Verlag: Mosaik Kategorie: Ratgeber Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2009

Bekenntnisse eines Säuglings E-Book

Kester Schlenz

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E-Book-Beschreibung Bekenntnisse eines Säuglings - Kester Schlenz

HIER KOMMT RUDI – UND KRIEGT JEDE MENGE AUFMERKSAMKEITEndlich erfahren wir, was wirklich vorgeht in Baby-Köpfen, dem Säugling Rudi sei Dank: Er lüftet das Geheimnis. Kester Schlenz reicht die schonungslosen Bekenntnisse des überaus sprachbegabten „Jungautors“ an uns weiter. Rudi berichtet von der Geburt bis zum ersten Geburtstag: Wie er vom Wickeltisch fällt, den kalten Entzug beim Abstillen durchmacht, sich beim Füttern total einsaut und beim Laufen-Lernen immer wieder auf die Nase fällt. Nichts wird ausgelassen – ob Schnuller-Sucht, Blasenschwäche, Busen-Fetischismus, die Lust an vollen Windeln oder das Tabu-Thema „Gewalt in der Krabbelgruppe“. Ein überaus amüsantes Buch, bei dessen Lektüre dem Leser so einiges klar wird …Das ideale Geschenkbuch für alle, die selbst mal ein Säugling waren.

Meinungen über das E-Book Bekenntnisse eines Säuglings - Kester Schlenz

E-Book-Leseprobe Bekenntnisse eines Säuglings - Kester Schlenz

Inhaltsverzeichnis
 
Vorwort
 
Die Ankunft
 
Deutschland sucht das Super-Baby
 
Die Mutter aller Säfte
 
Das erste Mal
 
Draußen vor der Tür
 
Große, weise Augen
 
Kleine Landwirte
 
Rudi allein im Bett
 
Schrei, wenn du kannst!
 
Nennt mich Smiley
 
Ist »Fontanelle« ein italienisches Essen?
 
Mein Kopf ist zu groß
 
Gemeinsam sind wir wach
 
Faust
 
Rudi, der Redner
 
Overkill
 
Saug it to me, Baby
 
Gefallenes Kind
 
Ein Gedicht
Ode an den Daumen
 
Die Kacki-Wolke
 
Monster
 
Schief gewickelt
 
Voll im Eimer
 
Das Glied gehört nach unten
 
Horror-Pumpe
 
Das Zeigefinger-Mysterium
 
Gneis
 
Keine Macht den Schnullern
 
Holt mich hier raus – ich bin ein Baby
 
Der hat schon mal gesessen!
 
Ich fremdel gern
 
Falsche Rücksichtnahme
 
Mein Mund gehört mir – die orale Phase
 
Undicht
 
Der erste Entzug
 
Essen fassen
 
Zahnen bitte!
 
Fernziel Krabbeln
 
Fahrbare Untersätze
 
Magic Fingers
 
Mumpsimpfen
 
Wenn’s Arscherl brummt, ist’s Herzerl gsund
 
Terroristen im Liedgut
 
Lecker Sand
 
Das ist doch die Höhe!
 
Das Leben entrümpeln
 
Girls
 
Verzweifelter Bäcker
 
Ich bin fett
 
Wenn Erwachsene durchknallen
 
Passiv nuckeln
 
Bad Hair Day
 
Ducks
 
Gewalt in der Krabbelgruppe
 
Famous first words
 
Ich heiße Rudi und bin Popler
 
Ödipus
 
Frequently Asked Questions
 
Wurst
 
Scheißschweres Laufen
 
Christo und Jeanne-Claude
 
Neue Tapetenmuster – selbst geschmiert
 
Gute Worte
 
I had a dream
 
Schlusswort
Copyright
Vorwort
des »aufschreibenden Herausgebers« Kester Schlenz
Liebe Leserinnen und Leser, Sie werden im Folgenden schonungslos ehrliche und manchmal schockierende Bekenntnisse eines Einjährigen lesen. Er wird Ihnen sein Leben von der Geburt bis zum ersten Lebensjahr erzählen. In aller Intimität. Sein Name ist Rudi. Es wird viel um Körperausscheidungen gehen. Wir benutzen – nur damit das klar ist und sich hinterher keiner beschwert – häufig die Ausdrücke »Kacki« und »Pieschi«. Auch die Worte »pupsen« und »rülpsen« können Rudi und ich Ihnen nicht ersparen. Babys beschäftigen sich sehr, sehr viel mit diesen Dingen. Wer das nicht »abkann«, wie wir im Norden sagen, möge dieses Buch besser wieder weglegen. Denn: Sie werden auch in Rudis Windeln schauen, von seinen Verdauungsproblemen erfahren, ihn wollüstig von der Brust seiner Mutter schwärmen hören. Sie werden miterleben, wie er vom Wickeltisch fällt, den kalten Entzug beim Abstillen durchmacht, sich beim Füttern total einsaut und beim Laufen lernen immer und immer wieder auf die Schnauze fällt. Rudi ist nichts Menschliches fremd. Rudi heißt der Erzähler übrigens nicht wirklich. Seine wahre Identität soll unerkannt bleiben. Ich bin ja Journalist und weiß meine Quellen zu schützen. Rudi lebt heute unerkannt auf einer Nordseeinsel und tut, als ob er kein Wässerchen trüben könne. Denn wenn heraus kommt, dass es unter uns einen so schlauen, vergeistigten Einjährigen gibt, der schon seine eigene Geburt in aller Abgeklärtheit kommentiert – dann hätte Rudi keine ruhige Minute mehr. Paparazzi und all dieser Kram – Sie wissen schon. Deshalb müssen Sie mir glauben, dass Rudi mir das Folgende alles erzählt hat. Vor ein paar Monaten. Er saß vor mir, in einem schicken, etwas zu knappen Matrosenanzug, schaukelte selbstvergessen in einem Wipper, spielte mit einem unbenutzten Schnuller (er hatte es sich bereits abgewöhnt) und begann seine Erzählung mit den folgenden Worten:
Die Ankunft
Nennt mich Rudi. Aus Rücksicht auf meine Eltern habe ich meinen Namen geändert. Ich bin jetzt 12 Monate alt und möchte Ihnen von meinem bewegten Leben erzählen. Also, meine früheste Erinnerung ist die an entspannte Stunden im Mutterleib. Total kuscheliges Rumschwimmen bei dezenter rosa Beleuchtung und gedämpftem Sound von draußen. Und dann – zack – die Geburt. Ohne Vorwarnung. Ich kann Ihnen sagen. Das reißt einen ganz schön raus. Also, ich nuckele gerade in aller Ruhe an meinem großen Zeh. Da habe ich auf einmal das Gefühl, als ob die Wände links und rechts und vorn und hinten auf mich zukommen. Wie bei Edgar Allen Poe. Und etwas presst mich raus in Richtung Geburtskanal. Und dann – peng -, ich hab’ mich tierisch erschrocken, platzt die Fruchtblase, und ab geht’s. Das war sowas von eng. Ich dachte, mich zerreißt’s. Und gedauert hat es – ich meine, kann der Mensch nach rund 10.000 Jahren Zivilisation nicht etwas mehr Tempo in die Geburt bringen? Das belastet so einen kleinen Menschen doch ungemein. Und dann, nach geraumer Weile, das Gebrüll von draußen. »Pressen. So pressen Sie doch. Ja, und gleich noch mal«, schrie von irgendwoher eine befehlsgewohnte Stimme. Das hörte sich nicht nach so richtig guter Stimmung an. Im Grunde hatte ich schon die Schnauze voll vom Leben, bevor ich überhaupt richtig draußen war. Und was sehe ich da als erstes? Meinen Alten! Der glotzte mit offenem Mund und total bleichem Gesicht in meine Richtung und schrie: »Ich seh’ das Köpfchen«.
Von wegen Köpfchen, ich habe es meiner Mama mit meiner dicken Birne echt nicht leicht gemacht. Dann hat die Hebamme an mir rumgezerrt, bis ich endlich ganz draußen war. Dort war es vor allem verdammt hell. Zu hell, wenn Sie mich fragen. Zu hell dafür, dass wir ja schließlich im Kreißsaal waren und nicht auf einem Polizeirevier bei der Befragung eines Verdächtigen.
Ich sagte gar nichts, bis man mir eine langte. Also tat ich allen den Gefallen und schrie rum. Und erst da wurde mir klar, dass ich atmete. Oh. Mann. Was für’n Unterschied zur unaufgeregten Grundversorgung über die gute, alte Nabelschnur. Die war ja neun Monate meine bequeme Versorgungs-Pipeline. Und nun das. Als ich mir die Krankenhausluft in die Lunge pfiff, kam ich mir vor wie ein Autoreifen, der mit diesen monströsen Druckluftpumpen voll geknallt wird. Tat ganz schön weh! Aber dann war es okay. Ist irgendwie ganz lustig, wenn sich der Brustkorb hebt und senkt, ohne dass man groß was machen braucht. Mit dem Krabbeln und Gehen ist das später ja’ne ganz andere Sache, wie ich leider feststellen musste. Aber dazu später mehr.
Deutschland sucht das Super-Baby
Nach meinem ersten Gebrüll wurde ich dann auf den Bauch meiner Mutter gelegt und hatte erst mal etwas Ruhe. Mami hat gar nichts gesagt, sondern nur ihre Hand auf meinen Kopf gelegt. Dafür bin ich ihr heute noch dankbar. Mann, es war so hell, laut und unruhig in diesem Kreißsaal, dass ich dachte, ich wär’ auf dem Frankfurter Flughafen. Unmöglich so was. Da propagiert ein Kenner wie Frédérick Leboyer jahrelang die sanfte Geburt, und anschließend hält sich keine Sau dran.
Man gönnte mir denn auch keine fünf Minuten Ruhe. Die Hebamme schlug meinem Daddy vor, mich zu baden. Das war der Beginn einer unseligen Liaison zwischen mir und dem Element Wasser. Zum Glück war es piwarm, und ich entspannte mich etwas, obwohl mein Vater sich reichlich dämlich anstellte. »Ich weiß gar nicht, wie ich ihn halten soll«, flötete er. »Das machen Sie doch ganz toll«, bestätigte die Hebamme denn auch wunschgemäß. Daddy grinste, und ich merkte mir die Nummer »Ungeschickter Mann gibt sich voll Mühe«. Sie sollte mir später noch wertvolle Dienste leisten.
Doch schon nach ein paar Minuten begannen die ersten »Untersuchungen«. Ich meine, was für ein Mist. Da ist man putzmunter, hat sogar schon pflichtbewusst geschrieen, wiegt über 3 000 Gramm, ist über 50 cm groß, hat einen gesunden Pimmel – und trotzdem pieken und drücken sie an einem rum, als ob man sich gerade vorsätzlich die verdammte Nabelschnur um den Hals gewickelt hätte. Mein erster Gesundheits-Check wurde von einer jungen Ärztin vorgenommen, die aussah, als ob sie gerade ihren Moped-Führerschein gemacht hätte. Sie nannte das Rumgegrabbel »Vitalitätsprüfung«. Und sie langweilte meine erschöpfte Mama, der ich ansah, dass sie mich eigentlich gern wieder im Arm gehalten hätte, mit langatmigen Erklärungen. »Ich überprüfe jetzt nach dem so genannten Apgar-Punkte-Schema verschiedene Dinge«, dozierte die Moped-Fahrerin. »Zuerst die Hautfarbe«. »Huch«, dachte ich. »Die Hautfarbe sollte doch in einer aufgeklärten Welt eigentlich keine Rolle mehr spielen«. Aber Frau Doktor wollte nur sehen, ob ich knackig rötlich und nicht etwa weißlich-falb aussah. Ich rülpste, während sie mich eingehend betrachtete, was alle unheimlich komisch fanden. Ich speicherte sofort ab: Rülpsen gleich Bombenstimmung! Einer aus meiner Krabbelgruppe hat mir mal erzählt, dass das später, wenn man groß ist, nicht mehr ganz so gut ankommt. Na ja. Leben heißt Veränderung. Das war mir schon von dem Moment an klar, als ich in den Geburtskanal gepfercht wurde.
Nach der Bestimmung meines Hauttyps checkte die Ärztin meine Atemfrequenz, meine Muskelspannung, den Herzschlag und meine Reflexe und bewertete die Ergebnisse. Es hätte nur noch gefehlt, dass Dieter Bohlen reinkommt und mir wegen meiner süßen Schnute die volle Punktzahl gegeben hätte.
Die Mutter aller Säfte
Als endlich klar war, dass ich zwar wegen der Quetscherei bei der Geburt ziemlich Scheiße aussah, aber im Grunde kerngesund war, ließ man endlich ab von mir und gab mir … Mann, ich krieg jetzt noch’ne Gänsehaut … zum ersten Mal … die Brust. Boahh! Ey! Der Hammer. Ich kann Ihnen sagen. Dafür lässt man schon mal die eine oder andere Gebärmutter links liegen. Also die Brust ist im Grunde unbeschreiblich. Warm, weich, rund, duftend. Und dann dieser ergonomisch perfekte Ansaugstutzen. Man ist noch überwältigt vom Anblick der Brust