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Er ist der One-Night-Stand, den sie nie vergessen konnte - und ihr neuer Boss
Als Olivia Reed ihren Traumjob als Personalchefin eines Biotech-Giganten antritt, hat sie mit vielem gerechnet - nur nicht damit, ausgerechnet Phil Bennett wiederzusehen. Der Mann, der sie nach einer einzigen unvergesslichen Nacht wortlos verließ und ihr das Herz brach, ist heute CEO von NexGen - und ihr neuer Boss.
Zwischen Vorstandssitzungen und hitzigen Diskussionen über die Fusion mit BioVaris knistert es wieder gefährlich zwischen ihnen. Doch Olivia weiß: Gefühle für Phil sind ein Risiko, das sie sich nicht leisten kann - nicht, wenn so viel auf dem Spiel steht. Wird die Vergangenheit sie beide einholen, oder kann sie der Anziehung widerstehen?
Verbotene Anziehung, große Gefühle und knisternde Spannung - verliebe dich in Olivia und Phil. So prickelnd wie ein Glas Champagner, so romantisch wie der Blick auf die Bostoner Skyline, so fesselnd wie ein Serienmarathon. Der dritte Band der CEO-Office-Romance-Reihe rund um die CEOs of Boston.
Mit den Trend-Tropes Forbidden Love, Enemies to Lovers, Second Chance.
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Seitenzahl: 403
Veröffentlichungsjahr: 2026
Cover
Inhalt
Grußwort des Verlags
Über dieses Buch
Titel
1 Olivia – vor fünf Jahren
2 Phil
3 Olivia
4 Olivia – 5 Jahre später
5 Phil
6 Olivia
7 Phil
8 Olivia
9 Phil
10 Olivia
11 Phil
12 Olivia
13 Phil
14 Olivia
15 Phil
16 Olivia
17 Phil
18 Olivia
19 Phil
20 Olivia
21 Phil
22 Olivia
23 Phil
24 Olivia
25 Phil
26 Olivia
27 Phil
28 Olivia
29 Phil
30 Olivia
31 Phil
32 Olivia
33 Phil
34 Olivia
35 Phil
36 Olivia
37 Phil
38 Olivia
39 Phil
40 Olivia
41 Phil
42 Olivia
43 Phil
44 Olivia
45 Phil
46 Epilog
Über die Autorin
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Impressum
Cover
Inhaltsverzeichnis
Titelseite
Inhaltsbeginn
Impressum
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Er ist der One-Night-Stand, den sie nie vergessen konnte – und ihr neuer Boss
Als Olivia Reed ihren Traumjob als Personalchefin eines Biotech-Giganten antritt, hat sie mit vielem gerechnet – nur nicht damit, ausgerechnet Phil Bennett wiederzusehen. Der Mann, der sie nach einer einzigen unvergesslichen Nacht wortlos verließ und ihr das Herz brach, ist heute CEO von NexGen – und ihr neuer Boss.
Zwischen Vorstandssitzungen und hitzigen Diskussionen über die Fusion mit BioVaris knistert es wieder gefährlich zwischen ihnen. Doch Olivia weiß: Gefühle für Phil sind ein Risiko, das sie sich nicht leisten kann – nicht, wenn so viel auf dem Spiel steht. Wird die Vergangenheit sie beide einholen, oder kann sie der Anziehung widerstehen?
Verbotene Anziehung, große Gefühle und knisternde Spannung – verliebe dich in Olivia und Phil. So prickelnd wie ein Glas Champagner, so romantisch wie der Blick auf die Bostoner Skyline, so fesselnd wie ein Serienmarathon. Der dritte Band der CEO-Office-Romance-Reihe rund um die CEOs of Boston.
Ava Cooper
Forever with the Boss
Oh, Gott, ich hasse es, allein in einer Hotelbar zu trinken. Die meisten Männer mustern einen wie ein Stück Fleisch, das appetitlich auf einer Platte angerichtet wurde. Vielleicht hätte ich mich doch einfach an der Minibar bedienen sollen. Aber nach dem heutigen Meeting mit dem Vorstand der Vireva Group brauchte ich dringend einen Cocktail – und neue Nerven. Diese Typen haben mich behandelt, als wäre ich ihre Assistentin. Nicht HR Director des Unternehmens, das sie kaufen. Arrogante Idioten.
Ich atme tief durch, lehne mich zurück und versuche, weder zu müde noch zu genervt auszusehen. Eine Strähne fällt mir ins Gesicht und ich streiche sie nach hinten. Vielleicht hätte ich sie mir doch zurückstecken sollen, um strenger zu wirken. Andererseits habe ich meine roten Haare ja schon durch ein Aschblond überdeckt und mir einen Bob schneiden lassen. Das ist seriös genug.
Ich studiere die Karte. Meine Wahl fällt auf einen Rosewater Fizz – leicht, floral, elegant. Ja, darauf habe ich jetzt Lust. Ich hebe den Blick und nicke dem Barkeeper zu, einem Endvierziger mit freundlichem Lächeln und ruhigen bedächtigen Bewegungen. Er strahlt Souveränität aus.
»Ja, Ma’am, was darf es sein?«
Kurz stutze ich bei der Anrede. Ich bin achtundzwanzig, keine hundert. Aber auch keine zwanzig mehr. Dafür verdiene ich genügend Geld, um meine Kleidung in edlen Läden zu kaufen. »Einen Rosewater Fizz, bitte«, antworte ich.
»Kommt sofort.« Er holt die Flaschen hervor, mixt sie gekonnt zusammen. Zum Schluss garniert er den Drink mit einigen Rosenblättern. Dann reicht er ihn mir mit einer Serviette und einer silbernen Schale voller Knabbereien. Wasabi- und Chili-Nüsse.
»Danke.« Ich lächle ihm kurz zu und hebe das Glas an. Ein leichter Rosenduft steigt auf, der meine Sinne beruhigt. Deswegen mag ich diesen Drink so. Er erinnert mich irgendwie an meine Kindheit, an meine Jahre in Südengland. Wir sind erst in die Staaten gezogen, als ich elf war. Meinen Akzent kriege ich kaum weg. Andererseits haben mir schon viele Männer gesagt, wie charmant sie das finden. Als ginge es mir darum! Sie sollen mich ernst nehmen. Was die Chefs von Vireva definitiv nicht machen.
Wieder spüre ich den Stachel der Wut. Nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen haben so getan, als seien sie etwas Besseres. Bloß weil ihr Unternehmen größer ist. Trotzdem verstehe ich mehr von meinem Job als sie! Grimmig nehme einen Schluck, trinke das Glas halb leer. Die Augenbrauen des Barkeepers schießen überrascht nach oben. Ja, auch eine britische Lady kann Drinks exen. Vor allem, wenn sie so wütend ist wie ich jetzt.
Ich setze das Glas gerade an, um noch mehr zu trinken, als sich ein schmieriger älterer Mann von seinen Freunden löst und grinsend auf mich zugeht. Er baut sich direkt neben mir auf, kommt mir so nahe, dass sich sein beachtlicher Bauch gegen mich drückt. Sein Aftershave wabert zu mir hinüber. Viel zu stark, viel zu viel Moschus. Ich drehe den Kopf weg in der Hoffnung, er versteht den Wink. Aber dieser Kerl hat so wenig Selbstwahrnehmung wie ein Hamster.
Er tippt mir auf die Schulter und säuselt in mein Ohr: »Hallo, Schönheit, bist du eine Fata Morgana oder real?« Seine Stimme ist so schleimig wie sein Aftershave penetrant.
Ich drehe mich langsam zu ihm, werfe ihm einen eisigen Blick zu. »Für dich bleibe ich eine Fata Morgana.«
Er lacht, als hätte ich einen Witz gemacht, kommt mir noch näher. »Schätzchen, du hast Biss, das mag ich. Und dieser feine britische Akzent. Zum Anbeißen! Was meinst du – sollen wir uns beide in Luft auflösen und in meinem Zimmer wieder materialisieren? Ich habe hier eine Suite. Mit einem großen Bett.« Er zwinkert mir anzüglich zu.
Übelkeit erfasst mich. Wieso glaubt dieser Typ, er könnte bei einer Frau mit so blöden Sprüchen landen? Soll ich das erotisch finden? Wenn es eins gibt, das ich hasse, dann diese herablassende Art. Männer wie er machen es Frauen wie mir schwer, ernst genommen zu werden. Meine Miene wird noch kälter. »Du kannst dich gerne auflösen. Und nie wiederkommen. Ich habe selbst ein exzellentes Zimmer, danke.«
Er kneift die Augen zusammen, was sein ohnehin nicht sehr attraktives Gesicht zu einer grotesken Fratze werden lässt. »Ist das so? Und womit hast du dir das verdient?« Er lacht rau, fasst sich in den Schritt. Mustert mich ungeniert und ich wünschte mir, ich hätte mich nach dem Business-Termin nicht umgezogen. Denn das pinke Oberteil, das meine Figur umspielt, ist etwas zu tief ausgeschnitten für Kerle wie ihn. Er leckt sich die Lippen.
Meine Nasenflügel blähen sich vor Wut. Ich bin kurz davor, dem Typen eine zu klatschen. Auch der Barkeeper geht allmählich in Habachtstellung. Auf einmal legt sich ein Arm um meine Schultern und eine tiefe Stimme erklingt hinter mir: »Entschuldige, Darling, ich musste noch mal ins Zimmer. Ich hoffe, du hast mich nicht zu sehr vermisst?«
Verblüfft drehe mich um – und starre direkt in das Gesicht eines Mannes mit perfekt gestyltem schwarzem Haar, einem kantigen Kiefer und einem Blick, der so viel Selbstvertrauen ausstrahlt, dass es fast schon verboten ist. Er wirft mir ein kaum sichtbares Zwinkern zu. Meine Haut prickelt an der Stelle, wo mich seine Hand und sein Arm berühren.
Dann hebt er den Kopf und blickt den aufdringlichen Kerl an, als würde er ihn jetzt erst bemerken. Seine scharfen Züge verdüstern sich und er knurrt: »Und was machen Sie hier bei meiner Frau? Sind Sie ihr etwa zu nahe getreten?« Er spannt die Schultern an. Sie sind breit, ohne Schrankoptik zu haben. Eher die Konturen eines Mannes, der auf seinen Körper achtet und regelmäßig trainiert. Mein Mund wird trocken.
Mein Stalker tritt hastig einen Schritt zurück. »O, äh ... ich ... ich wusste nicht, dass Sie ...«
»Jetzt wissen Sie’s.« Mein Retter schenkt ihm ein kühles Lächeln. »Sie können also gehen. Oder vielmehr – Sie sollten es. Meine Frau wirkt nicht sehr angetan von Ihnen.«
Der Mann murrt etwas Unverständliches, das sich nicht gerade nett anhört, und verschwindet.
Ich sehe den attraktiven Fremden an, ziehe eine Braue hoch. »Wie komme ich zu dem Vergnügen eines unbekannten Ehemanns? Lungern Sie immer in Bars herum, um Damen in Nöten zu retten?«
»Nur, wenn es sich lohnt.« Er lacht herzlich und der tiefe Klang sendet Wellen durch meinen Körper. Verdammt, der Typ hat was. Sehr viel sogar. Nun erst scheint er zu bemerken, dass seine Hand immer noch auf meiner Schulter ruht. Er nimmt sie weg und ich fühle mich seltsamerweise nicht erleichtert, sondern verspüre leise Enttäuschung.
Schmunzelnd deutet er auf den Platz neben mir. »Habe ich mir damit wenigstens das Recht verdient, mit Ihnen zu reden und Sie auf einen Drink einladen zu dürfen?«
»Sicher«, erwidere ich und nehme noch einen Schluck von meinem Cocktail.
Er betrachtet mich derweil nachdenklich. »Also – was darf es sein? Und können wir zum Vornamen übergehen? Immerhin habe ich mich ganz schön ins Zeug gelegt, oder?«
Ich muss lachen. »Ja, das hast du gemacht. Danke übrigens. Dann sag mir doch erst mal, wer du bist.«
»Einfach nur der freundliche Helfer aus der Nachbarschaft.« Es zuckt um seine Mundwinkel und er streckt mir die Hand hin. »Hi, ich bin Phil.«
Ich ergreife sie. »Hey Phil. Ich heiße ...«, kurz zögere ich. Vielleicht sollte ich meinen Namen für mich behalten, damit nachher nicht getratscht wird. Man kann ja nie wissen, welche Kreise das zieht. ... »Olive.« So nennen mich meine Freunde anstelle von Olivia.
Phil lehnt sich zurück und mustert mich mit gesenkten Lidern. Der Typ hat diese ganz bestimmte Aura, die Männer ausstrahlen, wenn sie wissen, wie sie auf andere wirken. Sie macht ihn ebenso faszinierend wie gefährlich.
»Also, Olive ...«, beginnt er, zieht meinen Namen ein klein wenig in die Länge. »Was verschlägt dich in dieses glamouröse Hotel, wo du Männer anscheinend anziehst wie Motten das Licht?«
Ich hebe mein Glas. »Dieser Drink. Und mein Beruf. Ich hatte ein Meeting mit dem Vorstand von Vireva. Eines dieser Treffen, bei denen man am liebsten den Konferenztisch umwerfen oder nach Hause fliegen würde.«
Phil grinst. »Ah. Waren die Folien unterlegt mit dramatischen Soundeffekten? Und sie haben sich zehn Stunden lang vorgestellt?«
Ich kann nicht anders, ich muss laut lachen. »Schlimmer. Sie haben mir erklärt, wie man einen Personalabbau elegant kommuniziert. Dabei leite ich eine HR-Abteilung.«
»Autsch.« Er verzieht das Gesicht, dann winkt er dem Kellner. »Einen Manhattan mit Angostura. Und einen«, er schnuppert an meinem Glas, »Rosewater Fizz.« Er lächelt charmant. »Das passt perfekt zur britischen Rose.«
Den Spruch habe ich schon oft gehört. Aber verbunden mit seiner sexy Stimme und dem Wahnsinnslächeln, untermalt von seinem dunklen Blick wirkt es wie die pure Verführung. Hastig leere ich den Cocktail, während der Barkeeper routiniert unsere Drinks mixt. Gerade als er uns die Gläser rüberschiebt, ist meins ausgetrunken.
Phil hebt sein Glas. »Ich trinke auf Idioten mit zu wenig Manieren und zu viel Selbstbewusstsein.«
Ich stoße schmunzelnd an. »Und ich auf Männer mit genau der richtigen Dosis von beidem.«
Sein Blick verharrt auf mir, gleitet an meinem Körper auf und ab. Anders als bei Mr. Stinkwolke turnt es mich bei ihm aber an. Was auch daran liegen könnte, dass ich schon seit fast einem Jahr keinen Sex mehr hatte. Und mit ihm kann man sicher ein paar wirklich gute Stunden verbringen.
»Vireva also. Und hast du Johnson gesagt, er kann dich mal gerne haben? Oder hat Adams dich geärgert?«
»Du kennst den Laden?«, frage ich erstaunt.
»Ich kenne viele.« Er zuckt lässig mit den Achseln. »Gehört zum Job. Schließlich bin ich in einer ähnlichen Branche. Controlling-Leiter eines Biotech-Unternehmens.«
Ich stöhne. »Du bist also einer, der immer die Hand auf dem Geld hat. Die mögen wir Personaler ja besonders gerne.«
»Irgendwer muss ja darauf achten, dass ihr vor lauter Workshops und Teamevents nicht den ganzen Firmenprofit verprasst.« Er zwinkert mir zu und nippt an seinem Drink.
Fasziniert sehe ich zu, wie seine Lippen den Glasrand umschließen und sich sein Kehlkopf beim Schlucken bewegt. Ich weiß nicht, warum mir das bei ihm so gut gefällt. Wieso ich mich frage, wie es wohl sein mag, wenn er seinen Mund auf meinen legt. Ein leichtes Kribbeln breitet sich in meinem Magen aus. Mist, der Typ macht mich an. Er hat einfach dieses unfassbare Charisma, das nach außen schreit: Schaut mich an. Ich bin erfolgreich, gut aussehend und ich weiß das. Und das reizt mich an ihm. Asche auf mein Haupt.
»Du weißt schon, dass es die Mitarbeitenden sind, die die Umsätze erwirtschaften, oder? Ein perfekter Cashflow ist ohne Menschen wenig wert.« Ich fahre mir mit der Zunge über meine Lippen und sein Blick folgt der Bewegung, wird dunkler. Verlangender. Offensichtlich bin ich nicht die Einzige, die an Körperlichkeiten denkt.
»Natürlich weiß ich das. Ich bin ja kein Unmensch. Nur ein eiskalter Controller mit einem Rechenschieber in der Brust.« Er lacht leise und das Kribbeln verlagert sich von meinem Magen etwas weiter nach unten.
Schnell nehme ich ebenfalls einen Schluck von meinem Cocktail, überlege, wie sehr ich mich auf den Flirt einlassen will. Aber ich bin ungebunden und wir sind hier in Boston, weit weg von Seattle. Ich werde den Typ nie wiedersehen. Vielleicht ist es genau das, was ich jetzt brauche. Um mich wieder gut zu fühlen. Souverän. Ich lächle ihn verführerisch an. »So kalt wirkst du gar nicht, Phil.«
Schmunzelnd legt er mir eine Hand auf den Arm, streicht darüber. Nur eine schnelle Bewegung, aber sie dringt bis in meine Nervenenden vor. »Hängt immer von der Umgebung ab. Wenn es um den Job geht, bin ich knallhart. Jenseits des Büros kann ich allerdings sehr warm sein. Fast sogar heiß.«
Unsere Blicke verhaken sich ineinander. Natürlich wissen wir beide, worauf das heute hinauslaufen wird. Doch noch nicht. Erst tanzen wir miteinander. Mit Worten. Mit Andeutungen. Dezenten Berührungen. Wir reden weiter über uns und unsere Jobs. Und spüren, wie die Spannung stetig ansteigt. Wie es in uns brodelt, während wir Belanglosigkeiten austauschen. Es ist berauschend.
»Ich brauche eine Veränderung. Die Stelle fängt langsam an, langweilig zu werden. Und ich hasse Langeweile. Entweder werde ich bald CFO oder ich gehe.« Phil fährt sich durch seine dichten Haare, die danach immer noch perfekt liegen. Unter dem Hemd erahne ich seine Muskeln. Von denen ich mir sehnsüchtig wünsche, sie an meinem Körper zu fühlen. Ich habe schon meinen vierten Drink intus und bin mittlerweile so scharf auf ihn, dass ich ihn gleich hier in der Bar besteigen könnte.
»Also probierst du gerne mal etwas Neues aus, ja?« Meine Stimme wird rau. Kehlig. Ich ziehe mit den Fingern eine Spur um mein Glas, sehe ihn sinnlich an.
Ich spüre, wie sich sein Blick verändert. Seine Kiefermuskeln spannen sich an. Er wirkt wie ein Tiger auf der Jagd, der sich gleich auf seine Beute stürzen will. Diese Beute bin ich – und ich genieße es.
Mit einem verführerischen Lächeln beugt er sich zu mir. Fixiert mich, während seine Lippen knapp vor meinem Ohr verharren. »O ja. Und was ist mit dir – magst du Abwechslung? Oder bist du ein Gewohnheitstier?«
Sein Atem streift mein Gesicht, kitzelt es und verursacht eine Gänsehaut. Ich sehe ihm in die Augen, erkenne die Tiefe in seinem Blick, das lockende Verlangen. Phil redet nicht mehr vom Job, das wissen wir beide. Mein Puls beschleunigt sich, weil mich seine männlich-markante Ausstrahlung umschlingt. »Wer steht nicht auf ein wenig Abwechslung?«
Er lacht leise und nickt zustimmend. »Gute Antwort.« Er hebt den Drink an, trinkt einen Schluck. Fest setzt er das Glas ab, sieht mich wieder an. Durch halb geschlossene Lider, die Lippen kräuseln sich. Ich spüre, wie er mich förmlich im Geiste entkleidet. »Und worauf hast du jetzt Lust?«
»Was hast du denn im Angebot?«, raune ich.
Seine Augen blitzen auf. Seine Mundwinkel heben sich noch weiter an. »Alles, was du willst.« Er legt erneut seine Hand auf meine Schulter. Diesmal zieht er sie nicht gleich wieder weg, sondern lässt sie liegen.
Ich schlucke, spüre seine Finger so deutlich, als würden sie sich einbrennen. »Wie passend. Ich will alles.«
»Pass auf, was du sagst, Olive. Ich kann sehr fordernd sein ...« Er zieht eine Braue hoch. Dann lächelt er wieder unfassbar sinnlich. »Aber es wird dir gefallen.«
»Ist das so?« Ich erwidere seinen Blick fest.
Sein Lächeln wird herausfordernd. »Ja. Vertrau mir.«
Mich beschleicht das Gefühl, dass ich genau das nicht machen sollte. Dieser Mann ist gefährlich. Aber ich kann mich nicht gegen seine Ausstrahlung wehren. Oder vielmehr, ich will es nicht. Mein Körper steht in Flammen, verzehrt sich nach ihm. Ich will mir alles nehmen, was er mir zu geben bereit ist.
Für einen Moment sagen wir nichts. Die Geräusche der Bar rücken in den Hintergrund. Es gibt nur seinen Blick, mein Herzklopfen und den Rosenduft des Cocktails. Sein Daumen gleitet langsam von meiner Schulter zum Schlüsselbein, streichelt mich sanft und löst einen Schauer nach dem anderen aus. »Und – vertraust du mir?«, fragt er leise, seine Stimme klingt weich wie Samt.
»Nein«, gebe ich zurück und lächle kokett. »Aber das ist mir egal. Ich nehme dein Angebot trotzdem an.«
Für einen Moment wirkt er verdutzt, dann zuckt es um seine Mundwinkel. »Klare Worte«, murmelt er. »Das mag ich.« Er betrachtet mich mit seinen dunkelbraunen Augen, in denen so etwas wie Respekt aufblitzt. »Faszinierend, Olive.«
Er nickt dem Barkeeper zu und reicht ihm seine Kreditkarte, um für uns zu bezahlen. Als er fertig ist, hält er mir die Hand hin. »Wollen wir?«
Einen Moment zögere ich. Dieser Mann wird mir das Herz rausreißen, wenn ich nicht aufpasse. Allerdings habe ich vor, es mit einer dicken Schutzschicht zu umgeben. Und ich brauche heute das Gefühl, lebendig zu sein. »Und ob.«
Ich lege meine Hand in seine und folge ihm zum Aufzug.
Diese Frau ist betörend schön mit ihrer Porzellanhaut, dem Schmollmund und diesen himmelblauen Augen. Darin blitzt mehr Stärke durch, als ihr zierliches Äußeres vermuten lässt. Und dann dieser hinreißende britische Akzent. Er lässt sie vornehm klingen und unfassbar sinnlich. Gott, ich will, dass sie meinen Namen mit diesem Akzent stöhnt.
Ihre Finger, die meine umschließen, sind kühl. Aber ihre Haut ist herrlich weich. Mein Schwanz schwillt so sehr an, dass er mir fast aus der Hose platzt. Diese Mischung aus Zurückhaltung und lasziver Versuchung macht mich total an. Ich will sie in Besitz nehmen, diese britische Rose. Denn ich spüre bereits, dass sich unter dieser blassen Haut ein regelrechtes Feuerwerk der Leidenschaft verbirgt.
Wir warten schweigend, bis der Fahrstuhl kommt, die Hände miteinander verschränkt. Es scheint Ewigkeiten zu dauern und meine Mitte pocht immer lauter. Ich kann es nicht erwarten, ihre Süße zu kosten. Surrend öffnen sich die Türen, lassen ein Paar mittleren Alters heraus, dann gehen wir hinein. Olive schaut zu mir auf, beißt sich auf die Lippe. Ihre Wangen glänzen rötlich. »Und wohin wollen wir?«
Lässig zucke ich mit den Achseln. »Oh, ich lebe in Boston, brauchte nur einen Absacker nach dem Job.« Mir meiner Wirkung bewusst trete ich auf sie zu, schlinge die Arme um ihre schmale Taille und raune in ihr Ohr: »Aber du hast sicher ein schönes Zimmer hier – mit einem großen Bett. Oder?«
Kurz zögert sie, dann nickt sie, nimmt ihre Schlüsselkarte und drückt auf die acht. Nach wenigen Sekunden schließen sich die Türen. Sofort presse ich sie an mich, versenke meinen Mund auf ihrem. Sie schmeckt so süß, wie ich es erwartet habe. Nach dem Rosencocktail, den sie getrunken hat. Ich lasse meine Zunge ihre erobern, während ich meine Hände auf ihren Hintern lege. Er ist rund wie ein Apfel und fast genauso knackig.
Sie keucht leise. Windet sich unter meinem Griff und die Vorfreude lässt mich härter werden. Ich ziehe sie noch enger an mich, lasse meine Finger nach vorn wandern. Mit beiden Händen umfasse ich ihre Hüfte und schiebe mich gleichzeitig gegen ihre Mitte. Damit sie spürt, wie sehr ich sie will. Am liebsten würde ich ihr jetzt sofort die Kleider vom Leibe reißen. Aber ich möchte keinen Quickie im Fahrstuhl mit ihr, dazu ist sie zu exquisit. Ich will es genießen, wenn sie sich auszieht, werde jede Sekunde davon auskosten.
Der Aufzug hält im achten Stock und die Türen öffnen sich. Olive geht voran, ich folge ihr. Von hinten schlinge ich meinen Arm um ihre Taille, hauche ihr einen Kuss auf den Nacken. Spüre, wie sie erschauert, und explodiere fast.
Bei der Nummer 812 bleibt sie stehen. »Hier sind wir.«
Sie nimmt die Schlüsselkarte, öffnet und führt mich hinein. Das Zimmer ist stilvoll, aber nicht protzig. Ein Kingsize-Bett dominiert den Raum, frisch bezogen mit weißer, glatter Hotelwäsche. Am Fenster hängt ein schwerer dunkelblauer Vorhang, leicht geöffnet, sodass die Lichter der Stadt wie Reflexe auf dem Marmorboden tanzen. Ein minimalistischer Schreibtisch mit einer Glasplatte steht an der Wand, daneben ein Sessel. Alles an diesem Raum schreit: Diskretion, Komfort ... und Versuchung.
Sie tritt ein, wirft ihre Tasche auf den Sessel und dreht sich langsam zu mir um. Sie beißt sich auf die Unterlippe, sieht mich abwartend, fast ein wenig unsicher an. Eine Femme Fatale, die nicht verführen will, aber trotzdem erotische Schwingungen ausstrahlt. Sie macht mich so scharf, dass ich mein Verlangen nicht mehr zurückhalten kann. Ich überbrücke die Distanz zwischen uns, packe sie und küsse sie. Fest. Ungestüm. Ich will sie. Jetzt. Sofort. Und sie mich auch. Ich spüre ihre Lust an der Art, wie sie sich gegen mich drückt, ihre Arme um meinen Nacken schlingt. Sie stöhnt leise, und es klingt wie Musik in meinen Ohren.
Langsam lasse ich die Fingerspitzen über ihren Hals gleiten. Das Schlüsselbein entlang. Dabei küssen wir uns die ganze Zeit weiter, ihre Zunge umspielt meine. Weich und sanft. Doch mit einer gewissen Härte, die ich mag. Unser beider Atem geht mittlerweile schneller. Ich löse mich von ihr, nehme ihre Hand und führe sie schweigend zum Bett.
»Bleib hier stehen. Genau hier.« Langsam trete ich einen Schritt zurück, öffne Hemd und Krawatte und sehe auffordernd zu ihr. »Und jetzt – zieh dich für mich aus. Aber mach es ganz langsam und sinnlich. Sexy. Verführerisch.«
Sie presst die Lippen zusammen und verschränkt die Arme vor der Brust. »Was glaubst du eigentlich, wer du bist, dass du mir Befehle erteilen kannst?«
Ich drücke sie wieder eng an mich, küsse sie. Spüre, wie sie unter meinen Berührungen erbebt. Wie sie sich an mich schmiegt. Mehr von mir will. Ich lasse meine Lippen über ihre Wange bis zu ihrem Ohr gleiten. Ziehe eine Spur ihren Hals entlang, bevor ich an ihrem Ohrläppchen sauge.
»Es ist nur ein Spiel, Olive. Ich will es genießen. Ich will dich genießen.« Mit den Fingerspitzen streiche ich über ihre Arme, bis ich ihre Hände erreiche. Sanft lege ich meine Finger über ihre, drücke sie.
»Lass dich darauf ein. Probier etwas aus.« Ich hauche ihr einen Kuss auf, dann gehe ich langsam auf das Bett zu. Ich sinke halb auf die Matratze, stütze mich mit den Ellbogen ab, sehe sie abwartend an. Wird sie mitmachen?
Sie bleibt stocksteif stehen. Und doch erkenne ich in ihrem Blick einen unbestimmten Hunger. Ein Aufblitzen von Abenteuerlust. Vom Wunsch, die Kontrolle abzugeben.
»Vertraust du mir?«, frage ich erneut.
Über ihr Gesicht huscht ein Lächeln. »Nein«, wiederholt sie ihre Antwort. »Aber ich lasse mich trotzdem darauf ein.«
Sie atmet einmal tief durch, bevor sie an den Saum ihres tief ausgeschnitteten Oberteils greift und es langsam hoch schiebt. Langsam und lasziv die Augen halb gesenkt. Gott, ich komme fast sofort. Hat sie eine Ahnung, wie unfassbar erotisch sie ist? Mit diesem Ausdruck von verlegener Unschuld und Herausforderung im Blick – und diesem verruchten Körper. Helle Haut, ein straffer Bauch und dazu diese Taille ... Das Oberteil gleitet noch höher, und ich erahne einen Spitzen-BH. Hauchzart mit Blumenmustern.
Sie zieht sich das Kleidungsstück über den Kopf, wirft es achtlos zu Boden. Das gefällt mir. Es zeigt, dass Olive sich gehen lassen kann. Dass sie auf Ordnung verzichten kann. Chaos erträgt. Noch einmal zögert sie, dann öffnet sie den Reißverschluss ihres Rocks, zieht ihn langsam wohlgeformte Beine entlang, bis er neben dem Shirt liegt.
Ich muss aufpassen, dass mein Mund angesichts ihrer Schönheit nicht aufklappt. Die Brüste sind formvollendet, passen genau zu ihrer schlanken Figur. Sie steht da mit ihrer Spitzenunterwäsche und High Heels. Genau so will ich sie nehmen. Mit diesen verflucht sündigen Schuhen.
Stöhnend greife ich mir an die Hose. Spüre, wie hart ich bin. Über Olives Gesicht gleitet ein Lächeln. »Jetzt du.«
»Das ist nur fair«, sage ich schmunzelnd und streife mein Jackett ab. Allerdings nicht, ohne aus der Innentasche ein Kondom zu holen. Anschließend ziehe ich mein Hemd aus. Ich mache es nicht langsam, dazu bin ich viel zu ungeduldig. Mein Schwanz pocht wie verrückt. Gleich, mein Freund.
Hastig öffne ich die Knöpfe, werfe das Hemd auf den Boden. Es landet auf ihrem pinken Oberteil. Es sieht aus, als würden unsere Kleidungsstücke vorwegnehmen, was wir vorhaben. Ich greife zum Unterhemd, streife es mir über den Kopf. Lässig öffne ich den Gürtel, knöpfe meine Hose auf. Ich stehe auf und lasse sie mitsamt der Unterhose hinabgleiten.
Olives Augen leuchten auf. Nun, ich treibe schließlich jede Menge Sport. Bloß weil ich ein Bürohengst bin, der mit Zahlen jongliert, muss ich nicht so aussehen.
Oh, mein Gott, ist das ein Körper! Mein Mund wird trocken, als Phil sich die Kleidung samt Boxerbriefs abgestreift hat. Er hat breite Schultern mit definierten Muskeln an den Oberarmen und der Brust. Und seine untere Partie – wow! Ein Sixpack vom Feinsten mit hervortretenden Muskelsträngen. Der geht ins Fitnessstudio. Und er weiß genau, dass diese Pracht Verzückung bei Frauen auslöst.
»Komm zu mir.«
Es ist seltsam, aber irgendwie stehe ich auf seine Dominanz. Darauf, dass er den Weg vorgibt und bestimmt, wie diese Nacht laufen wird. Ein Ziehen macht sich in meiner Mitte breit, als ich seiner Aufforderung Folge leiste. Direkt vor ihm bleibe ich stehen, blicke zu ihm auf. Obwohl ich immer noch meine High Heels trage, reiche ich ihm nur bis zur Brust. Die so verlockend aussieht, dass ich die Finger darauflege und darüberstreiche. Ich spüre sein Erschauern.
Er schlingt die Hände um meine Taille, zieht mich an sich und mein Atem beschleunigt sich. Seine Härte drückt sich gegen mich und ich fühle sie durch den dünnen Stoff meiner Spitzenwäsche ganz deutlich. Verlangend. Verlockend. Ich hebe das Kinn an, sehe auf seinen Mund, den er zu einem sinnlichen Lächeln verzieht. Er beugt sich zu mir, berührt mit den Lippen meine Wange hauchzart, streift danach langsam über meinen Mund. Ein kehliger Laut entweicht mir. Himmel, törnt er mich an! Er küsst mich wieder – und ich spüre das brennende Verlangen, das in ihm brodelt.
Unsere Körper finden sich, pressen sich aneinander, während seine Hände von meiner Taille zu meinem Gesäß gleiten. Mit den Fingerspitzen gleitet er unter den feinen Stoff, vergräbt die Hände in meinem Po. Mit festem Griff schiebt er das Höschen herunter. Ich will aus den High Heels schlüpfen, doch er knurrt: »Wag es nicht. Das ist heiß.«
Also lasse ich die Dinger an. Ein Kribbeln der Erregung fließt durch mich hindurch. Diese Nacht wird so ganz anders als alles, was ich sonst erlebt habe. Es macht mich so heiß, dass ich vergesse, wie wenig wir uns kennen. Oder vielmehr steigert das mein Verlangen. Wir sind zwei Fremde. Werden uns danach vermutlich nie wiedersehen. Genau deswegen lasse ich mich auf seine Dominanz ein. Ja, ich sehne sie regelrecht herbei. Warte auf weitere Anweisungen.
Er packt mich an den Schultern, dreht mich um. Ganz langsam streift er über meine Schulterblätter, bis seine Finger sich an der Wirbelsäule treffen. Mit den Daumen streicht er darüber, dann öffnet er meinen BH, der sofort auf den Boden segelt. Nun bin ich bis auf meine Schuhe völlig nackt, mein Rücken drückt gegen seinen Oberkörper.
Mit einem leisen Stöhnen greift er mir an die Brüste, massiert sie mit festem Griff. Meine Spitzen werden hart und mein Innerstes wird noch kribbeliger. Ich keuche, drücke mich enger gegen ihn. Spüre seine pralle Erektion, die sich pochend gegen meinen Hintern drängt. Gott, ist das Ding groß. Ich kann es kaum erwarten, dass er mich ausfüllt. Meine Mitte zieht sich erwartungsvoll zusammen.
»Beug dich vor.« Seine kehlige Stimme ist ruhig und dennoch eindringlich. Ich lasse mich vornübersinken, stütze mich mit den Ellbogen auf dem Bett ab. Balanciere mich auf den hochhackigen Schuhen aus. Ihm entfährt ein zufriedenes Brummen, das in meinem Innersten widerhallt. Meine Erregung weiter ansteigen lässt. Gott, dieser Mann spielt auf mir wie auf einer Klarinette. Jeder Griff ist pointiert – und in einem so quälend langsamen Rhythmus, dass ich fast jetzt schon kommen, wo ich nackt vor ihm halb stehe, halb knie.
Seine Hände gleiten federleicht über meinen Rücken, streicheln und bewundern ihn gleichzeitig. »Olive, du bist wunderschön, Babe. Ich will dich so sehr.«
Er drückt das Becken vor, gegen mein Lustzentrum. Das Kribbeln wird zu einem heißen Brennen, das sehnsüchtige Schauer bis in meine Zehenspitzen sendet. Ein Wirbel der Lust, der mich überrollt und mit sich reißt.
»Worauf wartest du dann?«, flüstere ich gegen das Laken.
Es ist herrlich erregend, ihn hinter mir zu spüren, aber nicht zu sehen. Nicht zu wissen, was er als Nächstes machen wird. Ob er gleich in mich hineinstoßen wird oder es weiter hinauszögert. Ich bin seine Marionette. Wachs in seinen Händen. Und zerfließe unter seinem Griff.
Er lacht leise. »Auf den perfekten Zeitpunkt.«
Seine Finger legen sich auf meinen Hintern, streichen darüber. Nicht mehr sanft. Nein, fordernd. Bebend vor unterdrückter Lust, die mich rasend macht. Die Hand bewegt sich weiter. Tiefer. Erreicht meinen sensibelsten Punkt. Umkreist ihn. Stimuliert ihn mit genau dem richtigen Druck. Jede noch so kleine Bewegung sendet Stromstöße durch mich, unter denen ich erzittere.
Ich stöhne, kralle meine Hände in das Laken. Er kommt dichter und ich fühle seine Spitze an meiner Spalte, während er weiter meinen Kitzler reizt. Lust jagt wie eine Lawine durch meinen Körper, lässt mich nach Luft schnappen. Nie zuvor war ich so wild auf jemanden.
Er nimmt die Hand weg und ich erahne eine Bewegung. Zitternd warte ich darauf, dass er von hinten in mich eindringt. Doch statt seines Schwanzes in mir spüre ich seine Zunge auf meiner Klit. Ein Keuchen entweicht mir und mein Innerstes zieht sich zusammen, als er an mir leckt und saugt, meine Beine umklammernd. Oh Gott, ich stehe schon kurz vor dem Orgasmus! Meine Mitte verkrampft sich, lockert sich wieder. Ich will ihn. Brauche ihn. Jetzt. Sofort!
»Phil«, keuche ich, »bitte ...«
Ich bin mir sicher, dass er weiß, was ich meine. Dass ich ihn ganz tief in mir spüren muss. Bestimmt ist das so atemberaubend wie der Rest seines Körpers.
Doch er reagiert nur, indem er mich noch weiter reizt. Mich weiter mit Zunge und Lippen an den Rand der Ekstase bringt. Ich senke den Kopf, presse stöhnend meine Stirn gegen die Bettdecke, die kalt und glatt ist. Meine Brüste streifen das Laken. Es ist fast so, als liebkose es mich auch. Das Ziehen in meinem Inneren wird heftiger, meine Kontraktionen kommen schneller. Ich kann schon beinahe fühlen, wie die erste Welle der Erlösung heranbrandet.
Aber kurz bevor ich mich im Orgasmus winde, hält Phil inne. Ich erahne aus dem Augenwinkel, wie er die Kondompackung öffnet, das Teil überstülpt und mit einer einzigen Bewegung in mich eindringt. Jesus, sein Penis fühlt sich genauso an, wie ich es mir erhofft habe. Er ist groß, hart und prall, füllt alles in mir aus. Ich keuche, verkralle mich nur noch fester in den Laken.
Er bewegt sich mit kräftigen Stößen, seine Hände liegen auf meiner Taille. Mit einem kehligen Laut schiebt er mich dichter an sich, versenkt sich tiefer in mir. Alles in mir ist konzentriert auf ihn. Auf den gleichmäßigen Rhythmus, mit dem er mich in Besitz nimmt. Mit dem er mich immer höher in den Himmel der Lust trägt. Aber noch nicht hoch genug.
Ich winkle meine Beine leicht an, lehne die Knie gegen das Bett, öffne mich dadurch weiter für ihn. Er stöhnt heiser. Stößt schneller in mich, während der Griff an meiner Taille fester wird. Ich spüre die Wellen des baldigen Höhepunkts immer heftiger heranbranden. Meine Wände ziehen sich enger um ihn, Hitze schießt in meine Mitte.
Er schiebt eine Hand von der Taille nach vorn, seine Fingerspitzen legen sich auf meinen Kitzler. Sofort wird aus der Wärme in meinem Schoß eine lodernde Flammenbrunst, heiß wie die Feuer der Hölle. Es verbrennt mich. Und wird mich gleichzeitig wieder zusammensetzen.
Seine Finger kreisen, seine Härte stößt in mich. Ein Takt, der sich ergänzt. Der mich in süße Qualen schickt, wartend auf die ersehnte Erlösung. Mein Innerstes schreit vor Verlangen, will immer mehr von ihm. Dann endlich rollt mein Orgasmus mit der Kraft eines Güterzugs heran. Die Kontraktionen sind so heftig, dass mir ein lauter Schrei entfährt. Er mischt sich mit Phils kehligem Stöhnen, der nur kurz nach mir kommt. Nicht minder explosiv als ich.
Er lässt sich danach neben mich fallen, schiebt uns beide so weit nach oben, dass wir unsere Köpfe auf die Kissen legen können. Ich schaue zweifelnd auf meine High Heels.
»Also, wenn du nichts dagegen hast, würde ich die gerne loswerden«, sage ich.
Er grinst. »Ich stehe ja darauf. Aber ich finde dich auch ohne verflucht heiß.« Seine Lippen gleiten über meinen Körper, bis er meine Füße erreicht. Sanft umfasst er einen Schuh, streift ihn ab und danach den anderen. »Vielleicht kannst du sie ja zur Schlussrunde anziehen.«
Ich starre ihn verblüfft an. »Schlussrunde? Was um alles in der Welt hast du denn mit mir vor? Einen Sexmarathon?«
»Ich sage es doch – ich kann sehr fordernd sein.« Phil grinst süffisant. Dann zieht er mit seinen Lippen eine weitere Spur über meinen Körper. Diesmal von unten nach oben. Als er am Gesicht angekommen ist, legt er seinen Mund auf meinen und er küsst mich mit dieser wilden Leidenschaft, die mich mit sich reißt. Ungestüm schiebt er sich zwischen meine Beine und ich schlucke. Gott, er ist schon wieder bretthart.
Meine Mitte zieht sich sehnsüchtig zusammen. Das könnte heute eine lange Nacht werden.
Eine gefühlte Ewigkeit später sind wir beide zu erschöpft, um uns noch ein weiteres Mal zu lieben. Ich liege in seinen Armen, den Kopf gegen seine Brust gedrückt. Sein Herz schlägt ähnlich schnell wie meins. Der Raum ist still, nur unser Atem füllt die Dunkelheit. Ich fahre mit den Fingerspitzen über seinen Oberarm, spüre die Muskeln. Etwas an seiner Nähe beruhigt mich. Als würde er mich erden, still und stark. Durch seine Ruhe. Seine Kraft.
Er streicht sanft mit den Händen über meine Haare und ich seufze wohlig. Wie kann es sein, dass ich mich hier, mit ihm so vollständig fühle? Er vermittelt in dieser einen Nacht mehr Nähe, als Liam es jemals tat. Der Gedanke an meinen Ex-Freund trifft mich mit voller Wucht. An seine emotionale Kälte, die mein Herz langsam hat vereisen lassen. Ich fühlte mich nicht genug. Er war ein Narzisst. Jemand, der gar nicht lieben konnte – nur manipulieren. Warum ich seine Natur trotz meines psychologischen Backgrounds so lange nicht erkannt habe, werde ich nie verstehen.
Vielleicht, weil ich einfach geliebt werden wollte. Doch Liebe ist anscheinend nur eine Sache für andere. Deshalb habe ich mir im Fahrstuhl geschworen: nur diese eine Nacht. Keine Erwartungen. Kein Morgen. Trotzdem regt sich etwas in meiner Brust. Ich blöde Idiotin, ich!
»Du bist still«, murmelt er.
»Ich denke nach.« Hoffentlich laufen meine Wangen nicht rot an, und die plötzliche Hitze an seiner Haut verrät ihm meine Gefühle. Die ich unterdrücken muss. Ich darf mich nicht in ihn verlieben. Darum ging es hierbei nicht. Sondern nur um Sex. Dennoch kann ich nicht verhindern, dass mein Herz flattert und mein Magen Achterbahn fährt. Warum? Bloß weil er mir das Gefühl gibt, begehrenswert zu sein? Nein, es kommt mir vor, als schwinge mehr zwischen uns. Eine Art Verbundenheit ... Gott, wie komme ich darauf?
»Über mich?« Ich höre das Lächeln heraus. Doch ich habe den Eindruck, dass leichte Abwehr darin liegt.
Nur Sex, Olivia, vergiss das nicht. »Nein, ich erstelle gerade eine Checkliste für das nächste Teamevent. Du weißt schon, Firmengelder verprassen und so.«
Lachend knufft er mich. »Solange du nicht meinen Cashflow ruinierst. Das Geld vom alten Johnson kannst du munter ausgeben.« Er rollt sich zur Seite und betrachtet mich mit diesem dunklen Blick, der mich völlig durchdringt. Eine Hand legt er an meine Wange, der Daumen streicht darüber. »Weißt du, dass du die faszinierendste Frau bist, die ich je kennengelernt habe? Du bist taff, clever und witzig, aber verboten sinnlich. Wenn du meine HR-Chefin wärst, könnte ich mich nicht mehr auf meine Bilanzen konzentrieren.«
Das Kompliment rührt mich viel mehr, als es dürfte. Er schmeichelt sicher allen seinen Eroberungen. Er ist der klassische Womanizer. Charmant und unverfänglich. So schnell weg wie Nebel beim ersten Sonnenschein.
Dennoch ... Es klingt so echt, so ehrlich, dass sich ein Kloß in meiner Kehle bildet. Ich schlucke ihn weg, lächle spöttisch. »Erinnere mich daran, falls ich jemals für dich arbeiten sollte.«
»Das werde ich nie vergessen«, murmelt er und lehnt den Kopf zurück, schließt die Augen.
Ich betrachte sein Gesicht mit diesen markanten Wangenknochen und dem kräftigen Kinn, das ihn so entschlossen aussehen lässt. Seine vollen, perfekt geschwungenen Lippen verleihen ihm Wärme. Eine kleine Narbe am Auge verhindert, dass er zu makellos aussieht. Automatisch fahre ich darüber. »Woher kommt das?«
Er zuckt zusammen und öffnet die Lider. »Nur eine Erinnerung ... an eine Unachtsamkeit.«
Prüfend mustere ich ihn. Ein Hauch von Schwermut liegt in seinem Blick. »Was ist passiert?«, frage ich sanft und streiche über seine breiten Schultern.
Er schweigt so lange, dass ich schon glaube, er wird mir nicht mehr antworten. Das Thema scheint tiefer zu gehen, als es den Anschein hat. Ich überlege gerade, ob ich etwas Unverfängliches sagen soll, als er leise seufzt und sich zu mir dreht, die Augen noch dunkler. »Ein Unfall ... mit meinem kleinen Bruder. Als ich vierzehn und Ben fünf war. Ich habe ihn vom Kindergarten abgeholt, wie so oft, seit Mom wieder an einer Schule arbeiten gegangen ist. Ständig gab es Konferenzen, AGs oder etwas anderes, warum es bei ihr später wurde. Also wurde es irgendwann mein Job, mich darum zu kümmern, dass Ben sicher nach Hause kam.«
Eine steile Falte steht auf seiner Stirn, die ich am liebsten wegküssen würde. Was sich natürlich verbietet. Er würde das nicht wollen. Trotzdem hat diese Situation etwas Intimeres als unsere körperliche Vereinigung. »Das war nett von dir, dich um deinen kleinen Bruder zu kümmern.«
Er schnaubt. »Das lag nicht an mir. Hey, ich war ein Teenager, wollte mich mit Kumpels treffen. Zocken. Football. Mädchen ansprechen.« Er grinst, doch es sieht schmerzlich aus. »Aber Ben konnte wegen seines Down-Syndroms nicht allein bleiben. Und Dad war immer erst abends da.« Er zuckt mit den Achseln. »Blieb nur ich. Elena, meine älteste Schwester, war auf einem Internat für Hochbegabte.«
Ich lasse die Informationen wirken. Das mittlere Kind zu sein, ist psychologisch gesehen eine Herausforderung, das weiß ich vom Studium. Das Sandwich-Kind geht oft unter im Fokus der Eltern, fühlt sich nicht beachtet. In dieser Konstellation, mit einer Überfliegerin und einem besonderen Bruder, klingt es nach einer schweren Kindheit.
»An dem Tag war alles wie immer. Ben stapfte voraus, ich ging langsamer hinterher. Auf einmal rief er – Schau Phil, ein goldenes Baby-Pferd. Er quietschte regelrecht vor Freude. Dabei sind Pferde in Montana so häufig wie hier Touristen. Aber für Ben ist einfach alles auf dieser Welt spannend.« Er lächelt so voller Wärme, dass ich schlucken muss.
Sein Blick verengt sich und ein Muskel in seinem Gesicht zuckt. »Ich ... ich habe noch nicht einmal aufgesehen. Ich habe mit Kumpels gechattet, die gefragt haben, wann ich endlich zum Football komme. Dann lief er schon los, auf das Fohlen zu. Er wollte es wohl streicheln. Aber er stolperte und fiel so unglücklich in den Maschendrahtzaun, dass sich die Spitzen in seinen kleinen Körper bohrten.«
Er versteift sich, und ich merke, dass er schwerer atmet. Mit einer Hand wischt er sich über das Gesicht. Ich will ihn trösten, aber ich spüre, dass das, was ihn quält, herausmuss. Das braucht er nun. Also sehe ich ihn schweigend an.
»Mein kleiner Bruder schrie auf, und das Blut schoss heraus. Ich rannte zu ihm, sah all das Rot, die entsetzliche Angst in seinem Blick. Er wusste nicht, wie er sich dem Schmerz entziehen konnte, zappelte und trieb dabei den Draht weiter in sich. Ich wollte ihn aufrichten. Doch er war so panisch, dass er sich gegen mich wehrte, sich immer mehr verletzte. Ich versuchte, ihm herauszuhelfen. Dabei stürzte ich selbst und riss mir an einer rostigen Spitze des Zauns die Haut unter dem Auge auf. Ich spürte es kaum – ich musste ihn aus dem Draht herausziehen. Was mir nach viel zu langer Zeit gelang.« Er seufzt leise.
»Wie schrecklich.« Jetzt kann ich mich nicht mehr zurückhalten, sondern lege eine Hand auf seine. »Phil, das muss furchtbar für dich – für euch – gewesen sein! Was hast du gemacht? Kam jemand, um euch zu helfen?«
Er zuckt mit den Schultern. »Wo denkst du hin? Die Ranch war viel zu weit weg. Und ich habe mich nicht getraut, Mom oder Dad anzurufen. Also trug ich Ben bis nach Hause. Ich weiß nicht mal mehr genau, wie. Er hat gezappelt und geweint. Meine Mom war außer sich. Weil er Angst hatte. Und entsetzliche Schmerzen.« Ich sehe die bohrenden Schuldgefühle in seinem Blick. »Das wäre nicht passiert, wenn ich besser auf ihn aufgepasst hätte. Wenn ich besser funktioniert hätte.«
»Du warst vierzehn«, protestiere ich. »In dem Alter macht man auch mal Dummheiten. Man sieht noch nicht jede Konsequenz so klar wie als Erwachsener. Das Gehirn arbeitet bei einem Teenager einfach anders. Das ist Biochemie.«
Er lächelt gequält. »Das haben meine Eltern nicht ganz so gesehen. Sie haben mich am Abend zusammengefaltet, wie ich zulassen konnte, dass Ben so etwas Schlimmes passiert. Mein kleiner Bruder – meine Verantwortung.«
Ich muss schlucken, denn in diesen Worten liegt so viel. Schuld. Liebe. Und ein Schutzinstinkt, der tiefer geht, als er sich vermutlich versteht. »Du hast ihn den ganzen Weg nach Hause getragen. Obwohl du selbst große Angst gehabt haben musst.« Ich lächle ihn weich an, drücke seine Hand. »Weißt du, wie wunderbar das ist?«
»Vielleicht.« Er zuckt mit den Schultern. »Aber die Narbe erinnert immer daran, was Verantwortung bedeutet. Dass man sich ihr nie entziehen darf. Man muss funktionieren.«
Obwohl er es nüchtern von sich gibt, fühle ich den Schmerz, der darin mitschwingt. Als hätten seinen Eltern in ihm stets nur den Aufpasser seines kleinen Bruders gesehen. Nicht das Kind, das ebenfalls behütet und geliebt werden will. Der Kummer schneidet mir tief ins Herz. »Phil, das ist keine Narbe aus Dummheit. Das ist ein Ehrenzeichen. Du warst da für deinen Bruder. Du bist es immer noch. Und das sagt mehr über dich aus als alles andere.«
Seine Miene verändert sich. Etwas Weiches blitzt auf, vielleicht Erleichterung. Vielleicht Dankbarkeit. Dann zieht er mich ganz langsam zu sich. Kein stürmischer Kuss diesmal. Nur Nähe. Die Nähe, die wir beide brauchen.
Als ich am Morgen erwache, ist es kalt neben mir. Verwirrt drehe ich mich um. Phil ist nicht mehr da. Ist er vielleicht im Bad? Aber dort ist es still. Nur das leise Brummen der Klimaanlage, das sich wie eine träge Erinnerung durch den Raum zieht. Ich setze mich auf, ziehe die Bettdecke enger um mich und spähe zur Garderobe. Keine Jacke, keine Schuhe.
Nichts von ihm ist geblieben – außer dem Abdruck seines Körpers auf dem Laken und der leichten Wärme, die dort noch hängt, wo sein Arm mich gehalten hat. Mein Blick fällt auf den Nachttisch. Keine Nachricht. Kein »Danke für die Nacht«-Kitsch. Oder eine Telefonnummer. Nichts.
Meine Kehle schnürt sich zusammen und meine Augen brennen. Wieso hat er das nur gemacht? Ich hatte gedacht, dass sich irgendwann etwas zwischen uns aufgebaut hätte. Dass er anders wäre. Ich schnaube. Nur weil er dich angesehen hat, als würdest du ihm etwas bedeuten. Olivia, sieht es ein: Das gehört zum Game. Phil wollte nur Sex.
Und ich ja auch. Zumindest anfangs. Bis ich erkannt habe, dass unter seiner arroganten Schale ein toller Kerl schlummert. Aber leider haben sich beide aus dem Staub gemacht. Ich werde ihn nie wieder sehen. Seltsamerweise fühlt sich dieser Gedanke an, als risse man mir etwas aus der Brust. Etwas, das eigentlich zu mir gehört.
Die Straßen von Boston ziehen an mir vorbei, während der Fahrer schweigend dem Navi folgt. Backsteinfassaden, Metallbrücken und Glas. Diese Stadt ist ein faszinierender Mix aus neu und alt. Ich bin schon ein paarmal hier gewesen, wenn ich Vireva einen Besuch abstatten musste. So wenig ich unsere Holding-Leute mag, sosehr fasziniert mich diese Stadt. Die Wiege der Freiheit. Und vielleicht bald meine Heimat? Ich schließe die Augen, versuche, mich zu sammeln. Ein Teil von mir kann es immer noch nicht recht glauben, dass ich ein Vorstellungsgespräch bei NexGen habe. Als Chief People Officer – CPO. Vorständin bei einem Shootingstar der Biotech-Szene. Das ist eine andere Nummer als mein jetziger Job bei Floral Beauty.
Klar, Kosmetik ist cool. Aber das Unternehmen ist im Vergleich zu NexGen ein Zwerg. Ich wäre für über zehntausend Mitarbeitende an fünfzig Standorten verantwortlich. Eine irre Chance – und das mit Anfang dreißig. Meine Haut prickelt und mein Herz pocht. Ich will diesen Job. Er ist genau das, was mich weiterbringt. Auch wenn er mich an ein Erlebnis erinnert, das ich unter allen Umständen verdrängen wollte. An Phil.
Ein Druck legt sich auf meine Brust, von dem ich dachte, ich hätte ihn überwunden. Warum muss ausgerechnet er der CEO sein? Ich hätte nicht erwartet, ihn jemals wiederzusehen. Aber dann kam der Anruf vom Headhunter, ich habe zum Unternehmen recherchiert – und sein markantes Gesicht auf der Konzern-Website gesehen. Der Anblick hat mich getroffen wie ein Hammer. Mit voller Wucht in den Magen, es hat alle Luft aus meiner Lunge gepresst.
Verdammt, mein Atem geht schon wieder flacher. Wie soll ich es überstehen, mit ihm zu reden? So zu tun, als wäre niemals etwas zwischen ihm und mir geschehen? Als hätte ich ihn nicht mit meinen Beinen umschlungen, ihn gespürt ... Ich müsste sogar mit ihm zusammenarbeiten, falls ich das Angebot annehme. Mein erster Reflex war es gewesen, dem Headhunter zu sagen, jedes andere Unternehmen wäre besser als NexGen. Wirklich jedes. Und wenn es in Alaska wäre.
Aber dazu ist der Job zu gut. CPO bei einem großen Konzern, der sich neu ausrichtet. Die Fusion mit BioVaris ist offiziell vollzogen worden und die Firmen sind Teil der neuen Holding SynoVation Arc. Sie brauchen jemanden mit innovativen Ideen, der den Prozess für beide Unternehmen leitet, wie der Headhunter meinte. Weil die Personalchefin von BioVaris nach einem Skandal gehen musste und die von NexGen kurz danach abgeworben wurde.
Die neue Position soll beide Stellen ausfüllen, damit die Firmen zusammenwachsen. Eine tolle Herausforderung. Wie könnte ich das ablehnen? Und warum? Nur wegen einer einzigen Nacht? Die schon fünf Jahre her ist. Nein, ganz sicher nicht. Es sei denn, Phil wäre auch im Job ein Arschloch. Dann bin ich schneller wieder in Seattle, als er aus dem Bett springen kann.
Es wäre albern. Auch wenn Phil etwas in mir ausgelöst hat, was ich nicht spüren wollte. Es sollte nur Sex sein. Unverbindlich. Heiß. Und vor allem: ohne Gefühle. Doch irgendwie hat er eine Saite in mir zum Klingen gebracht. Eine Saite, die ich nie spiele. Und dann war er weg.
Ich atme tief durch, balle die Hände zu Fäusten, bis sich meine pink lackierten Fingernägel in meine Handflächen bohren. Der Schmerz lenkt mich von den nutzlosen Gedanken ab. Das ist vergessen. Es war nur eine kurze Gefühlsverirrung. Ich bin jetzt eine andere. Mit einem neuen Look. Ich sehe mein Spiegelbild im Fenster. Lange rote Locken umrahmen mein Gesicht, weiblich und verwegen. Kein Vergleich zu dem strengen, aschblonden Bob, den ich damals getragen hatte. Weil ich mein wahres Ich unter einer Uniform der Seriosität verbergen wollte.
