Verlag: Ravensburger Buchverlag Kategorie: Für Kinder und Jugendliche Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2016

Flucht aus der Unterwelt. Das erste Abenteuer der Geister-Gang E-Book

Kester Schlenz

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E-Book-Beschreibung Flucht aus der Unterwelt. Das erste Abenteuer der Geister-Gang - Kester Schlenz

Ein Besuch auf dem Jahrmarkt endet für Till, Meck und Bea in einer Katastrophe: Eine Wahrsagerin verbannt sie in die gruselige andere Welt! Neben Monstern und Gespenstern gibt es dort zum Glück auch ein paar nette Gestalten ...

Meinungen über das E-Book Flucht aus der Unterwelt. Das erste Abenteuer der Geister-Gang - Kester Schlenz

E-Book-Leseprobe Flucht aus der Unterwelt. Das erste Abenteuer der Geister-Gang - Kester Schlenz

Impressum

Als Ravensburger E-Book erschienen 2016Die Print-Ausgabe erscheint im Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH© 2016 Ravensburger BuchverlagText © Kester SchlenzUmschlag- und Innenillustrationen: Max MeinzoldErstmals 2004 unter dem Titel Die unglaubliche Reise durch die andere Welt bei Omnibus erschienen.Alle Rechte dieses E-Books vorbehalten durch Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH, Postfach 1860, D-88188 Ravensburg.ISBN 978-3-473-47767-8www.ravensburger.de

Widmung

Für Henri und Hannes –

Danke für die coole Mitarbeit.

Hagganaug!

Madame Malus

Ich glaube nicht an Geister und Gespenster. Ich weiß, dass es sie gibt. Ich weiß auch, dass es Werwölfe, Trolle, Hexen und Vampire gibt. Und Wesen, die ihr euch noch nicht mal in euren schlimmsten Albträumen vorstellen könnt. Denn ich habe sie alle getroffen. Damals – in der ANDEREN WELT. Ich will euch davon erzählen. Von der unglaublichsten Reise, die drei Kinder jemals unternommen haben. Von einer Reise in eine andere Dimension.

Alles begann an einem warmen, regnerischen Sommerabend. Ich heiße übrigens Till und bin zwölf. Mit meinen beiden Freunden Meck und Bea war ich auf dem Jahrmarkt, der jedes Jahr in unserm Dorf stattfindet. Mit Schießbuden, Autoscootern und all diesem Zeugs. Meck ist elf, dick wie ein Wal, aber ein prima Kerl. Er kennt mehr Witze als jeder andere Mensch und jeder Außerirdische, möchte ich mal behaupten. Bea ist zehn und dünn wie ein Bambusrohr. Aber sie hat ein Mundwerk wie ein Maschinengewehr. Wer sich mit ihr anlegt, wird mit Wort-Granaten niedergemacht. Ich kann euch sagen: Das Mädel kann fluchen, da werden sogar Knastbrüder rot.

Also, der Jahrmarkt war an diesem Abend nicht besonders gut besucht. Es fing an zu nieseln und es waren kaum noch Leute da.

„Du meine Güte“, sagte Bea, als wir mit einem Eis in der Hand vor dem fast leeren Riesenrad standen. „Was sind die Leute doch empfindlich. Man möchte meinen, die Niagara-Fälle würden über uns hereinbrechen, so stellen die sich an. Dabei pieselt es doch nur ein bisschen.“

„Exakt“, bestätigte Meck. „Die sind allesamt Weichlinge, Winselstuten und Sesselpupser.“ Er hob die Arme und rief laut: „Meine Damen und Herren, wie soll es noch enden mit diesem Land? Wenn keiner mehr bereit ist, Leistung zu zeigen! Es muss doch möglich sein, auch bei Regen Spaß zu haben!“

Ein Ehepaar, das vorbeiging, schüttelte den Kopf. Aber Bea und ich applaudierten ihm.

Bea rief: „Meck muss Bürgermeister werden! Neue Männer braucht das Land!“

Wir gingen kichernd an der Geisterbahn vorbei, an deren Fassade ein riesiger Totenkopf prangte, der immer den Mund auf- und zumachte. Und aus einem Lautsprecher tönte dazu: „Alles jubelt, alles lacht, wenn der Geister-Express seine Runden macht!“ Aber niemand jubelte oder lachte. Es waren kaum Besucher da, die Lust hatten, sich in einen der Wagen zu setzen. Nur an einer Schießbude standen ein paar junge Männer, die Bier tranken und dauernd danebenschossen.

„Darf ich vorstellen: die Schützenkönige unserer wunderschönen Gemeinde!“, rief ich und wies mit übertriebener Geste auf die Suffköppe. Meck und Bea klatschten Beifall und lachten.

Ein Losverkäufer mit einem viel zu kleinen Hut auf dem Kopf wurde auf uns aufmerksam, kam auf uns zu und sagte: „Lose, Lose, Lose – jedes dritte Los gewinnt!“

„Danke, danke, danke“, antwortete Bea. „Jedes dritte Kind ist pleite.“

Großes Gekicher. Es war immer sehr lustig, wenn wir drei zusammen waren. Stets ging es darum, wer die anderen mit Witzen und irgendwelchen Streichen übertreffen konnte. So eine Art Gag-Wettbewerb. Wir konnten uns da richtig reinsteigern. Wer hätte gedacht, dass uns unser Übermut heute noch das größte und gefährlichste Abenteuer unseres Lebens bescheren würde?

Lachend liefen wir ein paar Hundert Meter über den halb leeren Jahrmarkt und standen schließlich etwas aus der Puste in der Nähe eines ziemlich kleinen schwarzen Zeltes.

„Was ist denn das für ’ne mickrige Hütte?“, fragte Bea.

Wir gingen näher heran und entdeckten ein kleines Schild über dem wirklich nicht sehr imposanten Zelt. Darauf stand: Madame Malus – Wahrsagerin.

„Den Namen kenne ich“, sagte Meck und runzelte die Stirn. „Von der hat mir meine Mutter erzählt. Sie war neulich bei dieser Madame und hat sich aus der Hand lesen lassen, weil sie an so ein Zeugs glaubt. Und hinterher war sie ganz fertig, weil ihr diese komische Frau total Angst gemacht hat. Dass sie bald einen Unfall haben würde, wenn sie nicht aufpasst, und so was.“

„Ätzend“, meinte Bea. „Ich finde, diese Madame muss dringend ein bisschen verarscht werden.“

„Genau“, sagte ich, schob die Zeltplane am Eingang ein wenig zur Seite, streckte meinen Po hinein und rief: „Sie können mir aus der Hand lesen, Madame! Oder

das Neueste von meinem Hintern, ganz wie Sie wünschen.“

Wir lagen am Boden vor Lachen. Ich weiß beim besten Willen nicht, was mit uns los war. Nett war das wirklich nicht. Aber die Vorstellung, Madame Malus würde mit ernstem Gesicht vor meinem Po hocken und mir die Zukunft voraussagen, war ein echter Knaller.

Und dann meinte Meck: „Hier muss noch härter durchgegriffen werden. Ich will Rache für meine Mama.“

Sofort fing er an, die Heringe, mit denen das Zelt der Wahrsagerin im Boden befestigt war, einen nach dem anderen herauszuziehen.

Bea und ich machten nach kurzem Zögern begeistert mit.

Aber mittendrin – das Zelt hatte schon schwere Schlagseite – schoss plötzlich eine Gestalt aus dem Zelt, packte mich blitzschnell am Ohr und zerrte mich hinein. Bea und Meck schüttelten erst ungläubig den Kopf, rannten uns dann aber entschlossen hinterher.

Die Gestalt, offensichtlich Madame Malus, war ziemlich alt, trug ein schwarzes langes Kleid, ein noch schwärzeres Kopftuch und war ganz deutlich mächtig sauer auf uns. Sie hatte mich inzwischen losgelassen, und wir drei standen etwas bedeppert in ihrem dunklen, nur von Kerzenlicht beleuchteten Zelt und wussten nicht, was wir sagen sollten.

„Das könnte euch so passen“, schimpfte Madame Malus mit schnarrender Stimme. „Vor meinem Zelt herumlungern, mich beleidigen und es dann auch noch fast zum Einsturz bringen!“

Mit einem Schlag war uns die Sache ungeheuer peinlich, und ich versuchte, die Wahrsagerin zu beschwichtigen: „Also, äh … sorry, Madame … wir wollten nicht …“

„Papperlapapp!“, unterbrach sie mich barsch. „Ihr drei Rotzlöffel braucht eine Lektion, die ihr nie vergesst! Ihr werdet nie wieder so respektlos zu Madame Malus sein!“

„Kommt, wir hauen ab“, zischte uns Bea zu. „Die Alte ist ja völlig durchgeknallt.“

Wie auf ein Kommando drehten wir uns um und wollten hinauslaufen. Doch – wir konnten es kaum glauben – der Ausgang war verschwunden! Da, wo man eben nur eine Plane etwas zur Seite schieben musste, um auf den Jahrmarktplatz hinauszugelangen, war auf einmal nur eine glatte, undurchlässige Zeltwand.

„Das gibt’s doch nicht!“, stöhnte Meck und be­fummelte hilflos das Zelt.

„Nimm deine dicken Finger von meinem Eigentum!“, fauchte Madame Malus.

Wir starrten sie erschrocken an. Erst jetzt registrierten wir, was sich noch im Zelt befand: ein Tisch mit einer roten Decke, davor zwei Stühle, ein Vogelkäfig, über den ein Tuch gedeckt war, vier große Kerzen auf sonderbar verzierten Ständern und mitten auf dem Tisch eine große Glaskugel, die von innen beleuchtet war.

Das Ganze war so typisch für eine Wahrsagerin, dass es eigentlich schon wieder komisch gewesen wäre, wenn wir nicht auf einmal so massiven Schiss gehabt hätten.

Irgendetwas stimmte hier nicht, stimmte ganz gewaltig nicht.

Wir hatten offenbar über die falsche Frau Witze gemacht.

„Ja, das habt ihr“, zischte die Wahrsagerin und ich zuckte zusammen. Sie konnte meine Gedanken lesen! Verdammter Mist. So was gab’s doch nicht!

„Ich glaube, wir haben ein klitzekleines Problemchen“, flüsterte Meck. Das sagte er immer, wenn es irgendwie unangenehm wurde.

Madame Malus bewegte sich nicht. Aber sie sprach. Leise, eindringlich, mit plötzlich sehr warmer, einfühlsamer Stimme.

Allerdings verstanden wir kein Wort. Es war ganz offenbar eine fremde Sprache. Eine, die wir alle drei noch nie gehört hatten.

„Das sind Beschwörungen“, rief Bea plötzlich. „Verdammt, die will uns verhexen!“

Bea kannte sich gut aus mit solchen Dingen. Sie hatte mehr Horrorfilme gesehen als alle in unserer Klasse zusammen.

Ich wollte ihr und Meck gerade zurufen, dass sie sich die Ohren zuhalten sollten. Aber auf einmal konnte ich mich nicht mehr bewegen und auch nicht mehr sprechen.

Den anderen ging es genauso.

Ma­dame Malus lächelte grausam, sprach weiter, und auf einmal begann die Glaskugel auf dem Tisch zu brummen und wie irre zu leuchten und zu blitzen. Dann veränderte sich das Licht im Innern der Kugel, und man konnte wie in einem runden Fernseher etwas erkennen: eine Landschaft, riesige Berge, nein Vulkane …

Dann ertönte ein lautes Krachen und ein heller Punkt raste aus der Kugel genau auf uns zu. Mit ungeheurer Geschwindigkeit. Er wurde größer, kam immer näher und auf einmal waren wir drei von gleißend hellem Licht umschlossen.

Seltsame Musik ertönte. Es klirrte, als ob Kristall zerbrach, dann gab es einen lauten Knall – und danach war alles still.

Die Ankunft in der ANDEREN WELT

Um uns herum war nun nur noch Dunkelheit. Ich war starr vor Entsetzen. Erkennen konnte ich aber, dass Meck und Bea noch bei mir waren. Sie schwebten neben mir im Nichts und waren von einem bläulichen Schimmer umgeben. Meck sah mich mit angst­erfüllten Augen an, sein Bauch wogte auf und ab. Er bewegte den Mund. Aber ich konnte nichts hören. Bea starrte nur ungläubig in die Gegend. Sie war verdammt blass geworden. Dann zischte es plötzlich, immer lauter, und – wumm! – mit einem weiteren Knall purzelten wir auf eine Wiese und lagen völlig verdattert in sehr weichem Gras.

Als wir uns etwas berappelt hatten, standen wir auf und erblickten das Seltsamste, das wir je in unserem Leben gesehen hatten.

Wir befanden uns in einem sonderbaren Zwielicht auf einer weiten, von Gras bewachsenen Ebene, größer als hundert Fußballfelder. Es schien Nacht zu sein. Der Boden unter unseren Füßen vibrierte seltsam, als ob tief unter der Erde ein gewaltiges Kraftwerk arbeitete.

Meck schaute nach oben. „Da, seht …!“, stammelte er und zeigte mit seinem Finger in den Himmel.

Dort stand groß und gelb der Mond. Na ja, so etwas Ähnliches wie der Mond. Denn die große, helle Kugel hatte ein Gesicht wie ein Totenschädel.

„Prost Mahlzeit“, flüsterte Meck und drängte sich an mich. „Ich glaube, wir haben da ein winziges Problem …“

„Was hat die Alte mit uns gemacht?“, unterbrach ihn Bea. Sie zitterte und blickte sich ängstlich um. „Wo zum Teufel sind wir? Das hier gibt’s doch alles nicht. Sie muss uns hypnotisiert haben oder so was.“

„Guck dir bloß mal die Sterne an“, flüsterte ich.

Die waren tatsächlich noch seltsamer als der Totenkopf-Mond. Sie leuchteten mal grün, mal blau und änderten dauernd wie riesige Flugzeuge ihre Position. „Flitze-Sterne“, bemerkte Meck. Es sollte wohl witzig sein, aber an seiner Stimme konnte ich erkennen, dass er sich – wie wir alle – ziemlich unwohl fühlte.

In der Ferne ragten Vulkane in die Dunkelheit. Gelber, leuchtender Rauch stieg aus ihren Kratern und ab und zu ließen sie ein dumpfes Grollen ertönen. Aber das war nicht das einzige Geräusch. Immer wieder ertönte ein seltsames Wispern. Als ob unsichtbare Wesen um uns herumflögen. In ein paar Metern Entfernung erkannten wir auch Bäume. Doch sie sahen überaus merkwürdig aus, denn ihre Wurzeln ragten in den Himmel und ihre Kronen steckten mitsamt den Ästen und Blättern halb in der Erde. Und auf den knorrigen Wurzeln hockten kleine rosafarbene Affen mit drei Augen und musterten uns misstrauisch.

„Madame Malus hat uns offenbar direkt in die Hölle gebeamt“, flüsterte Meck leise und drängte sich wieder mit seiner mächtigen Wampe an mich. Das erschien mir allerdings so vertraut, dass ich mir nur schwer vorstellen konnte, unter Hypnose zu stehen.

Wir hockten uns auf den Boden und machten erst mal eine Lagebesprechung. Fakt war, dass wir eine Frau beleidigt hatten, die offenbar in Sachen schwarze Magie wider Erwarten eine Menge draufhatte. Sie hatte uns irgendwo hingehext, um uns zu bestrafen. Wir erinnerten uns, dass sie gefaucht hatte, uns „eine Lektion“ erteilen zu wollen.

„Wir müssen die Alte also irgendwie besänftigen“, meinte Meck.

Bea schlug vor, dass wir gemeinsam „Entschuldigung, Madame Malus!“ rufen sollten. Und das taten wir dann auch. Aber nichts geschah, und irgendwann kamen wir uns blöd vor, einfach so „Entschuldigung, Madame Malus!“ in den Himmel zu grölen.

Schließlich schwiegen wir und beobachteten die faszinierende Landschaft um uns herum. Das Wis­pern, so stellten wir fest, stammte von Fledermäusen, die auf dem Rücken flogen und tatsächlich miteinander sprachen. Wenn man genau hinhörte, konnte man sogar verstehen, was sie sagten.

„Schau mal, Menschen“, raunte die eine.

„Die gucken aber komisch“, erwiderte eine andere.

„Sie sehen lecker aus“, ergänzte eine dritte.

Aber sie vermieden peinlichst jede Berührung mit uns.

Schließlich raffte ich mich auf und sagte: „Leute, was soll’s? Wir können hier nicht nur rumstehen. Madame Malus holt uns ganz offensichtlich nicht zurück. Lasst uns losgehen und sehen, was Sache ist. Wir sind hier reingekommen, also muss es auch einen Weg hinaus geben.“

Es klang jedoch mutiger, als mir zumute war. Hätte ich damals gewusst, was für eine unglaubliche Reise uns noch bevorstand, wäre ich wohl auf der Stelle tot umgefallen.

„Und wo sollen wir bitteschön hingehen?“, fragte Meck. „Wollen wir uns in die Vulkane stürzen? Sollen uns die rosa Affen fressen oder ist es euch lieber, wenn uns die Fledermäuse aussaugen?“

„Dann willst du also einfach hier stehen bleiben, oder was?“, knurrte Bea und knuffte ihn in die Seite. „Till hat Recht. Lasst uns losgehen! Irgendetwas wird es in dieser durchgeknallten Gegend ja wohl zu entdecken geben.“

„Ich meine ja bloß, dass wir in Ruhe …“

„Halt!“, unterbrach ich Meck. „Da hat etwas geblinkt. Bei dem großen Vulkan da vorn.“

Jetzt sahen es auch die andern. Ein Licht, wie von einem Leuchtturm, huschte in regelmäßigen Abständen durch die Dunkelheit. Wir schauten uns an und marschierten dann ohne ein weiteres Wort los in Richtung des seltsamen Lichts.