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Der 13-jährige Jaques übernimmt die weibliche Sopranstimme, wenn sein Vater Jacob ein Duett aus der Oper 'Carmen' probt. Relativ unerwartet flüchten Vater und Sohn im Jahr 1938 vor den Nationalsozialisten nach Évian-les-Bains. Als Jacob einer jungen attraktiven Golda Meir begegnet, entwickelt sich eine Romanze zwischen den Beiden. Die erotischen Eskapaden lassen die Tragik der Flucht, die in der Karibik endet in einem anderen Licht erscheinen. Wenn der heute über neunzigjährige Jaques in die damaligen Geschehnisse seines Vaters eintaucht und seiner Phantasie freien Lauf lässt, vergisst man für einen Augenblick die Schwere der Zeit. Er plaudert bei einer Flasche Beaujolais mit Isabell, einer Zufallsbekanntschaft aus dem Nähkästchen. Dabei genießen beide das Ambiente des Breitengrades einer Karibikinsel mit seiner unendlichen Weite eines aufgewühlten Meeres. Historischer Hintergrund Golda Meir - damals Meyerson - wurde 1938 als palästinensische Botschafterin von Präsident Roosevelt zum Évian Comité einberufen. Golda Meir war von 1956 bis 1965 Außenministerin und von 1969 bis 1974 Ministerpräsidentin Israels.
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Seitenzahl: 99
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Jaques, der Alte am Fluss 2016
Schach mit Aron 1938
Golda, Evian Comité 1938
Überseepassage 1938
Veranda 2016
Überfahrt / Herbststürme 1938
New York nach Hispaniola 1938
Hispaniola 2016
Sosúa 1938
Sosúa 2016
Quintessenz 2016
St. Louis 1939
Rückflug 2016
Mitwirkende im Jahre 1938
Jacob Blumental sen.
Vater
*1900
Ruth Blumental
Mutter
*1900
Aron Kirschenbaum
Freund
*1900
Jaques Blumental jun.
ICH Erzähler
*1926
Benni Kirschenbaum
Freund vom ICH Erzähler
*1926
Golda Meir
Geliebte
*1898
Mitwirkende im Jahre 2016
Jaques Blumental
ICH Erzähler
*1926
Benni Kirschenbaum
Freund vom ICH Erzähler
*1926
Johannes Blumental
Sohn
*1946
Thilda della Fontez
Schw-Tochter
*1950
Harrie della Fontez
Enkel
*1981
Isabell
Stewardess
*1981
Die Handlung ist frei erfunden, orientiert sich aber an historischen Ereignissen und Personen.
Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Sämtliche auch auszugweise Verwertungen bleiben vorbehalten.
Für
Linda-Angelina
Es ist die Geschichte meines Vaters und einer jungen Frau, der späteren 'Golda Meir.' Es sind die Dinge, die sich zum richtigen Zeitpunkt zufällig ereignen und Emotionen erwecken, die eine überraschende Wende in seinem Leben nehmen. Würde Vater diese Erinnerungen zu Papier bringen, wäre es eine Hommage an eine attraktive junge 'Goldi', wie er sie nannte.
Eigentlich wollten wir zum 'Roosevelt' in die Vereinigten Staaten. Gelandet sind wir in der Karibik, hier am Bananenstrand von Chiquita in Sosúa wo uns eine gleichbleibende Badetemperatur ganzjährig erhalten bleibt.
Die im Laufe der Jahre angepflanzten Palmen haben sich innerhalb drei Generationen zu haushohen Bäumen entwickelt. Sie schützen unsere Veranda vor einfallenden Sonnenstrahlen.
Jeden Tag um dieselbe Zeit berichtet die 'Deutsche Welle' über weltweite Neuigkeiten.
Heute: "Attentat im Herzen von Tel Aviv". Harrie hatte sich gerade die Süddeutsche Zeitung ausgebreitet. Die aktuelle Meldung war interessanter:
"Jaques" rief er "Schau Dir das an, was wieder los ist bei Deinen Glaubensbrüdern".
Harry schaltet die Lautstärke auf 'Jaques' Gehör ein. Das bedeutet laut.
Auf einem großflächigen Flachbildschirm erscheint ein zahlreiches Polizeiaufgebot.
Zwei Palästinenser schießen in einem belebten Park mitten in Tel Aviv wahllos um sich. Sie richten ein Blutbad an, bevor sie überwältigt werden. Regierungschef Netanjahu kündigt ein entschlossenes Vorgehen gegen Terroristen an.
Eine Augenzeugin berichtet: 'Ein Attentäter fing plötzlich neben uns an zu schießen. Wir rannten wie die Verrückten weg, er war erst hinter uns, dann bog er in eine Nebenstraße.'
Der Mann habe im Laufen immer weiter auf Menschen geschossen".
"Wir können von Glück sagen, dass Deine Golda euch vor Kriegsbeginn hierher verschickt hat."
Damals hieß sie noch Meyerson, war mit einem Musiker verheiratet und hatte zwei Kinder in meinem Alter.
Ihre Eltern sind nach Milwaukee ausgewandert als sie sechs Jahre alt war. Golda sprach akzentfrei englisch, während im Elternhaus weiterhin jiddisch gesprochen wurde.
Ihren Namen änderte sie erst im Jahre 1954. Von da an nannte sie sich dann Golda Meir, wobei die Betonung ihres Namens auf dem i lag.
Bekannt ist sie uns als ehemalige Ministerpräsidentin Isarels aus den Jahren 1969 bis 1974, eine alte Frau mit politischem Charisma, die damals schon einundsiebzig Jahre alt war. Ihre äußere Erscheinung entsprach eher einem unerotischen a-sexuellen Oma Typus, trotzdem verfügte sie über politisches Charisma mit starker Ausstrahlung. Ihr LUCKY STRIKE Konsum ohne Filter hatte tiefe Kerben in ihrem Gesicht hinterlassen.
Aber zu Vaters Zeiten im Jahre 1938 in Evian war sie jung und attraktiv. Ich spreche, wie ich schon sagte in meiner Erzählung weiterhin von Golda Meir auch wenn sie erst später so hieß.
Kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges begegnete mein Vater dieser jungen attraktiven Golda. Er lernte sie während seines Engagements in Evian-les-Bains näher kennen und er tat alles um diese attraktive junge Frau zu erobern. Und schließlich war sie es, die nicht unbeteiligt daran war, dass Harrie mit mir, seinem über neunzigjährigen Großvater heute in der Dominikanischen Republik lebt.
Sollte jemand meine Rolle im Film übernehmen, dann würde ich diesen Herrn 'Jemand' als einen hochgewachsenen, knöchrigen weißhaarigen alten Mann sehen. Dass mein Gebiss bereits zum dritten Mal ausgewechselt wurde, wäre weniger auffällig als meine dicken Brillengläser. Es gibt Tage, an denen ich mich Dank meiner Leichtigkeit ohne Spazierstock fortbewegen kann. Am liebsten sitze ich mit meiner Angel am Fluss.
Isabell dreht auf dem Absatz um, der Anruf auf dem Festnetz kommt von der Redaktion ihrer Tageszeitung: „Aha, einen Bericht zum Thema ‚Gesellschaft‘ zeitnah ist gewünscht, … Rubrik Interview“ wiederholt Isabell. - Weiter Begriff! So ein Idiot. Ich flieg nach 'Ballermann!' Sind Billigurlauber. Wie wär's mit "Fluch der Karibik".
Ihre blonden Haare sind zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Unterwegs versucht sie die Ärmel der Uniformjacke zu erwischen. Ein Blick auf die Uhr. Die Zeit ist knapp wie immer. Handgepäck und Handtasche landen auf dem Rücksitz ihres neuen Fiats, der hergeben muss, was möglich ist um rechtzeitig beim Briefing zum Flug nach Santo Domingo zu sein.
Der Anruf ging ihr durch den Kopf, er meint sicher ein Essay über das Crew-Leben, oder vielleicht über den Stop-Over, oder beides? Sicher weiß er selbst nicht genau was er haben will. Wieder so ein undefinierter Auftrag, der nicht reicht um ein Appartement in München bezahlen zu können, weshalb sie diesen Job als Flugbegleiterin immer noch machen muss. Nix anstrengender als dieser Knochenjob.
Zwölf Crew-Mitglieder der Kabinenbesatzung haben sich inzwischen eingefunden und bewegen sich auf dem schmalen Gang zum Treffpunkt, wo der Flugverlauf nach POP, Abkürzung für Puerto Plata besprochen wird. Der Co-Pilot kommt dazu, teilt die Wetterbedingungen mit.
Die Türen des Crewbusses öffnen sich hinter der Tragfläche. Gedankenversunken trabt Isabell lustlos der Kabinen-Crew zur hinteren Treppe des Jumbos hinterher.
Puerto Plata im Norden der Dominikanischen Republik gilt als Urlaubsparadies für Pauschaltouristen. Aber Cabarete war etwas Anderes. In diesem ehemaligen Fischerdorf spielt sich das Leben am Strand ab. Hat richtig Flair, dieser Ort an der Bucht von Punta Galeta. Hier haben die Kite-Surfer ihr eigenes Revier. Der Nordwest Passat bietet beste Wetterbedingungen. Die weite Bucht hängt voller bunter Segel, die wie überdimensional große Schmetterlinge aussehen und sich bis zum Horizont hinziehen. In diesem Punkt scheint Einigkeit in der Crew, zwei freie Tage unter blauem Himmel und warmem Meerwasser ist bezahlter Urlaub, wobei der ältere Herr aus dem Cockpit in seiner Uniform ein deutlich vorteilhafteres Bild abgibt als hier in der Badehose.
In der Bordküche sind die Vorbereitungen für den Rückflug von Puerto Plata nach München in Arbeit. Die Abendsonne scheint zum Fenster der hinteren Bordküche in die Boeing 747 hinein. Isabells junger Kollege schwingt fünf Teebeutel wie einen Propeller durch die Luft und hängt sie in die Teekanne. In Augenhöhe hängt ein Zeitungsausschnitt am Trolley. Er zeigt das Bild einer Flugbegleiterin, die in Hausschuhen und im Morgenmantel, mit Lockenwicklern im Haar und einer Zigarette im Mundwinkel hängend im Gang der Sitzreihen steht und einem Passagier Kaffee einschenkt. Isabel liest laut:
„I hate the early in the morning flights, die spricht mir aus der Seele. Der Weckruf heute Nacht hat mich aus meinem tiefen Traum gerissen. Wollte ihn mir eigentlich merken."
"Heute Nacht, du meinst heute Nachmittag"
Seine Teekanne vergräbt er im Trolley. Dem 'First Aid Kit' entnimmt er zwei Aspirin, die beim Auffüllen mit Coca-Cola kräftig aufsprudeln und reicht eins der Gläser Isabell.
"Aspi verdünnt das Blut und mit Cola putscht auf, das hilft."
"Bei uns ist ja fast Mitternacht, da darf man ruhig müde sein."
Am Flughafen Puerto Plata am Check-In Counter herrscht Hochbetrieb. Über dem Check-In-Counter hängt Harrie, ein hochgewachsener junger Mann, der seinen dunklen Lockenkopf ins Blickfeld des Computers gerichtet hat.
Er selbst würde sich als eine Melange aus einer dunkelhäutigen Dominikanerin und einem weißen Vater bezeichnen und gibt sich gern als kaffeebraun mit einem guten Schuss Sahne auf langen hochgestellten Beinen und einem kleinen runden sexy-e-e-knackarsch kund. Isabell, seine zukünftige Flamme, sagt das ganz gern und langt ihm dabei an seinen Hintern.
„Mister Harrie Della Fontez“, guckt ihn die junge Frau an der Gepäckabfertigung fragend an, „haben Sie Gepäck?“
Er schiebt seinen Koffer auf die Waage.
„Ist die Maschine nach München voll? Ich hätte gern eine Reihe mit viel Beinfreiheit. Wenn’s geht an der Tür." Nach kurzer Mimik hin und her ist ihm seine Platzkarte gesichert. Er erhält eine kurze Info über sogenannte „able body persons“ die bei Notlagen im Stande sein müssen, dem Flugpersonal Hilfe leisten zu können.
Isabell und ihr Kollege lümmeln in der Bordküche und trinken beide ihre Coca-Cola mit Aspirin.
Über Bordlautsprecher kommt die Ansage für die Crew: „PAXE“
Beide verstauen ihr Getränk und bewegen sich zur hinteren Eingangstür.
Beide setzen ein freundliches Gesicht auf, knöpfen Jacken zu. Er stößt Isabell an,
„Du nickst und ich sag‘ Guten Tag.“
Es dauert nicht lange, da bekommt Isabell doch Ihre Zähne auseinander und grüßt auch - ist dem dunklen Lockenkopf sogar behilflich bei der Platzsuche.
Ihr Blick verrät, 'oh mir gegenüber am Emergency Exit'. Die PAXE wühlen sich durch das Gedränge der Kabine. Gepäck wird verstaut. Die Plätze sind eingenommen. Die Kabine klart sich auf.
Die Maschine rollt zur Startposition. Start-up ist gegeben. Über Bordlautsprecher ist zu hören:
„Take Off – Crew bitte setzen“
Die 747 dreht eine scharfe S-Kurve, die Triebwerke laufen auf Hochtouren.
Bremsen werden gelöst Gase hineingeschoben (wie es in der Fliegersprache heißt).
Es ist, als trödele der Flieger im zweiten Gang die Startbahn entlang.
Der Lockenkopf blickt unentwegt durchs Fenster in Richtung der zwei rechten Triebwerke, dabei hat er die Flugbegleiterin im seitlichen Blickwinkel.
Die geschätzte Geschwindigkeit liegt bei ca. 120 km/h. Und die Geschwindigkeit erhöht sich auf maximal 200 km/h. Wie war das nochmal mit der Abhebegeschwindigkeit geht ihr durch den Kopf.
Der Lockenkopf zur Flugbegleiterin die gegenüber zur Flugrichtung sitzt:
"Es brennt! Da kommt Feuer raus!"
Das äußere Triebwerk zieht einen Feuerschweif hinter sich her.
Nichts passiert. Die Maschine zieht ihren Start weiter durch, und zieht einen roten Feuerschweif hinter sich her. In den Sitzreihen sind alle still.
Der Lockenkopf krallt sich an seiner Lehne fest. Ihm sind Gedanken abzulesen:
Ich bin der erste, der rausspringt – Mitten durchs Feuer. Wenn’s knallt … raus! (Wie grad erklärt am Check-in)
HEBEL HOCH UND AUF DIE ANDERE SEITE, TÜR KOMMT NACH INNEN, DANN NACH AUSSEN
STOSSEN, (Also nix mit 'able body person') ÖFFNEN UND RAUS!
Während er geradeaus starrend seine Armlehne immer fester umkrallt, als säße er auf einem Schleudersitz.
„Es ist aus. – Es ist wieder aus.“
Das Ende der Startbahn ist erreicht. Das Abheben ist nur kaum zu merken, aber er schwebt. Nur drei Triebwerke laufen die eine Schaufel des Dreier-Triebwerks steht still.
Der Boden ist weg, nur noch Wasser, selbst die kleinsten Wellen sind sichtbar.
Die Maschine setzt an zu einer Rechtskurve über das Meer und verliert dabei wieder an Höhe, was eigentlich ganz normal ist, doch in diesem Moment macht es Angst! Sie fliegt so niedrig, dass man den Mast vom Segelschiff packen könnte.
Sie schwebt wie ein Geisterschiff, das kurz nach dem Take Off gleich wieder zu einem 'ditching' auf dem Wasser ansetzen wollte.
Niemand der Passagiere rührt sich. Schweigende Ungewissheit deren Luft mit dem Messer schneidbar ist breitet sich in der Kabine aus.
Die Kurve ist zu Ende, die Segelboote verkleinern sich. Zum ersten Mal rührt sich jemand in der Kabine. Harrie lässt die Flugbegleiterin nicht aus dem Auge. Sie telefoniert mit einer Kollegin, "das Dreier-Triebwerk hat gebrannt!"
"Aha, alles unter Kontrolle. Kein Grund zur Besorgnis. Die automatische Löschanlage hat sofort eingesetzt, aber wir müssen umkehren. Wir lassen den Treibstoff ab und warten auf ein Alternate".
Wenn auch nur Fragmente für ihn verständlich sind, aber dass alles unter Kontrolle ist erleichtert Harrie. Langsam lösen sich seine Hände, die krampfhaft seine Sitzlehnen umkrallt hatten.
Der Kollege kommt von der letzten Reihe hoch zur Kollegin und setzt sich neben sie. (Der Jumbo liegt – auch während des Fluges – nie ganz gerade in der Luft. Insbesondere im hinteren Teil 'hängt' er tiefer).
