst vor einer Entdeckung hatten sie alles darangesetzt, dass das Landhaus verlassen wirkte.
Jedes Wort, das sie ab jetzt sagten, war Hochverrat. Zumindest, solange Lorenzo noch lebte, der Tyrann, der sich von aller Welt wie ein gnädiger Fürst verehren ließ.
»Der Heilige Vater unterstützt Eure Pläne voll und ganz, die Stadt aus den Klauen der Medici zu reißen und in Eure fähigen Hände zu legen«, erklärte Erzbischof Salviati langsam, der eigens für ihr Treffen aus Pisa angereist war. »Allerdings besteht er darauf, dass kein Blut fließt, und dass wir uns der Medici auf andere Art entledigen.«
»Was?«, fuhr Jacopo auf. »Hat er auch gesagt, wie er sich das vorstellt? Lorenzo wird uns wohl kaum die Schlüssel zur Stadt übergeben und auf seinem Pferd davonreiten, wenn wir ihn höflich darum bitten!«
»Ich sehe keinen Sinn in diesem Treffen, wenn dies die Bedingung des Heiligen Vaters ist«, sagte Albiera so höflich, wie sie konnte, obwohl sie innerlich vor Zorn kochte. »Aber Seiner Heiligkeit muss doch bewusst sein, dass er das Unmögliche fordert?«
Salviati senkte die Stimme. »Natürlich kann er einen Mord nicht öffentlich gutheißen; aber er hat mir insgeheim versichert, dass ein Mann, der keinen anderen Ausweg sieht, als einen gottlosen Despoten zu erschlagen, von der Mutter Kirche auf Milde hoffen kann.«
Albiera atmete erleichtert auf. Wenn der Papst lediglich sein Gesicht wahren wollte, dann konnten sie von ihr aus alle so tun, als sei es nie ihre Absicht gewesen, den Medici auch nur ein Haar zu krümmen.
»Sollte nun auf die eine oder andere Art und Weise Lorenzo nicht länger in der Lage sein, die Geschicke von Florenz zu lenken, was geschieht dann?«, fragte Jacopo.
»Sobald Lorenzo tot ist, wird der Heilige Vater die verbliebenen Medici exkommunizieren und Eure Familie als die neuen Herren von Florenz anerkennen«, erwiderte Salviati.
Albieras Neffe Francesco schüttelte den Kopf. »Das reicht nicht«, gab er entschieden zurück. »Wir können Lorenzo nicht erschlagen und seinen Bruder am Leben lassen. Dann könnt ihr genauso gut gleich auch Lorenzo verschonen. Giuliano wird ihn beerben, und zumindest so lange Lorenzos Platz einnehmen, bis dessen Söhne alt genug sind, um in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. Wenn auch nur ein Medici überlebt, wird es früher oder später einen Bürgerkrieg geben.«
Albiera blickte Francesco prüfend an. Da war er wieder, dieser ungezügelte Hass auf Giuliano.
Der Erzbischof hob aufgebracht die Stimme. »Aber wir können Lorenzos Kinder nicht anrühren. Der Heilige Vater würde das niemals gutheißen.«
»Derselbe Heilige Vater, der Imola, Senigallia und Ferrara eingenommen hat, nur damit seine Neffen fette Pfründe bekommen?«, fragte Albiera, die berechtigte Zweifel daran hatte, ob es überhaupt etwas gab, das Sixtus IV. Gewissensbisse verursachen konnte. In den letzten Jahren hatte sich der Papst als ebenso geschäftstüchtig wie aggressiv erwiesen und dabei wahrlich nur wenig Skrupel gezeigt.
»Es ist etwas anderes, zum Wohl der Mutter Kirche gefährliche Sünder ihrer gerechten Strafe zuzuführen, als sich an Kindern zu vergreifen«, gab der Erzbischof scharf zurück.
»Keine Sorge, Exzellenz, weder Ihr noch der Heilige Vater müsst Eure Hände mit dieser Sünde beflecken«, erwiderte Jacopo ruhig. »Ihr wisst so gut wie ich, dass keines dieser Kinder erwachsen wird, wenn Lorenzo erst einmal nicht mehr ist.«
Das waren vielleicht zu deutliche Worte, dachte Albiera, die sah, dass der Adamsapfel des Erzbischofs auf und ab hüpfte, weil er nervös schluckte.
Ein lautes Knirschen, das von der Tür des Speisezimmers her ertönte, riss sie alle aus der Anspannung des Augenblicks.
»Was war das?«, fragte Jacopo aufgeschreckt. Er zog langsam seine Klinge, deutete mit ihr auf die Tür und winkte Francesco, ihm zu folgen.
Albiera merkte, dass sie unwillkürlich den Atem anhielt, als die beiden Männer leise aus dem Raum gingen. Sie blickte den Erzbischof an, dessen Haar ihm trotz der Kälte im Landhaus an der Stirn klebte. In seinem Bart hingen Schweißperlen.
Draußen hörte man zuerst schnelle Schritte, dann einen lauten Schrei. Aber kein Waffenklirren, schoss es Albiera durch den Kopf.
Nur einen Augenblick später kamen Francesco und Jacopo zurück, einen Mann mit rötlichem Bart und Haar zwischen sich.
»Er trieb sich auf dem Gang herum, um zu lauschen«, sagte Jacopo grimmig und zwang den Unglücklichen, der wie ein Bauer gekleidet war, sich auf den Boden zu knien.
»Bist du ein Spion der Medici?«, herrschte ihn Francesco an.
Der Mann sah ihn mit wildem Blick an. »Nein, nein, Herr …ich schwöre…«
Jacopos Faust traf ihn mitten ins Gesicht.
»Was hast du gehört, Bursche?«, fragte Albiera, die hoffte, dass Jacopos massige Gestalt und sein finsterer Gesichtsausdruck ausreichen würden, um den Knienden zum Reden zu bringen. Wir können keine Gefangenen machen.
»Nichts … nichts … Ich habe nichts gehört«, nuschelte der Mann flehentlich. Seine Lippen waren aufgeplatzt und bluteten.
Es knackte hörbar, als ihn ein weiterer Schlag auf die Nase traf. »Was hast du auf dem Gang gemacht?«
Der Mann heulte auf und schüttelte den Kopf. Tränen liefen über seine Wangen.
Ein dritter Schlag traf seinen Hinterkopf und ließ ihn bewusstlos zusammensacken.
Francesco durchsuchte hastig die Kleidung des Mannes. »Er hat nichts bei sich«, erklärte er dann.
»Und er gehört weder auf den Hof, noch ist er mit uns gekommen, also muss er uns wohl gefolgt sein. Was soll er hier gewollt haben, außer uns auszuspionieren?«, fragte der Erzbischof.
»Er könnte einer der Stallburschen aus dem Dorf sein, die hier ab und zu nach dem Rechten sehen«, überlegte Albiera.
»Was sollen wir mit ihm machen?«, fragte Jacopo. Die drei Männer sahen erst einander und dann Albiera fragend an.
Natürlich. Am Ende wollen sie doch immer, dass ein anderer die Verantwortung für ihre Sünden trägt. Dabei wissen sie ebenso gut wie ich, was wir tun müssen.
Sie schüttelte kaum merklich den Kopf. Sie verspürte Mitleid mit dem Mann, der ebenso gut ein Bauer sein konnte wie ein Spion, aber das Risiko, ihn am Leben zu lassen, war einfach zu groß.
Jacopo verstand sie. Er zog den Kopf des Bewusstlosen an den Haaren nach oben und fuhr mit der Klinge seines Messers schnell über den Hals des Mannes. Eine dünne rote Linie erschien auf dem weißen Fleisch der Kehle. Blut sprudelte hervor, erst einige Tropfen, dann immer mehr, mit jedem letzten verzweifelten Pumpen des Herzens ein weiterer Schwall.
Der Erzbischof taumelte zurück und schlug sich eine Hand vor den Mund. Jacopo hielt den Kopf des Mannes eisern fest, bis noch die letzten, gurgelnden Laute verklungen waren. Erst dann ließ er den Toten zu Boden gleiten. Der Kirchenmann murmelte etwas, das ein Gebet oder ein Fluch sein konnte. Dann drehte er sich einmal um die eigene Achse und übergab sich geräuschvoll.
»Dieses Blut besiegelt unseren Pakt«, sagte Albiera, die sich zwang, nicht von dem Toten zurückzuweichen. »Nun gibt es für keinen von uns mehr einen Weg zurück.«
Sie ließ ihren Blick von einem zum anderen schweifen – zu ihrem Bruder, der ihr schon immer in allem gefolgt war, und auch jetzt mit grimmigem Blick nickte, zu ihrem ehrgeizigen Neffen, der eben sein Schwert an den Kleidern des Toten abwischte, und zu dem Erzbischof, der zwar sichtlich um Fassung rang, schließlich aber doch nickte.
»Dann ist es beschlossene Sache«, erklärte sie. »Spätestens am Tag der Auferstehung unseres Herrn feiern wir die Befreiung Florentias aus den Händen der Medici.«
Florenz, Februar 1469Acht Jahre zuvor
Duck dich!« Die Stimme von Lorenzo de’ Medici hallte über den Hof. Giuliano hörte seinen Bruder gerade noch rechtzeitig und senkte den Kopf. Die Faust seines ersten Gegners schoss dicht an seinem Ohr vorbei. Beinahe hätte er das Gleichgewicht verloren, aber er fing sich im letzten Moment wieder und versuchte sofort, seinem zweiten Sparringspartner einen Tritt zu verpassen. Er streifte das Bein des Mannes nur.
Dann hörte er Fioretta Gorini rufen: »Von links«. Der Augenblick, den er brauchte, um auszuweichen, war zu lang, und er steckte einen Treffer ein. Es tat weh, holte ihn aber nicht von den Beinen.
Gegen zwei Gegner gleichzeitig zu kämpfen, war natürlich nicht gerecht, aber bei dieser Übung ging es nicht darum, zu siegen, sondern möglichst lange durchzuhalten. Bislang, schoss es Giuliano durch den Kopf, schlage ich mich doch ganz gut.
Sein eigener Vorteil bestand darin, dass die Zuschauer ihm Ratschläge zurufen durften, um ihn zu unterstützen, während seine Gegner – beides Männer in Diensten der Medici – ihn angreifen mussten, ohne sich abzusprechen.
Er wich einem weiteren Schlag aus, und es gelang ihm, einen seiner Gegner mit der Schulter zu rammen. Der Mann, obwohl ein gutes Stück schwerer als Giuliano selbst, schnaufte und ging zu Boden. Er drehte sich um – vielleicht kann ich doch noch gewinnen?, aber diesmal war er zu langsam. Ein Schlag seines Gegenübers traf ihn ins Gesicht. Schmerz explodierte hinter seinem getroffenen Auge und ließ ihn taumeln.
»Was bei allen Heiligen treibt ihr hier?« ertönte plötzlich die Stimme seines Vaters. Giuliano hob unwillkürlich den Blick, und das genügte seinem Gegner. Ein Tritt des Mannes gegen sein Knie brachte ihn unsanft zu Fall.
Er landete auf dem Steinboden des Innenhofs und schüttelte benommen den Kopf. Sein Vater trat, schwer auf einen Stock gestützt, zwischen den Säulen hervor auf den Hof und blieb vor ihm stehen.
»Komm auf die Füße, Junge. Du hast schon einen Narren aus dir gemacht, sei nicht auch noch ein Schwächling«, sagte Piero de’ Medici bitter.
Schönen Dank, Pàpa, dachte Giuliano. Der Zorn seines Vaters würde ihn in den Augen der Umstehenden kaum besser aussehen lassen. Aber er sagte nichts, sondern nickte nur und richtete sich auf.
Piero baute sich vor ihm auf und hob den Stock mit der eisernen Spitze, mit dem er über seinen Kopf hinweg anklagend in die Runde zeigte.
Die beiden Wachen, gegen die Giuliano gekämpft hatte, ließen die Köpfe hängen und sahen zerknirscht zu Boden. Obwohl der Herr des Hauses in seiner schlichten schwarzen Tabarro und mit den kurz geschnittenen grauen Haaren eher wie ein Mönch wirkte als wie der reichste Mann von Florenz, ging eine Autorität von ihm aus, der sich die beiden Männer sofort unterwarfen.
»Ich frage noch einmal: Was geht hier vor sich?«, verlangte Piero zu wissen.
»Nichts. Wir haben nur einen Übungskampf veranstaltet«, murmelte Giuliano.
»Ich habe diese beiden gefragt, nicht dich«, entgegnete sein Vater kalt.
Mittlerweile war auch Lorenzo die Stufen von der Empore hinuntergekommen. »Wir dachten, es könne nur lehrreich sein, sich einmal einer Übermacht von Gegnern zu stellen, Vater«, antwortete er glatt. »Im Krieg können wir auch nicht darauf vertrauen, immer nur von einem Feind und von vorne angegriffen zu werden, nicht wahr?«
Piero de’ Medici wandte sich zu seinem älteren Sohn um. Als er sein Gewicht verlagerte, verzog er das Gesicht vor Schmerz. Er hatte schon immer unter der Gicht gelitten, doch in den letzten beiden Jahren war es so schlimm geworden, dass er das Haus kaum noch verlassen konnte. Die andauernden Schmerzen hatten ihn zu einem verbitterten, jähzornigen Mann werden lassen, vor dem Giuliano meist auf der Hut war.
Sonst heiterte Piero der Anblick seines Ältesten zumeist auf, doch heute schien nicht einmal das zu wirken. »In einem Krieg, den Gott verhindern möge, würde sich wohl keiner meiner Söhne mit zwei Fußsoldaten auf dem Boden prügeln«, sagte er zornig. »Eure Aufgabe wäre es, Soldaten zu führen, um Schlachten zu gewinnen. Deshalb solltet ihr in eurem Studierzimmer sein und lernen, wie Gefechte geführt werden, statt euch hier im Dreck zu wälzen. Daraus lernt ihr gar nichts!«
Er wandte sich wieder an die beiden Wachen, junge Männer, die kaum älter als Lorenzo und Giuliano selbst waren. »Verschwindet, sofort. Sucht euch eine Beschäftigung, bei der ihr mir nicht mehr unter die Augen kommt. Sehe ich euch noch einmal in der Nähe meiner Söhne, verbanne ich euch aus Florenz.«
»Vater«, begann Lorenzo vorsichtig. »Sie können nichts dafür. Es war meine Idee.«
Giuliano konnte an Lorenzos vibrierender, gepresster Stimme erkennen, dass er aufgeregt war. Normalerweise bemühte sich sein Bruder darum, in einer tiefen Tonlage und sehr deutlich zu sprechen, denn wenn er das nicht tat, nuschelte er und war nicht leicht zu verstehen – was er hasste.
»Dieser Unsinn?«, fuhr Piero auf. »Deine Idee? Es ehrt dich zwar, dass du deinen Bruder decken willst, aber ich bitte dich, ehrlich zu sein.«
Giuliano verzog das Gesicht. Natürlich, dachte er. Selbst wenn Lorenzo zugibt, etwas Falsches getan zu haben, bin ich schuld.
Er wusste, dass sein Vater keine Ruhe geben würde, bis er hörte, was er hören wollte. Und womöglich wird er einen weiteren Gichtanfall bekommen, den ich mir dann auch noch zuzuschreiben habe.
»Lass nur, Lorenzo«, sagte er deswegen. »Ich habe die beiden dazu aufgefordert.«
Piero nickte und warf ihm einen Blick zu, der so kühl war, dass Giuliano zusammenzuckte. Dann wandte sich sein Vater an Lorenzo. »Von Giuliano erwarte ich nicht viel, wenn es um Geistesgaben geht, aber dir hätte ich mehr Verstand zugetraut. Das nächste Mal hältst du deinen Bruder auf, wenn er sich den Hals brechen lassen will. Du wirst ihn noch brauchen, so unwahrscheinlich dir das jetzt auch scheinen mag.«
Lorenzo ließ den Kopf hängen. Seine langen schwarzen Haare verdeckten sein Gesicht; Giuliano konnte unmöglich erraten, was er dachte.
Piero stieß die eiserne Spitze seines Stocks auf den Boden und wandte sich ab. Er wollte in Richtung der Treppe gehen, doch plötzlich knickte sein rechtes Bein ein, drehte sich zur Seite, und er stürzte schwer. »Porca miseria«, rief er, während er versuchte, wieder auf die Füße zu kommen. »Gott verflucht mich.«
»Lass mich dir helfen«, murmelte Lorenzo und kniete sich neben seinen Vater. Widerwillig ließ sich Piero von seinem Sohn auf die Füße ziehen und stützte sich schwer auf ihn, als er den Hof verließ.
Giuliano wusste, dass Piero nichts mehr verabscheute als seine eigene Gebrechlichkeit. Lorenzo zeigte sich stets verständnisvoll, denn ihn plagten bereits gelegentlich Anflüge derselben Krankheit, und er fürchtete, das Schicksal ihres Vaters eines Tages zu teilen, auch wenn er seinem Bruder im Reiten, Fechten oder bei der Jagd bisher noch in nichts nachstand.
Fioretta trat zu Giuliano, inzwischen die letzte Zuschauerin des Spektakels. Sie hatte sich während der ganzen Szene still verhalten. Piero hatte sie vermutlich nicht einmal bemerkt.
»Du hast Nasenbluten«, stellte sie fest. Giuliano wischte sich mit der Hand über das Gesicht und sah an den roten Schlieren auf seinen Fingern, dass sie recht hatte. Großartig.
Er ließ sich auf eine der Bänke fallen, die die Seiten des Hofes säumten, und legte den Kopf in den Nacken.
Fioretta setzte sich zu ihm. Sie war ebenso alt wie er selbst und hochgewachsen, weshalb er kaum vier Fingerbreit größer war als sie. Sie hatte sandfarbenes Haar, das sie am Hinterkopf zu einem Zopf gebunden, zusammengedreht und hochgesteckt hatte, und dunkle Augen, deren Blick er oft nicht richtig deuten konnte. Verspottete sie ihn, lachten sie gemeinsam, oder hatte sie Mitleid?
»Soll ich meinen Vater holen?«, fragte Fioretta. Er hatte ihre Stimme schon immer gemocht, einen dunklen, weichen Alt. Ihre Stimme, und so viel mehr an ihr, seitdem sie in den Palazzo Medici gekommen war.
Ihr Vater, Dottore Antonio Gorini, stand seit einiger Zeit als Pieros Leibarzt in Diensten der Medici, nachdem er sich einen Ruf in der Behandlung von Knochenkrankheiten erworben hatte. Er war in seiner Jugend weit gereist und hatte wohl sogar Konstantinopel besucht, um dort die Heilkunst zu erlernen.
»Bloß nicht«, nuschelte Giuliano. »Ich glaube, ich hatte genug Aufmerksamkeit für einen Tag.«
»Dann beuge wenigstens den Kopf nach vorne«, sagte Fioretta. »Sonst läuft dir das Blut in die Kehle.«
Gehorsam legte Giuliano den Kopf zwischen die Knie und ließ das Blut aus seiner Nase herauslaufen.
»Ist sonst alles in Ordnung?«, wollte sie wissen.
»Außer meinem Stolz ist nichts verletzt, vielen Dank.«
Die beiden Männer, gegen die er gekämpft hatte, hatten nicht sehr hart zugeschlagen. Wenn er ehrlich war, wusste er das. Er war der Sohn ihres Herrn, und sie würden sich hüten, ihn ernsthaft zu verwunden.
»Wieso hast du gesagt, dass es deine Idee war?«, wollte Fioretta wissen. Sie hatte gemeinsam mit Lorenzo und ihm vor dem Kampf die Regeln aufgestellt. Sie wusste also, dass er gelogen hatte.
»Weil Vater ohnehin nicht geglaubt hätte, dass es anders war. Dumme Ideen schreibt er immer mir zu.«
Piero zeigte seinen Ärger über seinen jüngsten Sohn allerdings nur selten so deutlich und vor Zeugen; normalerweise war es ihm viel zu wichtig, die Fassade der Familie nach außen aufrechtzuerhalten.
»Warum?«, fragte Fioretta.
Warum? Das war eine gute Frage, die Giuliano sich schon häufig gestellt hatte. Sein Vater vergötterte Lorenzo, aber für ihn hatte er nur Verachtung übrig.
»Ich wünschte, ich wüsste es. Denn dann könnte ich es ändern.«
Er hob den Kopf und wischte sich noch einmal über die Nase. Die Blutung hatte nachgelassen. Er sah Fioretta fragend an. »Ich glaube, es geht wieder«, sagte sie. »Aber dein Auge schwillt zu.«
»Verdammt«, sagte er, betastete das Auge und seufzte. »Heute Abend ist das Haus schon voller Gäste, die für das Turnier zu Lorenzos Geburtstag anreisen. Ich bin sicher, dass ich hundert Mal eine erfundene Geschichte werde erzählen müssen, wie ich mir das zugezogen habe.«
Das Turnier, das Piero zu Ehren seines Sohnes ausrichten ließ, sollte natürlich vor allem das Ansehen der Familie erhöhen. Die Gesandten der Verbündeten aus Mailand und Ferrara waren bereits eingetroffen, Letztere mit einem Gespann Pferde als Geschenk für Lorenzo, das bereits für einiges Aufsehen in Florenz gesorgt hatte.
»Du könntest deinen Bruder fragen, er ist ziemlich gut darin, sich Geschichten auszudenken«, gab sie zurück.
Noch etwas, in dem er besser ist als ich, dachte er mit einem Anflug von Neid, aber dann schob er den Gedanken beiseite. Wenn er begann, Lorenzo so zu sehen, würde nur ihr Vater recht behalten.
»Vielleicht mache ich das. Mit etwas Glück stehe ich dann auch weniger schlecht da als jetzt.«
»Du stehst nicht schlecht da«, sagte sie. »Zumindest standest du nicht schlecht da, bis dein Vater dazukam.«
»Danke«, erwiderte er, obwohl dies wieder einer der Momente war, in denen er sich nicht sicher war, ob sie ihre Worte ernst meinte.
»Es stimmt.« Sie wirkte plötzlich verlegen.
Dann tippte sie ihm federleicht mit einem Finger gegen die Stirn. »Ich würde das Auge gerne zeichnen. Es nimmt bestimmt jeden Tag eine andere Farbe und Form an.«
Er musste grinsen. Fioretta war nur selten ohne ihre Skizzenblätter und Stifte anzutreffen, mit denen sie oft alltägliche Dinge um sich herum, vor allem aber Gesichter auf Papier bannte.
»Es hat mir gerade noch gefehlt, dass meine Schmach für die Nachwelt festgehalten wird«, entgegnete er. »Wenn du mich zeichnest, dann lieber mit dem Lorbeerkranz auf dem Haupt, nachdem ich das Turnier gewonnen habe!«
Florenz, Februar 1469
Weiter nach links«, rief Jacopo de’ Pazzi und wedelte mit den Händen, um die zwei Handwerker, die das schwere steinerne Wappen trugen, in die richtige Richtung zu dirigieren.
Die Männer schwankten unter der Last, aber sie folgten Jacopos Befehl augenblicklich. So, wie es richtig ist, dachte Albiera und nickte ihrem Bruder zu. Sie war wenige Jahre jünger als er, fragte sich aber oft, ob sie der Zeit ebenso gut standhielt.
Obwohl Jacopos Haar und Bart in seinen Vierzigern nun allmählich ergrauten, war er noch immer so kräftig gebaut wie ein kampferprobter Soldat, und sein Gesicht war, anders als das vieler anderer Männer in der Signoria, noch nicht von tiefen Falten gezeichnet.
Seine schiere Größe schüchterte andere Menschen oft ein, aber Albiera gegenüber hatte er sich zeit ihres Lebens so verhalten, als sei sie die Ältere, und er der jüngere Bruder.
Oft schien er ihr zu launisch, zu unentschlossen, um die Autorität auszuüben, die er eigentlich haben sollte. Aber nicht heute. »Dort soll das Wappen hängen, ihr könnt die Stifte anbringen«, sagte er mit gebieterischer Stimme.
Albiera freute sich. »Was für ein Anblick!«, rief sie. Mehr als zehn Jahre hatte es gedauert, das neue Palazzo der Familie an der Via del Proconsolo erbauen zu lassen, ein Haus, das dem der Medici in nichts nachstehen sollte. Und nun war es endlich vollendet – oder doch so weit, dass das Wappen mit den beiden stilisierten Delfinen und den Kreuzen, das Maestro Verrocchio angefertigt hatte, seinen Platz im Innenhof einnehmen konnte.
Bald schon würden hier zahlreiche Gäste und Gesandte empfangen werden, und sie alle sollten natürlich sofort die Macht und den Reichtum der Familie Pazzi vor Augen geführt bekommen.
Es wird höchste Zeit, dass wir den Platz in Florenz einnehmen, der uns zusteht, dachte Albiera. Zu lange haben wir uns vor den Medici kleingemacht und waren mit dem zufrieden, was sie uns übrig ließen. Aber das ist nun nicht mehr genug, bei Weitem nicht.
Sie waren ihrem Ziel näher als jemals zuvor: Solange Cosimo der Alte über Florenz geherrscht hatte, waren die Medici nahezu unantastbar gewesen. Cosimo hatte höchstes Ansehen bei den Bürgern und im Rat genossen, und seine Entscheidungen hatten sich stets als segensreich für die Stadt erwiesen.
Gleichzeitig war er mit harter Hand gegen alle vorgegangen, die es gewagt hatten, sich gegen ihn zu stellen, und er hatte weder vor der Verbannung noch der Exekution seiner Gegner zurückgeschreckt. Selbst Feinde, die zu mächtig waren, um sie öffentlich anzugreifen, hatte er aus den Schatten heraus besiegt.
In den langen Jahren von Cosimos Herrschaft hatten die Pazzi den Kopf gesenkt und so getan, als wären sie treue Anhänger der Medici. Albieras Vater war gestorben, ohne den Kopf jemals wieder erhoben zu haben, ein Schicksal, das Albiera auf keinen Fall teilen wollte.
Ihre Ehe mit einem de’ Bardi, einem florentinischen Adeligen, dessen Verwandtschaft bis zum Heiligen Vater reichte, hatte die guten Beziehungen der Pazzi zum Stuhl Petri gesichert – eine Verbindung, die auch jetzt noch anhielt, obwohl Albiera seit einigen Jahren Witwe war.
Möge er in Frieden ruhen, dachte sie. Ihr Mann war zwar der ganzen Welt gegenüber ein skrupelloser Bastard gewesen, ihr selbst aber ein guter Ehemann.
Cosimos Sohn, Piero, der erst seit wenigen Jahren an der Spitze der Stadt stand, war weitaus weniger beliebt als sein Vater. Wankelmütiger und weit weniger umsichtig als der alte Medici, hatte er Florenz schon mehr als einmal beinahe in einen Krieg gezwungen. Seine beiden Söhne besaßen zwar die Liebe der Florentiner, aber sie waren noch jung – so jung, dass ihnen kaum jemand die Regierungsgeschäfte zutrauen würde, wenn Piero frühzeitig starb. Wenn, wenn, wenn, … dachte Albiera. Alles hing davon ab, dass der Gichtige sich nicht zu lange an sein elendes Leben klammerte. Am besten wäre er schon begraben, wenn wir hier das große Fest zum Einzug feiern.
Noch wurden allerdings überall am Palazzo letzte Arbeiten ausgeführt. Die Handwerker hatten im Innenhof Böcke aufgebaut und sägten Holzplatten für die Verkleidung des Speisezimmers zu. Farben wurden angerührt und Wände gestrichen, und Möbelschreiner und Stoffhändler waren beinahe jeden Tag hier, um neue Waren zu bringen.
Ein Arbeiter brachte Markierungen auf der Wand an, um zu kennzeichnen, wo die Stifte eingeschlagen werden mussten, die das Wappen halten sollten. Dann trugen die Handwerker das achteckige Schild zu der markierten Stelle. Obwohl sie vorsichtig waren und auf jeden Schritt achteten, strauchelte einer von ihnen und wäre beinahe gestürzt. Das schwere Emblem glitt aus seinen Händen und krachte mit einem lauten Krachen auf den Boden.
»Verflucht noch mal!« Jacopo sprang auf den Arbeiter zu, in seinem Blick funkelte der Zorn. »Kannst du nicht aufpassen?« Er hob die Faust und schlug den Mann gegen die Brust, der nicht einmal die Hände hob, um sich zu verteidigen. Ein zweiter Schlag traf seinen Kiefer.
»Es …es tut mir leid, Messere«, stammelte der Geschlagene, hielt sich das Gesicht und wich vor Jacopo zurück. Der sah aus, als ob er noch einen Hieb austeilen wollte, senkte dann aber die Faust.
Albiera kniete sich neben das Wappen. Die unterste Ecke war abgebrochen, ein Schaden, der kaum zu sehen sein würde, wenn es erst einmal an der Wand hing. Aber ich werde wissen, dass es einen Makel hat. Ihre Freude war so schnell verflogen, wie sie gekommen war.
Albiera und ihre Geschwister waren sich einig gewesen, dass sie an nichts sparen wollten – das Haus würde ihr Aushängeschild sein, das sichtbare Zeichen, dass die Pazzi nicht länger damit zufrieden sein würden, die zweite Familie der Stadt zu sein. Und nun hat der Glanz bereits einen ersten Riss.
»Tante Albiera!« Ihr Neffe Francesco betrat den Hof, ein junger Mann mit schlaksigen Gliedmaßen, der seine mangelnde Körpergröße auszugleichen versuchte, indem er sich stets übermäßig gerade hielt. »Ich habe den Lärm gehört, was ist denn hier los?«
»Es ist nichts«, antwortete Jacopo, der nun wieder ruhig war. Er strich sich die graubraunen Haare aus dem Gesicht. »Nur ein kleiner Unfall. Ich bin sicher, die Werkstatt von Verrocchio wird für den Schaden aufkommen.«
Er deutete mit der Rechten zur Tür. »Ihr könnt gehen«, sagte er zu den Handwerkern, die sich so schnell entfernten, wie es die Höflichkeit gerade noch zuließ.
»Wir müssen uns für das Bankett in der Via Larga fertig machen«, sagte Albiera und stand auf. »Wir sollten pünktlich sein, sonst wird Piero noch salbungsvolle Worte über die Höflichkeit der Könige verlieren, und das ertrage ich heute nicht.«
Jacopo schüttelte seine Faust aus; vielleicht schmerzte sie nach den Schlägen, die er dem ungeschickten Handwerker verpasst hatte. »Heute will ich erst einmal Pieros Gesicht sehen, wenn er mir den Ehrenplatz des Gonfalioniere zuweisen muss«, sagte er mit einem zufriedenen Grinsen.
»Ob Piero endlich Lorenzos Heirat öffentlich macht?«, wollte Francesco wissen.
»Er wird schon wissen, warum er bislang nichts darüber hat verlauten lassen. Ausgerechnet eine Römerin! Als ob die Florentinerinnen nicht gut genug für seine Söhne wären«, antwortete Albiera.
»Natürlich«, gab Francesco aufgebracht zurück. »Das wird den Medici vermutlich noch mehr zu Kopf steigen. Dabei laufen sie doch ohnehin schon durch Florenz, als müsste man schon froh sein, wenn man ihnen die Stiefel lecken darf!«
Francesco hatte es ebenso wie sie selbst immer gehasst, im Schatten der Medici zu stehen. Als Junge hatte er Lorenzo und Giuliano beneidet, die von ihrer Familie wie kleine Prinzen herumgezeigt wurden, aber später war der Neid in Zorn umgeschlagen, Zorn darüber, vom Schicksal ungerecht behandelt zu werden. Er war damit aufgewachsen, dass sein Bruder Guglielmo und er selbst immer nach den Medici kommen mussten, bei jedem Spiel, jedem Umzug, jedem Fest. Dabei waren Guglielmo und er, so glaubte er, den verzogenen Medicisöhnen eigentlich überlegen! Aber sein Bruder teilte seine Meinung nicht nur nicht, sondern hatte sogar eine Medici zur Frau genommen, ein Verrat, den Francesco persönlich nahm.
»Wir sollten es die Stadt nicht vergessen lassen, wie die Medici über sie denken«, sagte Albiera nachdenklich. »Lorenzos Wahl wird viele in Florenz verärgern, das kann uns noch nützlich werden.«
»Ich kann es kaum abwarten, ihn beim Turnier vom Pferd zu holen und Staub fressen zu sehen.«
Albiera sah ihren Neffen zweifelnd an. Francesco war ein passabler Reiter, aber er neigte auch zur Selbstüberschätzung.
»Was dieses Turnier angeht, muss ich ohnehin noch mit dir reden«, sagte Jacopo mit düsterem Gesichtsausdruck zu Francesco. »Es gibt eine Neuigkeit, die dir ganz und gar nicht schmecken wird.«
Florenz, Februar 1469
Es war bereits vollständig dunkel, als Giuliano zusammen mit seiner Familie das große Speisezimmer betrat. Alle anderen Gäste saßen bereits an ihren Plätzen und erhoben sich nun, um den Gastgebern die Ehre zu erweisen. Der Tisch der Medici stand an der Stirnseite des Raumes und war außer der Familie nur den wichtigsten Gästen vorbehalten.
Giuliano nahm seinen Platz neben Lorenzo ein. Neben ihnen saßen ihr Vater und ihre Mutter. Lucrezia de’ Medici wirkte so würdevoll wie immer, und Giuliano war sich sicher, dass sie mit ihrer weißen Haube und der blau-grünen Gamurra auf viele der anwesenden Gäste einschüchternd wirkte. Neben Lucrezia saß der Mailänder Botschafter Sacramoro, der schon einige Monate in der Stadt war. Es folgten die Ehrengäste des Turniers, die Gesandten aus Pisa und Ferrara. Mit Giulianos älterer Schwester Bianca und ihrem Ehemann Guglielmo de’ Pazzi war der Tisch komplett. Nannina, die Älteste unter den Geschwistern, weilte gerade mit ihrem Ehemann Bernardo Rucellai und ihren Kindern in Padua.
Im Saal waren noch neun weitere Tische aufgestellt, an denen die Stadträte saßen: acht Priori und der neue Gonfalioniere di Giustizia mit ihren Familien. Jacopo Pazzi hatte das Amt des Bannerträgers der Justiz zum ersten Mal inne, was überraschend war. Die Ämter in der Signoria wechselten schnell, aber die Namen und Gesichter derjenigen, die sie besetzen, blieben üblicherweise immer gleich.
Piero de’ Medici blieb einen Moment vor seinem Stuhl stehen, begrüßte die Gäste und wünschte ihnen einen angenehmen Abend in seinem Heim. Dann setzte er sich, und auf ein Handzeichen von Lucrezia hin kamen Diener in den Saal, die Wein, Brot, Fischpastete mit Orangensauce und gefüllte Weinblätter hereinbrachten.
Die Auswahl des Essens war typisch für seinen Vater. Alles war von ausgesuchter Qualität, wirkte aber niemals protzig oder überladen. Piero war stets darum bemüht, den märchenhaften Reichtum der Familie nicht allzu offenkundig zur Schau zu stellen.
Der Mailänder Gesandte, ein drahtiger Mann, dessen linkes Auge von einer ledernen Klappe verborgen wurde, hob seinen Becher. »Auf Messere Medici, Madonna Lucrezia und das Turnier!«
Giuliano prostete ihm zu.
Piero hob ebenfalls seinen Becher, deutete in Richtung der versammelten Gäste und ergänzte: »Und auf unsere geliebte Stadt und ihre Signoria, die all dies möglich gemacht hat.«
Natürlich ist es ihm wichtig, zu betonen, dass Florenz das Turnier ausgerichtet hat und nicht etwa die Medici, dachte Giuliano. Obwohl es natürlich so war.
Der junge Gesandte aus Ferrara prostete Giulianos Bruder zu. »Und auf Euer Wohl, Lorenzo! Mein Herr schickt nicht nur seine besten Wünsche, sondern auch die Hoffnung, dass Euch die Pferde, verbunden mit Eurem Können, zu einem großen Sieg tragen werden.«
»Mein Dank geht an Herzog Borso, der mich mit so edlen Pferden versorgt hat, dass es eine Schande wäre, mit ihnen zu verlieren; ich werde also mein Bestes geben«, versetzte Lorenzo lächelnd.
Anders als am Nachmittag war Lorenzos Stimme nun wieder ganz gefasst, wie man es von ihm gewohnt war, und er wählte seine Worte so geschickt wie immer.
Der Wein floss ebenso dahin wie die Unterhaltung, und Giuliano begann sich zu entspannen; wenn ihre Gäste sein halb zugeschwollenes Auge bemerkten, waren sie jedenfalls zu höflich, um es zu erwähnen.
Als der vierte Gang – süßer Wein, Gebäck und kandierte Früchte – serviert worden war, erhob sich Piero erneut und blickte in die Runde. Sobald alle Gäste begriffen hatten, dass ihr Gastgeber eine Rede halten wollte, verstummten die Gespräche im Saal.
»Mit dem Turnier, das übermorgen beginnt, werden wir nicht nur den Geburtstag meines Sohnes Lorenzo begehen«, begann Piero und machte eine kleine Pause, wie um die Spannung zu steigern. »Sondern wir werden auch seine junge Ehe feiern. Es ist mir eine große Ehre zu verkünden, dass Lorenzo schon bald nach dem Turnier Clarice Orsini, die Tochter von Fürst Giacomo Orsini, als seine Frau nach Florenz heimholen wird.«
Er warf einen Seitenblick zu seinem ältesten Sohn, der leicht verlegen aussah, wie Giuliano feststellte. Überrascht es ihn wirklich, was Vater sagt? Oder spielt er bloß mit?
Die Ehe zwischen Lorenzo und Clarice war ein Gegenstand zäher Verhandlungen gewesen, bevor sie zum Ende des alten Jahres in Rom geschlossen worden war – allerdings ohne Lorenzo, den ein Verwandter vor dem Altar vertreten hatte.
Einen Augenblick lang wurde es still. Dann brach der Saal in Beifall und Hochrufe aus, doch Giuliano bemerkte, dass viele der Gäste nicht mit dem Herzen bei der Sache zu sein schienen – kein Wunder, denn die vornehmsten Familien der Toskana hatten sich alle Hoffnungen darauf gemacht, dass eine ihrer Töchter den Haupterben der Medici heiraten würde – und diese Hoffnung war jetzt zerstört.
Sacramoro erhob sich als Erster. »Meinen allerherzlichsten Glückwunsch, Messere Medici! Möge Eure Ehe mit zahlreichen Nachkommen gesegnet werden! Und eine adelige Römerin? Wie außergewöhnlich.«
Lorenzo neigte lächelnd den Kopf, flüsterte Giuliano aber aus dem Mundwinkel ins Ohr: »Mit außergewöhnlich meint er wohl eher inakzeptabel.«
Mailand hatte eine Weile mit den Medici wegen einer Hochzeit verhandelt, aber auch dieser Bund war nicht zustande gekommen.
Außergewöhnlich war die Wahl ihrer Eltern in der Tat, hatten die Medici doch seit Generationen innerhalb der Stadt geheiratet.
»In der Tat, Lorenzo, gab es kein florentinisches Mädchen für dich? Oder waren sie dir nicht schön genug?«, rief Tommaso Soderini.
»Oder zu verheiratet?«, fügte Guglielmo de’ Pazzi halblaut hinzu.
Damit spielte Giulianos Schwager auf Lucrezia Donati an, mit der sein Bruder eine stürmische Affäre unterhielt. Da ihr Mann seit Monaten auf einer Handelsreise war, waren die beiden nicht allzu vorsichtig gewesen.
Piero, der sich die Glückwünsche eine Weile still angehört hatte, setzte sich wieder, als er die Bemerkung seines Schwiegersohnes hörte. »Was hättest du denn lieber gesehen? Ein Pazzi in der Familie ist jedenfalls mehr als genug«, zischte er. Guglielmo verstummte sofort, und Giulianos Schwester Bianca sah aus, als hätte sie in eine Zitrone gebissen. Bianca stand weder ihm noch Lorenzo sonderlich nah. Sie war bereits seit zehn Jahren verheiratet und führte einen eigenen Haushalt. Ihre Ehe mit Guglielmo hatte ein strategisches Bündnis der Familie mit dem zweitreichsten Handelshaus in Florenz geschaffen. Doch auch, wenn sich Bianca und Guglielmo offenbar gut verstanden, änderte das nichts daran, dass ihre beiden Familien Konkurrenten waren.
Lorenzo ließ den Blick von einem zum anderen wandern, dann stand er auf und hob seinen eigenen Becher. »Die Töchter Florenz’ sind einfach zu schön, Tommaso Soderini«, rief er in Richtung des Sprechers. »Ich konnte mich für keine entscheiden. Hätte ich es getan, hätte es mir das Herz gebrochen. So heirate ich ein tugendhaftes Mädchen aus Rom, und mir bleibt die Qual der Wahl erspart.«
»Wir werden gerne bei den Töchtern Florenz’ für dich einspringen, Bruder«, fügte Giuliano hinzu, gerade laut genug, um von den meisten Anwesenden verstanden zu werden.
Die Gäste lachten, als Lorenzo sich wieder setzte; sie hatten die Stimmung im Saal herumgerissen. Lorenzo zwinkerte Giuliano gut gelaunt zu.
Ihr Vater sah zu ihnen herüber, aber Giuliano konnte seinen Blick nicht deuten. Piero hatte mehr getrunken, als es seine Gewohnheit war. Normalerweise hielt er sich bei dieser Art von Anlass zurück und trank höchstens einen Becher Wein, um stets Herr seiner Sinne zu sein.
»Außerhalb der Familie gibt es kein Fest, das bloß ein Fest ist«, hatte er seinen Söhnen stets eingebläut. »Ihr seid Medici, und jeder, der bei euch zu Gast ist, will entweder Geld oder einen Gefallen von euch. Oder ihr wollt eines von beidem von ihm.«
Jacopo de’ Pazzi erhob sich. Seine Schwester Albiera, eine überschlanke Frau mit schwarzem Haar, das sie glatt nach hinten gebunden hatte, folgte seinem Beispiel. »Auf Euch und Eure Römerin, Lorenzo!«, rief er. »Hoffen wir, dass sie mit Eurer Hilfe den Weg nach Florenz findet.«
Lorenzos Gesicht erstarrte, aber Lucrezia beugte sich zu ihren Söhnen hinüber. »Geh nicht darauf ein«, bat sie Lorenzo. »Clarice wird sie schon für sich einnehmen.«
»Keine Sorge, Mama.« Lorenzo legte seiner Mutter eine Hand auf den Arm. »Ich denke, Giuliano und ich kommen mit ein paar gebrochenen Herzen und verärgerten Vätern zurecht.«
Lucrezia lachte, dann wandte sie sich mit geübter Liebenswürdigkeit wieder ihrem Tischnachbarn zu.
Unterdessen waren Musikanten eingetroffen, die mit Lauten, Flöten und einer Trommel für Unterhaltung sorgten.
»Warum hast du mir nicht gesagt, dass du bereits entschieden hast, wann ich nach Rom reisen soll?«, fragte Lorenzo seinen Vater im Plauderton, aber seine Stimme zitterte.
Piero blickte zu den Musikern hinüber, als wollte er abschätzen, ob seine Worte über ihr Lied hinweg zu hören wären. »Es schien mir ein guter Zeitpunkt zu sein«, sagte er dann leise. »Du gewinnst das Turnier, dann holst du deine Braut her, die ein Mädchen aus einer der besten Familien Roms ist. Deiner glänzenden Zukunft steht nichts mehr im Wege.«
»He«, warf Giuliano ein. »Noch hat er das Turnier nicht gewonnen.« Wenn sie gegeneinander antraten, kam es meist auf die Sportart an, wer von ihnen beiden die besseren Aussichten auf einen Sieg hatte. Auf einem Pferd und mit einer Lanze rechnete sich Giuliano zumindest gute Chancen gegen seinen Bruder aus.
Nun wandte sich ihm Piero doch zu. »Wag ja nicht, darüber auch nur nachzudenken!«, zischte er. »Lorenzo gewinnt das Turnier, damit sein Platz in der Stadt unangefochten ist. Du wirst gegen ihn verlieren, so wie jeder andere auch.«
»Was?«, entfuhr es Giuliano, der sich fragte, ob er richtig gehört hatte. Lorenzo biss sich auf die Lippe, und Giuliano erkannte, dass sein Bruder von diesem Plan bis eben auch nichts gewusst hatte.
»Wie jeder andere auch?«, fragte Lorenzo. »Wie kannst du dir dessen so sicher sein, Vater?«
Piero sah ihn an und schüttelte kaum merklich den Kopf. »Das weißt du nicht?«, fragte er mit mildem Spott in der Stimme. »Dabei bist du doch mein kluger Sohn.«
»Du hast mir den Sieg gekauft?«, presste Lorenzo hervor. »Sag mir, dass das nicht wahr ist.«
»Es ist wahr, und ich hätte niemals vermutet, dass du so dumm bist, dies nicht zu wissen.«
Giuliano stand auf. Der Wein war ihm bereits zu Kopf gestiegen. Hätte sein Vater ihn gefragt, ob er zurückstecken und verlieren könnte, hätte er sich vielleicht sogar einverstanden erklärt. Aber die Selbstverständlichkeit, mit der er von ihm erwartete, stets in Lorenzos Schatten zu stehen, war heute Abend einfach zu viel für ihn.
»Entschuldigt mich«, murmelte er. Er lief aus dem Saal und gab vor, seine Mutter, die seinen Namen rief, nicht zu hören. Er rannte die Treppe hinauf, an dem endlosen Strom von Dienern vorbei, die mehr Wein, mehr Gebäck, mehr von allem brachten. Erst als er an der Küche vorbei war, blieb er auf dem obersten Treppenabsatz stehen und betrat dann den Dachboden, von wo aus eine Luke auf das Dach führte. Er zwängte sich hindurch und atmete tief die kühle Nachtluft ein.
Dieser Ort war früher oft der einzige in dem immer vollen Haus gewesen, an dem Lorenzo, Fioretta und er für kurze Zeit für sich sein konnten, versteckt vor den erwartungsvollen Blicken ihrer Eltern und der Welt.
Hinter ihm erklangen Schritte. Lorenzo war ihm gefolgt und ließ sich neben ihm auf das schmale Vordach fallen.
»Vater hat heute schlimme Schmerzen«, sagte er, als erklärte das alles.
»Diesen Entschluss hat er aber nicht heute gefasst«, entgegnete Giuliano. »Vermutlich hat es Wochen gedauert, alle Turnierteilnehmer zu bestechen, damit du deinen großen Triumph bekommst.«
Lorenzo sah ihn mit einem schwer zu deutenden Gesichtsausdruck an, das dunkle Haar hinter die Ohren geklemmt.
»Glaubst du, mir macht es Spaß, dass Vater mir den Sieg kauft?«, fragte er. »Jeder auf der Piazza Santa Croce wird wissen, dass ich nicht gewinne, weil ich der Beste bin, sondern weil er der Reichste ist.«
»Aber trotzdem wirst du gewinnen«, gab Giuliano bitter zurück. »Du wirst der Held von Florenz sein, während ich dir aus dem Staub gratulieren soll.«
Sein Bruder legte die Stirn in Falten und sah Giuliano an. »Du nimmst dieses Turnier zu wichtig«, sagte er dann. »Es ist nur ein Wettkampf. Es macht noch keinen Helden aus mir und keinen Verlierer aus dir.«
»Du hast leicht reden. Du bist ja nicht der, der verlieren muss.«
»Mir würde es nichts ausmachen, wenn du den Siegerkranz bekämst, das weißt du doch«, gab Lorenzo zurück. »Und ich hoffe bloß, dass Lucrezia Donati nichts von alldem mitbekommt. Sie muss mich für erbärmlich halten, wenn sie es herausfindet.«
Giuliano merkte, wie der Ärger sein Gesicht heiß werden ließ. Ihm stand Fiorettas Bild vor Augen, die schließlich auch dabei zusehen würde, wie er sich um Lorenzos willen lächerlich machte. »Aber mich können sie ruhig für armselig halten? Unsere Familie und die halbe Stadt?« Seine Stimme wurde laut.
»Und was soll ich deiner Meinung nach deswegen tun?«, rief Lorenzo, nun ebenfalls aufgebracht.
»Ich will nicht einfach so aufgeben. Kannst du nicht für einen ehrlichen Wettstreit sorgen?«
»Giuliano, sei vernünftig! Wie soll das denn jetzt noch möglich sein? Soll ich jede einzelne wichtige Familie in Florenz aufsuchen und darum bitten, Vaters Absprachen zu umgehen? Wie stünden wir denn da? Das ist unmöglich, das muss dir doch klar sein. Wir haben zu spät davon erfahren – jetzt muss ich das Turnier eben gewinnen.«
Er legte Giuliano die Hand auf die Schulter, aber Giuliano wollte die Geste nicht annehmen und stieß Lorenzo von sich. »Soll ich dich jetzt auch noch dafür bedauern?«
Lorenzo sprang auf und sah vom Rand des Daches herunter auf die Stadt. »Verdammt noch mal, Giuliano, du bist nun einmal der Jüngere von uns beiden! Kannst du dich nicht einfach einmal auf meine Seite stellen?«
Giuliano stand ebenfalls auf und baute sich neben seinem Bruder auf. Wie konnte Lorenzo das nur fragen? Als ob ich je vergessen könnte, wer von uns beiden der Ältere ist. Der Hoffnungsträger. Der zukünftige Herr von Florenz. »Du hast mich einmal fast hier heruntergeworfen, weißt du das noch?«, fragte er mit einem Blick in die Dunkelheit unter ihnen.
Sie waren noch fast Kinder gewesen, und es war das letzte Mal, dass sie sich geprügelt hatten.
»Ja«, gab Lorenzo zu. »Damals wolltest du mich auch nicht gewinnen lassen. Obwohl ich größer und stärker war als du.«
Giuliano fuhr sich mit der Hand durch die Haare und strich über die Narbe am Hinterkopf, die er sich zugezogen hatte, als er nach einem Schlag von Lorenzo mit dem Kopf auf den Rand des Daches aufgeschlagen war. Er wäre abgerutscht, wenn Lorenzo ihn nicht am Kragen gepackt und wieder nach oben gezogen hätte.
»Du hast mein ganzes Hemd vollgeblutet, aber du hast unseren Eltern nichts verraten, obwohl Mutter am liebsten die Inquisition losgelassen hätte«, murmelte Lorenzo. Aller Ärger war aus seiner Stimme gewichen.
Giuliano nickte. »Ich stehe immer an deiner verdammten Seite, weißt du das nicht?«
Lorenzo antwortete ihm nicht sofort. Schließlich schüttelte er den Kopf. »Es tut mir leid. Wirklich«, sagte er leise. »Ich will so auch nicht gewinnen. Aber bitte denk daran: Wir werden noch viele Turniere abhalten. Und da können wir es machen, wie wir wollen. Ich verspreche dir, dass du nach diesem Wettkampf nie wieder meinetwegen verlieren musst.«
Giuliano seufzte. Wenn Vater nicht mehr ist. Das war der unausgesprochene Satz seines Bruders, der so schwer zwischen ihnen hing wie der toskanische Nebel an einem Oktobermorgen auf den Feldern.
Er sah seinen Bruder an, und sein Zorn verrauchte. Auf ihn wütend zu sein, bringt dir gar nichts.
»Was soll’s«, murmelte er. »Vielleicht hättest du mich ja auch einfach so besiegt?«
Lorenzo lachte freudlos. »Bei einem Kampf mit der Lanze? Nicht sehr wahrscheinlich.«
»Nein, nicht sehr.« Sie mussten beide lachen, als sich die Anspannung zwischen ihnen löste.
»Giuliano, du musst noch etwas für mich tun«, meinte Lorenzo dann. Er flüsterte beinahe.
»Und was?«
»Kannst du Clarice Orsini aus Rom abholen?«
Giuliano sah ihn überrascht an. »Ich soll deine Verlobte abholen? Aber ist das nicht genau die Aufgabe, die Vater eben dir übertragen hat?«
Lorenzo verzog kaum merklich das Gesicht. Giuliano wusste, dass Lorenzo seine künftige Ehefrau, die seine Mutter bei einem Besuch in Rom ausgesucht hatte, kaum kannte, und folglich auch nicht eben darauf brannte, sie wiederzusehen.
»Ich kann jetzt nicht weg«, erklärte sein Bruder. »Egal, was Vater sagt. Du siehst ja, dass er mit jedem Tag unberechenbarer wird. Ich habe Angst, dass wir wichtige Unterstützer verlieren, wenn ich jetzt wochenlang nicht in Florenz bin. Du weißt, wie angespannt das Verhältnis zu Venedig ist – was, wenn Vater nun auch noch die Mailänder vor den Kopf stößt? Herzog Sforza könnte sich sofort dazu entschließen, die Seiten zu wechseln und sich gegen uns zu stellen.«
Giuliano war es nur allzu bewusst, dass diese Sorge nicht unbegründet war. Wer weiß, wer das nächste Ziel von Pieros Jähzorn wird? Und wenn ich das Turnier tatsächlich absichtlich verlieren muss, möchte ich danach ohnehin nicht in Florenz sein.
»Aber wird ihre Familie nicht enttäuscht sein, wenn nur der künftige Schwager auftaucht und nicht der Bräutigam selbst?«, überlegte er laut.
»Gib den Orsini ein paar protzige Geschenke und das Versprechen auf einen neuen Kredit, das wird sie trösten«, gab Lorenzo zurück. »Nach dem, was Mutter erzählt, haben sie zwar diesen uralten Namen, aber kaum noch genug Florin, um sich über Wasser zu halten.«
Giuliano musste wider Willen grinsen. Natürlich hatten die vornehmen Orsini nur eingewilligt, unter ihrer Würde und nach Florenz zu heiraten, weil die Medici ihnen etwas bieten konnten, das sie selbst schon lange nicht mehr hatten – Geld.
»Vielleicht wäre es sogar ganz gut, Vater eine Weile lang nicht unter die Augen zu kommen«, überlegte er laut. »Gut, ich mache es. Aber ich kann nichts dafür, wenn deine Braut sich auf dem Weg in mich verliebt, nur dass das klar ist.«
Lorenzo lachte. »Du hast zu viele antike Sagen gelesen, Giuliano«, gab er zurück. Aber dann streckte er die Arme aus und drückte seinen Bruder an sich. »Danke«, sagte er. »Ich schulde dir etwas. Für alles.«
Florenz, Mai 1469
Das Pferd des Reiters bäumte sich auf und hätte ihn beinahe abgeworfen. Seine Hände griffen in die Mähne, krallten sich fest. Sein Gegner, ebenfalls zu Pferd, hielt eine Lanze auf ihn gerichtet, bereit, ihn mit einem Stoß aus dem Sattel zu heben.
Die hübschen Züge des jungen Reiters waren verzerrt, jedoch nicht vor Angst, sondern vor Zorn.
Fioretta fand, dass sie den Gesichtsausdruck gut getroffen hatte, aber das Pferd in dieser Bewegung darzustellen, erwies sich als ausgesprochen schwierig. Vorsichtig rieb sie mit dem Zeigefinger über den schraffierten Körper. Die silberhellen Linien, mit denen sie das Fell gezeichnet hatte, würden mit der Zeit nachdunkeln und einen Braunton annehmen.
Als sie das Papier anhob und die Zeichnung aus einiger Entfernung betrachtete, stellte sie fest, dass ihr die Drehung des vorderen Pferdekörpers nicht gelungen war, weshalb das Tier nun beinahe wie ein Fabelwesen aussah, zusammengesetzt aus zwei unterschiedlichen Hälften.
Sie seufzte. Sie hasste es, wenn ein Bild auf dem Pergament anders aussah als in ihrer Vorstellung. Mit diesem Ergebnis konnte sie sich nicht zufriedengeben. Sie würde einen Teil der Zeichnung abschaben und den Untergrund neu mit Kreide und Leimwasser grundieren, um es noch einmal zu versuchen.
»Fioretta!« Die Stimme ihres Vaters ließ sie hochschrecken, und sie bedeckte das Papier unwillkürlich mit der Hand.
Antonio Gorini betrat ihre Kammer und stellte sich neben sie. Ihr Vater war ein großer Mann mit hängenden Schultern und dunklem Haar, das allmählich schütter zu werden begann.
»Störe ich dich?«, fragte er mit sanfter Stimme, wie es seine Gewohnheit war. Antonio blieb fast immer ruhig und höflich und ertrug sogar die Launen von Piero de’ Medici mit stoischer Ruhe. Neben seiner Kunstfertigkeit als Arzt hatte sicher auch diese Gelassenheit dafür gesorgt, dass er im Haus in so hohem Ansehen stand.
Ihr Vater schob Fiorettas Finger zur Seite und nahm das Papier. »Das ist gut«, stellte er fest, nachdem er es einen Moment betrachtet hatte. »Du wirst immer besser.«
»Danke, Papà«, gab sie zurück. »Aber es ist nicht so gut, wie es sein sollte. Das Pferd ist missglückt, und ich weiß nicht, wie ich es besser machen kann. Ich brauche einen Lehrer.«
Ihr Vater lächelte nachsichtig. »Ich weiß. Und ich denke, ich habe gute Nachrichten für dich, Antonietta«, sagte er.
Nur Antonio nannte sie manchmal noch so, mit dem Namen, auf den sie getauft worden war. Alle anderen hatten längst den Kosenamen übernommen, den ihre Mutter ihr gegeben hatte, als sie ein kleines Mädchen gewesen war. Fioretta. Kleine Blume.
Außer dem Namen war ihr nicht viel von ihrer Mutter geblieben, die schon seit vielen Jahren in einem bescheidenen Grab in Muontespertoli lag.
Fioretta sah ihren Vater auffordernd an. Sie hatte ihn schon oft darum gebeten, sie unterrichten zu lassen. Am liebsten wäre sie in eine Werkstatt eingetreten, aber Antonio hatte bislang immer gezögert, auch nur zu versuchen, sie dort unterzubringen. Kaum ein Künstler in Florenz hatte weibliche Schüler, und wenn, dann waren es meist ihre eigenen Töchter.
»Maestro del Verrocchio kommt heute mit seinen Gehilfen her. Madonna Lucrezia hat ihn eingeladen, um über Lorenzos Hochzeit zu sprechen. Sie will natürlich nur das Beste für ihren Sohn und ihre neue Schwiegertochter und wünscht sich von der Werkstatt einige Aufbauten für die Feier. Wenn du möchtest, wird sie dich ihm vorstellen. Sie glaubt ja ebenfalls daran, dass du Talent hast, und vielleicht kannst du den Meister davon überzeugen, dir Unterricht zu geben.«
Ihr Herz schien einen Schlag auszusetzen. Maestro Verrocchio! Sie kannte so viele seiner Büsten und Gemälde, die den Palazzo Medici schmückten, hatte seine Werke voller Bewunderung studiert.
Etwas Besseres könnte mir nicht passieren!
»Pack ein paar deiner Zeichnungen zusammen, bevor du zu ihr hinuntergehst«, sagte Antonio. »Es kann sicher nicht schaden, dem Maestro zu zeigen, was du schon kannst.«
Fioretta sprang auf und öffnete die Truhe, die am Fußende ihres Bettes stand. Unschlüssig blickte sie auf den Stapel an Zeichnungen und nahm schließlich alle heraus.
Als sie das erste Stockwerk erreichte, hörte sie aus dem Raum neben dem Treppenabsatz ein tiefes, gutturales Geräusch, so als gurgelte jemand mit einem Glas Wasser. Die Laute drangen aus Lorenzos Zimmer, dessen Tür halb offen stand.
Fioretta wusste, dass sie einfach weitergehen sollte, aber ihre Neugier siegte über ihren Verstand. Sie ging zwei Schritte zurück und spähte durch die halb offene Tür. Lorenzo stand vor einem Spiegel, ohne Camicia und nur mit seinen Hosen bekleidet. Er hatte eine Hand an den Hals gelegt und sprach sehr tief und überdeutlich lang gezogene Vokale aus. Die schwarzen Haare umrahmten ein Gesicht, in dem zwar die Ähnlichkeit zu Giuliano deutlich war, aber anders als dieser hatte Lorenzo die flache Nase und das vorspringende Kinn seines Vaters geerbt, die ihn weniger anziehend erscheinen ließen. Was ihm an Schönheit fehlte, machte er jedoch leicht mit seinen Worten wett, wenn er es wollte.
Was immer Lorenzo da tut, geht mich nichts an, dachte Fioretta. Ich sollte so schnell wie möglich zu Madonna Lucrezia gehen. Doch noch bevor sie sich zurückziehen konnte, fing Lorenzo im Spiegel ihren Blick auf und fuhr zu ihr herum. Er fasste sich schnell.
»Gentile de’ Becci hat mir diese Übungen gezeigt. Sie helfen mir, ein besserer Redner zu werden«, sagte er ganz ruhig und so, als beantwortete er eine Frage, die sie ihm gestellt hatte.
»Ich … bitte entschuldige«, sagte sie hastig. »Ich war eigentlich auf dem Weg zu deiner Mutter und Maestro Verrocchio, als ich dich gehört habe. Ich hätte nicht lauschen sollen.«
»Meine Stimmübungen sind kein Geheimnis«, gab er zurück. Er machte einen Schritt auf sie zu. »Sind das deine Zeichnungen?«, fragte er und deutete auf das Papier in Fiorettas Händen. Sie nickte und schaute verlegen zur Seite. Warum machte es ihm nichts aus, halb nackt vor ihr zu stehen, während sie versuchte, ihn nicht anzustarren?
Er nahm die Zeichnungen aus ihren Händen und sah sich das oberste Bild an. »Du hast das Turnier gemalt, nicht wahr?«, fragte er.
Sie nickte.
Er zeigte auf den dunkelhaarigen Reiter mit dem zornigen Blick. »Ist das Giuliano?«
Fioretta nickte. »Er war so wütend, weil er verlieren musste.«
Offiziell war Giuliano im letzten Kampf von seinem Pferd abgeworfen worden, aber Fioretta wusste, dass er sich absichtlich hatte fallen lassen, bevor er von seinem Bruder besiegt werden konnte. Es musste jedem klar sein, dass Lorenzo nicht von allein gewonnen hatte. Aber Florenz hatte dem Erben der Medici dennoch zugejubelt, gekaufter Sieg oder nicht.
Piero hatte nach dem Turnier tagelang nicht mit seinem jüngsten Sohn gesprochen, und die beiden schienen sich noch nicht wieder versöhnt zu haben, als Giuliano schließlich nach Rom aufgebrochen war, um Clarice Orsini abzuholen.
»Du hast ihn sehr lebensecht eingefangen«, sagte Lorenzo mit sanfter Stimme, die nicht erkennen ließ, ob ihn der Umstand störte, wie er das Turnier gewonnen hatte. »Du magst ihn sehr, nicht wahr?«, hakte er nach.
Fioretta merkte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss. Das war keine Unterhaltung, die sie mit Lorenzo führen wollte.
»Jeder mag Giuliano«, gab sie ausweichend zurück.
»Das stimmt«, antwortete Lorenzo. »Jeder mag meinen Bruder. Und besonders die Frauen mögen ihn. Normalerweise geht mich das weniger als nichts an, aber bei dir ist das etwas anderes. Ich möchte nicht, dass du dich unglücklich machst«, erklärte er. »Du weißt, dass Giuliano jemanden heiraten wird, der seinem Stand entspricht, nicht wahr? Jemanden, der dem Haus Medici etwas zu geben hat?«
Seine Worte schmerzten sie mehr, als sie es wahrhaben wollte.
Sie sog tief den Atem ein und hob den Blick, sah ihm direkt in die dunklen Augen. »Keine Sorge, Lorenzo«, sagte sie. »Das ist nicht, was ich über Giuliano denke.«
Eine kleine Stimme in ihr wisperte, dass sie log, aber sie wollte Lorenzo so rasch wie möglich überzeugen und gehen.
»Umso besser, Fioretta.« Er trat einen Schritt zurück und griff nach seinem Hemd, das er über einen Stuhl gelegt hatte. »Ich hoffe, Maestro Verrocchio wird dich unterrichten. Deine Zeichnungen verdienen es.«
Als Fioretta das Scrittoio im ersten Stock betrat, war sie noch immer von der Begegnung mit Lorenzo so durcheinander, dass sie Lucrezias freundliche Begrüßung nur abwesend erwiderte. Die Mutter von Lorenzo und Giuliano saß hinter ihrem Schreibtisch, in ihrer gewohnt kerzengeraden Haltung. Es hieß, dass sie einen guten Kopf für Zahlen besäße, und sowohl ihr Schwiegervater als auch ihr Mann waren mehr als bereit gewesen, dieses Talent zugunsten der Medici zu nutzen. Sie hatte deshalb in der Bank eine wichtige Stellung inne. Allerdings arbeitete sie nicht im Erdgeschoss, wo die Schreiber und Angestellten ein und aus gingen, sondern in ihren eigenen Räumen.
Fioretta hätte sie allein für das bewundert, was sie für die Familie bewirkte, aber Madonna de’ Medici war außerdem vom ersten Tag an freundlich zu ihr gewesen, damals, als Fioretta sich noch mit staunenden Augen im Palazzo Medici verlaufen hatte.
»Dein Vater sagt mir, dass du von Maestro del Verrocchio unterrichtet werden möchtest?«, fragte Lucrezia direkt, als sie vor ihr stand.
Fioretta neigte den Kopf. »Ja, Madonna. Ich übe das Zeichnen jeden Tag, aber es gibt so vieles, was ich noch nicht beherrsche.«
Lucrezia nickte. »Dann wollen wir gemeinsam versuchen, den Meister davon zu überzeugen, dass er dich als Schülerin annimmt. Verrocchio ist sicher einer der Besten in Florenz. Aber ich muss dich warnen. Er kann ziemlich stur sein und ist nicht sehr umgänglich.«
»Das macht mir nichts aus, Madonna! Ich weiß nicht, wie ich Euch danken kann«, gab Fioretta zurück.
Lucrezia lächelte, und ein Kranz von Falten erschien um ihre Augen. »Das sollte nicht allzu schwer werden. Diese Hochzeit bringt mich noch um den Verstand, und ich werde deine Hilfe bei den Vorbereitungen in der Bottega sicher noch gut gebrauchen können. Außerdem hast du nicht nur in deinem Vater, sondern auch in meinen Söhnen Fürsprecher, die sich für dich einsetzen – wie sollte ich mich da weigern?«
Giuliano und Lorenzo haben sich für mich eingesetzt? Doch noch bevor sie den Gedanken weiterverfolgen konnte, führte ein Diener einige Gäste in den Raum.
