Fort Aldamo 59 - Western - Frank Callahan - E-Book

Fort Aldamo 59 - Western E-Book

Frank Callahan

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Beschreibung

Master Sergeant Finnewacker steht vor einem Rätsel. Sein Stellvertreter Fitzgerald benimmt sich seit ein paar Tagen mehr als seltsam. Irgendein düsteres Geheimnis macht ihm schwer zu schaffen. Als Fitzgerald vier Wochen Urlaub beantragt und sich auf den Weg nach Yuma City macht, muss Finnewacker ihn zähneknirschend reiten lassen.
Was will der Kleine in Yuma City? Was bedrückt ihn so sehr? Verzweifelt sucht Finnewacker nach einem Grund, dem kleinen Krauskopf folgen zu können. Er bekommt ihn schneller, als er glaubt: Fitzgerald machte sich ohne Proviant auf den höllischen Trail!
Wie der Teufel jagt Finnewacker seinem besten Freund hinterher - und in ein Abenteuer, wie es dramatischer nicht sein kann...

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Seitenzahl: 130

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhalt

Cover

Über diese Serie

Impressum

Blutige Weide

Vorschau

Titelliste Fort Aldamo

Über diese Serie

Liebe Western-Freunde!

Mit FORT ALDAMO bringt Bastei die erweiterte Neuauflage eines Klassikers von Bill Murphy und Frank Callahan, der in den Jahren 1982 bis 1987 schon einmal gedruckt wurde – allerdings in geteilter Form. Erst erschienen 1982 in der Reihe WESTERN-HIT (WH) 14 Romane, dann startete – parallel zu CAPTAIN CONCHO, wo ein um 15 Jahre jüngerer Sergeant Finnewacker mitwirkt – die eigene Serie mit 44 Heften (1984/85), deren erste vier Bände noch vor den WH-Ausgaben spielten. Anschließend folgten noch einmal fünf Romane im WH (1986/87). Und als die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker dann eingestellt wurden, blieben weitere fünf bereits verfasste Manuskripte unveröffentlicht.

In dieser Sammler-Ausgabe vereinen wir nun alle FORT-ALDAMO-Romane – insgesamt 68 Stück – in chronologischer Reihenfolge! Und illustrieren sie einheitlich mit den Covern des Malers Günter König, der damals etwa zwei Drittel aller Titelbilder beigesteuert hat.

Noch ein Wort zur recht derben, manchmal auch »politisch inkorrekten« Sprache in den Romanen: FORT ALDAMO ist eine Western-Militärserie, die in einem Gefangenenfort weitab der Zivilisation spielt. Die Ausdrucksweise der Soldaten ist dementsprechend zotig und sollte nicht auf die Goldwaage gelegt werden; im Gegenteil macht sie einen Teil des Flairs aus, das FORT ALDAMO auszeichnet. Jeder Leser, der seine Zeit beim Bund absolviert hat, wird uns da zustimmen.

Genießen Sie also die Abenteuer des Haudegens Finnewacker und seiner »Mannschaft«. Wir wünschen viel Lesespaß!

Die ALDAMO-Redaktion

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Günther König / Hertha König

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-5879-7

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Blutige Weide

von Frank Callahan

Master Sergeant Finnewacker steht vor einem Rätsel. Sein Stellvertreter Fitzgerald benimmt sich seit ein paar Tagen mehr als seltsam. Irgendein düsteres Geheimnis macht ihm schwer zu schaffen. Als Fitzgerald vier Wochen Urlaub beantragt und sich auf den Weg nach Yuma City macht, muss Finnewacker ihn zähneknirschend reiten lassen.

Was will der Kleine in Yuma City? Was bedrückt ihn so sehr? Verzweifelt sucht Finnewacker nach einem Grund, dem kleinen Krauskopf folgen zu können. Er bekommt ihn schneller, als er glaubt: Fitzgerald machte sich ohne Proviant auf den höllischen Trail!

Wie der Teufel jagt Finnewacker seinem besten Freund hinterher – und in ein Abenteuer, wie es dramatischer nicht sein kann …

»Morgenstund ist aller Laster Anfang«, brummte Sergeant Fitzgerald missvergnügt und nickte Master Sergeant Finnewacker zu, der hinter seinem Schreibtisch thronte und sich mit dem Rauch einer dicken Zigarre eingenebelt hatte.

Der kommissarische Commander von Fort Aldamo und Spieß der Strafkompanie grinste breit und wedelte dann mit einer Hand die Rauchschwaden fort, als wolle er einen Fliegenschwarm verscheuchen.

»Morgenstund hat Gold im Mund, wer daran glaubt, ist selber schuld!«, tönte er. »Uralter Kalenderspruch eigens von mir überarbeitet!«

Fitzgerald, der kleinwüchsige und kraushaarige Sergeant – Finnewackers Stellvertreter in Fort Aldamo – trat ans Fenster und öffnete es.

»Ich verstehe beim besten Willen nicht, wie du es nur in diesem Mief aushalten kannst«, protestierte er.

»Mein lieber Schwan!«, tönte der alte Haudegen. »Du scheinst heute aber mit beiden Beinen falsch aufgestanden zu sein, Kleiner. Hast wohl schlecht geschlafen, was?«

»Habe ich nicht!«

»Was denn sonst? Anstatt mir einen wunderschönen Tag zu wünschen, pflaumst du mich schon am frühen Morgen an.«

Sergeant Fitzgerald nahm Haltung an.

»Einen wunderschönen guten Morgen, Sir!«, spöttelte er.

Dann aber wurde das braun gebrannte Gesicht des kleinen Krauskopfs ernst. Finnewackers Stirn furchte sich.

»Also spuck schon aus, was du auf dem Herzen hast, Kleiner. Aber bitte schonend. Es ist wirklich noch reichlich früh am Tage.«

»Ich bitte dich um Urlaub, Master Sergeant. Vier Wochen – wenn’s möglich ist!«

Der Commander von Fort Aldamo legte die Zigarre in den Aschenbecher und starrte seinen alten Kameraden verblüfft an.

»Was …? Sag das noch einmal. Könnte ja sein, dass ich mich verhört habe, altes Kanonenrohr!«

»Ich bitte dich, mir vier Wochen Urlaub zu gewähren. Er steht mir zu, wie du weißt. Außerdem ist er längst überfällig!«

Es hielt den Commander nicht mehr länger hinter seinem Schreibtisch. Er stand auf, stiefelte auf Fitzgerald zu und blieb dicht vor dem altgedienten Sergeant stehen.

»Dürfte ich den Grund dafür wissen, Fitzgerald? Mit dir stimmt doch etwas nicht. Wenn ich so nachdenke, dann fällt mir erst jetzt auf, dass du seit zwei Tagen reichlich mürrisch durch die Gegend wandelst. Was ist geschehen? Kann ich dir irgendwie helfen?«

Fitzgerald zögerte mit einer Antwort.

»Steckst du in einer Klemme, Kleiner? Spielschulden, oder hat es Ärger mit den anderen Chargierten gegeben?«

Fitzgerald schüttelte den Kopf.

Master Sergeant Finnewacker sah seinen Freund ernst an.

»Bring mich nur nicht auf die Palme«, fauchte er dann. »Muss ich dir wirklich jedes Wort aus der Nase ziehen – verdammt noch mal? Wenn du aber kein Vertrauen zu einem alten Amigo hast, dann zieh Leine.«

Der kleine Krauskopf nickte traurig und wollte sich abwenden. Finnewacker packte den Gefährten am Arm und hielt ihn zurück.

»Ist doch nur Spaß gewesen, du Hecht. Du hast mächtig große Sorgen. Das sehe ich dir an. Du solltest mir wirklich dein Herz ausschütten. Wozu sind wir Freunde? Und Freundschaft beweist sich erst in der Stunde der Not. Selbstverständlich ist der Urlaub genehmigt.«

»Danke, Finnewacker.«

»Ist das alles …?«

»Ja … äh … nein.«

»Drück dich klarer aus – zum Henker!«

Sergeant Fitzgerald sah seinen Vorgesetzten mit gequältem Gesichtsausdruck an. Einige große Schweißperlen rannen ihm über die Stirn.

»Tut mir wirklich leid, mein Alter. Ich kann’s dir aber beim besten Willen nicht sagen.«

»Na gut«, brummte Finnewacker enttäuscht. »Ich hätte niemals gedacht, dass du kein Vertrauen zu mir hast. Ist aber wohl nicht zu ändern. Wann willst du losreiten?«

»In einer Stunde!«

»Gut, lass dir von Sergeant Kleiber genügend Vorräte mitgeben. Bringe den dicken Küchenbullen mal ein bisschen auf Schwung.«

»Aye, Finnewacker!«

Fitzgerald grüßte korrekt und verließ mit schnellen Schritten die Kommandantur. Der Commander von Fort Aldamo starrte ihm nachdenklich hinterher.

»Himmel, Arsch und Zwirn!«, machte er dann seinem Ärger Luft. »Das ist ja ein Ding. Ich kriege aber raus, was da läuft. Das wäre doch gelacht!«

***

Sergeant Wollcram sauste in die Kommandantur hinein. Der schneidigste Soldat der Strafkompanie schlug schon an der Tür die Hacken zusammen, dass es nur so krachte. Und vor Finnewackers Schreibtisch machte er nochmals »Diesen«, wie es der Master Sergeant bezeichnete.

Wollcram übersah, dass sein Vorgesetzter die Stirn runzelte.

»Sergeant Wollcram meldet sich als Wachhabender zur Stelle, Master Sergeant. Keine besonderen Vorkommnisse!«

Wollcram salutierte erneut und reagierte nicht auf den tiefen Seufzer Finnewackers. Bisher war es dem Commander nicht gelungen, Wollcram das ewige Salutieren abzugewöhnen.

»Danke, Sergeant.«

»Hast du noch Befehle für mich?« Finnewacker schüttelte den Kopf.

»Wer steht heute als Wachhabender auf dem Dienstplan?«

»Sergeant Gammer!«

»In Ordnung, Wollcram. Du kannst dich aufs Ohr hauen und den versäumten Schlaf nachholen. Gammer soll den Morgenappell abhalten.«

»Zu Befehl, Master Sergeant!«, schmetterte Wollcram und schlug erneut die Hacken zusammen. Dann machte er zackig kehrt und sauste davon, als wären ein Dutzend blutgieriger Apachen hinter ihm her.

Die Tür fiel dumpf ins Schloss.

Sekunden später pochte es zaghaft dagegen.

»Herein – wenn’s kein Feind ist!«, ließ der Commander von Fort Aldamo seinen altbewährten Spruch los und hoffte, dass der Bursche erst gar nicht in die Kommandantur kam.

Es war Sergeant Fitzgerald, der hereintrat und vor seinem Vorgesetzten sein Männchen bauen wollte.

»Schon gut, Kleiner«, winkte Finnewacker ab. »Du bist reisefertig, nicht wahr? Gut, dann kann ich dir nur noch viel Glück auf deinem Trail wünschen. Und komme mir bloß wieder gesund und munter zurück!«

»Das habe ich vor, mein Alter«, antwortete der kleine Krauskopf und schüttelte Finnewackers Hand. Er wich dem Blick des alten Haudegens aus und lächelte ein wenig verloren.

»Nimm dir ’ne Brieftaube mit, alter Waldschrat. Könnte ja sein, dass du irgendwie in Schwulitäten gerätst. Ich bin dann sofort zur Stelle, wie du weißt. Viel Glück Kleiner!«

»Danke, Finnewacker!«

»Willst du mir nicht wenigstens verraten, wohin du reiten willst? Das brauche ich für den Urlaubsantrag. Könnte ja sein, dass hier alles zusammenbricht und deine Anwesenheit vonnöten ist.«

Fitzgerald zögerte schon wieder.

»Mann, du stellst dich an wie eine alte Jungfer vor dem ersten … äh … Rendezvous.«

»Nach Yuma City«, sagte Fitzgerald leise.

»Na also. Ich hoffe nicht, dass du dort die Bank ausrauben oder sonst ein dickes Ding drehen willst!«

»Vielleicht will ich eine Postkutsche überfallen; vielleicht will ich aber auch nur einige Tage meine Ruhe haben.«

Sergeant Fitzgerald salutierte, verließ die Kommandantur und ließ seinen Master Sergeant reichlich verbiestert zurück.

Finnewacker trat ans Fenster und spähte hinaus. Der Morgenappell war längst vorüber. Die einzelnen Kommandos hatten das Fort verlassen. Auf den Zinnen der hohen Mauern, die Fort Aldamo umgaben, patrouillierten Wachposten.

Es dauerte nicht lange, dann ritt Sergeant Fitzgerald durch das Tor in die Wüste hinaus, die die alte, ehemals spanische Festung der Konquistadoren umgab.

Das Tor wurde wieder quietschend und ächzend von zwei Strafsoldaten geschlossen.

»Hölle!«, knurrte Finnewacker. »Was ist nur geschehen, dass Fitzgerald kein Vertrauen mehr zu mir hat? Er scheint in einer mächtig schlimmen Klemme zu stecken. Was kann ich nur für ihn tun?«

Master Sergeant Finnewacker starrte noch immer grimmig auf das geschlossene Tor.

Und er hatte plötzlich das Gefühl, seinen langjährigen Kameraden niemals wieder zu sehen …

***

»Was willst du denn von mir, alte Küchenschabe?«, fragte Finnewacker und musterte Sergeant Kleiber wie ein seltenes Insekt.

Der dicke Küchensergeant versuchte, seinen kugelrunden Bauch einzuziehen, der wie ein Ballon über das Koppel quoll. Wie immer ging dieser Versuch mächtig daneben.

Der wohlgenährte Küchenbulle, wie Kleiber scherzhaft von seinen Kameraden genannt wurde, deutete einen Gruß an, bei dem jeden Rekrutenausbilder der Schlag getroffen hätte.

Finnewackers Schnurrbart begann sich Unheil verkündend zu sträuben.

Und das war stets ein schlechtes Zeichen, was den Gemütszustand des altbewährten Haudegens betraf.

»Ich versteh’s einfach nicht, Finnewacker«, seufzte Kleiber. »Erst macht dieser Gartenzwerg einen solchen Wirbel, und dann reitet er davon, ohne den Proviant mitzunehmen.«

»Sprichst du von Fitzgerald?«, fragte Finnewacker interessiert.

»So ist es, Master Sergeant. Der Kleine scheint wohl sehr zerstreut zu sein. Auf jeden Fall ist er mit leeren Satteltaschen losgeritten.«

Kleiber zuckte hilflos mit den Schultern. Seine dicken Backen wackelten wie ein Pudding.

»Vielleicht hat Sergeant Fitzgerald auch angenommen, dass ihm meine Leute alles in die Satteltaschen packen. Als wir es tun wollten, war Fitzgerald aber schon losgeritten. Das wollte ich dir melden, Finnewacker!«

Der Commander von Fort Aldamo grinste plötzlich, was Kleiber äußerst irritierte. Er legte den Kopf schief und trat vorsichtshalber einen Schritt zurück.

»Lass alles in einen Proviantsack packen, Kleiber. Ab mit dir! Ich reite Fitzgerald hinterher und bringe ihm das Zeug. Du findest mich im Pferdestall. Vorwärts – dalli, dalli!«

»Aye, Finnewacker!«, murmelte der wohlgenährte Wonneproppen, deutete einen Gruß an und schlurfte davon.

»Dalli, dalli, hatte ich gesagt!«, röhrte der Master Sergeant. »Los, setz mal deinen dicken Hintern etwas schneller in Bewegung!«

Sergeant Kleiber beschleunigte sein Tempo. Auf jeden Fall hätte er jetzt eine Schnecke in einem Wettrennen glatt geschlagen.

Finnewacker knurrte drohend, was Kleiber aber keineswegs beeindrucken konnte. Der Dicke war nun einmal ein Gemütsmensch, den so schnell nichts aus seiner Bierruhe bringen konnte.

»Ordonnanz!«

Die Tür zur Kommandantur flog auf. Ein baumlanger Strafsoldat im grauweißen Drillich sauste herein und grüßte zackig.

»Zu Befehl, Master Sergeant!«

»Sag dem Stallmeister Bescheid, dass ich in exakt fünf Minuten das beste Pferd übernehmen will.«

»Aye, Master Sergeant. Das beste Pferd für den Master Sergeant.«

Der Sträfling wollte davonsausen.

»Ich bin noch nicht fertig, du Nulpe«, knurrte Finnewacker. »Schicke die Sergeanten Wollcram und Larsen zu mir. Abtreten!«

»Zu Befehl, Master Sergeant.«

Der Strafsoldat salutierte und sauste wie ein geölter Blitz davon. Und es dauerte nur zwei Minuten, dann stiefelten Wollcram und Larsen herein.

»Nein!«, brüllte Finnewacker, als Wollcram zum zweiten Mal »Diesen« machen wollte. Der schneidige Soldat sah seinen Vorgesetzten erschüttert an und überlegte wohl, was er da falsch gemacht haben könnte.

»Ich folge Fitzgerald«, sagte Finnewacker. »Er hat seinen gesamten Proviant vergessen. Irgendwie ist der Kleine völlig durcheinander. Hat einer von euch eine Ahnung, was mit ihm los ist?«

»Keiner der Kameraden weiß, was los ist. Fitzgerald hat mit keinem von uns darüber gesprochen. Wir alle machen uns Sorgen. Unser Kleiner wirkte seit einigen Tagen sehr verändert«, antwortete Sergeant Gammer.

Finnewacker nickte und sah Wollcram fest an.

»Du übernimmst das Kommando während meiner Abwesenheit. Ich weiß nicht, wie lange ich unterwegs sein werde. Auf jeden Fall werfe ich mal ein Auge auf Fitzgerald. Das gefällt mir alles nicht. Verstanden?«

»Zu Befehl, Finnewacker!«, tönte Wollcram und salutierte zackig.

»Du kümmerst dich darum, dass der Proviantsack auf mein Pferd geladen wird, Gammer. Kleiber soll auch meine Satteltaschen gut ausstaffieren. Das wär’s, Männer. Ich reite in drei Minuten los!«

»Zu Befehl, Finnewacker!«, riefen die beiden Sergeanten wie aus einem Mund und eilten davon.

***

Fort Aldamo lag hinter dem Master Sergeant. Die hohen Mauern der ehemaligen Festung der Konquistadoren blieben zurück.

Schlaff hing die Unionsflagge vom Fahnenmast, denn es wehte kein Windhauch. Die Sonne stach wie mit glühenden Lanzen vom wolkenlosen Himmel. Die Luft über dem zwei Meilen entfernten Buschgürtel flimmerte messingfarben und schien zu kochen.

Weit draußen in der Wüste tanzten einige Staubfontänen, die nur von Sergeant Fitzgeralds Pferd stammen konnten.

»Der Kleine hat’s aber verdammt eilig!«, knurrte der Commander von Fort Aldamo. »Hoffentlich hat er nicht die Nase voll und will desertieren. Irgendwie hat er sich in den letzten Tagen sehr verändert. Und ich Hornochse habe das zu spät bemerkt!«

Master Sergeant Finnewacker trieb seinen Rapphengst noch mehr an. Das Pferd streckte sich willig und legte los, als wolle es ein Rennen gewinnen. Natürlich war Finnewacker klar, dass der Vierbeiner dieses Tempo höchstens zwei oder drei Meilen durchhalten konnte.

Der alte Haudegen holte auf. Eine halbe Stunde später erkannte er Pferd und Reiter deutlich vor sich.

Finnewacker zog seinen Karabiner aus dem Futteral, richtete den Lauf himmelwärts und drückte dreimal dicht hintereinander ab.

Grell peitschten die Schüsse.

Es war genau so, wie es der Commander erwartet hatte.

Sergeant Fitzgerald drehte sich im Sattel um und sah den Reiter hinter sich. Der kleine Krauskopf zügelte seinen grauen Wallach und wartete auf seinen Vorgesetzten, der schnell heranritt.

Finnewacker starrte in das grimmige Gesicht des altgedienten Sergeanten, der ihn forschend musterte.

»Scheinst dich nicht sehr über meinen Besuch zu freuen, was …?«

»Wenn ich gewollt hätte, dass du mich begleitest, dann …«

»Schon gut, Kleiner. Wenn du willst, kehre ich sofort wieder um. Aber erst, wenn ich dir deinen Proviant übergeben habe, den du doch glatt vergessen hast. Scheinst mächtig neben der Kappe zu sein.«

Fitzgeralds Blick wurde noch misstrauischer. Er öffnete eine Satteltasche und zuckte dann mit den Schultern.

»Muss ich wirklich übersehen haben.«

»Du hast auch keine Brieftaube mitgenommen«, brummte Finnewacker. »Was ist nur los mit dir?«

»Ich bin urlaubsreif, mein Alter. Das ist alles!«

»Wirklich?«

Sergeant Fitzgerald nickte.

»Das kannst du jemandem erzählen, der frühmorgens die Hosen mit einem Stiefelknecht anzieht«, polterte der alte Haudegen. »Los, Kleiner. Meine Geduld ist zu Ende. Ich will jetzt auf der Stelle wissen, was da für ein Spielchen läuft!«

Fitzgerald presste die Lippen fest aufeinander und schüttelte entschlossen den Kopf.

»Du willst also nicht antworten?«

»Will ich nicht!«

Finnewacker schluckte mehrmals. Dann nahm er den Proviantsack vom Sattelhorn und warf ihn dem kleinen Krauskopf zu.

»Danke, Finnewacker. Tut mir leid, dass ich so vergesslich gewesen bin und du den Ritt umsonst gemacht hast.«

»Habe ich das?«

Sergeant Fitzgerald seufzte tief.

»Du lässt bestimmt nicht locker – wie ich dich kenne. Du bleibst mir auf den Fersen, weil du meinst, mir unbedingt helfen zu müssen, oder?«